1981-2000 2. Seite
 mit 15 von 15 Kriminalfällen
 
 
 
 
 
 
 
 

 

1. Der Fall - Howard Arthur Allen

Der 1950 geborene afroamerikanische Serienmörder, mit seiner Vorliebe für betagte Opfer, Howard Allen drang Alter von 24 Jahren in der Nähe von Indianapolis, denn er entfernte sich bei seiner Opfersuche nie weit von seiner Heimatstadt, in das Haus der 85jährigen Opal Cooper ein und erschlug diese. Für diese Tat wurde er zu 21 Jahren Haft verurteilt. Die Haftanstalt verließ er bereits im Jahre 1985 auf Bewährung. Er kehrte nach Indianapolis zurück und arbeitete dann in einer Auto-Waschstraße, wo er auf die Gelegenheit wartete, um die Jagd wieder aufzunehmen. 

Am 18. Mai 1987 entging sein zweites Opfer eine 73 Jahre alte Frau knapp dem Tod, nachdem sie Allen fast bis zum Tode zu gewürgt und schlagen hatte. Nur zwei Tage später erlag Laverne Hale (87) nach derselben Attacke ihren Verletzungen. Auffällig an Howard Arthur Allen ist, dass er immer ältere Menschen in der Nähe seiner Heimatstadt Indianapolis überfiel und anschließend tötete. Am 2. Juni dann wollte er die Wohnung eines älteren Mannes ausrauben und diesen anschließend ermorden. Der jedoch befand sich zur Tatzeit nicht in seiner Wohnung und ihm entging deshalb dieses grauenhafte Schicksal. Aus lauter Wut steckte Allen anschließend das Haus des Mannes in Brand.   

 

Indianapolis - die Wirkungsstätte des Mörders Howard Arthur Allen.

 

Am 14. Juli sollte es dann aber endlich wieder klappen, er ermordete Ernestine Griffin (73) mit einem 25 cm langen Fleischermesser. Er stach achtmal auf sie ein und schlug ihr mehrmals einen Küchentoaster gegen den Kopf. Die Verwandten des Opfers vermuteten, dass der Mörder mit 15 $ und einer Kamera entkommen war. Diese Vorfälle endeten am 4. August 1987, aufgrund mehrfacher Anschuldigungen, mit der Verhaftung Howard Allens. Zeugen brachten ihn mit dem Einbruch vom 18. Mai in Verbindung. Mitte August 1987 gaben die Ermittler schließlich bekannt, dass Allen der Hauptverdächtige in elf weiteren Fällen sei, in denen jeweils ältere Opfer in der Umgebung von Indianapolis in ihren Wohnsitzen überfallen und beraubt worden waren.

Angeklagt wegen Einbruchs, schwerer Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Brandstiftung und des Mordes an Ernestine Griffin wurde 1988, mit dem erschwerenden Umstand des Gewohnheitsverbrechens, seine 88jährige Haftstrafe zur Todesstrafe umgewandelt. Am 30. August 1988 wurde er in den Todestrakt verlegt. Im Jahre 2010 richtete er eine Petition an das zuständige US District Court, dessen Entscheidung noch nicht gefallen ist.

Zurzeit wartet Allen im Todestrakt des Staatsgefängnisses Indiana auf seine Exekution.

Quellen: - Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von V.F.Sammler / Jaques Buval) 2.Auflage 2005 – S.11 – ISBN 3-85365-189-5

 

 

 

 

 

2. Der Fall - Robert C. Hansen

Äußerlich führte Robert Hansen ein ganz normales Leben: Der Familienvater und Bäckermeister war ein in Anchorage (Alaska) allseits respektierter Bürger, den man in der ganzen Nachbarschaft schätzte. Was jedoch niemand lange Zeit wusste war, dass sich hinter der Fassade des gewöhnlichen Bürgers der furchtbarste Serienkiller in der Geschichte Alaskas verbarg. Der wegen wiederholter Brandstiftung, Diebstahl, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung vorbestrafte Hansen ermordete von 1973 bis 1983 17 Frauen, die er vergewaltigte, quälte und anschließend als lebende Zielscheibe benutzte. Seine Opfer stammten alle aus dem Rotlichtmilieu. Hansen flog die Prostituierten, Stripperinnen und Bardamen mit seinem Privatflugzeug in eine abgelegene Holzhütte mitten in den Gebirgswäldern, wo er sie oft tagelang gefangen hielt und folterte. Sobald er ihrer überdrüssig wurde, ließ er die Frauen im Glauben ihrer wiedererlangten Freiheit laufen. Doch anstatt sie entkommen zu lassen, bewaffnete er sich mit einem Jagdgewehr und veranstaltete eine tödliche Menschenjagd auf seine fliehenden, nackten Opfer.

Robert Hansen, der Prostituierte abgrundtief hasste und glaubte, sie für ihr „sündiges Dasein“ bestrafen zu müssen, bezeichnete seine Verbrechen als „Sommerprojekt“. Die meisten Leichen seiner Opfer verscharrte er in den umliegenden Wäldern. Anfangs erstach er seine Opfer, später dann erschoss er sie mit einer „223 Ruger X Mini -14“ einem besonderen Jagdgewehr.

Erst als ihm eine 17-jährige Prostituierte entkam, die er zuvor, nachdem er sie gefesselt zu seinem Haus gebracht, dort vergewaltigte und ihr unerträgliche Schmerzen zufügte hatte, führte ihre Täterbeschreibung direkt zu Hansen. Der Bäcker hatte zwar noch versucht, sich ein falsches Alibi zu verschaffen, doch seine erkauften Zeugen ließen ihn im Stich. Bei einer Hausdurchsuchung konnte die Polizei genügend Belastungsmaterial sicherstellen: Neben einem umfangreichen Waffenarsenal entdeckten die Polizisten eine Landkarte, in der sorgfältig die Stellen markiert waren, an denen Robert Hansen die Frauenleichen vergraben hatte.

 

Sherry Morrow Paula Golding Joanne Messina Lisa Futrell   Sue Luna

 

Tamara Pedderson Angela Feddern Malai Larsen  Eklutna Annie

 

Das Privatflugzeug von Hansen    

1984 wurde Hansen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe plus 461 Jahren verurteilt, die er derzeit im Spring Creek Correction Facility in Seward / Alaska verbüßt.

Berichten zufolge versucht sich der siebzehnfache Frauenmörder als Schriftsteller einen Namen zu machen und verfasst derzeit seine Autobiografie.

Quellen
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.345 – ISBN 3-548-35935-3

Erklärung zum Fall Robert C. Hansen:

                                   Das – 223 Ruger X Mini -14 ist ein leichtes halbautomatisches Selbstladegewehr.

Der Begriff "Halbautomatisches Selbstladegewehr" bezeichnet im Allgemeinen eine mehrschüssige Handfeuerwaffe, die nach dem Auslösen eines Schusses die Hülse der Munition automatisch auswirft und aus dem Systemkasten oder Magazin eine neue Patrone in das Patronenlager zuführt. Die hierfür notwendige Energie wird entweder durch den Patronenrückstoß (im Moment der Zündung des Treibladungspulvers) oder durch das Umleiten von Explosionsgasen aus dem Lauf (sog. Gasdrucklader) gewonnen.

So ist es möglich, allein durch mehrfache Betätigung des Abzuges mehrere einzelne Schüsse hintereinander abzugeben. Das Funktionsprinzip wurde zum vollautomatischen System weiterentwickelt. Dabei werden beim einmaligen Durchziehen und Festhalten des Abzuges mehrere Schüsse abgegeben, wie dies bei der Maschinenpistole und bei Maschinengewehren der Fall ist.
Trotz seines hohen Beliebtheitsgrades bleibt festzustellen, dass das Ruger Mini 14 bei weitem kein Präzisionsgewehr ist. Seine Konstruktion als Gasdrucklader macht zudem das gründliche Reinigen der Waffe wenig erfreulich. Dem gegenüber steht jedoch seine konstruktionsbedingte Zuverlässigkeit, Robustheit, vergleichsweise geringe Munitionskosten und ein breites Spektrum an Zubehörteilen für verschiedenste Einsatzmöglichkeiten, was maßgeblich zu seiner hohen Akzeptanz beigetragen haben dürfte.Das Geschoss der zugehörigen Munition (5.56 x 45 mm) hat einen Durchmesser von 5.56 mm. Die Länge der Patronenhülse beträgt 45 mm.

 

 

 

 

3. Der Fall - Udo Proksch und Peter Daimler

Udo Proksch bei seine Festnahme

 

Nach fast fünf Jahren Prozess geht der Fall "Lucona" vor dem Kieler Landgericht zu Ende. Auf der Anklagebank saßen seit 308 Verhandlungstagen der 62jährige Hans Peter Daimler. Der ehemalige Autoverkäufer soll gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Udo Proksch (Foto) 1977 den Frachter "Lucona" gesprengt haben, um für eine angeblich wertvolle Ladung über 31 Millionen Schweizer Franken von einer Versicherung zu kassieren.

Wie sich erst viel später herausstellen sollte, lag dem "Unglück" ein von langer Hand geplanter Versicherungsbetrug zugrunde, dessen Urheber der Besitzer der k.u.k.-Hofbäckerei Demel Udo Proksch war, ein umtriebiges Mitglied der Wiener Society.

Bei dem Untergang des Frachters im Indischen Ozean waren sechs der zwölf Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft hat wegen sechsfachen Mordes, versuchten Mordes und versuchten Betrugs eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Sie sieht es als erwiesen an, dass Daimler gemeinsam mit Proksch den Versicherungsbetrug einfädelte und den Tod der Schiffsbesatzung plante. Statt einer Uranerzaufbereitungsanlage, die hoch versichert worden war, befanden sich nach Ansicht der Ankläger nur "frisierte Teile eines alten Kohlebergwerkes" an Bord des Schiffes. Für Daimler und seinen Wiener Komplizen seien "nicht die sechs Toten, sondern die sechs Überlebenden das Unglück gewesen", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Der Kapitän und sein Steuermann hatten in Kiel ausgesagt.

Die Verteidigung hat auf eine Haftstrafe unter 14 Jahre plädiert. Nach Ansicht der Verteidiger würden die Beweise lediglich für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord ausreichen. In dem größten und aufwendigsten Verfahren der jüngeren Justizgeschichte Schleswig-Holstein waren mehr als 120 Zeugen und 17 Sachverständige gehört und 15.000 Dokumente verlesen worden. Die Prozessbeteiligten waren für die Beweisaufnahme mehrmals ins Ausland gereist.

Der Frachter "Lucona" transportierte "wertvolle" Fracht

 

Für Daimler und seinen Wiener Komplizen seien "nicht die sechs Toten, sondern die sechs Überlebenden das Unglück gewesen", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Der Kapitän und sein Steuermann hatten in Kiel ausgesagt.

Die Verteidigung hat auf eine Haftstrafe unter 14 Jahre plädiert. Nach Ansicht der Verteidiger würden die Beweise lediglich für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord ausreichen. In dem größten und aufwendigsten Verfahren der jüngeren Justizgeschichte Schleswig-Holstein waren mehr als 120 Zeugen und 17 Sachverständige gehört und 15.000 Dokumente verlesen worden. Die Prozessbeteiligten waren für die Beweisaufnahme mehrmals ins Ausland gereist.

