1921-1940 2. Seite
 mit 15 von 15 Kriminalfällen
 

 

 

 

1. Der Fall - Franz Meilinger

Es war 1935, genau am 15. Januar des Jahres. Ein kalter Wintertag, trotzdem, oder gerade deswegen war der Wilderer im Wald bei Göriach unterwegs. Dabei wurde er von Oberjäger Franz Meilinger auf frischer Tat ertappt. Doch so rasch wollte der Wilddieb nich aufgeben. Ein harter Kampf entbrannte zwischen den beiden Männern, ein Kampf auf Leben und Tod. Der gestellte Wilderer feuerte auf den Jäger und traf diesen, wobei er aber nur die Jacke Meilingers durchlöcherte. Dieser schoss in Gegenwehr zurück und traf seinen Widersacher tödlich.

Die Leiche des Wilderers wurde in der örtlichen Gemeindestube obduziert. Beigesetzt wurde der Wilderer in Mariapfarr. Der Oberjäger Franz Meilinger kam gut davon. Er wurde in Erfüllung seiner Pflicht vom Gericht freigesprochen.

Quellen: - Die Wilderer (von Andreas und Regina Zeppelzauer) Ausgabe 2004 Graz - S.89 - ISBN 3-85365-206-9

 

 

2. Der Fall - Roy Gardner

Roy Gardner (* 5. Januar 1884 in Trenton, Missouri; + 10. Januar 1940) war ein US-amerikanischer Eisenbahn- und Juwelenräuber und Ausbruchskünstler.

Im Verlauf seiner kriminellen Karriere erbeutete Gardner Devisen und Wertpapieren im Wert von über 1 Million Dollar. Seine delinquenten Husarenstreiche brachten ihm verschiedene Spitznamen wie "The Smiling Bandit", "The Mail Train Bandit" oder "King of the Escape Artists", sowie eine auf seinen Kopf ausgesetzte Belohnung in Höhe von mehr als 5000 $ ein.
Gardners Findigkeit und vollendete Meisterschaft als Ausbrecher aus Gefangenentransporten und Strafvollzuganstalten ist als ein Stück moderner Folklore in die amerikanische Geschichte eingegangen. Die Bezeichnung seiner Virtuosität als Ausbrecher mit dem Wort escapology, einem Attribut das im englischen Sprachraum vor allem auf Entfesselungskünstler wie Harry Houdini angewandt wird, nur selten hingegen auf Gefängnisflüchtige, weist auf die geradezu wissenschaftliche Perfektion seines Könnens in diesem Bereich hin.

Gardner war knapp 1,82 m groß, besaß einen kräftigen, stämmigen, aber sportlichen Körperbau, durchdringende blaue Augen und schwarze Haare, entsprach also in vielerlei Hinsicht dem Klischee des schneidigen Gangsters der Zugräuberperiode und der Prohibitionsjahre.

Gardner wurde 1884 auf einer Farm in Trenton (Missouri) geboren und verbrachte seine Jugend ab dem achten Lebensjahr in Colorado Springs, wo sein Vater ein örtliches Elektrizitätswerk leitete. Sein frühes Erwachsenenleben verbrachte Gardner als vagabundierender Abenteurer im Südwesten der Staaten, wo er sich unter anderem als Bergmann und Hufschmied seinen Lebensunterhalt verdiente. Gardner schloss sich eine zeitlang der amerikanischen Armee als Rekrut beim 22. Infanterieregiment in Fort Worth, Texas, an. Von 1903 bis 1905 war er auf den Philippinen stationiert. 1906 desertierte Gardner und setzte sich zunächst nach Noglas in Mexiko ab.
Während der Mexikanischen Revolution betätigte er sich als Waffen- und Munitionsschmuggler zugunsten der revolutionären Carranza Truppen. Nach seiner Ergreifung durch die Armee des Diktators Huerta wurde er zum Tode verurteilt, konnte jedoch am 20. März 1909 seinem Henker auf dem Weg zur Hinrichtung überwältigen und aus dem Gefängnis von Mexikostadt entkommen. Nach seiner Rückkehr in die Staaten verdingte er sich zunächst als Preisboxer, eine Profession in der im Sommer 1910 immerhin bis zum Sparringpartner des Schwergewichtschampions J.J. Jeffries im Trainingslager von Ben Lemond in Reno aufstieg.
Nachdem Gardner seinen Verdienst aus seiner Zeit als Boxer beim Glücksspiel durchgebracht hatte, überfiel er im Sommer 1910  Gilindemann Jewelry Store, ein Juweliergeschäft in San Francisco, wurde jedoch ergriffen und zur Verbüßung seiner Haftstrafe ins Staatsgefängnis San Quentin geschickt. Nachdem er 1912 einem Wärter während eines Häftlingsaufstands das Leben gerettet hatte wurde er vom Gouverneur begnadigt und vorzeitig entlassen. Er arbeitete als Schweißer bei Linde Air Products Company in San Francisco. Im Juni 1913 heiratete Gardner die Kellnerin Dolly Nelson. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, die am 23. September 1917 geboren wurde.
Während des 1. Weltkrieges betätigte er sich als Acetylenschweißer im Marinelager Mare Island für die Schwa-Batcher Company. Am Waffenstillstandstag 1918 verließ er Schwa-Batcher und öffnete seine eigene Firma.
Gardners eigenen Angaben zufolge wandte er sich der Zugräuberei zu, nachdem er seiner in finanzielle Not geratenen Schwester einen Brief mit 200 $ schickte: da nur der Brief, nicht jedoch die Banknote bei ihr eingetroffen sei und er all sein restliches Geld verspielt hatte, habe er es als sein Recht empfunden, sich an der Bahngesellschaft zu rächen.
Als Tatsache bleibt bestehen, ungeachtet der Zweifelhaftigkeit dieser apologetischen Anekdote, dass Gardner in der Nacht des 16. Aprils 1920 außerhalb von San Diego einen Postzug der U.S. Mail überfiel und dabei 80.000 $ in Devisen und Wertpapieren erbeutete. Drei Tage später wurde er beim Vergraben seiner Beute gestellt und verhaftet. Gardner wurde wegen bewaffneten Überfalls zu einer fünfundzwanzigjährigen Haftstrafe in McNeil's Island in Washington verurteilt, schwor derweil noch im Gerichtssaal, dass er seine Strafe niemals absitzen würde. Am 5. Juni 1920, während er in Begleitung der US Marshals Cavanaugh und Haig im Zug auf dem Weg ins Gefängnis war, gelang es ihm, in der Nähe von Portland, die Waffe eines der beiden Gesetzeshüter an sich zu bringen, die beiden Männer zu entwaffnen, gefangenzunehmen und mit ihren eigenen Handschellen im Abteil festzuketten und vom Zug abzuspringen. In Rainier in Washington stahl er ein Motorboot und konnte sich über Astoria und Bellingham mit dem Zug nach Kanada absetzen. In Saskatchewan bekam er unter falschem Namen eine Anstellung als Schweißer. Er begann als fahrender Händler in die USA einzureisen.
1921 kehrte er heimlich in die Staaten zurück und überfiel als Einzeltäter Banken und Postzüge überall im Land. und ging schließlich zurück nach Kalifornien. Dabei erbeutete er beim Überfall auf den Postzug aus Sacramento am 19. Mai 1921 die stattliche Summe von 187.000 $. Nach einem Überfall auf einen weiteren Postzug am 20. Mai konnte er zwar abermals entkommen wurde jedoch eindeutig identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben. Wenige Tage später wurde er im Porter House Hotel in Roseville verhaftet, wo er unter dem Namen Neal Gaynor lebte. Der Betreiber des Peerless Cafe, in dem Gardner gelegentlich aß, hatte sein Gesicht auf einem Steckbrief erkannt. Gardner wurde erneut zu einer fünfundzwanzigjährigen Strafe verurteilt und wiederum mit dem Zug nach McNeil Island geschickt. Wiederum gelang es Gardner eine Waffe an sich zu bringen, seine Bewacher - die Marhsals Mulhall und Rinkell - zu überwältigen gefangenzunehmen, an ihre Sitze zu ketten und den Zug bei Castle Rock zu verlassen.
Nachdem die Behörden die größtangelegte Fahndung in der Geschichte der amerikanischen Westküste in die Wege geleitet hatten, wurde Gardner - der sein Gesicht durch Bandagen unkenntlich zu machen versucht hatte - im Olympic Club Hotel in Centralia, Washington, identifiziert und wiederum gestellt. Am 18. Juni konnte seine Festnahme verlautbart werden. Nach der erneuten Verurteilung zu einer fünfundzwanzigjährigen Haftstrafe in McNeil Island gelang es schließlich, ihn im dritten Anlauf nach McNeil Island zu verbringen.
Nach nur sechs Wochen Haft gelang es Gardner am 5. September 1921 während eines Häftlingsbaseballspiels den Zaun des Gefängnishofes zu überwinden - während zwei andere Insassen bei diesem Unterfangen von den Turmwachen erschossen wurden - und von der Insel zu fliehen. In einem Brief an eine Zeitung verhöhnte Gardner die Gefängnisleitung und den gesamten Strafvollzug und brachte so die ohnehin enragierten Behörden noch weiter als dies ohnehin schon der Fall war gegen sich auf.
Gardner, der nun den offiziellen Status des meistgesuchten Kriminellen der Vereinigten Staaten erhielt, wurde im Herbst 1921 bei einem Zugüberfall bei Phoenix von dem Postangestellten Roy Gin überwältigt und der Polizei übergeben. Man verurteilte ihn zu einer zusätzlichen Strafe von fünfundzwanzig Jahren und verbrachte ihn ins Bundesgefängnis Leavenworth. Am 24. Januar 1925 wurde er ins Atlanta Federal Prison überführt. Dort unternahm er verschiedene Ausbruchsversuche, die jedoch allesamt scheiterten. Nachdem er 1927 drei Gefängniswärter mit Waffengewalt gefangengenommen hatte, um seine Freilassung zu erzwingen, wurde er für zwanzig Monate in Einzelhaft genommen. Nach seiner Entlassung aus der Einzelhaft sah die Gefängnisleitung sich genötigt, ihn für einige Monate in eine Nervenheilanstalt in Washington D.C. zu verlegen. Nach seiner Beteiligung an einem Hungerstreik wurde Gardner 1930 ins Leavenworth Annex Prison und 1934 nach Alcatraz transferiert, wo er in der Matratzenfabrik arbeitete. 1938 wurde er schließlich begnadigt.
In seinen letzten Lebensjahren legte Gardner ein autobiografisches Buch mit dem Titel "Hellcatraz" vor, nahm an kriminologischen Vorträgen teil und spielte zusammen mit dem Postzugbegleiter Louis Sonney, einem seiner früheren Opfer, für den Film "You Can't Beat the Rap" einen seiner "Clous" nach. Der geplante Film "I Stole A Million" kam nicht mehr zustande. Am 10. Januar 1940 fand man Gardner in einem Hotelzimmer tot auf, nachdem dieser mit Zyaniddämpfen und Giftgas Selbstmord begangen hatte.

