1. Seite mit 15 Fällen

 

 

1941-1960 1. Seite
 mit 15 von 15 Kriminalfällen
 

 

 

 

1. Der Fall - Bernhard Prigan
Der aus Essen stammende berüchtigte Sexualmörder, der den Spitznamen "Der Würger" hatte, ermordete drei Frauen und beging an drei weiteren vollendete Notzuchtverbrechen. Mit seinem Fahrrad fuhr er die Autobahn vom Bodensee bis ins Ruhrgebiet ab und verbreitete fünf Jahre lang Angst und Schrecken. Die Presse berichtete ausführlich von ihm als dem "Autobahnmörder".
Am 19.Dezember 1953 erhielt der damals 33jährige dreimal lebenslange Zuchthausstrafe.

Quelle: - Das große Verbrecher-Lexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - Seite 120 - ISBN: 3-88199-146-8

 

 

 


2. Der Fall - Han Van Meegeren

Han van Meegeren, geboren am 10. Oktober 1889 in Deventer (bürgerlich Henricus Antonius van Meegeren) war ein niederländischer Maler, Restaurator, Kunsthändler und Kunstfälscher. Er war zwar keiner der bedeutenden Maler der Niederlande, aber er gilt als einer der genialsten Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts. Das Interesse an seiner Person ist auch noch im 21. Jahrhundert ungebrochen. Er wurde festgenommen, weil er beschuldigt wurde, nationales Kulturgut aus Holland ins Ausland verkauft zu haben. Ein Delikt, auf das nach 1945 die Todesstrafe stand. Gegenstand der Festnahme war das Bild "Christus und die Ehebrecherin", wohl der Höhepunkt in der Karriere des Künstlers Vermeer und bis dahin weitgehend unbekannt.

Van Meegeren behauptete, dass er das Bild aus privatem Besitz erstanden, von einer armen italienischen Familie gekauft habe. Er beteuerte aber, das Bild an einen Händler und somit nicht ins Ausland verkauft zu haben. Die Exekutive blieb in dem Glauben, Han van Meegeren habe es Göring verkauft, wo es schließlich gefunden wurde. Er wurde wegen Kollaboration verhaftet. Und somit blieb dem zu Tode Verurteilten nur die Flucht nach vorne - er gestand das Delikt der Kunstfälschung.

Er hatte aufgrund seiner wenig erfolgreichen Karriere als Maler - selbst von seiner Frau unbemerkt - begonnen, den alten Meister Vermeer zu studieren. Vom Dachshaarpinsel über selbstgefertigte Farben und Bindemittel bis zu dem berühmten Vermeer-Blau, jedes Detail ahmte er genauestens nach. Das Vermeer-Blau gewann er aus Lapislazuli, das er aus London importierte. Er benutzte außer alten Farben auch alte Leinwand und alte Rahmen so geschickt, dass lange Zeit die Fälschungen unentdeckt blieben. Auch erstand er alte Teller und Kelche, weniger um (wie er seiner Frau sagte) das Heim wohliger und heimeliger zu machen, sondern als Vorlage für sein Meisterwerk, das zu seiner Lebensaufgabe geworden war. In seinem Haus dufteten stets frischer Flieder und andere Pflanzen, damit niemand auf die Idee kommen könnte, der Duft käme von seinen Versuchen mit Pflanzenölen und Firnissen, die sich über Monate hinzogen. Über drei Jahre lang studierte er die technischen Mittel, malte zur Einstimmung vier Bilder im Stil von Ter Borch und Frans Hals. Dann erst wagte er seinen großen Coup: Er begann mit den Emmausjüngern. Nach insgesamt sechs Jahren war das im Ofen gealterte Bild endlich fertig - und ein voller Erfolg.

Auch die holländischen Meisterwerke "Segen Jakobs", "Die Fußwaschung",  "Das letzte Abendmahl" und "Die Ehebrecherin", das sich in Görings Sammlung befand, waren von ihm geschaffen. Hermann Göring, der neben Alois Niedl auch verschiedene andere Aufkäufer benutzte, um die Werkgruppen in seiner Kunstsammlung zu vereinen, stellte die Vermeer-Fälschung Christus und die Ehebrecherin zusammen mit den anderen Kunstschätzen in den Ausstellungsräumen seiner Residenz Carinhall nördlich der Ortschaft Groß Schönebeck am westlichen Rand der Schorfheide ca. 65 Kilometer nördlich von Berlin aus.

Emausjünger The last supper (1940 - 1941)

Im November 1944 siedelte Han van Meegeren nach Amsterdam über, wo er sich in der Keizersgracht 321 eine prachtvolle Wohnung einrichtete. An seinen Fälschungen hatte er bis dahin zwischen 5,5 bis 7,5 Millionen Gulden verdient. Das Geld verwendete er für den Kauf und Ausbau vieler Wohnhäuser und Hotels, für Kunstwerke und für seinen luxuriösen Lebensstil. Er sagte 1946 zu Doudart de la Grée, er habe in Laren 15 Landhäuser und in Amsterdam 52 Häuser besessen, darunter Grachtenhäuser, die unter Denkmalschutz standen.

Er spielte in Amsterdam den ehrbaren Bürger; in Wirklichkeit aber betrieb er ein Nachtlokal oder sogar verschiedene Nachtlokale.

Nach dem 25. August 1943 ließ Hermann Göring Christus und die Ehebrecherin mit einem Teil seiner Kunstsammlung in dem Bergungsort Salzbergwerk Altaussee bei Salzburg in Österreich einlagern. Am 17. Mai 1945 konnten die Alliierten das Salzbergwerk betreten. Captain Harry Anderson hat dort nach wenigen Tagen den unbekannten Vermeer Christus und die Ehebrecherin gefunden und als Fälschung entlarvt.

Als die Mitarbeiter des Büros zur Bekämpfung der Vermögensflucht Ende Mai 1945 in den Geschäftsbüchern der bis 1944 von dem Bankier und Kunsthändler Alois Niedl betriebenen Kunsthandlung Goudstikker nachlasen, dass Han van Meegeren den gefälschten Vermeer Christus und die Ehebrecherin über Alois Niedl an Hermann Göring verkauft hatte und der (unbegründete) Verdacht bestand, dass er der nationalsozialistischen NSB. angehört hatte, kam er vom 29. Mai 1945 bis zum Herbst 1945 wegen Betruges und Feindbegünstigung in Untersuchungshaft in das Gefängnis Weteringschans.Angesichts der ihm als Kollaborateur und als Verkäufer nationalen Kulturgutes der Niederlande drohenden Zuchthaus- oder Todesstrafe machte er nach zwei Wochen Haft am 12. Juni 1945 das Geständnis, diesen und weitere Vermeers gefälscht zu haben. Er erklärte: Das in Görings Hände gelangte Gemälde ist nicht, wie Sie annehmen, ein Vermeer van Delft, sondern ein van Meegeren! Ich selber habe das Bild gemalt!

Da man nicht glauben wollte, die vermeintlichen "Vermeers" seien von der Hand Han van Meegerens, malte er während seiner Untersuchungshaft von Juli bis September 1945 in Anwesenheit von 6 Zeugen, Sachverständigen, Photographen und einer Polizeiwache noch einen weiteren gefälschten aber nicht signierten Vermeer Jesus unter den Schriftgelehrten.

Ende 1945 wurde er für bankrott erklärt. Für die Verkaufserlöse aus der Fälschertätigkeit sollte er ab 1937 Einkommens- und Vermögenssteuern nachzahlen, hinzu kamen die Forderungen der Käufer auf Erstattung ihres vollen Kaufpreises, wobei sie auch die Provisionen der Vermittler und Händler in Rechnung stellten.

In Erwartung seines Prozesses gab er 1946 der Schriftstellerin Marie-Louise Doudart de la Grée Interviews, die sie in zwei Büchern verwertete und veröffentlichte.

Han van Meegeren im Gerichtssaal

Die Hauptverhandlung des Landgerichtes in Amsterdam gegen Han van Meegeren begann am 29. Oktober 1947 im Zimmer 4 des Justizpalastes an der Prinsengracht Seiten 176?217. Die Kollaborationsbeschuldigung wurde fallengelassen, weil Professor Dr. Paul Coremans nachweisen konnte, dass der an Hermann Göring verkaufte angebliche Vermeer von Han van Meegeren gemalt worden war und deshalb nicht zu dem nationalen Kulturgut der Niederlande gehört hatte. Der Staatsanwalt, Meester H. A. Wassenbergh, erhob gegen Han van Meegeren Anklage wegen Fälschung und Betrug und forderte zwei Jahre Gefängnis.

Verschiedene Photographien zeigen Han van Meegeren im Gerichtssaal, in dem zahlreiche seiner Fälschungen ausgestellt waren.

Am 12. November 1947 verurteilte ihn die vierte Kammer des Amsterdamer Landgerichtes wegen Fälschung und Betrug zu der Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis. Er legte keine Berufung ein. Er musste die Haft aber nicht antreten, weil er am 26. November 1947, dem letzten Tage seiner Einspruchsfrist, nach einem Herzanfall in die Valeriuskliniek in Amsterdam eingeliefert wurde, wo er am 29. Dezember einen erneuten schrecklichen Herzanfall erlitt.. Er starb am 30. Dezember 1947 gegen 19 Uhr an einem Herzschlag. Einige hundert Freunde bewiesen dem Toten die letzte Ehre in der Kapelle des Krematoriums zu Driehuis-Westerfeld. Seine Urne wurde 1948 auf dem Algemene Begraafplaats in dem Dorf Diepenveen in der Gemeinde Deventer beigesetzt.