Proksch wurde in Österreich zu lebenslanger Haft verurteilt.

In Österreich gilt der Fall "Lucona" als eine der größten Kriminal- und Politaffären des Landes. Der 63jährige Udo Proksch war im März 1991 in Österreich wegen sechsfachen Mordes zu einer 20jährigen Haftstrafe, rund ein Jahr später in einer Berufungsverhandlung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. In der Begründung des Urteils hieß es damals unter anderem, dass "zeitweise das politische Leben des Landes erschüttert wurde". Im Zusammenhang mit der Affäre traten in Österreich der Nationalratspräsident Leopold Gratz und Innenminister Karl Blecha zurück. Proksch, der ehemalige Besitzer der berühmten Wiener Konditorei Demel, galt als schillernde Figur in Österreich mit zahlreichen Kontakten zu Politik und Wirtschaft.

Ende Juni 2001 starb Proksch an den Folgen einer Herzoperation.

Ende der 80er Jahre hatte sich der in Mannheim gebürtige Daimler den deutschen Behörden gestellt. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai 1989 per Beschluss die Zuständigkeit des Landgerichts Kiel festgelegt. Als Proksch im März 1991 verurteilt worden war, war Daimler am selben Tag festgenommen worden. Der Prozess in Kiel begann am 15. Juli 1992. Mehr als vier Jahre hatte der Angeklagte geschwiegen. Erst Ende vergangenen Jahres hatte Daimler dann in einem Teilgeständnis eingeräumt, dass er auf Weisung von Proksch sämtliche Papiere über die Ladung der "Lucona" gefälscht hatte. Er beteuerte jedoch seine Unschuld am Tod der Besatzungsmitglieder. Die Staatsanwaltschaft ist dagegen davon überzeugt, dass der 62jährige in das Geschäft seines Freundes nicht nur eingeweiht, sondern daran aktiv beteiligt war. Das Schiff war im Januar 1977 im italienischen Hafen Chioggia mit Teilen der angeblichen Uranfabrik beladen worden und sollte nach Hongkong fahren. Am 23. Januar versank die "Lucona" bei den Malediven nach einer Explosion. Nach Auffassung der Staatsanwälte befanden sich im vorderen Ladenraum zwischen 300 und 600 Kilogramm Sprengstoff, die möglicherweise per Zeituhr gezündet worden waren.

Quellen:- Rheinzeitung 11. Juni 1997

 

 

 

 

4. Der Fall - Tobor Foco

Oberösterreichs spektakulärste Kriminalfälle. Grausig und brutal waren alle Morde, auch jene beim Amoklauf im Bezirksgericht Urfahr im Jahr 1995. Die Täter wurden geschnappt und verurteilt. Wie auch Tibor Foco. Allerdings wuchs sich dieser Fall zu einem Justizskandal aus. Zwei Prostituierte wurden 1985/86 in Linz ermordet. Zuerst erstach ein Freier das Freudenmädchen Gabi Blaha, wenig später wurde Elfi Hochgatter auf dem Bahndamm der Westbahn in Linz erschossen. Den Mörder Hochgatters wollte die Polizei schnell ausgeforscht haben.

 

Der charismatische Motorradrennfahrer Tibor Foco 

Es soll sich um den charismatischen Motorradrennfahrer Tibor Foco gehandelt haben, der mit seinem "Bunny Club" ein Bordell betrieb und die Prostituierte anwerben wollte, wie die Staatsanwaltschaft später behauptete. Da sich Hochgatter aber geweigert hätte, soll Foco das Callgirl - gemeinsam mit dem Lederwarenhändler Peter L. und der Prostituierten Regina Ungar - getötet haben. Weder Fingerabdrücke noch eine Tatwaffe noch andere eindeutige Spuren konnten die Ermittler finden. Nur Indizien und die Aussagen der Kronzeugin Ungar untermauerten die Anklage. Gerüchte, wonach Konkurrenten aus der Unterwelt mit Hilfe der Polizei den Newcomer ausschalten wollten, verstummen nicht.
Foco behauptete, am Abend des Mordes zu Hause bei seiner Gattin gewesen zu sein. Noch vor dem eigentlichen Mordprozess wurde Focos Gattin Eva wegen "falscher Zeugenaussage" verurteilt, weil sie Tibor ein falsches Alibi gegeben haben soll. Später heiratete Tibors Ex-Frau sogar einen der ermittelnden Kripobeamten.
Ungar behauptet nach wie vor, in der U-Haft von Polizisten gefoltert worden zu sein, bevor sie ihr Geständnis zu Protokoll gab.
In ihrer Rolle als "Kronzeugin" wurde sie wegen "entschuldigenden Notstands" freigesprochen, während Foco und "Komplize" Peter L. ins Gefängnis mussten. Während des Prozesses 1987 kam es zu groben Verstößen gegen die Strafprozessordnung. Die ehemaligen Geschworenen behaupten heute, der Prozess wäre "geschoben und manipuliert" gewesen.
1990 begann der in Stein inhaftierte Tibor ein Jus-Studium an der Kepler Universität. Focos Rechtsanwalt ist der Linzer Strafrechtsprofessor Herbert Wegscheider.    


 

So könnte Foco heute aussehen

 

Am 27. April 1995 entkam der ungefesselte Foco bei einer Uni-Vorlesung seinen Justizwachebeamten. Mit einem geschmuggelten Handy hat er Fluchthelfer dirigiert, die ihm für seine Flucht eine Kawasaki "Ninja" zur Verfügung stellten. Die Fahndung nach ihm verläuft bis heute ergebnislos.

Quellen: - OÖNachrichten vom 16.12.2007

 

 

 

 

5. Der Fall – Bai Baoshan

Mitte Oktober 1997 verhaftete die Polizei in Peking den 39 Jahre alten Bai Baoshan wegen vierzehnfachen Mordes. Berichten der chinesischen Behörden zufolge mordete der Serienkiller, um sich an der Gesellschaft zu rächen, nachdem er zuvor eine Haftstrafe wegen Raubes und Totschlags verbüßt hatte. Besonders auf Polizisten hatte es Baoshan abgesehen. So überfiel er im März 1996 eine Polizeistation in Peking, tötete mit einer gestohlenen automatischen Waffe einen Polizisten und verletzte vier weitere Beamte sowie zwei Zivilisten schwer. Baoshan flüchtete in die nördliche Provinz Hebei, wo er erneut eine Polizeistation überfiel und einen Menschen tötete, bevor er sich in die Bezirkshauptstadt Urumqi absetzte. Dort beging er gemeinsam mit zwei Komplizen ein Massaker an den Dienst habenden Polizisten und den Besuchern, das zehn Menschen das Leben kostete. Im Zuge einer Auseinandersetzung mit einem seiner Mittäter erschoss er diesen ebenfalls.

Nach seiner Verhaftung wurde Bai Baoshan in Xinjian zum Tode verurteilt und am 6. Mai 1998 öffentlich mit einem Genickschuss exekutiert.

Quellen: - Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.528 – ISBN 3-548-35935-3

 

 

 

 

6. Der Fall - Arthur Frederick Goode III.

Der aus Hyattsville, Maryland, stammende Arthur Goode litt an geistiger Entwicklungshemmung; er hatte im Alter von 22 Jahren immer noch Stirnfransen nach dem Vorbild des kleinen Lords Fauntleroy. In seinen Jugendjahren begann Goode mit sexuellen Annäherungsversuchen bei Knaben und wurde in seiner Nachbarschaft rasch berüchtigt. Dreimal wurde er wegen Sittlichkeitsvergehen an Minderjährigen festgenommen, aber jedes Mal wieder freigelassen, weil seine Eltern die ausgesetzte Kaution entrichteten.

Im März 1975 wurde Goode aufgrund von fünf Anklagen wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet, die er an einem neunjährigen Jungen begangen hatte. Seine Eltern trieben 25.000 $ auf, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien, aber Arthur machte weiter: Während er auf Kaution frei war, missbrauchte er eine Elfjährige und kam mit einer fünfjährigen Bewährungsfrist unter der Bedingung davon, dass er sich freiwillig einer psychiatrischen Behandlung im Staatlichen Krankenhaus von Spring Grove unterzog. Das Schlüsselwort war freiwillig, und niemand konnte ihn aufhalten, als Goode 15 Wochen später das Krankenhaus verließ und mit einem Bus zum neuen Haus seiner Eltern fuhr, das sich in St. James City, Florida, befand. Trotz Warnungen und er Ausstellung einer richterlichen Vollmacht für seine Verhaftung machte sich niemand die Mühe, Goode zu verfolgen und zurückzubringen.

Am 5. März 1976 locke Goode den neun Jahre alten Jason VerDow von einer Schulbushaltestelle in Fort Myers weg und bat das Kind, ihm zu helfen, im nahen Wald „etwas zu finden“. „Ich sagte ihm, er würde jetzt sterben“, gestand Goode später, „und ich beschrieb, wie ich ihn töten würde. Ich fragte ihn, ob er irgendwelche letzten Worte hätte, und er sagte: ‚Ich liebe dich’, und dann erwürgte ich ihn.“

Die Polizei fand bald die Leiche, die nackt bis auf die Strümpfe war, und Goode wurde zweimal als Verdächtiger befragt. Da er nervös geworden war, nahm er den Bus zurück zum Staatlichen Krankenhaus in Spring Grove. Fünf Minuten später floh er wieder von dort, weil er davon überzeugt war, dass eine Sprechstundenhilfe die Polizei gerufen hatte. (Tatsächlich erklärte das Personal, dass es nichts von einem Haftbefehl gewusst hatte.)

Am selben Tage gabelte Goode den zehnjährigen Billy Arthe auf und versprach ihm, gemeinsam mit ihm Washington D.C. anzusehen. Sie verbrachten die nächsten zehn Tage damit, durch die amerikanische Hauptstadt zu fahren und in Motels zu übernachten. Arthe war noch immer unversehrt mit Goode unterwegs, als sie Kenny Dawson (11) kennen lernten und Goode dem Jungen einredete, sie auf einer Busfahrt nach Tyson Corner, Virginia, zu begleiten. Als sie dort in den Wäldern nahe der Stadt wanderten, zwang Goode Dawson, sich auszuziehen, wonach er ihn mit einem Gürtel erdrosselte, während Billy entsetzt zusah.

Tage später erkannte eine Hausfrau in Falls Church Billy Arthe von den Suchfotos in den Zeitungen und holte die Polizei. Als er in Handschellen abgeführt wurde, beschwerte sich Goode: „Sie können mir nichts tun. Ich bin krank.“ Die Geschworenen in Maryland stimmten dem nicht zu, befanden ihn für geistig gesund und des Mordes schuldig, worauf ihn das Gericht mit einer lebenslangen Haftstrafe belegte. Goode wurde für seinen zweiten Prozess nach Florida geschickt, wo er des schweren Mordes für schuldig befunden und zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wurde.

