Das erste Mordopfer des Pferdehändlers wurde 1921 entdeckt. Viele weitere folgten. Insgesamt fand man 21 Leichen im Shabolovki Viertel in Moskau. Die Polizei konnte die Morde mit dem Pferdemarkt in Verbindung bringen, da die Opfer jedes Mal von dort verschwanden.
Als der Pferdehändler Komaroff vernommen werde sollte, floh er durch einen Sprung aus dem Fenster. Bei einer Durchsuchung des Hauses entdeckte man in einem Pferdestall sein letztes Opfer. Komaroff konnte ein paar Tage später verhaftet werden und gestand 33 Morde, die er zusammen mit seiner Frau Sofia begangen hatte. Vasili Komaroff tötete wegen des Geldes, welches seine Opfer in der Hoffnung auf ein billiges Pferd, mitgenommen hatten.
Bei den darauf folgenden Ermittlungen konnte er die Polizei zu weiteren 5 Leichen führen. Die Eheleute wurden beide des Mordes für schuldig befunden und am 18.Juni 1923 erschossen.
Der Fall - Anna Maria Hahn Anna M. Hahn bei ihrer Verhaftungund 1937 im Gefängnis
Die in Deutschland 1904 geborene Anna Maria Hahn wanderte im Jahre 1929 mit ihrer Familie nach Cincinnati, Ohio aus. Dort arbeitete sie als Altenpflegerin, die sich vorwiegend um wohlbetuchte alleinstehende Männer kümmerte. Ihre Fürsorglichkeit wurde meist dadurch belohnt, dass die Herren sie als Erbin ihres Vermögens einsetzten. Als sich jedoch die mysteriösen Sterbefälle im Umfeld der Altenpflegerin häuften, wurden die Behörden hellhörig. Die Leiche von Jacob Wagner, dem letzten Pflegefall von Anna Maria Hahn, wurde gerichtsmedizinisch untersucht. Der Verdacht bestätigte sich. Im Körper des Toten wurden erhebliche Mengen von Arsen gefunden.
Bei der Durchsuchung ihres Hauses fand die Polizei eine sehr große Menge Gift. Dieser Tatbestand führte zur Exhumierung aller ihrer verstorbenen Pflegepersonen. Bei acht von ihnen wurde Arsen im Körper festgestellt. Nach einem kurzen Prozess im Jahre 1938 wurde Anna Maria Hahn am 7.Dezember 1938 als erste Frau in Ohio auf dem ?Elektrischen Stuhl? hingerichtet.
Der Elektrische Stuhl in Ohio, auf dem Anna Maria Hahn hingerichtet wurde.
Quellen:
- 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 - ISBN: 3-935678-03-7
Der Fall - Kurt Erich Tetzner
Der Mann, der zweimal starb: "Dieser Tote ist nicht Kurt Tetzner"
Vor 75 Jahren begann in Regensburg der erste spektakuläre Prozeß wegen Versicherungsbetrugs
Professor Richard Kockel, Direktor des Leipziger Instituts für Gerichtliche Medizin, hatte schon allerlei Ungewöhnliches erlebt. Doch das, was ihm gegen Mittag des 30. November 1929 widerfuhr, war selbst für einen führenden Rechtsmediziner Deutschlands Neuland. Atemlos war ein Mitarbeiter der "Nordstern"-Versicherung in Kockels Büro gestürmt und hatte über eine völlig verkohlte Leiche fabuliert, die in der Kapelle des Leipziger Südfriedhofs lag. Der Tote war offensichtlich Opfer eines Unglücks. Was dem Versicherungsmann nicht behagte: Das Leben des "verunfallten" Kaufmanns Kurt Erich Tetzner war bei "Nordstern" und drei weiteren Gesellschaften mit der für damalige Verhältnisse schwindelerregenden Summe von 145 000 Reichsmark versichert. Die Policen waren erst sechs Wochen vorher wirksam geworden. Nun solle doch Kockel - bitte schön - herausfinden, ob Tetzner nicht vielleicht durch einen Herzanfall oder durch Selbstmord aus dem Diesseits geschieden war. Das hätte die Versicherungen entlastet. Im Übrigen pressiere die Sache, denn der Tote solle schon eine Stunde später unter die Erde gebracht werden.
Kockel, auf dessen ständiges Drängen die heute selbstverständliche Zusammenarbeit von Kriminalisten und Rechtsmedizinern bereits am Ort eines Todesfalles zurückging, fuhr sofort zum Friedhof. Noch ahnte der Professor nicht, daß er einen Meilenstein in der Geschichte der Rechtsmedizin setzen und entscheidend dazu beitragen sollte, einen der spektakulärsten Mordfälle seiner Zeit aufzuklären.
Dieser Mord hatte kurz zuvor, im Frühnebel des 27. November 1929 stattgefunden. Auf der Landstraße 8 (Nürnberg-Regensburg) war ein grüner Opel-Coupé "Laubfrosch" gegen 5.30 Uhr nahe der Ortschaft Etterzhausen bei Regensburg gegen einen Kilometerstein geprallt und hatte Feuer gefangen. Aus dem Wrack barg die Polizei eine verkohlte, verstümmelte männliche Leiche, die nur anhand der Autonummer als die des Halters Kurt Tetzner identifiziert wurde. Die "Witwe" Emma Tetzner ließ die sterblichen Überreste nach Leipzig überführen und stimmte auf massiven Druck der Versicherungen widerwillig einer Obduktion zu.
Im Keller der Kapelle fand Richard Kockel "einen stark verkohlten Rumpf, dem noch anhafteten: Die Halswirbelsäule nebst dem Schädelgrund, die obere Hälfte beider Oberschenkel, das untere Gelenkende des rechten Oberschenkels und Teile der Arme". Am linken Oberarmknochenkopf fand der Rechtsmediziner den Rest einer Knorpelleiste, die normalerweise zwischen dem 18. und 22. Lebensjahr verknöchert. Der gesamte Knochenbau war von ausgesprochen zarter Natur. Tetzner war jedoch zum Zeitpunkt seines vermeintlichen Todes bereits 26, untersetzt, übergewichtig und kräftig gebaut. Weder in der Mundhöhle noch im Kehlkopf, im Rest der Luftröhre oder im Lungengewebe konnte Kockel Ruß finden. Bei Menschen, die bei lebendigem Leib verbrennen, hätte der aber nachzuweisen sein müssen.
Daraus zog der Wissenschaftler den Schluß, "daß die Verbrennung nicht bei Lebzeiten erfolgt war, sondern erst nach dem Tode". Diese Erkenntnis korrespondierte mit dem fehlenden Kohlenmonoxid im Blut. Das giftige Gas hätte ebenfalls nachgewiesen werden können. Eine Fettembolie in der Lunge deutete darauf hin, daß die Brandleiche zu Lebzeiten Verletzungen erlitten haben mußte. Kockel hielt es ferner für ausgeschlossen, daß die fehlenden Körperteile restlos verbrannt waren: "Wahrscheinlich wurden die Teile der Gliedmaßen und das Schädeldach beseitigt, um die Ermittlung der Körpergröße, der Farbe des Haupthaares und der Todesursache unmöglich zu machen." Dessen ungeachtet stellte er fest: "Der von mir Sezierte ist gewaltsam getötet, verstümmelt und verbrannt worden." Und: "Der Tote ist nicht Kurt Tetzner!"
Ein ungeheurer Verdacht drängte sich auf: Mord. Und auch ein Tatverdächtiger: Tetzner. Die Hypothese der Leipziger Kripo: Der reisende Kaufmann habe einen Unbekannten ermordet - jünger, kleiner und schwächlicher als er selbst - und dann versucht, das Opfer durch Feuer und Verstümmelung unkenntlich zu machen, um den eigenen Tod vorzutäuschen, und mit der Ehefrau die Versicherungen abzukassieren. Der Verdacht bestärkte sich, als der Unfallort noch einmal gründlich abgesucht und ein faustgroßes, "nicht hitzeverändertes" Stück Gehirn gefunden wurde. Eine Tatsache, die mit der Unfalltheorie nicht in Einklang zu bringen war.
Noch in der Nacht zum 1. Dezember 1929 begann der stellvertretende Leiter der Leipziger Kripo, Kriminalrat von Kriegern, gegen die Eheleute Tetzner zu ermitteln. Sie hatten 1927 geheiratet und von Emmas Mutter in Oschatz, zwischen Leipzig und Dresden, ein kleines Café übernommen. Das lief schlecht, brachte jedoch beim Verkauf immerhin etwa 35 000 Mark ein. Tetzner hatte sich davon den Opel angeschafft, den Rest des Geldes soll er in Nachtbars verjubelt haben. 1929, inzwischen in Leipzig ansässig, war er als Verlagsvertreter oft geschäftlich unterwegs.
Von Kriegern nahm an, daß Tetzner untergetaucht war, aber recht bald aus Geldnot seine Ehefrau kontaktieren würde. Also wurde Emma Tetzner überwacht. Weil sie häufig das Telefon der Nachbarn benutzte, wurde der Anschluß angezapft. Am Morgen des 4. Dezember belauschte ein Beamter den Anruf eines gewissen "Sranelli" aus Straßburg, der Frau Tetzner sprechen wollte. Sie sei unterwegs, hieß es, wäre aber gegen 18 Uhr wieder erreichbar. Von Kriegern bat die französische Polizei um Observation des Postamtes, aus dem der Anruf kam, und flog umgehend in die elsässische Hauptstadt. Als "Sranelli" gegen sechs Uhr abends das Gespräch nach Leipzig anmeldete, wurde er festgenommen - und gestand fassungslos: "Ja, ich bin Kurt Tetzner."
Beim Verhör zurück in Leipzig überraschte er: Er gestand - allerdings einen Mordversuch. Am 22. November hatte er in der Nähe von Ingolstadt den 23jährigen Anhalter Alois Ortner aufgelesen. An einsamer Stelle täuschte er einen Motorschaden vor und veranlaßte den arglosen Schlossergesellen "sich das mal anzusehen". Als Ortner wieder unter dem Wagen hervorkam, drosch Tetzner mit einem Wagenheber auf ihn ein. Dem kräftigen jungen Mann gelang jedoch die Flucht in den Wald. Ortner lag bei der Verhaftung Tetzners noch im Ingolstädter Krankenhaus.
Tetzners zweites Geständnis bereitete den Untersuchungsbehörden mehr Kopfzerbrechen. Am 27. November, am Mordtag also, habe Tetzner einen schmächtigen Handwerksburschen mitgenommen (das Risiko, einen kräftigen, der eigenen Statur entsprechenden Mann auszuwählen, schien ihm nach der "Pleite" mit Ortner zu hoch). Unter Vortäuschung einer Panne sei er sanft gegen den Kilometerstein von Etterzhausen gefahren, habe den Wagen mit Benzin übergossen, den Tank geöffnet und den schlafenden Mitfahrer verbrennen lassen. Dann habe er sich zu Fuß ins nahe Regensburg begeben, und von da - vermutlich mit der Bahn - nach Straßburg. Diese Lesart widersprach allerdings dem Obduktionsergebnis von Professor Kockel, wonach das Opfer nicht lebend verbrannt sein konnte. Obwohl Tetzner klar gewesen sein mußte, daß ihm bei dem entsetzlichen Todeskampf des Opfers keinerlei mildernde Umstände zugute gehalten würden, blieb er bei dieser Tatversion. Bis der Untersuchungsrichter ihm im Frühjahr 1930 Kockels Gutachten vorlegte. Nun begann der Gefangene um seinen Kopf zu kämpfen. "Kurz vor Bayreuth", so Tetzner, "habe ich im Dunkeln einen Mann überfahren und schwer verletzt. Ich habe ihn dann ins Auto gehoben, um ihn ins Krankenhaus zu bringen. Er starb jedoch." Erst dann sei ihm die Idee mit dem Versicherungsbetrug gekommen. Er habe den Toten bei Etterzhausen ans Steuer gesetzt und das Fahrzeug angezündet.
Die Version war zweifellos gut durchdacht. Unfall mit Fahrerflucht inklusive Versicherungsbetrug wiegt weit weniger schwer als Mord. Außerdem hatte Tetzner dabei alle Arbeitsergebnisse Kockels berücksichtigt. Als Erklärung für die Verletzungen verwies Tetzner auf den "Unfall". Der würde auch den Tod des Opfers erklären, und der wiederum das Fehlen von Ruß und Kohlenmonoxid im Körper. Plötzlich sah sich die Kripo wieder am Anfang der Ermittlungen: War es doch kein Mord, sondern ein Unfall?
Der Prozeß begann am 17. März 1931 vor dem Regensburger Schwurgericht. Der Presserummel war gewaltig. Nur vergleichbar mit dem um die Serienmörder Haarmann und Kürten - oder um die politischen Morden der Zwanziger Jahre. Journalisten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und Japan waren angereist und heizten das öffentliche Interesse durch Aufmacher vom unheimlichen Versicherungsmörder oder dem "Mann, der sein eigener Mörder war" weiter an. Vor Gericht ging es dagegen sachlich zu. Ein Gegengutachter, Hans Molitoris, Direktor des Instituts für Gerichtliche Medizin der Universität Erlangen, erklärte, "daß das von Tetzner zu Anfang abgelegte Geständnis, er habe einen Lebenden verbrannt, ganz wohl mit den Erfahrungen der Wissenschaft in Einklang gebracht werden könne". Kockel hingegen wollte zwar nicht ganz ausschließen, "daß nicht bei allen Brandopfern Ruß in den Atemwegen und Kohlenmonoxid im Blut nachgewiesen werden kann", wie das beim Wiener Ringtheaterbrand vom 8. Dezember 1881 der Fall war. Er habe jedoch modernere Untersuchungsmethoden angewandt. Außerdem waren beim Theaterbrand in der allgemeinen Panik viele Menschen erdrückt worden, so daß bei ihnen die vermißten Rückstände gar nicht vorhanden gewesen sein konnten.
Nun neigte sich die Waagschale gegen Tetzner, zumal seine zweite, die "Unfallversion", angesichts des "frischen" Hirnstücks und der fehlenden Körperteile in der Hauptverhandlung kaum Widerhall fand. Das Gericht folgte Kockels "Mordversion" und verurteilte Tetzner wegen Mordes zum Tode. Emma Tetzner bekam wegen Beihilfe vier Jahre Zuchthaus. Nach Ablehnung des Gnadengesuches gestand Tetzner, den Wanderburschen, der über Kälte geklagt hatte, bis zur Bewegungsunfähigkeit in eine Decke eingewickelt und dann erdrosselt zu haben. Mit der ganzen Wahrheit wollte er immer noch nicht herausrücken, denn auch das letzte Geständnis beantwortete nicht alle Fragen zum Tathergang. Der Todeskandidat gab aber noch zu Protokoll: "Der Herr Professor hat ganz recht; das habe ich mir während der ganzen Verhandlung gedacht."
Kurt Erich Tetzner wurde am 2. Mai 1931 um 7 Uhr im Hof des Gerichtsgefängnisses Regensburg mit dem Fallbeil hingerichtet. Richard Kockel, ohne dessen bahnbrechende Arbeit die Untat "des Mannes, der zweimal starb" als tödlicher Verkehrsunfall zu den Akten gelegt worden wäre, starb 1934 an Luftröhrenkrebs. Die Identität des Opfers konnte nie zufriedenstellend geklärt werden.
Quelle:
- Berliner Morgenpost vom 19. März 2006 (von Ulrich Zander)
Der Fall - Joe Ball
Joe Ball, geboren im Jahr 1892, war ein ehemaliger Alkoholschmuggler und Besitzer eines Gasthauses in Elmendorf, Texas, in der Nähe von San Antonio. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts führte er das ?Sociable Inn?, das wegen seiner hübschen Kellnerinnen und der Alligatoren-Grube im Hinterhof bekannt war, wo Ball seine Stammgäste täglich mit dem Ritual der Fütterung unterhielt. Es schien aber, als hätte er ein Problem damit, Kellnerinnen zu halten ? und Ehefrauen-, aber Abwechslung war ein Teil dessen, was Joes Lokal so populär machte.
