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  1961-1980          (1. Teil)   


Der Fall - Pedro Pereira Da Silva


Anfang März 1972 verurteilte ein brasilianisches Gericht den 107 Jahre alten Da Silva zu 6 Jahren Gefängnis, weil er seinen Schwiegersohn durch gedungene Mörder aus dem Wege räumen ließ. Der wohl älteste Häftling der Welt machte 1971 Schlagzeilen, als er im Gefängnis seine Verlobung mit der 24jährigen Strafgefangenen Maria Rosa Moura, die ihren Mann umgebracht hatte, bekannt gab.


Beide wollten heiraten, sobald Da Silva seine Haft abgesessen haben wird. Dann wird er 113 Jahre alt sein. In Brasilien kann so ein hohes Alter durchaus als strafmildernd angerechnet werden, aber da der Greis noch physisch und geistig sehr auf dem Damm ist, sah die Staatsanwaltschaft von einer Strafmilderung ab.

Quelle:
- Das große Verbrecher-Lexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - Seite 86 - ISBN 3-88199-146-8


Der Fall - Führerscheinbetrug


Anfang Mai 1972 fand in Neapel ein Massenprozess gegen 274 Angeklagte ein Ende, von denen 221 zu Gefängnisstrafen zwischen acht Monaten und fünf Jahren verurteilt wurden. Insgesamt sprach das Gericht Strafen über 300 Jahren Haft aus.


In dem Massenprozess hatten sich vor allem Beamte und Angestellte der neapolitanischen Verkehrsbehörde, Amtsärzte und Fahrlehrer zu verantworten. Sie hatten Hunderte von Führerscheinen, meist gegen hohe Bezahlung, unrechtmäßig an zum Teil Schwerkörperbehinderte verkauft.


Die Geschichte flog auf, als bei einem schweren Autounfall vier Menschen ums Leben kamen. Die Polizei überprüfte die Papiere des Unfallfahrers und stellte fest, dass der 60jährige Mann neben anderen Gebrechen ein Glasauge hatte, auf dem anderen Auge war er stark kurzsichtig und vom Autofahren hatte er auch nicht viel Ahnung. Er gab an, wer ihm seinen Führerschein ausgestellt hatte, die Polizei ging den Hinweisen nach und deckte schließlich den Riesenskandal auf.


Quellen:

- Das große Verbrecher-Lexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - Seite 211 – ISBN 3-88199-146-8


Der Fall - Graham Young 


     Der "Hobbymörder" und seine Verhaftung


Einer der sensationellsten Giftmordfälle dieses Jahrhunderts fand in England im Juni 1972 seinen Abschluss. Die Geschichte des „Hobbymörders“ Young begann schon in seiner frühen Jugend. Psychiatrische Sachverständige bescheinigten dem 14jährigen eine hart an der Geniegrenze liegende Intelligenz bei gleichzeitiger unterentwickelter moralischer Reife. Der Junge interessierte sich für Giftstoffe und deren Wirkung. Die Menschen seiner Umgebung waren für ihn nichts mehr als nur Versuchskaninchen.


Er besaß ein Privatlabor, in dem er mit toxischen Stoffen experimentierte. Besonders das für Morde und Selbstmorde wenig bekannte Gift Thallium hatte es ihm angetan.


Im Juni 1962 stand der damals 14jährige erstmals vor einem Londoner Schwurgericht, weil er dieses Gift seinem Vater, seiner Schwester und einem Schulfreund verabreicht hatte. Die „Versuchskaninchen“ überlebten zwar, doch bekam Young eine Gefängnisstrafe von „mindestens 15 Jahren“. Der Richter schickte ihn in die besonders für geistig gestörte Verbrecher bestimmte Anstalt Broadmoor.


In diesem Gefängnis war er seit 1885 der jüngste Häftling. Er „arbeitete“ auf seinem Sachgebiet weiter, legte sich einen Pflanzengarten an und extrahierte Gifte aus Nachtschattengewächsen. Bald erkrankten in Broadmoor mehrere Personen an einer seltsamen Krankheit, deren Ursache nicht bekannt war. Allerdings konnte Graham Young nicht als Urheber dieser Erkrankung ausfindig gemacht werden.


Von ihm stammte der Ausspruch: „Gift gibt mir Macht.“ Häftlingen gegenüber soll er gesagt haben, dass er einmal als Massenmörder in die Geschichte eingehen werde. Neben toxikologischen Büchern las er Biografien von Hitler und dem englischen Frauenmörder Christie.


Nach neun Jahren wurde er 1971 aus Broadmoor entlassen. Schon bald fand er Anstellung als Lagerarbeiter in einer Firma für Fotoausrüstung. Alsbald kam es wieder zu einer Reihe unerklärlicher Erkrankungen unter Youngs Kollegen. Er mischte ihnen besagtes Thallium in den Frühstückstee, wie aus seinen wissenschaftlich detaillierten Tagebuchaufzeichnungen hervorging. Zwei seiner Kollegen starben später an den Vergiftungen. Graham Young wurde abermals festgenommen.


Das Schwurgericht von St. Albans bei London verurteilte den 24jährigen Young am 29. Juni 1972 wegen des Giftmordes an den beiden Arbeitskollegen zu viermal lebenslangem Zuchthaus und zweimal fünf Jahren Zuchthaus für zwei weitere nachgewiesene Morde und zwei nachgewiesene Mordversuche.


Vor Gericht hatte er eiskalt, ohne das mindeste Zeichen von Reue, ausgesagt, er habe die Absicht gehabt, einmal der größte Massenmörder der Kriminalgeschichte zu werden. Sein Bestreben war, „ein perfektes Gift zu finden, das langsam tötet und das die Ärzte nicht im Körper nachweisen können“. Über seine Giftversuche hatte er genau Tagebuch geführt. Seine größte Sorge während des Prozesses war, in das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud aufgenommen und neben den berühmtesten Mördern Englands, Dr. Crippen und Dr. William Palmer, aufgestellt zu werden.


Zu den nachgewiesenen Morden gehörte auch der an seiner Stiefmutter Molly Young, die am 24. April 1962 an dem Gift gestorben war, das ihr Graham Tage zuvor ins Eis gemischt hatte. Um ihn jedoch vor einer Strafverfolgung zu schützen, hatte sie keine Anzeige erstattet (sie wusste genau, dass ihr Stiefsohn auch ihr Mörder war) und ließ sich Feuer bestatten, um dadurch alle Spuren des Giftes in ihrem Körper zu beseitigen.


Quellen:

- Das große Verbrecher-Lexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - Seite 110 – ISBN 3-88199-146-8



Der Fall – Alfred Baumeister


Die Geschichte begann am Vormittag des 4. Oktober 1967 mit einem Anruf in der Redaktion der Bildzeitung in Esslingen. Er habe am Tag zuvor seine Freundin umgebracht, berichtete dort ein Unbekannter am Telefon. Wie Häusler in seinem Buch "Mörder unter sich" schreibt, brachten Nachfragen der Zeitung bei der Kripo in Ingolstadt zunächst keinen Erfolg. Als der anonyme Anrufer nach weiteren Telefonaten schließlich seine Identität preisgab, wussten die Beamten in Ingolstadt, dass sie es mit keinem Unbekannten zu tun hatten. Alfred Baumeister hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einige Einträge in seiner Akte.


Innerhalb kurzer Zeit überschlugen sich dann die Ereignisse. Zwei Redakteure aus Esslingen waren nämlich schon mit dem später verurteilten Mörder im Auto unterwegs nach Ingolstadt. Die Polizei postierte sich auf der B 300 bei Langenbruck, ein Fahrzeug hielt an, und Alfred Baumeister lief Häusler freiwillig in die Arme. "Und dann hat er gesagt: Jetzt kann mir nichts mehr passieren", erinnert sich Häusler noch heute an diese Szene.


 


Der Äthermörder Alfred Baumeister (links) bei seiner Vernehmung durch den Kripobeamten Karl Häusler.

Die Ermittlungen leitete der mittlerweile pensionierte Kriminaldirektor Karl Häusler. "Neben dem Mordfall Lang und dem Zinkwannenmord hat das in Ingolstadt am meisten für Aufsehen gesorgt", erinnert sich der heute 78-Jährige.


Auf der Weiterfahrt zeigte Baumeister den Beamten ein Waldstück bei Manching, wo die Leiche seiner Freundin liegen sollte. Und tatsächlich: Die Polizei fand nach kurzer Suche die Leiche einer knapp 17-jährigen jungen Frau, in halb hockender Stellung an einen Baum gebunden und mit einem Pullover stranguliert. Daneben lag die Handtasche der Frau, in der sich zwei Flaschen mit Äther befanden.


Häusler schaffte es, den Täter zum Reden zu bringen. "Ich bin auf ihn eingegangen", beschreibt der frühere Kriminalbeamte seine Strategie. Nach dem Geständnis des heute 60-jährigen Alfred B. gelang es der Polizei, die Vorgeschichte und den Tathergang zu rekonstruieren: Der Äthermörder hatte seine Freundin Maria Davidenko drei Jahre zuvor kennen gelernt. Schon bald darauf wurden die beiden intim und entdeckten den Äther als Stimulans. Angeblich soll Maria D. das Rauschmittel verlangt haben. Maria hatte die Vorliebe, sich selbst oder von ihrem Freund mit einem mit Äther getränkten Taschentuch, das sie sich unter die Nase hielt, betäuben zu lassen. Diesen „Glückszustand“ empfand sie besonders angenehm, wohl auch zur Intensivierung ihrer sexuellen Gefühle.


Am Tattag, dem 3. Oktober 1967, traf Baumeister seine Freundin schon um 7 Uhr 30 morgens und überredete sie die Schule zu schwänzen und stattdessen in die Wohnung seiner Eltern zu gehen, die beide berufstätig waren. Dort kam es mehrmals zum Geschlechtsverkehr. Zum Mittagessen gingen sie aus, kehrten dann nochmals in die Wohnung zurück, und gegen 14 Uhr fuhr das Paar, Maria D. hatte bereits Äther bei sich, mit einem Bus nach Manching, wo Alfred B. in einer Apotheke eine zweite Flasche kaufte. Beide schlenderten dann in einen Kiefernwald, wo sie ihre sexuellen Zärtlichkeiten fortsetzten. Maria D. bat ihren Freund, ihr Taschentuch mit Äther zu beträufeln und es ihr unter die Nase zu halten. Doch das Rauschmittel zeigte keine Wirkung. Alfred Baumeister goss daher den Inhalt der zweiten Flasche auf ein Taschentuch, bis seine Freundin angeblich völlig betäubt gewesen sei. Er selbst wollte nichts nehmen, doch habe er auch, zwar widerwillig, ebenfalls Äther eingeatmet, was bei ihm zu einem "komischen Gefühl" geführt habe, so seine Aussage. Außerdem habe er einen unerklärlichen inneren Drang zum Töten verspürt. Schließlich nahm Alfred B. den Pullover seiner Freundin, den er ihr zuvor ausgezogen hatte, legte ihn ihr um den Hals und zog zu. Danach spürte er ein ausgesprochenes Hochgefühl und verließ ohne sich um seine Freundin zu kümmern – fröhlich, lustig und vor sich hin singend den Tatort. Zu Hause erzählte er, er habe Maria umgebracht. Angeblich aus Angst vor der Polizei beschloss er, sich an die Redaktion einer Zeitung zu wenden und dort alles zu berichten. Die Redakteure überredeten ihn, mit der Polizei zum Tatort zu gehen, womit er dann auch einverstanden war. Ein im Ätherrausch verübter Mord ist in der Kriminalgeschichte recht selten. Insofern durfte der Fall Baumeister besonderes Interesse hervorrufen.


Nach dieser Tat forschte die Polizei in seiner Geschichte und fand heraus, dass er ein unehelich geborenes Kind war, schon als 13-jähriger sexuelle Beziehungen zu gleichaltrigen Mädchen suchte, mit schlechten Zeugnissen von der Volksschule abging, mehrere Berufe ausübte, auch in einer Erziehungsanstalt war, bis er schließlich als Schaustellergehilfe Arbeit fand.


Mit 17 Jahren wurde er von einem Jugendschöffengericht zu 10 Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt, weil er sich Arbeitskolleginnen immer wieder exhibitionistisch genähert hatte. Dazu kam dann später Brandstiftung, Körperverletzung, Betrug und Diebstahl, was ihm 1966 eine Jugendstrafe von 1 Jahr und 4 Monaten einbrachte. Er galt als psychopathische Persönlichkeit, die von Wahnideen, Tobsuchtsanfällen und übertriebenen Angstzuständen geplagt war.


Nach seiner Haftentlassung lernte er ein 14-jähriges Mädchen kennen, von dem er verlangte, in die Donau zu springen, um aus dem Leben zu scheiden. Da das Mädchen sich wehrte, würgte er es am Hals, bis es bereit war, in die Donau zu gehen. Er rief es aber noch rechtzeitig zurück und wurde abermals angezeigt wegen Verführung, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung mit Nötigung.


Anfang März 1969 stand Alfred Baumeister vor Gericht. Anhand der Ätherkonzentration im Blut des Täters als auch des Opfers schlossen die Gutachter kategorisch aus, dass einer der beiden betäubt oder unzurechnungsfähig gewesen war. Außerdem könne Äther den menschlichen Willen nicht ändern und mache niemanden zum Mörder. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Alfred Baumeister, "triebhafter Psychopath", und seine Freundin aus Mordlust heimtückisch getötet habe.


Baumeister versuchte dem Gericht einzureden, er hätte zunächst nur mit dem Äther spielen wollen, um etwas Besonderes zu haben, was nicht bei allen Liebespärchen zu finden ist. Es wäre für ihn eine Art Exklusiv-Liebe. Alfred Baumeister gab immer wieder an, selbst vom Äther berauscht gewesen und sich seiner Tat überhaupt nicht bewusst gewesen zu sein. Er hätte einen inneren Drang verspürt, nun endlich einmal etwas Unerlaubtes zu tun, und dafür erschien ihm ein Mord das geeignete Mittel.


Das vom Gericht in Auftrag gegebene Gutachten analysiert genaueres. Im Blut von Maria Davidenko wurden 0,1 Promille Äther nachgewiesen. Das war aber viel zu wenig, um auch nur einen leichten Rausch hervorzuheben. Für eine Vollnarkose müssen es mindestens 1,5 Promille Äther sein. Auch Baumeister selbst hatte nicht mehr als 0,2 Promille Äther im Blut, weshalb er zur Tatzeit unmöglich im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit gewesen sein konnte. Demnach musste der „Äthermörder“ seine Freundin Maria zuerst erwürgt und dann mit ihrem Pullover aufgehängt haben. Damit war der Nimbus des „Äthermörders“ zerstört.


Am 4. März 1969 verurteilte ihn schließlich das Landgericht München II zu 11 Jahren Zuchthaus und anschließender Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt.