Quellen: - freie Enzyklopädie - Roy Gardner

 



3. Der Fall - Helmut Daube

Der ermordete Helmut Daube und das Buch zu diesem Mord

Der 19jährige Abiturient Helmut Adolf Daube wurde am Donnerstag, dem 22. März 1928 in Gladbeck ermordet. Die Tat ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt und die Berichterstattung über den Prozess gegen den ersten Verdächtigen im Oktober 1928 verdrängte sogar die Atlantik-Überquerung des Luftschiffes Graf Zeppelin aus den Schlagzeilen.
Der blonde Helmut Daube stammte aus einer Lehrerfamilie. Er war der einzige Sohn des Rektors der Gladbecker Lutherschule. Um zwei Uhr in der Früh verlässt er angetrunken mit mehreren Jugendlichen ein Anwerbungstreffen von Burschenschaftern im Hotel zur Post in Buer. Nachdem die Bekannten nach und nach abzweigten, maschierte er nur mehr mit seinem Schulfreund Karl Hußmann (* 1908) nach Hause.
Zirka um halb vier Uhr schneidet ihm jemand unweit seines elterlichen Hauses in der Schultenstraße 11 mit einem Messer den Hals durch. Anschließend zieht man ihm die Hose herunter und schneidet seine Genitalien mit der umliegenden Haut aus der Leiche. Sie werden nie gefunden.
Sein Vater, Rektor Adolf Daube, und seine Mutter werden durch zwei Hilferufe wach. Der Vater findet das Bett seines Sohnes unberührt, die Mutter meint, dass ihr Sohn gerufen hätte, aber der Vater beruhigt sie und wähnt seinen Sohn in guter Gesellschaft. Der im selben Haus wohnende Rektor Deese wird ebenfalls durch Hilfeschreie geweckt, sieht aus einem Schlafzimmerfenster wie sich eine große knieende Gestalt erhebt die Straße überquert und auf der unbeleuchteten Seite davoneilt. Er hält ihn für einen Betrunkenen aus der gegenüberliegenden Kneipe.
Vor dem Schichtwechsel im Kohlebergwerk kommt um halb fünf der Pförtner Fritz Bauer mit seinem Sohn auf dem Weg zur Arbeit am Tatort vorbei. An der Ecke Gonheide-Schultenstraße bemerkt er die am Boden liegende Person, will den vermeintlich Betrunkenen zum Aufstehen bewegen und bemerkt dabei den Mord. Sein Sohn holt den in der Schultenstraße 9 wohnenden Arzt Dr.Lutter, der ca. 5 Minuten später den Mord bestätigt. Bauer weckt die Eltern und nach anfänglichen Zweifeln erkennen diese im Mordopfer ihren Sohn. Nach 50 Minuten erscheint die Polizei am Tatort, später auch die Mordkommision, welche Fotos macht. Ein Spürhund bringt keinen Erfolg, auch die im Umfeld des Tatorts stattfindende Suche nach den Genitalien bleibt erfolglos.

Helmut Daube mit durchschnittenem Hals

Später wird Karl Hußmann zum Tatort gebracht. Er meint, dass es möglicherweise seine Schuld sei, da er seinen Freund nicht bis nach Hause begleitet habe. Man bemerkt auf seinen Schuhen und später auch an seinem Mantel Blut, von dem er behauptet, es sei von einer Katze. In seinem Arbeitszimmer findet man eine Aktentasche mit einem leeren Messeretui, welches er ein paar Tage zuvor auf einer ?Diebesjagd? verloren haben will. Hußmann wird festgenommen, aber im Laufe des Tages auf Geheiß der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt.
Der Aufsehen erregende Mord ist sogleich Tagesgespräch im Ort und einen Tag später national und international in den Schlagzeilen. Aus dem Polizeibericht wird erwähnt, dass der Halsschnitt ?kunstgerecht? durchgeführt wurde, was zu Umsatzeinbußen bei den örtlichen Metzgern führt. Da Selbstmorde mittels Halsschnittes öfter vorkommen, wird auch dieser Möglichkeit nachgegangen.
Am Montag, den 26. März 1928 wird Helmut Daube unter ?riesiger Beteiligung? im Rondell des Gladbecker Zentralfriedhofes in der Gruft Nr. 26 D beigesetzt. Die Polizei spricht inzwischen offen von einem Sexualverbrechen. Am nächsten Tag wird Hußmann abermals verhaftet. Wieder einen Tag später durchsucht die Polizei den Garten von Hußmanns Pflegevater - Rektor Kleiböhmer - nach dem Messer, wird aber nicht fündig.
Am Samstag, dem 31. März 1928 gibt der Pflegevater seinem Gärtner eine von Hußmann angefertigte Skizze, auf der der mögliche Fundort des bei der ?Diebesjagd? verlorenen Messers eingezeichnet ist. Der Gärtner sticht an der entsprechenden Stelle den Rasen aus und wird fündig. Inzwischen fordert der Essener Staatsanwalt Rosenbaum telegraphisch Spezialisten von der Berliner Mordkommission an, was zuletzt 20 Jahre zuvor geschehen war. Bei der Befragung durch den Berliner Kommissar Werneburg konzentriert man sich auf den Lebenslauf und die ?moralischen Qualitäten? des Jungen, denn in seinem Bücherregal wurde ein Buch des umstrittenen Sexualforschers Magnus Hirschfeld gefunden. Das Verhör führt aber nicht zu neuen Erkenntnissen. Chemische Untersuchungen ergeben, dass das gefundene Messer nicht die Tatwaffe sein kann und aufgrund der starken Rostflecken schon lange vor der Mordnacht in der Erde gelegen haben muss. Bei der Leiche gefundene Haare stammten nicht von Hußmann, sondern möglicherweise von der Decke, mit der Daube zugedeckt wurde.
Am 3. April wird Hußmann nach Essen überführt und am 13. April muss der Polizeipräsident eine Pressekonferenz geben, nachdem etliche nationale wie internationale Zeitungen der Polizei Versagen vorwerfen.
Vermutlich hatte Helmut Daube homosexuelle Kontakte. Wer aber sein Mörder war, wurde nicht mit Sicherheit geklärt. Sein Freund Karl Hußmann wurde freigesprochen.
"In der Urteilsverkündung machte der Richter unmißverständlich klar, daß es nicht in erster Linie um die Erforschung dessen ging, was sich in der Mordnacht tatsächlich ereignete: Es ging vielmehr um die Frage, ob Karl Hußmann nun schwul war - oder nicht. Hätten die Gutachter hier ein klares Urteil fällen können, es wäre sicherlich auch das Urteil über die Frage nach der Täterschaft gewesen. Denn schwul, das war damals - und ist es in vielen Köpfen heute noch - gleichbedeutend mit kriminell und böse."

Hirschfeld kritisierte, dass man sich auf die Homosexualität konzentrierte, was für die Tat nicht wirklich von Belang sei. Dagegen habe man Nachforschungen in Richtung psychisch gestörter Serienmörder vernachlässigt.
Den Mord gestand später Rolf vom Busch (* 1905), der wegen des ähnlich verlaufenden Mordes an dem Stricher Kurt Schönig verurteilt worden war. Ein Prozess wegen des Mordes an Helmut Daube wurde ihm möglicherweise deshalb nicht gemacht, weil er 1936 in einem anderen, als geheim eingestuften Prozess, der den damaligen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler betraf, wegen Landesverrates verurteilt wurde.
Da er wegen des Mordes an Kurt Schöning zur Verminderung der Rückfallgefahr kastriert worden war, wollte Rolf vom Busch sich nach eigener Aussage offenbar an führenden Männern des nationalsozialistischen Regimes, denen in der Gesinnung nahe zu stehen er angab, rächen. Denn diese hatten die Entmannung als Strafe bei Sittlichkeitsdelikten verfügt.

Er gab an, Stabschef Ernst Röhm aus der Pfadfinderbewegung zu kennen, ebenso Obergruppenführer Edmund Heines und SA-Gruppenführer Karl Ernst in Berlin. Röhm habe ihn im Hotel Kaiserhof in Berlin dem Führer Adolf Hitler zugeführt und er sei in der Lage, das Genital des Führers zu beschreiben, um seine Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen. Außerdem behauptete er, Briefe Ernst Röhms zu besitzen.
Rolf vom Busch wurde auf Grund dieser Aussagen vom 3. Senat des Volksgerichtshofs in der Sitzung vom 4. August 1936 unter dem Richter Senatspräsident Dr. Springmann wegen Landesverrat zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Urteilsbegründung lautete, dass seine Aussagen das Ansehen des Führers im Ausland hätten herabsetzen können. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen wurde nicht beurteilt.
Heutiges Interesse an dem damals Aufsehen erregenden Fall kommt durch die Hinweise auf Hitler und seine Umgebung zu, weil die Prozessakten erhalten blieben und noch vorhanden sind. Andere Hinweise in dieser Richtung wurden vernichtet, Zeugen wie beim Röhmputsch mundtot gemacht.