Das Gasthaus "Sociable Inn" in Elmendorf, Texas
Ball besaß eine dunklere Seite und nach Berichten anderer Einwohner von Elmendorf war er anders als gesellig. So bedrohte er etwa einen Nachbarn, einen Polizisten namens Elton Crude, mit einer Pistole, nachdem sich dieser über den Gestank beschwert hatte, der von Joes Alligatoren-Teich ausging. (Dieser Geruch, so erklärte ball normalerweise, sei dem verfaulten Fleisch zuzuschreiben, dass er als Futter für die Alligatoren verwendete). Einem anderen Anrainer hatte Ball so schreckliche Angst eingejagt, dass dieser eines Nachts seine Familie zusammenpackte und ohne ein Wort der Erklärung aus dem Bundesstaat floh.
Im September 1937 meldeten besorgte Verwandte den Behörden von Elmendorf das Verschwinden von Minnie Gotthardt. Die vermisste 22-jährige war bei Ball beschäftigt gewesen, ehe sie verschwand, aber der befragte Gasthausbesitzer gab an, sie sei von ihm fort gegangen und hätte eine andere Stelle angenommen. Die Polizei gab sich zufrieden, bis eine weitere Kellnerin ? Julia Turner ? von ihrer Familie ebenfalls als vermisst gemeldet wurde. Ball bediente sich derselben Antwort, aber diesmal gab es Probleme mit der Geschichte, weil das Mädchen ihre Kleidung zurückgelassen hatte. Joe konnte sich herausreden, indem ihm plötzlich ein Streit mit Julias Zimmergenossin einfiel; Turner hätte Angst gehabt, ihr Gewand aus dem Zimmer zu holen, behauptete Ball, und er hätte ihr 500 $ mit auf den Weg gegeben.
Die vermisste 22-jährige Minnie Gotthardt war bei Ball beschäftigt.
Innerhalb weniger Monate kamen zwei weitere Frauen auf die Vermisstenliste; eine davon, Hazel Brown, hatte zwei Tage vor ihrem Verschwinden ein Bankkonto eröffnet, dann ?ging sie weg?, ohne etwas von ihrem Geld abzuheben. Die Texas-Ranger schalteten sich in den Fall ein und stellten eine Liste von Balls bekannten Angestellten der vergangenen paar Jahre zusammen. Viele von ihnen wurden zwar lebend gefunden, aber zumindest ein Dutzend galt seit längerem als vermisst, ebenso Joes zweite und dritte Frau. Ball hielt sich gut unter dem Verhör, aber sein alter Vertrauensmann brach zusammen und berichtete, wie er Ball geholfen hatte, mehrere weibliche Leichen zu beseitigen. Dabei hätte er unter der Androhung des eigenen Todes gehandelt, als er die zerstückelten Überreste an die Alligatoren verfütterte. Aus der Sicherheit seines neuen Wohnsitzes stieß Joes Ex-Nachbar in das gleiche Horn und beschrieb einen Abend im Jahr 1936, als er zugesehen hätte, wie Ball den Körper einer Frau zerhackt und die Teile seinen hungrigen Haustieren vorgeworfen hätte.
Sheriff John Gray vom Bexar County bei der Spurensicherung
Die Ranger hatten genügend Aussagen, um Ball anzuklagen, aber für einen Schuldspruch brauchten sie solide Beweise. Am 24. September 1934 tauchten sie unerwartet im ?Sociable Inn? auf, um Joes Fleischfass zu untersuchen, und Ball erkannte, dass sein Spiel aus war. Er ging hinter den Tresen, ließ klingelnd das Schild ?Kein Verkauf? an der Registrierkasse hochschnellen, zog eine Pistole aus der Geldlade und richtete sich mit einem Kopfschuss selbst. Sein Gehilfe wurde aufgrund mildernder Umstände für zwei Jahre eingesperrt, während Joes Alligatoren an den San Antonia-Zoo verschenkt wurden.
Quelle:
- Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von Michael Newton) 2. Auflage 2005 - Seite 22 - ISBN 3-85365-189-5
Der Fall - Herman Drenth
Herman Drenth war Möbelhändler in Clarksburg, West Virginia. Über Heiratsanzeigen lernte er immer wieder heiratswillige Damen kennen, die er kurze Zeit später ermordete. 1931 heiratete er Asa Buick Eicher aus Illinois, eine Mutter von drei Kindern, welche von dem Paar vor den Flitterwochen bei Bekannten untergebracht wurden. Nachdem Drenth seine Ehefrau ermordet hatte, holte er die drei Kinder ab und bezahlte die Kosten für die Verpflegung mit einem ungedeckten Scheck. Über diesen Scheck kam die Polizei auf seine Spur. Bei der Durchsuchung seines Anwesens fand die Polizei mehrere Leichen. Im Haus selber gab es einen Raum, der zu einer Gaskammer umgebaut war und eine Trennscheibe besaß, durch die Drenth den Todeskampf seiner Opfer genau mitverfolgen konnte.
Bei den Ermittlungen kamen immer neue Beweise für weitere Morde heraus. Drenth allerdings sah die Ergebnisse mit Fatalismus: ?Fünf Morde habt Ihr mir schon angehängt, was tun da 50 weitere?. Er wurde wegen fünffachen Mordes zum Tode verurteilt und am 18. März 1932 in West Virginia gehängt. Die drei Kinder von Asa Buick Eicher wurden nie gefunden.
Quellen:
- EXECUTED - 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 - Seite 143 ? ISBN: 3-935678-03-7
Der Fall - Robert Harris White
Robert Harris White - gerissener Gauner und Glücksspieler
Der 1889 in Texas geborene Robert H. White wurde am 2. Juni 1930 im Alter von 41 Jahren wegen Mordes an Louis La Vell in der Gaskammer von Nevada hingerichtet. White wurde für schuldig befunden, am 6. Mai 1928 seinen Partner Louis La Vell in Elko ermordet zu haben. Gemeinsam hatten sie beim Glücksspiel als Gaunerpaar mit gezinkten Karten gespielt. Nach dem Spiel sollte La Vell 25 Prozent seiner Gewinnsumme an Robert Harris White ausbezahlen. Im Verlauf des darüber entbrannten Streites wurde La Vell getötet.
Die Gaskammer von Elko in Nevada - Whites letzte Station
Am 2. Juni 1930 musste Robert H. White auf dem Stuhl der Gaskammer Platz nehmen. Dies war die erste Hinrichtung, die protokolliert wurde. Auf die Frage des Gefängnisdirektors nach seinem letzten Wunsch antwortete White: "Bitte geben Sie mir eine Gasmaske, etwas anderes kann ich unter diesen Umständen nicht brauchen."
Die Hinrichtung begann um 4.36 Uhr morgens, das Gas wurde um 4.37 Uhr und 30 Sekunden in die Gaskammer gegeben. Robert H. White atmete um 4.38 Uhr das Gas tief ein und wurde daraufhin sofort bewusstlos.
Quellen:
- EXECUTED - 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 - Seite 130 ? ISBN: 3-935678-03-7
Der Fall - Rainey Bethea
Rainey Bethea ...beim Verhör
Das Verbrechen war entsetzlich, doch der Fall blieb wegen der Umstände der Bestrafung in Erinnerung. Rainey Bethea wurde am 14. August 1936 in Owensboro, Kentucky, öffentlich vor 15.000 Zuschauern gehängt.
Bethea, ein junger Schwarzer, war drei Jahre zuvor nach Owensboro gekommen und hatte sofort Probleme mit der Justiz. Im April 1935 stahl er zwei Handtaschen aus dem Vogue Beauty Shop. Weil deren Wert fünfundzwanzig Dollar überstieg, lautete die Anklage auf schweren Diebstahl, und er kam für ein Jahr ins Staatsgefängnis. Nach seiner Entlassung kehrte er nach Owensboro zurück, wo er einen Monat später wegen Trunkenheit und Ruhestörung verurteilt wurde. Weil er die Strafe von 100 Dollar nicht zahlen konnte ? er verdiente nur 7 Dollar pro Woche -, kam er für drei Monate ins Gefängnis. Am Morgen des 7. Juni 1936 war er wieder betrunken. Er brach durch das Schlafzimmerfenster ins Haus von Lischia Edwards ein. Die alte Dame erwachte, er würgte und vergewaltigte sie, dann durchsuchte er ihren Schmuck. Dabei streifte er seinen Gefängnisring aus schwarzem Zelluloid ab, den er vergaß, als er mit einigen Schmuckstücken floh, die er in einer Scheune in der Nähe versteckte.
Als Lischia Edwards Leiche entdeckt wurde, rief man den Coroner. Dieser fand Betheas Ring. Eine Woche später wurde Bethea verhaftet, als er an Bord eines Flussbootes gehen wollte. Die Polizei konnte verhindern, dass er gelyncht wurde, denn der Volkszorn kochte, weil das Opfer eine Weiße war. Bethea legte ein Geständnis ab, sagte aber, dass er bei der Vergewaltigung nicht gewusst habe, ob sein Opfer tot war oder noch lebte. Dass war ein entscheidender Punkt, denn 1936 gab es in Kentucky kein Gesetz, dass Geschlechtsverkehr mit einer Leiche verbot. Die Art des Verbrechens war entscheidend für die Anklage. Auf Mord und Raub stand der Tod auf dem elektrischen Stuhl, auf Vergewaltigung der Tod am Galgen.
Die letzten Schritte von Rainey Bethea und
.... das Ende
Bethea wurde wegen Vergewaltigung angeklagt, und die Jury brauchte fünf Minuten, um ihn für schuldig zu befinden. Rainey Bethea wurde am 14. August 1936 die Schlinge um den Hals gelegt und öffentlich aufgehängt.
Quellen:
- True Crime ? Die spektakulärsten Verbrechen der Geschichte (von Nick Yapp) S. 66 - ISBN 978 -1 4054-9795-4
Der Fall - Dr. Buck Ruxton
Dr. Buck Ruxton und seine Frau Isabella Ruxton, sowie die Hausangestellte Mary Jane Rogerson
Bukhtyar Rustomji Rantanji Hakim kam 1927 aus Indien ins schottische Edinburgh, um dort Medizin zu studieren. Er qualifizierte sich als Arzt, änderte seinen Namen in Buck Ruxton und heiratete die Restaurantbesitzerin Isabella Kerr. Sie zogen nach Lancaster und hatten zusammen drei Kinder. Die Partnerschaft war nicht harmonisch, denn Ruxton war ein eifersüchtiger, aufbrausender Mensch. Angestellte und die Polizei in Lancashire wussten das, denn er hatte mehrfach gedroht, seine Frau umzubringen.
Am 15. September 1935 kam es zur Eskalation, als Ruxton Isabella erwürgte. Die Hausangestellte Mary Jane Rogerson wurde Zeugin der Tat, und Ruxton erstickte auch sie. Dann ging er überlegt und systematisch vor. Er zerteilte beide Leichen, entfernte Isabellas Fingerspitzen, um eine Identifizierung unmöglich zu machen, und wickelte die Teile in Zeitungspapier ein. Er fuhr damit ins 160 Kilometer entfernte Moffat in Schottland und warf sie in eine Schlucht. Aber er machte einen entscheidenden Fehler: Die von ihm verwendete Zeitung war eine Spezialausgabe des Sunday Graphic, die nur in der Gegend von Lancaster verkauft worden war.
Skelett aus der Schlucht
Die Ermittler im Fall Ruxton überblendeten ein
Foto des in Schottland gefundenen Schädels mit
einer Porträtaufnahme von Mrs Ruxton
14 Tage später entdeckten zwei Wanderer in der Schlucht ein menschliches Bein. Die Polizei fand 43 verschiedene Leichenteile, die den beiden Gerichtsmedizinern Prof. John Glaister und Prof. James Brash übergeben wurden. Glaister und Brash konnten einen der gefundenen Finger den Fingerabdrücken von Mary Jane zuordnen. Die andere Leiche identifizierten sie, indem sie eine lebensgroße Vergrößerung von Isabellas Kopf mit dem Röntgenbild von einem der Schädel aus der Schlucht verglichen. Die Altersbestimmung der Maden an den Leichen ergab, dass der Todeszeitpunkt mit dem Zeitpunkt des Verschwindens der beiden Frauen übereinstimmte.
Die beiden Gerichtsmediziner Glaister und Brash (links und mitte)
Ruxton wurde festgenommen, angeklagt und verurteilt. Am 12. Mai 1936 starb er im Strangeways Prison in Manchester am Galgen.
Quellen:
- True Crime ? Die spektakulärsten Verbrechen der Geschichte (von Nick Yapp) S. 252 - ISBN 978 -1 4054-9795-4
Der Fall - Bela Kiss
Der Ungar Bela Kiss, ein Familienvater und Amateur-Astrologe, begann seine Karriere als Serienmörder relativ spät. Im Februar 1912 übersiedelte Kiss, 40jährig, mit seiner um etwa 15 Jahre jüngeren Frau Marie in das Dorf Czinkota. Innerhalb weniger Wochen hatte Marie einen Liebhaber gefunden, einen Paul Bikari, und im Dezember 1912 erzählte Kiss seinen Nachbarn traurig, dass das Paar gemeinsam davongelaufen sei und ihn vergrämt allein zurückgelassen hätte. Anstelle seiner Frau stellte Kiss eine ältere Haushälterin an. Sie lernte, die Reihe der Frauen zu ignorieren, die kamen, um mit dem wieder in Frage kommenden Junggesellen ihre Zeit zu verbringen.
Kiss fing an, Metallfässer zu sammeln
Etwa zur selben Zeit begann Kiss, große Metalltrommeln zu sammeln, und informierte den neugierigen Dorfpolizisten darüber, dass sie mit Benzin gefüllt seien, da zu erwarten war, dass letzteres mit dem Ausbruch des Krieges in Europa knapp würde. Die Behörden in Budapest suchten mittlerweile Informationen über das verschwinden von zwei Witwen namens Schmeidak und Varga, die seit mehreren Wochen keinen Kontakt mehr mit ihren Freunden oder Verwandten aufgenommen hatten. Beide Frauen waren zuletzt in der Begleitung eines Mannes namens Hoffmann gesehen worden, von dem behauptet wurde, dass er nahe der Margarethenbrücke in Budapest leben würde, aber auch er war spurlos verschwunden. Der Polizist von Czinkota war über diese Nachforschungen informiert, sah aber keinen Grund, Herrn Hoffmann mit dem ruhigen, bescheidenen Bela Kiss in Verbindung zu bringen.
Vermisst: Die Witwe Katherina Varga Ebenfalls vermisst: Margaret Toth
Im November 1914 wurde Kiss zum Militärdienst abkommandiert und zog an die Front, kaum dass er angelobt worden war und die Ausrüstung ausgefasst hatte. Weitere achtzehn Monate sollten verstreichen, ehe die Beamten in Czinkota darüber informiert wurden, dass Kiss in der Schlacht gefallen sei ? ein weiterer, schrecklicher Eintrag auf der Gefallenenliste im blutigen Frühjahr des Jahres 1916. Er wurde von den Dorfleuten bis Juni vergessen, als Soldaten nach der Suche nach Benzinvorräten nach Czinkota kamen.