Alfred Baumeister kam zunächst in eine Strafanstalt, wo er jedoch dermaßen aufsässig wurde, dass man ihn in eine Nervenheilanstalt brachte. 1971 gelang ihm dort die Flucht, doch stellte er sich einen Tag später freiwillig und wurde wiederum in eine psychiatrische Klinik verlegt.


Die Geschichte des Äthermörders, der jahrelang in einer psychiatrischen Anstalt saß, ist damit aber noch nicht zu Ende. Nach einigen kleineren Vergehen stand er Mitte 2004 wiederum vor Gericht. Teilweise erschien er dort in Handschellen und Fußketten, vorgeführt von zehn Polizisten. In einem Aufsehen erregenden Prozess am Landgericht Ingolstadt wurde er für schuldig befunden, seine beiden Töchter mindestens 21 Mal sexuell missbraucht zu haben – das erste Mal, als das ältere Mädchen sechs Jahre alt war. Die Praktiken, die er anwandte, waren der Anklage zufolge an Abartigkeit nicht zu überbieten. Die Mädchen sollen mitunter vor Schmerzen geschrieen oder sich vor Ekel übergeben haben.


Der Äthermörder wurde diesmal zu siebeneinhalb Jahren Haft und Unterbringung in einer besonders gesicherten psychiatrischen Anstalt des Straubinger Gefängnisses verurteilt. Vermutlich wird er dort den Rest seiner Tage verbringen.


Quellen:
- Donaukurier vom 02.10.2007 und "Das große Verbrecherlexikon" (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 – S.84 – ISBN 3-88199-146-8



Der Fall – Elizabeth Duncan


Als vierte Frau in der Geschichte Kaliforniens wurde Elizabeth Duncan in der Gaskammer von San Quentin am 8. August 1962 hingerichtet. Sie war des Mordes angeklagt. Durch zwei gedungene Mexikaner, Louis Moyas und Augustino Baldonado, die am gleichen Tag in der Gaskammer hingerichtet wurden, hatte sie ihre Schwiegertochter Olga, die im siebten Monat schwanger war, umbringen lassen.


Übertriebene Liebe zu ihrem Sohn, dem jungen und angesehenen Rechtsanwalt Frank, ließ nie ein gütiges Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter, der Krankenschwester Olga Kupczyk, aufkommen. Sie hatte die Ehe intrigiert, Olga in der Nachbarschaft schlecht gemacht und schließlich ihren Sohn vor die Entscheidung gestellt: Olga oder ich. Sollte sich der Sohn für seine Frau entscheiden, so würde sie mit Tabletten aus dem Leben gehen. Frank liebte aber seine Frau, die er als Pflegerin seiner Mutter nach deren früherem Selbstmordversuch im Krankenhaus kennen gelernt hatte.


Nach mehreren vergeblichen Versuchen, Personen für den Mord an Olga zu kaufen, kam sie an die beiden vorbestraften Mexikaner. Sie fuhren in der Nacht vom 17. zum 18. November 1958 vor dem Haus von Frank Duncan in Santa Barbara, Kalifornien, vor, läuteten die Frau spät am Abend heraus und lotsten sie zu dem wartenden Wagen unter dem Vorwand, ihr Mann Frank sei betrunken und könne nicht mehr allein ins Haus laufen. Als sich Olga in den Wagen beugte, stießen sie sie hinein und fuhren mit ihr davon. Da der Revolver Ladehemmung hatte, wurde Olga mehrmals die Waffe auf den Hinterkopf geschlagen, bis sie bewusstlos war. Als sie wieder zu sich kam und um Hilfe schrie, wurde sie erwürgt.


Um die 175 Dollar Mordlohn bezahlen zu können, versetzte Elizabeth Duncan ihren Schmuck und unterschlug einen Scheck, den ihr Frank zur Begleichung einer Rechnung gegeben hatte. Bis zum Schluss glaubte sie, die auch einmal ein Bordell geführt hatte, um an Geld zu kommen, an ihre Begnadigung und an den Einfluss ihres Sohnes.


Durch die Geständnisse der zwei Mexikaner konnte sie einwandfrei des Mordes ersten Grades überführt werden, trotz ihrer ständigen Beteuerungen, von den zwei Mexikanern erpresst worden zu sein.


Die drei Angeklagten wurden in der gleichen Gaskammer hingerichtet, in der auch zwei Jahre vorher Caryl Chessmann am 2. Mai 1960 starb.


Quellen
- Das grosse Verbrecherlexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 - S.87 – ISBN 3-88199-146-8



Der Fall – Victor Harry Feguer


In der Nacht des 11.Juni 1960 entführte Victor Feguer den Mediziner Dr. Edward Bartels, nachdem dieser es abgelehnt hatte, ihm Drogen zu verschreiben. Die Adresse des Arztes hatte der Täter wahllos aus einem Telefonbuch entnommen. Mit dem 34jährigen Bartels im Wagen fuhr er nach Illinois, wo er sein Opfer mit einem gezielten Kopfschuss ermordete. Anschließend fuhr er mit dem gestohlenen Wagen weiter bis nach Montgomery in Alabama, wo er versuchte, den Wagen zu verkaufen. Durch eine Großfahndung nach dem gestohlenen Fahrzeug konnte er dort verhaftet werden.




Feguer wurde in den Todestrakt des Iowa State Penitentiary nach Fort Madison verlegt

Nachdem man Victor Feguer vor einem Bundesgericht zum Tode durch den Strang verurteilt hatte, wurde er am 5. März 1963 in den Todestrakt des Iowa State Penitentiary nach Fort Madison verlegt. Kurz vor der Hinrichtung telefonierte Iowas Gouverneur Harold Hughes noch mit dem damaligen Präsidenten J. F. Kennedy und fragte, ob das Todesurteil gegen Victor Feuer aufrechterhalten werden solle. Der Präsident lehnte es ab, Victor Feguer zu begnadigen. Zehn Tage nach seiner Ankunft im Todestrakt wurde er am frühen Morgen des 15. März 1963 um 5.30 Uhr gehängt.

     Feguers Totenschein

Der Tod wurde nach 9 Minuten und 45 Sekunden festgestellt. Nach der Hinrichtung schickte Iowas Prison Office eine Rechnung über 200 Dollar an das Federal Government, die Kosten für das Seil der Exekution wurden mit 28,75 Dollar berechnet.

Quellen
- Executed – 100 jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 – S.261 – ISBN 3-935678-03-7



Der Fall – Russell Johnson


Der Kanadier Russell Johnson ermordete zwischen Herbst 1973 und Sommer 1977 vier, möglicherweise sogar sieben Frauen.


Am 31. Dezember 1974 wurde Diane Beitz mit ihrer Unterwäsche erdrosselt in ihrem Apartment in Guelph in der kanadischen Provinz Ontario aufgefunden. Die Leiche war sexuell missbraucht worden. Knapp zwei Jahre später, im April 1977, fand man Louella Jeanne George ebenfalls stranguliert in ihrer Wohnung in London/Ontario. Ihr Mörder hatte versucht einen Raubmord vorzutäuschen, denn der aus ihrer Wohnung verschwundene Schmuck wurde ein paar Blocks weiter in einer Mülltonne gefunden. Kurz darauf wurde die 22-jährige Donna Veldboom das Opfer eines Sexualmordes. Zwar war die junge Frau im Gegensatz zu den vorhergehenden Mordopfern erstochen worden, doch die näheren Umstände des Verbrechens wiesen darauf hin, dass es sich um den gleichen Mann handeln musste, der schon die beiden anderen Frauen ermordet hatte.


Die Polizei von Ontario stieß rasch auf Russell Johnson, der bereits mehrfach wegen verschiedener Sexualverbrechen in psychiatrischen Kliniken behandelt worden war. Johnson hatte sowohl in dem Haus, in dem Donna Veldboom lebte, als auch in dem von Louella George für einige Zeit als Mieter gewohnt.


Bei seinem Prozess im Februar 1978 wurde Russell Johnson wegen der drei Sexualmorde angeklagt, jedoch als unzurechnungsfähig in den Sicherheitsbereich des Ontario Mental Health Center eingewiesen.


Neben den drei Morden an Beitz, George und Veldboom ist Johnson auch für vier weitere Morde verantwortlich, die sich zwischen Oktober 1973 und August 1974 in Guelph und London ereignet hatten und von den Leichenbeschauern nicht als Morde erkannt worden waren.


Quellen
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 200 – S.359 – ISBN 3-548-35935-3



Der Fall – Armin Krieger und Rainer Proest


Der größte Goldschmuggelprozess seit Bestehen der Bundesrepublik fand am 8. Dezember 1972 vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Darmstadt sein Ende. Angeklagt waren sieben Personen wegen gewerbsmäßigen Schmuggels, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung. Von Januar 1970 bis März 1971 hatte der Schmuggelring ca. 6476 kg Barrengold im Wert von 28,6 Millionen Mark aus der Schweiz per Flugzeug in die Bundesrepublik geschleust und dabei den Staat um nahezu 2,9 Millionen Mark Einfuhrumsatzsteuer gebracht.



Gold zum Weiterverkauf an die Firma Degussa (natürlich ohne Steuerabgabe versteht sich)


Das illegal eingeführte Gold wurde der Firma Degussa („Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt“) in Frankfurt angeboten und von ihr auch aufgekauft. Die Firma zahlte neben dem Goldpreis auch die elfprozentige Steuerabgabe, die die Schmuggler nur scheinbar vorausbezahlt hatten. In Wahrheit hatten sie die Steuer gar nicht bezahlt, sondern durch einen Trick das Gold unverzollt in die BRD eingeführt. Das Gold wurde in der Schweiz legal gekauft und mit Linien- oder Sportmaschinen über die Grenze gebracht. In Frankfurt deponierten die Schmuggler das Barrengold in Schließfächern und passierten mit leeren Händen den Zoll. Ein dem Schmugglerring angeschlossener Gepäckträger konnte dann das Gold unbeanstandet am Zoll vorbeischmuggeln, da Gepäckträger nicht kontrolliert werden.


Um die Geschichte vollends glaubhaft zu machen, hatten sich die beiden Haupangeklagten, Armin Krieger und Rainer Proest, einen Zollhauptsekretär „gekauft“, der ihnen Blankozollformulare samt Dienststempel überließ. Es bestand somit keine Schwierigkeit, den Degussa Goldkäufern die amtlich gültigen, gefälschten Papier mitzuliefern.


....war der Leitspruch des Schmuggelringes


Das Unternehmen flog auf, als eines der mit Gold beladenen Sportflugzeuge auf dem Weg von der Schweiz nach Frankfurt in Bad Nauheim zwischenlandete. Die Schmuggler legten beim Umladen des Goldes aus der Maschine in ein Auto eine solch verdächtige Eile an den Tag, dass ein Flugplatzangestellter misstrauisch wurde und sich die Nummern der Maschine und des Wagens notierte.


Armin Krieger, zuständig für die Herbeischaffung des Goldes aus der Schweiz, erhielt 4 Jahre Gefängnis und 160.000 Mark Geldstrafe; Rainer Proest, der den Weiterverkauf besorgte, bekam 4 Jahre und 3 Monate Gefängnis und ebenfalls 160.000 Mark Geldstrafe; Speditionskaufmann Lothar Fuchs, ein Angestellter des Frankfurter Flughafens, der die Blankoschecks besorgte, erhielt 3 Jahre Gefängnis und 25.000 Mark Geldstrafe; Zollhauptsekretär Walter Körper, der Beschaffer des Dienststempels, bekam 7 Monate und 1.000 Mark Geldbuße, Gepäckträger Otto Klee 2 Jahre und 3 Monate Gefängnis sowie 20.000 Mark Geldstrafe; schließlich Bernd Cimadom, Privatpilot und Flugleiter Gerold Fischer erhielten 10 bzw. 9 Monate Gefängnis und je 3.000 Mark Geldstrafe.


Sämtliche Freiheitsstrafen wurden in Bewährungsstrafen umgewandelt.


Quellen
- Das große Verbrecherlexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 – S.212 – ISBN 3-88199-146-8



Der Fall – W.M.Posdejew und N.S.Giljow


Die beiden sowjetischen Studenten Posdejew und Gijlow hatten 1970 ein Reiseflugzeug in die Türkei entführt. Sie hatten mit einer Schusswaffe den Piloten des Flugzeugs, das auf einem Inlandflug auf die Krim unterwegs war, gezwungen, in die Türkei zu fliegen. Nach der Landung in der türkischen Stadt Sinop kündigten sie an, in die USA auswandern zu wollen. Als sie aber keine Visa bekamen, entschlossen sie sich, in die Sowjetunion zurückzukehren.


Dies wurde ihnen nun vor Gericht als strafmildern angerechnet. Nach sowjetischer Rechtssprechung hätten die Luftpiraten zum Tode verurteilt werden können. So erhielt Posdejew dreizehn Jahre und Giljow zehn Jahre Arbeitslager.


Ende Dezember 1972 regelte Moskau seine Strafgesetzgebung bei Flugzeugentführungen. Mit Haft von drei bis zehn Jahren wird nun bestraft, wer ein Flugzeug am Boden oder in der Luft entführt. Wenn dabei Gewalt angedroht oder angewendet wird, oder die Aktion zu einem Unfall führt, beträgt das Strafmaß fünf bis fünfzehn Jahre Gefängnis. Dabei kann auch der gesamte Besitz des Verurteilten eingezogen werden. Werden bei einer Flugzeugentführung Menschen getötet oder schwer verletzt, so droht eine Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren oder die Todesstrafe samt Einzug des gesamten Besitzes des Verurteilten.


Quellen
- Das große Verbrecher-Lexikon – Die spektakulärsten Kriminalfälle des 19. und 20. Jahrhunderts (von Dieter Sinn ) Ausgabe 1984 – S.164 – ISBN 3-88199-146-8



Der Fall – Harald S.


Der Gasmann ist da! Mit diesen Worten verschaffte sich der siebenfache Frauenmörder Harald S. Zugang zu den Wohnungen seiner Opfer.


Anfang der 1970er Jahre versetzte der Mann ganz Wien in Angst und Schrecken, bevor er anhand einer perfekten Phantomzeichnung gefasst werden konnte. Zurzeit ist Harald S. der am längsten einsitzende Häftling (33 Jahre) in Österreich.


Im Jahr 1971 wird Wien von einer unheimlichen Mordserie heimgesucht. Bevorzugte Opfer: alte, allein lebende Frauen. Sie alle haben, scheinbar arglos, einen Fremden in ihre Wohnung gelassen. Hinter verschlossenen Türen spielt sich dann ein Drama ab. Der Täter streckt seine Opfer mit Handkantenschlägen nieder. Übereinstimmend sagen die Überlebenden aus, dass der gut gekleidete, höfliche, etwas füllige Mann sich als Bediensteter des Gaswerkes ausgegeben hat. Angeblich kommt er, um die Geräte zu überprüfen; zeigt sogar einen Ausweis her. Aufgefallen sei er auch durch sein Fachwissen. Als die Frauen dann die „Kontrolle“ bezahlen müssen, werden sie von dem Mann niedergeschlagen.