Quellen: - Sabine Kettler, Eva-Maria Stuckel, Franz Wegener: Wer tötete Helmut Daube?, Kulturfoerderverein Ruhrgebiet, November 2001, ISBN 3-931300-03-X
- Franz Wegener: INTRO-Recherche: Der Daube-Mord 1928
- Freie Enzyklopädie

 

 


4. Der Fall - Martha Marek

Im Jahr 1909 lernte die damals zwölfjährige Martha Marek unter starker Patronanz ihrer Mutter den damals 62jährigen Pensionisten Moritz F. kennen. Er verfiel prompt den jugendlichen Reizen des anmutigen Mädchens, worauf er vom geschickt agierenden Team Mutter & Tochter wegen Vergewaltigung Minderjähriger erpreßt wurde. Man einigte sich: Die kleine Martha zog in seine Villa nach Mödling, erhielt Schmuck und Apanage und wurde vom alten Mann zur Universalerbin erkoren.

Nach dem 1923 erfolgten Tod ihres Gönners holte sich die engelhafte Gestalt ihren um fünf Jahre jüngeren Ehemann Emil Marek in die Villa, um mit ihm die nächsten zwei Jahre in Saus und Braus zu leben. Als das geerbte Geld verjubelt war, schritt Martha Marek mit erstaunlicher Konsequenz zur nächsten Tat: Sie versicherte am 11. Juni 1925 ihren Gatten gegen Invalidität. Einen Tag später trennte sich ihr Gatte beim Holzhacken den linken Unterschenkel ab. Die Versicherung verweigerte die Zahlung, es kam zum Prozeß. In dessen Verlauf wurde bekannt, daß Herr Emil Marek mit insgesamt drei Axthieben seinen Unterschenkel abspaltet hatte, zudem waren Beamte der Prosektur von Martha Marek bestochen worden, um das Attest der Ärzte über die drei Axthiebe zu vertuschen. Martha Marek gelang es jedoch, durch ihre umgängliche und zuvorkommende Art sowie durch ihr bildhübsches und wunderschönes Aussehen - Felix Salten verwendete für die Blondgelockte sogar den Ausdruck "Engel" -, die Öffentlichkeit und die Gerichtssaalreporter für sich einzunehmen. Allgemein war der Eindruck vorherrschend, da werde eine arme und unschuldige Frau von einer gewinnsüchtigen Versicherung bedroht und betrogen. Schlußendlich wurde die Versicherung zur Zahlung verurteilt.

Nach fünf Jahren war auch dieses Geld verpraßt. Es erfolgte der gesellschaftliche Abstieg der Martha Marek, die 1932 mit einem verkrüppelten Mann sowie zwei Kindern ein Schrebergartenhaus im Westen Wiens bewohnte.

Auf den gesellschaftlichen Abstieg reagierte Martha Marek erstaunlich doppelbödig. Einerseits begann sie, ihrem verkrüppelten Ehemann, den sie als Last empfand, Rattengift einzuträufeln. Sechs Monate lang siechte er mit Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen vor sich hin, ehe der Tod ihn erlöste. Ein ähnliches Leiden widerfuhr ihrer kleinen Tochter, die zwei Monate nach ihrem Mann verschied. Ihr kleiner Sohn wurde hingegen in ein Spital überstellt, wo er sich allmählich wieder erfing. Anderseits nahm sie eine Tätigkeit als Gesellschafterin und Pflegerin bei ihrer begüterten Großtante Susanne Löwenstein auf. 1934 änderte die reiche Großtante ihr Testament und bestimmte Martha Marek zur Alleinerbin. Sechs Monate danach verstarb sie mit schweren Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen.

Durch die Erbschaft wieder mit reichlich Kapital ausgestattet, mietete Martha Marek eine Villa in Hietzing, lebte auf großem Fuße und holte sich ihrerseits eine Gesellschafterin, eine ärmliche Schneiderin namens Felicitas Kittenberger ins Haus. Für die neue Gesellschafterin löste Martha Marek eine hohe Lebensversicherung, dann griff sie zum Rattengift, bis nach mehreren Monaten auch Frau Kittenberger unter qualvollen Leiden verschied. Das Merkwürdige an der Mordserie war, daß Martha Marek alle einfachen und praktikablen Lösungen kategorisch ausschloß. Um ihren Mann loszuwerden, hätte sie eine Scheidung beantragen, um ohne Kinder zu leben, hätte sie die Kinder in eine Verwahrungsanstalt geben können. Nichts von alledem: Sie entschied sich für die endgültigste und allzeit absolute Lösung: Mord.

Erst die hartnäckigen Nachforschungen des Sohnes der Frau Kittenberger hatten Erfolg: Nach der Exhumierung seiner schon begrabenen Mutter und einer chemischen Untersuchung entdeckte man das Rattengift Zeliopaste. Im folgenden Prozeß enthüllten die Ermittlungsbehörden die weiteren Morde der Martha Marek. Die Meinung der Öffentlichkeit kippte total, die vielen mitleidigen Verehrer mutierten zu gnadenlosen Abrechnern. Zudem brachten die Nazis - wir sind bereits im Jahr 1938 - massiv die halbjüdische Herkunft des gefallenen Engels ins Spiel.

Martha Marek wurde im April 1938 zum Tode verurteilt. Im Dezember 1938 wurde sie im Hof des Wiener Landesgerichts durch das Fallbeil hingerichtet. Im 20. Jahrhundert war sie somit die erste Frau, deren Todesurteil vollstreckt wurde.
Im Jahr 1909 lernte die damals zwölfjährige Martha Marek unter starker Patronanz ihrer Mutter den damals 62jährigen Pensionisten Moritz F. kennen. Er verfiel prompt den jugendlichen Reizen des anmutigen Mädchens, worauf er vom geschickt agierenden Team Mutter & Tochter wegen Vergewaltigung Minderjähriger erpreßt wurde. Man einigte sich: Die kleine Martha zog in seine Villa nach Mödling, erhielt Schmuck und Apanage und wurde vom alten Mann zur Universalerbin erkoren.

Nach dem 1923 erfolgten Tod ihres Gönners holte sich die engelhafte Gestalt ihren um fünf Jahre jüngeren Ehemann Emil Marek in die Villa, um mit ihm die nächsten zwei Jahre in Saus und Braus zu leben. Als das geerbte Geld verjubelt war, schritt Martha Marek mit erstaunlicher Konsequenz zur nächsten Tat: Sie versicherte am 11. Juni 1925 ihren Gatten gegen Invalidität. Einen Tag später trennte sich ihr Gatte beim Holzhacken den linken Unterschenkel ab. Die Versicherung verweigerte die Zahlung, es kam zum Prozeß.

In dessen Verlauf wurde bekannt, daß Herr Emil Marek mit insgesamt drei Axthieben seinen Unterschenkel abspaltet hatte, zudem waren Beamte der Prosektur von Martha Marek bestochen worden, um das Attest der Ärzte über die drei Axthiebe zu vertuschen. Martha Marek gelang es jedoch, durch ihre umgängliche und zuvorkommende Art sowie durch ihr bildhübsches und wunderschönes Aussehen - Felix Salten verwendete für die Blondgelockte sogar den Ausdruck "Engel" -, die Öffentlichkeit und die Gerichtssaalreporter für sich einzunehmen. Allgemein war der Eindruck vorherrschend, da werde eine arme und unschuldige Frau von einer gewinnsüchtigen Versicherung bedroht und betrogen. Schlußendlich wurde die Versicherung zur Zahlung verurteilt.

Martha Marek - Foto aus dem Jahr 1932


Nach fünf Jahren war auch dieses Geld verpraßt. Es erfolgte der gesellschaftliche Abstieg der Martha Marek, die 1932 mit einem verkrüppelten Mann sowie zwei Kindern ein Schrebergartenhaus im Westen Wiens bewohnte.

Auf den gesellschaftlichen Abstieg reagierte Martha Marek erstaunlich doppelbödig. Einerseits begann sie, ihrem verkrüppelten Ehemann, den sie als Last empfand, Rattengift einzuträufeln. Sechs Monate lang siechte er mit Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen vor sich hin, ehe der Tod ihn erlöste. Ein ähnliches Leiden widerfuhr ihrer kleinen Tochter, die zwei Monate nach ihrem Mann verschied. Ihr kleiner Sohn wurde hingegen in ein Spital überstellt, wo er sich allmählich wieder erfing. Anderseits nahm sie eine Tätigkeit als Gesellschafterin und Pflegerin bei ihrer begüterten Großtante Susanne Löwenstein auf. 1934 änderte die reiche Großtante ihr Testament und bestimmte Martha Marek zur Alleinerbin. Sechs Monate danach verstarb sie mit schweren Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen.

Durch die Erbschaft wieder mit reichlich Kapital ausgestattet, mietete Martha Marek eine Villa in Hietzing, lebte auf großem Fuße und holte sich ihrerseits eine Gesellschafterin, eine ärmliche Schneiderin namens Felicitas Kittenberger ins Haus. Für die neue Gesellschafterin löste Martha Marek eine hohe Lebensversicherung, dann griff sie zum Rattengift, bis nach mehreren Monaten auch Frau Kittenberger unter qualvollen Leiden verschied. Das Merkwürdige an der Mordserie war, daß Martha Marek alle einfachen und praktikablen Lösungen kategorisch ausschloß. Um ihren Mann loszuwerden, hätte sie eine Scheidung beantragen, um ohne Kinder zu leben, hätte sie die Kinder in eine Verwahrungsanstalt geben können. Nichts von alledem: Sie entschied sich für die endgültigste und allzeit absolute Lösung: Mord.

