Am 7. Dezember 1982 wurde der wegen Entführung und Mordes verurteilte Charlie Brooks als erster Mensch in den Vereinigten Staaten mit einer Giftinjektion im Staatsgefängnis von Huntsville, Texas, hingerichtet.
Am 14. Dezember 1976 hatte er zusammen mit seinem Freund Woody Loudres den Mechaniker David Gregory entführt und in ein Motel gebracht. Dort fesselten sie ihr Opfer und schossen ihm in den Kopf. David Gregory verstarb an seinen Verletzungen. Charlie Brooks wurde am 3. Dezember 1977 wegen Entführung und Mordes an dem 26jährigen David Gregory zum Tode verurteilt.
Todeskammer in Huntsville, Texas
Bei der Hinrichtung von Brooks, die um 00.07 Uhr begann, wurden dem Delinquenten Natrium Thiophental, Pancuronium Bromid und Kaliumchlorid intravenös verabreicht. Laut der texanischen Justizverwaltung betrugen die Kosten dafür 86,08 US Dollar. Brooks wurde laut Hinrichtungsprotokoll um 00.16 Uhr für tot erklärt. Unter den zeugen der Hinrichtung war auch Brooks Freundin Vanesse Sapp.
Der Pressesprecher erklärte nach der Hinrichtung: „Es gab kein Problem. Herr Brooks ballte kurz die Hand, keuchte und verlor das Bewusstsein“
Quelle:
- 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 - Seite 275 - ISBN: 3-935678-03-7
Der Fall - Martin Bryant
Martin Bryant wurde am 07.Mai 1966 geboren und ist ein australischer Massenmörder, der Ende April 1996 bei einem Amoklauf in Tasmanien (Australien) 35 Menschen tötete und 37 weitere verletzte. Zur Zeit befindet er sich im Risdon Gefängnis in Hobart und sitzt eine Strafe von 35 mal Lebenslang ab.
Martin Bryant ist der älteste Sohn von Maurice und Carleen Bryant. In seiner Zeit als Kind wurde Bryant als ungewöhnlich angesehen. Bereits in den ersten Jahren seiner Schulzeit wurde bei ihm der niedrige Intelligenzquotient von 79 festgestellt. Darauf kam er auf eine Sonderschule. Die Lehrer beschrieben Bryant als besonders „fern von der Realität“ und entweder als emotionsloses oder als seltsame Emotionen ausdrückendes Kind. Er war störendes und manchmal auch gewalttätiges Kind, welches von anderen Schülern massiv schikaniert wurde. Bryant war deshalb mehrere Male in psychiatrischer Behandlung. Ein britischer Psychiater beschrieb in 1984 als geistig behindert und bescheinigte ihm eine Persönlichkeitsstörung. Wegen seiner geistigen Behinderung wurde er als „Dummer Marty“ von den anderen Kindern gehänselt.
Bryants Auftreten als junger Mann zeigte weiterhin gestörte Verhaltensweisen. Als sein Vater, der früh in Rente ging um auf ihn aufzupassen, offensichtlich bei einem Suizidversuch verstarb, beschrieben ihn Notfallärzte als aufgeregt während der Untersuchung und gleichgültig gegenüber dem Tod. Er lebte eine Zeit lang von einer Rente, auf die er wegen seinem niedrigem IQ Anrecht hatte und arbeitete als „Mädchen für alles“ oder Gärtner. Durch einen dieser Jobs kam er mit Helen Harvey, Teilerbin einer Lottogesellschaft, in Verbindung, die ihn einlud bei ihr zu leben. Bis zur Helens Tod, durch einen Autounfall, leben die beiden zusammen in dem Städtchen Copping. Martin Bryant hat anscheinend als eine Art Sohnersatz bei einer exzentrischen Millionärin in Tasmanien gewohnt.
In ihrem Testament wurde Bryant als Alleinerbe aufgeführt, so kam er in Besitz eines Wohnhauses in Hobart und weiterer Besitz, insgesamt mehr als eine halbe Million $A Dollar wert. Durch eine Anfrage seiner Mutter, die man bestätigte, wurde im Jahr 1993 wegen seiner verminderten geistigen Fähigkeiten (geistig soll er zu diesem Zeitpunkt auf dem Niveau eines 11jährigen gewesen sein), die Verwaltung seines Besitzes einem Treuhänder übertragen.
Am 28. April 1996 fuhr Martin Bryant zu einem älteren Ehepaar, mit dem er schon seit einiger Zeit Probleme wegen des Verkaufs ihres Grundstückes hatte. Sie wollten ihm das Land nicht verkaufen. Martin erschoss die beiden in ihrem Haus und fuhr anschließend zu einem Touristenpark auf der tasmanischen Insel Porth Arthur.
Er ging mit einer Sporttasche voller Waffen in ein Cafe und schoss dort sehr gezielt und eiskalt auf die Gäste. Die anderen Touristen auf dem Parkplatz dachten zunächst an Filmaufnahmen, bis Martin heraus kam und auch auf dem Parkplatz um sich schoss. Er ging sogar in die Busse und suchte nach Menschen, die sich dort versteckt hielten.
Einen Mann nahm er als Geisel mit und fuhr mit ihm zurück zum Haus des älteren Ehepaares, mit dem er Streit gehabt hatte. An einer Tankstelle erschoss er 2 weitere Personen. Er verschanzte sich 18 Stunden lang in dem besagten Haus, dann zündete er es an und wollte offenbar Selbstmord begehen. Er kam jedoch doch noch, nackt und schwer verletzt, heraus und wurde ins Krankenhaus gebracht (übrigens in dasselbe in dem die Verletzten seines Amoklaufes lagen).
Die Bilanz waren 35 Tote und 19 Verletzte. Es war das größte Massaker in der Geschichte des Australischen Kontin
Sieben Monate nach dem Amoklauf begann der Prozess gegen Martin Bryant. Ihm wurde zwar die Intelligenz eines 11jährigen zugesprochen, jedoch auch volle Schuldfähigkeit. Bei seinen Aussagen vor Gericht fing er heftig an zu lachen. Im November wurde er zu 35mal lebenslänglicher Haft und zusätzlichen 777 Jahren Gefängnis verurteilt.
Seitdem sitzt er in Porth Arthur in einer sehr karg eingerichteten Zelle und wird rund um die Uhr bewacht. Nur ausgewählte Gefangene dürfen Kontakt zu ihm haben. Bryant hat inzwischen den dritten Selbstmordversuch hinter sich. Beim ersten Mal wollte er sich mit Verbandsmaterial selbst strangulieren, dann versuchte er eine aufgerollte Zahnpastatube zu verschlucken. Zuletzt wurde er völlig betäubt in seiner Zelle gefunden. Anscheinend hatten ihm andere Häftlinge Medikamente zukommen lassen.
Die Regierung hat aufgrund dieses Falles ihre Waffengesetze verschärft. In einem Rücklauf Programm wurden bislang über 383 000 Waffen aus Privathänden aufgekauft.
Die Opfer Bryants:
Royce Thompson 59 Jahre, Janet Quin 50 Jahre, Nanette Mikac 36 Jahre, Madeline Mikac 3 Jahre, Andrew Mills 39 Jahre, Mary Nixon 55 Jahre, Elizabeth Howard 26 Jahre, Jason Winter 39 Jahre, Nicole Burgess 17 Jahre, Sally Martin 70 Jahre, David Martin 70 Jahre, Elva Gaylard 48 Jahre, Walter Bennett 66 Jahre, Raymond Sharp 67 Jahre, Kevin Sharp 69 Jahre, Sarah Loughton 15 Jahre, Mervyn Howard 55 Jahre, May Howard 57 Jahre, Pauline Masters 49 Jahre, Dennis Lever 53 Jahre, Ronald Jary 71 Jahre, Peter Nash 32 Jahre, Anthony Nightingale 43Jahre, Tony Kisten 51 Jahre, Zoe Hall 28 Jahre, Glen Pears 35 Jahre, Helen Salzman ?? Jahre, Robert Salzmann 56 Jahre, Jim Pollard 72 Jahre, Kate Scott 21 Jahre, Gwenda Neander 67 Jahre, William Ng Mokya ?? Jahre, Sue Ling Chong 36 Jahre,
Quellen:
- Archivmaterial
- Wikipedia
Der Fall - Ricardo Caputo
Der aus Argentinien stammende Südamerikaner Ricardo Caputo tötete in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten mindestens vier Frauen. Die Zahl der tatsächlich von ihm begangenen Morde liegt vermutlich weit aus höher. Der leidenschaftliche Maler, der sich seinen Lebensunterhalt mit diversen Jobs finanzierte, wurde am 9. März 1994 verhaftet. Die Verbrechen hatten sich sowohl in New York als auch in Los Angeles, San Francisco, aber auch in Mexiko City ereignet.
Bereits Anfang der 70Jahre war der später als „Lady Killer“ in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Mann wegen Mordes an einer jungen New Yorkerin, die er kaltblütig niedergestochen hatte, überführt und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Doch Ricardo Caputo fühlte sich nicht dazu berufen, sein Leben in einer Anstalt zu verbringen. Fatalerweise gelang ihm die Flucht, was aller Voraussicht nach drei weiteren Frauen das Leben kostete, darunter die Kellnerin Devan Green. Sie wurde 1981 in Los Angeles ermordet aufgefunden. Wie die Ermittler des LAPD (Los Angeles Police Departments) herausfanden, war Caputo genau zu dieser Zeit unter dem Aliasnamen Robert Martin in dem Restaurant als Küchengehilfe angestellt, in dem auch Devan Green beschäftigt gewesen war. Obwohl die näheren Umstände der Tatbegehung deutlich auf den „Lady Killer“ Caputo hinwiesen, konnte ihm dieser Mord bislang nicht nachgewiesen werden.
Derzeit sitzt Ricardo Caputo im Staatsgefängnis von San Quentin und wartet auf die Vollstreckung seines Todesurteils.
Quellen:
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2.Auflage 2000 – Seite 254 - ISBN 3-548-359353
Der Fall - Abdallah Al-Hubal
Am Nachmittag des 16.August 1998 kam es in der Stadt Bayt Al Faqih im Südjemen zu einer Schießerei zwischen Sicherheitskräften und dem zwölffachen Mörder Abdallah Al-Hubal, bei dem der Mörder und ein Police-Officer ums Leben kamen. Zwei weitere wurden verletzt.
Der langgesuchte Serienkiller hatte seit der Wiedervereinigung des marxistischen Südjemen mit dem nördlichen Teil des Landes im Jahr 1990 sieben Menschen getötet. Nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt in der jemenitischen Hafenstadt Aden konnte er aus der Anstalt entkommen. Al-Hubal verschwand vorübergehend, bis er Anfang August 1998 in Bayt Al-Faqih, einer rund 200 Kilometer südwestlich von Sanaa gelegenen Stadt in der Provinz Hudaydah, wieder auftauchte und fünf Morde beging. Al-Hubal war – so die Erklärung der Polizei – bei dem Mord an einem Paar beobachtet worden und wollte die drei Zeugen, die ihn gesehen hatten offensichtlich zum Schweigen bringen.
Über die Motive, die seinen Verbrechen zugrunde lagen, wurde nichts bekannt.
Quellen: -Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2.Auflage 2000 – Seite 484 - ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Satish
Bahadurgarh - hier vergewaltigte und ermordete der Killer kleine Mädchen
Drei Jahre lang versetzte ein Serienmörder die Menschen in der Umgebung der nordindischen Township Bahadurgarh, rund 50 Kilometer nördlich von Delhi, in Angst und Schrecken. Der so genannte „Bahadurgarh Baby Killer“ vergewaltigte und ermordete zwischen 1995 und Dezember 1998 zwölf kleine Mädchen, zum Teil im Vorschulalter, die er zuvor aus den Slums entführt hatte.
In einem Slum am Rande der indischen Millionenstadt Neu Delhi suchen Kinder im Müll nach Verwertbarem.
Der erste Fall ereignete sich im Herbst 1995. Damals verschwand die 6 Jahr alte Pooja Ranga aus einem Slum am Rande der Bahngleise und wurde wenige Tage später am Ufer eines nahe gelegenen Teiches mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Der Zustand der Kinderleiche wies auf ein sexuell motiviertes Verbrechen hin. Knapp eine Woche später ereignete sich der nächste Mord, dem innerhalb weniger Tage ein weiterer folgte.
Die Polizei des Bundesstaates Haryana war mit der Mordserie überfordert, zumal der unheimliche Kindermörder, abgesehen vom Sperma an den Leichen, keine weiteren Spuren hinterließ. Nachdem am 11. Oktober 1995 erneut ein Kind, die neunjährige Tochter des Arbeiterehepaares, mit durchschnittener Kehle in der Nähe des Industriegeländes Udyog Vihar gefunden worden war, verloren die Anwohner endgültig das Vertrauen in die Polizei. Aus Angst, dass das eigene Kind dem „Baby Killer“ zum Opfer fallen könnte, verließen zahlreiche Eltern die Gegend.
Nach dem elften Mord setzte die Regierung eine Belohnung von 10.000 Rupien aus, und auch Privatleute steuerten Gelder für Hinweise bei, die zur Ergreifung des „Baby Killers“ führten. Zunächst vergeblich. Nachdem im September 1998 die neun Jahre alte Surmani entführt worden war, gelang es der Polizei, einen Verdächtigen namens Satish festzunehmen. Berichten zufolge soll der unverheiratete Mittzwanziger und ortsansässige Fabrikarbeiter zugegeben haben, der „Bahadurgarh Baby Killer“ zu sein und die zwölft Sexualmorde begangen zu haben.