Während er auf seine Hinrichtung wartete, quälte er die Eltern seiner Opfer mit grausamen, höhnischen Briefen. Er wiederum wurde oftmals von anderen Mithäftlingen misshandelt und als „meistgehasster Mann im Todestrakt“ geschmäht. Manche Sträflinge warfen Gegenstände nach ihm, als er an ihren Zellen vorbeiging; THEODORE BUNDY, schlauer als die übrigen, brachte es sogar fertig, Kekse von seinem Essenstablett zu stehlen. Der Spaß endete für alle Beteiligten, als Goode am 5. April 1984 exekutiert wurde. Der Staat lehnte seinen letzten Wunsch ab, Geschlechtsverkehr mit „einem scharfen kleinen Jungen“ vollziehen zu dürfen.

Quellen: - Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton und ergänzt von Jaques Buval) 2. Auflage 2005 – S. 138 – ISBN 3-85365-189-5

 

 

 

 

7. Der Fall – Gwendolyn Gail Graham und Catherine May Wood

Die Todesfälle auf Alpine Manor nahmen gleichsam als Spiel ihren Anfang. Zuerst planten die Mörderinnen, ihre Opfer alphabetisch auszusuchen, wobei die Initialen ihrer Namen das Wort „MURDER“ ergeben sollten, als hintergründigen Scherz für die Polizei. Wie der Zufall es jedoch wollte, waren jene alternden Frauen, die sie zuerst ausgesucht hatte, noch viel zu wehrhaft, so dass die Verschwörerinnen ihre Strategie wechseln mussten.

Schlussendlich fanden sie dennoch leichte Beute, um ihre Mordlust zu stillen.

Gwen Graham, 1963 in Kalifornien geboren, wuchs in Tyler, Texas, auf. Sie war „still und höflich“ zu ihren Lehrern, aber sie „hatte immer einen traurigen Ausdruck in ihrem Gesicht“. In späteren Jahren behauptete sie, die Traurigkeit hätte ihre Ursache in den sexuellen Annäherungsversuchen ihres Vaters gehabt, aber diese Beschuldigung – die er abstritt – wurde nie vor Gericht bewiesen. Als sie 1986 nach Michigan übersiedelte, fand Graham Arbeit als Hilfskrankenschwester im Alpine Manor-Pflegeheim in Walker, einem Vorort von Grand Rapids.

Cathy Wood (li.) und Gwen Graham (re.)

 

Grahams unmittelbare Vorgesetzte im Alpine Manor war die 24jährige Cathy Wood. Sie hatte früh geheiratet, doch als ihre Ehe nach sieben Jahren zerbrach und sie allein im Grand Rapids zurückblieb, quoll Wood auf mehr als 200 Kilogramm auf. Im Juli 1985 wurde sie im Alpine Manor angestellt und zur Aufseherin der Hilfsschwestern befördert, aber ihr soziales Leben blieb leer, bis sie Gwen Graham im Verlauf der Arbeit kennen lernte.

Ihre Freundschaft überschritt rasch die Grenze zu einem lesbischen Verhältnis; Wood nahm mit Diäten in Windeseile ab und genoss den Trubel von Homosexuellen-Bars, Partys und zwangslosem Sex. Ihre höchste Hingabe galt jedoch Graham, und Ende 1986 gelobten die beiden Frauen einander unsterbliche Liebe.

Gwen brachte in jenem Oktober das Gespräch auf das Thema des vorsätzlichen Mordes, aber ihre Geliebte“ dachte, wir hätten nur gespielt“. Beim Sex erlebte Gwen einen Nervenkitzel, wenn sie Cathy festbinden und würgen konnte, bis diese an der Grenze zur Bewusstlosigkeit erschauerte. Cathy beschwerte sich über dieses Spiel jedoch nie. Sie lernte bald, dass Schmerz und Vergnügen die beiden Seiten von ein und demselben Abenteuer sind.

Die Morde im Alpine Manor umfassten einen Zeitraum von drei Monaten, vom Januar bis Anfang April 1987. Gwens erster Plan, das „MURDER“-Spiel, fiel ins Wasser, als ihre präsumtiven (wahrscheinlich, mutmaßlich) Opfer sich dermaßen wehrten, dass sie gezwungen war, sie am Leben zu lassen. Trotz ihrer verpfuschten Bemühungen gab es darüber keinen Aktenvermerk. Sowohl Wood als auch Graham ernteten mustergültige Dienstbeschreibungen von ihren Vorgesetzten und waren auf der Station bei den Patienten beliebt.

In Zukunft, entschied Gwen, würde sie nur noch Frauen aussuchen, die zu alt oder zu schwach waren, um sich noch verteidigen zu können. Ihre Geliebte stand dabei an einem Platz Schmiere, von dem aus sie sowohl den Mord als auch das Schwesternzimmer überblicken konnte. Sie lenkte jeden Kollegen ab, der vorbeikam, während Graham ihr ausgesuchtes Opfer mit einem Waschlappen erstickte, den sie ihm auf Nase und Mund presste. Manchmal war die bloße Aufregung eines Mordes schon zuviel, und die beiden Frauen zogen sich für Sex in einen leeren Raum zurück, solange die Erinnerung noch frisch war. In einigen Fällen behielt Gwen SOUVENIRS von ihren Opfern – ein Fußkettchen, ein Taschentuch, eine Brosche oder ein künstliches Gebiss.

Mord ist ein riskantes Geschäft, aber das liederliche Liebespaar schien mit der Gefahr aufzublühen, und die beiden prahlten mit ihrer Opferzahl gegenüber Kollegen, die diese Erzählungen als „kranke Witze“ abtaten. Mindestens drei Hilfskrankenschwestern kannten das Regal mit den Souvenirs im Haus von Wood und Graham, aber niemand nahm die entzückt vorgetragenen Mordgeschichten vorläufig ernst…

Im April 1987 waren die Flitterwochen für Wood und Graham vorbei. Cathy scheute sich davor, selbst irgendjemanden umzubringen, um „ihre Liebe zu beweisen“. Durch die Versetzung in eine andere Schicht blieb ihr dies erspart. Zu jener Zeit verbrachte Gwen ihre Zeit mit Heather Barager, einer anderen Lesbe, die sie zurück in Grahams Heimat Texas begleitete, als sie Cathy im Stich ließ. Im August verriet Cathy die Geschichte ihrem Ex-Mann, aber Ken Wood ließ unschlüssig weitere 14 Monate verstreichen, bevor er sich an die Polizei wandte. Gwen Graham hatte mittlerweile im Mother Francis Hospital in Tyler zu arbeiten begonnen, blieb aber mit Cathy telefonisch in Kontakt.

Die Polizei von Grand Rapids war zuerst skeptisch gegenüber der Geschichte von Ken Wood. Etwa 40 Patienten waren im Alpine Manor im ersten Quartal 1987 gestorben, offiziell alle eines natürlichen Todes. Nach weiteren Ermittlungen schienen acht der Fälle glaubwürdig und ergaben eine Opferliste, auf der die 60 Jahre alte Marguerite Chambers, die 89jährige Edith Cole, die 95jährige Myrtle Luce, die 79jährige Mae Mason und die 74jährige Belle Burkhard zu finden waren. In keinem Fall gab es konkrete Beweise für den Mord, aber Ken Woods Aussage und Äußerungen der Belegschaft über das Haus waren gewichtig genug, um den Fall zu eröffnen.


Gwen Graham (oben) und Cathy Wood die spätere Star-Zeugin (unten)

 

Beide Frauen wurden im Dezember 1988 verhaftet. Wood hielt man ohne Kaution in Grand Rapids fest, sie war angeklagt, die Opfer Cook und Chambers getötet zu haben. In Texas, wo die Gerüchte Gwen bereits die Stellung gekostet hatten, reichte eine Kaution von 1 Million $ aus, um sie in Gewahrsam zu halten. Ein Kampf um ihre Auslieferung begann sich auszuweiten, bis Graham auf ihre Rechte verzichtete und den Anklagen aus eigenem Entschluss entgegentrat.

Die Belegschaft vom Alpine Manor war von den Festnahmen „überwältigt“, obwohl sich manche an Gwen als „unberechenbar“ erinnerten und sich über ihr hitziges Gemüt äußerten. Die ehemaligen Hilfsschwestern Deborah Kidder, Nancy Harris, Lisa Lynch, Dawn Male und Russel Thatcher sahen die „kranken Witze“ und die Souvenirs, die sie zuvor für harmlos gehalten hatten, nun in einem neuen Licht. Beim Prozess sagten alle fünf gegen Gwen Graham aus, gemeinsam mit Cathy Wood, die sich über Nacht zur Star-Zeugin gemausert hatte.

Ein Schuldgeständnis im Anklagepunkt Mord mit bedingtem Vorsatz im September 1989 verschonte Wood vor lebenslanger Haft und brachte ihr eine Strafe von 40 Jahren mit der Möglichkeit auf Begnadigung nach 20 Jahren ein. Als Gegenleistung für diese Strafmilderung sagte sie drei Monate später gegen Graham aus und besiegelte damit das Schicksal ihrer Ex-Geliebten. Neben den fünf ermordeten Opfern, sagte Cathy, hatte Gwen versucht, zumindest fünf weitere zu ersticken. Woods Geständnis gegenüber ihrem Ehemann hatte sie weniger aus Schuldgefühlen abgelegt als vielmehr aus Angst, dass Graham im Krankenhaus in Texas weitermorden würde, diesmal Kleinkinder als potentielle Opfer.

„Als sie im Alpine Manor Menschen tötete und ich nichts dagegen unternahm“, erzählte Wood dem Gericht, „war das schlimm genug. Aber als sie mich anrief und sagte, wie gerne sie ein Baby zerquetschen würde, musste ich sie irgendwie stoppen. Ich wusste, dass sie dort in einem Krankenhaus arbeitete. Sie sagte, sie wolle eines der Babys nehmen und es gegen ein Fenster schmettern. Ich musste etwas tun. Es war mir egal, was mit mir geschehen würde.“

Grahams Anwalt versuchte, Wood als eine eifersüchtige, rachsüchtige Lügnerin hinzustellen und seine Klientin als „Opferlamm“ zu präsentieren, aber die Geschworenen stimmten dem nicht zu. Sie berieten sieben Stunden lang, ehe sie Gwen wegen vorsätzlichen Mordes in fünf Fällen und in einem Punkt wegen geplanten, vorsätzlichen Mordes schuldig sprachen. Am 2. November 1989 wurde Graham sechsfach zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne Möglichkeit auf Begnadigung.

Quellen: - Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton und ergänzt von Jaques Buval) 2. Auflage 2005 – S. 141 – ISBN 3-85365-189-5

 

 

 

8. Der Fall – Richard Speck 

Richard Speck wurde am 6. Dezember 1941 in Kirkwood im Bundesstaat Illinois geboren und als er zwanzig Jahre alt war, hatte er schon fast vierzig Verhaftungen auf seinem Konto. Er war verheiratet mit einer 15jährigen und hatte ein Kind mit ihr. Er verließ sie fünf Jahre später: " Ich habe es einfach nicht fertig gebracht sie zu töten ".