Erst die hartnäckigen Nachforschungen des Sohnes der Frau Kittenberger hatten Erfolg: Nach der Exhumierung seiner schon begrabenen Mutter und einer chemischen Untersuchung entdeckte man das Rattengift Zeliopaste. Im folgenden Prozeß enthüllten die Ermittlungsbehörden die weiteren Morde der Martha Marek. Die Meinung der Öffentlichkeit kippte total, die vielen mitleidigen Verehrer mutierten zu gnadenlosen Abrechnern. Zudem brachten die Nazis - wir sind bereits im Jahr 1938 - massiv die halbjüdische Herkunft des gefallenen Engels ins Spiel.

Martha Marek wurde im April 1938 zum Tode verurteilt. Am 6. Dezember 1938 wurde sie als erster Delinquent auf der kurz zuvor von Berlin nach Wien gebrachten Guillotine im Hof des Wiener Landesgerichts hingerichtet.

Quellen: - Freie Enzyklopädie

 

 


5. Der Fall - Jesse Harding Pomeroy

Jesse Harding Pomeroy (* 29. November 1859; ? 29. September 1932) war der jüngste Mörder in der Geschichte von Massachusetts, der je überführt wurde.
Jesse Pomeroy wurde als Sohn von Thomas und Ruthann Pomeroy in Charlestown, Massachusetts, geboren. Er war der jüngere von zwei Söhnen, sein Bruder Charles war ein Jahr älter. Sein Vater war sehr gewalttätig. So brachte er sie öfter zu ihrem Holzschuppen, wo er sie auszog und dann grün und blau prügelte.

Jesses Gesicht war schon von Kindheit an auffällig deformiert. Am augenfälligsten war sein rechtes Auge, das "milchig" weiß war - einige seiner Opfer beschrieben, es sehe aus wie eine weiß-marmorierte Murmel - und das in seiner Augenhöhle zu schwimmen schien. Seine Mutter machte eine Pockenimpfung dafür verantwortlich, wahrscheinlicher ist aber eine Virusinfektion im Babyalter. Sein Kopf, seine Ohren und sein Mund waren im Verhältnis zu seinem Körper unverhältnismäßig groß. Außerdem litt er unter wiederkehrenden epileptischen Anfällen. Alle diese Eigenschaften machten ihn als Kind zu einem beliebten Ziel des Spottes anderer Kinder, und wahrscheinlich hat dieser ständige Spott zu seiner Wut und Aggressivität gegenüber Kindern beigetragen. Auch als Erwachsener reagierte er immer sehr sensibel auf Blicke anderer Menschen, die ihn wiederum laut seinem Biographen Harold Schechter "kaum ansehen konnten, ohne sich schaudernd abzuwenden".

Jesse als Jugendlicher  

 

Laut Berichten aus den Jahren 1871 und 1872 wurden in Jesses Umgebung bei verschiedenen Gelegenheiten Jungen überredet, an entlegene Orte zu gehen, wo sie dann von einem nur wenig älteren Jungen überfallen wurden. Diese Angriffe sollen so unglaublich brutal gewesen sein, dass die Jungen einen bleibenden Schaden davontrugen. Der Täter wurde niemals festgenommen. Falls Jesse Pomeroy verantwortlich war, wovon heute vielfach ausgegangen wird, war er zum Zeitpunkt der Taten erst 12 bzw. 13 Jahre alt.

Im Jahre 1872 trennte seine Mutter sich vom brutalen Vater und zog mit den Kindern nach South Boston. Da Jesse sich nun wiederholt an Jüngeren verging, und seine Taten immer brutaler wurden, wurde er schließlich verhaftet. Dank seiner Minderjährigkeit wurde er lediglich in eine ?Korrekturanstalt für Jungen? in Westborough, Massachusetts, eingewiesen. Sogar der Boston Globe übernahm seine Geschichte, so lautete die letzte Zeile dieses Artikels: "It is generally concluded that the boy is mentally deficient." ("Es wird allgemein angenommen, dass der Junge geistig zurückgeblieben ist.") Trotz der Schwere seiner Verbrechen wurde er bereits nach 15 Monaten wieder entlassen. Nachdem Pomeroys spätere Morde bekannt wurden, wurden der Polizei und dem Gericht aus diesem Grund große Vorwürfe gemacht.

                                                                                                                                                                             Die Mutter von Jesse Harding Pomeroy.


Harold Schechter, Professor am Queens College, City University of New York und Experte für Serienmörder, schrieb das Buch Fiend über Pomeroy, in dem er ausführte, dass in Massachusetts noch nie zuvor ein Jugendlicher mit einem Verbrechen von solcher Schwere in Verbindung gebracht werden konnte. Im Februar 1874 wurde Jesse Pomeroy auf Bewährung entlassen und durfte zu seiner Mutter, die mittlerweile ihre eigene Schneiderei hatte, und seinem Bruder, der Zeitungen verkaufte.
Schon am 18. März des selben Jahres verschwand plötzlich die zehnjährige Katie Curran, Augenzeugen berichten, dass sie zuletzt in den Laden der Pomeroys ging. Am 22. April fand man die Leiche des vierjährigen Horace Millen im Sumpf von Dorchester Bay, sie war wirklich furchtbar zugerichtet worden. Die Kehle war durchschnitten, man fand 18 Stiche auf der kleinen Brust, zudem war ein Auge ausgestochen worden und offensichtlich war auch versucht worden, ihn zu kastrieren. Sofort brachte die Polizei Pomeroy damit in Verbindung und als man ihn mit zerkratztem Gesicht, blutverschmierter Kleidung und verschlammten Stiefeln fand, war seine Täterschaft eindeutig und er wurde verhaftet.
Am 18. Juli fand man im Keller des Ladens unter einem Haufen Asche die Leiche der kleinen Katie Curran. Auch hier war trotz der fortschreitenden Verwesung noch immer deutlich zu sehen mit welcher Brutalität ihr Mörder vorgegangen sein musste, so war zum Beispiel ihr Kopf abgetrennt. Und Pomeroys Schicksal war somit endgültig besiegelt.

Sein Prozess war eine einzige Farce, er wurde zu Millens Leiche gebracht und ihn nach seiner Schuld gefragt. Doch wurde während der Untersuchung des Leichenbeschauers Pomeroy das Recht auf eine Anwalt verweigert.
Vor dem Massachusetts Supreme Judical Court fand dann am 9. und 10. Dezember 1874 die Verhandlung Commonwealth gegen Pomeroy statt. Der Generalstaatsanwalt forderte eine Verurteilung wegen Mordes ersten Grades. Während des Schlussplädoyers wurde die Anklage jedoch auf ?Mord mit extremer Grausamkeit? abgeändert. Am 10. Dezember 1874 wurde Pomeroy des Mordes an Horace Millen schuldig gesprochen. Die Jury ergänzte den Spruch jedoch mit der Bitte, auf die Jugend des Angeklagten Rücksicht zu nehmen. Gnade konnte in einem solchen Fall jedoch nur vom Gouverneur gewährt werden. Der Richter war bei einem Schuldspruch wegen Mordes ersten Grades zum damaligen Zeitpunkt verpflichtet, ein Todesurteil auszusprechen.
Sein Anwalt, Charles Robinson, erhob zweimal Einspruch, der jedoch beide Male abgelehnt wurde. Im Februar 1875 wurde Jesse Pomeroy vom Richter zum Tod durch Erhängen verurteilt.
So sollte nun der Gouverneur das Todesurteil unterzeichnen und das Datum der Hinrichtung festlegen. Dieser weigerte sich jedoch, und so kam es in den nächsten anderthalb Jahren zu drei Abstimmungen. Die ersten beiden fielen gegen eine Strafumwandlung aus, doch in der dritten, die im August 1876 stattfand und anonym durchgeführt wurde, wurde seine Strafe in lebenslange Einzelhaft umgewandelt. So wurde Pomeroy am 7. September 1876 vom Suffolk County Gefängnis ins State Prison in Charlestown überstellt, wo seine Einzelhaft begann. zu diesem Zeitpunkt war er gerade 16 Jahre und 10 Monate alt.

  
Jesse Harding Pomeroy im Jahre 1917...    und im Jahre 1929

1917 wurde sein Urteil ein weiteres Mal umgewandelt, und so wurden ihm nun auch die Privilegien zuteil, die andere Häftlinge mit lebenslanger Strafe hatten. Zunächst widersetzte er sich und verlangte nicht weniger als einen Freispruch. Später passte er sich den neuen Gegebenheiten an und wurde sogar Teil der gefängniseigenen Theatergruppe. 1929, als er schon ein alter Mann und sehr gebrechlich war, wurde er in das Bridgewater Hospital for the Criminally Insane verlegt, wo er dann auch am 29. September 1932, mit 72 Jahren verstarb.

Quellen: - Court TV's Crime Library: Mark Gribben, "All about Jesse Pomeroy"
- Freie Enzyklopädie
- Resurrectionary Press Presents "The Autobiography of Jesse Harding Pomeroy, Written By Himself (1875)"
- Resurrectionary Press Presents "Selections From the Writings of Jesse Harding Pomeroy, Life Prisoner Since 1876 (1920)"
- Jesse Harding Pomeroy: The teenaged killer

 

 


6. Der Fall - Marie Mikschofsky

Am 17. Juli 1922, einem heißen Sommertag machte ein Schnitter in einem Simmeringer Kornfeld einen schrecklichen Fund: Nahe dem Mitterweg, unweit des Simmeringer Friedhofes, lag ein mit Papier und Hadern umwickeltes Paket, von dem starker Verwesungsgeruch ausging. Bei näherer Untersuchung erkannte man den Rumpf einer männlichen Leiche, Beine und Kopf fehlten. Die gerichtsmedizinische Untersuchung des offensichtlich ermordeten Mannes brache wichtige Hinweise auf einen schlecht ausgeheilten Oberschenkelbruch, sodass Hofrat Dr. Wahl, damals gerade erst Chef des Sicherheitsbüros geworden, in einer großen Kampagne die Bevölkerung auffordern konnten, Angängige mit entsprechenden Merkmalen der Polizei zu melden.