Quellen:
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2.Auflage 2000 – Seite 527 - ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Ali Reza Khoshruy Kuran Kordiyeh
Verurteilte werden im Iran oft an einem Baukran aufgehängt.
Am 12. August 1997 versammelten sich 20.000 Schaulustige in Teheran auf einem Platz im Westen der Stadt, auf dem ein gelber Baukran stand. Daran sollte der 28jährige Ali Reza Kordiyeh aufgehängt werden, der wegen Entführung, Vergewaltigung und neunfachen Mordes zum Tode verurteilt war. Die männlichen Angehörigen der Opfer durften im zuvor 214 Peitschenhiebe verabreichen, während über Lautsprecher Verse aus dem Koran verlesen wurden: Es war der Tag der Abrechung mit dem „Vampir von Teheran“, der seit Anfang des Jahres in der iranischen Hauptstadt gewütet hatte.
Ali Kordiyeh, ein freiberuflicher Taxifahrer, hatte zwischen Februar und Juni 1997 neun Mädchen und Frauen im Alter zwischen zehn und 47 Jahren nachts in seinem Taxi mitgenommen, vergewaltigt und erstochen. Die Toten, unter ihnen eine Mutter mit ihrer Tochter, übergoss er mit Benzin und zündete sie an, um ihre Identifizierung zu erschweren.
„Es ist ein süßer Tod für ihn“, erklärte eine 29jährige Frau, die der Überzeugung war, dem Vampir um ein Haar entkommen zu sein, „ihm gebührt Schlimmeres!“
Kordiyeh war in einer Einkaufsstraße wegen seines auffälligen Verhaltens festgenommen und als geflohener Vergewaltiger identifiziert worden. Der einschlägig Vorbestrafte war während seiner Haft im Jahre 1993 beim Transport zum Gericht entkommen. Nachdem Blutspuren in seinem Auto gefunden wurden, blieb ihm nichts anderes übrig, als auch noch die ungeklärten Sexualmorde zu gestehen. Seine Gerichtsverhandlung wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt und im ganzen Iran fieberhaft mitverfolgt.
Nach Kordiyehs Hinrichtung wurde eine weitere Frau sexuell belästigt. Ihr Angreifer, ebenfalls ein Taxifahrer, erklärte nur: „Ich werde der nächste – Vampir von Teheran – sein!“
Quellen:
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2.Auflage 2000 – Seite 537 - ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Marlene Bei Morden gibt es ja selten etwas zum Schmunzeln, aber in der dänischen Kriminalgeschichte gibt es zumindest einen Mord mit ausgesprochen tragikomischen Zügen. Wahrscheinlich verleitet der Tod von Sven N. zum leisen bösen Kichern, weil das Opfer ein eher unsympathischer Zeitgenosse war und an seiner eigenen recht ausgefallenen Todesart außerdem nicht ganz unschuldig war.
Der "Fall Sklavenkäfig" begann reichlich absurd damit, dass ein Mann am 16. September 1990 bei der Polizei in Randers anrief und sagte, er habe einen Käfig mit einer Leiche gefunden hatte. Die Polizei glaubte kein Wort, aber nach einigem Hin und Her schickte der Wachhabende eine Streife zur genannten Adresse. Und siehe da: Der Anrufer hatte nichts erfunden! Es gab einen Käfig mit einer Leiche!
Der Käfig, in welchem sich Sven N. freiwillig einsperren und angeketten ließ.
Sven N., der nun tot in einem kleinen Käfig kauerte, wohnte zu Lebzeiten in einer äußerst gepflegten und penibel aufgeräumten weißen Villa im Randers-Vorort Kristrup. Als er mehrere Tage nicht zu erreichen war, fuhr sein Bruder zusammen mit einem Freund zu dessen Haus. Svens Auto stand vor der Garage, und es war eindeutig, dass irgendetwas nicht stimmte. Die beiden schlossen sich mit einem Reserveschlüssel ins Haus. Ein Schwarm Schmeissfliegen kam ihnen entgegen, der Gestank im Haus war unerträglich. Nur wenige Sekunden später riefen sie bei der Polizei an.
Die Küche, das Esszimmer, das Wohnzimmer und auch das Schlafzimmer waren elegant und zurückhaltend-skandinavisch eingerichtet. Aber hinter der Tür zur früheren Garage befand sich ein perfekt ausgerüsteter Folter-Keller. Dieser Geheimraum, den nur wenige kannten, war ein regelrechter Spielplatz für Sklaven und Dominas. In einer Ecke stand ein Lederbett mit Fesseln an der Wand, an den Wänden hingen alle möglichen Sorten von Peitschen. Es gab ein Andreaskreuz – und es gab einen Käfig!
In diesem Käfig, der nur 67 cm hoch und 80 cm breit war, saß Sven im Schneidersitz. Er war ganz offensichtlich bereits seit einigen Tagen tot! Sein Gesicht war aufgeschwollen, überall waren fette Fliegen, im ganzen Haus stank es schrecklich!
Unter dem Käfig befand sich eine große Blutlache, aber trotzdem konnte die Polizei im ersten Moment nicht erkennen, an was der Mann eigentlich gestorben war. Bis auf ein paar lange Stiefel war Sven nackt, aber Wunden waren nicht zu sehen. Svens Geschlechtsteil war sorgfältig mit einer Schnur umwickelt, um den Hals trug er einen Stahlreifen, mit dem er am Käfig festgebunden war. Sein Hinterkopf drückte an die Oberseite des Käfigs, sein Kopf kippte dadurch leicht nach links vorne. Seine Arme waren gespreizt, und seine Hände waren mit Handschellen am Käfig gefesselt.
Die Verletzungen von Sven N. welche schließlich zum Tod führten
Die Polizei ließ den ganzen Käfig mit Mann zur Gerichtsmedizin bringen. Erst dort stellte man fest, dass das Opfer auf der linken Halsseite mehrere Einstiche hatte. Da der Kopf nach Svens Tod zu dieser Seite gekippt war, hatte man die Wunden im ersten Moment nicht gesehen. Einige der Schnitte waren eher oberflächlich, aber auch die tieferen Schnitte waren nicht unmittelbar tödlich. Es war keine Halsschlagader getroffen. Wahrscheinlich hatte es zwischen zehn und dreißig Minuten gedauert, bis das Opfer verblutet war.
Svens Bruder Bernd erzählte der Polizei, dass Sven eine Freundin namens Marlene hatte. Marlene hatte Bernd vor einigen Tagen erzählt, dass Sven mit ihr Schluss gemacht hatte. Sven hatte nach einem Streit wütend das Haus verlassen und vorher von ihr verlangt, dass sie verschwinden soll. "Wenn ich wieder komme, will ich dich nicht mehr sehen", soll er gerufen haben. Marlene wartete trotzdem auf Sven, aber weil er auch nach Stunden nicht zurückkehrte, schrieb Marlene einen traurigen Abschiedsbrief und legte ihn auf den Küchentisch. Dann warf sie den Hausschlüssel in den Briefkasten, brachte Svens Hund zu Bernd und erzählte dabei vom traurigen Ende ihrer großen Liebe. Als Sven aber einfach nicht kam, um seinen Hund abzuholen, hatte Bernd angefangen, sich Sorgen zu machen.
Natürlich verdächtigte die Polizei vor allem Marlene. Bei einem ersten Verhör hielt Marlene aber an ihrer Version fest, und als die Polizei tiefer im Leben des Toten grub, fand sie eine ganze Reihe von Verdächtigen. Sven hatte noch nie ein normales brav-bürgerliches Leben geführt. Auch wenn er mit seinem aufgeräumten und eleganten Haus und seinem großen Wagen den Eindruck eines fleißigen, erfolgreichen Bürgers vermittelte, sah sein Leben doch ganz anders aus. Er hatte Kontakt zu einer Rockergruppe, und er hatte seit Jahren keine feste Arbeit gehabt. Die Polizei fand im Haus jede Menge Bargeld und Abrechnungen, die zeigten, dass andere Leute Sven jede Menge Geld schuldeten. Im Gegensatz dazu schuldete Sven seiner Bank viel Geld und seine Konten waren leer. Gleichzeitg bezog er Arbeitslosengeld, und hin und wieder schickte ihn das Arbeitsamt auch zu Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, an denen Sven brav teilnahm. Bei der Polizei war Sven außerdem bereits seit Jahren bekannt, weil man mehrere Male unerlaubte Waffen bei ihm gefunden hatte. Auch einige Einbrüche gingen auf sein Konto.
Von was Sven vor seinem Tod nun genau gelebt hatte, wurde nie ganz geklärt. Aber wahrscheinlich war es eine Mischung aus etwas Diebstahl, etwas Drogenhandel und etwas Geldverleih. Außerdem erhielt er ja auch noch sein Arbeitslosengeld! In seiner reichlichen Freizeit trainierte Sven seine Muskeln in einem Bodybuilder-Studio.
Rein äußerlich war Sven ein harter Macho mit gestählten Muskeln, einer, vor dem die anderen Respekt, wenn nicht sogar Angst hatten.
Aber die Wirklichkeit sah auch hier anders aus. Sven war im Bett alles andere als ein Macho! Er war Masochist und Devot und genoss es, sich peinigen zu lassen. Jahrelang hatte er eine feste Domina namens Sanne. Aber die Polizei fand in Svens jede Menge Adressen von Frauen und auch Männern, mit denen Sven sadomasochistische Kontakte gepflegt hatte. Die Polizei überprüfte all diese Kontakte, die Sven in seinen sorgfältig geführten Tagebüchern finden konnte.
War der Mörder Jemand aus den SM-Kreisen, oder stammte er aus einer Rockergruppe? War es Jemand, der Sven viel Geld schuldete oder war der Täter ein Ganovenkollege oder ein Drogenhänder? Die Zahl der Verdächtigen wuchs von Tag zu Tag. Trotzdem kam die Polizei mit ihren Ermittlungen einfach nicht weiter.
Aber es gab im Haus eine bestimmte Spur, die die Polizei von Anfang an wirklich stutzig gemacht hatte. Der Täter hatte ganz offensichtlich versucht, die Blutflecken neben dem Käfig mit Waschmittel wegzuputzen. Jemand, der die Leiche im Käfig und den Käfig im Haus gelassen hatte, hatte sich gleichzeitig Sorgen über Blut auf dem Teppichboden gemacht!
Ein Drogenhändler mit Putzwahn? Ein Schuldner, der noch schnell sauber wollte? Schwer vorstellbar. Nachdem die Polizei wochenlang Motive, mögliche Täter und Alibis untersucht hatte, fiel der Verdacht am Ende also doch wieder auf Marlene!
Sven hatte zwar viele sexuelle Kontakte, aber Marlene galt trotzdem seit geraumer Zeit – nachdem Sanne, seine „feste Domina“ ihn verlassen hatte - als seine Freundin. Sie war die letzte, die ihn lebend gesehen hatte, und Sven hatte nach ihrer eigenen Aussage mit ihr Schluss gemacht. Aber wie hätte sie ihn nach einem Streit in den Käfig bringen können? Und welches Motiv sollte sie haben?
Marlene war damals 23 Jahre alt. Sie war eine hübsche junge Frau mit vielen Muskeln, denn sie war eine begeisterte Bodybuilderin! Zwei Mal wurde sie sogar dänische Meisterin. Als ihr erster Freund wegen Drogen in den Knast kam, wurde sie quasi über Nacht Svens Freundin. Sven wollte sie haben, und Marlene war in Sven offenbar richtig verliebt.
Sanne bildete Marlene dann sogar regelrecht für ihre neue „Berufung“ aus!
Eine Herrin aus Überzeugung wurde Marlene trotzdem nie. Sie machte immer nur das, was Sven von ihr verlangte. Sie war davon überzeugt, Sven mit viel Liebe und Zärtlichkeit von seinen masochistischen Leidenschaften befreien zu können! Daraus wurde natürlich nichts, und Sven und Marlene stritten sich immer wieder und immer heftiger. Sven verprügelte seine Domina, die absurderweise vor dem Mann, der eigentlich aus Angst vor ihr zittern sollte, immer wieder zu Freunden fliehen musste! Blaue Flecken wurden ein Teil von Marlenes Alltag!
Die Beziehung stand am 16. September 1990 bereits sehr auf der Kippe!
Die Polizei hatte deshalb einen sehr logischen einen Verdacht, aber auch keinerlei Beweise! Immer wieder wurde Marlene befragt, immer wieder hielt sie an ihrer ersten Version fest. Aber am 22. November brach sie schließlich zusammen. Marlene gestand! Ihre Geschichte war so herzzerreißend, dass die Polizei mit ihrer Verdächtigen fast Mitleid bekamen.
Sven hatte sein ganzes Leben etwas anderes getan als er sagte … genau diese Ambivalenz wurde ihm am Ende zum Verhängnis.
Sven war an seinem Todestag freiwillig in den Käfig geklettert. Er hatte sich von seiner „Herrin“ fesseln und ausschimpfen lassen. Dann sagte er plötzlich, dass er wieder aus dem Käfig raus will. Diese Bitte war aber ein abgesprochenes Spiel! Er bat bei jeder Käfig-Seance darum, herausgelassen zu werden und immer musste Marlene als „strenge Herrin“ diesen Wunsch ablehnen.