Die Hinweise sind dürftig. Außer ein paar Fingerabdrücken auf dem Wasserglas hinterlässt der Täter keine Spuren. Und diese Fingerabdrücke helfen den Beamten nicht weiter, sie sind in keiner Verbrecherkartei zu finden. Konkreter wird die Suche, als nach einem Überfall die Nachbarin eines Opfers – eine Grafikerin – eine ziemlich genaue Beschreibung des Täters geben kann. Der Zeichner des Sicherheitsbüros entwirft eine detailgetreue Phantomzeichnung. Doch auch die reicht vorerst nicht aus, den Mörder zu fassen.


Am 12. Februar 1972 sorgt neuerlich ein brutales Verbrechen für Schlagzeilen. Nach dem Überfall auf zwei Frauen in einem Pensionistenheim in der Chrudnergasse in Wien 13 fragen sich die ermittelnden Beamten, ob hier wohl der unheimliche Frauenmörder wieder zugeschlagen haben könnte.


Folgendes ist passiert: Ein unbekannter Gewalttäter dringt um 1 Uhr nachts in das private Wohnheim für Offizierswitwen in Hietzing ein. Zuerst bricht er die Tür zum Wohnraum der 83-jährigen Aloisia S. auf. Er stürzt sich auf die erschrockene Frau, würgt sie fast bis zur Bewusstlosigkeit und vergewaltigt sie. Mit einem Jochbeinbruch bleibt die Frau liegen, währenddessen sucht der Täter nach Bargeld. Er findet aber nur ein Postsparbuch mit 3.000 Schilling (218 Euro) Einlage. Das ist ihm anscheinend zu wenig, denn er bricht auch noch die Tür zum Zimmer der 77-jährigen Beatrix Rosa auf. Auch diese Frau bedroht er und will sie würgen. Die Überfallene gibt ihm 1.000 Schilling (etwa 73 Euro) in einem Kuvert. Da lässt er von ihr ab und flüchtet. Beatrix Rosa ruft die Polizei, aber selbst die Suchhunde der Beamten finden keine Spur des brutalen Verbrechers. Nur das Sparbuch, das er im Treppenhaus verloren hat, bleibt zurück. Und da obligatorische Glas Wasser in der Wohnung. Aloisia S. wird ins Krankenhaus gebracht, während Beatrix Rosa eine sensationelle Aussage macht. Sie gibt an, dass der Mann schon einmal, nämlich vor etwa einem Monat, bei ihr gewesen sei. Damals hatte er behauptet, die Gasgeräte überprüfen zu müssen. Das passte genau zu dem gesuchten Frauenmörder, der die Stadt schon einige Zeit in Atem hält. Der Mörder verschaffte sich bei seinen Opfern immer wieder als Gas- oder Installationsfachmann Zutritt zu den Wohnungen. Auch die Personenbeschreibung, die Beatrix Rose der Polizei gibt, deutet auf den unbekannten Frauenmörder hin: zirka 25 bis 30 Jahre alt, etwas korpulent, mit schwarzem, leicht gewelltem Haar.


Die Ermittler fragen sich, wo und vor allem wie der Täter an den Tatort gelangt ist. Eine Straßenbahn fährt um diese Uhrzeit keine mehr, und auch Autogeräusche haben die Zeugen keine vernommen. Laut Aussage des Vergewaltigungsopfers habe der Verbrecher ziemlich nach Alkohol gerochen. Die Beamten klappern daraufhin die Wirtshäuser, Pensionen und Hotels der Gegend ab. In einem kleinen Hotel erhalten sie den ersten Hinweis. Der Besitzer erkennt den Mann auf dem Phantombild wieder. Er nennt den Kriminalbeamten den Namen: Harald S. Im nächsten Hotel, dem „Hotel Reiser“, sitzt der Frauenmörder seelenruhig bei einem Glas Wein. Der Kellner zeigt den Kriminalisten den gesuchten Mann, und sie nehmen ihn fest. Sofort wird er, noch im Hotel, Beatrix Rosa gegenübergestellt, die ihn als den falschen Gasmann identifiziert. Der 24-jährige Harald S. weiß, dass Leugnen zwecklos ist. Noch im Auto, auf dem Weg ins Sicherheitsbüro, gesteht er drei Morde.


Harald S. redet und redet. Sogar einen Komplizen, der bei einigen tödlichen Überfällen dabei war, gibt er preis. Der 29-jährige Johann Sch. wird daraufhin verhaftet, und auch er gesteht alles. Harald S.s Redefluss ist ungebremst, er nennt vier weitere Komplizen. Zwei davon, nämlich Harald Sch. und Gerald P., beide aus Hietzing, werden ebenfalls verhaftet. Bei den Verhören wird den Kriminalisten auch schnell klar, warum Harald S. sich so gut mit Fachausdrücken auskannte. Er hatte dieses Handwerk gelernt; brachte immer gute Noten aus der Berufsschule mit, wie seine verzweifelten Eltern den Beamten später mitteilten. Sie hatten ja keine Ahnung, dass ihr Sohn auf die schiefe Bahn geraten war. Für sie ist klar, dass daran auch die Lebensgefährtin ihres Sohnes, nämlich Gertrude Sch., schuld ist. Nach seiner Installateurlehre hat er das Bundesheer absolviert. Danach wird er Pfleger im Altersheim Lainz, wo er zweimal an Hepatitis erkrankt. Zwischen 1966 und 1969 arbeitet Harald S. dort, er weiß also, wie man mit alten Leuten umgeht. Ein Umstand, der ihn bei seinen späteren Morden „hilfreich“ sein wird.


Bei seiner zweiten Gelbsuchterkrankung bringt er dem Dienstgeber keine ärztliche Bestätigung, da er sowieso im Lainzer Krankenhaus gelegen ist. Er meint, das würde reichen, stattdessen erhält er aber die Kündigung. Nach dieser Kündigung arbeitet Harald S. kurze Zeit bei einem Zuckerbäcker. Doch dies vielen Wespen, die durch die süße Ware angelockt werden, machen ihm zu schaffen. Mindestens zehnmal am Tag sei er gestochen worden, sagt Harald S. im Verhör. Nach dieser Beschäftigung ist Harald S. keiner geregelten Arbeit mehr nachgegangen. Bei den Einvernahmen gibt er auch an, wie er auf den „Gaskassierer-Schmäh“ gekommen sei: „Installateur und Krankenpfleger, das hat irgendwie harmonisiert.“ Seinen ersten Überfall hat er begangen, nachdem ihn eine ältere Frau auf der Straße angesprochen hatte. Er geht mit ihr, um ihr Gasgerät zu reparieren. Die Frau gibt ihm 100 Schilling Trinkgeld. Da kommt ihm der Gedanke, sich auch das restliche Geld aus der Lade der Frau zu holen.


Harald S. hat leichtes Spiel mit den älteren Frauen. Sein molliges Aussehen trägt dazu bei – einem rundlichen Mann traut man schließlich nichts Böses zu. Dass er sich als Amtsperson ausgibt, öffnet ihm erst recht alle Türen. Kaum in der Wohnung, haut er hin, wenn er nicht bekommt, was er will – Geld und Schmuck, sonst gibt es brutale Schläge mit der Handkante. Vorerst begeht Harald S. mit Hilfe seines Komplizen Johann Sch. „nur“ brutale Raubüberfälle. Die 88-jährige Amalia Maxa aus Wien-Landstraße ist ihr erstes Raubopfer. Dann folgt die 83-jähriger Grete Kauer, die von den Tätern gewürgt und geknebelt wird. Ohne Beute ziehen die beiden Männer wieder ab.


Aus den Raubüberfällen wird dann Raub mit tödlichem Ausgang. Das erste Mordopfer ist die 86 Jahre alte Eleonore Hauer. Bei der gebrechlichen Frau verschafft sich Harald S. mit seinem üblichen „Gaskassierer-Schmäh“ Zutritt. Aber er kommt der Frau verdächtig vor, sie versucht deshalb zum geöffneten Fenster zu gelangen und um Hilfe zu rufen. Harald S. kommt ihr zuvor und bringt sie mit gezielten Handkantenschlägen zum Verstummen. Dann lässt er sein Opfer aber nicht am Boden liegen, sondern legt es ins Bett.


Auch wenn Harald S. später immer wieder beteuert, dass er nie die Absicht hatte, seine Opfer zu töten, fällt es schwer – insbesondere angesichts des Falles Richard Langer -, daran zu glauben. Der Raubmord an dem 79-jährigen Mann (übrigens das einzige männliche Opfer Harald S.s) ist ganz untypisch für die sonst übliche Vorgehensweise von Harald S. An einen Sessel gefesselt, wird der alte gebrechliche Mann grausam misshandelt, bevor er ermordet wird. An der Leiche Langers werden später von der Polizei 20 Rippenbrüche, eine Kehlkopfzertrümmerung und mehrere Rissquetschungen festgestellt.


Harald S. gibt bei den Verhören zum Fall Langer an, zu viel Alkohol getrunken zu haben und sich deshalb an nichts erinnern zu können. Aber die Schläge waren so wuchtig, dass selbst der nicht sonderlich intelligente Harald S. trotz seiner Alkoholisierung hätten wissen müssen, dass sie tödlich sein würden.


Auch bei den anderen Opfern waren Harald S. und Johann Sch. nicht zimperlich: Rosa Schwarz, 66 Jahre alt; Josefa Fierlinger, 86 Jahre alt; Gabriele Hammer, 84 Jahre alt, sowie Aloisia Maschnark, 69 Jahre alt – sie alle starben durch Würgen und Niederschlagen.


Sein siebentes Opfer, die 88-jährige Maria Aberle aus Wien-Mariahilf, stirbt erst zehn Tage nach dem Überfall, als Harald S. schon hinter Schloss und Riegel sitzt. Die Frau wird in ihrem Bett gefunden, der herbeigerufene Arzt stellt Herz- und Kreislaufstörungen fest. Harald S. hat die Frau, nachdem er sie mit Handkantenschlägen niedergestreckt hatte, behutsam ins Bett gelegt und zugedeckt. Deshalb schöpft auch niemand Verdacht, als die alte Frau so vorgefunden wird. Auch als der Nachbar auf eine leere Geldkassette aufmerksam macht, in der sich normalerweise mehrere tausend Schilling befunden haben, und die alte Frau von einem Überfall stammelt, nimmt das keiner ernst. Erst als Harald S. die Tat, nach der ihn niemand gefragt hat, gesteht, ist klar, dass Maria Aberle keines natürlichen Todes gestorben ist.


Am 22. Jänner 1974 beginnt der Prozess gegen Harald S. Das Verlesen der Anklageschrift dauert mehr als eine Stunde. Harald S. werden sechs Raubmorde, elf Raubüberfälle und Vergewaltigung zur Last gelegt und seinem Komplizen Johann Sch. ein Raubmord und mehrere Raubüberfälle. Beide bekennen sich im Sinne der Anklage schuldig, leugnen jedoch die Tötungsabsicht. Harald S. schildert, wie er Johann Sch. kennen gelernt hat. Die beiden trafen in einer Likörstube aufeinander und hatten schon einiges getrunken. Da erzählt Harald S. dem Mann, dass er keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen würde. Er offenbart ihm des Weiteren seine Betrügereien und seinen „Gas-Trick“, mit dem er sich Zutritt zu den Wohnungen seiner Opfer verschaffte. Was er nie ausspricht, ist das Wort „Mord“ – für ihn war alles eine harte „Hacken“ (wienerischer Ausdruck für Verbrechen).


Er sagt aus, wie es mit seinen Betrügereien begonnen hat, wie er zur Ablenkung ein Glas Wasser verlangte oder auf andere Weise versuchte, seine Opfer zu verwirren. Sieben Morde hat Harald S. gestanden, wie viele Menschen seinen tödlichen Händen entgangen sind, kann im Nachhinein niemand mehr sagen. Selbst in Niederösterreich hat er sich Opfer gesucht. So sind die 77-jährige Rentnerin Anna W. aus Mödling und der Pensionist Andreas R. nur knapp dem Tod entgangen.


Laut Gutachtern (Ärzten aus Lainz) leidet der Angeklagte an „Morbus Cushing, einer Drüsenerkrankung, die vor allem sexuelle Perversionen zur Folge haben kann“.

Das Urteil gegen Harald S. lautet schließlich „lebenslänglich“ für einmal Mord und fünfmal räuberischen Totschlag. Harald S. erhebt keinen Einspruch. Er sitzt noch heute in der Strafanstalt Stein ein.


Quellen:
- Mord – Die spektakulärsten Mordfälle Österreichs (von Andreas & Regina Zeppelzauer) Ausgabe 2005 – S.82 – ISBN 3-85365-215-8




Der Fall – Kiyoshi Okubo


22 Jahre nach der Hinrichtung von KODAIRA YOSHIO jagte die japanische Polizei einen weiteren Serien-Lustmörder. Der war zwar weniger geschickt im Verwischen seiner Spuren als Kodaira, aber trotzdem gingen in den knapp zwei Monaten seiner „Karriere“ mindestens 127 sexuelle Belästigungen (einige Aufzeichnungen berichten von über 150), über ein Dutzend Vergewaltigungen sowie acht Morde auf sein Konto. Seine Festnahme ist gleichermaßen auf seine eigene Nachlässigkeit wie auf wirklich ausgezeichnete Ermittlungstätigkeit zurückzuführen.


Der im Januar 1935 geborene Okubo Kiyoshi war der dritte und jüngste Sohn eines Paares mit insgesamt acht Kindern. Seine Eltern überschütteten ihn geradezu mit Zuneigung und setzten dem Jungen keinerlei Grenzen. Einmal beschwerten sich Nachbarn, Okubo würde die Früchte von ihrem Persimonenbaum herunterholen, worauf Kiyoshis Mutter antwortete: „Hättet ihr eben diese Bäume dort nicht gepflanzt“.


Zu Hause wurde er verhätschelt, aber in der Schule neckte man ihn erbarmungslos wegen seines „westlichen“ Aussehens – das Resultat russischen Blutes in der Familie seiner Mutter. Okubo war äußerst undiszipliniert und ein Problemschüler, der ständig schlechte Noten bekam und sich zahlreiche Verwarnungen wegen seines ungehörigen Verhaltens einfing. Im Beurteilungsbogen der 6. Schulstufe stand, dass er sich „Übergeordneten gegenüber ungebührlich“ verhielt und „Zeichen von extremer Frühreife“ aufwies. Letzteres war eine Anspielung auf sein Verhalten gegenüber weiblichen Klassenkameraden, wie zum Beispiel das Flüstern von „Worten, die man nicht sagen soll“ im Beisein von Mädchen.