Bereits wenige Tage später erreichte ihn eine Meldung von Mietern des Hauses Sedlitzkygasse 45, dass ein dort wohnhafter Dachdecker namens Simon Mikschofsky schon seit Anfang Juni nicht mehr gesehen war und seine Frau über Befragung eigenartige Ausflüchte machte. Auch hatte sich die verwahrloste Frau durch das bei ihr ungewöhnliche Reinigen von Wohnung und Teppich verdächtig gemacht.

Die Kriminalbeamten griffen die Spur auf und man fand in der Wohnung soviel belastendes Material, das davon ausgegangen wurde, die Frau hätte ihren Mann ermordet und die Leiche zerstückelt. Den abgetrennten Kopf des Opfers hatte sie, wie man feststellte, im Ofen verbrannt, den Rumpf und die Beine ins Kornfeld geworfen. Nach ersten Ausflüchten fand sie sich schließlich zu einem Teilgeständnis bereit.

Der Ruf der Bevölkerung nach strengster Strafe für dieses Aufsehen erregende, besonders abstoßende und schreckliche Verbrechen verhallte jedoch ungehört. Die vom Gericht beauftragten psychiatrischen Gutachter stellten bei Marie Mikschofsky eine so stark entwickelte Paranoia fest, dass sie als unzurechnungsfähig gelten musste. Nicht die Kerkertore, sondern die Gitter eines Irrenhauses schlossen sich hinter der Mörderin und beendeten damit einen der Aufsehen erregendsten Kriminalfälle des Jahres 1922 in Wien.

Quellen: - Tatort Wien, der neue Wiener Pitaval, Dokumentation der bedeutendsten Kriminalfälle Wiens des 20. Jahrhunderts (1. Band) - Die Zeit von 1900 - 1924 (von Edelbacher / Seyrl) Ausgabe 2005 - S. 188 - ISBN 3-911697-09-8

 

 

7. Der Fall - Rudolf Förster

Der 42-jährige Mechaniker Rudolf Förster hatte nach seiner Scheidung eine neue Liebe gefunden: Die ebenfalls geschiedene Maria Hofmeister. Das Paar lebte zufrieden in ihrer kleinen Wohnung in Hernals, Rosensteingasse 61 und nichts konnte das Glück trüben, auch nicht die anzüglichen Bemerkungen mancher Nachbarn, war doch Frau Hofmeister bereits im 70. Lebensjahr, also fast 30 Jahre älter als ihr Partner.

Anfang 1933 änderte sich die Beziehung des ungleichen Paares jedoch, da Förster an der Treue seiner Lebensgefährtin zu zweifeln begann. Scheinbar fand die betagte Frau immer noch großen Anwert bei Männern.

Es war der Morgen des 26. April 1933, als die Wohnparteien des erwähnten Hauses gellende Hilferufe hörten. Aufmerksam geworden, sahen sie, dass Förster das Fenster der ebenerdigen Wohnung in den Innenhof öffnete und herauskletterte. Zur Rede gestellt von den Nachbarn, bat er in ruhigen und teilnahmslosen Worten, man möge doch einen Wachmann holen. Dies geschah und als der Polizist die Wohnung Försters betrat, entdeckte er mit Schrecken, dass eine alte Frau, es war Maria Hofmeister, in ihrem Blut am Boden des Raumes lag. Neben der Toten fand man die Tatwaffe, ein Taschenmesser. Zahlreiche Stiche hatten die Greisin getötet.

Nach eingehenden polizeilichen Befragungen erklärte der sehr verwirrt aber nicht schuldbewusste Täter, dass er seine Lebensgefährtin erstochen habe, da sie möglicherweise zu dem von ihr geschiedenen Mann zurückkehren wollte und er dann wieder allein gewesen wäre. Die sehr wirre Verantwortung des Mannes führte zwar zu einer Anklage wegen Mordes, es kam aber zu keinem Verfahren und die Akten der Justiz wurden geschlossen: Rudolf Förster wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Steinhof überstellt.

Quellen: - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 ? 1944, von Harald Seyrl) Seite 251 - ISBN 3-911697-10-1

 

 

8. Der Fall - Otto Sukdolak

Obwohl erst 52 Jahre alt, so wirkte der Holzschneider Otto Sukdolak doch schon gebrechlich wie ein Greis. Gebückte Haltung, schlohweißes Haar, eingefallene Wangen und kaum des Gehens mächtig, wohnte der Mann mit Frau und Sohn im Haus Stolberggasse 25.

Jedermann im Haus wusste aber staunend, dass dieser greisenhafte Mann eine Geliebte hatte, die um 20 Jahre jüngere Hermine Wolf.

Da das ungleiche Paar auch öfters die Nacht über nicht zu Hause war, erfuhr auch bald die Ehegattin von Sukdolak von der Beziehung und es kam naturgemäß zu immer häufigeren Auseinandersetzungen zwischen den Ehepartnern. Noch dazu wurde Sukdolak arbeitslos, vernachlässigte seine Familie und ignorierte alle anfallenden Arbeiten im Haus.

Nachdem es im Haus Sukdolak wieder einmal heftigen Streit gegeben hatte, suchte der wutentbrannte Mann seine Geliebt auf und veranlasste sie, zur Klärung der Situation zu seiner Frau zu gehen. Die beiden Frauen sollten sich persönlich kennen lernen und aussprechen. Er wollte damit sein Verhältnis zu Hermine Wolf seitens seiner, von Natur aus gutmütigen, Gattin toleriert wissen.

Am 19. Mai 1933 suchte Hermine Wolf Frau Sukdolak auf und es kam zu einer heftigen Aussprache, wobei einerseits Frau Sukdolak erklärte, sie werde ihren Mann freigeben, andererseits beteuerte Hermine Wolf, dass sie die Beziehung beenden wolle, um die Ehe nicht weiter zu stören. Nach diesen Worten verließ Frau Wolf die Wohnung, wurde aber von Otto Sukdolak im Hausflur eingeholt. Als sie nochmals die endgültige Trennung bestätigte war dies ihr Todesurteil - Sukdolak zog ein Fixiermesser und stach wahllos auf die Frau ein. Hermine Wolf war wenige Minuten später, von 13 Messerstichen getroffen, tot.

Otto Sukdolak fand milde Richter. Es wurde ihm nicht Mord sondern Totschlag zugebilligt: Vier Jahre schwerer Kerker lautete die Strafe für den Tod der geliebten Hermine.

Quellen: - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 - 1944, von Harald Seyrl) Seite 93 - ISBN 3-911697-10-1

 

 

9. Der Fall - Daisy Louisa de Melker

Daisy de Melker, die am 2. Dezember 1932 im Zentralgefängnis von Pretoria / Südafrika gehenkt wurde, genoss die zwei Monate vor ihrer Hinrichtung. Während des Prozesses posierte die 46-jährige für Fotografen, winkte Schaulustigen zu und sammelte sämtliche Zeitungsausschnitte, die ihre Person betrafen. Dabei stand wenig Gutes über sie zu lesen darin. Die gelernte Krankenschwester hatte nämlich hintereinander ihren Verlobten, ihren ersten Ehemann, vier der fünf aus dieser Ehe stammenden Kinder, den zweiten Ehemann, und schließlich noch ihren erwachsenen Sohn vergiftet. Ihre favorisierten Mittel waren Strychnin und Arsen. Ihr Motiv Habgier – sie verstand es immer, sich rechtzeitig ein Testament zu ihren Gunsten zu sichern – und vermutlich eine Freude am Töten.

Erstaunlich ist, dass die von 1923 bis 1932 begangenen Morde nicht früher ans Licht kamen. Doch erst nach dem letzten Todesfall erstattete der Bruder ihres zweiten Ehemannes, den die Profitsucht seiner ehemaligen Schwägerin schon früher aufgefallen war, Anzeige bei der Polizei. Im April 1932 wurde die Exhumierung ihres Sohnes und ihrer zwei Ehemänner angeordnet. Die Ergebnisse der Obduktion waren eindeutig: In zwei der Leichen fand sich Strychnin, in der anderen Arsen. Trotz des Verdachtes, dass Daisy de Melker auch ihre anderen vier Kinder mit Gift ermordet hatte, wurde deren Obduktion nicht vorgenommen.

Die Todesstrafe war ihr jedoch auch so gesichert.

Quellen: - Das große Lexikon des Verbrechens (von Norbert Borrmann), Ausgabe 2005 – S. 556 – ISBN 3-89602-543-0

 

 

10. Der Fall - Leopoldine Lichtenstein

Als im Juli 1925 der 29-jährige Metalldruckergehilfe Hermann Lichtenstein in das Wilhelminenspital eingeliefert wurde, konnte man sich das Krankheitsbild des Mannes vorerst nicht erklären. Er litt an Übelkeit, Erbrechen und hatte starke Schmerzen im Magen, Bauchbereich und den Gliedmaßen. Bereits in Spitalspflege trat zusätzlich starker Haarausfall ein Erst am 1. September konnte Lichtenstein mit der Diagnose eines „akuten Magen- und Darmkartharres“ entlassen werden.

Acht Tage später wurde er wieder mit den gleichen Krankheitserscheinungen in das Wilhelminenspital eingeliefert, wo sein Gesundheitszustand sich täglich verschlechterte. Am 19. September sah sich schließlich die Spitalsleitung veranlasst, Anzeige bei der Polizei zu machen, da man nun den Verdacht hatte, dem Mann sei Gift verabreicht worden. Bei einer polizeilichen Befragung durch einen Kriminalbeamten konnte der todkranke Patient allerdings noch den Verdacht äußern, dass ihm seine Frau in den Speisen und Getränken Gift verabreicht hätte. Am 27. September 1925 verstarb Hermann Lichtenstein.