Die Verhaftung des Mehrfachmörders

 

Allerdings ermordete er mehrere andere Frauen, darunter eine Kellnerin, weil sie auf seine Annäherungsversuche nicht eingegangen war. Weiterhin überfiel und beraubte er eine 65jährige Frau, an der er sich auch verging. Ein paar Monate später, am 13 Juli 1966, vergewaltigte und ermordete er in Chicago 8 Frauen.

 

Er war bewaffnet mit einem Messer und einem Gewehr in ein Schwesternwohnheim eingebrochen und wurde dort von 9 Schwesternschülerin überrascht. Er fesselte alle und zerrte sie nacheinander in ein anderes Zimmer. Dort verging er sich an ihnen und ermordete sie. Das Motiv: Niemand sollte ihn identifizieren können. Eine neunte Schwesternschülerin hatte sich unter einem Bett versteckt und musste miterleben, wie Speck unmittelbar über ihr eine ihrer Freundinnen vergewaltigte und ermordete. Speck hatte sich offenbar verzählt, denn nach der achten Bluttat verließ er das Haus. So konnte die neunte entkommen und der Polizei eine ziemlich exakte Beschreibung des Täters geben.

 

Richard Speck's Opfer: (obere Reihe - von links nach rechts) Valentina Paison, Pamela Wilkening, Patricia Matusek, Suzanne Farris (untere Reihe) Mary Ann Jordan, Merlita Garguilo, Gloria Davy, Nina Schmale

     

Speck auf dem Weg zum Gerichtssaal

 

Unter anderem erinnerte sie sich an eine Tätowierung auf Specks linken Arm mit der Aufschrift "Born to raise Hell". Dieser Hinweis wurde an die Unfallstationen sämtlicher Krankenhäuser verschickt. Wenige Tage nach dem Blutbad suchte Speck wegen einer Wunde ein Krankenhaus auf. Die Tätowierung wurde erkannt, und er konnte verhaftet werden.

Speck wurde später zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde jedoch annulliert, da er in dem Geschlechtsbestimmenden 23 Chromosomenpaar ein zusätzliches Y Chromosom hatte. Wissenschaftler gingen damals davon aus, dass dieses genetische Anomalität bei Männern kriminalitätsfördernd wirkt.

Das Urteil wurde widerrufen und Speck wurde wegen achtfachen Mordes zu 600 Jahren Gefängnis verurteilt. Speck starb am 5. Dezember 1991 im Alter von 49 Jahren an einem Herzinfarkt.

 

Quellen:

 

 

 

 

9. Der Fall – Volodja Storotschenko

Es war seine eigene Eitelkeit, die den russischen Serienmörder und Vergewaltiger Volodja Storotschenko zu Fall brachte: Im Austausch gegen ein volles Geständnis sicherte Inspektor Issa Kostoev dem zwölffachen Frauenmörder zu, dass er nicht für seine Verbrechen hingerichtet werde. Stattdessen wolle man ihn mit dem Leben davonkommen lassen, damit er fortan für den russischen Geheimdienst tätig sein könne.

Inspektor Kostoev, ein mit allen Wassern gewaschener Kriminalist der russischen Generalstaatsanwaltschaft, der auch Andrej Tschikatilo, den „Ripper von Rostow“, zur Strecke bringen sollte, wusste, dass er den Sexualmörder ohne ein Geständnis wahrscheinlich wieder laufen lassen musste. Im besten Fall konnte er Storotschenko wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes vor Gericht bringen.

Zwei Jahre lang hatte Volodja Storotschenko die Bevölkerung der 400 Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Stadt Smolensk in Angst und Panik versetzt. Von 1979 bis zu seiner Festnahme im Sommer 1981 hatte der Exsträfling 20 Frauen aus der Gegend überfallen, ausgeraubt, vergewaltigt und am Tatort liegengelassen. Zwölf Frauen waren auf diese Art ums Leben gekommen, die übrigen acht Opfer überlebten den Mordversuch.

Es dauerte nicht lange, bis das überzeugend vorgetragene Angebot des Inspektors den 28-jährigen Familienvater aus Smolensk zum Reden brachte: Storotschenko gestand alle ihm angelasteten Morde. Als er endlich herausfand, dass der Inspektor ihn hinters Licht geführt hatte und ihm statt einer Karriere als Geheimagent im Ausland der Weg zum Erschießungskommando bevorstand, drohte er dem Inspektor, er werde ihm die „Kehle herausreißen“.

Kostoev verstand es auch ein zweites Mal, den inhaftierten Serienkiller einzuwickeln, indem er ihm zusicherte, dass er sich um dessen Familie kümmern werde. Storotschenko soll ihm doch dankbar sein, dass er ihn vor den anderen Häftlingen beschützte und in einer Einzelzelle untergebracht habe.

Volodja Storotschenko bedankte sich schließlich reumütig bei dem Mann, der dafür sorgte, dass er wenige Monate später zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Quellen: - Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.562 - ISBN 3-548-35935-3

 

 

 

10. Der Fall – Achmad Suradji

Die Richter eines indonesischen Gerichts in Medan/Nordsumatra verurteilten den 48-jährigen Achmad Suradji am 27. April 1998 wegen zweiundvierzigfachen Mordes zum Tode durch Erschießen. Wegen Mittäterschaft angeklagt wurde die 39-jährige Tumini, die älteste der drei Frauen des Angeklagten. Auch in ihrem Fall plädierte die Staatsanwaltschaft für die Todesstrafe.

Achmad Suradji, ein Viehzüchter und geachteter Zauberer und Hexer aus einem Dorf nahe der Provinzhauptstadt Medan, wurde am 2. Mai 1997 festgenommen, nachdem auf einer Zuckerrohrplantage in der Nähe seines Hauses drei vergrabene Frauenleichen entdeckt worden waren. Binnen 14 Tagen wurden 37 weitere stark verweste Frauenleichen und Skelette geborgen. Suradji, der auch als Nasib Kelewang und Datuk Maringgi bekannt war, wurde von zahlreichen Frauen aus der Umgebung konsultiert, die bei ihm medizinischen und spirituellen Rat suchten.

   

Indonesien incl. Sumatra.......und Sumatra mit der Stadt Medan / Nordsumatra , der Gerichtsstadt.

 

 

Er ermordete die hilfesuchenden Frauen, die zuvor beträchtliche Summen Geld für die magischen Rituale bezahlt hatten, auf einer Zuckerrohrplantage. Dort überredete er die Opfer, sich in eine Grube hinzuknien, wo er sie bis zur Taille eingrub. Die Frauen vertrauten dem angesehenen Magier, der ihnen erzählte, dass dies Teil des Rituals sei. Waren sie ihm erstmal ausgeliefert, erdrosselte er sie und trank ihren Speichel, weil er glaubte, so seine magischen Fähigkeiten zu erhöhen. Anschließend plünderte er die Leichen und begrub sie mit Hilfe seiner ältesten Frau im Feld. Möglicherweise waren ihm auch seine beiden anderen Frauen dabei behilflich, beide Schwestern von Tumini, die das Dorf nach der Festnahme ihres Mannes fluchtartig verlassen hatten.

 

               

Die Bergung eines der Opfer  -  der Verhaftete auf dem Weg zum Prozeß  -  Suradji vor Gericht

Suradji, der zunächst verdächtigt worden war, 19 Frauen getötet zu haben, legte nach seiner Verhaftung ein volles Geständnis ab und gab zu, insgesamt 42 Kundinnen innerhalb eines Zeitraumes von elf Jahren ermordet zu haben. Im Ziegenstall bei seinem Haus wurden zahlreiche Armbanduhren und Kleidungsstücke entdeckt, die von mindestens 20 Opfern stammten. Insgesamt gab es in der Region 80 Vermisstenmeldungen, und es wird befürchtet, dass neben den 42 inzwischen geborgenen Leichen noch weitere Menschen dem besessenen Indonesier zum Opfer gefallen sein könnten.

Der Prozess begann am 11. Dezember 1997 mit einer 363-seitigen Anklage gegen ihn, und obwohl Suradji seine Unschuld beteuerte, wurde er für schuldig befunden, durch ein Drei-Richter-Gremium in Lubuk Pakam am 27. April 1998. 

Ein Erschießungskommando vollstreckte dann am 10. Juli 2008 das gegen den Serienmörder ausgesprochene Urteil.

Quellen: - Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.563 - ISBN 3-548-35935-3

 

 
 
 

11. Der Fall - Julaiha Begum

Julaiha Begum wird 1948 in Singapur geboren. Ihr Vater, ein sehr wohlhabender Geschäftsmann, stirbt als sie noch ganz jung ist. Die Familie zieht dann nach Indien, in ein Dorf, welches etwa 5 Autostunden von der Stadt Madras entfernt liegt. Dort wächst sie auf. 1963, im Alter von 15 Jahren, heiratet sie in einer "versprochenen Ehe" den reichen Unternehmer Abdul Kareem Mohammed Shariff. Das Paar zieht nach Singapur, wo Shariff mehrere Geschäfte hat. Ein Autohandel, ein Juweliergeschäft, ein großer Supermarkt und ein Haushaltswarengeschäft gehören dem jungen Ehepaar. Vier Kinder- zwei Jungen und zwei Mädchen- gehen aus der Ehe hervor, die im Juni 1981 geschieden wird. Julaiha erhält das Sorgerecht für ihren jüngsten Sohn und die beiden Töchter. Sie bekommt eine 3 Zimmerwohnung zugesprochen, allerdings auch nicht mehr.

Vergeblich versucht sie eine finanzielle Abfindung zu erstreiten. Ihr Ex-Ehemann heiratet später wieder und zieht auf die indonesische Insel Batam. Im Jahre 1997 wird er dort ermordet aufgefunden- der Mord wird nie aufgeklärt. Aber auch Julaiha findet bald nach ihrer Scheidung einen neuen Lebenspartner- den 36 Jahre alten Polizisten Maniam. Der verheiratete Mann verliebt sich im Handumdrehen in die damals 33-jährige Frau. Zwei Wochen nachdem sie sich kennen gelernt haben, zieht er mit ihr und den Kindern zusammen. Zehn Jahre später lässt er sich von seiner Frau scheiden und heiratet Julaiha Begum. Er quittiert seinen Dienst bei der Polizei und eröffnet eine Sicherheitsfirma.

Das Geschäft läuft von Anfang an sehr gut, und Maniam überschüttet seine Frau mit teueren Geschenken und Juwelen. Er kauft auch ein Haus ein Auto - diese jedoch auf seinem Namen (Anmerkung: Autos sind in Singapur aufgrund der Steuern enorm teuer. So kostet ein Mercedes 300, wie ihn Maniam fuhr, umgerechnet DM 400.000!).