Nach einer holländischen Meinungsumfrage Mitte Oktober 1947 stand Han van Meegeren gleich hinter dem Ministerpräsidenten an der zweiten Stelle der Popularitätsliste. Viele Niederländer sahen in ihm den pfiffigen Gauner, dem es wirklich gelang, die Kunstsachverständigen der Niederlande und Hermann Göring hereinzulegen. Han van Meegeren gilt noch heute als einer der genialsten Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Prozess erklärte er aber selber: Mein Triumph als Fälscher war meine Niederlage als schöpferischer Künstler

Quellen: - Das große Verbrecher-Lexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - Seite 219- ISBN: 3-88199-146-8 und - Wikipedia

 

 

 

3. Der Fall - Riley Leandress

Am 18.Juli 1949 überfiel Riey Leandress mit einem Gewehr ein Restaurant im County Sacramento. Er erbeutete 926 Dollar und einen Scheck über 56,66 Dollar. Als er das Restaurant verlassen wollte, lief ihm Walter Hill über den Weg, der das Restaurant belieferte. Riley drückte Hill seinen Gewehrlauf in den Rücken und schoss.

Riley Leandress wurde gefasst und zum Tod in der Gaskammer verurteilt. Der sehr schmächtige Leandress wog nur 42 Kilo, als man ihn am 20. Februar 1953 in der Gaskammer in San Quentin mit Gurten in der Mitte des Stahlstuhls fixierte und den Raum verschloss. Er konnte sich jedoch auf Grund seiner sehr schmalen Handgelenke aus den Gurten befreien, lief in der Gaskammer auf und ab und trommelte gegen die dicken Scheiben, noch bevor das tödliche Gas freigesetzt wurde. Die Zeugen vor der Gaskammer sprangen entsetzt auf. Die Kammer wurde wieder geöffnet und vier Wärter mussten Riley überwältigen und erneut anschnallen. Dieser Vorgang wiederholte sich noch zweimal. Als sich Riley zum vierten Mal wieder aus seinen Fesseln befreien konnte, wurde die Hinrichtung ohne Fixierung vollzogen und das tödliche Gas freigesetzt. Sein Tod wurde um 10.16 Uhr festgestellt.

Quelle: - 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 - Seite 239 - ISBN: 3-935678-03-7

 

 

 

4. Der Fall - Johann Bergmann

Johann Bergmann nannte sich selbst den "AL Capone von Wien" oder auch mit Stolz "Österreichs Staatsfeind Nr.1". Sein Vater war Säufer, die Mutter taubstumm, der Vater führte ihn ins Diebstahlgeschäft ein, der Sohn wurde zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

1954 sprach erstmals die Welt von ihm: Er war auf die Spitze des Stephansdomes geklettert und hatte damit gedroht, sich herunterzustürzen, wenn man ihm nicht 3000 Schilling geben würde, um das Weihnachtsfest so luxuriös wie andere Menschen feiern zu können. Ein Priester kletterte zu ihm hinauf und brachte ihm 1000 Schilling. Nach mehreren Stunden kam Bergmann dann herunter.

Johann Bergmann beging 3 Morde, 2 Mordversuche und 1 Raubüberfall. Von Reue zeigte er vor Gericht keine Spur. Im Gegenteil: Vor der Presse und der Öffentlichkeit, der er sich wie ein Filmstar zur Schau stellte, sagte er: "Ich werde weiter morden, auch im Gefängnis".

Diese Mordlust entsprang einem Nasen-Komplex des Täters. Erst nach einer Schönheitsoperation wollte er aufhören zu morden. Aber für die Nasenoperation besaß er kein Geld und auch nach Erpressungsversuchen aus dem Gefängnis heraus bekam er keines.

Der 1930 geborene Johann Bergmann wurde am 1. Juni 1960 zu lebenslangem Kerker verurteilt.

Quellen: - Das grosse Verbrecherlexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - S.85 ? ISBN 3-88199-146-8

 

 

 

5. Der Fall - Yoshio Kodaira

Als wohl "fleißigster" Serienmörder Japans ist Yoshio Kodaira, geboren 1905, als Sohn eines gewalttätigen Alkoholikers, anzusehen. Er wurde von seinem Lehrer in der ersten Klasse wie folgt beschrieben: ?Unaufmerksam und lustlos; gerät täglich in Kämpfe.? Dieses Muster setzte sich während der Grundschule fort. Kodaira war überdies durch ein schweres Stottern gehandikapt, schaffte die Schule mit seinen schlechten Noten nur knapp und graduierte "gerade noch" am 21. Rang in einer Klasse mit 23 Schülern.

Anstelle einer höheren Ausbildung kam er zu einem Metallwerk in Tokio in die Lehre und kämpfte sich durch eine Reihe von Anstellungen als Fabrikarbeiter, wobei er in keiner länger als wenige Monate blieb. Mit 18 Jahren trat er als unverheirateter Vater der Kaiserlich-Japanischen Kriegsmarine bei, um seinen Verpflichtungen zu entkommen. Als Seemann der japanischen Flotte gewöhnte sich Kodaira bald an die billigen Bordelle in diversen Anlaufhäfen. Im Jahr 1927 war er in verschiedene Aktionen gegen das chinesische Festland involviert und nahm an einigen Greueltaten teil, darunter Vergewaltigungen und Mord an wehrlosen Zivilisten. Wie er später einen Zwischenfall beschrieb: "Vier oder fünf meiner Kameraden und ich drangen in ein chinesisches Haus ein, fesselten den Vater und sperrten ihn in einen Wandschrank ein. Wir stahlen ihre Schmucksachen und vergewaltigten die Frauen. Wir schlitzten auch eine schwangere Frau mit dem Bajonett auf und zogen den Fötus aus ihrem Bauch. Auch ich beteiligte mich an solchen verdorbenen Aktionen."

Und er genoss jede Minute davon.

Kodaira war im Jahr 1932 in das zivile Leben zurückgekehrt und heiratete die Tochter eines Shinto-Priesters gegen die Einwände ihres Vaters. Die Verbindung war stürmisch und gipfelte, als Kodaira eine Auseinandersetzung austrug, darin, dass er seinen Schwiegervater mit einer Eisenstange erschlug und sechs weitere Familienmitglieder verletzte.

Er wurde zu 15 Jahren bei harter Arbeit verurteilt und im Zuge der General-Amnestie von 1940 entlassen, wonach er Arbeit als ziviler Angestellter in einer Werft in Tokio fand. Die meisten seiner Untergebenen waren weiblich, und Kodaira machte es sich zur Gewohnheit, ihnen nachzuspionieren, wenn sie sich nach der Arbeit badeten.

Am 25. Mai 1945 vergewaltigte und erwürgte er eine von ihnen, die 19-jährige Miyazaki Mitsuko, und versteckte ihre Leiche hinter einem Luftschutzbunker auf dem Gelände.

Japan stand zu dieser Zeit unter häufigen Luftangriffen, seine Inselfestungen im Pazifik fielen durch amphibische Invasionen, und Kodairas Verbrechen blieb unentdeckt, während das Chaos des Krieges die Polizei von seinen Verbrechen ablenkte. Durch seinen Erfolg ermutigt, vergewaltigte und erdrosselte er am 22. Juni die 30 Jahre alte Ishikawa Yori. Drei Wochen später, am 12. Juli, wiederholte er die Prozedur mit der 32-jährigen Nakamura Mitsuko. Ein viertes Opfer, die 22 Jahre alte Kondo Kazuko, starb am 15. Juli. Matsushita Yoshire (21) wurde am 28. September ermordet, die 17-jährige Shinokawa Tatsue folgte am 31. Oktober und die 19-jährige Baba Hiroko am 30. Dezember.

Nach sechsmonatiger ?Verschnaufpause? forderte Kodaira sein nächstes Opfer ? die 15 Jahre alte Abe Yoshiko ? am 30. Juni 1946. Zwei weitere sollten folgen, bevor er schließlich von der Polizei geschnappt wurde.

Da es keine weiblichen Angestellten mehr gab, die er opfern konnte, hatte sich Kodaira eine neue Methode zurechtgelegt. Er bummelte auf öffentlichen Plätzen umher und bot jungen Frauen an, ihnen beim Kauf von Nahrungsmitteln oder anderen Dingen auf Tokios blühendem Schwarzmarkt behilflich zu sein. So kam es, dass Kodaira am 10. Juli die 17 Jahre alte Midorikawa Ryoko kennen lernte und mit ihr Freundschaft schloss. Er besuchte sie sogar bei ihr zu Hause und verriet den Eltern der jungen Frau dummerweise seinen wirklichen Namen. Ryuko verschwand am 6. August, nachdem sie ihr Zuhause verlassen hatte, um Kodaira für ein angebliches Einstellungsgespräch zu treffen; ihre nackte Leiche wurde wenige Tage später am Zojoji Tempel von Tokio gefunden. Eine zweite Leiche, die ganz in der Nähe gefunden wurde, konnte als Shinokawa Tatsue identifiziert werden, die von ihren Eltern in Shibuya als vermisst gemeldet worden war.
Die Polizei suchte Kodaira auf, nachdem sie seinen Namen von Ryukos Eltern erfahren hatte, und er gestand sein Verbrechen freiwillig und ohne Bitte um Nachsicht, woraufhin er am 20. August 1947 zum Tode verurteilt wurde. (Zusätzlich zu den Morden gestand er 30 oder mehr Vergewaltigungen, deren Opfer überlebt hatten.) Zwei Jahre und zwei Monate später, am Morgen des 5. Oktober 1949, wurde Kodaira im Miyagi-Gefängnis erhängt.

Quellen: - Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von V. F. Sammler /erg. Jaques Buval) 2.Auflage 2005 - S. 213 - ISBN 3-85365-189-5

 

 

6. Der Fall - Ruth Ellis

Ruth Ellis erschoß Blakely aus Nahdistanz

Ruth Ellis (geb. am 9.Oktober 1926 in Rhyl; gest. am 13. Juli 1955 in London) war eine britische Mörderin. Sie war die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde. Sie starb im Alter von 28 Jahren am 13. Juli 1955 im Londoner Holloway Prison durch den Strick, schuldig des Mordes an ihrem Liebhaber David Blakely. Ellis wird häufig portraitiert als Opfer eines brutalen Liebhabers, der sie missbrauchte.

