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  1961-1980          (2. Teil)



Der Fall – Manfred Buchholz

 

Mutter und Stiefvater Buchholz waren als sehr fromme Leute bekannt. Jeden Morgen vor dem Frühstück wurde gebetet. So auch am Sonntag, dem 5. April 1959. Manfred (geb. am 2. April 1941 in Berlin) hatte den Tee gekocht. Er schenkte Mutter, Vater und sich selbst ein. Nach dem ersten Schluck verzog bereits der Vater das Gesicht und gab seiner Frau zu versuchen, weil der Tee so bitter schmeckte. Gleich darauf rang auch Frau Buchholz nach Luft, verdrehte die Augen, stürzte zum Fenster und brach dort ohnmächtig zusammen.

 

Inzwischen war Karin, die Hausangestellte, erschienen. Sie sah, daß es den beiden Alten schlecht war. Man­fred schickte sie weg, um einen Arzt zu holen. Dieser konnte nur noch den Tod der Eltern feststellen. Er roch den starken Mandel-Geruch und injizierte Manfred eine Spritze mit Gegengift. Als er außer Lebensge­fahr war, wurde er im Krankenhaus vernommen.

 

Nach anfänglichem Leugnen gestand er den Giftmord an seiner Mutter. Den Stiefvater mußte er mit ermor­den, »weil die Polizei sonst dahinter gekommen wäre. Ich wollte einen perfekten Mord begehen.« Bei Manfred Buchholz war weniger die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit ausschlaggebend für das Mord­motiv, als vielmehr der wirtschaftliche Wohlstand seiner Eltern.

 

Die Mutter, Anna Peitsch, hatte Manfred sehr spät bekommen. Um dem ungewollten Kind einen Namen geben zu können, heiratete sie per Ferntrauung einen wesentlich jüngeren Soldaten, der später im Krieg gefallen ist.

Nie bekam der Junge ein Bild seines Vaters zu Gesicht, nie erzählte ihm die Mutter von ihm. Darunter litt Manfred.

 

Die Mutter unterhielt eine Näherei mit mehreren Angestellten. Ihren Sohn hielt sie stets unter scharfer Bewachung. Kontakt mit anderen Kindern wurde ihm untersagt. Sie war eine herrschsüchtige, jähzornige Frau, die ihren Sohn vor den Angestellten ohrfeigte - und wieder zärtlich abküßte. Als sie Herrn Buchholz heiratete, nahm sie seine Karriere in die Hand und machte ihn zum Geschäftsinhaber eines Lotterie-Ladens. Sie verbot ihrem Sohn, ins Kino zu gehen oder zum Tanzen, aber mit dem Mädchen, das er kannte, durfte er in ihrer Wohnung schlafen. Als er einmal betrunken nach Hause kam, schimpfte sie ihn: »Du Peitsch-Bock!« Sie kränkte ihn mit dem Namen seines leiblichen Vaters.

Den Zwang und die Herrschsucht seiner Mutter hielt Manfred nicht mehr aus. So kamen ihm die Mordge­danken.

 

Er war kaufmännischer Lehrling in einer pharmazeutischen Fabrik und kannte sich mit Giften aus. Im November 1958 beschaffte er sich Natrium-Cyanid, ein sehr schnell wirkendes Gift. Auslösendes Moment zur Durchführung der Tat war ein 20jähriges Mädchen, in das sich der 17jährige Manfred verliebt hatte. Er traf sich mit dem Mädchen, aber die Mutter spionierte ihm nach, beschimpfte und beleidigte seine Freundin als »Schlampe« und befahl Manfred, sich lieber um Mausi zu kümmern, mit der sie ihren Sohn verkuppeln wollte. Mausi war erst 16 Jahre alt. Der Verkehr mit der 20jährigen wurde im strengstens untersagt.

 

Noch an seinem 18. Geburtstag erhielt er Ohrfeigen von seiner Mutter. Drei Tage nach seinem Geburtstag ermordete Manfred seine Eltern. Am 19. Februar 1960 erhielt er 10 Jahre Jugendgefängnis. Bereits am 7. Januar 1961 brachen zwei Häftlinge aus der Jugendstrafanstalt Plötzensee aus, der Aufseher wurde dabei niedergeschlagen. Manfred Buchholz war der Anstifter und Hauptschläger. Daraufhin wurde Buchholz zu weiteren 23 Jahren Zuchthaus verurteilt.

 

Quellen: - Das große Verbrecherlexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 – S.104 – ISBN  3-88199-146-8



Der Fall -  Inge Marchlowitz und Gerhard Popp    

 

Hunderte von Menschen drängten sich vor dem Gefängnistor. Pressefotografen und Schaulustige belagerten auch das hannoversche Landgericht, um an jenem Januartag des Jahres 1959 wenigstens einen Blick auf die Angeklagten werfen zu können. Auf Inge Marchlowitz, das bildhübsche Mädchen mit dem Kindergesicht, das mit nur 16 Jahren „abenteuerlustige Männer in ein Rendezvous mit dem Tode lockte“, wie die Boulevardpresse schrieb. Und auf Gerhard Popp, den Doppelmörder in Frauenkleidern, der zwei Freier erschossen hatte, um ein paar Hundert Mark zu erbeuten.