Im Sommer 1946 wurde der elfjährige Okubo dabei erwischt, wie er die vierjährige Tochter eines Nachbarn belästigte. Bekannte lagen gar nicht falsch, als sie ihn scherzhaft mit Tokyos berühmt-berüchtigtem Vergewaltigungs-Mörder verglichen und meinten, Okubo sei ein „kleiner Kodaira“. Neun Jahre später, im Juli 1955, vergewaltigte er eine 17jährige High School-Schülerin in Maebashi und wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde jedoch bald in drei Jahre auf Bewährung umgewandelt. Bei seiner zweiten Verhandlung wegen Vergewaltigung, fünf Monate später, zeigte sich der Richter nicht mehr so nachsichtig, sondern verurteilte ihn zu drei Jahren im Gefängnis von Matsumoto.


Nach seiner Freilassung nahm der inzwischen 25jährige das Pseudonym „Watanabe Kyoshi“ an und gab sich als Student aus, während er sich auf die Jagd nach Mädchen vom College machte. Im Mai 1962 heiratete er und war bereits zweifacher Vater, als er im Februar 1967 erneut wegen Vergewaltigung zweier junger Frauen hinter Gitter wanderte. Ursprünglich zu viereinhalb Jahren verurteilt, wurde er am 2. März 1971 vorläufig entlassen. Zehn Tage danach kaufte er sich um 210.000 Yen jenen cremefarbenen Mazda Sedan, der schließlich zu seiner endgültigen Verhaftung und Verurteilung wegen mehrfachen Mordes führen sollte.


Okubos letzter Feldzug begann am 21. März und dauerte 64 Tage. Die Polizei war ihm die ganze Zeit über dicht auf den Fersen; überlebende Opfer konnten seinen Mazda und dessen Nummernschild beschreiben. Dennoch schaffte Okubo es, vor seiner Festnahme acht Menschenleben auszulöschen. Als erste musste am 31. März die 17jährige High School-Schülerin Tsuda Miyako daran glauben; ihr folgte zehn Tage später die ebenfalls 17 Jahre alte Kellnerin Oikawa Mieko. Ida Chieko, 19, wurde am 17. April ermordet, und die 17jährige Schülerin Kawabata Shigeko starb am darauf folgenden Tag. Der 27. April sollte der Todestag der Schülerin Sato Akemi, 17, werden. Kawabo Kazuyo, eine 18jährige Telefonistin, war die nächste (am 3. Mai). Sechs Tage später vergewaltigte und ermordete Okubo die 21jährige Takemura Reiko. Sein letztes Opfer, das ebenfalls 21jährige Hausmädchen Takahaschi Naoko, musste tags darauf, am 10. Mai, ihr Leben lassen.


Okubo zeigte keinen besonderen Einfallsreichtum, was die Beseitigung der Leichen betraf: vier von ihnen vergrub er in einer an einen Industriepark nahe Takasaki City angrenzenden Grube; die restlichen Leichname lud er einfach auf einer Müllhalde am Land ab. Immer wieder wurde sein Mazda in der näheren Umgebung von Takasaki gesichtet, und so kam sein Festname am Abend des 14. Mai auch nicht überraschend. Bei ihm im Wagen saß ein Mädchen, dem Okubo Gels in die Hand drückte, mit den Worten: “Nimm Dir lieber ein Taxi“.


Ursprünglich war er aufgrund einer Aussage wegen Entführung mit nachfolgendem Versuch, eine sittenwidrige Tat zu begehen, festgehalten worden, gestand allerdings bald sämtliche Verbrechen und führte die Polizei zu den Gräbern weiterer Opfer. Bei seinem Prozess wegen achtfacher Entführung und achtfachen Mordes erzählte Okubo dem Gericht folgendes: „Die Polizei ist schuld daran, dass ich zu so einer Bestie geworden bin. Während ihrer Ermittlungen zu den zwei früheren Fällen, in die ich verwickelt war, haben sie mich sehr schlecht behandelt. Ihre Bestrafung war so hart, dass ich dadurch meine gesamte Menschlichkeit verlor. Ich wurde zum Rebell gegen die Autorität.“


Auf die Frage nach eventuellen Schlusskommentaren zu seiner Situation antwortete er: „Wenn ich wiedergeboren werden könnte, dann als Unkraut. Eine Frau hat mir einmal gesagt, ganz gleich, was man gegen Unkraut unternimmt, es lässt sich nicht ausrotten. So ein Leben wünsch´ ich mir im nächsten Leben.“


Nach der Verkündung des Todesurteils am 22. Februar 1973 verbrachte Okubo fast drei Jahre im Kosuge-Gefängsnis in Tokyo und legte mehrmals Berufung gegen sein Urteil ein. Die Berufungen wurden abgewiesen und Okubo schließlich am 23. Januar 1976 – 6 Tage nach seinem 41. Geburtstag – erhängt.


Quellen
- Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton) 2. Auflage 2005 - S.293 – ISBN 3-85365-189-5



Der Fall - Walter Seifert


 


Der psychisch kranke Walter Seifert drang am 11. Juni 1964 kurz nach 9.00 Uhr in das Schulgelände der Katholischen Volksschule in Köln-Volkhoven ein. Mit einem selbst gebastelten Flammenwerfer und einer Lanze griff er Schülerinnen und Lehrerinnen an.


Zum Zeitpunkt des Anschlages waren 8 Lehrkräfte und etwa 380 Kinder in der Schule. 28 Kinder wurden schwer verletzt, 8 von ihnen starben an ihren Verletzungen. Der Attentäter tötete 2 Lehrerinnen; 2 weitere Lehrerinnen wurden schwer verletzt.



Oberbürgermeister Theo Burauen. Im Vordergrund die Mordwerkzeuge


Zur Katholischen Volkschule gehörten neben einem Hauptgebäude noch drei Holzpavillons, in denen sechs Klassenzimmer untergebracht waren. Diese Pavillons standen auf dem Schulhof. Kurz vor der großen Pause betrat Walter Seifert das Schulgelände und versperrte das kleinere Schultor mit einem Holzkeil.


In einer Ecke des Schulhofes erteilte die Lehrerin Anna Langohr gerade einer Gruppe von Mädchen Sportunterricht. Seifert lief zuerst zum vierklassigen Pavillon. Er warf mit der Eisenschleuder die Scheiben ein und richtete den Feuerstrahl von außen durch die Fenster in die Klassenräume. Die Holzklassenräume und die Kleider der Kinder fingen sofort Feuer. Die Lehrerin Gertrud Bollenrath konnte bei einigen Kindern die Flammen ersticken. Dann lief sie selber auf den Schulhof und stellte sich dem Amokläufer in den Weg. Seifert stach sie mit der Lanze nieder. Inzwischen waren die Kinder aus dem Pavillon auf den Hof gelaufen und liefen - unter Schock stehend - schreiend mit teilweise brennenden Kleidern durcheinander. Seifert richtete gezielt den Flammenwerfer auf die Kinder.   



Klassenzimmer von Frl. Schweden nach dem Attentat



Der Weg des Mörders: 1. Turnende Mädchen mit Frau Langohr / 2. 4. Schuljahr mit Frau Willmes / 3. 5./6. Schuljahr mit Frl. Schweden / 4. Fr. Bollenrath erstochen / 5. Frau Kuhr erstochen / 6. Fluchtweg


Auch die Turngruppe griff er an. Hier stellte sich ihm die Lehrerin Frau Langohr in den Weg, die er mit einem Feuerstrahl lebensgefährlich verletzte. Von hier aus stürmte er zum gegenüberliegenden Pavillon. Dort versuchten die Lehrerinnen Kuhr und Kunz die Flügeltüren zuzuhalten. Doch Walter Seifert war stärker und riss eine der Türen aus den Rahmen. Dabei verlor Ursula Kuhr das Gleichgewicht und fiel hin. Seifert stach mit der Lanze mehrmals auf die am Boden liegende Lehrerin ein. Schließlich flüchtete Seifert auf ein Feld, wo er später von der Polizei gestellt wurde.


Inzwischen hatten Männer von der Müllabfuhr das Tor aufgebrochen und löschten die Kinder mit Decken und Kleidern. Sie hielten vorbeifahrende Autos ans, die die ersten Kinder in das Heilig-Geist-Krankenhaus brachten. Zwischenzeitlich eingetroffene Fahrzeuge der Feuerwehr, des Malteser Hilfsdienstes und der Bundeswehr brachten die übrigen verletzten Kinder und die Lehrerinnen in die Universitätsklinik Lindenburg, das Heilig-Geist-Krankenhaus, das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße und das Vinzenzkrankenhaus in Nippes.


Die Krankenhäuser wurden mit den modernsten Geräten zur Behandlung von Hautverbrennungen ausgerüstet. Die Kölner Ärzte und hinzugezogenen Spezialisten kämpften wochenlang um das Leben der Kinder, die zum Teil Verbrennungen bis zu 90 Prozent hatten.


Dorothea Binner, Renate Fühlen, Ingeborg Hahn, Ruth Hoffmann, Klara Kröger, Stephan Lischka, Karin Reinhold und Rosel Röhrig erlagen jedoch ihren schweren Verletzungen. Sie wurden auf dem Friedhof Weiler beigesetzt. 1969 wurde neben ihren Gräbern ein Denkmal aufgestellt - eine Säule, an der Flammen Blätter umzüngeln.


Die übrigen schwer verletzten Kinder mußten sich noch monatelangen, schmerzhaften Behandlungen unterziehen, die nicht verhindern konnten, daß neben Brandmalen physische und psychische Folgeschäden zurückblieben.


Die 24jährige Lehrerin Ursula Kuhr starb noch auf dem Schulhof. Nach ihr wurde 1965 die katholische Volksschule in Köln-Heimersdorf, Volkhovener Weg, benannt. Die 62 jährige Lehrerin Gertrud Bollenrath erlag kurz nach 13.00 Uhr ihren Verletzungen im Heilig-Geist-Krankenhaus. Nach ihr wurde 1986 die Sonderschule am Fühlinger Weg benannt.


Der Attentäter Walter Seifert hatte auf der Flucht eine Kapsel mit dem Pflanzengift E 605 geschluckt. Er starb abends in der Lindenburg.


Über das Motiv der Tat sprach Dr. Manfred Gundlach, Leiter der Mordkommission: „Der Mann wollte mit einer Demonstrativtat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich lenken. Seifert war wegen einer Tuberkuloseerkrankung seit Jahren arbeitsunfähig gewesen. Er hatte vergeblich versucht, eine Kriegsrente geltend zu machen. Er schrieb mehrere verworrene Briefe an den Gesundheitsdezernenten, den Oberstadtdirektor und den Regierungspräsidenten, in denen er sich beklagte, von den Amtsärzten ungerecht behandelt worden zu sein.


Seiferts letzte Worte sollen gewesen sein: „Der Obermedizinalrat ... wollte mich töten. Das ist die Rache dafür.“ Jahre zuvor war seine Frau im Kindbett gestorben. Dies gilt als mögliches Motiv, warum er sich für seine Rache die Kinder der Volksschule Volkhoven ausgesucht hatte. Mehrere Amtsärzte hatten ihm schizophrene Effekte bescheinigt. Er galt jedoch nicht als gewalttätig.     



16. Juni 1964 Trauerfeierlichkeiten für Fr. Bollenrath und Frau Kuhr. Links nach rechts: Beige, Giesberts, Oberstadtdirektor Dr. Adenauer, Bürgermeister Dr. Lemmens, Kultusminister Prof. Mikat, Weihbischof Dr. Frotz, Schulrätin Dr. Neumann, Angehörige der Familien Kuhr-Erwen und Bollenrath


Die Tat hat weit über Köln hinaus Entsetzen und eine große Hilfswelle ausgelöst. Menschen aus aller Welt spendeten 850.000 DM für die verletzten Kinder und deren Angehörige. Wenige Tagen nach dieser schlimmen Tat wurden die Schulbaracken von Volkhoven nach einem Ratsbeschluß abgerissen. Sie sollten nicht länger an dieses grausige Geschehen erinnern.


Quellen: - Spiegel online vom 11. Juni 2004 (von Manfred Böcker und Jan Friedmann) 




Der Fall - Max Gufler



Auch Männer töteten mit Gift in Getränken. Giftmorde sind in der jüngsten österreichischen Kriminalgeschichte eher selten. Und nicht nur Frauen töten mit chemischen Substanzen.

Einer der bekanntesten Serienmörder mit Gift in der Zweiten Republik war der 1910 geborene Max Gufler.


Über die Kindheit des Österreichers Max Gufler ist so viel bekannt, dass er durch die Folgen einer schweren Schädelverletzung, die er im Alter von neun Jahren bei einem Unfall erlitten hatte, immer wieder von unberechenbaren Gewaltsausbrüchen heimgesucht wurde.


Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Ambulanzfahrer der Wehrmacht bei Fronteinsätzen erneut durch Granatsplitter im Kopfbereich verletzt. Sein dadurch beeinträchtigter körperlicher und mentaler Zustand könnte letztlich eine Erklärung dafür liefern, warum aus ihm ein launenhafter Gewalttäter und schließlich der umtriebigste Serienmörder der österreichischen Nachkriegsgeschichte wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er in der niederösterreichischen Stadt St. Pölten als Buchhändler tätig, bis er im Jahr 1951 die Tochter eines Trafikanten kennen lernte. Im Kiosk seines Schwiegervaters bot er seinen Kunden verbotene pornografische Fotos an, wofür er und der Kioskbesitzer verhaftet wurden.  

Kaum aus der Haft entlassen, verübte Gufler seinen ersten Mord an der Prostituierten Emilie Meystrzik (50), die im März 1952 in Wien aufgefunden wurde. Gufler, der inzwischen als Staubsaugervertreter arbeitete, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem äußerst gerissenen Heiratsschwindler, der Frauen die Ehe versprach und sie tötete, sobald es ihm gelungen war, an ihr Geld zu kommen. Gufler hatte in Wien, in Rossatz, Kirchdorf an der Mur und in Weißenkirchen zwischen März 1952 und Oktober 1958 vier Frauen durch Verabreichung des hochwirksamen Schlafmittels „Somnifen“ in Getränken ermordet. Er lud seine Opfer, darunter Josefine Kamleitner (45), Julie Naß (48) und Maria Robas (47) zu einer Hochzeitsreise ein und betäubte sie dann mit Kaffee, der mit „Somnifen“ versetzt war. Die bewusstlosen Opfer warf er unbekleidet in Seen, um das Verbrechen wie Selbsttötungen aussehen zu lassen. Zusätzlich hatte Gufler gegen Karl Kovaricek im Jahr 1951 einen Schuss aus einer Pistole abgefeuert und am 23. Oktober 1957 Richard Wagner ein mit Somnifen vermischtes Getränk verabreicht und den Bewusstlosen im Tullnerfeld mit seinem Auto niedergestoßen und überfahren. Wagner überlebte.


   Das vergiftete Getränkesortiment von Gufler


Gufler wurde am 31. Oktober 1958 verhaftet und am 5. Mai 1961 wegen vierfachen Mordes und zweifachen Mordversuches zu lebenslanger Haft verurteilt. Obwohl er die Taten immer bestritten hatte, nahm er das Urteil an. Gufler starb am 9. August 1966 im Alter von 56 Jahren in der Strafanstalt Stein an Magenkrebs.