Ruth Ellis war Bardame in einem Nachtclub Londons. Hier lernte sie auch den Rennfahrer David Drummond Moffat Blakely kennen und begann eine stürmische Liebesaffäre mit ihm, während deren er sie oft schlug. Blakely begann sie aber nach einiger Zeit zu meiden. 10 Tage vor dem Mord hatte sie eine Fehlgeburt, die von einem Schlag in den Bauch herrührte. Ellis hatte aber auch noch einen anderen Liebhaber namens Desmond Cussen. Während Cussen wahrscheinlich der einzige Mann war, der sie wirklich liebte, empfand Ruth Ellis eher ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Die fatale Dreiecksbeziehung nahm ihren Lauf.

Als ihr Fall bekannt wurde rief die Öffentlichkeit nach Begnadigung - diese wurde ihr aber nicht zuteil. Eine Tageszeitung bezahlte ihr sogar zwei Verteidiger. Sie gab den Mord jedoch bereitwillig zu: Ellis: "It is obvious that when I shot him I intended to kill him." (Übersetzung: "Es ist doch klar, dass ich ihn umbringen wollte, als ich auf ihn geschossen habe.") Allerdings ging sie nicht auf einen Deal ein, den ihr die Staatsanwaltschaft gemacht hatte. Diese hatte ihr angeboten, die Mordanklage fallenzulassen, wenn sie auf schuldig wegen Totschlags plädiert. Ellis hätte somit aber nicht die Möglichkeit gehabt, ihre Seite der Geschichte zu erzählen, was ihr sehr viel bedeutete.

Sie wartete auf Blakely vor einem Lokal, in dem sie ihn durch das Fenster gesehen hatte. Als Blakely sie beim Verlassen des Pubs ignorierte, holte sie einen geladenen Revolver (einem Smith & Wesson Revolver) aus ihrer Handtasche und feuerte einen Schuss auf ihn ab. Dieser Schuss verfehlte ihn jedoch und verletzte als Abpraller eine Passantin an der Hand. Ihr zweiter Schuss ließ Blakely zu Boden fallen. Sie ging zu ihm und feuerte die restlichen vier Kugeln aus kurzer Distanz in Blakelys am Boden liegenden Körper. Danach ließ sie sich widerstandslos festnehmen, die Tatwaffe noch in der Hand haltend. Blakely starb noch auf der Fahrt zum Krankenhaus.

Bis zum heutigen Tage ist ungeklärt, wer Ruth Ellis die Tatwaffe gegeben hat. Cussen, dem von vielen Seiten vorgeworfen wurde, er habe ihr den Revolver gegeben, bestritt dies bis zu seinem Tod im Jahre 1981.

 

Sie war 28 Jahre alt als sie am 13.Juli 1955 ihren Weg zum Galgen antrat. Das Urteil wurde durch den Henker Albert Pierrepoint vollstreckt.

 

 

Albert Pierrepoint, der letzte Henker in England

 

Ruth war für die Todesstrafe und wollte lieber gehängt werden als lebenslang im Zuchthaus zu sitzen

Dennoch war sie am Morgen vor der Hinrichtung sehr nervös. Sie trank einen großen Brandy und kniete nieder um zu beten. Exakt um neun Uhr morgens betrat Albert Pierrepoint, Grossbritanniens offizieller Henker, ihre Zelle und fesselte ihre Hände mit einem Lederriemen auf den Rücken. Ruth ließ sich widerstandslos die 15 Schritte zu dem Hinrichtungsraum führen. Hier legte ein Gehilfe ihr die Fußfesseln an während Pierrpoint sie auf der Falltüre in die richtige Position brachte . Er zog ihr eine weiße Kapuze über und legte die Schlinge um ihren Hals. Er zog den Hebel, die Falltür öffnete sich mit einem Knall und die Delinquentin fiel in die Schlinge. Ruth hatte sich nicht gewehrt und so hatte die ganze Prozedur kaum 10 Sekunden gedauert. Über eine Stunde musste ihr lebloser Köper nun am Strick hängen bleiben bevor man sie abnahm

Quellen: - wapedia und * British Military & Criminal History in the period 1900 to 1999. (englisch)

 

 

 

7. Der Fall - John George Haigh 

"Haigh, der "Säurebadmörder Haigh, als Sängerknabe Das gehobene Onslow Court Hotel in South Kensington.

John George Haigh (geb. am 24. Juli 1909 in Stamford (Lincolnshire); gest. am 10. August 1949 in London) war ein Serienmörder in England in den 1940er Jahren. John George Haigh, auch bekannt als "Säurebadmörder" oder "Vampir von London", tötete von 1944 bis 1949 mehrere Menschen aus Habgier und löste sie in Schwefelsäure auf.

John Haigh wurde von seinen Eltern, die Mitglieder der Brüderbewegung waren, streng religiös erzogen. Aufgrund seiner Fähigkeiten erhielt er ein Stipendium für die Oberschule in Wakefield und gewann ein weiteres Stipendium als Sängerknab e von der Kathedrale in Wakefield.

Später arbeitete er zunächst als Verkäufer. Er konnte sich gewählt ausdrücken und kleidete sich gern gepflegt. 1934 heiratete er Beatrice Hamer. Als John Haigh im November des gleichen Jahres wegen Betruges festgenommen wurde, ging die Beziehung breits nach kurzer Zeit in die Brüche. Auch in den Folgejahren schlug sich John Haigh mit kriminellen Machenschaften durch das Leben. 1936 arbeitete er für den Geschäftsmann W. D. McSwan als Sekretär und Chauffeur. Ein Jahr später wurde John Haigh erneut wegen Betruges, diesmal zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden viele Straftäter, die nicht wegen Straftaten gegen Leib und Leben verurteilt wurden, vorzeitig entlassen. So wurde auch John Haigh 1940 wieder aus dem Gefängnis entlassen. Erneut betätigte sich John Haigh mit kleineren Betrügereien. Mit seiner Beute war es ihm 1943 sogar möglich, sich im gehobenen Onslow Court Hotel in South Kensington, London einzuquartieren.

1944 mietete sich John Haigh ein kleines Arbeitszimmer im Untergeschoss eines Hauses in Kensington. Dort arbeitete er angeblich an seinen Erfindungen. Am 9. September 1944 lockte er Donald McSwan, den Sohn seines früheren Arbeitgebers, in dieses Arbeitszimmer und tötete ihn dort.

John Haigh hatte die Tat gut vorbereitet. Nachdem er sein Opfer bewusstlos schlug, löste er den Körper in einem Bad aus Schwefelsäure auf. Die restliche Säure kippte er in den Abwasserkanal im Keller. Im Hof hinter dem Gebäude verteilte er die zähflüssigen Rückstände. Danach übertrug sich John Haigh mit gefälschten Papieren den Besitz von Donald McSwan.

Die Opfer von Haigh: Donald McSwan und... das Rentnerehepaar Archibald und Rosalie Henderson.

Die wohlhabende verwitwete 69jährige Rentnerin Henrietta Helen Olivia Robarts Durand-Deacon wurde das nächste und letzte Opfer des "Säurebadmörders".

 

Die Eltern von Donald McSwan machten sich nach einiger Zeit aufgrund des plötzlichen Verschwindens ihres Sohnes Sorgen. John Haigh beruhigte die Eltern mit der Behauptung, Donald McSwan habe sich versteckt, um sich der Einberufung in die Armee zu entziehen. Die McSwans glaubten John Haigh und nahmen sogar eine Einladung in sein Arbeitszimmer an. Dort tötete John Haigh im Jahre 1945 auch diese beiden auf die gleiche Art, wie deren Sohn. Danach schrieb er gefälschte handschriftliche Nachrichten an die Angestellten, Verwandten und Freunde der McSwans mit dem Inhalt, dass die McSwans in ein anderes entferntes Land gezogen seien und John Haigh ihre geschäftlichen Angelegenheiten besorgen soll. Dadurch eignete sich John Haigh die umfangreichen Besitztümer der McSwans an, verlor das beträchtliche Vermögen aber wieder durch Glücksspiel.

John Haigh benötigte daher weiteres Geld und fand im wohlhabenden Rentnerehepaar Dr. Archibald und Rosalie Henderson seine nächsten Opfer. Die Hendersons boten im August 1947 ein Haus in Ladbroke Grove zum Verkauf an. John Haigh begann mit den Hendersons zu verhandeln und gab letztendlich vor, aufgrund eines schief gegangenen Geschäftes das Haus nicht sofort erwerben zu können. Zwischen John Haigh und den Hendersons entstand eine freundschaftliche Beziehung. Auf diese Weise gelang es John Haigh am 12. Februar 1948 auch Dr. Archibald Henderson in sein Arbeitszimmer zu locken. Dort tötete er sein Opfer mit einem Kopfschuß und löste auch dessen Leichnam in einem Säurebad auf. Anschließend kehrte er zu Rosalie Henderson zurück und teilte ihr mit, dass sich ihr Ehemann unwohl fühle und nach ihr verlangte. Rosalie Henderson begleitete John Haigh zu seinem Arbeitszimmer und verlor in gleicher Weise ihr Leben. Auch in diesem Fall ließ er die Angestellten, Verwandten und Freunde der Hendersons durch gefälschte Nachrichten im falschen Glauben und eignete sich das beträchtliche Vermögen der Hendersons zu. Wie zuvor verlor er auch dieses Mal das Vermögen durch Glücksspiel.