Das Haus und der Schuppen von Bela Kiss
Der Dorfpolizist erinnerte sich an Kiss´ Lager von Metalltrommeln und führte eine Abteilung Soldaten zum Haus des toten Mannes. Im Haus förderten sie sieben Trommeln zu Tage?diese enthielten aber kein Benzin. Stattdessen enthielt jede Trommel die nackte Leiche einer Frau, erwürgt und in Alkohol eingelegt. Die Schublade in Kiss´ Büro ging über vor lauter Karten und Briefe von Frauen, die auf Zeitungsanzeigen geantwortet hatten, die Kiss unter dem Namen Hoffmann geschaltet hatte und in denen er sich als ?einsamer Witwer, der weibliche Gesellschaft sucht?, beschrieb.
Der grauenhafte Inhalt der Metallfässer
Der Polizist von Czinkota erinnerte sich, dass des mehr Trommeln gegeben hatte ? und sehr viel mehr obendrein. Eine Durchsuchung der näheren Umgebung brachte weitere siebzehn zum Vorschein, jede mit einer eingelegten Leiche darin. Die Behörden von Budapest identifizierten die vermissten Witwen, und auch Marie Kiss befand sich in einer der Trommeln. Ihr Liebhaber, Paul Bikari, war der einzige Mann unter den vierundzwanzig aufgefundenen Opfern.
Die Polizei stellte die Theorie auf, dass Bela Kiss seine Frau und deren heimlichen Liebhaber in eifersüchtiger Rage ermordet hatte und in einer Weise über die Leichen verfügt hatte, die ? wie er dachte ? jede Möglichkeit einer späteren Entdeckung ausschalten würde. Das Verbrechen entfesselte anscheinend eine Art versteckten Wahnsinn, demzufolge Kiss die nächsten zwei Jahre damit verbrachte, mit Leidenschaft einsamen Frauen nachzustellen, etwas von ihrem Ersparten ergaunerte, ehe er sie strangulierte und in seinen Behelfsgruften verschloss. Es war ein grässlicher Fall, aber Kiss war gegangen, um einem höheren Gerichtshof gegenüber zu treten. Wer war er wirklich?
Im Frühjahr 1919 wurde Kiss auf der Margarethenbrücke in Budapest gesehen, in ?Herrn Hoffmanns? Vorkriegs-Revier. Die Polizei wies nach, dass Kiss seine Papiere mit einem Opfer des Schlachtfeldes vertauscht und die Identität des toten Mannes angenommen hatte, um seine Flucht zu bewerkstelligen. Dieses Wissen brachte die Ermittler allerdings nicht näher an ihren Mann, Kiss war wieder durchs Netz gegangen.
Die aussichtslose Suche ging weiter. Im Jahr 1924 erzählte ein Deserteur der französischen Fremdenlegion den Beamten der Sicherheitspolizei von einem Legionärskameraden, der die Truppe mit Geschichten über seine Fertigkeiten mit der Garotte unterhielt. Der Name des Soldaten war Hoffmann, und er passte zu Beschreibungen von Bela Kiss, aber die Spur war eine weitere Sackgasse. Zur selben Zeit wurde die ungarische Polizei nämlich darüber informiert, dass Legionär ?Hoffmann? ebenfall desertiert und spurlos verschwunden sei.
Französische Fremdenlegionäre 1924
1932 war der New Yorker Mordermittler Henry Oswald davon überzeugt, dass er Bela Kiss gesichtet hätte, als dieser von einer U-Bahnstation am Time Square heraufgekommen war. Oswald, der wegen seines unheimlichen Erinnerungsvermögens, was Gesichter betraf, von seinen Kollegen den Spitznamen ?Kamera-Auge? bekommen hatte, war unerschütterlich in seinem Glauben, dass Kiss ? der an die siebzig gewesen sein musste ? irgendwo in New York lebte. Unglücklicherweise hatte die Menschenmasse am Time Square Oswald davon abgehalten, Kiss zu verfolgen und er konnte bloß in hilfloser Wut mit ansehen, wie seine Zielperson verschwand. 1936 verbreitete sich das Gerücht, dass Kiss als Hausmeister in einem Wohnblock in New Yorks sechster Straße arbeitete. Wieder schaffte er es, der Polizei zu entkommen ? wenn er überhaupt jemals dort gewesen war ? und nun wurde die Spur kalt. Was auch immer letztendlich aus Bela Kiss wurde, bleibt ein Rätsel, und nun, nachdem mehr als sechs Jahrzehnte vergangen sind, kann an eine Lösung nicht einmal mehr gedacht werden. In Ungarn erinnert man sich an ihn als denjenigen, der davonkam.
Quellen
- Die große Enzyklopädie der Serienmörder (von V. F. Sammler /erg. Jaques Buval) 2.Auflage 2005 - S. 210 - ISBN 3-85365-189-5
Der Fall - Amy Archer-Gilligan
Amy Archer wurde 1873 in Neuengland geboren und heiratete im Alter von 20 Jahren James Archer mit dem sie 1898 ein Kind namens Mary hatte. 1901 eröffnete sie ohne jegliche Qualifikationen zu besitzen ein Pflegeheim für alte Menschen. Das sie dann 1907 schloss und wiederum ein Pflegeheim im nahe gelegenen Windsor eröffnete. Trotz ihrer mangelnden Erfahrung gab es dennoch keine beschwerden über Amy Archer. Bis 1910 gab es eigentlich keine Auffälligkeiten im ?Archer Heim für Alte und Gebrechliche?. Im selben Jahr starb allerdings ihr Mann, dessen Todesursache aber als natürlich galt und so kein großes Aufsehen darum gemacht wurde. Sie heiratete im Jahre 1913 dann zum 2ten Mal, diesmal Michael Gilligan, dieser starb aber bereits nach 12 Monaten Ehe, was doch etwas verdächtig wirkte. Dazu kam dass in den Jahren 1911 ? 1916 48 Todesfälle in dem nur mit 14 Betten ausgestatteten Heim zu verzeichnen waren. Auffällig war auch, dass Amy Archer nur Patienten aufnahm die im Voraus 1000$ für die lebenslange Pflege zahlen konnten. Auf Verdacht von Verwandten einer Verstorbenen hin, schmuggelten sich dann verdeckte Ermittler ins Heim ein und machten schauderhafte Entdeckungen. Um die Lebenszeit der Patienten zu verkürzen half ?Schwester? Amy mit Gift oder Polster nach. So konnte sich mit wenig Aufwand die 1000$ kassieren. Bei einer nachträglichen Obduktion stellte sich u. a. heraus dass sie Gilligan mit Gift ermordete und man konnte ihr immerhin 6 Morde nachweisen. 1917 wurde sie dann zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und 1923 schließlich in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen in der sie 1962 im Alter von 89 Jahren verstarb.
Quellen - www.angelfire.com/rl
Der Fall - Carl Panzram
Name: Carl Panzram geboren: 28. 6. 1891 in Warren / Minnesota gehenkt: 5. 9. 1930 in Leavenworth / Kansas
Carl Panzram war einer der schlimmsten soziopathischen Schwerverbrecher aller Zeiten: ein Dieb, Einbrecher und Räuber, Brandstifter und brutaler homosexueller Vergewaltiger und ein eiskalter 21-facher Mörder. Er wird oft als der erste amerikanische Serienmörder bezeichnet. Erst durch seine Tagebücher und seine schonungslosen Memoiren, die er in der Isolationszelle schrieb, wurde das gesamte Ausmaß seiner Greueltaten bekannt.
Carl Panzrams Motto lautete:
"Beraubt sie alle, vergewaltigt sie alle und tötet sie alle!"
Weitere Zitate von Carl Panzram:
"In meinem Leben habe ich 21 Menschen umgebracht, ich habe Tausende von Einbrüchen, Raubüberfällen und Diebstählen verübt und zudem beging ich Vergewaltigungen an über 1000 Jungen und Männern. All das tut mir kein bisschen leid. Ich habe kein Gewissen, also kümmert es mich nicht. Ich glaube weder an die Menschen, an Gott oder den Teufel. Ich hasse die ganze verdammte Menschheit inklusive mich selbst."
"Ich war so voller Hass, dass es in mir keinen Platz gab für Gefühle wie Liebe, Mitleid, Güte, Ehre oder Anstand."
"Natürlich, ich liebe Jesus jetzt sehr ? Ja, ich liebe ihn so verdammt sehr, dass ich ihn am liebsten noch einmal kreuzigen würde."
"Ich wünschte die gesamte Menschheit hätte einen Hals und ich hätte meine Hände darum."
"Mir tut nur leid, dass ich nicht tot geboren oder dass ich überhaupt geboren wurde."
Carl Panzram wurde als Sohn preußischer Einwanderer im ländlichen Minnesota geboren. Die Eltern besaßen eine kleine Farm, die kaum das Nötigste zum Leben abwarf, deshalb wurden auch die Kinder schon früh für die harte Feldarbeit eingespannt. Der Vater trank und verließ die Familie eines Tages als Carl ca. 7 Jahre alt war. Seine Mutter versuchte die Farm zu retten, indem sie noch mehr schuftete und dies auch von den Kindern verlangte. Carl Panzram war ein schwieriges Kind, er log und stahl und wurde dafür von seinen Brüdern regelmäßig verdroschen. Mit 8 Jahren betrank er sich und legte Brände, dies führte dazu, dass er unweigerlich in einem christlichen Erziehungsheim ("reform school) landete. Hier herrschten strenge Regeln, die Aufsicht der Jungen führten Häftlinge. Kleinste Vergehen wurden mit zum Teil brutalen Strafaktionen geahndet, die Carl Panzram später als regelrechte Folterungen beschrieb. Auch sexueller Missbrauch der jugendlichen Zöglinge war an der Tagesordnung. In sämtlichen Jugendheimen, Besserungsanstalten und Gefängnissen, in denen er einsaß, traf er immer auf die gleichen brutalen, sadistischen Autoritätspersonen (kirchliche Heimleiter, Geistliche, Lehrer, Gefängnisleitung und -personal). Er stahl und raubte weiterhin und legte Brände, sobald die Gelegenheit günstig war. Dafür hatte er sich eine Methode ausgedacht, wobei das Feuer erst begann, nachdem er den Ort längst verlassen hatte.
In Panzram wuchs der Hass auf die Gesellschaft, auf die gesamte Menschheit inklusive sich selbst. In seinen Träumen zog er, endlich in Freiheit, durch die Lande, als Dieb, Einbrecher und Räuber, Feuer legend und mordend, sich gnadenlos an jedem für all das rächend, was ihm je angetan wurde. Später spielte er mit der Idee, Züge entgleisen zu lassen und entwickelte sogar einen "Masterplan", wie er einen Krieg zwischen Amerika und England anzetteln wollte.
Mit 13 Jahren flüchtete er aus einer Besserungsanstalt und begann seine Racheträume in die Tat umzusetzen, seine Spezialität waren Räubereien und insbesondere Einbrüche mit anschließenden Brandstiftungen, die bald zu seinem Markenzeichen wurden.
Er schloss sich einer Gruppe Hobos (Eisenbahn-Trampern) an und reiste quer durch die USA. Bei seiner ersten und einzigen sexuelle Begegnung mit einer Frau holte er sich eine Geschlechtskrankheit. Dies veranlasste ihn, seinen Geschlechtstrieb fortan nur noch auf Jungen und Männer zu konzentrieren. Nachdem er von Hobos betrunken gemacht und brutal vergewaltigt worden war, machte er auch das Saufen und Vergewaltigen zu seiner Passion.
Carl Panzram mit ca. 25 Jahren
Mit 16 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Dort benahm er sich jedoch dermaßen undiszipliniert und legte sich mit seinen Vorgesetzten an, dass ihm dies 37 Monate im Militärgefängnis und eine unehrenhafte Entlassung einbrachte.
Panzram landete immer wieder im Gefängnis. Von seinen 39 Lebensjahren befand er sich kaum mehr als 12 Jahre auf freiem Fuß. Da er in immer mehr Bundesstaaten gesucht wurde, legte er sich wechselnde Aliasnamen zu und trieb sein Unwesen nicht nur in den USA. Er heuerte auf Frachtschiffen an, kam so nach Europa und bis nach Westafrika. Er soll in nahezu 30 Länder gewesen sein. Bemerkenswert dabei ist, dass er auf seinen Reisen bzw. auf seiner Flucht gerne Museen besuchte, so soll er u.a. den Prado in Madrid besichtigt haben.
Panzram alias Jeff Davis, alias Jefferson Rhoades
Seine Vergewaltigungen und Morde beging er an Jungen und Männern, egal welcher Hautfarbe. Er stahl in Virginia eine Yacht, überführte sie nach New York und heuerte dort nach und nach zehn Matrosen an, die er an Bord zuerst betrunken machte und ausraubte, dann vergewaltigte und anschließend erschoss und ins Meer warf. In Angola (Afrika) heuerte er für die Krokodiljagd acht Eingeborene an. Als sie auf dem Kanu mit dem Rücken zu ihm gewandt vor ihm saßen, knallte er sie nacheinander ab, missbrauchte einige von ihnen und warf sie den Krokodilen zum Fraß vor. Er behauptete später, dass ein paar der Männer noch am Leben waren, als er sie über Bord warf.
Später lauerte er einem etwa 12-jährigen afrikanischen Jungen auf, vergewaltigte ihn in einer Kiesgrube und brachte ihn anschließend um.
In Salem (Massachusetts) lockte er einen 12-jährigen Jungen auf ein abgelegenes Grundstück, vergewaltigte ihn nach seinen eigenen Angaben sechsmal, stopfte ihm Papiertücher in den Rachen und erschlug ihn mit einem Stein. Als er 1928 in Kansas wegen Einbrüchen und schweren Raubes verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, drohte er damit, dass er jeden, der ihm zu nahe käme, umbringen würde. Er beließ es nicht bei der Drohung, sondern erschlug in der Gefängniswäscherei einen sadistischen Wärter, der sich besonders darauf spezialisiert hatte, ihn zu quälen, mit einer Eisenstange.
Daraufhin wurde er zum ersten Mal wegen Mordes angeklagt und erhielt die Todesstrafe, die in Kansas extra seinetwegen wieder eingeführt wurde. In der Todeszelle sitzend traf er auf einen Wärter (Henry Lesser), der ihm Schreibzeug in die Zelle schmuggelte, woraufhin er begann, seine Killer-Memoiren zu schreiben. Henry Lesser war beeindruckt von der zynischen Offenheit dieses misshandelten Sträflings. Er war wahrscheinlich der einzige Mensch, der ihn je wohlwollend behandelte. Auf jeden Fall hat Panzram, der Gefängnispersonal besonders hasste und sich mit jedem Wärter anlegte, ihn nie angegriffen, obwohl er dazu des Öfteren Gelegenheit gehabt hätte. Mittlerweile litt Panzram an Depressionen, hatte Tobsuchtsanfälle und versuchte sich mit einer Rasierklinge umzubringen, was jedoch misslang.
Eine Menschenrechtsorganisation versuchte ihn vor dem Galgen zu retten und beantragte, die Todesstrafe in eine lebenslängliche Haftstrafe umzuwandeln. Als Panzram davon erfuhr, geriet er völlig aus dem Häuschen und bestand bei dem damaligen US-Präsidenten Herbert Hoover in einem zynisch-sarkastischen Brief vehement auf Vollstreckung seiner Todesstrafe.
Am 5. September 1930 wurde endlich seinem Wunsch entsprochen. Weil es ihm nicht schnell genug ging, waren seine letzten Worte an den Henker: "Hurry it up, you bastard I could hang a dozen men while you're fooling around."
"Beeil dich, du Bastard! Während du herumtrödelst, könnte ich ein Dutzend Männer hängen!"