Aber nicht nur Schlafmittel auf Barbituratbasis (Somnifen, Veronal), sondern auch Arsen, Thallium und Strychnin sowie das das Pflanzenschutzmittel E 605 gehören zu den „beliebten“ Mitteln von Giftattentätern. 

Quellen : - OÖ Nachrichten vom 18.02.2008




Der Fall – Patrick Wayne Kearney


 


Am 5. Juli 1977 gaben die Behörden von Riverside, Kalifornien, die Geständnisse von zwei männlichen Verdächtigen bekannt, die zugaben, eine grässliche Serie von „Müllsack“-Morden begangen zu haben. Man nahm an, dass seit 1973 fünfzehn Opfer in fünf verschiedenen Bezirken auf ihr Konto gingen. Die Verdächtigen, Patrick Kearney und David Douglas Hill, wurden nur in zwei Fällen angeklagt – beide Opfer waren im März 1977 getötet worden -, aber am selben Tag führte Kearney die Ermittler zu sechs angeblichen Leichen-Ablageplätzen im Imperial County. Das Beweismaterial, das in Kearneys Haus gefunden worden war, in dem Hill als Liebhaber residierte, beinhaltete Fasern, die zu jenem passten, die man an verschiedenen Leichen gefunden hatte, sowie eine blutige Bügelsäge, die zur Zerstückelung bestimmter Leichen verwendet worden war.

Der kalifornische „Müllsack“-Fall begann offiziell am 13. April 1975 als die verstümmelten Überreste des 21-jährigen Albert Rivera nahe San Juan Capistrano entdeckt wurden. Im November wurden fünf weitere Leichen in Los Angeles, Orange, Riverside und San Diego gefunden. Die Entdeckung von zwei weiteren Opfern im März 1977 hob die Leichenzahl auf acht an. Gleichzeitig hatte die Polizei ein Muster in den Morden erkannt. Alle identifizierten Opfer waren schwul gewesen, jedes wurde nackt aufgefunden, und jedem war mit derselben Waffe in den Kopf geschossen worden. Einige von ihnen waren zerstückelt oder anderweitig verstümmelt und ihre sterblichen Überreste in identische Plastikmüllbeutel gepackt worden.

Das letzte Opfer war der siebzehn Jahre alte John LaMay, der am 13. März zuletzt von seinen Eltern lebend gesehen wurde, als er das Haus verließ, um einen Freund namens „Dave“ zu besuchen. Die Polizei nahm den Fall fünf Tage später auf, nachdem LaMays zerstückelte Überreste neben einer Bundesstraße südlich von Corona gefunden worden waren. Freunde des Opfers identifizierten „Dave“ als David Hill und versorgten die Kriminalisten mit seiner Adresse. Für Hill und seinen Mitbewohner wurde Haftbefehl erteilt, aber das Liebespaar blieb bis zum 1. Juli auf freiem Fuß, als sie das Büro des Sheriffs von Riverside County betraten, auf die Fahndungsplakate der Wand zeigten und lächelnd verkündeten: „Das sind wir“.


Als High School-Abbrecher aus Lubbock, Texas, trat David Hill 1960 dem Militär bei, von dem er aufgrund einer Diagnose über eine nicht näher beschriebene Persönlichkeitsstörung bald entlassen wurde (möglicherweise in Zusammenhang mit seiner Homosexualität). Zurück in Lubbock heiratete er eine „Flamme“ aus der High School, aber die Romanze war nur von kurzer Dauer. 1962 traf er Patrick Kearney, der von der Luftwaffe aus in Texas stationiert war; die Anziehungskraft war gegenseitig. Hill ließ sich 1966 von seiner Frau scheiden und übersiedelte ein Jahr später mit Kearney nach Kaliforniern. Sie lebten zusammen in Culver City, einer Vorstadt von Los Angeles, als die lange Serie von Morden begann. (Das erste Opfer, bekannt als „George“, wurde im September 1968 hinter Kearney Zweifamilienhaus in Culver City verscharrt; die Ermittler, die den Anleitungen es Mörders folgten, gruben das Skelett im Juli 1977 aus.)

Am 14. Juli 1977 wurde Patrick Kearney formell in zwei Mordfällen angeklagt, einer davon war jener an John LaMay. David Hill wurde am selben Tag entlassen, man ließ die Anklagen gegen ihn fallen, weil Kearney die volle Verantwortung für die Morde auf sich genommen und der Polizei erzählt hatte, er hätte getötet, weil „es ihn erregte und ihm ein Gefühl der Dominanz gab“. Am 15. Juli hatte Kearney Geständnisse in 28 Mordfällen unterzeichnet, von denen 12 Fälle von der Polizei bestätigt wurden. Am 21. Dezember bekannte er sich in 3 Fällen von schwerem Mord für schuldig und bekam eine lebenslange Haftstrafe.

Die Anklage währte bis ins neue Jahr, in dem Kearney im Februar 1978 in weiteren 18 Mordfällen angezeigt wurde. 9 dieser Anklagen bezogen sich auf das erste Dutzend Opfer in Kearneys Geständnis; unter den übrigen waren zwei Kinder im Alter von 5 und 8 Jahren, gemeinsam mit 4 Opfern, deren Leichen nie mehr gefunden wurden. Am 21. Februar bekannte sich Kearney in allen Anklagepunkten für schuldig und erhielt ein weiteres Mal lebenslänglich. Wenn seine ursprünglichen Geständnisse der Wahrheit entsprachen, bleiben zumindest 7 Opfer bis zum heutigen Tag unidentifiziert.

Quellen

-Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton), 2. Auflage 2005, Seite 204 – ISBN 3-85365-189-5





Der Fall - Richard Trenton Chase  (Der "Vampire Killer of Sacramento")



 
     

Name                          Richard Trenton Chase
alias                            Vampire Killer of Sacramento
Geburtsdatum             23. Mai 1950
Geburtsort                  Santa Clara County, CA
Todesdatum                26. Dezember 1980
Ort                              St. Quentin
Todesursache             Selbstmord durch eine Überdosis Antidepressiva
Tatort                          Sacramento, CA
Zeitraum der Taten     1977 - 1978
Taten angeklagt           6
Taten verurteilt          
6
Taten gestanden    
Taten verdächtigt        6
Opfer                        unterschiedlichen Alters, Geschlechtes und ethnischer Herkunft
Tatumstände             Chase betrat einfach die Häuser und tötete die anwesenden Personen. An Einigen vollzog er Kannibalismus.    Er folgte immer dem gleichen Muster:

    * Überprüfung, ob die Haustür verschlossen war
    * Erschießen der Opfer
    * Entnahme der inneren Organe
    * Das Trinken des Blutes

Tatmotiv:     Massive geistige und psychische Störungen. Chase glaubte, ein Nazi- Syndikat hätte ihn mit einem Virus infiziert, der sein eigenes Blut austrocknen ließ und deshalb         brauche er frisches, flüssiges Blut anderer Menschen.
Verhaftung:      29. Dezember 1978
Urteil:                wegen Mordes in sechs Fällen zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt
Haftanstalt:     San Quentin

Chase begann schon in frühester Kindheit, Tiere zu quälen und zu töten. Bereits 1976 war er in stationärer psychiatrischer Behandlung gewesen- er hatte sich Kaninchenblut injiziert und Vögeln den Kopf abgebissen- aus der er aber bereits 1977 wieder entlassen worden war, weil sich sein Geisteszustand angeblich gebessert hatte. Er behauptete, ein Nazi- Syndikat würde seit der High-School versuchen, sein Blut in Pulver zu verwandeln und er bräuchte das Blut anderer Lebewesen, um selbst am Leben zu bleiben. Obwohl ihm ein psychiatrisches Gutachten schizophrene Paranoia bescheinigte, gelang es der Staatsanwaltschaft, Chase für schuldzurechnungsfähig in sechs Mordfällen zu erklären. Chase wurde zum Tode verurteilt und nach St. Quentin überstellt, wo er kurz nach Weihnachten 1980 mit einer Überdosis Antidepressiva, die ihm der Gefängnispsychiater verschrieben und welche Chase über einen gewissen Zeitraum gesammelt hatte, Selbstmord beging.

Richard Trenton Chase wuchs, wie viele andere auch, in keinem liebevollen Haushalt auf. Die Regeln wurden erzwungen und Chase wurde oft von seinem Vater geprügelt. Zwei von drei Merkmalen, die in einem Kind die Ursachen festlegen können, dass es sich später zu einem Serienkiller entwickeln könnte, trafen auf Chase zu.

Als junger Mann verstümmelte er Tiere und legte Feuer. Er begann im Alter von 10 Jahren, Katzen aus der Nachbarschaft zu töten und im Alter von 15 Jahren war er bereits alkohol- und drogenabhängig. Während seiner Pubertät geriet er mehrfach wegen seines Verhaltens in Schwierigkeiten, aber er zeigte niemals eine Form von Reue oder schlechtem Gewissen.

Chase hatte während der High School mehrfach Dates mit Mädchen, doch da er Erektionsstörungen hatte, hielten die Beziehungen nie sehr lange. Dies wurde zu einem so großen Problem für ihn, dass er im alte von 18 Jahren einen Psychiater aufsuchte, der ihm helfen sollte, diese Störung zu beheben. Der Psychiater stellte die Diagonse, die Ursache von Chases Impotenz sei unterdrückter Zorn. Besessen von der Überzeugung, daß etwas mit ihm nicht stimmte, suchte Chase oft die Notaufnahme der Krankenhäuser auf und erklärte, er habe medizinische Probleme. Einmal betrat er eine Unfallstation und berichtete, er suche nach einer Person, die seine Lungenarterie gestohlen habe. Ein anderes Mal behauptete er, seine Knochen würden an seinem Hinterkopf herauswachsen, sein Magen würde sich falsch herum in seinem Körper befinden oder sein Herz würde bei diversen Gelegenheiten einfach aufhören, zu schlagen.

Ein anderer Psychiater diagonstizierte bei Chase paranoide Schizophrenie, allerdings nahm er an, dass die Ursache des Problemes auf einer Form von Psychose beruhte, verursacht durch den Drogenmissbrauch. Der Psychiater ordnete eine 72- stündige Beobachtung an, empfahl aber, diese Untersuchung über einen längeren Zeitraum durchzuführen. Allerdings wurde Chase nicht zu dieser Untersuchung gezwungen, es wurde ihm freigestellt, nach den ersten 72 Stunden zu gehen, wann immer er es wünschte. Nach einer Weile wurde er freigestellt und nach Hause geschickt.


Kurz darauf begann Chase erneut, Tiere zu quälen und zu töten. Doch 1977 gelangte er zu der Überzeugung, das tierische Blut sei nicht mehr ausreichend, um die Pulverisierung seines eigenen Blutes aufzuhalten und er verlegte sich auf menschliche Opfer.


Die Opfer

Ambrose Griffin


    Kein Bild vorhanden

Geburtsdatum/ Alter :    51 Jahre
Ort des Verschwindens    
(Wahrscheinlicher) Tat-/ Auffindezeitpunkt     29. Dezember 1977
(Wahrscheinlicher) Tat-/Auffindeort     Ambrose Griffin wurde vor seinem Haus in Sacramento, CA erschossen.
Todesursache:     erschießen
Tatumstände    

Die Tötung des 51- jährigen Ingenieurs war Chase's erster bekannter Mord. Der Ehemann und Vater von zwei Söhnen war gerade mit seiner Frau vom Einkaufen zurückgekehrt. Ambrose Griffin war seiner Frau mit zwei Einkaufstüten zur Tür gefolgt und wollte gerade zum Auto zurückgehen, als er getötet wurde. Seine Frau gab an, ihr Mann hätte noch irgendetwas geschrien, dann hätte sie zwei "knallende" Geräusche vernommen, aber nicht weiter darüber nachgedacht, bis ihr Gatte, der sich gerade wieder zu ihr umgewandt hatte, neben ihr zu Boden fiel. Diese Mord- Methode ist üblicherweise als "Drive- by- Shooting" bekannt. Sie wird hautptsächlich in den größeren Städten von rivalisierenden Banden angewendet, die ihre Gegner aus einem fahrenden Auto heraus erschießen.


Teresa "Terry" Wallin

     
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Geburtsdatum/ Alter     22 Jahre
Ort des Verschwindens    
(Wahrscheinlicher) Tat-/ Auffindezeitpunkt     23. Januar 1978
(Wahrscheinlicher) Tat-/Auffindeort     Das Haus der Familie Wallin in Sacramento, CA
Todesursache     erschießen
Tatumstände    

Teresa war ein junges Mädchen und gerade im dritten Monat schwanger. Sie wollte einfach nur ihren freien Tag zu Hause verbringen. Chase wählte sie nur aus dem Grund als Opfer aus, weil ihre Tür nicht verriegelt war. Bevor er das Haus betrat, warf Chase noch eine Gewehrkugel Kaliber .22 in ihren Briefkasten. Als er die Tür öffnete und Teresa fand, wollte sie gerade den Müll hinausbringen. Als sie Chase sah, fiel ihr der Müllbeutel aus der Hand und sie hob abwehrend ihre Arme. Die erste Gewehrkugel durchschlug Teresa's Handfläche, lief durch den Arm, trat am Ellenbogen wieder aus und streifte ihren Hals. Die zweite Kugel traf sie genau in ihren Kopf. Als sie fiel, kniete Richard sich hin und feuerte die letze Kugel in eine ihrer Schläfen. Chase schleppte Terry's Körper in ihr Schlafzimmer und holte ein Messer und einen leeren Joghurtbecher aus der Küche, aus welchem er ihr Blut trank. Als David, Teresas Ehemann, am Abend nach Hause kam, fand er seine Frau direkt hinter der Tür, das Sweatshirt war hochgeschoben und die Hose und Unterwäsche hing um ihre Knöchel. Teresas linke Brustwarze war abgeschnitten, ihr Torso direkt unterhalb ihres Brustbeins aufgeschlitzt und Därme und Milz herausgenommen worden. Sie war zahlreiche Male in die Scheidenwand, die Leber, die Lungenflügel und in ihre linke Brust gestochen worden. Um seine Spur zu verwischen, wollte Chase ein Sexualdelikt vortäuschen.


Daniel Meredith

    
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Geburtsdatum/ Alter     51 Jahre
Ort des Verschwindens    
(Wahrscheinlicher) Tat-/ Auffindezeitpunkt     27. Januar 1978
(Wahrscheinlicher) Tat-/Auffindeort     Evelyn Miroth's Haus in Sacramento, CA
Todesursache     erschießen
Tatumstände    

Daniel Meredith, der Freund von Evelyn Miroth, war das erste Opfer, das Chase im Haus der Miroths hinterließ. Eine Meile vom Haus der Wallins entfernt passte Evelyn Miroth auf ihren 20 Monate alten Neffen David Ferreira auf, als ihr Freund Dan Meredith zu Besuch kam. Um die Uhrzeit, als sie gerade Evelyn's Sohn Jason zur Schule schicken wollten, betrat Chase das Haus. Als Erstes traf er in der Eingangshalle auf Daniel Meredith. Er starb vermutlich an einem schnellen Schuß in den Kopf.