Im Jahre 1949 war John Haigh überschuldet und suchte nach einem neuen Opfer, das er im Restaurant des von ihm bewohnten Onslow Court Hotels fand. Dort traf er wiederholt zur Essenszeit die wohlhabende verwitwete Rentnerin Henrietta Helen Olivia Robarts Durand-Deacon. Die 69jährige Dame glaubte, John Haigh sei ein Geschäftsmann. Als erfolgreicher Verkäufer sollte er für ihre Idee zur Herstellung von Fingernägeln aus Kunststoff werben. John Haigh schlug vor, diese Idee in seinem Arbeitszimmer zu besprechen und lockte Henrietta Durand-Deacon auf diese Weise am 18. Februar 1949 dort hin. Wie bei seinen vorherigen Morden schoss John Haigh seinem Opfer von hinten in den Kopf und löste ihren Leichnam in einem Säurebad auf. Später berichtete John Haigh, dass er die anstrengende Arbeit sogar durch eine Essenpause unterbrach.

Durch diesen letzten Mord konnte John Haigh nur verhältnismäßig wenig Geld erlangen, das allenfalls zur Begleichung einiger Schulden reichte. John Haigh hielt daher weiter Ausschau nach potentiellen Opfern. Zugleich machte er sich jedoch Sorgen darum, dass das Verschwinden der Henrietta Durand-Deacon in einem zu engen Zusammenhang mit seinem Wohnsitz im Onslow Court Hotel stand.

Um nicht selbst nach Henrietta Durand-Deacon gefragt zu werden, erkundigte er sich scheinheilig bei deren Freundin, der Rentnerin Constance Lane, die ebenfalls im Onslow Court Hotel wohnte. Unerwarteter Weise bekam John Haigh als Antwort, dass Constance Lane davon ausging, Henrietta Durand-Deacon wäre mit ihm zu seinem Arbeitszimmer gegangen. John Haigh dementierte dies. Am nächsten Morgen fragte John Haigh erneut bei Constance Lane nach. Sie äußerte, dass Henrietta Durand-Deacon noch immer verschwunden sei und sie daher beabsichtigte, deshalb zur Polizei zu gehen. John Haigh bot Constance Lane an, zusammen mit ihr zur Polizei zu gehen, um dort eine Vermisstenanzeige zu machen.

In der Polizeidienststelle bemerkte ein Polizist John Haigh und überprüfte entsprechende Einträge über ihn. Seine strafrechtlichen Einträge machten die Polizisten argwöhnisch und John Haigh wurde am 28. Februar 1949 durch die Polizei vernommen. Zunächst bestritt John Haigh, etwas mit dem Verschwinden der Rentnerin Henrietta Durand-Deacon zu tun zu haben. Die Polizei durchsuchte sein Arbeitszimmer und seine Räumlichkeiten im Hotel. Im Arbeitszimmer entdeckte sie die grausigen Überreste der Henrietta Durand-Deacon, die für eine Identifizierung ausreichend waren. Neben mehreren Pfund menschlichen Fettes, die auf dem Hof hinter dem Gebäude verteilt waren, entdeckte die Polizei u. a. teilweise zersetzte Knochen eines menschlichen Fußes. Anhand der gefundenen Knochen konnte festgestellt werden, dass sie von einer weiblichen Person stammten. Zudem fand man u. a. die Kunststoffhandtasche von Henrietta Durand-Deacon, Zahnprothesen und menschliche Gallensteine, die von der Säure nicht zersetzt wurden.

Die Innenansicht von Haighs "Arbeitsraum"....sowie die Ansicht des Hofes hinter dem Gebäude.

John Haigh war unvorsichtig gewesen und hatte in seinem Arbeitszimmer und Hotelzimmer eindeutige Spuren hinterlassen. Unter anderem fand man sein Tagebuch, in dem er kurz auf seine Morde einging. Zudem fand man im Hotelzimmer Beutestücke aus dem Besitz der McSwans. Als John Haigh mit den Entdeckungen der Polizei konfrontiert wurde, gestand er die Tötung der Henrietta Durand-Deacon und die anschließende Auflösung des Leichnams in einem Säurebad ein. Allerdings war er der Auffassung, dass die Polizei ihm einen Mord nicht beweisen könne, wenn es keinen Leichnam gebe. John Haigh unterlag offensichtlich einem Irrtum bei der wortwörtlichen Interpretation des Gesetzes.

 

 

Der Aushang mit dem Hinrichtungstermin wird am Gefängnis von Wandsworth angebracht.

 

Er wurde wegen Mordes an Henrietta Durand-Deacon angeklagt und am 18. Juli 1949 vor Gericht gestellt. Den Vorsitz hatte Richter Travers Humphreys, als Staatsanwalt trat Sir Henry Shawcross auf. Als Verteidiger wurde David Maxwell bestellt. John Haigh versuchte sich als geisteskrank darzustellen, um anstelle in ein Gefängnis in ein psychiatrisches Krankenhaus zu kommen, von wo er gegebenenfalls leichter leichter entfliehen konnte. In langen und detaillierten Ausführungen legte er seine Lust nach Blut dar und behauptete, von jedem seiner Opfer ein Glas Blut getrunken zu haben, bevor er deren Leichname in einem Säurebad auflöste. Zudem verhielt er sich wie ein vermeintlicher Geisteskranker. 

Die Zeitungen profitierten aufgrund des sensationslustigen Volkes von diesem Fall und erreichten neue Auflagenrekorde.  In den vielfach unsachlichen und ausufernden Berichten erhält John Haigh aufgrund seiner Taten und Darstellungen die Spitznamen "Der Vampir von London" und "Säurebadmörder".  Ein psychiatrisches Gutachten bestätigte zwar Geisteskrankheiten bei John Haigh, jedoch kam das Gericht zur Überzeugung, dass sich John Haigh dem Unrecht seiner Taten bewußt und damit zurechnungsfähig im Sinne des Gesetzes war. John Haigh wurde wegen Mordes zum Tode verurteilt.

In der Zeit, in der er auf seine Hinrichtung wartete, schrieb er grauenvolle Memoiren und behauptete darin, durch die fanatische Religiosität seiner Eltern zu seinen Taten getrieben worden zu sein. Man geht jedoch davon aus, dass John Haigh damit noch immer versuchte, als geisteskrank anerkannt zu werden und in ein psychiatrisches Krankenhaus zu kommen.

Am 10. August 1949 wird John Haigh im Gefängnis von Wandsworth im Süden von London durch den leitenden Scharfrichter Albert Pierrepoint gehängt.
Er erhielt auf Grund seiner Taten und Darstellungen die Spitznamen "Der Vampir von London" und "Säurebadmörder". John Haigh wird oft mit dem französischen Serienmörder Marcel Petiot verglichen. Zudem ist es möglich, dass John Haigh von den Taten des Franzosen Georges "Sarret" Sarrejani hörte, einem Anwalt aus Marseille, der 1925 mit ähnlichen Methoden wie von John Haigh die Leichname seiner Opfer verschwinden ließ.

Quellen: - wapapedia sowie Lexikon der Serienmörder (von Peter und Julia Murakami) S. 92 -ISBN 3-548-35935-3

 

 

 

8. Der Fall - Franz und Paul Baumeister sowie Paul Quaken

Die Kassenbotenräuber waren eine dreiköpfige Bande, die in der Weimarer Republik und unter dem NS-Regime 31 Überfälle auf Kassenboten von Banken im Zeitraum von 1929 bis 1943 unternahmen. Dabei töteten sie durch Waffengewalt drei Menschen und verletzten 16 schwer. Die Beute der Räuber betrug insgesamt 480.058 Reichsmark. Die Bande ging in die deutsche Kriminalgeschichte ein, weil sie erstmals einen Personenkraftwagen (PKW) für ihre Überfälle verwendeten.
Den ersten Überfall unternahmen sie am 28. August 1929 in Hannover, wobei sie 60.000 Reichsmark erbeuteten und einen Kassenboten anschossen. Dieses Muster setzte sich in den folgenden Überfällen fort. Dabei hatten sie vor der Tat die örtlichen Verhältnisse erkundet, um genau den Zeitpunkt zu wählen, wann die Kassenboten das Geld für die Bank anlieferten oder abholten. Entscheidend für ihre Mobilität war der Einsatz eines gestohlenen PKW, den sie nach der Tat stehen ließen und in einen anderen PKW umstiegen. Durch den Einsatz eines PKW ergab sich für die Bande die Möglichkeit, zu jeder Tageszeit den Überfall auszuüben.
Die Analyse der Tatorte ergab eine Streuung der Orte im Westen, Süden und nach Osten bis nach Erfurt. Im Westen waren vor allem Orte im Ruhrgebiet wie Remscheid, Dortmund, Düren, Krefeld, Hamm, Witten, Lüdenscheid. Iserlohn und Solingen betroffen. Nach Süden gingen die Überfälle bis nach Pforzheim und Karlsruhe. Die Häufung der Orte im Westen ließ die Polizei darauf schließen, dass die Täter im Westen ihren Wohnsitz hatten. Die Leitung der Untersuchung der Überfälle führte der Kriminalkommissar Schuermann aus Düsseldorf und der Staatsanwalt Regula aus Hildesheim.
Am 8. September 1938 überfiel die Bande in Goslar die Kassenboten Eikelmann und Fessel der Deutschen Bank in der damaligen Hindenburgstraße, die heute die Klubgartenstraße ist. Die Boten hatten ihren Kastenwagen vor dem Reichsbankgebäude abgestellt, das sich gegenüber dem Bahnhof befand. Wie der Bankdirektor ihnen aufgetragen hatte, nahmen sie ihre Pistolen nicht mit. Als Eikelmann allein am Kastenwagen steht, kommen zwei Männer auf ihn zu, bedrohen ihn mit einer Schusswaffe und nehmen ihm die Geldtasche mit 66.000 Reichsmark ab. Dann springen sie in ein Fahrzeug, das dort mit laufendem Motor stand und fahren über den gerade geöffneten Bahnübergang, der auf der Bahnline Seesen-Goslar-Bad Harzburg liegt.