Nur: Dieses eine Mal hatte er es wirklich ernst gemeint! Und die verwirrte Marlene, die sowieso nur mitmachte, weil sie in Sven verliebt war, hatte ihren „Sklaven“ nicht richtig verstanden. Als Sven von Marlene nicht sofort aus dem Käfig freigelassen wurde, begann er zu schimpfen. Statt demütig abzuwarten und sich bei ihr zu entschuldigen, schimpfte und schrie er. Sein Wutanfall im Käfig wurde so heftig, dass Marlene versuchte, ihm mit einem Knebel den Mund zu stopfen, aber sein Wortstrom war nicht zu bremsen.
Marlene ging in die Küche, nahm eine Beruhigungspille und wartete ab. Als sie dachte, er hätte sich beruhigt, ging sie zurück. Aber seine Wut war nun noch größer geworden. Er drohte mit allen möglichen Brutalitäten, und am Ende sogar damit, Marlenes Hunde zu töten.
Marlene drehte durch. Sie ging in die Küche, holte ein Messer und stach es ihm in den Hals! Was danach passierte, wusste sie nicht mehr genau. Ihre Erinnerung hatte die schlimmsten Einzelheiten ausgelöscht, aber sie wusste noch, dass sie versucht hatte, das Blut mit Waschpulver vom Boden wegzuwaschen.
Kriminalassistent Stenderup Christensen war beim Verhör dabei. Er schilderte das Geständnis später so: „Erst brach sie weinend zusammen. Aber dann erzählte sie alles und sie schilderte auch viele Einzelheiten. Wir konnten merken, dass es ihr gut tat, endlich darüber zu sprechen.“
Das Gericht ließ Milde walten. Marlene wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sie ist seit 1993 wieder frei. Was sie heute macht, ist nicht bekannt.
Inger Lise Bakken (40) beging in ihrem Leben einen großen Fehler: Sie verliebte sich in ihren Nachbarn! Als sie sich nach einigen Jahren wieder von ihm trennen wollte, zeigte er seine Schattenseiten. Erst verfolgte er sie, und am Ende ermordete er sie. Und das auf eine unvorstellbar grausame Art. Inger Lise Bakken starb langsam und unter großen Schmerzen. Ihr einst so netter Nachbar hatte sie wochenlang mit Thallium vergiftet! Kein Arzt konnte ihr mehr helfen.
Der Mörder, sein Opfer und die Beweise.
Die hübsche Inger Lise Bakken war Mitte 30 und Mutter von zwei kleinen Mädchen, als sie Anfang der 90er Jahre ihren Nachbarn Terje Wiik kennen lernte. Inger war geschieden und lebte in einer gepflegten Reihenhaussiedlung im norwegischen Trondheim. Als die beiden an einem warmen Sommertag ihre Balkontüren offen hatten, begannen sie einen kleinen Flirt von Wohnung zu Wohnung, der bald zu mehr wurde.
Der Karrieremensch Terje Wiik
Terje war zu diesem Zeitpunkt Mitte 40, gut aussehend, erfolgreicher Ingenieur bei Statoil, wohlhabend, zwei Mal geschieden und Vater von drei fast erwachsenen Kindern. Bei seinen Freunden galt er zwar als sexverrückter Schürzenjäger, aber seine beiden geschiedenen Frauen hatten ihn als einen Mann in Erinnerung, der aufblühte, wenn er eine Frau umsorgen konnte. Terje selbst sah sich hauptsächlich als hart arbeitenden Karrieremenschen, der kaum Zeit für ein Privatleben hatte. Noch vor seinem 60. Geburtstag wollte er sich deshalb dank seines dicken Bankkontos vom Beruf zurückziehen und das Leben genießen.
Inger Lise und Terje waren lange Zeit glücklich miteinander. Zeitweise sprachen sie sogar von Hochzeit! Inger Lise wirkte sehr verliebt.
Zum Jahreswechsel 97/98 änderte sich alles. Inger Lise wollte sich von Terje trennen, es kam zu Streitereien. Auch als sie nur eine Trennung auf Zeit vorschlug, wurde sie ihren Nachbarn einfach nicht mehr los. Er drohte mit Selbstmord, er rief sie ununterbrochen an, er wurde so Besitz ergreifend, dass Inger und ihre Familie Angst bekamen. Dann wurde Inger Lise krank. Sie litt unter großen und unerklärlichen Schmerzen und war in dieser Situation als allein erziehende Mutter auf ihren „netten Nachbarn“ angewiesen. Manchmal erholte sie sich kurz, aber dann wurde sie erneut und noch schmerzhafter von der heimtückischen Krankheit heimgesucht. Sie verlor ihre Haare, bekam Angstanfälle, Lähmungen in allen Gliedern und Schmerzen, die so groß waren, dass niemand sie berühren durfte. Manchmal schrie sie so laut, dass Terje - ihr einstiger Verlobter - ihre Leiden in seiner Wohnung mitanhörte. Als die Ärzte endlich begriffen, was ihr fehlte, war es zu spät.
Inger Lise Bakkens Leiden dauerten insgesamt acht Monate. Sie wurden in Norwegen als „Tagebuch des Schreckens“ bekannt:
7. Mai 98: Terje Wiik sucht zum ersten Mal im Internet Informationen zum Stichwort „Thallium“
12. Mai 98: Terje Wiik sucht zum zweiten Mal nach „Thallium“
19. Mai 98: Terje Wiik schließt sich mit seinen Schlüssel in das Reihenhaus von Inger Lise Bakken ein. Als sie spät abends heimkommt, zieht er sie an den Haaren und wirft sie die Treppe hinunter. Sie bricht sich einen Zeh. Inger Lise bricht endgültig mit ihren Nachbarn und lässt in den Tagen danach alle Schlösser auswechseln.
20. Mai 98: Terje Wiik bestellt im Namen seines Arbeitgebers, dem Forschungscenter bei „Statoil“ 125 Gramm Thallium. Ein Gramm reicht aus, um einen Menschen zu töten!
23. Mai 98: Terje Wiik sucht erneut im Internet. Die eingegebenen Stichwörter sind dieses Mal „Thallium“ und „Murder“ (Mord).
29. Mai 98: Der PKW von Inger Lise Bakken geht kaputt. Auf unerklärliche Weise ist kein Öl mehr im Motor, er brennt zusammen. Da Inger Lise nicht so viel Geld hat, kauft sie sich ein Fahrrad und radelt von nun an zur Arbeit.
4. Juni 98: Terje Wiik bekommt das Gift mit der Post. Noch am gleichen Tag schleicht er sich in Inger Lises Wohnung und kippt Gift in ihr Cola.
5. Juni 98: Inger Lise Bakken wird krank. Sie bekommt Schmerzen in der Brust, in den Armen, in den Beinen und den Füßen. Ihre Haare fallen aus. Zeitweise sind die Schmerzen so groß, dass sie nur noch in der Badewanne Linderung findet.
15. Juni 98: Inger Lise Bakken hat so große Schmerzen, dass sie tagsüber im Krankenhaus behandelt wird. Allerdings haben die Ärzte keine Ahnung, was ihr fehlt.
Terje Wiik bietet sich nun an, sie hin und zurück zu fahren. Sie hat ja kein Auto! Er sagt, die großen Schmerzen kämen sicherlich vom vielen Fahrradfahren.
Ende August: Inger Lise Bakken ist wieder gesund. Sie kauft sich einen Gebrauchtwagen, verliert ihn aber schon nach einem Tag. Auch bei diesem PKW fehlt das Öl, und auch bei diesem Wagen geht der Motor kaputt! An einem dieser Tage gelingt es Terje Wiik offenbar erneut, sich in die Wohnung zu schleichen. Wieder kippt er Thallium in eine Cola.
Ab dem 5. September 98: Inger Lise Bakken wird schwer krank! Sie weint vor Schmerzen, keiner scheint ihr helfen zu können. Ihre Schwester Brynhild kommt zu Besuch und umsorgt sie. Terje Wiik ruft x Mal am Tag an. Brynhilde bettelt ihn an: „Bitte lass uns in Ruhe!“
Inger Lise Bakken verliert erneut und vermehrt ihre Haare. Immer wieder erzählt Inger Bakken in dieser Zeit, dass „der Nachbar nervt“.
Weihnachten 98: Inger Lise Bakken geht es wieder so gut, dass sie ihre Mutter in Oslo besuchen kann. Sie ist über Neujahr weg, und in dieser Zeit verwirklicht Terje Wiik einen teuflischen Plan: Er wirft ein Kellerfenster ein und klettert in die Wohnung von Inger Lise. Dort verteilt er sein Thallium in den verschiedensten Getränkeflaschen. Anschließend ruft er bei Inger Lises Mutter an und erzählt, Nachbarkinder hätten das Fenster eingeworfen. Er habe es mit einer Plastikplane dicht gemacht.
Am 23. Januar 1999 kommt Inger Lises Mutter aus Oslo nach Trondheim. Inger Lise feiert an diesem Tag ihren 40. Geburtstag. Sie hat Gäste eingeladen, die Mutter will ihr helfen. Sie findet ihre Tochter weinend in der Badewanne. Inger Lise kommt ins Krankenhaus
Am 29. Januar 1999 zeigen Tests endlich, dass Inger Lise an einer Thalliumvergiftung leidet. Die Ärzte leiten sofort Gegenmaßnahmen ein. Inger Lise flüstert Oberarzt Dr. Harald Hovdal zu: „Die Flasche Cognac …“ Später sagt sie noch: „Terje hat das gemacht …“
Die Polizei durchsucht Inger Lises Haus und findet eine Flasche Cognac, die Thallium enthält. An Trinkgläsern findet die Polizei ebenfalls Giftspuren.
30. Januar 1999: Inger Lise erleidet einen Herzstillstand. Sie wird ans Beatmungsgerät angeschlossen.
1. Februar 1999: Die Polizei verhaftet Terje Wiik.
17. Februar 1999: Inger Lise stirbt.
23. Februar 1999: Terje Wiik gesteht, Thallium gekauft und Inger Lise Bakken vergiftet zu haben. Mordabsichten weist er zurück
17. Januar 2000: Der Prozess beginnt vor dem Stadtgericht Trondheim. Terje Wiik, der seine Ex-Freundin und Nachbarin Inger Lise Bakken langsam mit vergiftet Thallium hatte, war bereits festgenommen worden, als Inger noch lebte. Die Ärzte kämpften um ihr Leben, aber das Gift zerstörte ein Organ nach dem anderen. Aus einer Anklage wegen schwerer Körperverletzung wurde am Ende eine Anklage wegen Mord.
Chefarzt Dr. Harald Hovdal schilderte später vor Gericht, wie schmerzhaft der langsame Tod von Inger Lise Bakken gewesen war. „Sie kam am 24. Januar ins Krankenhaus. Sie war ein stark leidender Mensch, ihre Schmerzen erreichten das höchstmögliche Niveau. Sie hatte extreme Schmerzen und sehr viel Angst. Wir wussten nicht, was ihr fehlte. Erst dachten wir an eine Nervenentzündung, aber wir Ärzte haben natürlich auch andere Krankheiten diskutiert. Wir dachten an eine Bleivergiftung, aber an Thallium dachte keiner von uns. Erst als einige Tage später die Analysen ihres Blutes vorlagen, wussten wir Bescheid. Wir begannen sofort mit der Behandlung. Als Gegengift verwendet man „Berlinerblau“. Wenn wir auch nur geahnt hätten, mit was Inger Lise Bakken vergiftet worden ist, hätten wir viel früher mit dieser Behandlung begonnen! Ob sie dann überlebt hätte, ist allerdings nicht zu sagen. Wir werden es nie wissen. Ein Organ nach dem anderen versagte in ihren Körper, sie wurde an das Beatmungsgerät angeschlossen. Aber am Ende war sie hirntot. Am 17. Februar um 23.33 Uhr stoppten wir die Maschinen und Inger Lise Bakken starb.“
Als der Arzt diese erschütternde Aussage machte, war den Norwegern schon längst klar, dass auf der Anklagebank kein Monster im üblichen Sinne saß. Die Norweger hatten sich vor dem Prozess einen eiskalten gefühllosen Killer vorgestellt. Was sie nun sahen, war ein sich elegant formulierender, hoch gebildeter Mann, der sichtbar litt und wirkte, als sei er kurz vor dem Zusammenbruch. Allerdings nicht wegen seiner Tat, sondern wegen der ungerechten Justiz! Während er den Leiden von Inger Lise Bakken kaum Beachtung schenkte, bedauerte er immer wieder sein eigenes hartes Schicksal.
Denn – und das sagte er immer wieder – er wollte Inger Lise angeblich überhaupt nicht töten!
Der Prozess gegen Terje Wiik (damals 51) begann am 17. Januar 2000, fast ein Jahr nach Inger Lises Tod. Terje Wiik hatte bereits eine Woche nach seiner Verhaftung gestanden, Thallium gekauft und in Inger Lises Getränke gemischt zu haben. Aber von Anfang an hielt er auch daran fest, dass er seine Ex „nur“ ärgern wollte. An einen Mord habe er nie gedacht. Als er im Gerichtssaal von Trondheim seine Aussage machte, begann er mit einer umfangreichen Entschuldigung. „Ich bedauere gegenüber Ingers Familie alles, was geschehen ist. Aber ich war sehr verzweifelt …“
Obwohl er Ingers Tod zwar „bedauerte“, wies er eine eigentliche Schuld weit von sich. Er habe nur gewollt, dass Inger Lise ihre Haare verliert und damit für andere Männer unattraktiv wird.