Evelyn Miroth



Geburtsdatum/ Alter     38 Jahre
Ort des Verschwindens    
(Wahrscheinlicher) Tat-/ Auffindezeitpunkt     27. Januar 1978
(Wahrscheinlicher) Tat-/Auffindeort     Evelyn Miroth's Haus in Sacramento, CA
Todesursache     erschießen
Tatumstände    

Evelyns Körper war nicht so unberührt. Als die Polizei sie fand, lag sie nackt auf ihrem Bett, die Beine gespreizt wie bei Teresa Wallin. Evelyn war, wie Daniel, durch einen Kopfschuss getötet worden und ihre Eingeweide waren durch einen Schnitt in den Unterleib herausgenommen worden. Es wurde angenommen, daß Evelyn ein Bad genommen hatte, als Chase sie fand. Er schleppte sie zum Bett, vergewaltigte sie anal, stach drei Mal vollständig durch den Anus bis zu ihrer Gebärmutter, schnitt mehrmals in ihren Hals und versuchte, eines ihrer Augen herauszuschneiden. Wie bei Teresa hatte Chase irgendeine Art Behälter verwendet, um das Blut aufzufangen und zu trinken. Als Evelyns Körper überprüft wurde, wurde eine große Menge Samen in ihrem Rektum gefunden.


Jason Miroth



Geburtsdatum/ Alter     6 Jahre
Ort des Verschwindens    
(Wahrscheinlicher) Tat-/ Auffindezeitpunkt     27. Januar 1978
(Wahrscheinlicher) Tat-/Auffindeort     Evelyn Miroth's Haus in Sacramento, CA
Todesursache     erschießen
Tatumstände    

Jason, der Sohn von Evelyn Miroth, wurde ebenfalls getötet. Seine Leiche wurde auf der anderen Seite des Bettes gefunden. Chase hatte dem kleinen Jungen zwei Mal aus kurzer Distanz in den Kopf geschossen.


David Ferreira



Geburtsdatum/ Alter     20 Monate
Ort des Verschwindens     Das Haus von Evelyn Miroth in Sacramento, CA
(Wahrscheinlicher) Tat-/ Auffindezeitpunkt     27. Januar 1978/ 24. März 1977
(Wahrscheinlicher) Tat-/Auffindeort     Chases Appartement in Sacramento, CA
Todesursache     erschießen
Tatumstände    

Chase erschoss den kleinen David wohl bereits in seinem Bettchen bei seiner Tante, Evelyn Miroth. Nachdem Chase das Kleinkind getötet hatte, nahm er die Leiche mit zu sich nach Hause, indem er einfach den Wagen von Daniel Meredith benutzte, und verzehrte einige der inneren Organe.


Sonstiges

Ein besonders tragischer Aspekt ergab sich aus der Antwort auf die Frage, nach welchem System sich Chase seine Opfer gesucht hätte und weshalb er gerade diese Häuser betreten habe. Er antwortete: "Die Türen standen offen. Wenn sie verschlossen gewesen wären, hätte ich die Häuser nicht betreten. Verschlossene Türen bedeuten, dass man nicht willkommen ist." Die Tatsache, dass es so einfach gewesen wäre, Chase zu entkommen, verleiht diesem Fall noch ein zusätzliches Horrorimage.

Quellen
 - Robert K. Ressler, Tom Shachtman – Ich jagte Hannibal Lecter, Heyne 1993, ISBN 3-453-06432-1
- Crime Libary und Wikipedia




Der Fall - Albert Tannenbaum



„Allie“ Albert „Tick-Tock“ Tannenbaum (* 17. Januar 1906 in Nanticoke (Pennsylvania), † November 1976 in Florida) war ein US-amerikanischer Gangster, der heute der Kosher Nostra zugerechnet wird.

Als Killer der Murder, Inc. erledigte er vor allem Aufträge des National Crime Syndicate während der 1930er Jahre.

Tannenbaum wurde in Nanticoke in Pennsylvania geboren, lebte später aber in der Lower East Side von Manhattan in New York.

Mit 17 brach er die Schule ab, um als Laufbursche zu arbeiten. Nach kurzer Tätigkeit als Geschäftsmann stieg er in den Loch Sheldrake Country Club seines Vaters ein. Seinen Spitznamen Tick-Tock bekam er, weil er ohne Pause, wie ein aufgezogenes Uhrwerk reden konnte.

Mit 25 Jahren traf er im Club seines Vaters Jacob „Gurrah“ Shapiro, der zu Amboy-Dukes-Bande von Louis Buchalter gehörte und ihn in die Verbrecherwelt einführte.

Er begann als Schuldeneintreiber und professioneller „Streikbrecher“, der 50 US-Dollar pro Woche verdiente, aber schnell weiter in der Hierarchie aufstieg. Sein Einkommen stieg stufenweise auf 125 US-Dollar an, insbesondere als er Killer der Murder, Inc. wurde.

Sein berüchtigster Mord war wohl der an Harry „Big Greenie“ Greenberg am 22. November 1939 in Los Angeles. Den Auftrag hatte er von Louis Buchalter erhalten, der sich gerade in der Mangel von Staatsanwalt Thomas E. Dewey befand, weshalb Buchalter potentielle Zeugen zum Schweigen bringen wollte. Tannenbaum verfolgte Greenberg von Montreal über Detroit bis nach Los Angeles, wo er ihn schließlich töten konnte. Dabei wurde er von Bugsy Siegel, sozusagen als Repräsentant der Westküste des organisierten Verbrechens, nicht nur beaufsichtigt, sondern wohl auch aktiv unterstützt. Greenberg wurde damit das erste Mordopfer von internen Konflikten organisierter Banden im südlichen Kalifornien.


   

      Bugsy Siegel                       Louis  "Lepke"  Buchalter              Charles Workman

1940 geriet Tannenbaum in die Fänge der Justiz, wurde zum Informanten und Spitzel und sagte im Prozeß, in dem der Mord an Dutch Schultz aufgeklärt werden sollte, gegen Buchalter und Charles Workman aus.

Auslöser war wohl die Verhaftung seines 'Kollegen' Abe Reles im gleichen Jahr und dessen Aussage gegen Buchalter in einem anderen Mordfall. Aufgrund der Angaben von Reles, der durch seine Kooperationsbereitschaft selbst der Todesstrafe entgehen konnte, wurde Buchalter 1944 hingerichtet. Im Gegensatz zu Reles war Albert Tannenbaum eigentlich ein untypischer „Kosher Nostra“(Jüdischer Ableger der italienischen "Cosa Nostra), den anscheinend mehr das vermeintliche Abenteuer zum Berufskiller werden ließ.

1950 sagte Tannenbaum im Prozess gegen Jack Parisi aus. Er hielt sich im Ausland auf, durfte nur einmal pro Jahr amerikanischen Boden betreten und starb 1976 vor der Küste von Florida.

Quellen: Kill The Dutchman! von Paul Sann (englisch) - "Die jüdische Mafia im New York der 30er Jahre. Moses der Unterwelt?" von Tekla Szymanski
Albert Tannenbaum auf Find a Grave u. Wikipedia

 



Der Fall -Olga Hepnarová


Geboren am 30. 6. 1951 – hingerichtet am 12. 3. 1975 in Prag


      


Olga Hepnarová fuhr vorsätzlich am 10. Juli 1973 mit einem LKW auf eine Straßenbahnhaltestelle zu. Die Absicht war, möglichst viele Menschen zu töten. In Folge ihrer Tat starben 8 Menschen und weitere 11 wurden schwer verletzt. Sie wurde zum Tod verurteilt und am 12. März 1975 hingerichtet.


"Sehr geehrte…, ich bitte diesen Brief als Dokument anzunehmen. Er wurde als Ankündigung meiner eventuellen Tat aufgeschrieben, auch als Hinweis darauf, dass ich ein Mensch bin, der sich noch im Rahmen der Geistnorm bewegt... Heute werde ich einen Bus stehlen und mit voller Geschwindigkeit in Menschenmassen einfahren. Es wird wahrscheinlich irgendwo in Prag 7 werden. Es wird tote Menschen geben. Ich werde bestraft und hingerichtet."

(Aus dem Brief von O. Hepnarová vom 7. Juli 1973)


Drei Tage später schickte Olga Hepnarová den Brief an die Redaktionen der Zeitung "Svobodné slovo" und die Zeitschrift "Mladý svět" ab. Ihre briefliche Ankündigung erfüllte sie noch am gleichen Tag. Gegen 13.45 Uhr fuhr sie mit einem ausgeliehenen LKW in Prag 7 (Stadtbezirk in Prag) auf der Straße "Obránců míru" (heute Milada Horákovástraße) vor dem Haus N. 9 auf den Gehsteig. Der Gehsteig diente zugleich als Straßenbahnhaltestelle und zu dieser Zeit warteten hier ungefähr 25 Menschen. Bei diesem Anschlag fanden 8 Menschen den Tod und 11 wurden schwer verletzt und man konnte nur von Glück reden, dass die Zahl der Toten nicht noch höher war. Das Motiv ihrer Handlung war - Gesellschaftshass.




Auf Grund der umfangreichen Ermittlungen konnte die Version über einen möglichen Schwächeanfall der Fahrerin oder ein mögliches politisches Motiv ausgeschaltet werden.


Hepnarová stammte aus einer gut situierten Familie. Ihr Vater war Bankbeamter und die Mutter Zahnärztin. An der Grundschule lernte sie sehr gut. Später kam es jedoch ständig zu Streitigkeiten mit den Eltern. Auch mit ihrem unmittelbaren Umfeld gab es laufend Probleme. Zudem hatte sie Schwierigkeiten bei der Anknüpfung jeglicher Kontakte zu anderen Leuten. Ihrer Aussage nach stand ihr die ganze Welt feindlich gegenüber. Deshalb unternahm sie im Juni 1964 einen Selbstmordversuch mit Hilfe von Medikamenten. Daraufhin verbrachte sie ein Jahr in einer psychiatrischen Klinik. 


"Wenn ich als ein unbekannter Selbstmörder wegginge, wäre es für alle zu billig. Weil diese Gesellschaft so groß und souverän ist, dass sie sich nicht selbst verurteilen kann, wird sie manchmal privat gerichtet... Und das ist mein Verdikt (Urteil, Entscheidung): Ich, Olga Hepnarová, das Opfer ihrer Bestialität, verurteile sie zur Todesstrafe durch ein Überfahren."      (Aus dem Brief O. Hepnarová vom 7. Juli 1973)


Hepnarová handelte kaltblütig und planmäßig. Als sie zum dem Ort gefahren kam, wo sie ihre Tat ausführen wollte, stellte sie fest, dass an der Straßenbahnhaltestelle gerade eine Tram stand und deshalb kaum Leute warteten. Sie fuhr an diesem Ort vorbei, durchfuhr einige Nebenstraßen, bis sie nach einigen Minuten wieder an die Haltestelle kam um ihren Plan zu vollenden.


Tatortfotos


     


"Es haben mich keine Autos und auch keine Trams behindert, die Straße ist frei gewesen. In diesem Augenblick habe ich entschieden, dass ich es gerade jetzt durchführe. Ich bin rechts auf den Gehsteig aufgefahren. Hier habe ich die Lenkung ausgeglichen und dann auf dem Gehsteig in voller Fahrt geradeaus, direkt auf die Menschenmassen zu, und habe sie überfahren."        
(aus der Aussage der Beschuldigte)


Obwohl Hepnarová einen sehr erfahrenen Verteidiger zur Seite hatte, arbeitete sie mit ihm überhaupt nicht zusammen. Vor Gericht erklärte sie, dass sie diese Tat nicht bereue und dass  sie mental ganz normal sei. Ihr Bestreben vor dem Gericht war einzig und allein darauf gerichtet, eine Anklage gegen die Gesellschaft vorzubringen.


"Falls die Gesellschaft das Gewissen hat, ein Einzelwesen zu vernichten, hat ein Einzelwesen das Gewissen die Gesellschaft zu vernichten."

" Ich wollte mich an der ganzen Gesellschaft rächen, einschließlich meiner Familie, weil sich alle mir gegenüber feindlich verhalten".

"Nach der Tat fühlte ich eine gewisse Entspannung und Zufriedenheit, weil mein geplanter Racheakt gelungen ist."                           (Passagen aus der Aussage der Beschuldigten)


 Am 6. April 1974 verurteilte das Stadtgericht im Prag Olga Hepnarová für diesen 8-fachen Mord zur Todesstrafe. Hepnarová nahm das Urteil an. Gustav Husák (damaliger tschechischer Staatspräsident) wies am 3. März 1975 das Gesuch der Mutter Olga Hepnarovás um eine Begnadigung der Tochter ab.


"Vor der Todesstrafe habe ich keine Angst und ich nehme sie an..."      

(waren die Worte Hepnarovás nach der Urteilsverkündung, die sie mehrmals wiederholte). 


Olga Hepnarová wurde am 12. März 1975 im Prager Gefängnis Pankrác hingerichtet. Vor der Hinrichtung hatte sie, entgegen ihrer Aussage nach der Urteilsverkündung, unheimliche Angst. Sie leistete heftigsten Widerstand und sie musste von mehreren Gefängnisbeamten zum Hinrichtungsplatz hingezogen werden...    


"Ich bin persönlich gegen die Todesstrafe durch Erhängen seit dieser Zeit, als ich das wunderschöne Fräulein exekutierte... Bevor ich sie hing, beschiss und benässte sie sich und erbrach sich so, dass sie mir mein Handwerk verekelte... Deshalb bin ich gegen die Todesstrafe".         (das waren die Worte des Henkers, der Olga Hepnarová exekutierte).


Übersetzung aus dem Tschechischen (Polizeiarchiv und Dr. Miloslav Jedlicka)



Der Fall - Vito Nardiello    

 

Vito Nardiello (" Der Wolf von Irpinia"), -  Einer der gefürchtetsten Verbrecher Italiens, der sich 12 Jahre lang in den Bergen Süditaliens versteckt halten konnte. Im März 1963 konnte der damals 39 jährige wegen fünffachen Mordes (darunter drei Morden an Frauen) dingfest gemacht werden, nachdem er schon Jahre zuvor in Abwesenheit zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war.  Nardiello hatte nach 1945 eine Gangsterbande gegründet, die ihren Lebensunterhalt durch Überfälle auf Autos und Omnibusse bestritt. Schon 1951 war er verhaftet worden, jedoch gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis von Avellino. Am 12.März 1963 erhielt die Polizei einen Hinweis aus der Bevölkerung. 200 Carabinieri umstellten des Bergdorf Volturara und nahmen Nardiello, den "Wolf von Irpinia", wie man ihn nannte fest.