Für die Untersuchung des Überfalls wurde der Kriminalkommissar Karl Kiehne von der Landeskriminalpolizeistelle Hannover
eingeschaltet. Seine Untersuchungen ergaben, dass es der Bande gelang, den sofort aufgestellten Polizeiposten im Umkreis von 20, 50 und 100 km Entfernung vom Tatort zu entkommen. Durch Zeugenaussagen gelang es, den PKW als 6-Zylinder-Hansa zu identifieren. Der PKW wurde in der Friedrichstraße in Northeim entdeckt. Am PKW konnten mit den damaligen Methoden keine Spuren von den Tätern entdeckt werden. Als Kiehne die örtlichen Polizeibehörden einschalten wollte, um die Gästelisten der Hotels zu überprüfen wurde dies wegen des zu großen Aufwandes abgelehnt. Nachdem die Raubüberfälle endeten, untersuchte man diese Listen und fand die Namen der Täter in einem Goslarer Hotel.
Der letzte Überfall ereignete sich am 3. Juli 1943 in Krefeld. Durch den Krieg bedingt und behindert, unternahm nur ein Räuber den Überfall auf ein Fahrzeug. Als einer der bewaffneten Boten den Überfall erkannte, schoss er mit seiner Pistole direkt auf den Räuber, der schon auf dem Sitz vor dem Lenkrad saß. Dieser schoss zurück und verletzte die beiden Boten schwer. Ein Schuss eines Boten traf den Räuber in den Kopf und tötete ihn. Er wurde als der 43-jährige Franz Baumeister aus München-Gladbach identifiziert.
Die Untersuchungen führten nun zum Bruder Paul Baumeister, der in der Florastraße in Düsseldorf wohnte. Dabei stellte sich heraus, dass er ganz nahe bei dem Mitarbeiter des Kriminalkommissars Schuermann, Kriminalobersekretär Bracken, wohnte. Noch größer war das Erstaunen, dass Paul Baumeister ein dienstverpflichteter Hilfspolizist war. Dieser konnte bei seiner beabsichtigten Verhaftung fliehen und wurde mehrere Tage verfolgt. Schließlich tötete er sich durch einen Schuss. Der dritte Räuber Paul Quaken befand sich zu dieser Zeit bei der Wehrmacht. Als er zu dem Begräbnis seines Komplizen Paul zurückkam, wurde er verhaftet und erhängte sich in seiner Zelle während der Untersuchungshaft.

Die Liste der Überfälle
Unter der Angabe der Verletzten sind die Kassenboten zu verstehen , die von den Räubern bei dem Überfall angeschossen
wurden. Dies gilt ebenso für die Angaben der Toten. Die Beute der Räuber wird jeweils in Reichsmark (RM) angegeben. Wenn den Räubern bei dem Überfall die Beute wieder abgenommen wurde, wird dies als Beute verloren bezeichnet.

  • 28. August 1929 : Hannover, 60.000 RM, 1 Verletzter
  • 30. Dezember 1930 : Mainz, 90.000 RM
  • 31. Oktober 1932 : Erfurt, Beute verloren, 1 Toter
  • 17. Februar 1933 : Offenbach, 14.100 RM
  • 22. September 1933 : Mannheim, 1.961 RM
  • 10. November 1933 : Karlsruhe, 1.000 RM, 1 Verletzter
  • 30. November 1933 : Remscheid, 4.500 RM
  • 28. Dezember 1933 : Mönchen-Gladbach, 2.300 RM
  • 12. Januar 1934 : Bonn, 800 RM, 1 Verletzter
  • 9. März 1934 : Düren, 3.000 RM
  • 20. April 1934 : Mainz, Beute verloren, 1 Toter
  • 25. Mai 1934 : Krefeld, 2.576 RM, 1 verletzter Passant
  • 6. Juli 1934 : Köln, 3.390 RM
  • 10. August 1934 : Frankfurt/Main, 631 RM
  • 11. September 1934 : Hannover, 20.000 RM
  • 8. März 1935 : Wuppertal, 3.200 RM
  • 11. April 1935 Halle (Saale) : 10.000 RM, 1 Verletzter
  • 9. August 1935 : Krefeld, 2.000 RM
  • 20. September 1935 : Dortmund, 1.000 RM, 1 verletzter Passant
  • 18. Oktober 1935 : Hildesheim, 9.500 RM
  • 6. Februar 1936 : Mannheim, 9.500 RM
  • 28. Februar 1936 : Velbert, 49.600 RM
  • 27. November 1936 : Witten, 10.000 RM
  • 30. April 1937 : Hamm, 8.000 RM
  • 22. Juli 1937 : Pforzheim, 15.000 RM, 1 Verletzter
  • 31. Dezember 1937 : Aschaffenburg, 27.000 RM
  • 8. September 1938 : Goslar, 66.000 RM
  • 26. April 1940 : Lüdenscheid, 30.000 RM, 1 Toter
  • 31. März 1941 : Iserlohn, 20.000 RM
  • 6. August 1942 : Solingen, 20.000 RM, 1 Verletzter
  • 3. Juli 1943 : Krefeld, 2 Verletzte, 1 toter Räuber

Quellen: -"Kassenbotenräuber" ist Teil der Freien-Enzyklopädie und - Karl Kiehne, Nicht nur Rosen auf dem Klingelpütz - Ein Kripochef berichtet aus seinem Leben, München 1972

 

 


9. Der Fall - Anna Scholz

Bei der am 16. November 1943 im seichten Uferwasser der Donau bei Nussdorf aufgefundenen weiblichen Leiche konnte vorerst die Identität nicht festgestellt werden. Erst einige Tage später identifizierte man die Tote nach einer Abgängigkeitsanzeige als die im Grand Hotel abgestiegene Kölner Geschäftsfrau Anna Scholz. Es konnte, wohl auch durch die kriegsbedingte Zerstörung vieler polizeilicher Einrichtungen, die Ermittlungen nicht erfolgreich abgeschlossen werden und er Fall blieb im Jahr 1943 ungeklärt.

Erst nach dem Krieg wurde auf Wunsch des Bruders der Ermordeten die polizeiliche Ermittlung zu diesem Fall wieder aufgenommen und einige verdächtige Personen einvernommen, die sich in der Zeit ihrer Anwesenheit in Wien mit Anna Scholz getroffen haben dürften.

Der damals als hauptverdächtig betrachtete Belgier Leon Meurant konnte nicht mehr einvernommen werden, da er wegen eines anderen Raubmordes in Frankreich zum Tode verurteilt und hingerichtet worden war. Der Fall blieb, wohl endgültig, ungeklärt und die Akte wurde 1952 geschlossen.

Quellen - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 ? 1944, von Harald Seyrl) Seite 269 ? ISBN 3-911697-10-1

 

 

10. Der Fall - Richard Singer

Die 18-jährige Gemma Matyas aus dem steirischen Hartberg, war  "wohlbehütet durch ihre Mutter" für einige Wochen nach Wien gekommen, um einen Kurs zu besuchen.

Am 10. März 1929, einem Sonntag, wurde Gemma von einer Freundin zu einem Kinobesuch abgeholt. Die beiden Mädchen besuchten das Gartenbau Kino und trennten sich nach der Vorstellung, Gemma machte sich auf den Heimweg. Noch in der Inneren Stadt trat ein Mann, es war der 38-jährige Textilerzeuger Richard Singer, wie man später erfuhr, an sie heran und fragte das hübsche Mädchen, ob es vielleicht Arbeit suchen würde. Gemma war sehr interessiert und Singer führte sie "wegen der Formalitäten" in sein Büro in die Weihburggasse 21.

Das unaufgeräumte und schmutzige "Büro" sollte jedoch zur Falle für sie werden. Kaum hatte sie den Raum betreten, verschloss Singer die Tür und bedrängte das Mädchen, riss ihr die Kleider vom Leib und versuchte sie zu vergewaltigen. Gemma konnte nach einem Küchenmesser greifen und versuchte, sich zur Wehr zu setzen, bis ihr Singer das Messer entriss und sie verletzte. Dann fesselte Singer die ohnmächtige Gemma und sperrte sie in eine kleine fensterlose Garderobe. Als das Mädchen wieder erwachte, versuchte sie um Hilfe zu rufen. Singer ergriff nun das Messer erneut und schnitt ihr die Kehle durch.

Die in der Nachbarwohnung lebende Hausbesitzerin hatte jedoch den Hilferuf gehört und beauftragte den Hausbesorger, mit ihr gemeinsam Nachschau in der Wohnung des übelst beleumundeten Singer zu halten. Dieser verweigerte zuerst den Zutritt, erst die Polizei konnte in die Wohnung eindringen und fand das blutüberströmte, nackte und gefesselte Opfer in der Garderobenkammer. Gemma Matyas wurde zwar im Krankenhaus noch einer Notoperation unterzogen, verstarb aber wenig später. Zuvor konnte sie allerdings noch den Sachverhalt weitgehend schildern. Wie sich später herausstellte, hatte Singer im Keller seines Wohnhauses bereits ein Grab für sein Opfer geschaufelt.

Richard Singer, wohl einer der gefährlichsten Triebtäter dieser Zeit, wurde des Mordes und anderer Delikte für schuldig befunden und zu einer 16-jährigen Kerkerstrafe verurteilt. 1941 verstarb er als Häftling im Gefangenenhaus Stein an den Folgen einer Lungenentzündung.

Quellen - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 ? 1944, von Harald Seyrl) Seite 15 - ISBN 3-911697-10-1

 
 
 

11. Der Fall - Elifasi Msomi

Der aus Richmond/Natal stammende schwarze Südafrikaner ging als der „Axe Killer“ in die Kriminalgeschichte seines Landes ein. Von August 1953 bis zu seiner Verhaftung im Mai 1955 hatte Elifasi Msomi fünfzehn Männer, Frauen und Kinder brutal mit einer Axt ermordet. Seine erste Tat beging er vor den Augen seiner Geliebten, indem er ein anderes Mädchen vergewaltigte und mit mehreren Messerstichen tötete. Die Zeugin konnte dieses furchtbare Geschehen nicht vergessen und verriet ihren Freund an die Polizei.