Als er gefragt wurde, warum er dann so große Mengen Gift gekauft hatte, sprach er wieder nur von sich und seiner „Verzweiflung“. Der Richter musste die Frage fünf Mal wiederholen, bis eine Antwort kam, in der Inger Lise einigermaßen erwähnt wurde. „Ich lebte in einer Hölle. Sie war so eifersüchtig. Und dann wollte sie ohne mich verreisen. Sie wollte mit ihrer Freundin in den Süden fliegen, da dachte ich daran, dass sie ihre Haare verlieren sollte …“
Besonders erschütternd war seine Reaktion, als er gefragt wurde, wie es war, als er Inger Lise in ihrer Wohnung vor Schmerzen weinen hörte. Ob er ihre Krankheit nicht mit dem Gift in Verbindung gebracht hätte? Terje Wiik tat so, als wundere ihn diese Frage über alle Maßen: „Ich habe ihre Schmerzen mit dem Thallium nicht in Verbindung gebrach. Ich hatte keine Ahnung, dass ihre Krankheit etwas mit dem Gift zu tun hatte …“
Weitere verblüffende Aussagen:
„Ich habe vorher Selbstversuche gemacht und nichts gespürt.“
„Ich habe gelesen, dass Nikotin zehn Mal gefährlicher ist als Thallium.“
Die Staatsanwaltschaft konnte jedoch ohne Probleme alle Beweise vorlegen, die sich ein Ankläger nur wünschen kann. Terje Wiik arbeitete als Ingenieur in einem Forschungslabor und kannte sich schon rein beruflich auch sehr gut mit Chemie aus. Er hatte sich außerdem immer wieder per Internet über Thallium informiert. Und er hatte Inger Lise Bakken die 40-fache tödliche Menge eingeflösst!
Prozessführer Richter Olaf Jakhellen Urteil : 21 Jahre Gefängnis
Während des Prozesses gab er ein Interview, in dem er behauptete, dass er im Prozess um sein Leben kämpfe. Überhaupt war das Leben in der U-Haft eine Qual für den armen Mann: „Es ist schrecklich im Gefängnis, ich habe schon zugenommen, weil ich nur einmal in der Woche joggen kann. Ich musste sogar die Hose, die ich anhabe, ausleihen.“ Sein Selbstmitleid und seine zahlreichen Unschulds-Versicherungen waren wirkungslos. Er erhielt die in Norwegen höchstmögliche Strafe von 21 Jahren Gefängnis und zehn Jahren Sicherheitsverwahrung.
Terje Wiik sprach anschließend von Justizmord und legte umgehend Berufung ein.
In einem weiteren Interview versuchte er erneut, Stimmung für sich zu machen: „Ich bin kein Monster und kein Ungeheuer. Ich bin Schuld an Inger Lises Tod, aber ich wollte sie nicht töten. Die Psychiater haben gesagt, dass ich wieder morden könnte. Ich dachte, sie wollten mir helfen. Aber sie haben mich als egoistisch bezeichnet … wie sollte ich hier im Gefängnis eine neue Frau kennen lernen? Ich bin ein alter Mann, ich suche keine neue Frau. Nur meine Kinder und Enkel sind wichtig für mich … Ich habe Angst, im Gefängnis zu sterben. Wenn ich diese lange Haftstrafe überhaupt überlebe, dann bekomme ich nicht viel Zeit in der Freiheit. Ich finde, ich habe eine zweite Chance hier im Leben verdient.“
Terje Wiik bekam teilweise Recht. Bei einem Berufungsverfahren wurde die Sicherheitsverwahrung aus dem Urteil gelöscht, er muss jetzt „nur“ noch 21 Jahre hinter Gittern sitzen. Die Richter kamen zu dem Schluss, dass Terje Wiik nach der Haftstrafe 71 Jahre alt ist und dann nicht mehr gefährlich sein kann.
Während der Weihnachtstage des Jahres 1987 rastete Ronald Gene Simmons völlig aus und startete eine beispiellose Mordserie, der schließlich seine gesamte Familie zum Opfer fiel. Am Vormittag des 22. Dezember schlug er zuerst auf seinen Sohn Gene ein, bevor er ihn und seine Frau Rebecca erschoss. Dann erdrosselte er die dreijährige Tochter Barbara und warf sie in die Sickergrube des Hauses. Am Nachmittag holte er die Kinder Loretta, Eddy, Marianne und Becky vom Bus ab und lockte sie einzeln ins Haus unter dem Vorwand, sie sollten sich ihre Weihnachtsgeschenke abholen. Nacheinander erdrosselte er alle vier Kinder.
Vier Tage später kamen auch die restlichen Familienmitglieder zu einem Weihnachtsbesuch ins Haus der Simmons. Als Ersten erschoss Simmons seinen Sohn Billy, anschließend seine Schwiegertochter Renata. Nach ihnen ertränkte er sein Enkelkind Trae, wenig später erschoss er seine Tochter Sheila und ihren Ehemann Dennis McNulty. Zum Schluss erdrosselte er seine Enkelkinder Sylvia und Michael. Zwei Tage später fuhr Simmons nach Russelville, wo er seine Mordtour fortsetzte und in einem Anwaltsbüro die 24jährige Kathy Kendrick erschoss. Seinem blutigen Werk fiel noch der 33jährige J. D. Chaffin zum Opfer, drei weitere Menschen überlebten seine Angriffe schwer verletzt.
Simmons wurde wegen 14-fachen Mordes an seiner Familie angeklagt und am 16. Mai 1988 zum Tode verurteilt. In einem weiteren Verfahren wurde er am 10. Februar 1989 wegen Mordes an Kathy Kendrick und J. D. Chaffin nochmals zum Tode verurteilt.
Am 31. Mai 1990 unterzeichnete der damalige Gouverneur Bill Clinton den Hinrichtungsbefehl für Simmons. Das Urteil wurde am 25. Juni 1990 mit einer tödlichen Injektion im Staatsgefängnis von Varner, Arkansas, vollstreckt.
Quellen: - Executed – 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (Michael Kahr) Ausgabe 2002 – Seite 280 – ISBN 3-935678-03-7
Der Fall - David Edwin Mason
David Edwin Mason bat um seine Hinrichtung
Im März 1993 zog David Edwin Mason alle Berufungsanträge zurück und bat das Gericht um seine Hinrichtung. Das Gericht ließ Mason daraufhin auf seine Zurechnungsfähigkeit hin untersuchen. Nachdem der Inhaftierte seine Aussage vor dem gerichtlich bestellten Psychiater in gleichem Sinne wiederholt hatte, kam der Experte zu dem Ergebnis, dass Mason im „vollen Besitz seiner Geisteskraft“ sei. Der Alameda County Superior Court legte dann auf Wunsch von Mason den Hinrichtungstermin auf den 24. August 1993 fest. Im Zeitraum zwischen dem 6. März und dem 6. Dezember 1980 hatte Mason vier Menschen getötet. Und auch im Gefängnis hörte das morden nicht auf. Am 9. Mai 1982 stranguliert er seinen Zellennachbarn mit einem Betttuch und hängte dessen Leiche an eine Duschstange, um einen Selbstmord vorzutäuschen.
Die Hinrichtung wurde für den 24.08.1993 um 00:01 Uhr im Staatsgefängnis von Sankt Quentin in Kalifornien festgelegt. Zwei Minuten vor Mitternacht fragte ein Bundesrichter den Rechtsanwalt von Mason, ob man die Prozedur noch stoppen sollte. Auf seine Verneinung hin wurde Mason um 00:05 Uhr in die Gaskammer gebracht. Drei Minuten später wurde Mason vom Gefängnisleiter Daniel Vasquez ein letztes Mal gefragt, ob er seine Entscheidung noch einmal überdenken und die Hinrichtung stoppen möchte: „Nein Direktor, machen Sie weiter. Danke Direktor.“ Um 00:09 Uhr wurde das tödliche Gas freigesetzt. Der Tod wurde vierzehn Minuten später um 00:23 Uhr festgestellt.
Quellen:
- Executed – 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (Michael Kahr) Ausgabe 2002 – Seite 286 – ISBN 3-935678-03-7
Der Fall - Daniel Lee Corvin
Im Jahr 1976 wurde Daniel Lee Corvin wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes zu vierzig Jahren Gefängnis verurteilt, aber bereits am 20. November 1986 wurde er auf Bewährung wieder entlassen. Nur ein viertel Jahr später, am 13. Februar 1987, vergewaltigte und erstach er erneut eine Frau, und zwar die 72jährige Alice Martin in Normangee, Texas. Innerhalb eines Jahres ermordete Daniel Lee Corvin zwei weitere Menschen. Fünf Monate nach der ersten Tat überfiel er am 10. Juli 1987 einen Optiker und nahm die 26jährige Debra Ewing als Geisel mit. Zwei Tage später wurde ihre Leiche grässlich zugerichtet im County Montgomery gefunden. Am 31. Oktober desselben Jahres überfiel er die 36jährige Mary Risinger, als diese mit Wagenwaschen beschäftigt war. Er erstach die Frau vor den Augen ihrer 3jährigen Tochter, die unverletzt im Wagen blieb und alles mit ansehen musste.
1990 wurde Daniel Lee Corvin wegen mehrfachen Mordes angeklagt und nach dem neuen „Serial Killer Statute“-Gesetz am 5. März 1990 zum Tode verurteilt. Er wurde daraufhin in den Todestrakt des Staatsgefängnisses nach Huntsville Unit verlegt, wo er am 7. Dezember 1998 durch eine tödliche Injektion hingerichtet wurde.
Quellen: - Executed – 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (Michael Kahr) Ausgabe 2002 – Seite 297 – ISBN 3-935678-03-7
Der Fall - Cosimo L.
Beschaulich liegt das kleine Hagau draußen am südwestlichen Rand von Ingolstadt. Die dörfliche Idylle lässt nicht vermuten, dass der Ort einmal Schauplatz eines grausamen Verbrechens war, das als Zinkwannenmord Schlagzeilen machte.
Traurige Pflicht: Konrad Müller vom Erkennungsdienst der Kripo musste die Knochenteile vor 25 Jahren aus der brodelnden Zinkwanne des Hagauer Betriebs holen. Ein früherer Firmenbeschäftigter hatte seine Geliebte umgebracht und die Leiche im flüssigen Metall entsorgt.
Der Fall dreht sich um das traurige Schicksal der Manchingerin Walburga F. und ihres zwölfjährigen Sohnes. In der Verzinkerei Hülmeyer, einem alteingesessenen Familienbetrieb, hatte am 1. Juli 1982 alles nach einem normalen Arbeitstag ausgesehen. Chef Karl Hülmeyer hatte wie jeden Morgen mit seinen drei Beschäftigten die Arbeitshandschuhe übergestreift und zum Eisenhaken gegriffen. Gemeinsam hoben sie drei jeweils 80 Kilogramm schwere Platten ab, die über Nacht als Isolierung und Schutz gegen das Hineinfallen über den Tauchbecken mit dem flüssigen Zink gelegen waren. Im Behälter dampfte das rund 450 Grad heiße Metall.
Was an jenem Donnerstag bis dahin Routine war, endete schlagartig, als ein Kollege eine schlimme Entdeckung machte: Auf der Schlacke an der Oberfläche des flüssigen Metalls schwammen ein Totenschädel und menschliche Knochen. "Im ersten Moment habe ich an einen Arbeitsunfall geglaubt", erinnert sich der heute 55-jährige Hülmeyer. "Wir haben uns angeschaut, aber keiner hat es aussprechen wollen: Fehlt einer von uns? Oder war jemand anderes hineingefallen?" Am Abend zuvor war noch ein auswärtiger Kollege zu Gast gewesen, der sich mit den örtlichen Gegebenheiten in der Firma nicht so auskannte. "Ich kann doch dort nicht bei seinen Leuten anrufen und fragen, ob er in der Arbeit ist, wenn er vielleicht bei mir da drin liegt", berichtet der Firmenchef von seinen zwiespältigen Gefühlen damals.
Die Polizei war wenig später zur Stelle und übernahm das Kommando. Darunter Konrad Müller von der Spurensicherung der Kripo. "Mit einer speziellen Schaufel habe ich die Knochenteile aus dem Zinkbad geholt", erzählt der mittlerweile pensionierte Beamte. Als er den Schädel geborgen hat, macht er eine wichtige Entdeckung: "Am Gebiss war ein Zahnersatz zu erkennen, eine Platinplatte. Weil der Schmelzpunkt von Platin viel höher liegt als der von Zink, ist das Teil erhalten geblieben."
Der grausige Fund gab zunächst große Rätsel auf. "Unsere ersten Vermutungen sind dann aber gleich in Richtung eines italienischen Arbeiters gegangen, der einige Zeit dort beschäftigt war", sagt Herbert Meyer, damals Oberkommissar und Ermittlungsleiter. Der Mann hatte bis zuletzt auf dem Betriebshof gewohnt und war plötzlich verschwunden.
Meyers Vernehmungen ergaben schnell ein Bild, das die Klärung des Falls voranbrachte. Der 31-jährige Cosimo L., so heißt der Italiener, hatte über Jahre hinweg ein Verhältnis mit der 41-jährigen Manchingerin Walburga F. In der Firma hatte er seine dauernden Fahrten in die Nachbargemeinde damit erklärt, dass er dort den Lkw-Führerschein mache. Seine Ehefrau hatte aber bald Wind von der Nebenbuhlerin bekommen und ihm – auch am Arbeitsplatz – Szenen gemacht. Hatte er seine Frau deshalb umgebracht? Dieser anfängliche Verdacht bestätigte sich nicht; die Tote war vielmehr die Geliebte des Italieners. Die Platinplatte im Gebiss half bei der Identifizierung.