 

Quellen: Verbrecher von A-Z (Hubert Gundolf) S. 339

 

 

 

Der Fall - June Ann Olson     

 

     


June Ann Olsson - 38 jährige Amerikanerin, deren Name 1962 in die Kriminalgeschichte einging. Sie kam als Halbwaise in ein Waisenhaus, wo sie, um entlassen zu werden, Feuer legte. Sie kam zu ihrer Stiefmutter zurück, die das ihr verhasste Mädchen zur Polizei brachte und angab, es hätte mit einem dreißigjährigen Mann verkehrt. Das Kind kam in eine Erziehungsanstalt; aber auf dem Weg dorthin wurde es von einem Sheriff vergewaltigt. Von diesem Augenblick an konnte June Ann Olson ihre Abneigung gegen Männer nicht mehr loswerden. Sie rächte sich auf ihre Weise: Sie suchte nach ihrer Entlassung Männerbekanntschaften und ging mit ihnen in Hotelzimmer. Kaum lagen die Männer im Bett, überschüttete sie die Decken mit Benzin und zündete sie an, dann flüchtete sie. In mehr als 50 Fällen erlitten die Männer teils schwere Verletzungen, der Sachschaden betrug insgesamt 50.000 $.

 

Sie wurde zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

 

Quellen: Verbrecher von A-Z (Hubert Gundolf) S. 350

 


Der Fall - Charles Fields

 

Charles Fields - Amerikanischer Mörder, der 1947 Uhr wegen Vergewaltigung zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt wurde (er war damals 15 Jahre alt gewesen, sein Opfer 23). Nachdem er 15 Jahre abgesessen hatte und immer noch nicht begnadigt worden war, entschloss er sich zu fliehen. Dies gelang ihm umso leichter, als er "wegen guter Führung" zum Außendienst abkommandiert war. Er durfte Schweine hüten und hatte dabei sogar die Erlaubnis, eine geladene Pistole zu tragen, um wilde Hunde von der Schweineherde abzuhalten. Im Januar 1962 verließ er die Herde, hielt auf der Straße den Wagen eines Schiffes auf, zwang den Mann auszusteigen und fuhr davon. Als er bald darauf auf der eisigen Fahrbahn ins Schleudern geriet und in einem Graben landete, hielt er einen anderen Wagen auf, ermordete den Fahrer und fuhr davon. Als er ein einsames Haus erspähte, hielt er, ging hinein und fand eine Frau mit einem Kind. Er vergewaltigte die Frau und ergriff die Flucht. Aber schon 90 Minuten nach seiner Flucht vom Schweinefeld wurde er von rasch aufgestellten Straßensperren aufgehalten und verhaftet. Er wurde zum Tode verurteilt.

 

Quelle: Verbrecher von A - Z (Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 -  S.136

 

Vermerk:

Anhand der mir vorliegenden Unterlagen wurde Charles Fields - männlich, weiße Hautfarbe, 30Jahre alt, wegen Vergewaltigung und Mord, auf dem Elektrischen Stuhl, am 24.01.1964, in Arkansas im County Jefferson hingerichtet.

 


Der Fall - Joseph Weil  

Alle stimmten darin überein, dass Yellow Kid eine elegante Erscheinung war. Der am  01. Juli 1875 in Chicago geborene Joseph Weil bezog seinen Namen von einer Cartoon-Figur aus den 90er Jahren und machte ihm mit stilvollen Requisiten alle Ehre. Er trug gelbe Handschuhe, besaß gelbe Visitenkar­ten und fuhr einen gelben Wagen.

 

    


Weil, der sich auf seine Intelligenz etwas einbildete, las die Werke der Philosophen Friedrich Nietzsche und Herbert Spencer als Bettlektüre. Er weckte das Interesse des Schriftstellers und Nobelpreisträ­gers Saul Bellow, der Weil 1956 in der Zeitschrift Reporter in „Ein Ge­spräch mit Yellow Kid" porträtierte.

 

Weil war ein Schwindler, der in sei­ner über 40jährigen Karriere Betrüge­reien jeder erdenklichen Art beging. Sein bekanntester Trick, „der große Laden", war äußerst aufwendig und lieferte die Idee für das Drehbuch des Kassenschlagers „Der Clou“. Zu die­sem Bluff wurden Räumlichkeiten an­gemietet und Akteure engagiert, die das Opfer überzeugen sollten, dass es sich in echten Geschäftsräumen be­finde. Sobald die Geldübergabe statt­gefunden hatte, verschwanden die Akteure samt der Beute.

 

Den denkwürdigsten Schwindel die­ser Art inszenierte Yellow Kid um 1910 in Muncie, Indiana. Als er hörte, dass die Zweigstelle der Merchant Na­tional Bank ihren Sitz wechselte, mie­tete Weil das leere Gebäude für eine Woche und richtete es ein. Keiner, der es danach betrat wäre je auf die Idee gekommen, dass die Bank den Umzug schon vorgenommen hatte. Weil besorgte sogar echte Einzahlungsscheine der Merchant National Bank, die er in anderen Zweigstellen gestohlen hatte. Ein uniformierter Straßenbahnschaffner posierte vor der Tür als Wächter.

 

Der Name des Opfers ist nicht be­kannt.  Wahrscheinlich scheute sich der Betrogene aus Scham, hereinge­legt worden zu sein, den Vorfall pu­blik zu machen, und Weil, der Hun­derte von Betrügereien beging, wird den Namen vergessen haben. Das Opfer war ein reicher Bürger einer Nachbarstadt, zu dem Weil schon seit einiger Zeit Kontakt aufgenommen hatte. Er wurde nach Muncie eingela­den, um mit dem Bankdirektor - Weil übernahm diese Rolle - die Einzelhei­ten eines bombensicheren Geschäfts zu erörtern. Verlief alles nach Plan, würde sich das Opfer für 50 000 Dol­lar einkaufen. Als der Mann eintraf, ließ man ihn eine Stunde warten. In der Zwischenzeit eilten Kunden ein und aus, und ein Bote brachte Geldsäcke in die Bank. Diese Geschäftig­keit war nur gespielt: Die Rollen der Kunden und des Boten hatten Gano­ven, Spieler und Prostituierte aus Weils Bekanntschaft übernommen.

 

Als der „Bankdirektor" den Mann dann schließlich empfing, hatte das Opfer keinen Grund mehr, daran zu zweifeln, dass alles mit rechten Din­gen zuging, und übergab unbesorgt das Geld. Seinen Irrtum entdeckte der Betrogene erst als Yellow Kid schon längst verschwunden war und mit ihm diese spezielle Zweigstelle der Merchant National.


    


Weil bediente sich oft einer weni­ger aufwendigen Version des gleichen Tricks. Zunächst stellte sich der Betrüger einem Bankmanager als rei­cher Kunde von auswärts vor. Er bat dann den Manager, ihm für kurze Zeit sein Büro zur Verfügung zu stellen, um ein vertrauliches Geschäft abzu­wickeln. Da der Manager dem poten­tiellen Kunden entgegenkommen wollte, stimmte er meistens zu. Danach führte ein Komplize des Schwindlers das Opfer herein, das glaubte, Weil leite die Bank.

 

Mehr als einmal wurde der echte Bankmanager später des Betrugs angeklagt.

 

Weil wurde 25mal verhaf­tet und fünfmal zu Haftstrafen verurteilt. Er be­hauptete, insgesamt acht Millionen Dollar einkas­siert zu haben. Davon sollte ihm jedoch nichts bleiben. Yellow Kid ver­lor sein Vermögen ganz legal durch Immobilien­geschäfte, die sich als ein Fehlschlag erwiesen.

 

Joseph Weil verstarb am 26. Februar 1976 in Chicago fast mittellos.

 

Quellen: Die Welt des Verbrechens (von Naumann & Göbel)  S. 91 – ISBN 3-625-10644-2

 


Der Fall - Adrienne Eckhardt  

In der Alserstraße neben dem Landesgericht fiel einem Sicherheitsbeamten in einer Novembernacht des Jahres 1952 auf, dass das Portal des Delikatessengeschäfts von Johann Arthold offen stand. Im Laden fand er dessen Leiche in einer große Blutlache. Der Mörder hatte allerdings einen Fehler begangen: In der Tasche des Opfers steckten zwei Straßenbahnfahrscheine vom Abend vor der Tat, und so zogen die Beamten los, um die Straßenbahnschaffner der Linie 38 zu befragen. Tatsächlich konnte sich eine Schaffnerin erinnern, Arthold in Begleitung einer schönen jungen Frau in einer auffallenden Imitationspelzjacke gesehen zu haben.


Adrienne Eckardt wurde ausgeforscht und festgenommen. Der Ermordete war ein übler Schwarzmarktschieber, genannt, der „Cadbury-Schokolade-König“. Die schöne Adrienne hatte sich, wie viele Frauen, ein wenig Luxus gewünscht und verkehrte deshalb in Schiebekreisen. Der Polizei gestand sie, die Tat nach einem gemeinsamen Heurigenbesuch begangen zu haben. Vor dem Untersuchungsrichter behauptete sie aber, sie habe einen gewissen Konstantin Bertini, einem Rauschgiftlieferanten Artholds, beim Mord nur geholfen.


 


Die Männer seien in Streit geraten und Bertini habe Arthold mit einer Fleischmaschine auf den Kopf geschlagen und ihm anschließend die Kehle durchgeschnitten. Bertini trage stets einen Dufflecoat, behauptete sie. Und so suchte nun ganz Wien fieberhaft nach dem Mann mit dem Dufflecoat, was zu etlichen Fehlanzeigen führte. Niemand fand und niemand kannte ihn, und bald wollte ihn niemand mehr finden, selbst als sich eine erste Spur abzuzeichnen schien.


Die junge Frau stand im März 1953 allein vor Gericht und schaffte es selbst mi ihrem unschuldigen Gesicht und trotz Betonung ihrer Schwangerschaft nicht, der Verurteilung wegen Mordes zu entgehen. Die Berufungsinstanz setzte die lebenslängliche Strafe allerdings auf zwanzig Jahre herab. Adrienne Eckhardt wurde wegen guter Führung bereits 1967 entlassen. Wie bei Hedwig Russ und Martha Marek war auch bei ihr das Interesse der Öffentlichkeit groß und die Zeitungen überschlugen sich mit Berichten über ihre Schönheit. Unbekannte schickten ihr Blumen und Süßigkeiten, viele glaubten nicht an ihre Schuld. Und die Modehäuser verzeichneten eine enorme Nachfrage nach Dufflecoats.

Kurz nach dem Prozess stand im „Amtsblatt der Stadt Wien“ zu lesen, dass eine Heft der „Bärenreihe“, in dem die drei Geständnisse Adrienne Eckhardts abgedruckt waren, nicht an Personen unter 16 Jahren abgegeben werden dürfe. Das Druckwerk berichte nämlich in der Art eines Kriminalreißers unsachlich über den Fall und verzerre diesen in Sensationelle. Die Schilderung der Wiener Unterwelt, des Schiebertums und Nachtlebens sei nach den Erfahrungen der Jugendschutzbehörde in der Lage, die geistige und sittliche Entwicklung Jugendlicher auf schädliche Weise zu beeinflussen…

Quellen: Hexen, Mörder, Henker - Die Kriminalgeschichte Österreichs (von Anna Ehrlich)
Ausgabe 2006, S. 233 - ISBN 3-85002-549-7




Der Fall - Ann Kierman


Ann Kierman, war eine 20jährige amerikanische Lehrerin, die 1961 die Frau ihres Psychiaters, Dr. Albert Laverne, erschoß, da sie glaubte, er würde die Geheimnisse ausplaudern, die sie ihm auf der Couch seiner psychiatrischen Ordination anvertraut hatte.


Sie kaufte sich eine Pistole und ging ins Wartezimmer und wartete volle fünf Stunden, bis der letzte Besucher ge­gangen war. In diesem Augenblick kam die Gattin des Psychiaters herein, mit ihr ihre drei Kinder. Ann Kierman feuerte drei Schüsse auf die Frau ab, die sofort tot zu­sammenbrach. Dann stellte sich die Mörderin der Polizei.


Der Grund ihrer Wahnsinnstat? Sie hatte das unwidersteh­liche Gefühl, sich ständig im Gesicht kratzen zu müssen. Mehrmals sah sie im Fernsehen oder auf der Straße Men­schen, die sich ebenfalls im Gesicht kratzten. Sie wurde im­mer mehr von der Wahnvorstellung befallen, diese Leute seien von ihrem Psychiater informiert worden und spotteten sie nur aus.


Ann Kierman kam in eine psychiatrische An­stalt.

 

Quellen: Verbrecher von A-Z (von Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 - S.248

 



Der Fall - Mathias Kindlinger


 


Mathias Kindlinger war ein ehemaliger österreichischer Postbeamter, der im März 1963 im Mittelpunkt eines sensationellen Prozesses stand.


Er war angeklagt, 1961 seine Frau Margarete ermordet zu haben, nachdem die Frau und er selbst gefesselt in ihren Betten aufgefunden worden waren.


Ein zweiter Anklagepunkt warf ihm die Schändung eines 14jährigen Mädchens vor. Die An­klage griff auf die Tatsache zurück, daß nur die Frau von fremder Hand gefesselt gewesen sei, während Kindlinger selbst die Fesseln angelegt haben konnte.


Schon 1927 war Kindlinger wegen Gattenmordes — er hatte seine erste Frau Viktoria erschossen — zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er heiratete wieder; Frau Nummer Zwei wurde er­hängt aufgefunden, ebenso Frau Nummer Drei. Man nahm Selbstmord an. Dann kam Frau Nummer Vier. Sie starb an einem Gehirnschlag.


Die österreichische Presse nannte Kind­linger den „Mann, dem alle Frauen starben".


Nach einem sensationellen Prozeß, der zehn Tage lang dauerte, wurde Mathias Kindlinger zu lebenslänglichem schwerem Kerker verurteilt. Wenige Jahre später starb er im Gefängnis.

 

Quellen: Verbrecher von A-Z (von Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 - S.249

 

Im historischen Archiv des "Hamburger Abendblattes" ist über diesen Fall folgendes berichtet worden:


Historisches Archiv · Nr. 53 vom 04.03.1963 · Seite 16

 

Mathias Kindlinger soll fünf seiner Frauen ermordet haben


"Blaubart von Schrems"


Diese Frage soll einer der größten Indizenprozesse in der österreichischen Kriminalgeschichte klären, der morgen vor einem Geschworenensenat unter dem Vorsitz von Oberlandesgerichtstat Dr. Schlinger in der Weinstadt Krems beginnt. Erst für 16. März ist das Urteil zu erwarten. Wird Kindlinger auf Lebenszeit liinter Kerkermauern geschickt oder wird ihm das Millionenerbe seiner Frau Margarete zugesprochen?