Doch auch diese Ehe steht unter keinem guten Stern. Julaiha wird mehr und mehr unzufrieden mit ihrem Leben. Sie misshandelt die Kinder und verbreitet Gerüchte über ihren Ehemann. So erzählt sie Freunden, dass Maniam mit ihrer jüngsten Tochter Sex hätte, dass dieser sie öfter einsperrt und ihr tagelang nichts zu essen gibt. Entsetzt bietet ihr ein befreundetet Ehepaar Unterkunft an. Julaiha verlässt das gemeinsame Haus. Doch im Dezember 1998 bitten die Gastgeber sie wieder auszuziehen, weil sie gesehen haben, dass Julaiha den 25-jährigen Mann, namens Loganatha Venkatesan auf offener Straße innig umarmt. Die Freundschaft zerbricht, weil diese nun erhebliche Zweifel an den Darstellungen Julaihas haben. Reumütig kehrt sie zurück zu Maniam, der sie sofort wieder aufnimmt. Doch Loganatha und Julaiha bleiben trotz des großen Altersunterschiedes ein Paar.

Im Februar ist der indische Fischer Govindasamy Ravichandran (28) in Singapur. Zufällig lernt er Julaiha und ihren jungen Liebhaber kennen. Schon bald bieten ihm diese eine Belohnung von S$ 50.000 (ca. DM 60.000) wenn dieser Maniam umbringen würde. Er willigt sein, fordert aber eine Anzahlung von S$ 10.000 (ca. DM 12.000). Seine Bedingung wird erfüllt. Als Sicherheit hinterlässt er eine Kopie seines Reisepasses. Dennoch macht sich der Mann, der in seinem Leben noch nie soviel Geld besessen hat, unverrichteter Dinge auf den Weg nach Indien. Der Coup schlägt fehl! Im März heuert das Paar Chandran Rajagopal, einen Singapurianerum Maniam ermorden zu lassen. Diesesmal mit Erfolg.

Am 21. April 1999 wird Maniam beim Verlassen seines Hauses von Loganatha und Chandran gemeinsam totgeschlagen. Doch die Täter haben ein Zeugin hinterlassen: Julaihas jüngste Tochter. Noch am Tage von Maniams Tod lässt Julaiha Begum sich beim Grundstücksamt als neue Eigentümerin des S$ 1 Mio. (ca. DM 1,2 Mio.) teueren Hauses eintragen. Die Töchter schöpfen Verdacht und erzählen der Polizei im ersten Verhör, was sie gesehen haben und was sie vermuten. Die Polizei durchsucht daraufhin das gesamte Haus und findet die Kopie des Reisepasses von Govindasamy Ravichandran, dem indischen Fischer.

Über eine Fahndung bei Interpol machen die Beamten den Mann in einem Fischerdorf in Indien ausfindig. Dieser erzählt den Fahndern, wie er angeheuert wurde und wie er das Paar betrogen hat. Julaiha Begum und ihr Liebhaber werden sofort verhaftet. Ferner führt ein Hinweis im Haus ebenfalls zu Chandran Rajagopal, dem Auftragskiller. Dieser hat bei der Verhaftung noch das Foto des Opfers in seiner Brieftasche. Schließlich kannte er sein späteres Opfer gar nicht und musste es irgendwie identifizieren.

                                   

Die Täter: Loganatha Venkatesan und Chandran Rajagopal              ... sowie das Opfer: Maniam (gest. 21.04.1999)       

Der Prozess, bei dem der Fischer extra aus Indien eingeflogen wird, dauert 35 Tage und endet am 14. März 2000 mit dem Todesurteil für alle drei Täter. Julaiha Begum wird dann die erste Frau sein, die nach 5 Jahren in Singapur hingerichtet wird. Die Exektionsmethode in Singapur ist Erhängen.

Die drei Täter bestreiten daraufhin nicht mehr, den Mord geplant und ausgeführt zu haben. Dennoch bleibt zumindest eine Frage offen: Ist Julaiha Begum -psychisch gesehen- als gesund zu betrachten? Insbesondere die Tatsache, dass die Frau offensichtlich wirklich glaubte ihre Tochter würde mit Maniam schlafen, lässt die Frage durchaus zu. Ein psychologisches Gutachten wurde übrigens nie erstellt.

Julaiha Begum, Loganatha Venkatesan und Chandran Rajagopal wurden am Morgen des 28.07.2000 um 05.00 Uhr Ortszeit durch den Strang hingerichtet.

Quellen:  - www.todeszellen.de

 
 
 
 
 

12. Der Fall - José Antonio Rodriguez Vega

Der Maurer José Antonio Rodriguez Vega ist Spaniens  aktivster Serienmörder: Zwischen 1986 und 1988 ermordete er mindestens sechzehn betagte Frauen in der nördlichen Küstenstadt Santánder. Rodriguez war ein Vergewaltiger, der auf Bewährung freigelassen war und nach dem Gefängnis anscheinend an Impotenz litt. Bei seinen neuen Verbrechen war er zu seinen Opfern meist charmant, so dass diese ihn für kleinere Reparaturarbeiten ins Haus ließen, woraufhin ihn die Erregung überkam und er die Frauen rasch erwürgte. Danach zog er ihnen die Unterwäsche aus und missbrauchte sie.

Rodriguez räumte den Tatort so sorgfältig auf, dass die ersten Morde erst als solche erkannt wurden, als er sie gestand. Nachdem er sich mit den Leichen vergnügt hatte, legte er sie ins Bett. Aufgrund des hohen Alters der Opfer und der Ordnung an den Tatorten wurden viele Morde als natürliche Todesfälle eingestuft. Rodriguez Vega hatte die Angewohnheit, Trophäen als Andenken mitzunehmen, und errichtete für diese Souvenirs einen kunstvollen Schrein in seiner dunkelrot eingerichteten Einzimmerwohnung, die er mit einer Mitbewohnerin teilte. Erst nachdem die spanische Polizei Bilder von Josés Wohnung im Fernsehen ausstrahlen ließ, erkannte man das wahre Ausmaß seiner Verbrechen. Fernsehzuschauer, die gestohlene Gegenstände ihrer ermordeten Verwandten erkannten, riefen beim Sender an.

Bei seinem Gerichtsverfahren im Jahre 1991 schien Rodriguez Vega das Leid einiger der dort Anwesenden ebenso wie die gegen ihn gerichteten Morddrohungen zu genießen. Obwohl er zu 440 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, bedeutet die Härte des Urteils wenig: In der Praxis verbringen trotz abscheulicher Verbrechen nur wenige spanische Häftlinge mehr als zwanzig Jahre hinter Gittern. Polizei und Staatsanwälte schätzten zu diesem Zeitpunkt, dass Rodriguez Vega im Jahr 2008, falls er dann noch lebt, freigelassen wird und danach noch weitere Morde begehen könnte.

José Antonio Rodriguez Vega wird dem Haftrichter zugeführt.

Aber es kam anders.

Am 24. Oktober 2002 wurde Vega während er durch den Gefängnisgang lief von zwei Mithäftlingen angegriffen und brutal niedergestochen, wobei sie ihm tödliche Wunden zufügten. Rodriguez Vega wurde am nächsten Tag in einem einfachen Sarg begraben. Das Begräbnis wurde auf dem Gefängnisfriedhof, ohne weitere Begleitung, nur von zwei Totengräbern durchgeführt.

 

Quellen: - Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton) 2. Auflage 2005 - S.336 - ISBN 3-85365-189-5, sowie Nachtrag zum Tod (Recherche).

 

 

 

 

13. Der Fall - Joseph Paul Franklin

Joseph Paul Franklin (eigentlich: James Clayton Vaughn, Junior; * 13. April 1950 in Mobile, Alabama, USA) ist ein US-amerikanischer Serienmörder. Bekannt wurde Franklin 1978 durch sein Attentat auf den Herausgeber Larry Flynt.

James Clayton Vaughn - wie Franklin ursprünglich hieß - wuchs in einem von Gewalt geprägten Elternhaus auf. Sein Vater, der ein alkoholsüchtiger Arbeitsloser war, ließ die Familie oft für Monate oder gar Jahre allein, und feierte seine Rückkehr stets damit, dass er seine Kinder, insbesondere James junior schlug. Über die Kindheit und Jugend des künftigen Serienmörders ist kaum etwas bekannt, außer, dass er sich für Okkultismus und moderne Ernährung interessierte.

Nach einem Unfall, bei dem seine Sehkraft stark beeinträchtigt wurde, verließ er die Schule; auch verhinderte die Behinderung seinen Einsatz als Soldat im Vietnamkrieg. 1968 heiratete der 18-jährige Vaughn, allerdings war die Ehe schon bald darauf zum Scheitern verurteilt, als er seine Ehefrau immer wieder schlug. Auch litt er unter Depressionen und Stimmungsschwankungen, die Vaughns Ehefrau nicht richtig einordnen konnte; es kam zur Scheidung.

Zu Beginn der 1970er Jahre wurde in den Südstaaten der USA die Rassentrennung aufgehoben, eine Tatsache, mit der Vaughn nicht einverstanden war. In seinem Wahn begann er rechtsextreme Tendenzen an den Tag zu legen, und fokussierte seinen Hass vor allem gegen Afroamerikaner und Juden. 1972, nach dem Tod seiner Mutter, trat Vaughn der American Nazi Party bei, für die er schon lange Sympathien hegte.

Er verließ Alabama, und ließ sich in Atlanta (Georgia) nieder, wo er zudem Parteimitglied der National States Rights Party sowie des Ku-Klux-Klan wurde. Etwa in diese Zeit fällt auch seine rechtlich anerkannte Namensänderung von James Clayton Vaughn, Junior in Joseph Paul Franklin. Der Name ist nicht zufällig ausgewählt, sind doch die Vornamen Joseph Paul von Paul Joseph Goebbels, Hitlers Reichspropagandaminister, entnommen. Der Name Franklin stammt von Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

Obwohl er mehrmals wegen kleinerer Delikte bereits mit dem Gesetz in Konflikt geriet, begann Franklins eigentliche „Karriere“ als Krimineller am 6. September 1976, als er ein gemischt ethnisches Paar in eine Sackgasse von Atlanta hetzte, und sie mit Tränengas attackierte. Er konnte daraufhin schnell entkommen.

In den kommenden drei Jahren sollte er in 10 US-amerikanischen Bundesstaaten eine blutige Spur legen, die am 29. Juli 1977 seinen Ausgang nahm. In Chattanooga (Tennessee) legte er eine Bombe in einer der örtlichen Synagogen, bei deren Detonation jedoch niemand verletzt wurde.

Seinen ersten Doppelmord verübte Franklin nur acht Tage später, am 7. August 1977, in Madison (Wisconsin), als er den 23-jährigen Alphonse Manning und seine gleichaltrige Freundin Toni Schwenn ermordete. Ihr Tod sollte sich später als besonders tragisch herausstellen. Franklin, der kurz zuvor eine Bank überfallen hatte, und mit seinem Wagen nun mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Flucht war, war mit dem langsamen Tempo des Fahrzeugs vor ihm nicht einverstanden. Manning und Schwenn, die in jenem Auto saßen, mussten deswegen sterben.

Zwei Monate später, am 8. Oktober 1977, schlug Franklin in Richmond Heights (Missouri) zu. In einem Gebüsch vor einer Synagoge lauernd, erschoss er, nach dem er fünf Schüsse getätigt hatte, mit seiner Remington 700 Gerald Gordon, und verletzte zwei weitere Männer, Steven Goldman und William Ash, schwer, nachdem diese das Gotteshaus verlassen hatten, auf dem gerade eine Bar Mitzwa gefeiert wurde.