Weshalb L.. die Manchingerin tötete, ist bis heute offen. Er bestritt die Tat bis zuletzt. Cosimo L. hatte sich zunächst nach Italien abgesetzt. Sein Heimatland lieferte ihn nicht aus, die dortige Justiz machte ihm aber 1984 den Prozess und schickte ihn für 28 Jahre ins Gefängnis. Ob der heute 56-Jährige noch hinter Gittern sitzt, ließ sich nicht klären.
Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Italiener auch den zwölfjährigen Sohn der Manchingerin umgebracht. Die Leiche des Buben war wenige Tage nach der Entdeckung des Zinkwannenmordes auf Geisenfelder Gebiet gefunden worden. Möglicherweise, so wird vermutet, hatte der Italiener die Beziehung auf Druck seiner Ehefrau beendet, und die Situation war eskaliert. Der Sohn könnte Zeuge des Mordes gewesen und deshalb ebenfalls getötet worden sein.
Quellen
- Donaukurier vom 29.06.2007 (v. H. Richter)
Der Fall – „Sex Beast“ Gerhard John Schaefer
Nach außen hin führte der Polizist Gerhard John Schaefer aus Springfield im US Bundesstaat Vermont das Leben eines Durchschnittsamerikaners: Schaefer war verheiratet, ging einer geregelten Arbeit nach und galt darüber hinaus als außergewöhnlich religiös. Dass er ein sadistischer Sexualmörder war, der seinen Job als Streifenpolizist dazu benutzte, junge Frauen und Mädchen in seine Gewalt zu bringen und zu töten, blieb lange Zeit im Verborgenen. Das Brevard County in Florida war sein Jagdrevier, das Schaefer mit seinem blau-weißen Dienstwagen, einem Pontiac, auf der Suche nach Tramperinnen abfuhr, um sie in ein nahe gelegenes Waldstück zu verschleppen. Dort folterte Schaefer die jungen Frauen und zwang sie zum Oralverkehr. Häufig ließ er sein Opfer an einen Baum gefesselt zurück und tauchte erst später in Polizeiuniform wieder auf, um sie erneut zu misshandeln und danach zu erhängen. 1973 gelang zwei Tramperinnen die Flucht, die er im Dickicht zurückgelassen hatte. Mit ihrer Hilfe konnte Schaefers Fahrzeug identifiziert und er als Serienkiller überführt werden. An dem Ort, wo sie gefangen gehalten worden waren, fand man unzählige halbverweste Körper. In Schaefers Wohnung entdeckten seine Berufskollegen Gegenstände aus dem Besitz der Opfer, wie Schmuck, Zähne und Kleiderfetzen vermisster Mädchen, sowie eine umfangreiche Pornosammlung und Collagen, die auf die sexuelle Devianz Schaefers hinwiesen. Die Collagen zeigten u. a. erhängte Frauen.
Da der Expolizist nach seiner Verhaftung kein Mordgeständnis ablegte, ließ sich die Zahl seiner Opfer nur schätzen. Vermutlich hat er jedoch mindestens zwanzig Frauen umgebracht. Schaefer wurde 1985 zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Das brachte ihn jedoch nicht von seiner Überzeugung ab, dass die Behörden ihn aus Mangel an Beweisen bald wieder freilassen würden.
Für viele Verurteilte - die Zufahrt ohne Rückfahrt - das Florida State Prison in Florida
Währenddessen verließ ihn seine Frau und verlobte sich mit seinem Strafverteidiger. Gerhard Schaefer versuchte vergeblich mit Hilfe der Freundin des Serienmörders Danny Rolling, mit dem Vertrieb selbstverfasster „Killer-Fiction“ – Schmuddelsexgeschichten zu literarischem Ruhm zu gelangen. Im Dezember 1995 wurde er von Mitgefangenen im Florida State Prison in seiner Zelle ermordet.
Quellen
-Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.433 – ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Dimitris Vakrinos
Fünf Menschen mussten ihr Leben lassen, weil Dimitrs Vakrinos unter Minderwertigkeitskomplexen litt. Denn mit 1,54 Meter Körpergröße gehörte der Grieche nicht gerade zu den Größten seiner Art. Vakrinos hatte die Beleidigungen satt, die sich auf seine Größe bezogen. Er hatte das Gefühl, immer nur als „Zwerg“ oder „Kleiner“ gesehen zu werden, und beschloss seine Beleidiger „aus der Welt zu schaffen“ und sie „das Fürchten zu lehren“. Innerhalb von zehn Jahren brachte der 35jährige Taxifahrer alle Menschen um, von denen er glaubte, dass sie ihn nachhaltig genug verhöhnt hatten.
Nach seiner Verhaftung am 09. April 1997 gab Vakrinos neben den von ihm begangenen fünf Morden auch zahlreiche Raubüberfälle und eine versuchte Vergewaltigung zu. Zu einem späteren Zeitpunkt gestand er noch sechs weitere Mordversuche.
Am 12. Mai 1997, noch vor Eröffnung seiner Gerichtsverhandlung, beging der griechisch Serienmörder im Gefängnis Selbstmord. Dimitris Vakrinos erhängte sich an einer Dusche.
Quellen
-Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.187 – ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Moses James Sithole
Anfang 1994 versetzte die rasch anwachsende Zahl von Frauenmorden in den südafrikanischen Metropolen Pretoria und Johannesburg die Behörden in Aufregung. Innerhalb von zwei Jahren waren in Cleveland, einem Vorort von Johannesburg, und in Boksburg, einem Stadtteil von Pretoria, rund 40 Frauen und auch vereinzelt Kinder ermordet worden.
Pretoria und Johannesburg
Townships von Johannesburg
Metropole von Johannesburg
Die Polizei war davon überzeugt, dass zwei unabhängige voneinander mordende Serienkiller am Werk waren, und bat das FBI um Amtshilfe. Die Amerikaner schickten 1995 den Profiler Robert Ressler nach Pretoria, der schnell die Parallelen zwischen den Morden in Pretoria und Johannesburg kannte. Er empfahl den Polizisten, die Morde in beiden Städten in Verbindung zu bringen und nach einem oder zwei zusammenarbeitenden Tätern zu fahnden.
Unterdessen wuchs die Anzahl der Opfer des Mörders der schwarze Frauen erwürgte und die Leichen an Bahnhöfen auf Feldern und Abraumhalden hinterließ. Nachdem David Selepe, den die Polizei zeitweilig fälschlicherweise verdächtigte, ein Mittäter von Moses Sithole gewesen zu sein bei einem Lokaltermin nach einem Fluchtversuch im 1. Dezember 1994 erschossen worden war, ging der Polizei schließlich auch Sithole ins Netz.
Als Polizeibeamten nach wochenlanger Fahndung am 19. Oktober 1995 Sithole verhaften wollten, griff dieser die Polizisten mit einer Axt an und wurde durch Schüsse am Arm und im Bauch getroffen. Der schwarze Südafrikaner ist vermutlich für den Tod von 37 schwarzen Frauen und einem Kind in der Gegend von Pretoria verantwortlich. Bei seiner Verhandlung vor dem Pretoria Supreme Court, vor dem sich Sithole auch noch wegen insgesamt 40 Vergewaltigungen und sechs Raubüberfällen verantworten muss, plädierte der an AIDS erkrankte Serienmörder zunächst auf nicht schuldig im Sinne der Anklage.
Anfang Dezember 1996 verriet er einem Mitgefangenen im Pretoria Central Prison, dass er Frauen hasse und ihnen eine Lektion erteilen wollte. Darüber hinaus wurde er auch durch die Expertise der amerikanischen Stimmenspezialistin Loni Smrkowski überführt, die nachwies, dass die Stimme von Sithole mit der identisch war, die bei einem Bekenneranruf im Jahre 1996 gegenüber der in Kapstadt ansässigen Tageszeitung “The Star“ die Morde eingeräumt hatte, und Täterwissen offenbarte. Aufgrund von Sitholes Aids-Erkrankung musste der Prozess immer wieder verschoben werden.
Inspector Vivian Bieldt bei einer Tatortbesichtigung
Ende 1996 tauchte ein Videoband auf, das Moses Sithole gemeinsam mit einem inhaftierten Ex-Polizisten im Boksburg Prison aufgenommen hatte. Auf dem Band sitzt Sithole sichtlich entspannt in einer Zelle und legt ein umfassendes Geständnis ab. Seinen ersten Mord, erzählt er, hatte er im Juli 1995begangen. Es habe sich bei dem ersten Opfer um eine Frau gehandelt, mit der er sich verabredet hatte. Bei dem Treffen habe er sie dann mit bloßen Händen erdrosselt. "An ihren Namen erinnere ich mich nicht. tötete sie und ließ sie liegen. Dann ging ich nach Hause und stieg unter die Dusche", erzählte er. Auf die Nachfrage, wie lange es dauere, jemanden zu erwürgen, erzählte Sithole gelassen, dass es nicht länger als 3 Minuten dauere. Er bestritt auch auf dem Video, dass er seine Opfer vergewaltigt habe, räumte jedoch ein, dass er mit einigen der Frauen, geglaubt hatten, dass er sie dafür am Leben lasse, Sex gehabt habe. Auf die Frage, an welches Opfer er sich am besten erinnere, nannte Sithole Amelia Rapodile, deren Leiche am 17. September 1995 in einem Schacht der Van Dyk-Mine in Brakpan gefunden wurde. Die junge Frau war vergewaltigt und erwürgt worden, was Sitholes Behauptung, er habe keine Notzuchtverbrechen begangen widersprach. Im Übrigen erinnere er sich nicht an die Namen seiner Opfer, aber alle Frauen hätten ihn an Schwarze erinnert, die ihn einige Jahre zuvor fälschlicherweise wegen Vergewaltigung angezeigt habe. Dafür war Sithole 1989 zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Aufgrund der Videoaufzeichnung wurde Moses Sithole schließlich im Frühjahr 1997 wegen vierzigfacher Vergewaltigung zu 480 Jahren, wegen achtunddreißigfachen Mordes zu 1900 Jahren und wegen sechs Raubüberfällen zu 30 Jahren Haft verurteilt. Richter David Curlewis sagte bei der Urteilsbegründung: "Ich wollte sichergehen, dass Moses Sithole nie wieder aus dem Gefängnis entlassen wird." Mit insgesamt 2410 Jahren Haft ist das Urteil gegen Afrikas gefährlichsten Serienkiller die bislang höchste Strafe, die jemals von einem südafrikanischen Gericht gegen einen einzelnen Angeklagten verhängt wurde.
Quellen
-Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.511 – ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Howard Arthur Allen
Der 1950 geborene afroamerikanische Serienmörder, mit seiner Vorliebe für betagte Opfer, Howard Allen drang Alter von 24 Jahren in der Nähe von Indianapolis, denn er entfernte sich bei seiner Opfersuche nie weit von seiner Heimatstadt, in das Haus der 85jährigen Opal Cooper ein und erschlug diese. Für diese Tat wurde er zu 21 Jahren Haft verurteilt. Die Haftanstalt verließ er bereits im Jahre 1985 auf Bewährung. Er kehrte nach Indianapolis zurück und arbeitete dann in einer Auto-Waschstraße, wo er auf die Gelegenheit wartete, um die Jagd wieder aufzunehmen.
Indianapolis - die Wirkungsstätte des Mörders Howard Arthur Allen
Am 18. Mai 1987 entging sein zweites Opfer eine 73 Jahre alte Frau knapp dem Tod, nachdem sie Allen fast bis zum Tode zu gewürgt und schlagen hatte. Nur zwei Tage später erlag Laverne Hale (87) nach derselben Attacke ihren Verletzungen. Auffällig an Howard Arthur Allen ist, dass er immer ältere Menschen in der Nähe seiner Heimatstadt Indianapolis überfiel und anschließend tötete. Am 2. Juni dann wollte er die Wohnung eines älteren Mannes ausrauben und diesen anschließend ermorden. Der jedoch befand sich zur Tatzeit nicht in seiner Wohnung und ihm entging deshalb dieses grauenhafte Schicksal. Aus lauter Wut steckte Allen anschließend das Haus des Mannes in Brand. Am 14. Juli sollte es dann aber endlich wieder klappen, er ermordete Ernestine Griffin (73) mit einem 25 cm langen Fleischermesser. Er stach achtmal auf sie ein und schlug ihr mehrmals einen Küchentoaster gegen den Kopf. Die Verwandten des Opfers vermuteten, dass der Mörder mit 15 $ und einer Kamera entkommen war. Diese Vorfälle endeten am 4. August 1987, aufgrund mehrfacher Anschuldigungen, mit der Verhaftung Howard Allens. Zeugen brachten ihn mit dem Einbruch vom 18. Mai in Verbindung. Mitte August 1987 gaben die Ermittler schließlich bekannt, dass Allen der Hauptverdächtige in elf weiteren Fällen sei, in denen jeweils ältere Opfer in der Umgebung von Indianapolis in ihren Wohnsitzen überfallen und beraubt worden waren.
Angeklagt wegen Einbruchs, schwerer Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Brandstiftung und des Mordes an Ernestine Griffin wurde 1988, mit dem erschwerenden Umstand des Gewohnheitsverbrechens, seine 88jährige Haftstrafe zur Todesstrafe umgewandelt.
Zurzeit wartet Allen im Todestrakt des Staatsgefängnisses Indiana auf seine Exekution.