Quellen
- Executed ? 100 Jahre Hinrichtungen in den USA (von Michael Kahr) Ausgabe 2002 - S.132 - ISBN 3-935678-03-7 und Sammlermaterial
Der Fall - Nathan Leopold jr. und Richard Loeb
Nathan Leopold jr. (19. November 1904 - 29. August 1971) und Richard Loeb (11. Juni 1905 - 28. Januar 1936), besser bekannt als Leopold und Loeb, waren zwei wohlhabende Studenten an der University of Chicago, die 1924 den 14-jährigen Bobby Franks ermordeten und dafür zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Ihre Tat war deshalb bemerkenswert, weil sie hauptsächlich durch den Ehrgeiz der Studenten motiviert war, das perfekte Verbrechen zu begehen. Auch spielte das Verbrechen eine Rolle in der amerikanischen Diskussion um die Todesstrafe.
Leopold, zur Tatzeit 19 Jahre alt, und der 18-jährige Loeb planten eine Entführung mit anschließendem Mord. Sie hielten sich für Übermenschen im Sinne Nietzsches und fürchteten daher nicht, gefasst zu werden. Die beiden Freunde waren außergewöhnlich intelligent: Leopold hatte im Alter von 19 Jahren bereits das College abgeschlossen und studierte Jura an der Universität
Chicago. Er sprach fünf Sprachen und war ein Experte auf dem Gebiet der Ornithologie. Loeb war der jüngste Absolvent in der Geschichte der University of Michigan. Beide lebten in Kenwood, einer wohlhabenden Gegend im Süden Chicagos.
Am 21. Mai 1924 lockten Leopold und Loeb Bobby Franks, einen entfernten Verwandten und Nachbarn Loebs, in einen gemieteten Wagen. Dort schlug ihn Loeb zunächst mit einem Meißel nieder, anschließend erstickten sie ihn gemeinsam. Nachdem Leopold und Loeb die Leiche in einem Graben unter Eisenbahnschienen außerhalb Chicagos versteckt hatten ? das Gesicht mit Säure verätzt, um eine Identifizierung zu erschweren, erhielt die Familie des Opfers eine Lösegeldforderung in Höhe von 10.000 Dollar. So wollten sie eine Entführung vortäuschen.
Bevor jedoch die Familie das Lösegeld aufgetrieben hatte, fanden Eisenbahnarbeiter die Leiche. Den Ermittlern war sofort klar, dass es sich um keine gewöhnliche Entführung handeln könne - ein Entführer hätte keinen Grund gehabt, Bobby Franks zu töten.
Eine Brille, die neben der Leiche gefunden wurde, führte schließlich auf die Spur von Nathan Leopold. Die Lösegeldforderung war auf einer Schreibmaschine getippt worden, die dieser zusammen mit einigen Studienkollegen genutzt hatte. Während des Verhörs fielen die Alibis der Täter in sich zusammen. Beide gestanden das Verbrechen, bezichtigten jedoch den jeweils anderen der
eigentlichen Tötung Bobby Franks.
Monatelang hatten sie die Tat geplant und Möglichkeiten erdacht, an das Lösegeld zu kommen, ohne erwischt zu werden. Dabei waren sie immer davon ausgegangen, dass die Leiche erst lange nach der Geldübergabe entdeckt werden würde. Das Geld war allerdings nicht ihr Hauptmotiv; ihre Familien versorgten sie zu Genüge. Vielmehr gaben beide zu, den mit der Tat einhergehenden Nervenkitzel gesucht zu haben. Selbst im Gefängnis versuchten sie, diesen Nervenkitzel aufrecht zu erhalten, indem sie immer wieder Zeitungsreporter mit sämtlichen blutrünstigen Details ihres Verbrechens versorgten.
Die Beerdigung Bobby Franks
Die Öffentlichkeit war schockiert. In der jüdischen Gemeinde hatte sich niemand vorstellen können, dass so glänzende Beispiele für Erfolg ein derartiges Verbrechen begehen könnten. Sowohl die Familie Leopolds als auch die Familie Loebs war relativ wohlhabend, und nahezu jeder junge Student der University of Chicago hatte damals eine gesicherte Zukunft vor sich. Es gab also absolut keinen Grund, zum Verbrecher zu werden. Antisemitische Politiker wie Gene Scott versuchten, das Verbrechen für ihre Propaganda zu nutzen, obwohl keiner der Angeklagten praktizierender Jude war. Loebs Mutter war sogar Katholikin, und Leopold hatte oft vor und während des Prozesses seinen Atheismus betont. Meyer Levin merkte an, dass es "eine Erleichterung sei, dass auch das Opfer jüdischen Glaubens war" und traf damit die Meinung vieler jüdischer Gemeindemitglieder.
Leopold und Loeb auf dem Weg zum Gerichtssaal
Das Gerichtsverfahren wurde zum Medienspektakel; man sprach öffentlich vom "Jahrhundertverbrechen". Die Familie Loebs engagierte den 67-jährigen Rechtsanwalt Clarence Darrow als Verteidiger, einen erbitterten Gegner der Todesstrafe. Man erwartete, dass er auf Freispruch wegen Unzurechnungsfähigkeit plädieren würde; Darrow jedoch überraschte die Öffentlichkeit damit, dass er beide Angeklagte sich schuldig bekennen ließ. Dadurch vermied er ein Urteil durch Geschworene, das wegen der aufgeheizten öffentlichen Meinung sicherlich auf Tod durch den Strang gelautet hätte. Stattdessen konnte er nun vor einem einzelnen Richter argumentieren und für das Leben seiner beiden Mandanten plädieren.
Darrow hielt eine zwölfstündige Rede, die mit Recht als die beste seiner Karriere gilt. Möglicherweise hatte Darrow den Fall gerade übernommen, um eine solche Rede halten zu können, denn so konnte er seine starken Argumente gegen die Todesstrafe durch die Zeitungsmeldungen in aller Welt einer breiten Öffentlichkeit mitteilen. Und wenn er zeigen könnte, dass selbst solch grausame
Mörder nicht hingerichtet werden müssten, so würden vielleicht auch andere Todesurteile schwerer durchzusetzen sein.
Entscheidend war vor allem Darrows Argument, dass die beiden Angeklagten noch minderjährig waren. Der Richter sah daraufhin mit Blick auf die weltweite Entwicklung des Strafrechtes von der Todesstrafe ab. Der Fall Loeb/Leopold wird daher oft im Zusammenhang mit der Diskussion um die Bestrafung Minderjähriger in den USA genannt. Auch damals war in der Öffentlichkeit die Todesstrafe gefordert worden, ungeachtet des Alters der Angeklagten.
Darrow war schließlich erfolgreich: Der Richter verurteilte Leopold und Loeb zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe für den Mord und zu weiteren 99 Jahren Gefängnis für die Entführung.
Im Gefängnis nutzten die beiden ihre Bildung für einen guten Zweck, indem sie anderen Häftlingen Unterricht gaben. Im Januar 1936 jedoch wurde Loeb, im Alter von 32 Jahren, von seinem Zellengenossen James Day mit einem Rasiermesser attackiert und erlag seinen Verletzungen. Day konnte später glaubhaft machen, dass Loeb versucht hatte, ihn sexuell zu belästigen, und er in Notwehr gehandelt habe.
1958, nach 33 Jahren Gefängnis, wurde Leopold auf Bewährung entlassen. Er zog nach Puerto Rico, um der Aufmerksamkeit durch die Presse zu entgehen, und heiratete eine verwitwete Floristin. 1971 starb er mit 66Jahren an einem Herzinfarkt.
Quellen - wapedia
Der Fall - Wilhelm Hoffmann
Beim Begriff ?Ziege? mag der heutige Münsteraner an den Ziegenkäse aus dem Feinkostladen denken. Oder an seinen weichen Paschmina-Schal vom Bauchhaar der tibetischen Bergziege.
Vor einigen Jahrzehnten jedoch war die Ziege noch ein wichtiges Nutztier. Wer sich keine Kühe leisten konnte, hielt sich Ziegen und der mitgliederstarke Ziegenzuchtverein war im Leben der Stadt eine ernstzunehmende Größe.
Daher fand der münstersche Ziegenprozess rege Beachtung. In einer Novembernacht 1920 stöhnte und kreischte es laut aus der Wermelingstraße 42 durch das friedlich schlafende Kreuzviertel. Ein hinzueilender Streifenpolizist bemerkte mehrere Männer in der Wohnung eines Wilhelm Hoffmann und forderte erstmal Verstärkung an.
Energisch schellten die Beamten und trafen auf fünf Männer, die sich einig waren, nur rein zufällig hier zu sein. Im Bett lag Frau Hoffmann und gähnte demonstrativ. Die Männer waren kräftige ?Arbeiter mit der Faust?, vom Maurer bis zum Dachdecker. Gekreisch? Davon hat keiner etwas gehört.
Den Beamten wurde es zu bunt und sie durchsuchten die Wohnung. Dabei fand sich in einem Bett ein Korb mit einigen Teilen einer Ziege: Die körperwarmen inneren Organe, der Kopf und die Beine. Auch zwei soeben geschlachtete Kaninchen lagen dabei. Auf die Frage nach dem Verbleib des Ziegenfleischs kam das große Schweigen. Dann bemerkte das routinierte Polizeiauge die seltsam gewölbte Bettdecke der Ehefrau. Diese wurde plötzlich ganz wach. Wütig protestierte sie gegen das Anheben der Decke als Anschlag auf ihre Sittlichkeit. Der Anblick und Geruch darunter strapazierte die Grenzen der ästhetischen Belastbarkeit: Neben der schwitzenden Frau lag die frisch abgezogene Ziege.
Daraufhin wurden drei der fünf Männer zur Befragung auf die Polizeiwache gebracht. Die kargen Zellen im öffentlich-rechtlichen Gewahrsam erhöhten die Aussagebereitschaft enorm, und die drei brachten nur noch schwache Ausflüchte. Der Beamte spannte einen Bogen in die amtliche mechanische Schreibmaschine und brauchte nur noch mitzutippen.
Es war simpel: Einer hatte bei Bauarbeiten in der Maximilianstraße einen schlecht gesicherten Stall mit Kleintieren bemerkt, die ihm schmackhafte Aussichten boten. Und schön war die Umschreibung des Diebstahls: Gerade eben um Mitternacht hätten sie, na ja, einen Sack mit den Tieren darin gefunden.
Erst Anfang März 1921 war der Prozess beim Landgericht Münster. Die Richter hatten schon einen langen Gerichtstag hinter sich. Kurz vor Mitternacht stand noch der ?Ziegenprozess? auf dem Programmpunkt, aber gleich zu Beginn widerriefen die Angeklagten ihre Geständnisse bei der Polizei. Daher mussten die Beamten als Zeugen die ?Folklore? an der Wermelingstraße noch einmal erzählen. Verzichtet wurde auf das Verhör der Ehefrau.
Hoffmann bekam auch wegen Rückfalls ein Jahr Gefängnis, seine Kumpane jeweils sieben Monate Gartenstraße. Anstatt in tiefe Besinnung über ihre Tat zu verfallen, wurden die Verurteilten rabiat. Wutschnaubend beschimpften sie das Gericht und tobten durch den Saal. Kurz vor Dienstschluss bekamen die Sicherheitsbeamten noch alle Hände voll zu tun.
Mit massivem Einsatz gelang es ihnen, die Randalierer zu bändigen. Schließlich verfrachteten sie zwei von ihnen in die Zellen beim Gerichtssaal, während der ?Hauptheld? Hoffmann, der sich ?wie ein Wilder benahm?, zur ?Ruhe gebracht? werden konnte und durchs nächtliche Münster zur Gartenstraße transportiert wurde.
Quellen
- Münster: Die großen Kriminalfälle (von Christian Steinhagen) Ausgabe 2008 - S.68 - ISBN 978-3-402-12753-7
Der Fall - August R.
Der seltsame Tod des Bauern
Der Staatsanwalt und die ermittelnden Beamten der Landeskriminalpolizei Magdeburg sind sich an jenem 5. September 1928 einig: So etwas wie in der Kiefernschonung bei Vehlen (Kreis Jerichow II/Genthin) haben sie noch nicht gesehen. Ein 75-jähriger ist tot. Und die Umstände, unter denen er starb, sind mehr als mysteriös.
Der kleine Peter ist ein richtiger Stromer. Wenn das Wetter schön ist, wie an diesem Spätsommertag des Jahres 1928, lässt er Schule Schule sein. Dann räubert er lieber durch den Wald und die angrenzende Heide.
Auch diesmal hat der Elfjährige für sich ?schulfrei? entschieden. ?Mutter wird sich freuen, wenn ich zum Abendessen ein paar Pilze mitbringe?, denkt Peter und beruhigt damit sein schlechtes Gewissen, als er auf dem kleinen Pfad, den nur die Einheimischen kennen, durch die Anpflanzung streift.
Doch aus dem Pilze suchen wird nichts. Stattdessen macht er einen grausigen Fund. Aus einem Sandloch ragen zwei Stiefel hervor. Obwohl sich ihm vor Schreck die Haare sträuben, gehr er noch einige Schritte näher und erkennt zwischen der Erde einen Körper, der bis zur Hälfte zugeschüttet ist. Es ist 11 Uhr.
Peter läuft nach Vehlen und erzählt dort seiner Mutter atemlos von dem Gesehenen. Die Frau alarmiert den Landjäger. Der Dorfpolizist beauftragt ein paar Gemeindearbeiter, die Fundstelle abzusperren, dann greift er zum Hörer.
Kurz nach 13 Uhr klingelt im Dienstzimmer der Landeskriminalstelle Magdeburg das Telefon. Der Landjäger erstattet dem diensthabenden Beamten Bericht. ?In einer Schonung bei Vehlen wurde vor zwei Stunden die Leiche des Landwirts August R. gefunden. Sie liegt einhalb bis dreiviertel Meter tief verscharrt auf dem Bauch. Der Oberkörper ist mir Erde bedeckt. Ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt, konnte nicht festgestellt werden.?
Minuten später erhält derselbe Bereitschafts-Kriminalist eine fast gleichlautende Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig wird darin angewiesen, dass eine Kommission der Landeskriminalpolizei zum 75 Kilometer entfernten Tatort aufbrechen soll. Und auch der zuständige Richter aus Genthin ist inzwischen auf dem Weg in die Schonung.
Zuerst tragen die Ermittler alle Fakten über das Opfer zusammen. Altbauer R. gilt im 288-Seelen-Dorf als verschlossen und menschenscheu. Seine Familie hatte sich mit den ?Marotten? des 72-jährigen abgefunden, der manche Tage bis spät am Abend auf einem Stück Heideland verbrachte, das ihm gehörte.
Deshalb wunderte es auch Sohn und Schwiegertochter nicht, dass der Landwirt am 3. September nicht nach Hause kam. Am Vormittag, so Zeugen, hatte der alte Mann sein ?Grundstück auf der Rückseite verlassen?. Er habe eine Spaten sowie seinen Stock bei sich gehabt.
Erst am nächsten Tag, als August R. immer noch nicht zurück ist, erstattet die Familie beim Landjäger Vermisstenanzeige. Der lässt die Gegend absuche. Doch Schulschwänzer Peter findet den Bauern, bevor der Suchtrupp Erfolg hat.
Die Untersuchung des Tatorts ergibt folgendes Bild: Innerhalb einer kleinen Fläche. Die von Kiefern umringt ist, befindet sich ein ein Meter langes, einen halben Meter breites und etwa 50 Zentimeter tiefes Loch. An den Seiten ist Sand aufgeschichtet. Auf der rechten Sandböschung steckt der Knüppel, der von R. als Krückstock benutzt wurde.
Der Tote liegt auf der linken Seite, die Beine wie beim Laufen gekrümmt. Über Oberkörper und Kopf befindet sich Waldboden, der mit Wurzeln durchsetzt isst. Von der Leiche so gut wie verdeckt, liegt der Spaten, von dem nur der Griff zu sehen ist.