Der nunmehr 68jährige Angeklagte, der sich nahezu zwei Jahre lang mit Hilfe eines Diktiergerätes gründlich auf seinen Prozeß vorbereiten konnte, galt nach dem ersten Weltkrieg als intelligenter tüchtiger Postbeamter. 1924 avan eierte er zum Postamtsleiter in Weiler (Vorarlberg). Die solicje . Karriere eines braven kleinen

Staatsbürgers schien ihm sicher. Dann aber kam, was die Anklageschrift als "mysteriösen Tod aller Frauen um Kindlinger" vorsichtig umschreibt:


- Am 7. Juli 1927 lag Kindlingers erste Frau Viktoria, die Mutter seiner beiden Kinder Ernst und Emma, erschossen in der Wohnung. Der Verdacht fiel sofort auf den Postamtsleiter. Man machte ihm den Prozeß. Das Urteil lautete auf zwölf Jahre Kerker.


- Am 10. Juli 1936 hing die Linzer Blumenhändlerin Maria Wegschneider, bei der Kindlinger nach seiner bedingten Haftentlassung im Jahre 1934 Unterschlupf gefunden hatte, tot an einer Türschnalle. Kindlinger selbst war es, der mit Entsetzen im Gesicht die Polizei Eigener Bericht verständigte. "Ich bin unschuldig, glauben Sie mir", stammelte er immer wieder. Man glaubte ihm und nahm Selbstmord an.


- Am 2. Februar 1938 fand man die hübsche 40jährige Anna Fleischer, die mit Kindlinger knapp vorher eine Luxusreise an die Riviera gemacht hatte und dort alle Ersparnisse am Roulettetisch von Monte Carlo gelassen hatte, erhängt an einem Ofenknopf ihres hübschen Hauses in Aschach an der Donau. Viele Verdachtsmomente richteten sich gegen den entlassenen Mörder. Die Verwandten Annas verlangten sogar eine nochmalige Exhumierung der Leiche. Zuletzt aber lautete die offizielle Version abermals Selbstmord.


- Am 5. August 1953 starb Kindlingers zweite legale Ehefrau Friederike, geb. Radler, an den Folgen eines Gehirntumors und hinterließ ihrem Mann ein hübsches Vermögen. "Ich habe sie sehr geliebt", behauptet Kindlinger. Vielleicht stimmt es. Jedenfalls war sie die einzige Frau in seinem Leben. die einen natürlichen Tod hatte.


Das Vermögen der Toten verhalf dem trauernden Witwer endlich zu einem standesgemäßen Casanova-Dasein. Nach etlichen Intermezzi mit durchweg begüterten Inseratsbekanntschaften ? Kindlinger pflegte sich in den Heiratsannoncen stets als "liebesbedürftiger Staatsbeamter a. D." vorzustellen ? lernte er 1955 die Witwe Margarete Mautner, Besitzerin des "ersten Waldviertler Emaillierwerks" in Schrems, kennen. Kindlinger heiratete sie und war fortan Fabrikchef.


Düstere Wolken ballten sich nach und nach am Ehehimmel zusammen. Und dann kam jener 29. April 1961, an dem ein Bruder der Fabrikantin seine Schwester und den Schwager gefesselt in den Ehebetten entdeckte. Die Frau war tot. Kindlinger aber lebte und stammelte aschgrau die wirre Geschichte eines Raubüberfalls.


Polizei und Untersuchungsrichter standen vor einem Rätsel: Alle Anzeichen von Gewaltanwendung fehlten. Die Betten schienen nicht zerwühlt. Es hatte kein Kampf stattgefunden. Auch Margarete war mit ihrer Fesselung offenbar durchaus einverstanden gewesen.


Kindlinger wurde unter schwerem Mordverdacht verhaftet. Seither spricht er täglich stundenlang Verteidigungsreden in ein Diktaphon, und alle enden mit der Versicherung: "Ich bin unschuldig!"

 

 

 

Historisches Archiv · Nr. 76 vom 30.03.1963 · Seite 24


Die einzige Reaktion des Angeklagten war ein Achselzucken


Lebenslänglich für den "Blaubart" Kindlinger


Von Dr. Inge Santner


Matthias Kindlinger, der 69jährige "Blaubart von Schrems", ist am Freitag von einem Geschworenengericht in Krems bei Wien des Mordes an seiner dritten Ehefrau schuldig gesprochen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Damit fand ein Prozeß sein Ende, der weit über Osterreich hinaus Aufsehen erregt hatte. Schrems, ein Städtchen unweit der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze, war der letzte Wohnsitz Kindlingers.


Ein Achselzucken war die einzige Reaktion Kindlingers, nachdem die Geschworenen ihren Spruch gefällt hatten. Dieser Mann, der zehn Verhandlungstage lang das Gericht durch bravouröse Schauspielkunst und eiserne Nerven überrascht hatte, bewies bis zum letzten Augenblick seine Kaltblütigkeit. Nur ein mitleidiges Lächeln lag auf seinen Lippen, während er die sichtlich erschöpften Geschworenen betrachtete. Auf die Frage, ob er die Strafe annehme, antwortete er: "Das überlasse ich meinem Verteidiger."


Der Vormittag des Freitags hatte dem Plädoyer des Staatsanwalts Dr. Dobner gehört. Der Ankläger nannte Kindlin-. ger einen "Heuchler" und "Frömmler", der ein Doppelleben geführt und stets hemmungslos seinem persönlichen Vorteil und seinen Ausschweifungen gelebt habe. "Er täuschte seine Frau, er täuschte seine Umgebung, und er hat auch uns tagelang von seiner .idealen Ehe' vorgeschwärmt", rief Dr. Dobner. ?Wie aber sah dieser Mustergatte in Wirklichkeit aus? Er hielt in Wien eine Freundin aus, der er Liebesbriefe schrieb, die von Pathos klebrig waren. Und er verging sich, wie er selbst freimütig zugibt, an einer' Dreizehnjährigen. Jawohl, der Angeklagte hat recht, wenn er von sich behauptet: ,Ich bin ein Schwein'!"


Lebenslänglich: Matthias Kindlinger


Der Staatsanwalt zerpflückte die Behauptung Kindlingers, seine Frau und er selbst seien am 29. April 1961 die Opfer eines Überfalls geworden, den eben nur er dank einer besseren Konstitution überlebt hätte: "Kein einziges Indiz spricht dafür. Ganz im Gegenteil: Alle Sachverständigen konnten überzeugend nachweisen, daß Kindlinger den Raubüberfall nur vorgetäuscht und sich auch selbst gefesselt hat."


Besondere Bedeutung maß Dr. Dobner der Feststellung des Wiener Gerichtsmediziners Prof. Breitenecker bei, der mit "praktisch hundertprozentiger Sicherheit" nachgewiesen hatte, daß der Angeklagte entgegen seiner Behauptung niemals bewußtlos gewesen sein kann, weil die Ärzte in diesem Fall "Verletzungen oder schmerzende Stellen hätten finden müssen". Der Angeklagte sei, so schloß der Ankläger, daher "strafrechtlich voll verantwortlich" und verdiene die Höchststrafe von lebenslangem Kerker.


Verteidiger Dr. Peter Stern stand auf verlorenem Posten. Er konnte bloß darauf hinweisen, daß "kein Geständnis, sondern ausschließlich Indizien gegen den Angeklagten sprechen". Diese Indizien, das mußte er zugeben, seien massiv und schwerwiegend. Dennoch habe der Prozeß "noch andere Möglichkeiten aufgezeigt, wie Margarethe Kindlinger ums Leben gekommen sein könnte" (damit spielte er auf die Verdachtsmomente gegen den Wiener Fabrikanten Hans Verhunc, einen Bruder der Ermordeten an). Man könne Kindlinger daher nicht "hundertprozentig schuldig sprechen".


Die Geschworenen waren von dieser Argumentation nicht beeindruckt. Auch die Anschuldigung, sie seien gegen den Angeklagten voreingenommen gewesen, weil dieser bereits früher wegen Gattenmordes verurteilt worden war und weil andere seiner Lebensgefährtinnen unter mysteriösen Umständen gestorben waren, machte sie in ihrer Entscheidung nicht wankend. Sie sprachen ihr "Schuldig".

 


Historisches Archiv · Nr. 294 vom 18.12.1963 · Seite 22


Urteil bestätigt


Wien, 18. Dezember 1963


Der oberste Gerichtshof in Wien hat gestern eine Nichtigkeitsbeschwerde verworfen, die der 69jährige Mathias Kindlinger gegen seine lebenslängliche Verurteilung eingebracht hatte. Kindlinger war, wie berichtet, im März dieses Jahres von einem Geschworenengericht in Krems (Niederösterreich) nach einem Indizienprozeß wegen Mordes an seiner 61jährigen Frau Margarethe zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt worden.


Kindlinger, genannt der "Blaubart von Schrems". hat fünf Frauen überlebt. Seine letzte Frau, die er durch ein Heiratsinserat kennengelernt hat, war 1961 tot und gefesselt im Ehebett aufgefunden worden. Neben der Frau lag ihr Mann, ebenfalls gefesselt. Bis zum Ende des Prozesses hatte Kindlinger behauptet, er und seine Frau seien überfallen worden. Die Sachverständigen waren jedoch der Ansicht, Kindlinger habe sich nach dem Mord an seiner Frau selbst gefesselt.

 



Der Fall - Paul Knowles  (The Casanova Killer)

 

     


Journalisten treffen Serienmörder in der Regel erst, wenn sie sicher hinter Gittern versperrt sind. Der britischen Reporterin Sandy Fawkes erging es anders, als sie in einer Bar in Atlanta einem fe­schen jungen Mann namens Paul Knowles be­gegnete und mit ihm einige Tage verbrachte. Zehn

Tage danach sah sie das Foto ihres Liebhabers in der Zeitung: Verhaftet für den letzten einer Reihe von wenigstens 18 Morden.

 

Der aus Florida stammende Paul Knowles folgte nicht den üblichen Verhaltensmustern von Serien­mördern. Er war ständig unterwegs und ermordete Alte und Junge, Männer und Frauen. Manchmal ver­ging er sich an seinen Opfern beiderlei Geschlechts, manchmal nicht. Einige seiner Verbrechen waren finanziell motiviert, andere sexuell. Das einzige Bindeglied seiner Handlungen war das völlige Fehlen moralischer Skrupel.

 

Knowles, Jahrgang 1946 (7. April 1946), war bereits als Teenager ständig in Gesetzeskonflikten. Mit 19 fasste er seine erste Haftstrafe aus; viele weitere sollten folgen, meist wegen Einbruch und Autodiebstahl.

 

Seinen ersten bestätigten Mord beging er kurz nach seiner Verhaf­tung wegen einer Schlägerei in Jacksonville (Florida) am 26. Juli 1974. Er entkam dank seiner Diet­rich-Künste und brach in das Haus der 65-jährigen Alice Curtis ein. Er stahl ihr Geld und ihr Auto und ließ sie gefesselt und geknebelt zurück. Nach einer Weile erstickte sie an dem Knebel; als Knowles von ihrem Tod erfuhr, beschloss er, das Auto loszuwerden. Dabei fühlte er sich von zwei Mädchen, eines sieben, eines elf Jahre alt, beobachtet und erkannt. Er entführte die beiden, erwürgte sie und warf ihre toten Körper in einen Sumpf.

 

Unterwegs

Als Nächstes zog es ihn südwärts nach Atlantic Beach in Florida, wo er in ein weiteres Haus einbrach und den Bewohner erwürgte. Von hier fuhr er wieder nach Norden und nahm eine Anhalterin mit, die er en passant verge­waltigte und erwürgte, bevor er in Musell in Georgia einen Zwischenstopp für einen weiteren Einbruch in ein Haus einlegte. Hier erwürgte er Kathie Pierce vor den Augen ihres dreijährigen Sohns. Das Kind ließ er jedoch in Ruhe.

 

Die nächsten zwei Monate fuhr Knowles ziellos durch die Gegend, begleitet von Mord, Diebstahl und Vergewaltigung. Am 3. September 1974 beraub­te und ermordete er den Geschäftsmann William Bates in Lima in Ohio. Am 18. September tötete er zwei Zeltler in Ely in Nevada. Am 21. September fiel ihm eine hängen gebliebene, Hilfe suchende Autofahrerin in Texas auf. Er hielt an um sie zu miss­brauchen und zu ermorden. Zwei Tage später traf er in Alabama auf die Kosmetikerin Ann Dawson. Die beiden verbrachten sechs Tage als Liebespaar (Dawson zahlte die Rechnungen), bis Knowles sie am 29. September ermordete.

Drei weitere ziellose Wochen vergingen bevor Knowles auf sein nächstes Opfer traf. Doris Hovey wurde etwas nördlich von Woodford (Virginia) erschossen. Wieder im Süden, in Macon (Georgia), beging Carswell Carr am 6. November den Fehler, Knowles auf ein paar Drinks zu sich ins Haus einzu­laden. Knowles erstach den Mann, erwürgte danach dessen 15-jährige Tochter Mandy und versuchte, sich an ihrer Leiche zu vergehen.

 

Strassensperre

Zwei Tage später erreichte Knowles Atlanta und traf auf Sandy Fawkes. Sein „schaurig schöner An­blick", wie sie es nannte, zog sie sofort an. Im Bett erwies sich Knowles jedoch als Niete; in mehreren Versuchen brachte er keine Erektion zustande. Als die beiden sich trennten, hatte Fawkes keine Ahnung, mit wie viel Glück sie noch am Leben war. Das änderte sich tags darauf, als Knowles eine ihrer Freundinnen, Susan Mackenzie, mit vorgehaltener Pistole zum Sex zwingen wollte. Die Frau konnte jedoch entkommen und die Polizei alarmieren.

 

Die Jagd begann und dauerte mehrere Tage. Als ihn der erste Polizist stellte, zog Knowles schneller, entführte den Beamten und stahl sein Auto. Mit Hilfe des Dienstwagens hielt er jemanden an, dessen Fahrzeug er übernahm. Er hatte nun zwei Geiseln, den Polizisten und den anderen Autofahrer, wurde ihrer aber sehr bald überdrüssig. Er fesselte die Männer an einen Baum in Pulaski County in Georgia und schoss beiden in den Kopf.

 

Aber nun wurde es eng. Knowles geriet in eine Straßensperre und versuchte, zu Fuß zu fliehen, wurde jedoch von einem bewaffneten Zivilisten gefangen genommen.

 

Er lebte nicht mehr lange genug, um ein um­fassendes Geständnis abzulegen. Am Tag nach der Verhaftung wurde er von mehreren Polizisten zu einem seiner Tatorte geführt. Unterwegs gelang es Knowles, seine Handschellen mit einer Büro­klammer zu öffnen. Er versuchte, Sheriff Earl Lee die Pistole aus dem Halfter zu klauen, aber der mitfah­rende FBI-Agent Ron Angel war schneller und erschoss den Killer (18. November 1974).

 

Quellen: Serienmörder – Die Faszination des Bösen (von Charlotte Greig)Ausgabe 2005 – S. 137 -  ISBN 978-3-85003-212 -4