Msomi wurde festgenommen, doch kurz darauf gelang ihm die Flucht aus dem Polizeigewahrsam. Daraufhin verwandte er seine überdurchschnittliche Intelligenz, die ihm später von Psychologen bescheinigt wurde, nur noch zum Auffinden von Mordopfern. So besuchte er arme kinderreiche Familien und gab sich als Arbeitsvermittler aus, der Kinder an reiche europäische Familien vermitteln wolle. Gingen die Eltern auf diesen Handel ein, tötete Msomi das ihm anvertraute Kind mit Axtschlägen. Manchmal hatte er sogar die Frechheit, zu den ahnungslosen Eltern zurückzukehren, um ihnen etwas Taschengeld für das in Obhut geglaubte Kind abzuschwatzen. Im Mai 1955 endlich wurde Elifasi Msomi gestellt.

Als Tatmotiv gab der mit Stammesriten vertraute und auch als Hexer und Wunderheiler agierende Msomi vor, im Auftrage des „Tolkoshe-Geistes“ gehandelt zu haben. Dieser Geist habe ihm befohlen, Menschen zu töten und ihm versprochen mit jeder Bluttat würde seine Kraft und Macht anwachsen. Das psychologische Gutachten ergab, dass Elefasi Msomi aus Sadismus gemordet hatte. Sein Urteil lautete Todesstrafe.

Anfang 1956 wurde der 15-fache Mörder im Zentralgefängnis von Pretoria gehenkt.

Quellen: - Das große Lexikon des Verbrechens (von Norbert Borrmann), Ausgabe 2005 – S. 582 – ISBN 3-89602-543-0

 

 

12. Der Fall - Elisabeth Kusian

Elisabeth Kusian war eine Krankenschwester aus Berlin, die 1949 im Westen Berlins zwei Menschen, einen Mann und eine Frau, ermordete. Sie zerteilte die Leichen und verteilte sie in der Stadt, vor allem im Ostteil der Stadt, wo sie nach und nach gefunden wurden. Nach Auffassung des Gerichts tötete sie aus Habgier.

Elisabeth Kusian wohnte in Berlin-Charlottenburg. Sie lockt ihre Opfer durch fingierte Verkaufsanzeigen in die Wohnung und erdrosselte sie mit einer Wäscheleine. Ihre Kleidung als Krankenschwester half ihr dabei, das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen. Danach nahm sie das Geld der Opfer an sich. Die beiden Opfer wurden von ihr mit chirurgischen Kenntnissen zerteilt und auf Brachgrundstücken und in Ruinen abgelegt.
Elisabeth Kusian war abhängig von den Medikamenten Pervitin und Morphium. Sie wurde im Januar 1951 während ihres Prozesses von Dr. Waldemar Weimann als psychiatrischem Gutachter begutachtet. Im Juni 1951 wurde sie 35-jährig vom Kriminalgericht Moabit zu einer zweimal lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.
Elisabeth Kusian bekam zu Lebzeiten auch den Namen „Todesschwester“. Der Fall erregte großes öffentliches Interesse.

Quellen:  Gunther Geserick, Klaus Vendura, Ingo Wirth: Zeitzeuge Tod. Spektakuläre Fälle der Berliner Gerichtsmedizin, S. 74 ff. Verlag Militzke, 2003, ISBN 978-3861896050

 

 

 

13. Der Fall - Emil Tillmann
 

Joachim Goehner war ein aufgewecktes Kind, mit nur einer Schwäche: Der Siebenjährige liebte Tiere über alles. Das Versprechen, am Ende der Fahrt ein echtes Reh anfassen zu dürfen, bewog den Jungen, sich am Vormittag des 15. April 1958 auf den Gepäckträger des Unbekannten zu setzen. Zwei Tage später um Mitternacht klingelte das Telefon bei Joachims Eltern: 15.000 D-Mark Lösegeld lautete die Forderung des unbekannten Erpressers, wenn die die Polizei eingeschaltet werde, müsse der Junge sterben.

Das Opfer: Der siebenjährige Joachim Goehner galt als aufgeweckter, kluger Junge. Am Tag nach seiner Entführung wäre der Sohn eines wohlhabenden Textilvertreters eingeschult worden. Stattdessen tappte er in die Falle seines Entführers und Mörders Emil Tillmann. Ein Arbeiter fand am 22. April 1958 im Stuttgarter Haldenwald zwischen Sonnenberg und Kaltental eine gefesselte Kinderleiche - den kleinen Joachim Goehner. Die Fotomontage zeigt den Jungen in der Kleidung, in der er von zuhause fortgegangen war und in der er aufgefunden wurde.

Die Entführung von Joachim Goehner vor 50 Jahren war der erste Kidnapping-Fall der noch jungen Bundesrepublik - und stellte die Polizei vor eine ganz neue Aufgabe. Erpresserischer Menschenraub kannten die Deutschen bis dahin eigentlich nur aus der Zeitung, wo breit über spektakuläre Kindesentführungen etwa in den USA berichtet wurde - etwa den berühmten Fall von Charles Lindbergh, dessen kleiner Sohn 1932 entführt und ermordet worden war, obwohl die Fliegerlegende 50.000 Dollar Lösegeld gezahlt hatte. Solche Schlagzeilen aus Übersee mochten die Deutschen gruseln, doch kamen sie aus einer fernen Welt, die mit der beschaulichen Bundesrepublik nicht besonders viel zu tun hatte. Nun holte die Realität das Wirtschaftswunderland schlagartig ein.
Die Tat, die Deutschland schockierte, geschah am Tag vor der Einschulung des kleinen Joachim Goehner. Am Morgen des 15. April 1958 lief der Junge aus der elterlichen Villa im noblen Stuttgarter Ortsteil Degerloch, um draußen einen Spielkameraden zu treffen. Als er zum Mittagessen nicht zum Elternhaus in der Löwenstraße 96 zurückkehrte, alarmierte Vater René Goehner, ein wohlhabender Kaufmann, die Polizei. Vergeblich suchten die Beamten die Umgebung ab. Auch am nächsten Tag fand sich keine Spur des Jungen.
Per Tonbandgerät überwachte die trotz der Warnung des Erpressers alarmierte Polizei nun den Anschluss der Goehners mit der Rufnummer 7 32 30. Beim zweiten Entführer-Anruf wurde klar, dass der Erpresser sich von einer öffentlichen Telefonzelle aus meldete. Der Täter befahl Vater Goehner diesmal, in Richtung Vaihingen zu fahren; auf der Strecke werde man ihm den Übergabeort des Geldes durch eine versteckte Botschaft übermitteln. Doch Goehner fand den Hinweis der Entführer zu spät.
Fünf Tage später, am 22. April entdeckte ein Arbeiter auf seinem Nachhauseweg zwischen Sonnenberg und Kaltental eine gefesselte Kinderleiche: den kleinen Joachim Goehner. In der folgenden Nacht rief der Täter gegen zwei Uhr erneut an. Er habe soeben einen Stein in den Goehnerschen Garten geworfen, an dem eine Botschaft mit dem neuen Geldübergabeort befestigt sei. Die Polizisten fanden den Stein - doch der Werfer konnte entwischen. Eine unverzeihliche Panne, wie der SPIEGEL damals kritisierte; auch andere Medien, etwa die "Stuttgarter Zeitung", attackierten die Ermittler um Kriminalhauptkommissar Kurt Frey, weil diese sich vorschnell auf einen möglichen Täter eingeschossen hatten: den 31-jährigen Arbeiter Heinz Kroneis.

Entführungsvehikel: Dieses Fahrrad stahl der Entführer und Mörder des kleinen Joachim Goehner vor der Tat im Frühling 1958. Unter dem Vorwand, dem Jungen ein echtes Reh zu zeigen, lockte Emil Tillmann den Siebenjährigen in den Stuttgarter Haldenwald, erfragte dort die Adresse des Jungen und erwürgte ihn anschließend.

Der als Tunichtgut verschriene Kroneis war kurz nach der Tat verschwunden und von seiner Geliebten wie von seiner Ex-Frau schwer belastet worden. Am 25. April veröffentlichten die Zeitungen das Foto des Gesuchten mit einem Fahndungsaufruf. Kurz darauf gelang es der Polizei, Kroneis festzunehmen - doch der konnte ein bombenfestes Alibi vorweisen.
Schwer in Bedrängnis geraten, entschloss sich die Mordkommission nun zu einer bis dato einmaligen Ermittlungstaktik: Per Radioaufruf gab sie die Stimme des Mörders an die Öffentlichkeit. Obwohl die Mitschnitte aus den Telefongesprächen verzerrt und sehr leise waren, gingen Tausende von Hinweisen ein. Sieben Menschen erkannten schließlich die Stimme des Täter: Es handelte sich um Emil Tillmann. Am 6. Mai drang die Polizei in die Wohnung des 40-jährigen Gärtners in Degerloch ein und nahm den Mann fest.

 

Der Täter: Die Polizeifotos zeigen Emil Tillmann, den Entführer und Mörder des kleinen Joachim Goehner. 

Der 40-jährige Gärtner lebte nur 300 Meter vom Elternhaus seines Opfers entfernt, im noblen Stuttgarter Stadtteil Degerloch. Bei seiner Vernehmung gab er an, Geld für eine Heirat benötigt und den Vater des Jungen aus diesem Grund erpresst zu haben. Nachdem die Polizisten ihn am 5. Mai 1958 verhaftet hatten, erhängte sich der Täter am 23. Mai in seiner Zelle.