Die Magdeburger Kriminalisten fotografieren Fundort und Umgebung. Dann beginnen sie vorsichtig damit, den Körper freizulegen. Dabei stellen sie fest, dass der Leichnam in einer ein Meter langen, gangartigen Höhlung liegt. Sand rieselt nach, als die Ermittler vorsichtig weiterarbeiten. Die ?Leichen-Sache R.? wird immer mysteriöser.
Der hinzugezogene Gerichtsmediziner notiert: ?Nase der Leiche völlig platt gedrückt. Augen geschlossen. Reichlich Sand im Mund, Ohren und Nase. Keine Anzeichen äußerer Gewalt. Keine Kampfspuren. Für Erstickungstod charakteristische blaurote Verfärbung von Brust und Gesicht.?
Mord, Selbstmord oder Unfall? Diese Frage muss beantwortet werden.
Gegen eine gewaltsame Tötung spricht vieles. In seinem ersten Bericht schreibt der Staatsanwalt: ?Es fehlt in der Umgebung an Zeichen eines Kampfes, einer blutigen Verletzung und des Transports eines so schwierig zu handhabenden Gegenstandes, wie ihn eine Leiche darstellt. Es sind nirgends Schleifspuren oder abgebrochenen Kiefernäste zu finden.?
Außer dem Fehlen aller äußeren Zeichen für Mord sprechen weitere Fakten gegen diese Hypothese. Hätte ein Täter sein Opfer wirklich verschwinden lassen wollen, hätte er es völlig eingegraben. Wäre der Mörder gestört worden, hätte er später sein Werk vollenden können. Genügend Zeit dafür hätte er gehabt.
Zudem liegt der Körper in einer eindeutig von vorn gegrabenen Höhlung. Wer eine Leiche verscharren will, gräbt ein Loch von oben, legt den Leichnam hinein und schüttet zu. Einen Toten von vorn in eine Aussparung unterm Waldboden zu drücken, scheint den Kriminalisten für sinnlos und zudem für kaum machbar. Außerdem hätte der Körper dann zusammengekrümmt liegen müssen. Er war jedoch ausgestreckt.
Und noch etwas spricht gegen die Mord-Theorie. Sicherlich hätte der Täter nicht den Stock seines Opfers sichtbar wie ein Zeichen auf das halbfertige ?Grab? gesteckt.
Niemand im Dorf macht Andeutungen, dass jemand Interesse am Tod des Alten gehabt hat. Ein Erbfolge- oder Erbstreit scheidet aus.
Also ? folgern die Kriminalisten ? kommt nur einer in Frage, der das Loch gegraben hat: Altbauer R. selbst. Das bestätigt auch ein Experte. Er rekonstruiert: ?R. hat zunächst ein Loch gegraben und dann dessen vorderen Teil ausgehöhlt. Dann kroch der alte Mann in die Höhlung und grub nach vorn weiter. Er war etwa ein Meter unter dem Waldboden, als die instabile, sandige ´Decke` über ihm einbrach. R. erstickte.?
Ein Unglücksfall scheidet für die Ermittler aus. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum sich August R. in das Loch zwängte. Die in die Untersuchung eingebrachte These, möglicherweise habe der 72-jährige nach einem vergrabenen Schatz gesucht oder wollte selbst etwas vergraben, ist nicht haltbar.
Die Frage nach dem Motiv des Mannes lässt sich anhand der Aussage seiner Familie und der objektiven Tatortspuren nur erahnen. So hatte R. bereits öfter gesagt, dass er sich das Leben nehmen will. Als bekannt wurde, dass der Landwirt verschwunden ist, waren sich Dorfbewohner und Gemeindevorstand einig, ?den findet so leicht keiner, der hat sich verkrochen?.
R. hatte Jahre zuvor, als er noch als Elbschiffer arbeitete, einen schweren Unfall gehabt. Die Kopfverletzung war der Grund für seine ?Wunderlichkeit?, die im Alter immer mehr hervortrat.
Der Magdeburger Kriminaldirektor Kuntze schreibt am 27. November 1928 in einem Bericht über den eigenartigen Tod des Bauern R.: ?So merkwürdig es erscheint, man muss zu dem Schluss kommen, dass hier ein in Ausführung vielleicht einzigartig dastehender Fall von Selbstmord vorliegt. Wenn man überhaupt in diesem Fall über `Unglücksfall` diskutieren will, kommt man wohl der Wahrheit am nächsten, wenn man von einem `gewollten Unglückfall` spricht.?
August R. war lebensüberdrüssig, geistig nicht ganz normal. Er wollte sich selbst begraben, wurde aber daran gehindert, weil die Sandgrube über ihm zusammenstürzte.
Quellen
- Der Ripper von Magdeburg - Spektakuläre Kriminalfälle (von Bernd Kaufholz) 1. Auflage 2001 - S.30 - ISBN 3-89812-115-1
Der Fall - Heinrich Riegerbauer
Im Laufe des Jahres 1928 erlegten Wilderer im stiftischen Revier im Triebental etwa 15 bis 20 Stück Hoch-, Reh- und Gamswild. Am Fleisch selbst dürften die Wilddiebe nicht allzu interessiert gewesen sein, denn sie ließen das Wildbrett liegen, Verwendung fanden nur Haupt und Decke.
Die Gendarmen des Postens St. Johann a. Tauern, die für das Triebental zuständig waren, gingen vermehrt auf Streife, um nach den Wilderern Ausschau zu halten. Auch am 14. November des Jahres waren zwei Uniformierte in den Wäldern unterwegs. Der Postenkommandant, Revierinspektor Heinrich Riegerbauer, und sein Kollege, der Gendarm Anton Moser, befanden sich gerade auf Patrouille im Rayon 4.
Es war gegen 15 Uhr, ein eisig kalter Tag, und es begann schon leicht zu dämmern. Ihr Weg führte sie über Hohentauern bis nach Trieben. Am nächsten Tag sollten die beiden Männer Erhebungen im Triebental anstellen. Ihr Auftrag lautete, nach unbekannten Tabakdieben und Wilderern zu suchen. Aufihrem Rundgang trafen sie auf einen Förster, der gerade Holzvermessungen vornahm. Er berichtete aufgeregt von einigen Wilderern, die im hinteren Triebental ihr Unwesen trieben. Jagdpächter des Triebentals zur damaligen Zeit war Erbprinz Karl Egon von Fürstenberg. Die beiden Männer brachen sofort ihre Patrouille ab und suchten den Jagdleiter des Fürstenberg´schen Reviers, Johann Riemelmoser, auf. Die Gendarmen und der Jagdleiter kamen überein, die Almhütten und Heustadel der Gegend nach den Wilderern abzusuchen. Schließlich brauchten auch Wilddiebe ein Nachtquartier, und die Chance , sie im Schlaf zu überraschen, war relativ groß. So zog eine Gruppe von sieben Männern los, um den Verbrechern den Garaus zu machen. Revierinspektor Riegerbauer, Jagdleiter Johann Riemelmoser, sein Neffe Josef Riemelmoser, die Jäger Johann Knefz, Franz Rieger, Schaumberger und der Gendarm Anton Moser machten sich gegen 22 Uhr auf den Weg. Wenn auch nicht ängstlich, so doch mit angespannten Nerven und sehr vorsichtig pirschten sich die Männer im Schutze der Dunkelheit an die ersten Hütten, die sie nach etwa einer halben Stunde erreicht hatten, heran. Sie untersuchten die Häuser, aber ohne Ergebnis. Um ca. 23 Uhr kamen die Jäger und Gendarmen an einen Heustadel bei der Griesmaierhube. Riegerbauer und Moser betraten den Stadel durch eine Nebentür. Mit ihren Lampen leuchteten sie den Raum aus. Im Schein des Lichtes erkannten sie zwei Männer, die vermeintlichen Wilderer.
Der Revierinspektor sprang zum Stadeltor, stieß es auf, um die draußen wartenden Jäger einzulassen. Er leuchtete die Wilderer an und rief: ?Hände hoch! Ergebt Euch, Ihr Halunken!? Plötzlich, ein Schuss. Riegerbauer wurde in den Kopf getroffen, fiel gegen das Stadeltor und dann zu Boden. Gleich darauf, noch ehe die Jäger reagieren konnten, ein zweiter Schuss, der den Gendarmen Moser am rechten Oberschenkel verletzte. Durch das Mündungsfeuer konnte Moser erkennen, woher geschossen wurde. Er riss sein Gewehr hoch und gab dreizehn Schüsse auf die Wilderer ab. Auch die Jäger, die sich endlich aus ihrer Erstarrung lösten, feuerten auf die Wilderer. Ein lauter Schrei aus Richtung der Wilddiebe veranlasste die Jäger dazu, eine kurze Feuerpause einzugehen. Moser forderte sie nochmals auf, aus dem Dunkel nach vorne zu kommen und sich zu ergeben. Keine Reaktion.
Es wurde weiter geschossen, und wieder schrie einer der Wilderer getroffen auf. Die Beamten stellten das Feuer ein, aber die Wilderer wollten immer noch nicht aufgeben. Die Uniformierten näherten sich den Wilderern mit gefälltem Bajonett und erklärten sie für verhaftet. Die beiden Wildschützen wurden aus ihrem dunklen Versteck geholt, in Ketten gelegt und durchsucht. Sie benutzten Munition mit kreuzweise angefeilter Geschoßspitze. Die Wirkung solcher Kugeln war besonders schlimm, da sie beim Aufprall auf das Wild komplett auseinander gingen und für eine riesige Wunde sorgten. Das hatte den ?Vorteil?, dass die Tiere sofort zur Strecke gebracht wurden. In den Rucksäcken der beiden Wildschützen fand man je eine Gamsdecke und eine Krucke. Anton Mosers Wunde wurde beim nächsten Bauern versorgt.
In der Zwischenzeit ? es war mittlerweile vier Uhr morgens ? kamen ein Rettungsauto aus Rottenmann und drei Mann vom Posten Trieben zu Hilfe. Einer der Wilderer, Franz Huber aus Pruggern, erlitt zwei Oberschenkeldurchschüsse am reichten Bein. Er starb auf dem Transport nach Leoben. Revierinspektor Heinrich Riegerbauer war auf Grund des Kopfschusses auf der Stelle tot.
Wie sich beim nachfolgenden Prozess herausstellte, soll Huber die Schüsse auf die Gendarmen abgegeben haben. Der zweite Wilderer aus Ramsau, ein 25-jähriger Bursche aus gut situiertem Haus, war unverletzt geblieben. Er wurde zu 4 Monaten schwerem Kerker verurteilt. Die Leiche von Revierinspektor Riegerbauer wurde in seinem Heimatort St. Johann bei Herberstein in der Oststeirmark überführt und auch dort beigesetzt. Bei der Errichtung einer Gedenkstätte im November 1929, an der Stelle, an der Riegerbauer sein Leben lassen musste, waren auch seine Lebensgefährtin, Adele Landl, und sein 3-jähriger Sohn Kurt anwesend. Heute noch erinnert das Denkmal an das mutige Vorgehen des 40-jährigen Revierinspektors gegen die beiden Wilderer vom Triebental.
Auch die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg war von großer Not geprägt. Es war nicht die Lust am Verbotenen, sondern schlichtweg der Hunger, der die Menschen dazu trieb, etwas Illegales zu tun.
Quellen
- Die Wilderer (von Andreas und Regina Zeppelzauer) Ausgabe 2004 Graz - S.87 - ISBN 3-85365-206-9
Der Fall - Franz Meilinger
Es war 1935, genau am 15. Januar des Jahres. Ein kalter Wintertag, trotzdem, oder gerade deswegen war der Wilderer im Wald bei Göriach unterwegs. Dabei wurde er von Oberjäger Franz Meilinger auf frischer Tat ertappt. Doch so rasch wollte der Wilddieb nich aufgeben. Ein harter Kampf entbrannte zwischen den beiden Männern, ein Kampf auf Leben und Tod. Der gestellte Wilderer feuerte auf den Jäger und traf diesen, wobei er aber nur die Jacke Meilingers durchlöcherte. Dieser schoss in Gegenwehr zurück und traf seinen Widersachen tödlich.
Die Leiche des Wilderers wurde in der örtlichen Gemeindestube obduziert. Beigesetzt wurde der Wilderer in Mariapfarr. Der Oberjäger Franz Meilinger kam gut davon. Er wurde in Erfüllung seiner Pflicht vom Gericht freigesprochen.
Quellen
- Die Wilderer (von Andreas und Regina Zeppelzauer) Ausgabe 2004 Graz - S.89 - ISBN 3-85365-206-9
Der Fall - Roy Gardner
Roy Gardner (* 5. Januar 1884 in Trenton, Missouri; ? 10. Januar 1940) war ein US-amerikanischer Eisenbahn- und Juwelenräuber und Ausbruchskünstler.
Im Verlauf seiner kriminellen Karriere erbeutete Gardner Devisen und Wertpapieren im Wert von über 1 Million Dollar. Seine
delinquenten Husarenstreiche brachten ihm verschiedene Spitznamen wie "The Smiling Bandit", "The Mail Train Bandit" oder "King of the Escape Artists", sowie eine auf seinen Kopf ausgesetzte Belohnung in Höhe von mehr als 5000 $ ein.
Gardners Findigkeit und vollendete Meisterschaft als Ausbrecher aus Gefangenentransporten und Strafvollzuganstalten ist als ein
Stück moderner Folklore in die amerikanische Geschichte eingegangen. Die Bezeichnung seiner Virtuosität als Ausbrecher mit
dem Wort escapology, einem Attribut das im englischen Sprachraum vor allem auf Entfesselungskünstler wie Harry Houdini angewandt wird, nur selten hingegen auf Gefängnisflüchtige, weist auf die geradezu wissenschaftliche Perfektion seines Könnens in diesem Bereich hin.
Gardner war knapp 1,82 m groß, besaß einen kräftigen, stämmigen, aber sportlichen Körperbau, durchdringende blaue Augen und schwarze Haare, entsprach also in vielerlei Hinsicht dem Klischee des schneidigen Gangsters der Zugräuberperiode und der Prohibitionsjahre.
Gardner wurde 1884 auf einer Farm in Trenton (Missouri) geboren und verbrachte seine Jugend ab dem achten Lebensjahr in Colorado Springs, wo sein Vater ein örtliches Elektrizitätswerk leitete. Sein frühes Erwachsenenleben verbrachte Gardner als vagabundierender Abenteurer im Südwesten der Staaten, wo er sich unter anderem als Bergmann und Hufschmied seinen Lebensunterhalt verdiente. Gardner schloss sich eine zeitlang der amerikanischen Armee als Rekrut beim 22. Infanterieregiment in Fort Worth, Texas, an. Von 1903 bis 1905 war er auf den Philippinen stationiert. 1906 desertierte Gardner und setzte sich zunächst nach Noglas in Mexiko ab.
Während der Mexikanischen Revolution betätigte er sich als Waffen- und Munitionsschmuggler zugunsten der revolutionären Carranza Truppen. Nach seiner Ergreifung durch die Armee des Diktators Huerta wurde er zum Tode verurteilt, konnte jedoch
am 20. März 1909 seinem Henker auf dem Weg zur Hinrichtung überwältigen und aus dem Gefängnis von Mexikostadt entkommen. Nach seiner Rückkehr in die Staaten verdingte er sich zunächst als Preisboxer, eine Profession in der im Sommer 1910 immerhin bis zum Sparringpartner des Schwergewichtschampions J.J. Jeffries im Trainingslager von Ben Lemond in Reno aufstieg.