Fünf Monate sollten vergehen, bis Franklin am 6. März 1978 in Lawrenceville (Georgia) jenes Attentat auf den Herausgeber des Hustler, Larry Flynt, verübte, bei dem dieser querschnittgelähmt überlebte. Flynt hatte in einer Ausgabe seines auf Sexualität spezialisierten Magazins, Sex mit farbigen und andersethnischen Menschen zum Thema gehabt; etwas, das Franklin unter keinen Umständen tolerieren konnte.

 

Der Herausgeber des "Hustler" Larry Flynt gehörte auch zu seinen Opfern

 

Erneut war Franklin auf der Flucht, bei der er an die 18 Pseudonyme und falschen Identitäten gebrauchte. Er erwarb ständig neue Fluchtwagen, und färbte sich so oft die Haare, dass sie ihm beinahe auszufallen drohten. Seine Mission war klar; einen Einmannkrieg gegen Juden, Farbige und anders denkende Menschen zu führen.

Dieser Feldzug forderte am 29. Juli 1978 seine nächsten Opfer. Erneut in Chattanooga (Tennessee) angekommen, wo er auf den Tag ein Jahr zuvor eine Bombe in einer Synagoge gelegt hatte, ermordete er den farbigen William Bryant Tatum, den Angestellten einer Pizza Hut-Filiale in dessen Geschäft. Seine weiße Freundin Nancy Hilton, die ebenfalls getroffen wurde, überlebte. Nun unterbrach Franklin seine Mordmission für knapp ein Jahr. Die Ermittler in den USA standen vor einem Rätsel. Da Franklin stets neue Identitäten und Aussehen hatte, konnten weder Phantombilder noch psychologische Profile des Täters oder der Täter erstellt waren. Da die Taten zudem in verschiedenen Bundesstaaten verübt wurde, ging man auch von mehreren Tätern aus.

Schließlich schlug der fanatische Mörder am 12. Juli 1979 erneut zu. In einer Filiale von Taco Bell in Doraville (Georgia) erschoss er aus einer Entfernung von 137 Metern den 27-jährigen farbigen Filialleiter Harold McIver, von dem bekannt war, dass er eine weiße Freundin hatte.

Sein nächstes Opfer wurde am 18. August 1979 ebenfalls in einem Fastfood-Restaurant gefunden. In Falls Church (Virginia) erschoss Franklin durch das Fenster eines Burger King-Restaurants hindurch den 28-jährigen Raymond Taylor. Dasselbe Restaurant sollte 23 Jahre später, im Oktober 2002, erneut Schauplatz eines Verbrechens werden, als hier ein Opfer der so genannten Beltway Sniper Attacks zu Tode kam.

Am 21. Oktober 1979 schlug der Serienmörder in Oklahoma City (Oklahoma) zu, als er aus 91 Metern Entfernung das gemischtethnische Pärchen Jesse Taylor und Marian Bresette ermordete.

In jener Zeit hatte der 29-jährige Franklin eine Beziehung mit der erst 15-jährigen Prostituierten Mercedes Masters, mit der er kurzzeitig in DeKalb County (Georgia) lebte. Masters beging einen fatalen Fehler, als sie gegenüber Franklin gestand, auch schwarze Freier zu haben. Dieses Geständnis wurde mit ihrer Ermordung, am 5. Dezember 1979, bestraft.

Das Jahr 1980 sollte Franklins blutigstes Jahr werden, und gleichzeitig sein letztes in Freiheit. Als nächster Bundesstaat wurde Indiana von Franklin heimgesucht. In dessen Hauptstadt Indianapolis erschoss er am 12. Januar 1980 den 19-jährigen Lawrence Rees vor einem Restaurant. Rees' Vater, der Zeuge des Attentats war, wurde zum Erstaunen der Ermittler, weder Opfer noch Ziel des Heckenschützen.

Nur zwei Tage später, am 14. Januar 1980, wurde Leo Watkins (19) das nächste Opfer, als er vor einem Einkaufszentrum in Indianapolis ermordet wurde.

Am 2. Mai 1980 wich Franklin erstmals von seinem Muster ab, aus dem Hinterhalt Menschen zu erschießen. In Monroe County (Wisconsin) nahm er eine junge weiße Anhalterin mit, die später als Rebecca Bergstrom identifiziert wurde. Niemand weiß, warum Franklin Bergstrom bei Tomah (Wisconsin) ermordete; Tatsache jedoch ist, dass Franklin den Mord vier Jahre später, 1984, gestand.

Wie Larry Flynt im Jahr 1978, so wurde am 29. Mai 1980 in Fort Wayne (Indiana) Vernon Jordan, eine weitere Person des öffentlichen Lebens, Franklins Opfer. Jordan, 1980 Vertrauter und Mitarbeiter im Stab des damaligen Gouverneurs von Arkansas und künftigen US-Präsidenten Bill Clinton, war zudem Bürgerrechtsführer und hatte eine Beziehung mit einer weißen Frau. Jordan, obwohl schwer verletzt, überlebte das Attentat.

Am 8. Juni 1980 ermordete Franklin zum ersten und einzigen Mal Kinder. In Cincinnati (Ohio) wartete er bereits einige Stunden in seinem Wagen. Als keines auftauchte, und seine Mordlust nicht gestillt war, erschoss er die beiden Cousins Darrel Lane, 14-jährig, und Donte Evans Brown, der mit seinen 13 Jahren Franklins jüngstes Mordopfer wurde. Anschließend wartete er in seinem Wagen auf ein gemischtethnisches Paar, das er ermorden konnte. 

 

Donte Evans Brown (13 Jahre) - links und sein Cousin Darrel Lane (14 Jahre)

 

Neun Tage später, am 15. Juni 1980, erschoss er in Johnstown (Pennsylvania) den 22-jährigen Arthur Smothers und seine 16-jährige Freundin Kathleen Mikula, als die beiden Afroamerikaner gerade eine Brücke in der Innenstadt überquerten. Andere Quellen geben abweichend davon auch Johnstown in Ohio als Tatort an.

Am 25. Juni 1980, zehn Tage später, nahm er die beiden Autostopperinnen Nancy Santomero (19) und Vicki Durian (26) in Pocahontas County ( West Virginia ) mit. Zunächst wollte er den beiden weißen Frauen nichts antun, doch als eines der Mädchen im Gespräch mit Franklin ihren farbigen Freund erwähnte, war ihr Schicksal besiegelt. Zwei Monate später, am 20. August 1980, beging Franklin seine nachweislich letzten Morde. In Salt Lake City (Utah) erschoss er aus 36 Metern Entfernung die beiden farbigen Jogger Ted Fields und David Martin, die in Begleitung ihrer zwei weißen Freundinnen unterwegs waren. Diese wiederum überlebten, schwer verletzt.

Franklins Flucht und Mordserie endete am 25. September 1980 in Kentucky, als er bei einem missglückten Banküberfall der Polizei in die Arme lief. Er wurde nach Florida überstellt, konnte sogar kurzzeitig aus dem Polizeigewahrsam entkommen, wurde jedoch nach einigen Tagen erneut inhaftiert. Der nun 30-jährige Mann, der erst im Lauf der Zeit die Morde gestand, war nun Angeklagter in zahlreichen Prozessen, die sich über einen Zeitraum von 17 Jahren erstreckten.

Die Urteile fielen dabei sehr unterschiedlich aus. 1983 erfolgte in Indiana der Freispruch im Fall des missglückten Attentats auf Vernon Jordan. Da keine eindeutigen Spuren am Tatort sicher gestellt werden konnten, wurde im Zweifelsfall für den Angeklagten entschieden. Im selben Jahr erhielt er in Utah eine lebenslängliche Haftstrafe wegen des Doppelmords an Ted Fields und David Martin. Missouri, und Ohio. Weitere lebenslange Haftstrafen erhielt er in Tennessee, Wisconsin, Die Anklagepunkte umfassten 20 Morde, 6 schwere Körperverletzungen, 16 Banküberfälle, und 2 Bombenattentate. Auch, so gestand Franklin in den Vernehmungen, hätte er geplant, US-Präsident Jimmy Carter wegen dessen liberalen Ansichten zu ermorden. Auch stand der farbige Baptistenprediger Jesse Jackson auf seiner Todesliste.

Erst im Jahr 1997 konnte in Missouri das Heckenschützenattentat vor der Synagoge von Richmond Heights verhandelt werden. Erst in diesem abschließenden Prozess forderte die Jury die Todesstrafe.

Seit diesem Zeitpunkt sitzt Joseph Paul Franklin in der Todeszelle des Potosi Correctional Center in Potosi (Missouri).


Quellen
- (Peter Murakami und Julia Murakami) Lexikon der Serienmörder. 450 Fallstudien einer pathologischen Tötungsart. Ullstein Tb, März 2000, 639 Seiten, ISBN 3-548-35935-3
- Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder. V.F. Sammler, 2002, 447 Seiten, ISBN 3-85365-189-5

       Video  in englischer Sprache

 

 

 

14. Der Fall - Adolfo de Jesus Constanzo 

Adolfo de Jesus Constanzo (* 1. November 1962 in Miami, Florida, USA; † 6. Mai 1989 in Mexiko-Stadt, Mexiko) war ein mexikanischer Serienmörder US-amerikanischer Herkunft.

 

     Adolfos Mutter - Delia Aurora Gonzalez del Valle

 

Adolfo Constanzo wurde als ältestes Kind von Delia Aurora Gonzalez del Valle, einer 15-jährigen Exilkubanerin, in Miami geboren; seinen Vater lernte er nie kennen. Noch als Kleinkind zog er mit seiner Mutter nach San Juan in Puerto Rico, wo er katholisch getauft wurde. Obwohl er als Ministrant der Kirche diente, lebte er im Geheimen den Glauben seiner Mutter, die zu haitanischen Priestern ging, und Voodoo-Riten befolgte. Mit neun Jahren wurde er von seiner Mutter im Glauben der Santería-Religion erzogen, und kam im selben Jahr bei einem Ausflug nach Haiti erstmals mit einem Voodoo-Priester in Kontakt.

Seine Mutter, die in San Juan Constanzos Stiefvater heiratete, wurde bereits nach einem Jahr Witwe, so dass sie mit Adolfo 1972 zurück nach Miami zog. Obwohl sie durch ihren verstorbenen Mann finanziell gut abgesichert war, wurde sie zur Kleinkriminellen, die nicht weniger als 30-mal wegen verschiedener Delikte inhaftiert worden war. Doch da sie ihre Taten stets mit ihrem Glauben entschuldigte, der es ihr befahl, zu stehlen, kam sie oft auf Bewährung wieder auf freiem Fuß.