Sechs Tage später gestand Tillmann die Tat. Er habe heiraten wollen und daher eine größere Summe Geld benötigt, erklärte er in dem Verhörprotokoll mit ruhiger Stimme. Nachdem ihm klar geworden sei, dass er so viel Geld nicht per Diebstahl beschaffen könne, habe er sich etwa zwei Wochen vor der Tat für eine Kindesentführung entschieden, ein Fahrrad gestohlen und sich auf die Suche nach einem Opfer gemacht. Ein kleiner Junge, den er zuvor angesprochen habe, wollte nichts von einem Reh im Wald wissen - Joachim Goehner hingegen habe angebissen, so Tillmann im Verhör.

Das Geständnis: Schriftprotokoll des mitgeschnittenen Geständnisses von Emil Tillmann vom 12. Mai 1958. Erstmals sind die im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren entstandenen Akten, zu denen eine Tonbandaufnahme mit dem Geständnis ebenso wie der Radioaufruf der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Entführungsfall Goehner gehören, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Das Verbrechen ging als erster Kidnapping-Fall der Bundesrepublik in die Geschichte ein. Erstmals hat das Landesarchiv Baden-Württemberg nun die O-Töne des Geständnisses von Tillmann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie sind Teil eines umfassenden Aktenkonvoluts der Stuttgarter Kriminalpolizei und der dortigen Staatsanwaltschaft, das im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren entstanden ist. Im Staatsarchiv Ludwigsburg können die Akten ab sofort eingesehen werden.

Als erster Kidnapping-Fall in der BRD ist die Entführung und Ermordung von Joachim Goehner in die Kriminalgeschichte eingegangen; unter anderem diente das Verbrechen als Vorlage für einem TV-Krimi aus der legendären Serie "Stahlnetz" von 1964. Auch 50 Jahre nach der Tat durchziehen noch immer zahlreiche Ungereimtheiten den Fall. So gab etwa der Mörder an, den kleinen Jungen unmittelbar nach Ankunft im Haldenwald erwürgt zu haben. Die Rechtsmedizin hingegen setzte den Todeszeitpunkt auf einige Tage später fest.
Wann Joachim Goehner tatsächlich starb - und warum der Täter den schon toten Leib des kleinen Jungen fesselte, sollte Kriminalhauptkommissar Kurt Frey nie erfahren: Zwei Wochen nach dem Geständnis später erhängte sich der Mörder Emil Tillmann in seiner Zelle.

 

Quellen: einestages Zeitgeschichte (LA - BWB)

 

 

14. Der Fall - Guido Zingerle

Guido Zingerle war ein Sexualverbrecher aus Österreich. Im Wald lauerte er seinen Opfern auf, verschleppte sie an Orte, die ihm vertraut waren, vergewaltigte sie, bedeckte sie teils oder ganz mit Steinen und ließ sie dann langsam sterben.

Guido Zingerle, 1902 in Tschars geboren, spukt noch heute in den Köpfen der älteren Generation herum. Der damals als "Ungeheuer von Tirol" titulierte Sexualmörder hat zwei Frauen getötet und weitere drei Frauen vergewaltigt. Ein Buch mit dem Titel "Der Zingerle – Geschichte eines Frauenmörders" zeichnet erstmals das Drama rund um Guido Zingerle nach.

Gertrud Kutin aus Bozen war sein erstes Opfer. Im Mai 1946 lauerte ihr Guido Zingerle bei Glanig auf, vergewaltigte sie und begrub sie unter schweren Steinen, bis sie schließlich nach mehreren Tagen qualvoll starb. Kurze Zeit später, im Juli 1946, vergewaltigte er bei Karneid ein 15-jähriges Mädchen eine ganze Nacht lang und mauerte es in einer Felsnische ein. Barbara Falder, so hieß das Mädchen, konnte sich aus eigener Kraft befreien und entrann so ihrem fast sicheren Tod. 1947 zeigten zwei Frauen Zingerle an, er hatte sie mehrere Tage festgehalten und vergewaltigt. Zingerle wurde dafür ein Jahr ins Gefängnis gesteckt. Doch bereits zwei Jahre später meldete sich das "Ungeheuer von Tirol" zurück. Unterhalb des Patscherkofels vergewaltigte und ermordete er die englische Touristin Helen Munro. Eine Hetzjagd begann, die die Bevölkerung in Nord- und Südtirol in Atem hielt - bis Guido Zingerle im August 1950 gestellt werden konnte.

In einer der größten Verbrecherjagden in der österreichischen Kriminalgeschichte, die fünf Wochen lang im Hochgebirge durchgeführt wurde, konnte Zingerle in Mühlbach am Eingang des Pustertales auf italienischem Staatsgebiet von einer Carabinieristreife verhaftet werden.


Guido Zingerle unmittelbar nach seiner Festnahme im August 1950.

 

Wer war Guido Zingerle?

Zingerle führte ein Doppelleben. Er war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung im August 1950 gerade als Zeitungsverkäufer in Innsbruck tätig. Er war Ehemann, Vater, Nomade, brutaler Vergewaltiger und Mörder. Seine Kameraden oder Kollegen beschrieben Zingerle als sexuell abnormal.

Der Innsbrucker Nervenarzt Karl Vorderwinkler bezeichnete Guido Zingerle als "gesellschaftsfeindlichen Triebmenschen". Er selbst bezeichnete sich später, nachdem er gestellt worden war, vor Gericht als willenloses, "krankes" Opfer seines Sexualtriebes. "Das Gift", so beschrieb Zingerle seinen Trieb, sei ihm in Kindheitstagen eingepflanzt worden. Er war von seiner Mutter weggegeben und von seinen Pflegeeltern mit Schlägen großgezogen worden. Der Makel ein lediges Kind zu sein, haftete rücksichtslos an ihm und ließ ihn zum Außenseiter der Gesellschaft werden. Nirgends hielt er es lange aus.

Er hatte kein festes Arbeitsverhältnis, schlug sich lediglich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Das Schmuggeln war seine Leidenschaft - entsprach seinen Wesenszügen. In den Wäldern fühlte er sich seit seiner Kindheit wohler als unter den Menschen. Dort erfuhr er mehr Zuflucht und Geborgenheit als er je in seinem ganzen Leben erhalten hatte...

Als Zingerle nach einer aufregenden Jagd unter Beteiligung österreichischer und italienischer Polizisten im August 1950 verhaftet worden war, hatte er in den ersten Verhören nur den auf österreichischem Boden begangenen Mord an der Engländerin Helena Munroe zugegeben. Er sei angetrunken gewesen als er mit Miss Munroe. die er im Gebirge getroffen hatte, eine politische Unterhaltung begonnen habe. Angeblich sei er bei einem Streit mit ihr in derartige Wut geraten, dass er sie zu Boden geschlagen und später in seiner Höhle ermordet habe. Er motivierte seine Handlungen mit Bewusstseinsspaltung und sagte: "Ich gebe zu, dass ich eine Bestie bin, aber ich weiß nichts mehr."

Als Sensationsprozess begann in Bozen der Mordprozess gegen den 49jährigen "Tiroler Höhlenmenschen" Guido Zingerle, dem zahlreiche Untaten in den Bergen zur Last gelegt wurden. Die Anklageschrift warf Zingerle Mord an der Bozener Lehrerin Gertrude Kutin im Mai 1946, Mordversuch sowie Freiheitsberaubung und Vergewaltigung an der damals fünfzehnjährigen Barbara Falder im Juli 1946 und mehrere Einbruchsdiebstähle, bewaffneten Raub, Leichenverschleppung und unbefugten Waffenbesitz vor.

Im Prozess in Bozen kamen nur die auf italienischem Boden begangenen Verbrechen des Angeklagten zur Verhandlung. Der ihm ebenfalls zur Last gelegte Mord an der Engländerin Helena Munroe bei Innsbruck im Juli 1950 sollte später vor einem österreichischen Gericht verhandelt werden. Zingerle wurde gefesselt und in einem von Eisenstäben umgebenen "Käfig" in den Bozener Schwurgerichtssaal geführt. Als er den Gerichtssaal betrat, hielt er besorgt nach den Zuschauerbänken Ausschau." Das Gericht schloss die Öffentlichkeit während der Vernehmung und der Aussage eines seiner Opfer, der inzwischen zwanzigjährigen Barbara Falder, aus. Barbara Falder war im Juli 1946 von Zingerle zwölfmal in einer Nacht vergewaltigt und schwerstens misshandelt worden. Wie durch ein Wunder war sie mit dem Leben davongekommen.

Der damaligen offiziellen Berichterstattung war während des Prozesses zu entnehmen.

Zitat: „Gegen Zingerle läuft ein österreichischer Auslieferungsantrag. Italien wird ihm wahrscheinlich unter der Voraussetzung. entsprechen, dass Zingerle nach einem Prozess in Österreich wieder nach Italien gebracht wird und dort seine Straße verbüßen muss, auch wenn er in Österreich zum Tode verurteilt werden sollte. In Italien ist die Todesstrafe abgeschafft.“

Dazu kam es aber nicht. In Bozen wurde er wegen eines früheren Mordes in Italien zu lebenslänglichem Zuchthaus beziehungsweise Zwangsarbeit verurteilt und sofort nach Sizilien verlegt. Schon nach wenigen Jahren Arbeit in den Zinngruben auf Sizilien starb der Mörder.

Quellen: Hamburger Abendblatt und Sammlungsunterlagen

 

 

15. Der Fall - Louise Peete     

Die in Bienville, Louisiana, als Tochter ei­nes angesehenen Zeitungsherausgebers ge­borene Lofie Louise Preslar sollte später zu einer der herausstechendsten „Schwarzen Witwen" Amerikas werden. Sie besuchte die besten Privatschulen von New Orleans, wo sie durch ihre sexuellen Eskapaden auf­fiel. Nachdem sie aus einem vornehmen Mädchenpensionat verwiesen wurde, ging sie zurück in ihre Heimatstadt Bienville und arbeitete dort als Freudenmädchen.