Quellen
- Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von V.F.Sammler / Jaques Buval) 2.Auflage 2005 – S.11 – ISBN 3-85365-189-5
Der Fall - Robert C. Hansen
Äußerlich führte Robert Hansen ein ganz normales Leben: Der Familienvater und Bäckermeister war ein in Anchorage (Alaska) allseits respektierter Bürger, den man in der ganzen Nachbarschaft schätzte. Was jedoch niemand lange Zeit wusste war, dass sich hinter der Fassade des gewöhnlichen Bürgers der furchtbarste Serienkiller in der Geschichte Alaskas verbarg. Der wegen wiederholter Brandstiftung, Diebstahl, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung vorbestrafte Hansen ermordete von 1973 bis 198317 Frauen, die er vergewaltigte, quälte und anschließend als lebende Zielscheibe benutzte. Seine Opfer stammten alle aus dem Rotlichtmilieu. Hansen flog die Prostituierten, Stripperinnen und Bardamen mit seinem Privatflugzeug in eine abgelegene Holzhütte mitten in den Gebirgswäldern, wo er sie oft tagelang gefangen hielt und folterte. Sobald er ihrer überdrüssig wurde, ließ er die Frauen im Glauben ihrer wiedererlangten Freiheit laufen. Doch anstatt sie entkommen zu lassen, bewaffnete er sich mit einem Jagdgewehr und veranstaltete eine tödliche Menschenjagd auf seine fliehenden, nackten Opfer. Robert Hansen, der Prostituierte abgrundtief hasste und glaubte, sie für ihr „sündiges Dasein“ bestrafen zu müssen, bezeichnete seine Verbrechen als „Sommerprojekt“.
Die meisten Leichen seinerOpfer verscharrte er in den umliegenden Wäldern. Anfangs erstach er seine Opfer, später dann erschoss er sie mit einer „223 Ruger X Mini -14“ einem besonderen Jagdgewehr.
Erst als ihm eine 17-jährige Prostituierte entkam, die er zuvor, nachdem er sie gefesselt zu seinem Haus gebracht, dort vergewaltigte und ihr unerträgliche Schmerzen zufügte hatte, führte ihre Täterbeschreibung direkt zu Hansen. Der Bäcker hatte zwar noch versucht, sich ein falsches Alibi zu verschaffen, doch seine erkauften Zeugen ließen ihn im Stich. Bei einer Hausdurchsuchung konnte die Polizei genügend Belastungsmaterial sicherstellen: Neben einem umfangreichen Waffenarsenal entdeckten die Polizisten eine Landkarte, in der sorgfältig die Stellen markiert waren, an denen Robert Hansen die Frauenleichen vergraben hatte.
Sherry Morrow Paula Golding Joanne MessinaLisa Futrell Sue Luna
Tamara Pedderson Angela Feddern Malai LarsenEklutna Annie Das Privatflugzeug von Hansen
1984 wurde Hansen zu einer lebenslänglichen Haftstrafe plus 461 Jahren verurteilt, die er derzeit im Spring Creek Correction Facility in Seward / Alaska verbüßt.
Berichten zufolge versucht sich der siebzehnfache Frauenmörder als Schriftsteller einen Namen zu machen und verfasst derzeit seine Autobiografie.
Quellen
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.345 – ISBN 3-548-35935-3
Erklärung zum Fall Robert C. Hansen
Das – 223 Ruger X Mini -14 ist ein leichtes halbautomatisches Selbstladegewehr.
Der Begriff "Halbautomatisches Selbstladegewehr" bezeichnet im Allgemeinen eine mehrschüssige Handfeuerwaffe, die nach dem Auslösen eines Schusses die Hülse der Munition automatisch auswirft und aus dem Systemkasten oder Magazin eine neue Patrone in das Patronenlager zuführt. Die hierfür notwendige Energie wird entweder durch den Patronenrückstoß (im Moment der Zündung des Treibladungspulvers) oder durch das Umleiten von Explosionsgasen aus dem Lauf (sog. Gasdrucklader) gewonnen. So ist es möglich, allein durch mehrfache Betätigung des Abzuges mehrere einzelne Schüsse hintereinander abzugeben. Das Funktionsprinzip wurde zum vollautomatischen System weiterentwickelt. Dabei werden beim einmaligen Durchziehen und Festhalten des Abzuges mehrere Schüsse abgegeben, wie dies bei der Maschinenpistole und bei Maschinengewehren der Fall ist.
Trotz seines hohen Beliebtheitsgrades bleibt festzustellen, dass das Ruger Mini 14 bei weitem kein Präzisionsgewehr ist. Seine Konstruktion als Gasdrucklader macht zudem das gründliche Reinigen der Waffe wenig erfreulich. Dem gegenüber steht jedoch seine konstruktionsbedingte Zuverlässigkeit, Robustheit, vergleichsweise geringe Munitionskosten und ein breites Spektrum an Zubehörteilen für verschiedenste Einsatzmöglichkeiten, was maßgeblich zu seiner hohen Akzeptanz beigetragen haben dürfte.Das Geschoss der zugehörigen Munition (5.56 x 45 mm) hat einen Durchmesser von 5.56 mm. Die Länge der Patronenhülse beträgt 45 mm.
Der Fall - Udo Proksch und Peter Daimler
Udo Proksch bei seine Festnahme
Nach fast fünf Jahren Prozess geht der Fall "Lucona" vor dem Kieler Landgericht zu Ende. Auf der Anklagebank saßen seit 308 Verhandlungstagen der 62jährige Hans Peter Daimler. Der ehemalige Autoverkäufer soll gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Udo Proksch (Foto) 1977 den Frachter "Lucona" gesprengt haben, um für eine angeblich wertvolle Ladung über 31 Millionen Schweizer Franken von einer Versicherung zu kassieren.
Wie sich erst viel später herausstellen sollte, lag dem "Unglück" ein von langer Hand geplanter Versicherungsbetrug zugrunde, dessen Urheber der Besitzer der k.u.k.-Hofbäckerei Demel UdoProksch war, ein umtriebiges Mitglied der Wiener Society.
Bei dem Untergang des Frachters im Indischen Ozean waren sechs der zwölf Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft hat wegen sechsfachen Mordes, versuchten Mordes und versuchten Betrugs eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Sie sieht es als erwiesen an, dass Daimler gemeinsam mit Proksch den Versicherungsbetrug einfädelte und den Tod der Schiffsbesatzung plante. Statt einer Uranerzaufbereitungsanlage, die hoch versichert worden war, befanden sich nach Ansicht der Ankläger nur "frisierte Teile eines alten Kohlebergwerkes" an Bord des Schiffes.
Der Frachter "Lucona" transportierte "wertvolle" Fracht
Für Daimler und seinen Wiener Komplizen seien "nicht die sechs Toten, sondern die sechs Überlebenden das Unglück gewesen", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer. Der Kapitän und sein Steuermann hatten in Kiel ausgesagt.
Die Verteidigung hat auf eine Haftstrafe unter 14 Jahre plädiert. Nach Ansicht der Verteidiger würden die Beweise lediglich für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord ausreichen. In dem größten und aufwendigsten Verfahren der jüngeren Justizgeschichte Schleswig-Holstein waren mehr als 120 Zeugen und 17 Sachverständige gehört und 15.000 Dokumente verlesen worden. Die Prozessbeteiligten waren für die Beweisaufnahme mehrmals ins Ausland gereist.
Proksch wurde in Österreich zu lebenslanger Haft verurteilt.
In Österreich gilt der Fall "Lucona" als eine der größten Kriminal- und Politaffären des Landes. Der 63jährige Udo Proksch war im März 1991 in Österreich wegen sechsfachen Mordes zu einer 20jährigen Haftstrafe, rund ein Jahr später in einer Berufungsverhandlung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. In der Begründung des Urteils hieß es damals unter anderem, dass "zeitweise das politische Leben des Landes erschüttert wurde". Im Zusammenhang mit der Affäre traten in Österreich der Nationalratspräsident Leopold Gratz und Innenminister Karl Blecha zurück. Proksch, der ehemalige Besitzer der berühmten Wiener Konditorei Demel, galt als schillernde Figur in Österreich mit zahlreichen Kontakten zu Politik und Wirtschaft.
Ende Juni 2001 starb Proksch an den Folgen einer Herzoperation.
Ende der 80er Jahre hatte sich der in Mannheim gebürtige Daimler den deutschen Behörden gestellt. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai 1989 per Beschluss die Zuständigkeit des Landgerichts Kiel festgelegt. Als Proksch im März 1991 verurteilt worden war, war Daimler am selben Tag festgenommen worden. Der Prozess in Kiel begann am 15. Juli 1992. Mehr als vier Jahre hatte der Angeklagte geschwiegen. Erst Ende vergangenen Jahres hatte Daimler dann in einem Teilgeständnis eingeräumt, dass er auf Weisung von Proksch sämtliche Papiere über die Ladung der "Lucona" gefälscht hatte. Er beteuerte jedoch seine Unschuld am Tod der Besatzungsmitglieder.
Die Staatsanwaltschaft ist dagegen davon überzeugt, dass der 62jährige in das Geschäft seines Freundes nicht nur eingeweiht, sondern daran aktiv beteiligt war. Das Schiff war im Januar 1977 im italienischen Hafen Chioggia mit Teilen der angeblichen Uranfabrik beladen worden und sollte nach Hongkong fahren. Am 23. Januar versank die "Lucona" bei den Malediven nach einer Explosion. Nach Auffassung der Staatsanwälte befanden sich im vorderen Ladenraum zwischen 300 und 600 Kilogramm Sprengstoff, die möglicherweise per Zeituhr gezündet worden waren.
Quellen
- Rheinzeitung 11.Juni 1997
Der Fall - Fäustlmörder Alfred Engleder
Noch heute, 46 Jahre nach der Verurteilung Alfred Engleders, ist der Fäustlmörder vielen Menschen im Raum Steyr ein Begriff, wissen die Leute schaurige Einzelheiten über die Taten der "Bestie".
Der 10. November 1955 ist ein nebeliger Spätherbstabend. Es nieselt leicht. Alfred Engleder ist mit seinem schwarzen Fahrrad zwischen Steyr und Sierning unterwegs. Er kocht vor Wut, ist wild entschlossen, in dieser Nacht einer Frau Gewalt anzutun. Bereits vier Tage zuvor überfiel er Gertrude Brunner. Die 24-Jährige wehrte sich so heftig, dass er von ihr ablassen musste - ein ähnliches Missgeschick soll heute nicht passieren.
Zeit seines Lebens fühlte sich der kleine Mann (1,58 m) von Frauen hintergangen und betrogen. Von seiner ersten Frau ließ sich Engleder scheiden. Als Grund gab er "Misshandlung" an. Die zweite Ehe ging er nur ein, weil schon ein Kind im Anmarsch war. Der gebürtige Sierninger (1920) hasst die Frauen und kennt nur ein Verlangen: sie zu erniedrigen. 1951 wird Elfriede Kranawetter sein erstes Opfer.
Vier Jahre später ist Margarete Fluch gerade auf dem Heimweg. Sie arbeitet als Krankenschwester im Steyrer Spital, wird von Kollegen und Patienten Schwester Bernhardine gerufen. Engleder entdeckt die junge Frau und zögert nicht lange. Er fährt dicht an sein Opfer heran und schlägt ihr das Fäustl auf den Kopf. Den leblosen Körper zerrt Engleder mit Mühe in ein Gebüsch. Die vorbeifahrenden Autos stören ihn nicht. Als Fluch zu Bewusstsein kommt, bittet sie ihren Peiniger um Hilfe. Der Frauenmörder kennt kein Erbarmen, knebelt sein Opfer und schlägt es halb tot. Fluch stirbt Stunden später an ihren schweren Verletzungen.
Nicht Alfred Engleder, sondern der Arzt Günther H. wird fälschlicherweise mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht - er hatte ein Verhältnis mit der Krankenschwester.
Zwei Jahre später begeht Engleder einen Fehler. Als er Herta Spann zum Beischlaf zwingen will, überrascht ihn ein Motorradfahrer. Er lässt sein Fahrrad und seine Uhr am Tatort zurück - Engleder wird überführt. 200 Gendarmen suchen nach "der Bestie von Steyr". Der Serientäter flüchtet.
Die anfangs erfolglose Suchaktion dient Jahre später dem Kabarettisten Helmut Qualtinger als Vorlage für "Unternehmen Kornmandl". An der tschechischen Grenze stellt ein Förster den Unhold. Alfred Engleder wird 1958 in Steyr der Prozess gemacht - "lebenslang" lautet das Urteil.
Nach 26 Jahren kommt Engleder frei. 1993 attackiert ihn seine Freundin Sonja Pyrchalla (26) mit einem Messer. Engleder (73) überlebt nur wenige Tage. In seiner kranken Phantasie wollte Alfred Engleder immer etwas Besonderes sein. Das ist gelungen. Heute noch reden die Leute über den "Mörder mit dem Maurerfäustl".
Quellen
- OÖNachrichten vom 14.02.2004 (von Martin Dunst)
Der Fall - Tobor Foco
Oberösterreichs spektakulärste Kriminalfälle. Grausig und brutal waren alle Morde, auch jene beim Amoklauf im Bezirksgericht Urfahr im Jahr 1995. Die Täter wurden geschnappt und verurteilt. Wie auch Tibor Foco. Allerdings wuchs sich dieser Fall zu einem Justizskandal aus.