Ihr Glaube, den auch Adolfo im Lauf der Zeit verinnerlichte, nahm immer gefährlichere Züge an. Im Lauf der Zeit zog sie mit ihm von Mietshaus zu Mietshaus, und ließ stets ihre letzte Bleibe in einem furchtbaren Zustand hinter sich. Stets war das Wohnobjekt unaufgeräumt, die Wände mit Blut beschmiert, und die Räume mit Körperteilen von geopferten Tieren gefüllt. Unter den Nachbarn munkelte man bereits, Delia Gonzalez del Valle wäre eine Hexe, und dass man ihren Zorn befürchten müsse, wenn man sich ihr in den Weg stellen würde. Legenden entstanden, dass man in so einem Fall den abgetrennten Kopf einer Ziege vor der Haustür vorfinden könnte.     

 

Der junge Adolfo Constanzo

Adolfo Constanzos Jugend war darum alles andere als stabil. Im Lauf der Zeit begann auch er, dem Okkultismus zu dienen, und entwickelte die Fähigkeit, die Zukunft vorauszusehen. So soll er, wenn man den Angaben seiner Mutter Glauben schenken will, das Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan, im Jahr 1981, vorausgesehen haben. Wie seine Mutter, kam auch er mit dem Gesetz in Konflikt, als er zweimal wegen Ladendiebstahls verhaftet wurde. Den Schulabschluss erlangte er mit knapper Not; selbst das Junior College brach er nach nur einem Semester ab.
1983 schloss er seine religiöse Ausbildung bei seinem Lehrer ab, einem Meister des palo mayombe, eines Kults, dessen Anhänger Satan als Gottheit anbeten. Um diese Verbundenheit zu unterstreichen, ritzte sich Constanzo folgende zwei Sätze ins Fleisch: Meine Seele ist tot! Ich habe keinen Gott!
Im selben Jahr zog der gut aussehende Constanzo nach Mexiko-Stadt, wo er eine Anstellung als Model gefunden hatte. Durch sein Talent, mit Hilfe von Tarot-Karten die Zukunft vorauszusehen, sorgte er in Fachkreisen schon bald für Aufsehen. Ähnlich wie andere mystische Führer der Geschichte begann auch Constanzo, Jünger um sich zu scharen; da er inzwischen zu seiner Bisexualität stand, ausschließlich junge Männer. Zu den drei bekanntesten Anhängern seines Kults zählten Martín Quintana Rodriguez, Jorge Montes und Omar Orea Ochoa, von denen Constanzo Rodriguez als „Mann“ und Ochoa als „Frau“ für sexuelle Dienste in Anspruch nahm.

               

                   Omar Orea Ochoa                                                                     Martin Quintana Rodriguez                                                                                                                                                 

Mit diesen drei ersten Jüngern etablierte er rasch in Mexiko-Stadt und Umgebung einen Ruf als Magier und Künstler, der in die Zukunft sehen und limpias – rituelle Reinigungen – vornehmen konnte. Diese Dienste waren nicht umsonst, so dass er begann seine bis zu 31 Stammkunden hohe Preise abzufordern. Eine einzige Sitzung, so seine Aufzeichnungen, kostete bis zu 4.500 US-Dollar. Weiters bot er Opferungen von Tieren an. Auch hier führte er exakt Buch, und nannte als Preis für einen Hahn 6 Dollar, für eine Ziege 30 Dollar, oder eine Boa 450 Dollar. Wie größenwahnsinnig er war, beweist auch die Tatsache, dass er sogar ausgewachsene Zebras zum Opfern anbot, und dafür 1.100 Dollar verlangte, und als teuerstes Opfertier Löwenjungen um 3.100 Dollar anbot. Constanzo pflegte auch Kontakt zu reichen Drogenhändlern, die ihm Geld boten, damit er ihnen half, ihre Deals zu planen, und richtig vorherzusehen. Auch legte er Zaubersprüche und Flüche über sie, so dass sie immun gegen Polizeikugeln wären. Constanzos Hauptbuch gibt auch hier eine Größenordnung an, und nennt einen Drogendealer, der in einem Zeitraum von drei Jahren 40.000 Dollar an Constanzo für die Erbringung solch gearteter Dienste bezahlt hatte.

Constanzo hatte bald Anhänger in allen Gesellschaftsschichten. So zählten Ärzte und Immobilienmakler ebenso zum engsten Kreis des Mediums, wie etwa Mannequins und Transvestiten. Selbst vier Mitglieder der Polizei von Mexiko-Stadt verehrten Constanzo als Gottheit, darunter Salvador Garcia, einem Beauftragten des Rauschgiftdezernats, oder Florentino Ventura, Chef der mexikanischen Abteilung von Interpol. Dies kam Constanzo recht, da er so seine Geschäfte mit den Drogenhändlern zum Abschluss bringen konnte, ohne von der Polizei behelligt zu werden. Schmiergeld und Korruption standen in Constanzos Clan an der Tagesordnung.
1986 führte ihn Ventura in die Familie Calzada ein, eines der einflussreichsten Drogenkartelle Mexikos. Binnen weniger Monate wurde Constanzo auch durch seine Aufträge für die Calzadas ein reicher Mann, der etwa für 60.000 Dollar eine Eigenhausanlage erstehen konnte, oder für sich selbst ein 80.000 Dollar teures Auto der Marke Mercedes Benz. Constanzo lernte schnell hinzu, und beging auch ab und zu Betrügereien im großen Stil. Als Beamter des Drogenvollzugs getarnt, betrog er einen Kokain-Händler aus Guadalajara, und verkaufte die „Ware“, die er beiseite schaffen ließ, um 100.000 Dollar.

Das Haus von Constanzo

 

Durch seine Religion, den Glauben an den palo mayombe, war für Constanzo auch der nganga wichtig – der „Kessel des Blutes“. Zunächst nur auf das Schänden von Gräbern spezialisiert, und das Praktizieren okkulter Handlungen mit Menschenknochen, war er an einen Punkt angelangt, an dem er begann, auch Menschen zu opfern. Mitte der 1980er Jahre kamen in Mexiko-Stadt und Umgebung 23 Menschen auf brutale Art und Weise zu Tode. Auch wurden unzählige Menschen verstümmelt, und überlebten schwer verletzt. Gesetzestreue Polizisten gingen jedoch davon aus, dass sich viele Menschen aus Angst nicht der Polizei anvertrauten, und die Dunkelziffer daher noch wesentlich höher liegt.   

Constanzo wollte im April 1987 Mitglied im Calzada-Kartell werden, da er meinte, nur seinen Fähigkeiten wäre dessen Aufschwung zu verdanken. Als diese ihn jedoch abwiesen, fasste er einen folgenschweren Entschluss. Am 30. April 1987 verschwanden Guillermo Calzada Sanchez sowie sechs seiner Familienmitglieder. Die Polizei, die am 1. Mai zum Haus der Familie gerufen wurde, suchte sechs Tage nach ihnen, bis sie die Leichen von sieben Menschen aus dem Zumpango River bergen konnte. Alle wiesen Merkmale von grausamer Folter auf. Allen, ausnahmsweise männlichen Opfern, fehlten die Genitalien und Herzen. Auch fehlten weitere Körperteile, die so stellte sich später heraus, Constanzo in seinem „Kessel des Blutes“ gekocht, und gegessen hatte.

Mit ihr teilte Constanzo das Bett - Sara Maria Aldrete Villareal
 

Im Juli 1987 wurde Constanzo von Polizist Salvador Garcia in eine weitere Drogenfamilie eingeführt, deren Oberhäupter das Brüderpaar Elio und Ovidio Hernandez war. In jenem Monat lernte der 25-jährige Constanzo in Matamoros die 22-jährige Sara Maria Aldrete Villareal kennen, die eine Beziehung mit dem Drogenschmuggler Gilberto Sosa unterhielt, der wiederum für die Familie Hernandez tätig war. Constanzo verliebte sich in die gut aussehende Frau, die am 6. September Geburtstag hatte, am selben Tag wie seine Mutter. Villareal war die einzige Frau, mit der Constanzo nachweislich sein Bett geteilt hatte; auch geriet die junge Frau, die Sportlehrerin an einem College war, dermaßen in den Bann von Constanzos Sekte, dass sie bald als madrina – als Patin – von allen Anhängern respektiert wurde. Auch war Villareal bald nicht nur Zeugin, sondern auch Täterin der Opferrituale. Um diese noch grauenhafter und vor allem in aller Stille zu inszenieren, erwarb Constanzo ein Stück Wüste, 32 Kilometer außerhalb von Matamoros, die Rancha Santa Elena. Hier kamen am 28. Mai 1988 der Drogenhändler Hector de la Fuente und der Landwirt Moises Castillo durch Pistolenschüsse ums Leben. Da diese Exekutionen für Constanzo nicht zufriedenstellend waren, ließ er am 16. Juli 1988 in Mexiko-Stadt den Transvestiten Raul Paz Esquivel zerstückeln, einen ehemaligen Liebhaber seines männlichen Sexualpartners Jorge Montes.

Am 10. August 1988 wurden Ovidio Hernandez und sein zweijähriger Sohn von einem rivalisierenden Drogen-Clan entführt; worauf Constanzo in der darauf folgenden Nacht ein Menschenopfer darbrachte und für die Freilassung betete. Ob es Zufall war, dass die beiden am nächsten Tag wieder freigelassen wurden, oder ob Constanzos Opfer die Entführer gnädig stimmte, wird wohl nie in Erfahrung gebracht werden können.
Wie kaltherzig Constanzo war, lässt sich am Beispiel des Suizids von Florentino Ventura ermessen, eines Sektenmitglieds, das den Ausstieg suchte, und am 17. September 1988 zunächst seine Frau und seinen Freund tötete, und anschließend sich umbrachte. Adolfo Constanzo nahm diesen Vorfall kaum wahr.
Die Jagd nach Menschenopfer wurde immer unerbittlicher. Im November 1988 ermordete Constanzo seinen Jünger Jorge Valente de Fierro Gomez, da dieser Kokain konsumiert hatte; obwohl Constanzo mit Drogendealern zu tun hatte, untersagte er paradoxerweise seinen Anhängern dabei jeglichen Rauschgiftkonsum. Zudem wurden konkurrierende Drogenhändler ebenfalls exekutiert, so am 14. Februar 1989 Ezequiel Rodriguez Luna, und dessen zwei Partner Ruben Vela Garza und Ernesto Rivas Diaz. Sein erstes und nachweislich einziges Kinderopfer forderte Constanzos Kult am 25. Februar 1989, als er den Vetter von Ovidio Hernandez, den 14-jährigen Jose Garcia, ermorden ließ.
Am 13. März 1989 wurde ein bis heute unidentifizierter Mensch auf der Ranch ermordet. Da dieser sich nicht genügend zur Wehr setzte, und Constanzo mit der Exekution nicht zufrieden war, entführten seine Helfershelfer am nächsten Tag, den 14. März 1989, aus einer Bar in Matamoros den 21-jährigen US-amerikanischen Medizinstudenten Mark Kilroy. Zwei Wochen später folgte ihm Gilberto Sosa in den Tod, der Exfreund von Constanzos Freundin Sara Maria Aldrete Villareal.