Nachdem Gardner seinen Verdienst aus seiner Zeit als Boxer beim Glücksspiel durchgebracht hatte, überfiel er im Sommer 1910
Gilindemann Jewelry Store, ein Juweliergeschäft in San Francisco, wurde jedoch ergriffen und zur Verbüßung seiner Haftstrafe ins
Staatsgefängnis San Quentin geschickt. Nachdem er 1912 einem Wärter während eines Häftlingsaufstands das Leben gerettet hatte wurde er vom Gouverneur begnadigt und vorzeitig entlassen. Er arbeitete als Schweißer bei Linde Air Products Company in San Francisco. Im Juni 1913 heiratete Gardner die Kellnerin Dolly Nelson. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, die am 23. September 1917 geboren wurde.
Während des 1. Weltkrieges betätigte er sich als Acetylenschweißer im Marinelager Mare Island für die Schwa-Batcher Company. Am Waffenstillstandstag 1918 verließ er Schwa-Batcher und öffnete seine eigene Firma.
Gardners eigenen Angaben zufolge wandte er sich der Zugräuberei zu, nachdem er seiner in finanzielle Not geratenen Schwester einen Brief mit 200 $ schickte: da nur der Brief, nicht jedoch die Banknote bei ihr eingetroffen sei und er all sein restliches Geld
verspielt hatte, habe er es als sein Recht empfunden, sich an der Bahngesellschaft zu rächen.
Als Tatsache bleibt bestehen, ungeachtet der Zweifelhaftigkeit dieser apologetischen Anekdote, dass Gardner in der Nacht des 16.
Aprils 1920 außerhalb von San Diego einen Postzug der U.S. Mail überfiel und dabei 80.000 $ in Devisen und Wertpapieren erbeutete. Drei Tage später wurde er beim Vergraben seiner Beute gestellt und verhaftet. Gardner wurde wegen bewaffneten Überfalls zu einer fünfundzwanzigjährigen Haftstrafe in McNeil's Island in Washington verurteilt, schwor derweil noch im Gerichtssaal, dass er seine Strafe niemals absitzen würde. Am 5. Juni 1920, während er in Begleitung der US Marshals Cavanaugh und Haig im Zug auf dem Weg ins Gefängnis war, gelang es ihm, in der Nähe von Portland, die Waffe eines der beiden Gesetzeshüter an sich zu bringen, die beiden Männer zu entwaffnen, gefangenzunehmen und mit ihren eigenen Handschellen im Abteil festzuketten und vom Zug abzuspringen. In Rainier in Washington stahl er ein Motorboot und konnte sich über
Astoria und Bellingham mit dem Zug nach Kanada abzusetzen. In Saskatchewan bekam er unter falschem Namen eine Anstellung als Schweißer. Er begann als fahrender Händler in die USA einzureisen.
1921 kehrte er heimlich in die Staaten zurück und überfiel als Einzeltäter Banken und Postzüge überall im Land. und ging schließlich zurück nach Kalifornien. Dabei erbeutete er beim Überfall auf den Postzug aus Sacramento am 19. Mai 1921 die
stattliche Summe von 187.000 $. Nach einem Überfall auf einen weiteren Postzug am 20. Mai konnte er zwar abermals entkommen wurde jedoch eindeutig identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben. Wenige Tage später wurde er im Porter House Hotel in Roseville verhaftet, wo er unter dem Namen Neal Gaynor lebte. Der Betreiber des Peerless Cafe, in dem Gardner gelegentlich aß, hatte sein Gesicht auf einem Steckbrief erkannt. Gardner wurde erneut zu einer fünfundzwanzigjährigen Strafe verurteilt und wiederum mit dem Zug nach McNeil Island geschickt. Wiederum gelang es Gardner eine Waffe an sich zu bringen, seine Bewacher - die Marhsals Mulhall und Rinkell - zu überwältigen gefangenzunehmen, an ihre Sitze zu ketten und den Zug bei Castle Rock zu verlassen.
Nachdem die Behörden die größtangelegte Fahndung in der Geschichte der amerikanischen Westküste in die Wege geleitet hatten, wurde Gardner - der sein Gesicht durch Bandagen unkenntlich zu machen versucht hatte - im Olympic Club Hotel in Centralia,
Washington, identifiziert und wiederum gestellt. Am 18. Juni konnte seine Festnahme verlautbart werden. Nach der erneuten Verurteilung zu einer fünfundzwanzigjährigen Haftstrafe in McNeil Island gelang es schließlich, ihn im dritten Anlauf nach McNeil Island zu verbringen.
Nach nur sechs Wochen Haft gelang es Gardner am 5. September 1921 während eines Häftlingsbaseballspiels den Zaun des
Gefängnishofes zu überwinden - während zwei andere Insassen bei diesem Unterfangen von den Turmwachen erschossen wurden - und von der Insel zu fliehen. In einem Brief an eine Zeitung verhöhnte Gardner die Gefängnisleitung und den gesamten Strafvollzug und brachte so die ohnehin enragierten Behörden noch weiter als dies ohnehin schon der Fall war gegen sich auf.
Gardner, der nun den offiziellen Status des meistgesuchten Kriminellen der Vereinigten Staaten erhielt, wurde im Herbst 1921
bei einem Zugüberfall bei Phoenix von dem Postangestellten Roy Gin überwältigt und der Polizei übergeben. Man verurteilte ihn zu einer zusätzlichen Strafe von fünfundzwanzig Jahren und verbrachte ihn ins Bundesgefängnis Leavenworth. Am 24. Januar 1925 wurde er ins Atlanta Federal Prison überführt. Dort unternahm er verschiedene Ausbruchsversuche, die jedoch allesamt scheiterten. Nachdem er 1927 drei Gefängniswärter mit Waffengewalt gefangengenommen hatte, um seine Freilassung zu erzwingen, wurde er für zwanzig Monate in Einzelhaft genommen. Nach seiner Entlassung aus der Einzelhaft sah die Gefängnisleitung sich genötigt, ihn für einige Monate in eine Nervenheilanstalt in Washington D.C. zu verlegen. Nach seiner Beteiligung an einem Hungerstreik wurde Gardner 1930 ins Leavenworth Annex Prison und 1934 nach Alcatraz transferiert, wo er in der Matratzenfabrik arbeitete. 1938 wurde er schließlich begnadigt.
In seinen letzten Lebensjahren legte Gardner ein autobiografisches Buch mit dem Titel "Hellcatraz" vor, nahm an kriminologischen Vorträgen teil und spielte zusammen mit dem Postzugbegleiter Louis Sonney, einem seiner früheren Opfer, für den Film "You Can't Beat the Rap" einen seiner "Clous" nach. Der geplante Film "I Stole A Million" kam nicht mehr zustande. Am 10. Januar 1940 fand man Gardner in einem Hotelzimmer tot auf, nachdem dieser mit Zyaniddämpfen und Giftgas Selbstmord begangen hatte.
Quellen
- freie Enzyklopädie - Roy Gardner
Der Fall - Helmut Daube
Der ermordete Helmut Daube und das Buch zu diesem Mord
Der 19jährige Abiturient Helmut Adolf Daube wurde am Donnerstag, dem 22. März 1928 in Gladbeck ermordet. Die Tat ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt und die Berichterstattung über den Prozess gegen den ersten Verdächtigen im Oktober 1928 verdrängte sogar die Atlantik-Überquerung des Luftschiffes Graf Zeppelin aus den Schlagzeilen.
Der blonde Helmut Daube stammte aus einer Lehrerfamilie. Er war der einzige Sohn des Rektors der Gladbecker Lutherschule. Um zwei Uhr in der Früh verlässt er angetrunken mit mehreren Jugendlichen ein Anwerbungstreffen von Burschenschaftern im Hotel zur Post in Buer. Nachdem die Bekannten nach und nach abzweigten, maschierte er nur mehr mit seinem Schulfreund Karl Hußmann (* 1908) nach Hause.
Zirka um halb vier Uhr schneidet ihm jemand unweit seines elterlichen Hauses in der Schultenstraße 11 mit einem Messer den Hals durch. Anschließend zieht man ihm die Hose herunter und schneidet seine Genitalien mit der umliegenden Haut aus der Leiche. Sie werden nie gefunden.
Sein Vater, Rektor Adolf Daube, und seine Mutter werden durch zwei Hilferufe wach. Der Vater findet das Bett seines Sohnes unberührt, die Mutter meint, dass ihr Sohn gerufen hätte, aber der Vater beruhigt sie und wähnt seinen Sohn in guter Gesellschaft. Der im selben Haus wohnende Rektor Deese wird ebenfalls durch Hilfeschreie geweckt, sieht aus einem Schlafzimmerfenster wie sich eine große knieende Gestalt erhebt die Straße überquert und auf der unbeleuchteten Seite davoneilt. Er hält ihn für einen Betrunkenen aus der gegenüberliegenden Kneipe.
Vor dem Schichtwechsel im Kohlebergwerk kommt um halb fünf der Pförtner Fritz Bauer mit seinem Sohn auf dem Weg zur Arbeit am Tatort vorbei. An der Ecke Gonheide-Schultenstraße bemerkt er die am Boden liegende Person, will den vermeintlich Betrunkenen zum Aufstehen bewegen und bemerkt dabei den Mord. Sein Sohn holt den in der Schultenstraße 9 wohnenden Arzt Dr.Lutter, der ca. 5 Minuten später den Mord bestätigt. Bauer weckt die Eltern und nach anfänglichen Zweifeln erkennen diese im Mordopfer ihren Sohn. Nach 50 Minuten erscheint die Polizei am Tatort, später auch die Mordkommision, welche Fotos macht. Ein Spürhund bringt keinen Erfolg, auch die im Umfeld des Tatorts stattfindende Suche nach den Genitalien bleibt erfolglos.
Helmut Daube mit durchschnittenem Hals
Später wird Karl Hußmann zum Tatort gebracht. Er meint, dass es möglicherweise seine Schuld sei, da er seinen Freund nicht bis nach Hause begleitet habe. Man bemerkt auf seinen Schuhen und später auch an seinem Mantel Blut, von dem er behauptet, es sei von einer Katze. In seinem Arbeitszimmer findet man eine Aktentasche mit einem leeren Messeretui, welches er ein paar Tage zuvor auf einer ?Diebesjagd? verloren haben will. Hußmann wird festgenommen, aber im Laufe des Tages auf Geheiß der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt.
Der Aufsehen erregende Mord ist sogleich Tagesgespräch im Ort und einen Tag später national und international in den Schlagzeilen. Aus dem Polizeibericht wird erwähnt, dass der Halsschnitt ?kunstgerecht? durchgeführt wurde, was zu Umsatzeinbußen bei den örtlichen Metzgern führt. Da Selbstmorde mittels Halsschnittes öfter vorkommen, wird auch dieser Möglichkeit nachgegangen.
Am Montag, den 26. März 1928 wird Helmut Daube unter ?riesiger Beteiligung? im Rondell des Gladbecker Zentralfriedhofes in der Gruft Nr. 26 D beigesetzt. Die Polizei spricht inzwischen offen von einem Sexualverbrechen. Am nächsten Tag wird Hußmann abermals verhaftet. Wieder einen Tag später durchsucht die Polizei den Garten von Hußmanns Pflegevater - Rektor Kleiböhmer - nach dem Messer, wird aber nicht fündig.
Am Samstag, dem 31. März 1928 gibt der Pflegevater seinem Gärtner eine von Hußmann angefertigte Skizze, auf der der mögliche Fundort des bei der ?Diebesjagd? verlorenen Messers eingezeichnet ist. Der Gärtner sticht an der entsprechenden Stelle den Rasen aus und wird fündig. Inzwischen fordert der Essener Staatsanwalt Rosenbaum telegraphisch Spezialisten von der Berliner Mordkommission an, was zuletzt 20 Jahre zuvor geschehen war. Bei der Befragung durch den Berliner Kommissar Werneburg konzentriert man sich auf den Lebenslauf und die ?moralischen Qualitäten? des Jungen, denn in seinem Bücherregal wurde ein Buch des umstrittenen Sexualforschers Magnus Hirschfeld gefunden. Das Verhör führt aber nicht zu neuen Erkenntnissen. Chemische Untersuchungen ergeben, dass das gefundene Messer nicht die Tatwaffe sein kann und aufgrund der starken Rostflecken schon lange vor der Mordnacht in der Erde gelegen haben muss. Bei der Leiche gefundene Haare stammten nicht von Hußmann, sondern möglicherweise von der Decke, mit der Daube zugedeckt wurde.
Am 3. April wird Hußmann nach Essen überführt und am 13. April muss der Polizeipräsident eine Pressekonferenz geben, nachdem etliche nationale wie internationale Zeitungen der Polizei Versagen vorwerfen.
Vermutlich hatte Helmut Daube homosexuelle Kontakte. Wer aber sein Mörder war, wurde nicht mit Sicherheit geklärt. Sein Freund Karl Hußmann wurde freigesprochen.
?In der Urteilsverkündung machte der Richter unmißverständlich klar, daß es nicht in erster Linie um die Erforschung dessen ging, was sich in der Mordnacht tatsächlich ereignete: Es ging vielmehr um die Frage, ob Karl Hußmann nun schwul war - oder nicht. Hätten die Gutachter hier ein klares Urteil fällen können, es wäre sicherlich auch das Urteil über die Frage nach der Täterschaft gewesen. Denn schwul, das war damals - und ist es in vielen Köpfen heute noch - gleichbedeutend mit kriminell und böse.?
Hirschfeld kritisierte, dass man sich auf die Homosexualität konzentrierte, was für die Tat nicht wirklich von Belang sei. Dagegen habe man Nachforschungen in Richtung psychisch gestörter Serienmörder vernachlässigt.
Den Mord gestand später Rolf vom Busch (* 1905), der wegen des ähnlich verlaufenden Mordes an dem Stricher Kurt Schönig verurteilt worden war. Ein Prozess wegen des Mordes an Helmut Daube wurde ihm möglicherweise deshalb nicht gemacht, weil er 1936 in einem anderen, als geheim eingestuften Prozess, der den damaligen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler betraf, wegen Landesverrates verurteilt wurde.
Da er wegen des Mordes an Kurt Schöning zur Verminderung der Rückfallgefahr kastriert worden war, wollte Rolf vom Busch sich nach eigener Aussage offenbar an führenden Männern des nationalsozialistischen Regimes, denen in der Gesinnung nahe zu stehen er angab, rächen. Denn diese hatten die Entmannung als Strafe bei Sittlichkeitsdelikten verfügt.
Er gab an, Stabschef Ernst Röhm aus der Pfadfinderbewegung zu kennen, ebenso Obergruppenführer Edmund Heines und SA-Gruppenführer Karl Ernst in Berlin. Röhm habe ihn im Hotel Kaiserhof in Berlin dem Führer Adolf Hitler zugeführt und er sei in der Lage, das Genital des Führers zu beschreiben, um seine Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen. Außerdem behauptete er, Briefe Ernst Röhms zu besitzen.
Rolf vom Busch wurde auf Grund dieser Aussagen vom 3. Senat des Volksgerichtshofs in der Sitzung vom 4. August 1936 unter dem Richter Senatspräsident Dr. Springmann wegen Landesverrat zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Urteilsbegründung lautete, dass seine Aussagen das Ansehen des Führers im Ausland hätten herabsetzen können. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen wurde nicht beurteilt.
Heutiges Interesse an dem damals Aufsehen erregenden Fall kommt durch die Hinweise auf Hitler und seine Umgebung zu, weil die Prozessakten erhalten blieben und noch vorhanden sind. Andere Hinweise in dieser Richtung wurden vernichtet, Zeugen wie beim Röhmputsch mundtot gemacht.