1903 heiratete sie den Handelsreisenden Henry Bosley und begleitete ihn auf seinen Fahrten. Im Sommer 1906, auf Zwi­schenstopp in Dallas, Texas, überraschte Henry seine Frau mit einem ortsansässigen Ölhändler im Bett und beging zwei Tage später voller Gram Selbstmord. Louise ver­kaufte sein Hab und Gut und zog nach Shreveport, wo sie als Prostituierte arbeite­te, bis sie sich die Fahrt nach Boston leisten konnte. Der Ortswechsel veränderte nicht viel im Leben von Louise. Ihr Gewerbe war noch immer dasselbe, und als Nutte, die Hausbe­suche machte, war sie bald sehr beliebt bei allen Männern, die in der Gegend Rang und Namen hatten. Nebenbei stahl sie Ju­welen der Frauen ihrer wohlhabenden Kunden, die sie teils selbst behielt oder ver­kaufte. Als man sie schließlich aufdeckte, zog sie sich nach Waco, Texas, zurück, wo sie den Ölhändler Joe Appel umwarb und für sich gewann. Appel war bekannt für die protzigen Diamanten, die seine Ringe, Gürtelschnallen und selbst die Knöpfe sei­ner Kleidung zierten.

Eine Woche nachdem Joe Louise ken­nengelernt hatte, wurde er mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Von den Diamanten keine Spur. Vor den Geschworenen gab Louise zu, Appel erschossen zu haben - al­lerdings aus „Notwehr". Sie behauptete, der Ölhändler hätte versucht, sie zu vergewalti­gen, und sie wäre gezwungen gewesen, dementsprechend zu handeln. Die fehlen­den Juwelen waren vergessen, und die Mit­glieder des Geschworenengerichtes applau­dierten bei Peetes Freispruch.

1913, als Geld und Glück ausgingen, hei­ratete Louise in Dallas den Hotelangestell­ten Harry Faurote. Es war in erster Linie eine Zweckehe - zugunsten von Louise. Die ständigen Ehebrüche seiner Frau führ­ten schließlich dazu, daß sich Faurote im Keller des Hotels erhängte.

1915 zog Louise nach Denver und heira­tete dort den Vertreter Richard Peete. Ein Jahr später gebar sie ihm eine Tochter, doch Peetes mageres Einkommen reichte nicht aus, um ihren hohen Ansprüchen zu genü­gen, und so zog sie 1920 alleine nach Los Angeles. Auf der Suche nach einem Miet­haus traf Louise Jacob Denton, den Mana­ger einer Minengesellschaft. Denton hatte ein Haus zu vermieten, war aber leicht da­von zu überzeugen, doch weiter selbst in dem Haus zu wohnen und Louise als Le­bensgefährtin bei sich aufzunehmen. Nach mehreren Wochen ungebremster Leiden­schaft bat Louise Denton, sie zu heiraten, doch er wies sie zurück - ein fataler Fehler.

Trotz der Zurückweisung befahl sie Dentons Hausmeister mit einem Lächeln, eine Tonne Erde im Keller abzuladen, um dort Dentons Lieblingsspeise - Pilze - „zu zie­hen". Kein einziger Pilz war ausgetrieben, als Denton am 30. Mai 1920 verschwand, Louise aber hatte zahlreiche Erklärungen für neugierige Besucher auf Lager: Zuerst erzählte sie allen Leuten, die vorbeikamen, daß ihr Mann einen Streit mit einer „Frau mit spanischem Aussehen" gehabt habe, die ihm im Zorn mit einem Schwert den Arm abgetrennt habe. Obwohl er mit dem Le­ben davongekommen sei, wäre er zu be­schämt, seine Behinderung zu zeigen, und habe sich in die vollkommene Abgeschie­denheit zurückgezogen, sponn sie ihre Ge­schichte weiter! Von Dentons Anwalt unter Druck gesetzt, änderte sie ihre Geschichte um und erfand zusätzlich ein amputiertes Bein, das die Rückkehr des abgängigen Ge­schäftsmannes angeblich so lange verzögern würde, bis er sich an ein künstliches Bein gewöhnt habe.

Unglaublich, aber wahr, mehrere Monate kam sie mit diesen Märchen durch, während sie als „Mrs. Denton" im Haus ih­res abgängigen Geliebten eine verschwen­derische Party nach der anderen gab. Erst im September wurde das Mißtrauen bei Dentons Anwalt immer größer, und er reg­te die Polizei zu einer Hausdurchsuchung an. Nach einer Stunde Grabungsarbeiten im Keller kam Dentons Leiche zutage -wieder steckte eine Kugel im Kopf. Die Be­amten leiteten eine Fahndung nach Louise ein und verfolgten ihre Spur bis nach Denver, wo sie das Eheleben mit Richard Peete wieder aufgenommen hatte.

Louise Peete im Gefängnis    

 

Im Jänner 1921 wurde Louise des Mor­des für schuldig befunden und zu einer le­benslangen Haftstrafe verurteilt. Anfänglich bemühte sich ihr Ehemann Richard, den Briefverkehr mit ihr aufrechtzuhalten, doch selbst die Distanz trug nichts dazu bei, Lou­ises Herz mehr für diesen Mann, den sie zurückgelassen hatte, schlagen zu lassen. Nach mehreren unbeantworteten Briefen nahm sich Peete schließlich 1924 das Le­ben.
Clinton Duffy, ein Wärter in San Quentin, beschrieb Louise Peete als eine Frau, die „hinter einem Anschein von unschuldi­ger Süße ein Herz aus Stein" verbarg. Es wurde berichtet, daß sie gerne mit den Ge­liebten prahlte, die sie ins Grab gebracht hatte, und Richards Selbstmord hielt sie be­sonders in Ehren, als Beweis für die Wir­kung ihres tödlichen Charmes noch über Gefängnismauern hinweg.

1933 wurde Louise von San Quentin ins Gefängnis von Tehachapi überstellt und sechs Jahre später, nach ihrem zehnten Bewährungsantrag, aus der Haft entlassen.
Ihre Freiheit verdankte sie größtenteils der Intervention der Sozialarbeiterin Mar­garet Logan und deren Ehemann Axthur. Nach ihrer Freilassung wurde sie von einer gewissen Mrs. Latham in Los Angeles be­treut, und man erlaubte ihr, sich „Anna Lee" zu nennen - nach ihrer Lieblings­schauspielerin.
Während des Zweiten Welt­krieges fand sie eine Anstellung in einer Militärkantine. 1942 verschwand eine ältere Mitarbeiterin von Louise auf unerklärliche Weise; ihre Wohnung war vollkommen ver­wüstet. Die Ermittler machten sich auf die Suche nach der besten Freundin der abgän­gigen Frau, „Anna Lee", und man sagte ih­nen, daß diese an den Folgen eines Sturzes gestorben war. Aus einer Nachläßigkeit heraus glaubten sie die Geschichte und bemühten sich nicht, Nachforschungen über „Annas" Hintergrund anzustellen oder deren Totenschein anzufordern.
Als 1943 die liebenswürdige Mrs. Latham starb, wurden die Logans mit Louises Be­währungshilfe betraut. Diese heiratete im Mai 1944 den älteren Bankmanager Lee Judson, und am 30. Mai desselben Jahres verschwand Margaret Logan spurlos. Loui­se erzählte Margarets betagtem Ehemann, daß seine Frau im Spital wäre und keine Be­sucher empfangen dürfe. Ende Juni hatte Louise die Behörden von der Geisteskrank­heit Arthur Logans überzeugt, der darauf­hin in ein staatliches Krankenhaus eingelie­fert wurde, in dem er sechs Monate später starb. Um die Kosten für die Beerdigung zu sparen, spendete Louise die Leiche einer medizinischen Fakultät für Sezierübungen.
Louise zog mit Judson ins Haus der Lo­gans ein, aber es lief nicht alles so gut. Kurz hintereinander entdeckte ihr Ehemann ein Einschußloch in einer Wand, einen ver­dächtigen Erdhügel im Garten und eine Versicherungspolizze, in der Louise als Margaret Logans Alleinbegünstigte angege­ben war. Dennoch sagte er nichts, und es lag an Louise selbst, das Netz der Täu­schungen zu entwirren.
Im Dezember 1944 schöpfte ihr Be­währungshelfer Verdacht, da die regelmäßi­gen Berichte mit der zittrigen Unterschrift von Margaret Logan Louises Verhalten über alle Maßen lobten. Kurz vor Weih­nachten stürmte die Polizei das Haus der Logans, und Lee Judson sprach endlich sei­nen Verdacht aus. Margaret Logans Leiche wurde im Garten ausgegraben, woraufhin Louise wieder mit einer ihrer Geschichten kam: Der altersschwache Arthur Logan wä­re plötzlich verrückt geworden und habe seine Frau in krankhafter Wut zu Tode ge­prügelt. Da sie aufgrund ihres Lebenslaufes befürchtete, der Verdacht könne auf sie fal­len, habe sie die Leiche vergraben und ei­nen Monat gewartet, bevor sie Arthur habe einweisen lassen.

Diesmal zog die Geschichte nicht, und Louise kam wegen des Mordes an Margaret vor Gericht, ihr Ehemann wurde als Mitwisser angeklagt. Einen Tag nach seinem Freispruch am 12. Jänner 1945 stürzte sich Judson vom 13. Stock eines Bürohauses in Los Angeles. Louise schien über seine Re­aktion auf ihre Trennung durchaus erfreut. Ein Geschworenengericht - darunter elf Frauen - befand sie des Mordes für schul­dig.

Diesmal wurde Louise zum Tode ver­urteilt. Ihre Berufungen wurden abgelehnt, und am 11. April 1947 fand sie in der Gas­kammer in San Quentin den Tod.

Quellen: Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton, aktualisiert und ergänzt von Jaques Buval) 2. Auflage 2005 - S. 308 - ISBN 3-85365-189-5

 

 

 

 

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