Zwei Prostituierte wurden 1985/86 in Linz ermordet. Zuerst erstach ein Freier das Freudenmädchen Gabi Blaha, wenig später wurde Elfi Hochgatter auf dem Bahndamm der Westbahn in Linz erschossen. Den Mörder Hochgatters wollte die Polizei schnell ausgeforscht haben.
Der charismatische Motorradrennfahrer Tibor Foco
Es soll sich um den charismatischen Motorradrennfahrer Tibor Foco gehandelt haben, der mit seinem "Bunny Club" ein Bordell betrieb und die Prostituierte anwerben wollte, wie die Staatsanwaltschaft später behauptete. Da sich Hochgatter aber geweigert hätte, soll Foco das Callgirl - gemeinsam mit dem Lederwarenhändler Peter L. und der Prostituierten Regina Ungar - getötet haben. Weder Fingerabdrücke noch eine Tatwaffe noch andere eindeutige Spuren konnten die Ermittler finden. Nur Indizien und die Aussagen der Kronzeugin Ungar untermauerten die Anklage. Gerüchte, wonach Konkurrenten aus der Unterwelt mit Hilfe der Polizei den Newcomer ausschalten wollten, verstummen nicht.
Foco behauptete, am Abend des Mordes zu Hause bei seiner Gattin gewesen zu sein. Noch vor dem eigentlichen Mordprozess wurde Focos Gattin Eva wegen "falscher Zeugenaussage" verurteilt, weil sie Tibor ein falsches Alibi gegeben haben soll. Später heiratete Tibors Ex-Frau sogar einen der ermittelnden Kripobeamten.
Ungar behauptet nach wie vor, in der U-Haft von Polizisten gefoltert worden zu sein, bevor sie ihr Geständnis zu Protokoll gab.
In ihrer Rolle als "Kronzeugin" wurde sie wegen "entschuldigenden Notstands" freigesprochen, während Foco und "Komplize" Peter L. ins Gefängnis mussten. Während des Prozesses 1987 kam es zu groben Verstößen gegen die Strafprozessordnung. Die ehemaligen Geschworenen behaupten heute, der Prozess wäre "geschoben und manipuliert" gewesen.
1990 begann der in Stein inhaftierte Tibor ein Jus-Studium an der Kepler Universität. Focos Rechtsanwalt ist der Linzer Strafrechtsprofessor Herbert Wegscheider. So könnte Foco heute aussehen
Am 27. April 1995 entkam der ungefesselte Foco bei einer Uni-Vorlesung seinen Justizwachebeamten. Mit einem geschmuggelten Handy hat er Fluchthelfer dirigiert, die ihm für seine Flucht eine Kawasaki "Ninja" zur Verfügung stellten. Die Fahndung nach ihm verläuft bis heute ergebnislos.
Quellen
- OÖNachrichten vom 16.12.2007
Der Fall – Bai Baoshan
Mitte Oktober 1997 verhaftete die Polizei in Peking den 39 Jahre alten Bai Baoshan wegen vierzehnfachen Mordes. Berichten der chinesischen Behörden zufolge mordete der Serienkiller, um sich an der Gesellschaft zu rächen, nachdem er zuvor eine Haftstrafe wegen Raubes und Totschlags verbüßt hatte. Besonders auf Polizisten hatte es Baoshan abgesehen. So überfiel er im März 1996 eine Polizeistation in Peking, tötete mit einer gestohlenen automatischen Waffe einen Polizisten und verletzte vier weitere Beamte sowie zwei Zivilisten schwer. Baoshan flüchtete in die nördliche Provinz Hebei, wo er erneut eine Polizeistation überfiel und einen Menschen tötete, bevor er sich in die Bezirkshauptstadt Urumqi absetzte. Dort beging er gemeinsam mit zwei Komplizen ein Massaker an den Dienst habenden Polizisten und den Besuchern, das zehn Menschen das Leben kostete. Im Zuge einer Auseinandersetzung mit einem seiner Mittäter erschoss er diesen ebenfalls.
Nach seiner Verhaftung wurde Bai Baoshan in Xinjian zum Tode verurteilt und am 6. Mai 1998 öffentlich mit einem Genickschuss exekutiert.
Quellen
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.528 – ISBN 3-548-35935-3
Der Fall - Arthur Frederick Goode III.
Der aus Hyattsville, Maryland, stammende Arthur Goode litt an geistiger Entwicklungshemmung; er hatte im Alter von 22 Jahren immer noch Stirnfransen nach dem Vorbild des kleinen Lords Fauntleroy. In seinen Jugendjahren begann Goode mit sexuellen Annäherungsversuchen bei Knaben und wurde in seiner Nachbarschaft rasch berüchtigt. Dreimal wurde er wegen Sittlichkeitsvergehen an Minderjährigen festgenommen, aber jedes Mal wieder freigelassen, weil seine Eltern die ausgesetzte Kaution entrichteten.
Im März 1975 wurde Goode aufgrund von fünf Anklagen wegen Sittlichkeitsvergehen verhaftet, die er an einem neunjährigen Jungen begangen hatte. Seine Eltern trieben 25.000 $ auf, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien, aber Arthur machte weiter: Während er auf Kaution frei war, missbrauchte er eine Elfjährige und kam mit einer fünfjährigen Bewährungsfrist unter der Bedingung davon, dass er sich freiwillig einer psychiatrischen Behandlung im Staatlichen Krankenhaus von Spring Grove unterzog. Das Schlüsselwort war freiwillig, und niemand konnte ihn aufhalten, als Goode 15 Wochen später das Krankenhaus verließ und mit einem Bus zum neuen Haus seiner Eltern fuhr, das sich in St. James City, Florida, befand. Trotz Warnungen und er Ausstellung einer richterlichen Vollmacht für seine Verhaftung machte sich niemand die Mühe, Goode zu verfolgen und zurückzubringen.
Am 5. März 1976 locke Goode den neun Jahre alten Jason VerDow von einer Schulbushaltestelle in Fort Myers weg und bat das Kind, ihm zu helfen, im nahen Wald „etwas zu finden“. „Ich sagte ihm, er würde jetzt sterben“, gestand Goode später, „und ich beschrieb, wie ich ihn töten würde. Ich fragte ihn, ob er irgendwelche letzten Worte hätte, und er sagte: ‚Ich liebe dich’, und dann erwürgte ich ihn.“
Die Polizei fand bald die Leiche, die nackt bis auf die Strümpfe war, und Goode wurde zweimal als Verdächtiger befragt. Da er nervös geworden war, nahm er den Bus zurück zum Staatlichen Krankenhaus in Spring Grove. Fünf Minuten später floh er wieder von dort, weil er davon überzeugt war, dass eine Sprechstundenhilfe die Polizei gerufen hatte. (Tatsächlich erklärte das Personal, dass es nichts von einem Haftbefehl gewusst hatte.)
Am selben Tage gabelte Goode den zehnjährigen Billy Arthe auf und versprach ihm, gemeinsam mit ihm Washington D.C. anzusehen. Sie verbrachten die nächsten zehn Tage damit, durch die amerikanische Hauptstadt zu fahren und in Motels zu übernachten. Arthe war noch immer unversehrt mit Goode unterwegs, als sie Kenny Dawson (11) kennen lernten und Goode dem Jungen einredete, sie auf einer Busfahrt nach Tyson Corner, Virginia, zu begleiten. Als sie dort in den Wäldern nahe der Stadt wanderten, zwang Goode Dawson, sich auszuziehen, wonach er ihn mit einem Gürtel erdrosselte, während Billy entsetzt zusah.
Tage später erkannte eine Hausfrau in Falls Church Billy Arthe von den Suchfotos in den Zeitungen und holte die Polizei. Als er in Handschellen abgeführt wurde, beschwerte sich Goode: „Sie können mir nichts tun. Ich bin krank.“ Die Geschworenen in Maryland stimmten dem nicht zu, befanden ihn für geistig gesund und des Mordes schuldig, worauf ihn das Gericht mit einer lebenslangen Haftstrafe belegte. Goode wurde für seinen zweiten Prozess nach Florida geschickt, wo er des schweren Mordes für schuldig befunden und zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt wurde.
Während er auf seine Hinrichtung wartete, quälte er die Eltern seiner Opfer mit grausamen, höhnischen Briefen. Er wiederum wurde oftmals von anderen Mithäftlingen misshandelt und als „meistgehasster Mann im Todestrakt“ geschmäht. Manche Sträflinge warfen Gegenstände nach ihm, als er an ihren Zellen vorbeiging; THEODORE BUNDY, schlauer als die übrigen, brachte es sogar fertig, Kekse von seinem Essenstablett zu stehlen. Der Spaß endete für alle Beteiligten, als Goode am 5. April 1984 exekutiert wurde. Der Staat lehnte seinen letzten Wunsch ab, Geschlechtsverkehr mit „einem scharfen kleinen Jungen“ vollziehen zu dürfen.
Quellen
- Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton und ergänzt von Jaques Buval) 2. Auflage 2005 –S. 138 – ISBN 3-85365-189-5
Der Fall – Gwendolyn Gail Graham und Catherine May Wood
Die Todesfälle auf Alpine Manor nahmen gleichsam als Spiel ihren Anfang. Zuerst planten die Mörderinnen, ihre Opfer alphabetisch auszusuchen, wobei die Initialen ihrer Namen das Wort „MURDER“ ergeben sollten, als hintergründigen Scherz für die Polizei. Wie der Zufall es jedoch wollte, waren jene alternden Frauen, die sie zuerst ausgesucht hatte, noch viel zu wehrhaft, so dass die Verschwörerinnen ihre Strategie wechseln mussten.
Schlussendlich fanden sie dennoch leichte Beute, um ihre Mordlust zu stillen.
Gwen Graham, 1963 in Kalifornien geboren, wuchs in Tyler, Texas, auf. Sie war „still und höflich“ zu ihren Lehrern, aber sie „hatte immer einen traurigen Ausdruck in ihrem Gesicht“. In späteren Jahren behauptete sie, die Traurigkeit hätte ihre Ursache in den sexuellen Annäherungsversuchen ihres Vaters gehabt, aber diese Beschuldigung – die er abstritt – wurde nie vor Gericht bewiesen. Als sie 1986 nach Michigan übersiedelte, fand Graham Arbeit als Hilfskrankenschwester im Alpine Manor-Pflegeheim in Walker, einem Vorort von Grand Rapids.
Cathy Wood (li.) und Gwen Graham (re.)
Grahams unmittelbare Vorgesetzte im Alpine Manor war die 24jährige Cathy Wood. Sie hatte früh geheiratet, doch als ihre Ehe nach sieben Jahren zerbrach und sie allein im Grand Rapids zurückblieb, quoll Wood auf mehr als 200 Kilogramm auf. Im Juli 1985 wurde sie im Alpine Manor angestellt und zur Aufseherin der Hilfsschwestern befördert, aber ihr soziales Leben blieb leer, bis sie Gwen Graham im Verlauf der Arbeit kennen lernte.
Ihre Freundschaft überschritt rasch die Grenze zu einem lesbischen Verhältnis; Wood nahm mit Diäten in Windeseile ab und genoss den Trubel von Homosexuellen-Bars, Partys und zwangslosem Sex. Ihre höchste Hingabe galt jedoch Graham, und Ende 1986 gelobten die beiden Frauen einander unsterbliche Liebe.
Gwen brachte in jenem Oktober das Gespräch auf das Thema des vorsätzlichen Mordes, aber ihre Geliebte“ dachte, wir hätten nur gespielt“. Beim Sex erlebte Gwen einen Nervenkitzel, wenn sie Cathy festbinden und würgen konnte, bis diese an der Grenze zur Bewusstlosigkeit erschauerte. Cathy beschwerte sich über dieses Spiel jedoch nie. Sie lernte bald, dass Schmerz und Vergnügen die beiden Seiten von ein und demselben Abenteuer sind.
Die Morde im Alpine Manor umfassten einen Zeitraum von drei Monaten, vom Januar bis Anfang April 1987. Gwens erster Plan, das „MURDER“-Spiel, fiel ins Wasser, als ihre präsumtiven (wahrscheinlich, mutmaßlich) Opfer sich dermaßen wehrten, dass sie gezwungen war, sie am Leben zu lassen. Trotz ihrer verpfuschten Bemühungen gab es darüber keinen Aktenvermerk. Sowohl Wood als auch Graham ernteten mustergültige Dienstbeschreibungen von ihren Vorgesetzten und waren auf der Station bei den Patienten beliebt.
In Zukunft, entschied Gwen, würde sie nur noch Frauen aussuchen, die zu alt oder zu schwach waren, um sich noch verteidigen zu können. Ihre Geliebte stand dabei an einem Platz Schmiere, von dem aus sie sowohl den Mord als auch das Schwesternzimmer überblicken konnte. Sie lenkte jeden Kollegen ab, der vorbeikam, während Graham ihr ausgesuchtes Opfer mit einem Waschlappen erstickte, den sie ihm auf Nase und Mund presste. Manchmal war die bloße Aufregung eines Mordes schon zuviel, und die beiden Frauen zogen sich für Sex in einen leeren Raum zurück, solange die Erinnerung noch frisch war. In einigen Fällen behielt Gwen SOUVENIRS von ihren Opfern – ein Fußkettchen, ein Taschentuch, eine Brosche oder ein künstliches Gebiss.