Quellen
- Sabine Kettler, Eva-Maria Stuckel, Franz Wegener: Wer tötete Helmut Daube?, Kulturfoerderverein Ruhrgebiet, November 2001, ISBN 3-931300-03-X
- Franz Wegener: INTRO-Recherche: Der Daube-Mord 1928
- Freie Enzyklopädie
Der Fall - Martha Marek
Im Jahr 1909 lernte die damals zwölfjährige Martha Marek unter starker Patronanz ihrer Mutter den damals 62jährigen Pensionisten Moritz F. kennen. Er verfiel prompt den jugendlichen Reizen des anmutigen Mädchens, worauf er vom geschickt agierenden Team Mutter & Tochter wegen Vergewaltigung Minderjähriger erpreßt wurde. Man einigte sich: Die kleine Martha zog in seine Villa nach Mödling, erhielt Schmuck und Apanage und wurde vom alten Mann zur Universalerbin erkoren.
Nach dem 1923 erfolgten Tod ihres Gönners holte sich die engelhafte Gestalt ihren um fünf Jahre jüngeren Ehemann Emil Marek in die Villa, um mit ihm die nächsten zwei Jahre in Saus und Braus zu leben. Als das geerbte Geld verjubelt war, schritt Martha Marek mit erstaunlicher Konsequenz zur nächsten Tat: Sie versicherte am 11. Juni 1925 ihren Gatten gegen Invalidität. Einen Tag später trennte sich ihr Gatte beim Holzhacken den linken Unterschenkel ab. Die Versicherung verweigerte die Zahlung, es kam zum Prozeß.
In dessen Verlauf wurde bekannt, daß Herr Emil Marek mit insgesamt drei Axthieben seinen Unterschenkel abspaltet hatte, zudem waren Beamte der Prosektur von Martha Marek bestochen worden, um das Attest der Ärzte über die drei Axthiebe zu vertuschen. Martha Marek gelang es jedoch, durch ihre umgängliche und zuvorkommende Art sowie durch ihr bildhübsches und wunderschönes Aussehen - Felix Salten verwendete für die Blondgelockte sogar den Ausdruck "Engel" -, die Öffentlichkeit und die Gerichtssaalreporter für sich einzunehmen. Allgemein war der Eindruck vorherrschend, da werde eine arme und unschuldige Frau von einer gewinnsüchtigen Versicherung bedroht und betrogen. Schlußendlich wurde die Versicherung zur Zahlung verurteilt.
Nach fünf Jahren war auch dieses Geld verpraßt. Es erfolgte der gesellschaftliche Abstieg der Martha Marek, die 1932 mit einem verkrüppelten Mann sowie zwei Kindern ein Schrebergartenhaus im Westen Wiens bewohnte.
Auf den gesellschaftlichen Abstieg reagierte Martha Marek erstaunlich doppelbödig. Einerseits begann sie, ihrem verkrüppelten Ehemann, den sie als Last empfand, Rattengift einzuträufeln. Sechs Monate lang siechte er mit Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen vor sich hin, ehe der Tod ihn erlöste. Ein ähnliches Leiden widerfuhr ihrer kleinen Tochter, die zwei Monate nach ihrem Mann verschied. Ihr kleiner Sohn wurde hingegen in ein Spital überstellt, wo er sich allmählich wieder erfing. Anderseits nahm sie eine Tätigkeit als Gesellschafterin und Pflegerin bei ihrer begüterten Großtante Susanne Löwenstein auf. 1934 änderte die reiche Großtante ihr Testament und bestimmte Martha Marek zur Alleinerbin. Sechs Monate danach verstarb sie mit schweren Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen.
Durch die Erbschaft wieder mit reichlich Kapital ausgestattet, mietete Martha Marek eine Villa in Hietzing, lebte auf großem Fuße und holte sich ihrerseits eine Gesellschafterin, eine ärmliche Schneiderin namens Felicitas Kittenberger ins Haus. Für die neue Gesellschafterin löste Martha Marek eine hohe Lebensversicherung, dann griff sie zum Rattengift, bis nach mehreren Monaten auch Frau Kittenberger unter qualvollen Leiden verschied. Das Merkwürdige an der Mordserie war, daß Martha Marek alle einfachen und praktikablen Lösungen kategorisch ausschloß. Um ihren Mann loszuwerden, hätte sie eine Scheidung beantragen, um ohne Kinder zu leben, hätte sie die Kinder in eine Verwahrungsanstalt geben können. Nichts von alledem: Sie entschied sich für die endgültigste und allzeit absolute Lösung: Mord.
Erst die hartnäckigen Nachforschungen des Sohnes der Frau Kittenberger hatten Erfolg: Nach der Exhumierung seiner schon begrabenen Mutter und einer chemischen Untersuchung entdeckte man das Rattengift Zeliopaste. Im folgenden Prozeß enthüllten die Ermittlungsbehörden die weiteren Morde der Martha Marek. Die Meinung der Öffentlichkeit kippte total, die vielen mitleidigen Verehrer mutierten zu gnadenlosen Abrechnern. Zudem brachten die Nazis - wir sind bereits im Jahr 1938 - massiv die halbjüdische Herkunft des gefallenen Engels ins Spiel.
Martha Marek wurde im April 1938 zum Tode verurteilt. Im Dezember 1938 wurde sie im Hof des Wiener Landesgerichts durch das Fallbeil hingerichtet. Im 20. Jahrhundert war sie somit die erste Frau, deren Todesurteil vollstreckt wurde.
Im Jahr 1909 lernte die damals zwölfjährige Martha Marek unter starker Patronanz ihrer Mutter den damals 62jährigen Pensionisten Moritz F. kennen. Er verfiel prompt den jugendlichen Reizen des anmutigen Mädchens, worauf er vom geschickt agierenden Team Mutter & Tochter wegen Vergewaltigung Minderjähriger erpreßt wurde. Man einigte sich: Die kleine Martha zog in seine Villa nach Mödling, erhielt Schmuck und Apanage und wurde vom alten Mann zur Universalerbin erkoren.
Nach dem 1923 erfolgten Tod ihres Gönners holte sich die engelhafte Gestalt ihren um fünf Jahre jüngeren Ehemann Emil Marek in die Villa, um mit ihm die nächsten zwei Jahre in Saus und Braus zu leben. Als das geerbte Geld verjubelt war, schritt Martha Marek mit erstaunlicher Konsequenz zur nächsten Tat: Sie versicherte am 11. Juni 1925 ihren Gatten gegen Invalidität. Einen Tag später trennte sich ihr Gatte beim Holzhacken den linken Unterschenkel ab. Die Versicherung verweigerte die Zahlung, es kam zum Prozeß.
In dessen Verlauf wurde bekannt, daß Herr Emil Marek mit insgesamt drei Axthieben seinen Unterschenkel abspaltet hatte, zudem waren Beamte der Prosektur von Martha Marek bestochen worden, um das Attest der Ärzte über die drei Axthiebe zu vertuschen. Martha Marek gelang es jedoch, durch ihre umgängliche und zuvorkommende Art sowie durch ihr bildhübsches und wunderschönes Aussehen - Felix Salten verwendete für die Blondgelockte sogar den Ausdruck "Engel" -, die Öffentlichkeit und die Gerichtssaalreporter für sich einzunehmen. Allgemein war der Eindruck vorherrschend, da werde eine arme und unschuldige Frau von einer gewinnsüchtigen Versicherung bedroht und betrogen. Schlußendlich wurde die Versicherung zur Zahlung verurteilt.
Nach fünf Jahren war auch dieses Geld verpraßt. Es erfolgte der gesellschaftliche Abstieg der Martha Marek, die 1932 mit einem verkrüppelten Mann sowie zwei Kindern ein Schrebergartenhaus im Westen Wiens bewohnte.
Auf den gesellschaftlichen Abstieg reagierte Martha Marek erstaunlich doppelbödig. Einerseits begann sie, ihrem verkrüppelten Ehemann, den sie als Last empfand, Rattengift einzuträufeln. Sechs Monate lang siechte er mit Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen vor sich hin, ehe der Tod ihn erlöste. Ein ähnliches Leiden widerfuhr ihrer kleinen Tochter, die zwei Monate nach ihrem Mann verschied. Ihr kleiner Sohn wurde hingegen in ein Spital überstellt, wo er sich allmählich wieder erfing. Anderseits nahm sie eine Tätigkeit als Gesellschafterin und Pflegerin bei ihrer begüterten Großtante Susanne Löwenstein auf. 1934 änderte die reiche Großtante ihr Testament und bestimmte Martha Marek zur Alleinerbin. Sechs Monate danach verstarb sie mit schweren Magenkrämpfen und Lähmungserscheinungen.
Durch die Erbschaft wieder mit reichlich Kapital ausgestattet, mietete Martha Marek eine Villa in Hietzing, lebte auf großem Fuße und holte sich ihrerseits eine Gesellschafterin, eine ärmliche Schneiderin namens Felicitas Kittenberger ins Haus. Für die neue Gesellschafterin löste Martha Marek eine hohe Lebensversicherung, dann griff sie zum Rattengift, bis nach mehreren Monaten auch Frau Kittenberger unter qualvollen Leiden verschied. Das Merkwürdige an der Mordserie war, daß Martha Marek alle einfachen und praktikablen Lösungen kategorisch ausschloß. Um ihren Mann loszuwerden, hätte sie eine Scheidung beantragen, um ohne Kinder zu leben, hätte sie die Kinder in eine Verwahrungsanstalt geben können. Nichts von alledem: Sie entschied sich für die endgültigste und allzeit absolute Lösung: Mord.
Erst die hartnäckigen Nachforschungen des Sohnes der Frau Kittenberger hatten Erfolg: Nach der Exhumierung seiner schon begrabenen Mutter und einer chemischen Untersuchung entdeckte man das Rattengift Zeliopaste. Im folgenden Prozeß enthüllten die Ermittlungsbehörden die weiteren Morde der Martha Marek. Die Meinung der Öffentlichkeit kippte total, die vielen mitleidigen Verehrer mutierten zu gnadenlosen Abrechnern. Zudem brachten die Nazis - wir sind bereits im Jahr 1938 - massiv die halbjüdische Herkunft des gefallenen Engels ins Spiel.
Martha Marek - Foto aus dem Jahr 1932
Martha Marek wurde im April 1938 zum Tode verurteilt. Im Dezember 1938 wurde sie im Hof des Wiener Landesgerichts durch das Fallbeil hingerichtet. Im 20. Jahrhundert war sie somit die erste Frau, deren Todesurteil vollstreckt wurde.
Quellen
- Freie Enzyklopädie
Der Fall - Jesse Harding Pomeroy
Jesse Harding Pomeroy (* 29. November 1859; ? 29. September 1932) war der jüngste Mörder in der Geschichte von Massachusetts, der je überführt wurde.
Jesse Pomeroy wurde als Sohn von Thomas und Ruthann Pomeroy in Charlestown, Massachusetts, geboren. Er war der jüngere von zwei Söhnen, sein Bruder Charles war ein Jahr älter. Sein Vater war sehr gewalttätig. So brachte er sie öfter zu ihrem Holzschuppen, wo er sie auszog und dann grün und blau prügelte.
Jesse als Jugendlicher
Jesses Gesicht war schon von Kindheit an auffällig deformiert. Am augenfälligsten war sein rechtes Auge, das ?milchig? weiß war - einige seiner Opfer beschrieben, es sehe aus wie eine weiß-marmorierte Murmel - und das in seiner Augenhöhle zu schwimmen schien. Seine Mutter machte eine Pockenimpfung dafür verantwortlich, wahrscheinlicher ist aber eine Virusinfektion im Babyalter. Sein Kopf, seine Ohren und sein Mund waren im Verhältnis zu seinem Körper unverhältnismäßig groß. Außerdem litt er unter wiederkehrenden epileptischen Anfällen. Alle diese Eigenschaften machten ihn als Kind zu einem beliebten Ziel des Spottes anderer Kinder, und wahrscheinlich hat dieser ständige Spott zu seiner Wut und Aggressivität gegenüber Kindern beigetragen. Auch als Erwachsener reagierte er immer sehr sensibel auf Blicke anderer Menschen, die ihn wiederum laut seinem Biographen Harold Schechter ?kaum ansehen konnten, ohne sich schaudernd abzuwenden?.
Laut Berichten aus den Jahren 1871 und 1872 wurden in Jesses Umgebung bei verschiedenen Gelegenheiten Jungen überredet, an entlegene Orte zu gehen, wo sie dann von einem nur wenig älteren Jungen überfallen wurden. Diese Angriffe sollen so unglaublich brutal gewesen sein, dass die Jungen einen bleibenden Schaden davontrugen. Der Täter wurde niemals festgenommen. Falls Jesse Pomeroy verantwortlich war, wovon heute vielfach ausgegangen wird, war er zum Zeitpunkt der Taten erst 12 bzw. 13 Jahre alt.
Die Mutter von Jesse Harding Pomeroy
Im Jahre 1872 trennte seine Mutter sich vom brutalen Vater und zog mit den Kindern nach South Boston. Da Jesse sich nun wiederholt an Jüngeren verging, und seine Taten immer brutaler wurden, wurde er schließlich verhaftet. Dank seiner Minderjährigkeit wurde er lediglich in eine ?Korrekturanstalt für Jungen? in Westborough, Massachusetts, eingewiesen. Sogar der Boston Globe übernahm seine Geschichte, so lautete die letzte Zeile dieses Artikels: ?It is generally concluded that the boy is mentally deficient.? (?Es wird allgemein angenommen, dass der Junge geistig zurückgeblieben ist.?) Trotz der Schwere seiner Verbrechen wurde er bereits nach 15 Monaten wieder entlassen. Nachdem Pomeroys spätere Morde bekannt wurden, wurden der Polizei und dem Gericht aus diesem Grund große Vorwürfe gemacht.
Harold Schechter, Professor am Queens College, City University of New York und Experte für Serienmörder, schrieb das Buch Fiend über Pomeroy, in dem er ausführte, dass in Massachusetts noch nie zuvor ein Jugendlicher mit einem Verbrechen von solcher Schwere in Verbindung gebracht werden konnte.
Im Februar 1874 wurde Jesse Pomeroy auf Bewährung entlassen und durfte zu seiner Mutter, die mittlerweile ihre eigene Schneiderei hatte, und seinem Bruder, der Zeitungen verkaufte.
Schon am 18. März des selben Jahres verschwand plötzlich die zehnjährige Katie Curran, Augenzeugen berichten, dass sie zuletzt in den Laden der Pomeroys ging. Am 22. April fand man die Leiche des vierjährigen Horace Millen im Sumpf von Dorchester Bay, sie war wirklich furchtbar zugerichtet worden. Die Kehle war durchschnitten, man fand 18 Stiche auf der kleinen Brust, zudem war ein Auge ausgestochen worden und offensichtlich war auch versucht worden, ihn zu kastrieren. Sofort brachte die Polizei Pomeroy damit in Verbindung und als man ihn mit zerkratztem Gesicht, blutverschmierter Kleidung und verschlammten Stiefeln fand, war seine Täterschaft eindeutig und er wurde verhaftet.
Am 18. Juli fand man im Keller des Ladens unter einem Haufen Asche die Leiche der kleinen Katie Curran. Auch hier war trotz der fortschreitenden Verwesung noch immer deutlich zu sehen mit welcher Brutalität ihr Mörder vorgegangen sein musste, so war zum Beispiel ihr Kopf abgetrennt. Und Pomeroys Schicksal war somit endgültig besiegelt.
Sein Prozess war eine einzige Farce, er wurde zu Millens Leiche gebracht und ihn nach seiner Schuld gefragt. Doch wurde während der Untersuchung des Leichenbeschauers Pomeroy das Recht auf eine Anwalt verweigert.