Die angeordnete Obduktion ergab geringe Mengen von Arsen, die jedoch keine tödlichen Folgen verursacht haben dürften. Man war sich sicher, dass der Mann vergiftet worden war, konnte aber keines der gängigen Gifte im Körper nachweisen. Nachdem die gesamte Umgebung und alle Verwandten des Ehepaares Lichtenberg befragt waren, fand man auch ein mögliches Motiv. Die Ehe war zutiefst zerrüttet und Hermann Lichtenstein stand seiner Frau Leopoldine bei der Anbahnung neuer Verhältnisse offensichtlich im Weg, auch sie schien ihren Mann abgrundtief verachtet zu haben. Dazu hatte sich ihre Begehrlichkeit längst auf die dem Ehemann gehörende gemeinsame Wohnung in der Rankgasse 29 in Ottakring gerichtet.

Am 8. November 1926 wurde die Witwe in Polizeihaft genommen und weiteren Verhören unterzogen, die schließlich zum Erfolg führten: Leopoldine Lichtenstein gestand, Zelio Rattengiftpaste in alle Speisen und Getränke ihres Mannes gemengt zu haben und noch dem Spitalpatienten bei ihren Krankenbesuchen vergiftete Getränke verabreicht zu haben. Diese, erst im Krankenhaus, praktisch unter den Augen der arglosen Ärzte und Pfleger verabreichen Giftmengen, hatten dann den Tod des Patienten herbeigeführt. Da das gängige Zelio Rattengift mit dem Wirkstoff Thallium (einem Metallgift) bisher noch nie für kriminelle Handlungen verwendet worden war, hatte es keine Vergleichsgutachten gegeben, was die ärztliche Untersuchung so erschwert hatte.

Die Giftmischerin verantwortete sich bei der Gerichtsverhandlung, die wegen der komplizierten toxikologischen Gutachten erst im März 1927 stattfand, damit, ihren Mann nur schwächen gewollt zu haben um durch die Pflege des Erkrankten seine Zuneigung wieder zu erringen. Eine Tötungsabsicht wäre ihr fern gelegen.

Die Geschworenen schlossen sich teilweise dieser Argumentation an und Leopoldine Lichtenstein wurde wegen Totschlages, jedoch zu acht Jahren schwerem Kerker, verurteilt.

Der Kriminalfall ging durch alle Zeitungen und fand größte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die Giftmischerin sollte dadurch bald Nachahmerinnen finden – Zelio Rattengift war im wahrsten Sinne „bald in viele Munden…“

Quellen: - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 - 1944, von Harald Seyrl) Seite 221 - ISBN 3-911697-10-1

 

 

11. Der Fall - Eugen Weidmann

   
Eugen Weidmann (* 5. Februar 1908 in Frankfurt am Main; † 17. Juni 1939 in Versailles; in Frankreich übliche Namensform Eugène Weidmann) war ein deutscher Staatsangehöriger, der in Frankreich sechs Morde beging. Seine Enthauptung durch die Guillotine war die letzte öffentlich vollzogene Hinrichtung in Frankreich und ist auf einem öffentlich zugänglichen Amateurfilm festgehalten.

Eugen Weidmann wuchs als Sohn eines Exportkaufmanns in Frankfurt am Main auf und ging dort zur Schule. Vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs an lebte er bei seinen Großeltern und begann in dieser Zeit zu stehlen. Später verbüßte er fünf Jahre Haft wegen Raubes. Während dieser Zeit im Gefängnis traf Weidmann seine späteren Komplizen Roger Million, Jean Blanc und Fritz Frommer. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis beschlossen sie, gemeinsam reiche Touristen, die Frankreich besuchten, zu entführen und zu bestehlen. Sie mieteten für diesen Zweck ein Haus in Saint-Cloud in der Nähe von Paris.
Der erste Entführungsversuch scheiterte, weil ihr Opfer sich zur Wehr setzte. Der zweite Versuch, die Entführung einer New Yorker Tänzerin, Jean de Koven, war erfolgreich. Eugen Weidmann tötete und vergrub sie am 21. Juli 1937 im Garten des gemieteten Hauses. Die Gruppe sendete dann Millions Geliebter, Collette Tricot, die erbeuteten Reiseschecks, um diese in Bargeld zu wechseln.
Am 3. September desselben Jahres ließ sich Weidmann vom Chauffeur Joseph Couffy in dessen Wagen an die Côte d'Azur bringen, wo er ihn in den Hinterkopf schoss, um anschließend den Wagen zu stehlen. Am 4. Oktober 1937 lockte er mit Million Janine Keller, eine selbständige Krankenschwester, durch ein Arbeitsplatzangebot in eine Höhle. Er tötete sie und stahl ihre Habseligkeiten. Am 16. Oktober 1937 arrangierten Million und Weidmann ein Treffen mit einem jungen Theaterproduzenten, Roger LeBlond, und versprachen ihm, in seine Vorführungen zu investieren. Stattdessen erschoss Weidmann ihn durch Kopfschuss von hinten und stahl seine Brieftasche.
Zusammen mit Roger Million tötete er den gemeinsamen Komplizen Fritz Frommer am 20. November. Sein nächster Schuss traf Raymond Lesobre, einen Immobilienmakler, mit dem er ein Haus besichtigte. Er stahl Lesobres Auto sowie dessen Brieftasche.
Die Polizei konnte Weidmann Anfang Dezember nach einer Schießerei verhaften, wonach er alle seine Morde gestand. Weidmann, Million, Blanc und Tricot wurden im März 1939 vor Gericht gestellt. Weidmanns Verteidiger war der renommierte Rechtsanwalt Moro-Gaffieri, der bereits 1921 Henri Désiré Landru verteidigt hatte und später Herschel Grynszpan vertrat. Weidmann und Million erhielten am 31. März die Todesstrafe, während Blanc zu einer Gefängnisstrafe von 20 Monaten verurteilt wurde. Millions Geliebte Collette Tricot wurde zuerst freigesprochen und später zu lebenslanger Haft verurteilt. Staatspräsident Albert Lebrun begnadigte Roger Million zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und bestätigte das Todesurteil für Weidmann.
Weidmanns Hinrichtung wurde von volksfestartigen Szenen begleitet. Am Vortag der Vollstreckung waren etwa 10.000 Schaulustige nach Versailles gekommen. Die Gaststätten hatten die ganze Nacht über geöffnet, der Lärm war bis in Weidmanns Zelle im Gefängnis Saint Pierre zu hören. Die Hinrichtung fand auf dem Platz vor dem Gefängnis statt und musste wegen des Ansturms der Schaulustigen um etwa 45 Minuten auf 4:32 verschoben werden.
Trotz eines geltenden Film- und Fotografierverbots wurde von einer privaten Wohnung neben dem Gefängnis aus ein Amateurfilm aufgenommen, der derzeit in Internetportalen kursiert. Auf dem Film ist zu sehen, wie nach der Niederwerfung des Delinquenten durch zwei Assistenten auf das Klappbrett der Guillotine der Scharfrichter Jules-Henri Desfourneaux per Hebel die obere Lünette fixiert und das Beil auslöst. Unmittelbar nach Abtrennung des Kopfes kippen die beiden Assistenten den kopflosen Körper seitlich in die bereit stehende Truhe ab, während ein weiterer Assistent (André Obrecht), der die Enthauptung aus einigen Metern Entfernung (um nicht vom spritzenden Blut befleckt zu werden) auf der Kopfseite des Delinquenten beobachtet hatte, zur Guillotine eilt, um den Kopf des Hingerichteten aus dem dafür gedachten Gefäß zu holen. Das Hochheben des Kopfes ist jedoch nicht mehr auf dem Film enthalten. Der Scharfrichter und die Assistenten sind mit schwarzen Gehröcken und Hüten bekleidet. Von der Niederwerfung des Verurteilten auf das Klappbrett bis zur Abtrennung des Kopfes vergehen weniger als zehn Sekunden.

  

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Aufbau der Guillotine, Weidmanns letzter Weg und seine Hinrichtung auf dem Platz vor dem Gefängnis. Wegen des unwürdigen „hysterischen Verhaltens“ der Öffentlichkeit bei Weidmanns Hinrichtung erließ Premierminister Édouard Daladier am 24. Juni 1939 eine Verordnung, wonach alle Hinrichtungen nichtöffentlich hinter Gefängnismauern stattzufinden hatten.

Die Hinrichtungsszene im Spielfilm Mathilde - Eine große Liebe (2004), bei der eine Frau (Schauspielerin: Marion Cotillard) enthauptet wird, ist an den Amateurfilm von Weidmanns Hinrichtung angelehnt.

Quellen
Lexikon der Serienmörder (Peter & Julia Murakami) 2.Auflage 2000 - S.194 -ISBN 3-548-35935-3 und aus Wikipedia

 

 

12. Der Fall – Gustav Schrabacher (Der Kampf in der Jauchengrube)

„Der 34jährige Hilfsarbeiter Gustav Schrabacher war bis 22.Juli 1929 bei einem Bauern in Rainbach bedienstet. Er löste das Dienstverhältnis, ging in das Gasthaus, zechte bis mittags und ging endlich fort, um zu betteln. Zuerst kam er zum Hause der Bäuerin Karoline Moritz. Die Frau gab ihm ein schönes Stück Selchfleisch, Schrabacher war damit aber nicht zufrieden, warf ihr das Fleisch in das Vorhaus und beschimpfte die Bäuerin in gröblichster Weise.