Mord ist ein riskantes Geschäft, aber das liederliche Liebespaar schien mit der Gefahr aufzublühen, und die beiden prahlten mit ihrer Opferzahl gegenüber Kollegen, die diese Erzählungen als „kranke Witze“ abtaten. Mindestens drei Hilfskrankenschwestern kannten das Regal mit den Souvenirs im Haus von Wood und Graham, aber niemand nahm die entzückt vorgetragenen Mordgeschichten vorläufig ernst…
Im April 1987 waren die Flitterwochen für Wood und Graham vorbei. Cathy scheute sich davor, selbst irgendjemanden umzubringen, um „ihre Liebe zu beweisen“. Durch die Versetzung in eine andere Schicht blieb ihr dies erspart. Zu jener Zeit verbrachte Gwen ihre Zeit mit Heather Barager, einer anderen Lesbe, die sie zurück in Grahams Heimat Texas begleitete, als sie Cathy im Stich ließ. Im August verriet Cathy die Geschichte ihrem Ex-Mann, aber Ken Wood ließ unschlüssig weitere 14 Monate verstreichen, bevor er sich an die Polizei wandte. Gwen Graham hatte mittlerweile im Mother Francis Hospital in Tyler zu arbeiten begonnen, blieb aber mit Cathy telefonisch in Kontakt.
Die Polizei von Grand Rapids war zuerst skeptisch gegenüber der Geschichte von Ken Wood. Etwa 40 Patienten waren im Alpine Manor im ersten Quartal 1987 gestorben, offiziell alle eines natürlichen Todes. Nach weiteren Ermittlungen schienen acht der Fälle glaubwürdig und ergaben eine Opferliste, auf der die 60 Jahre alte Marguerite Chambers, die 89jährige Edith Cole, die 95jährige Myrtle Luce, die 79jährige Mae Mason und die 74jährige Belle Burkhard zu finden waren. In keinem Fall gab es konkrete Beweise für den Mord, aber Ken Woods Aussage und Äußerungen der Belegschaft über das Haus waren gewichtig genug, um den Fall zu eröffnen.
Gwen Graham (oben) und Cathy Wood die spätere Star-Zeugin (unten)
Beide Frauen wurden im Dezember 1988 verhaftet. Wood hielt man ohne Kaution in Grand Rapids fest, sie war angeklagt, die Opfer Cook und Chambers getötet zu haben. In Texas, wo die Gerüchte Gwen bereits die Stellung gekostet hatten, reichte eine Kaution von 1 Million $ aus, um sie in Gewahrsam zu halten. Ein Kampf um ihre Auslieferung begann sich auszuweiten, bis Graham auf ihre Rechte verzichtete und den Anklagen aus eigenem Entschluss entgegentrat.
Die Belegschaft vom Alpine Manor war von den Festnahmen „überwältigt“, obwohl sich manche an Gwen als „unberechenbar“ erinnerten und sich über ihr hitziges Gemüt äußerten. Die ehemaligen Hilfsschwestern Deborah Kidder, Nancy Harris, Lisa Lynch, Dawn Male und Russel Thatcher sahen die „kranken Witze“ und die Souvenirs, die sie zuvor für harmlos gehalten hatten, nun in einem neuen Licht. Beim Prozess sagten alle fünf gegen Gwen Graham aus, gemeinsam mit Cathy Wood, die sich über Nacht zur Star-Zeugin gemausert hatte.
Ein Schuldgeständnis im Anklagepunkt Mord mit bedingtem Vorsatz im September 1989 verschonte Wood vor lebenslanger Haft und brachte ihr eine Strafe von 40 Jahren mit der Möglichkeit auf Begnadigung nach 20 Jahren ein. Als Gegenleistung für diese Strafmilderung sagte sie drei Monate später gegen Graham aus und besiegelte damit das Schicksal ihrer Ex-Geliebten. Neben den fünf ermordeten Opfern, sagte Cathy, hatte Gwen versucht, zumindest fünf weitere zu ersticken. Woods Geständnis gegenüber ihrem Ehemann hatte sie weniger aus Schuldgefühlen abgelegt als vielmehr aus Angst, dass Graham im Krankenhaus in Texas weitermorden würde, diesmal Kleinkinder als potentielle Opfer.
„Als sie im Alpine Manor Menschen tötete und ich nichts dagegen unternahm“, erzählte Wood dem Gericht, „war das schlimm genug. Aber als sie mich anrief und sagte, wie gerne sie ein Baby zerquetschen würde, musste ich sie irgendwie stoppen. Ich wusste, dass sie dort in einem Krankenhaus arbeitete. Sie sagte, sie wolle eines der Babys nehmen und es gegen ein Fenster schmettern. Ich musste etwas tun. Es war mir egal, was mit mir geschehen würde.“
Grahams Anwalt versuchte, Wood als eine eifersüchtige, rachsüchtige Lügnerin hinzustellen und seine Klientin als „Opferlamm“ zu präsentieren, aber die Geschworenen stimmten dem nicht zu. Sie berieten sieben Stunden lang, ehe sie Gwen wegen vorsätzlichen Mordes in fünf Fällen und in einem Punkt wegen geplanten, vorsätzlichen Mordes schuldig sprachen. Am 2. November 1989 wurde Graham sechsfach zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne Möglichkeit auf Begnadigung.
Quellen
- Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton und ergänzt von Jaques Buval) 2. Auflage 2005 –S. 141 – ISBN 3-85365-189-5
Der Fall – Richard Speck
Richard Speck wurde am 6. Dezember 1941 in Kirkwood im Bundesstaat Illinois geboren und als er zwanzig Jahre alt war, hatte er schon fast vierzig Verhaftungen auf seinem Konto. Er war verheiratet mit einer 15jährigen und hatte ein Kind mit ihr. Er verließ sie fünf Jahre später: " Ich habe es einfach nicht fertig gebracht sie zu töten ".
Allerdings ermordete er mehrere andere Frauen, darunter eine Kellnerin, weil sie auf seine Annäherungsversuche nicht eingegangen war. Weiterhin überfiel und beraubte er eine 65jährige Frau, an der er sich auch verging. Ein paar Monate später, am 13 Juli 1966, vergewaltigte und ermordete er in Chicago 8 Frauen.
Richard Speck's Opfer: (obere Reihe - von links nach rechts) Valentina Paison, Pamela Wilkening, Patricia Matusek, Suzanne Farris (untere Reihe) Mary Ann Jordan, Merlita Garguilo, Gloria Davy, Nina Schmale
Er war bewaffnet mit einem Messer und einem Gewehr in ein Schwesternwohnheim eingebrochen und wurde dort von 9 Schwesternschülerin überrascht. Er fesselte alle und zerrte sie nacheinander in ein anderes Zimmer. Dort verging er sich an ihnen und ermordete sie. Das Motiv: Niemand sollte ihn identifizieren können. Eine neunte Schwesternschülerin hatte sich unter einem Bett versteckt und musste miterleben, wie Speck unmittelbar über ihr eine ihrer Freundinnen vergewaltigte und ermordete. Speck hatte sich offenbar verzählt, denn nach der achten Bluttat verließ er das Haus. So konnte die neunte entkommen und der Polizei eine ziemlich exakte Beschreibung des Täters geben.
Die Verhaftung des Mehrfachmörders
Unter anderem erinnerte sie sich an eine Tätowierung auf Specks linken Arm mit der Aufschrift "Born to raise Hell". Dieser Hinweis wurde an die Unfallstationen sämtlicher Krankenhäuser verschickt. Wenige Tage nach dem Blutbad suchte Speck wegen einer Wunde ein Krankenhaus auf. Die Tätowierung wurde erkannt, und er konnte verhaftet werden.
Speck auf dem Weg zum Gerichtssaal
Speck wurde später zum Tode verurteilt. Dieses Urteil wurde jedoch annulliert, da er in dem Geschlechtsbestimmenden 23 Chromosomenpaar ein zusätzliches Y Chromosom hatte. Wissenschaftler gingen damals davon aus, dass dieses genetische Anomalität bei Männern kriminalitätsfördernd wirkt.
Das Urteil wurde widerrufen und Speck wurde wegen achtfachen Mordes zu 600 Jahren Gefängnis verurteilt. Speck starb am 5. Dezember 1991 im Alter von 49 Jahren an einem Herzinfarkt.
Quellen
Der Fall – Volodja Storotschenko
Es war seine eigene Eitelkeit, die den russischen Serienmörder und Vergewaltiger Volodja Storotschenko zu Fall brachte: Im Austausch gegen ein volles Geständnis sicherte Inspektor Issa Kostoev dem zwölffachen Frauenmörder zu, dass er nicht für seine Verbrechen hingerichtet werde. Stattdessen wolle man ihn mit dem Leben davonkommen lassen, damit er fortan für den russischen Geheimdienst tätig sein könne.
Inspektor Kostoev, ein mit allen Wassern gewaschener Kriminalist der russischen Generalstaatsanwaltschaft, der auch Andrej Tschikatilo, den „Ripper von Rostow“, zur Strecke bringen sollte, wusste, dass er den Sexualmörder ohne ein Geständnis wahrscheinlich wieder laufen lassen musste. Im besten Fall konnte er Storotschenko wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes vor Gericht bringen.
Zwei Jahre lang hatte Volodja Storotschenko die Bevölkerung der 400 Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Stadt Smolensk in Angst und Panik versetzt. Von 1979 bis zu seiner Festnahme im Sommer 1981 hatte der Exsträfling 20 Frauen aus der Gegend überfallen, ausgeraubt, vergewaltigt und am Tatort liegengelassen. Zwölf Frauen waren auf diese Art ums Leben gekommen, die übrigen acht Opfer überlebten den Mordversuch.
Es dauerte nicht lange, bis das überzeugend vorgetragene Angebot des Inspektors den 28-jährigen Familienvater aus Smolensk zum Reden brachte: Storotschenko gestand alle ihm angelasteten Morde.
Als er endlich herausfand, dass der Inspektor ihn hinters Licht geführt hatte und ihm statt einer Karriere als Geheimagent im Ausland der Weg zum Erschießungskommando bevorstand, drohte er dem Inspektor, er werde ihm die „Kehle herausreißen“.
Kostoev verstand es auch ein zweites Mal, den inhaftierten Serienkiller einzuwickeln, indem er ihm zusicherte, dass er sich um dessen Familie kümmern werde. Storotschenko soll ihm doch dankbar sein, dass er ihn vor den anderen Häftlingen beschützte und in einer Einzelzelle untergebracht habe.
Volodja Storotschenko bedankte sich schließlich reumütig bei dem Mann, der dafür sorgte, dass er wenige Monate später zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.
Quellen
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.562 - ISBN 3-548-35935-3
Der Fall – Achmad Suradji
Die Richter eines indonesischen Gerichts in Medan/Nordsumatra verurteilten den 48-jährigen Achmad Suradji am 27. April 1998 wegen zweiundvierzigfachen Mordes zum Tode durch Erschießen. Wegen Mittäterschaft angeklagt wurde die 39-jährige Tumini, die älteste der drei Frauen des Angeklagten. Auch in ihrem Fall plädierte die Staatsanwaltschaft für die Todesstrafe.
Indonesien incl. Sumatra.......und Sumatra mit der Stadt Medan / Nordsumatra , der Gerichtsstadt.
Achmad Suradji, ein Viehzüchter und geachteter Zauberer und Hexer aus einem Dorf nahe der Provinzhauptstadt Medan, wurde am 2. Mai 1997 festgenommen, nachdem auf einer Zuckerrohrplantage in der Nähe seines Hauses drei vergrabene Frauenleichen entdeckt worden waren. Binnen 14 Tagen wurden 37 weitere stark verweste Frauenleichen und Skelette geborgen. Suradji, der auch als Nasib Kelewang und Datuk Maringgi bekannt war, wurde von zahlreichen Frauen aus der Umgebung konsultiert, die bei ihm medizinischen und spirituellen Rat suchten.
Die Bergung eines der Opfer
Er ermordete die hilfesuchenden Frauen, die zuvor beträchtliche Summen Geld für die magischen Rituale bezahlt hatten, auf einer Zuckerrohrplantage. Dort überredete er die Opfer, sich in eine Grube hinzuknien, wo er sie bis zur Taille eingrub. Die Frauen vertrauten dem angesehenen Magier, der ihnen erzählte, dass dies Teil des Rituals sei. Waren sie ihm erstmal ausgeliefert, erdrosselte er sie und trank ihren Speichel, weil er glaubte, so seine magischen Fähigkeiten zu erhöhen. Anschließend plünderte er die Leichen und begrub sie mit Hilfe seiner ältesten Frau im Feld. Möglicherweise waren ihm auch seine beiden anderen Frauen dabei behilflich, beide Schwestern von Tumini, die das Dorf nach der Festnahme ihres Mannes fluchtartig verlassen hatten.
Suradji, der zunächst verdächtigt worden war, 19 Frauen getötet zu haben, legte nach seiner Verhaftung ein volles Geständnis ab und gab zu, insgesamt 42 Kundinnen innerhalb eines Zeitraumes von elf Jahren ermordet zu haben. Im Ziegenstall bei seinem Haus wurden zahlreiche Armbanduhren und Kleidungsstücke entdeckt, die von mindestens 20 Opfern stammten. Insgesamt gab es in der Region 80 Vermisstenmeldungen, und es wird befürchtet, dass neben den 42 inzwischen geborgenen Leichen noch weitere Menschen dem besessenen Indonesier zum Opfer gefallen sein könnten.
Quellen
- Lexikon der Serienmörder (von Peter & Julia Murakami) 2. Auflage 2000 – S.563 - ISBN 3-548-35935-3