Der ermordete Medizinstudenten Mark Kilroy


Doch Mark Kilroys Ermordung noch am Tag seiner Entführung markiert den Wendepunkt in der Biografie von Adolfo Constanzo. Denn anders als namenlose Bauern oder Transvestiten, war Kilroy ein junger Mann, der eine Familie und Lobby hinter sich hatte; sein Onkel selbst arbeitete im Wirtschaftsministerium der USA. Die US-Behörden boten 15.000 Dollar für Informationen zum Verschwinden von Mark Kilroy an. Die Suche sowohl auf US-amerikanischer als auch mexikanischer Seite wurde international verfolgt.

 

Festgenommen - das Sektenmitglied Serafin Hernandez Garcia

 

Doch es sollten nicht die Behörden sein, die Constanzo vernichteten, sondern seine eigenen Jünger. Am 1. April 1989 wurde der Polizist Victor Sauceda von Constanzo auf der Ranch ermordet. Mit seinem Tod wollte man Satan gnädig stimmen, da die Drogenhändler planten, eine Woche später eine halbe Tonne Marihuana über die Grenze in die USA einzuführen. Neun Tage später, am 9. April, fuhren die Sektenmitglieder Serafin Hernandez Garcia und David Martinez mit ihrem Auto bei Brownsville im US-Bundesstaat Texas einer Polizeistreife davon, da sie davon ausgingen, Constanzos Zaubersprüche hätten sie unsichtbar gemacht.

   

  

Constanzos Hütte - hier konnte Constanzo seinen Kult ausleben

 

Doch die Polizei nahm die beiden Männer fest, und entlockte den beiden erste Geständnisse. Mit ihnen fuhren die Polizisten auf die Ranch, wo ihnen zwei weitere Anhänger des Kults, Sergio Martinez und Elio Hernandez, in die Arme liefen. Die Männer gaben nach langen Verhören Geständnisse ab, und offenbarten den Ermittlern das ganze Ausmaß der Mordserie.

             

          Objekte vor ......                                ...die Waffen                                          ....und in der Kultstätte

Die Ranch wurde bis zum 16. April 1989 systematisch durchsucht. Auf einem extra von Constanzo angelegten Friedhof barg man die verstümmelten Leichen von 15 Menschen, darunter auch die von Mark Kilroy, dessen Schädel gespalten war, und dem das Gehirn entnommen worden war. Selbst zwei Polizisten, Joaquin Manzo und Miguel Garcia, waren unter den Toten. Drei Menschen konnten bis heute nicht identifiziert werden.

    

      Die Polizei durchsucht die Ranch systematisch nach Opfern

Adolfo Constanzo wurde nun mit internationalem Haftbefehl gesucht. Die Polizei führte am 17. April 1989 eine Razzia in seiner Wohnung bei Antizapan durch, konnte außer einer Kammer, die für rituelle Opfer diente, jedoch nichts entdecken. Von überall her meldeten sich Anrufer, die meinten, Constanzo gesehen zu haben, selbst in Chicago (Illinois).
Constanzo allerdings hatte sich mit seiner Freundin Sara und drei Jüngern in einem kleinen Appartement nach Mexiko-Stadt zurück gezogen. Sara, die um ihr Leben fürchtete, und der nun klar wurde, dass sie einen Serienmörder geliebt hatte, schrieb einen Zettel mit folgendem Wortlaut, den sie am 2. Mai 1989 aus dem Fenster warf:
Bitte rufen Sie die Justizbehörde und erzählen Sie denen, dass in diesem Gebäude jene sind, die Sie suchen. Sagen Sie ihnen, dass eine Frau als Geisel gehalten wird. Ich bitte darum, weil ich vor allem sprechen will – oder sie werden das Mädchen umbringen.
Ein Passant, der die Notiz zwar fand, ignorierte sie, da er meinte, es wäre ein schlechter Scherz.
Vier Tage später, es war der 6. Mai 1989, wurden die Polizisten zu einem Appartementhaus gerufen, da sich Anrainer über den lauten Streit aus der Nachbarwohnung beschwert hatten. Nichts ahnend, dass es Adolfo Constanzos Wohnung war, fuhren die Beamten zum Einsatzort. Constanzo, der die Polizisten vom Fenster aus sah, griff zu seiner Uzi, und eröffnete das Feuer. Es grenzt an ein Wunder, dass in dem 45-minütigen Feuergefecht, in dem zuletzt 180 Polizisten involviert waren, nur ein Beamter leicht verletzt wurde.
Als Adolfo Constanzo registrierte, dass es für ihn kein Entkommen mehr gab, drückte er seine Waffe Alvaro de Leon Valdez in die Hand, einem Profikiller und fanatischen Sektenmitglied, und gab ihm den Befehl, ihn und Martín Quintana Rodriguez zu töten. Obwohl Valdez sich anfänglich weigerte, führte er den Befehl schließlich aus.

Adolfo de Jesus Constanzo und Martín Quintana Rodriguez


Als die Polizisten schließlich die Wohnung stürmten, lagen Adolfo de Jesus Constanzo und Martín Quintana Rodriguez tot in ihrem Blut; Valdez, Omar Orea Ochoa und Sara wurden verhaftet.

 

Die festgenommenen Sektenmitglieder

 
Im August 1990 wurde Alvaro de Leon Valdez wegen des Mordes an Constanzo und Rodriguez zu einer Freiheitsstrafe von 35 Jahren verurteilt. Juan Fragosa und Jorge Montes erhielten ebenfalls Freiheitsstrafen zu je 35 Jahren wegen dem Mord am Transvestiten Raul Paz Esquivel. 
Omar Orea Ochoa wurde ebenfalls im selben Mordfall angeklagt, starb jedoch an AIDS, noch bevor ein Urteil über ihn verhängt werden konnte. 
Sara Maria Aldrete Villareal, die bis zuletzt beteuerte, nichts von den Morden auf der Ranch gewusst zu haben, erhielt 1994 eine Freiheitsstrafe von 62 Jahren. Weitere Sektenmitglieder, darunter Elio Hernandez, erhielten ebenfalls Freiheitsstrafen von bis zu 67 Jahren.


Quellen: - Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton) Ausgabe 2002 - S. 69 - ISBN 3-85365-189-5

 
 
 
 
 
 
 
15. Der Fall - Nikolai Dschumagalijew
 
          
Dschumagalijew (geb. 1952) gilt als einer der gefürchtetsten Serienkiller und größte Kannibale, den die ehemalige Sowjetunion je hervorbrachte. Der aus Kirgisien stammende Mann wurde schon 1980 erstmals mehrerer Taten überführt. Als er im Haus seiner Eltern (bei Almaty in Kasachstan) von Bekannten dabei überrascht wurde, wie er die Leiche einer jungen Frau ausbluten ließ, meldeten sie es der Miliz.
Der damals 28-jährige Dschumagalijew, der besonders durch seine Zahnprothese aus Weißmetall auffiel, hatte die Frau zuvor vergewaltigt, mit einem Jagdmesser getötet und ihr anschließend Kopf und Hände abgetrennt. Das Blut der Frau, welches er in einer Schüssel auffing, trank er .

Nach ersten Ermittlungen fand die Miliz heraus, dass Dschumagalijew auch noch für eine Reihe weiterer Morde verantwortlich war. So führte er die Ermittler zu den Überresten von sieben weiteren ermordeten Frauen. Dschumagalijew wurde noch im gleichem Jahr in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Der Todesstrafe entging er, nachdem die Gutachter ihm vor Gericht eine Geistesstörung (Schizophrenie) attestiert hatten. Noch in Haft versuchte der körperlich sehr kräftige und gebildete Dschumagalijew sich mehrmals das Leben zu nehmen.
1989 sollte Dschumagalijew in eine andere Einrichtung für geistesgestörte Straftäter verlegt werden. Dabei konnte er aber fliehen und tauchte für die erste Zeit in der Millionenmetropole Moskau unter. Die russischen Behörden gaben zu dieser Zeit nie öffentlich zu, dass Dschumagalijew auf der Flucht sei, verfolgten ihn aber länderübergreifend weiter. Auch kehrte er wieder in seine Heimat nach Kasachstan zurück, wo er wie zuvor in Moskau, zahlreiche alleinstehende Frauen vergewaltigte und brutal ermordete.
 
 
Ein Opfer Dschumagalijews, welches er vergewaltigte, brutal niederstach und ausbluten ließ.
 
Er trug ständig in seinem Rucksack ein Beil und verschiedene Messer mit sich herum und drehte das Fleisch seiner Opfer zu Hause durch einen Fleischwolf, um eine Art Maultaschen davon herzustellen. Häufig lud er auch Freunde und Bekannte zum Essen ein und bot seinen ahnungslosen Gästen seine Mahlzeiten an.
 
Die damals in dem Fall ermittelnden Behörden gehen davon aus, dass Dschumagalijew in diesem Zeitraum mindestens 2 Frauen pro Woche tötete.
1991 wurde Dschumagalijew in Fergana, Usbekistan schließlich erneut gefasst und in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen. In den Wirren der Perestroika gelang es aber seiner Schwester den behandelnden Arzt zu bestechen und er wurde nach nur 3 Jahren wieder in die Obhut seiner Familie entlassen.
 
 Dschumagalijew wurde noch im gleichem Jahr in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
 
 
Zurück in seinem Heimatdorf Usunagatsch, hatten nun alle Angst vor dem geistesgestörten Serienmörder, was darin gipfelte, dass sogar Sowchose-Bäuerinnen, die früh außer Haus mussten, um Polizeischutz baten. Selbst Dschumagalijews Mutter bekam langsam Bedenken und schloss ihren Sohn oft tagelang im Haus ein. Die Bewohner bespuckten und beschimpften Dschumagalijew und er flüchtete schließlich in die Berge und hauste in primitivsten Unterschlupfen und Höhlen. Nach eigenen Angaben ernährte er sich in dieser Zeit ausschließlich von Beeren.
Das bestochene Gutachten des Arztes war inzwischen aufgeflogen und die Jagd der Behörden auf ihn ging weiter.
Im Frühjahr 1995 wurde Dschumagalijew durch einen Soldaten inhaftiert, nachdem er stark alkoholisiert versuchte über den Zaum eines Regierungsgebäudes zu klettern. Anhand von Fahndungsplakaten konnte man ihn als "Kolja der Menschenfresser" oder auch Metallgiftzahn, wie die Medien ihn nannten, identifizieren und endgültig inhaftieren.
Als Erklärung für seine Morde gab Dzhurmongalijew an, dass sein tiefer Hass auf Frauen, die er das "weibliche Geschwür der Gesellschaft" nannte, ihn zu den Taten getrieben hätte. Es wird vermutet das er bis zu 100 Morde in seinem Leben verübte.
 
Die Chance, daß er erneut entkommen und weitermorden kann, ist außerordentlich gering. Nikolai Dzhurmongalijew wurde laut einigen Quellen hingerichtet, bestätigt wurde dies jedoch nie.
Es ist aber davon auszugehen, dass Dzhurmongalijew bereits kurze Zeit später erschossen wurde.

Quellen: - Serienmörder (Text Avermeyer) - und Lexikon der Serienmörder (von Peter und Julia Murakami) 2.Auflage 2000 - S.531 - ISBN 3-548-35935-3
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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