Dann kam er zum Hause des Alois Goldberger und verlangte ein Mittagessen. Man gab ihm nur Brot und dieses schleuderte er zurück. Schrabacher begann zu schimpfen und zu drohen und sollte von dem Knechte Johann Ertl fortgeschafft werden. Als Schrabacher mit geballten Fäusten auf ihn eindrang, lief Ertl in die Wohnstube zurück. Schrabacher schlug nun mehrere Fensterscheiben ein. Nun ging Ertl in Begleitung des Schneiders Koran in den Hof, um den Bettler fortzubringen. Dieser bewaffnete sich mit einer Schaufel und schlug die beiden in die Flucht. Dabei fiel Koran in die Jauchegrube. Ertl und Schrabacher gerieten in ein Handgemenge, und dabei fiel auch Ertl in die Jauchegrube. Der wütende Schrabacher sprang ihm aber nach, entriss ihm die eiserne Gabel, und nun wäre Ertl verloren gewesen, wenn nicht der Bauer herbeigeeilt wäre und Schrabacher durch Schläge von weiteren Angriffen abgehalten hätte.

Nun kletterten alle aus der Grube, Bauer und Knecht zogen sich in das Haus zurück. Der Angeklagte folgte ihnen, nahm aus dem Vorhaus das Fahrrad des Bauern und warf es in die Jauchegrube. Er schlug auch noch vier Fenstertafeln ein, dann bewaffnete er sich mit einem Prügel und setzte sich im Hofraum nieder. Hier aber schlief er bald ein und die Gendarmerie setzte ihn hinter Schloss und Riegel.“

Quellen: - Trauriger Fasching / Blutige Ostern (Franz Steinmaßl) Ausgabe 1994 – S.226 – ISBN 3-900043-22-2

 

 

13. Der Fall - Johann Schilger

Die 44-jährige Marianne Sweceny lebte nun seit 4 Jahren in der Badener Straße 194 in Traiskirchen. Nach dem Tod ihres Gatten war sie aus Wien fortgezogen. Ihr Ehemann war Sektionschef im Landesverteidigungsministerium gewesen. Viele Jahre war sie bei ihm als Hausgehilfin tätig. Als er dann zu kränkeln begann, heiratete der Mann seine Bedienstete. Er lebte nicht mehr lange und ließ seine Frau bald als Witwe zurück. Marianne Sweceny übersiedelte nach Traiskirchen. Von dem Erbe konnte sie sich eine schöne Wohnung leisten. Dazu kamen noch Einkünfte aus Hausbesitzungen des verstorbenen Gatten.
Frau Sweceny galt als sehr lebensfroh, aber keinesfalls als leichtsinnig. Sehr schnell hatte sie es verstanden, die Zuneigung der in der Umgebung lebenden Menschen zu gewinnen und war als angesehener Gast bei den verschiedensten gesellschaftlichen Ereignissen gerne gesehen. Ihr Haus galt als beliebte Adresse für unterschiedlichste Treffen und so war sie schnell über den Tod ihres Gatten hinweggekommen. Langweilig war ihr nie. Ihr Leben hatte sich gründlich geändert und sie konnte sich im Grunde als sehr zufrieden bezeichnen. Nur eine Sorge bedrückte die sympathische Frau. Einer ihrer Brüder lag ihr sehr in der Tasche, wie sie es zu nennen pflegte.
Dieser Verwandte, der 55-jährige Johann Schilger, war vor etwa einem Jahr arbeitslos geworden. Ständig in Geldnöten - er hatte auch für eine Ziehtochter zu sorgen - sprach er bald bei seiner wohlhabenden Schwester vor und bat sie um Geld. Sie gab ihm, was er wollte, und er kam wieder. Seine Auftritte wurden immer fordender und Frau Sweceny begann sich allmählich vor ihrem Bruder zu fürchten. Sie hatte bald Angst, alleine im Haus zu sein und wurde für ihre Umgebung immer sonderbarer. Wenn sie verreiste, verbot sie ihren Bekannten streng, ihren Aufenthalt irgendjemand bekannt zu geben.
Da ihre Wohnung sehr groß war, hatte sie einen Teil einem Zahnarzt vermietet, den sie eines Tages bat: "Wenn mein Bruder kommt, sagen sie ihm um Gottes Willen nicht, wo ich bin. Ich bin sonst meines Lebens nicht mehr sicher!"
Nun war sie schon so weit, dass sie sich um eine andere Wohngelegenheit umschaute und mit der Gemeinde Schwadorf in Verhandlungen trat, um ein Grundstück zu kaufen. Sie stellte fast keine Bedingungen und war mit nahezu allen Vorgaben der Gemeinde einverstanden. Nur von einer Bedingung ging sie nie ab: "Niemand darf meine Adresse erfahren!"
Anfang Juli kam Frau Sweceny ganz aufgeregt zu ihren Bekannten und schilderte, dass sie ihr Bruder wieder besucht hatte und es sei zu furchtbaren Szenen gekommen: "Er hat mich mit einer Waffe bedroht!" Mit einem Revolver, den sie ihm selbst geschenkt hatte. "Als mein Mann starb, hat mich mein Bruder um diese Waffe gebeten, weil er sich gefährdet fühlte. Ich hab‘ mit dem Revolver nichts anfangen können und hab‘ ihn ihm gegeben. Jetzt ist er wieder gekommen, um Geld zu erbetteln." Das höre sich jetzt endlich einmal auf, diese ewige Bettelei, habe sie zu ihm gesagt. Er bekäme ab sofort kein Geld mehr von ihr. Er müsse sich wieder um ordentliche Arbeit umschauen. "Da hat er die Waffe aus der Tasche gezogen und sie gegen meine Stirn gehalten", erzählte Sweceny mit bebender Stimme. "Er hat mich bedroht, ist dann aber gegangen."
Sie war ganz erschüttert, vor allem aufgrund der Tatsache, dass sie selbst es war, die ihm die Waffe in die Hand gegeben hatte, mit der er sie jetzt bedrohte. "Wenn mein Bruder noch einmal kommt, bin ich verloren!"
Am Samstag, dem 6. August 1932, kam gegen 11 Uhr ein im Hause unbekannter Mann zur Sektionschefswitwe. Vorerst machte sich im Hause keiner darüber Gedanken, denn sie öffnete ihm die Wohnungstür und ließ ihn freundlich grüßend eintreten. Kurz darauf hörten die Nachbarn einen heftigen Streit und erkannten die Stimme der Frau Sweceny. Erschrocken dachten alle sofort an die ängstliche Prophezeiung und befürchteten, ihr Bruder könnte gekommen sein. Ein Nachbar sagte: "Ich schau‘ ‘rüber, vielleicht ist’s eh‘ gar nicht so schlimm, wie sie immer sagt." Noch bevor er seine Wohnung verlassen hatte, krachte ein Schuss.
Frau Sweceny riss ihre Wohnungstür auf und lief mit angsterfülltem Gesicht in den Hof, wo sie in der Nähe des Brunnens Deckung suchte. Ein Mann stürmte hinterher, in der rechten Hand einen Revolver und schrie: "Versteck‘ dich nicht!" Im Hof zielte er auf die Frau und gab in rascher Folge drei Schüsse ab. Blutüberströmt brach Frau Sweceny zusammen. Der Unbekannte drehte sich um und lief wieder zurück in die Wohnung. Ein weiterer Schuss hallte durch‘s Haus.
Große Aufregung machte sich breit und alle eilten in den Hof. Der bedauernswerten Frau war nicht mehr zu helfen, sie war unter den Kugeln ihres Mörders gestorben. Zwei hatten sie direkt im Bereich der linken Brust getroffen, die dritte war als Querschläger von der steinernen Brunneneinrandung abgeprallt und ebenfalls in ihre Brust gedrungen. Keiner getraute sich in die Wohnung, in die der Täter geflüchtet war.
Die rasch herbeigeeilte Gendarmerie stürmte darauf die Wohnung, aus der keine Geräusche mehr zu hören waren und fand den Schützen tot am Boden liegend vor. Er hatte sich mit einem Schuss selbst getötet. Noch war nicht bekannt, um wen es sich bei dem Täter handelte. In seinen Taschen fand man eine Wiener Straßenbahnkarte für Arbeitslose und eine frisch gelöste Bahnkarte der Badener Bahn. Wohl deutete alles darauf hin, dass es sich beim Täter um den Bruder des Opfers handeln müßte, doch fehlte dazu vorerst jeder Beweis. Im Haus hatte niemand den Verwandten der Sweceny jemals gesehen. Gesprochen hat sie ja häufig von ihm, nur zu Gesicht hat in nie jemand bekommen.
Schon am nächsten Tag war es möglich, mit einem anderen Bruder der Ermordeten Kontakt aufzunehmen, der sich unverzüglich nach Traiskirchen begab. Erschrocken und traurig zugleich musste er feststellen, dass er mit einem Schlag seine Schwester und einen seiner Brüder verloren hatte. Er bestätigte die Vermutung der Sicherheitsbehörde: "Ja, der Tote ist mein Bruder Johann Schilger."
Damit war das Mordrätsel völlig gelöst. Wie aus den Aussagen der Nachbarn geschlossen werden konnte, war es wieder um Geld gegangen, um das Johann Schilger seine Schwester anbetteln wollte. Sie hatte ihn abgewiesen und damit ihr Todesurteil gesprochen.
Die beiden Toten wurden in die Totenkammer von Traiskirchen gebracht, wo sich erschütternde Szenen abgespielten. Auch die Ziehtochter des Todesschützen war gekommen. Nachbarn des Opfers erinnerten sich, dass die Witwe am Morgen ihres Todestages beinahe schon ungewohnt fröhlich gewesen war und vorgehabt hatte, zum Jahrmarkt nach Wiener-Neudorf zu fahren, um "sich wieder einmal so richtig unterhalten zu können." Doch ihr Mörder war ihr zuvorgekommen.