Vor dem Massachusetts Supreme Judical Court fand dann am 9. und 10. Dezember 1874 die Verhandlung Commonwealth gegen Pomeroy statt. Der Generalstaatsanwalt forderte eine Verurteilung wegen Mordes ersten Grades. Während des Schlussplädoyers wurde die Anklage jedoch auf ?Mord mit extremer Grausamkeit? abgeändert. Am 10. Dezember 1874 wurde Pomeroy des Mordes an Horace Millen schuldig gesprochen. Die Jury ergänzte den Spruch jedoch mit der Bitte, auf die Jugend des Angeklagten Rücksicht zu nehmen. Gnade konnte in einem solchen Fall jedoch nur vom Gouverneur gewährt werden. Der Richter war bei einem Schuldspruch wegen Mordes ersten Grades zum damaligen Zeitpunkt verpflichtet, ein Todesurteil auszusprechen.
Sein Anwalt, Charles Robinson, erhob zweimal Einspruch, der jedoch beide Male abgelehnt wurde. Im Februar 1875 wurde Jesse Pomeroy vom Richter zum Tod durch Erhängen verurteilt.
So sollte nun der Gouverneur das Todesurteil unterzeichnen und das Datum der Hinrichtung festlegen. Dieser weigerte sich jedoch, und so kam es in den nächsten anderthalb Jahren zu drei Abstimmungen. Die ersten beiden fielen gegen eine Strafumwandlung aus, doch in der dritten, die im August 1876 stattfand und anonym durchgeführt wurde, wurde seine Strafe in lebenslange Einzelhaft umgewandelt. So wurde Pomeroy am 7. September 1876 vom Suffolk County Gefängnis ins State Prison in Charlestown überstellt, wo seine Einzelhaft begann. zu diesem Zeitpunkt war er gerade 16 Jahre und 10 Monate alt.
Jesse Harding Pomeroy im Jahre 1917 und 1929
1917 wurde sein Urteil ein weiteres Mal umgewandelt, und so wurden ihm nun auch die Privilegien zuteil, die andere Häftlinge mit lebenslanger Strafe hatten. Zunächst widersetzte er sich und verlangte nicht weniger als einen Freispruch. Später passte er sich den neuen Gegebenheiten an und wurde sogar Teil der gefängniseigenen Theatergruppe. 1929, als er schon ein alter Mann und sehr gebrechlich war, wurde er in das Bridgewater Hospital for the Criminally Insane verlegt, wo er dann auch am 29. September 1932, mit 72 Jahren verstarb.
Quellen
- Court TV's Crime Library: Mark Gribben, "All about Jesse Pomeroy"
- Freie Enzyklopädie
- Resurrectionary Press Presents "The Autobiography of Jesse Harding Pomeroy, Written By Himself (1875)"
- Resurrectionary Press Presents "Selections From the Writings of Jesse Harding Pomeroy, Life Prisoner Since 1876 (1920)"
- Jesse Harding Pomeroy: The teenaged killer
Der Fall - Marie Mikschofsky
Am 17. Juli 1922, einem heißen Sommertag machte ein Schnitter in einem Simmeringer Kornfeld einen schrecklichen Fund: Nahe dem Mitterweg, unweit des Simmeringer Friedhofes, lag ein mit Papier und Hadern umwickeltes Paket, von dem starker Verwesungsgeruch ausging. Bei näherer Untersuchung erkannte man den Rumpf einer männlichen Leiche, Beine und Kopf fehlten. Die gerichtsmedizinische Untersuchung des offensichtlich ermordeten Mannes brache wichtige Hinweise auf einen schlecht ausgeheilten Oberschenkelbruch, sodass Hofrat Dr. Wahl, damals gerade erst Chef des Sicherheitsbüros geworden, in einer großen Kampagne die Bevölkerung auffordern konnten, Angängige mit entsprechenden Merkmalen der Polizei zu melden.
Bereits wenige Tage später erreichte ihn eine Meldung von Mietern des Hauses Sedlitzkygasse 45, dass ein dort wohnhafter Dachdecker namens Simon Mikschofsky schon seit Anfang Juni nicht mehr gesehen war und seine Frau über Befragung eigenartige Ausflüchte machte. Auch hatte sich die verwahrloste Frau durch das bei ihr ungewöhnliche Reinigen von Wohnung und Teppich verdächtig gemacht.
Die Kriminalbeamten griffen die Spur auf und man fand in der Wohnung soviel belastendes Material, das davon ausgegangen wurde, die Frau hätte ihren Mann ermordet und die Leiche zerstückelt. Den abgetrennten Kopf des Opfers hatte sie, wie man feststellte, im Ofen verbrannt, den Rumpf und die Beine ins Kornfeld geworfen. Nach ersten Ausflüchten fand sie sich schließlich zu einem Teilgeständnis bereit.
Der Ruf der Bevölkerung nach strengster Strafe für dieses Aufsehen erregende, besonders abstoßende und schreckliche Verbrechen verhallte jedoch ungehört. Die vom Gericht beauftragten psychiatrischen Gutachter stellten bei Marie Mikschofsky eine so stark entwickelte Paranoia fest, dass sie als unzurechnungsfähig gelten musste. Nicht die Kerkertore, sondern die Gitter eines Irrenhauses schlossen sich hinter der Mörderin und beendeten damit einen der Aufsehen erregendsten Kriminalfälle des Jahres 1922 in Wien.
Quellen
- Tatort Wien, der neue Wiener Pitaval, Dokumentation der bedeutendsten Kriminalfälle Wiens des 20. Jahrhunderts (1. Band) - Die Zeit von 1900 - 1924 (von Edelbacher / Seyrl) Ausgabe 2005 - S. 188 - ISBN 3-911697-09-8
Der Fall - Rudolf Förster
Der 42-jährige Mechaniker Rudolf Förster hatte nach seiner Scheidung eine neue Liebe gefunden: Die ebenfalls geschiedene Maria Hofmeister. Das Paar lebte zufrieden in ihrer kleinen Wohnung in Hernals, Rosensteingasse 61 und nichts konnte das Glück trüben, auch nicht die anzüglichen Bemerkungen mancher Nachbarn, war doch Frau Hofmeister bereits im 70. Lebensjahr, also fast 30 Jahre älter als ihr Partner.
Anfang 1933 änderte sich die Beziehung des ungleichen Paares jedoch, da Förster an der Treue seiner Lebensgefährtin zu zweifeln begann. Scheinbar fand die betagte Frau immer noch großen Anwert bei Männern.
Es war der Morgen des 26. April 1933, als die Wohnparteien des erwähnten Hauses gellende Hilferufe hörten. Aufmerksam geworden, sahen sie, dass Förster das Fenster der ebenerdigen Wohnung in den Innenhof öffnete und herauskletterte. Zur Rede gestellt von den Nachbarn, bat er in ruhigen und teilnahmslosen Worten, man möge doch einen Wachmann holen.
Dies geschah und als der Polizist die Wohnung Försters betrat, entdeckte er mit Schrecken, dass eine alte Frau, es war Maria Hofmeister, in ihrem Blut am Boden des Raumes lag. Neben der Toten fand man die Tatwaffe, ein Taschenmesser. Zahlreiche Stiche hatten die Greisin getötet.
Nach eingehenden polizeilichen Befragungen erklärte der sehr verwirrt aber nicht schuldbewusste Täter, dass er seine Lebensgefährtin erstochen habe, da sie möglicherweise zu dem von ihr geschiedenen Mann zurückkehren wollte und er dann wieder allein gewesen wäre.
Die sehr wirre Verantwortung des Mannes führte zwar zu einer Anklage wegen Mordes, es kam aber zu keinem Verfahren und die Akten der Justiz wurden geschlossen: Rudolf Förster wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Steinhof überstellt.
Quellen - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 ? 1944, von Harald Seyrl) Seite 251 - ISBN 3-911697-10-1
Der Fall - Otto Sukdolak
Obwohl erst 52 Jahre alt, so wirkte der Holzschneider Otto Sukdolak doch schon gebrechlich wie ein Greis. Gebückte Haltung, schlohweißes Haar, eingefallene Wangen und kaum des Gehens mächtig, wohnte der Mann mit Frau und Sohn im Haus Stolberggasse 25.
Jedermann im Haus wusste aber staunend, dass dieser greisenhafte Mann eine Geliebte hatte, die um 20 Jahre jüngere Hermine Wolf.
Da das ungleiche Paar auch öfters die Nacht über nicht zu Hause war, erfuhr auch bald die Ehegattin von Sukdolak von der Beziehung und es kam naturgemäß zu immer häufigeren Auseinandersetzungen zwischen den Ehepartnern. Noch dazu wurde Sukdolak arbeitslos, vernachlässigte seine Familie und ignorierte alle anfallenden Arbeiten im Haus.
Nachdem es im Haus Sukdolak wieder einmal heftigen Streit gegeben hatte, suchte der wutentbrannte Mann seine Geliebt auf und veranlasste sie, zur Klärung der Situation zu seiner Frau zu gehen. Die beiden Frauen sollten sich persönlich kennen lernen und aussprechen. Er wollte damit sein Verhältnis zu Hermine Wolf seitens seiner, von Natur aus gutmütigen, Gattin toleriert wissen.
Am 19. Mai 1933 suchte Hermine Wolf Frau Sukdolak auf und es kam zu einer heftigen Aussprache, wobei einerseits Frau Sukdolak erklärte, sie werde ihren Mann freigeben, andererseits beteuerte Hermine Wolf, dass sie die Beziehung beenden wolle, um die Ehe nicht weiter zu stören. Nach diesen Worten verließ Frau Wolf die Wohnung, wurde aber von Otto Sukdolak im Hausflur eingeholt. Als sie nochmals die endgültige Trennung bestätigte war dies ihr Todesurteil ? Sukdolak zog ein Fixiermesser und stach wahllos auf die Frau ein. Hermine Wolf war wenige Minuten später, von13 Messerstichen getroffen, tot.
Otto Sukdolak fand milde Richter. Es wurde ihm nicht Mord sondern Totschlag zugebilligt: Vier Jahre schwerer Kerker lautete die Strafe für den Tod der geliebten Hermine.
Quellen - Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 - 1944, von Harald Seyrl) Seite 93 - ISBN 3-911697-10-1
Der Fall - Daisy Louisa de Melker
Daisy de Melker, die am 2. Dezember 1932 im Zentralgefängnis von Pretoria / Südafrika gehenkt wurde, genoss die zwei Monate vor ihrer Hinrichtung. Während des Prozesses posierte die 46-jährige für Fotografen, winkte Schaulustigen zu und sammelte sämtliche Zeitungsausschnitte, die ihre Person betrafen. Dabei stand wenig Gutes über sie zu lesen darin. Die gelernte Krankenschwester hatte nämlich hintereinander ihren Verlobten, ihren ersten Ehemann, vier der fünf aus dieser Ehe stammenden Kinder, den zweiten Ehemann, und schließlich noch ihren erwachsenen Sohn vergiftet. Ihre favorisierten Mittel waren Strychnin und Arsen. Ihr Motiv Habgier – sie verstand es immer, sich rechtzeitig ein Testament zu ihren Gunsten zu sichern – und vermutlich eine Freude am Töten.
Erstaunlich ist, dass die von 1923 bis 1932 begangenen Morde nicht früher ans Licht kamen. Doch erst nach dem letzten Todesfall erstattete der Bruder ihres zweiten Ehemannes, den die Profitsucht seiner ehemaligen Schwägerin schon früher aufgefallen war, Anzeige bei der Polizei. Im April 1932 wurde die Exhumierung ihres Sohnes und ihrer zwei Ehemänner angeordnet. Die Ergebnisse der Obduktion waren eindeutig: In zwei der Leichen fand sich Strychnin, in der anderen Arsen. Trotz des Verdachtes, dass Daisy de Melker auch ihre anderen vier Kinder mit Gift ermordet hatte, wurde deren Obduktion nicht vorgenommen.
Die Todesstrafe war ihr jedoch auch so gesichert.
Quellen: - Das große Lexikon des Verbrechens (von Norbert Borrmann), Ausgabe 2005 – S. 556 – ISBN 3-89602-543-0
Der Fall - Leopoldine Lichtenstein
Als im Juli 1925 der 29-jährige Metalldruckergehilfe Hermann Lichtenstein in das Wilhelminenspital eingeliefert wurde, konnte man sich das Krankheitsbild des Mannes vorerst nicht erklären. Er litt an Übelkeit, Erbrechen und hatte starke Schmerzen im Magen, Bauchbereich und den Gliedmaßen. Bereits in Spitalspflege trat zusätzlich starker Haarausfall ein Erst am 1. September konnte Lichtenstein mit der Diagnose eines „akuten Magen- und Darmkartharres“ entlassen werden.
Acht Tage später wurde er wieder mit den gleichen Krankheitserscheinungen in das Wilhelminenspital eingeliefert, wo sein Gesundheitszustand sich täglich verschlechterte. Am 19. September sah sich schließlich die Spitalsleitung veranlasst, Anzeige bei der Polizei zu machen, da man nun den Verdacht hatte, dem Mann sei Gift verabreicht worden. Bei einer polizeilichen Befragung durch einen Kriminalbeamten konnte der todkranke Patient allerdings noch den Verdacht äußern, dass ihm seine Frau in den Speisen und Getränken Gift verabreicht hätte. Am 27. September 1925 verstarb Hermann Lichtenstein.
Die angeordnete Obduktion ergab geringe Mengen von Arsen, die jedoch keine tödlichen Folgen verursacht haben dürften. Man war sich sicher, dass der Mann vergiftet worden war, konnte aber keines der gängigen Gifte im Körper nachweisen.
Nachdem die gesamte Umgebung und alle Verwandten des Ehepaares Lichtenberg befragt waren, fand man auch ein mögliches Motiv. Die Ehe war zutiefst zerrüttet und Hermann Lichtenstein stand seiner Frau Leopoldine bei der Anbahnung neuer Verhältnisse offensichtlich im Weg, auch sie schien ihren Mann abgrundtief verachtet zu haben. Dazu hatte sich ihre Begehrlichkeit längst auf die dem Ehemann gehörende gemeinsame Wohnung in der Rankgasse 29 in Ottakring gerichtet.
Am 8. November 1926 wurde die Witwe in Polizeihaft genommen und weiteren Verhören unterzogen, die schließlich zum Erfolg führten: Leopoldine Lichtenstein gestand, Zelio Rattengiftpaste in alle Speisen und Getränke ihres Mannes gemengt zu haben und noch dem Spitalpatienten bei ihren Krankenbesuchen vergiftete Getränke verabreicht zu haben. Diese, erst im Krankenhaus, praktisch unter den Augen der arglosen Ärzte und Pfleger verabreichen Giftmengen, hatten dann den Tod des Patienten herbeigeführt.
Da das gängige Zelio Rattengift mit dem Wirkstoff Thallium (einem Metallgift) bisher noch nie für kriminelle Handlungen verwendet worden war, hatte es keine Vergleichsgutachten gegeben, was die ärztliche Untersuchung so erschwert hatte.
Die Giftmischerin verantwortete sich bei der Gerichtsverhandlung, die wegen der komplizierten toxikologischen Gutachten erst im März 1927 stattfand, damit, ihren Mann nur schwächen gewollt zu haben um durch die Pflege des Erkrankten seine Zuneigung wieder zu erringen. Eine Tötungsabsicht wäre ihr fern gelegen.
Die Geschworenen schlossen sich teilweise dieser Argumentation an und Leopoldine Lichtenstein wurde wegen Totschlages, jedoch zu acht Jahren schwerem Kerker, verurteilt.
Der Kriminalfall ging durch alle Zeitungen und fand größte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Die Giftmischerin sollte dadurch bald Nachahmerinnen finden – Zelio Rattengift war im wahrsten Sinne „bald in viele Munden…“
Quellen- Tatort Wien (2. Band, Die Zeit von 1925 - 1944, von Harald Seyrl) Seite 221 - ISBN 3-911697-10-1