Quellen
Polizeiberichte aus Österreich - (von Erich Müllner) - Ausgabe 2004

 

 

14. Der Fall - Julius Adolf Petersen

 
Der Mann sah überzeugend aus in Bowler, schwarzem Anzug und den gewienerten Schuhen. Optisch ein Gentleman, der bei Damen gut ankam. De facto einer, dessen größter Stolz es war, Panzerknacker zu sein, und zwar ein ganz spezieller, der Tresore nicht aufbrach, sondern erst den Schlüssel stahl, um ihn dann wieder zurückzubringen. Irgendwo, das muß man zugeben, hatte er Stil.

Man gab ihm einen "Ehrennamen": Lord von Barmbeck (damals noch mit "C"). Bürgerlich hieß er Julius Adolf Petersen, wurde am 7. Oktober 1882 in einer Kellerwohnung am Borstelmannsweg in Hamm als Sohn eines Zimmermannes geboren. Später war er Kneipenwirt in einem Kellerlokal in der Bartholomäusstraße. Er wurde 51 Jahre alt.

In seinen Lebenserinnerungen bespiegelte und gefiel er sich in dem, was er tat, wenn auch nicht ohne Selbsterkenntnis: Er nannte sich einen "bockbeinigen Mephistojünger, dem Fluch der bösen Tat erlegen". Tatsächlich hat er die organisierte Kriminalität in Hamburg begründet. Als "Held" blieb er bis heute in Erinnerung, weil er sich nicht lösen konnte aus diesem Strudel, der ihm so viel "Anerkennung" bescherte.
Eine orangefarbene Karteikarte mit der Aufschrift "Schulknabe" führt zu dem, was ihn bis heute zu etwas Besonderem in der Stadtgeschichte macht: 20 Meter vergilbte Akten. Die Karte gehört zu seinem ersten Delikt. Er hatte eine Geldbörse mit 20-Mark-Stücken unterschlagen. Er bekam dafür, erst 13 Jahre alt, fünf Tage Gefängnis.

Die Geschichte dieses Mannes wird im St.-Pauli-Theater gezeigt. Ulrich Tukur spielt den "Lord", singt dazu wenig bekannte Lieder von Hans Albers und hat selber welche dazugedichtet. "Petersen", sagt Tukur, "haftet eine Art Robin-Hood-Image an, aber das ist übertrieben. Er gilt heute immer noch als Held, war aber ein Schwerkrimineller. Mit Prostitution und Mord hatte er allerdings nichts zu tun."

Dafür war er zum Ausklang des Kaiserreichs und in die Weimarer Republik hinein der bekannteste Hamburger Kriminelle - pflegte aber sein Image als braver Bürger, heiratete 1911 und wurde Gastwirt. Doch im Grunde war er Kopf der "Barmbecker Verbrechergesellschaft", einer Bande von Dieben, Einbrechern und Räubern.

Ein starker Gaunertrupp, vor dem kein Tresor in Hamburg sicher ist. Einbrüche und Raubüberfälle sind ihre Spezialität. Und schillernd ihre Namen: "Schlachterkarl", "Lockenfitsche", "Rabenmax" und "Hunderobert", um nur einige zu nennen. Beim Verteilen der Beute zieht der "Lord" sie auch gerne über den Tisch.
1917, als er mal wieder im Gefängnis sitzt, gelingt es ihm, auszubrechen, ebenso wie 1918, weshalb er sich selber lieber "Aus-" statt Einbrecher nennt. Die Blütezeit seiner Verbrecherkarriere beginnt nach dem Ersten Weltkrieg, und das neue Phänomen der organisierten Kriminalität stellt die Polizei in Hamburg vor Rätsel. Der "Lord" knüpft das Netz von Helfern und Helfershelfern kompetent und im großen Stil. Er spannt es über halb Deutschland. Reisende Bandenmitglieder begingen schwer zu entwirrende Verbrechen. Dabei gibt die Polizei selbst zu, daß die Bande "in geradezu bewundernswürdiger Weise" organisiert ist.
1920 erleichtert Petersen in seinem größten Coup mit seiner Gang den Geldtransporter der Farmsener Trabrenngesellschaft um 190 000 Mark, die Amtskasse der Seewarte um mehr als 50 000 Mark und das Postamt in der Susannenstraße um 222 300 Mark - nachdem sie den Postbeamten erst beim Schäferstündchen beobachtet und ihn dann in einen Schrank gesperrt haben. Den Tresor räumt der "Lord" persönlich aus. Er wird geschnappt.
Von 1922 an werden dann 200 Delikte verhandelt, die ihm zugeschrieben werden, 3000 Haftbefehle werden ausgestellt, 400 Personen müssen sich vor Gericht verantworten. 1924 bekommt der "Lord" eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren, dazu für zehn Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.

1927 schreibt er in seiner Zelle in "Santa Fu" an seinen Memoiren und zeigt, daß er auch gut erzählen kann. Er gibt sogar Anweisung, was auf dem Titelbild zu erscheinen habe: "Links in der Ecke das gewaltsame Öffnen eines Geldschranks."
1932 wird er vorzeitig entlassen. Weil er als höflich, ruhig und bescheiden gilt, vermutet man Besserung und eine gefestigte Persönlichkeit. In Gnadengesuchen hat er außerdem seine "Psychose des Verbrechers" mit seiner "Neigung zu verkehrtem Heldentum" geradezu tiefenpsychologisch verklärt. In seinen Memoiren heißt es: Ich büße so, wie ich gefehlt habe, kühn waren meine Handlungen, ohne Murren ist meine Buße." Dabei hat er gerade hinter Gittern sein Organisationstalent weiter ausgebaut und mit Hilfe von Kassibern, bestochenen Polizeibeamten und Rechtsanwälten einen regen Nachrichtenverkehr eingefädelt und Befehle weitergegeben.

Petersen wird wieder rückfällig - und im Oktober 1933 festgenommen, weil er im Verdacht steht, mit einem Raubmörder namens Hannack Einbruchddiebstähle ausgeführt zu haben. Hannack schießt ihm dabei in den Arm. Die Polizei wirft dem "Lord" auch vor, daß er die Hand im Spiel hat, als sein Bruder Arnold Blüten in Umlauf bringt.
Am 21. November 1933 wird er vorgeführt. Kommissar Präger, Leiter des Falschgelddezernats, befragt ihn. Zurück in der Zelle, sieht Julius Adolf Petersen wohl keine Chance mehr, in seiner heißgeliebten Freiheit leben zu können. Präger notiert im Protokoll: "Petersen hat noch am gleichen Tage gegen 20 Uhr sich durch Erhängen selbst entleibt."
Eine zwiespältige Persönlichkeit mit Charisma hatte ihr Leben beendet. Der Ruhm des Lords von Barmbeck blieb zwar zweifelhaft, aber auch nachhaltig. Das macht ihn bis heute unsterblich.

Quellen: -abendblatt.de - erschienen am 22. Januar 2005 (von Alexandra zu Knyphausen)

 

 

15. Der Fall - Gabor Bodony   

Szenen wie in einem Wild - West - Film ereigneten sich am Morgen des 1. September 1928, einem Samstag, am damaligen Suttnerplatz (heute Rilkeplatz) in Wien, auf der sonst so friedlichen Wieden.

Der Juwelier Leopold Kürer hatte eben erst sein Geschäft Suttnerplatz 7 geöffnet, als ein junger, sehr elegant gekleideter Mann eintrat und eine Uhr kaufen wollte. Als Kürer die Uhr verpackte, verspürte er einen mächtigen Schlag auf den Kopf. Einen zweiten Hieb des Kunden konnte Kürer geistesgegenwärtig abwehren und den Täter - es war der Käufer der Uhr - zurückstoßen. Dem Überfallenen gelang es, auf die Strasse zu taumeln, laut um Hilfe zu rufen und sich in ein benachbartes Geschäft zu flüchten. Währenddessen verließ der mit einer Pistole bewaffnete Räuber den Juwelenladen und rannte durch die Margarentenstrasse gegen die Schleifmühlgasse. Jedoch ein am Suttnerplatz diensttuender Verkehrspolizist hatte die Situation beobachtet und folgte nun, mit der Dienstwaffe in Anschlag, dem flüchtenden Räuber.
Bald entwickelte sich zwischen dem Flüchtenden und seinem Verfolger ein reger Schußwechsel, wobei der Polizist durch einen Schuss verletzt wurde. Auch ein Autofahrer, der das Ereignis beobachtet hatte, beteiligte sich mit seinem Wagen an der Verfolgung und wurde ebenfalls vom Flüchtenden beschossen. Es gelang dem Fahrer jedoch, den Räuber einzuholen und als der Täter die Fahrbahn überquerte, erfasst ihn der Wagen des Verfolgers. Der Mann blieb verletzt auf der Straße vor dem Haus Margaretenstrasse 9 liegen und als er erkannte, dass eine Flucht nicht mehr möglich war, richtete er die Waffe gegen sich und tötete sich durch einen Kopfschuss mit seiner letzten Kugel.
Bei den folgenden polizeilichen Ermittlungen stellte sich heraus, dass es sich bei dem Täter um einen aus Budapest stammenden Artisten namens Gabor Bodony handelte, der in Wien unter dem Namen "Texas King" in verschiedenen Varietees als Kunstschütze aufgetreten war.
Seine erfolgreichste Bühnennummer wurde unter der Bezeichnung "Das Spiel mit dem Tod" angekündigt und war beim Publikum immer gut angekommen.

Für Gabor Bodony war es an diesem 1. September 1928 sein letzter "Auftritt" in Wien gewesen, Publikum war genug vorhanden aber das "Spiel mit dem Tode" war für ihn endgültig verloren.

Quellen
- Tatort Wien - 2. Band - Die Zeit von 1925 - 1944 (von Harald Seyrl) Ausgabe 2007 - S.77 - ISBN  3-911697-10-1

 

 

 

 

 

 

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