 


Mörder in Frauenkleidern: Nach der Verhaftung demonstrierte Gerhard Popp (rechts) mit seiner Komplizin Inge Marchlowitz

noch einmal, wie er verkleidet zwei Männer erschoss.

 

Zwei Jahre zuvor hatten zwei Mordfälle ganz Deutschland bewegt: Seine Armbanduhr tickte noch, als Kanalarbeiter am 19. Dezember 1956 Heinrich B. entdeckten. Der 29-Jährige trieb bei Dedensen im Mittellandkanal, ermordet mit drei Schüssen. Seine Mörder hatten ihn in eine Decke gewickelt und ihm ein VW-Reserverad auf den Rücken gebunden, das aufgeschlitzt und mit Kies gefüllt war. Im Januar darauf verschwand der 37-Jährige Heinz E.; seinen Wagen fand man in einem Wasserloch im Wald bei Hambüren – mit blutverschmierten Sitzen. Erst sieben Monate später entdeckte ein Imker Heinz E.s Leiche in einer Fichtenschonung bei Lindwedel – auch er war erschossen worden.

 

Obwohl eine Belohnung von 10.000 Mark ausgesetzt war, kam die Polizei bei ihren Ermittlungen lange nicht weiter.

 

Der Fall wäre wohl als ungelöstes Rätsel in Hannovers Kriminalgeschichte eingegangen, hätte der notorische Dieb und Räuber Gerhard Popp nicht in seiner Zelle im Gefängnis hinterm Bahnhof vor anderen Häftlingen geprahlt, mehr über die Morde zu wissen. Einer von ihnen gab der Polizei einen Tipp. So geriet Popps junge Freundin Inge Marchlowitz ins Visier der Ermittler.

 

Es wurde nie ganz geklärt, ob die Polizei der 17-Jährigen die falsche Information zuspielte, Popp wolle sie als lästige Mitwisserin ermorden lassen. Sicher ist, dass die verzweifelte Inge Marchlowitz sich mit einer vermeintlichen Freundin, die in Wirklichkeit die Polizei auf sie angesetzt hatte, zum gemeinsamen Selbstmord verabredete. Die Frauen mieteten sich im üblen Bunkerhotel „Stadt Petersburg“ unter dem Klagesmarkt in Kabine 50 ein, um dort Pflanzenschutzmittel zu schlucken.

 

Marchlowitz gestand in ihrem vermeintlich letzten Gespräch die Morde, Polizisten im Nebenzimmer hörten mit – und als sie gerade das Fläschchen an die Lippen setzte, stürmten sie das Zimmer.

 

Die Vita von Inge Marchlowitz bot vielen im aufstrebenden Wirtschaftswunderland Gelegenheit, gruselnd in den sozialen Abgrund zu blicken, dem man selbst glücklich entronnen war. Immer wieder zog die Familie um, wohnte teils in Gartenlauben, zuletzt in Letter. Der Vater saß oft im Gefängnis: Diebstahl, Unterschlagung, Hehlerei. War er frei, trieb er sich herum, verspielte das Geld, trank und schlug. Die Mutter soll ebenfalls Diebesgut verhökert haben – und sie pflegte „Männerbekanntschaften“, wie man damals sagte. Der Slogan „Wohlstand für alle“ war eben eher Zielsetzung als Beschreibung der Wirklichkeit.

 

Inge Marchlowitz galt nach ihrer Verhaftung schnell als Musterbeispiel dafür, dass kein Mensch zum Verbrecher geboren wird: „Wo liegt die Grenze zwischen Schuld und Schicksal?“, fragte die HAZ. Fürs Publikum stand schnell fest, dass die junge Frau praktisch unschuldig in schlimme Verbrechen hineingeraten war.

Sie war ein Opfer. Inge Marchlowitz war so, wie das ganze Land in den Jahren nach der NS-Diktatur gern gewesen wäre.

 

Als sie sechs Jahre alt war, lernt sie Gerhard Popp kennen. Der 20 Jahre ältere Eisenbahnheizer aus Pommern ist vom Krieg entwurzelt. Immer wieder sitzt er im Gefängnis, immer wieder bricht er aus. Mal stiehlt er Kupferkabel, mal springt er mit seiner Bande auf Güterzüge auf, um sie auszuplündern. Dabei lernt er Inges Vater kennen – und eines Tages bringt dieser den Mann mit nach Hause, den Inge „Onkel Ede“ nennt.

 

„Meine Eltern haben mich immer wegwerfend behandelt. Popp hat mich verstanden“, sagte Marchlowitz später. Zwischen beiden entsteht eine fatale symbiotische Beziehung, ein Verhältnis von sklavischer Abhängigkeit. Bei „Mutproben“ fesselt Popp das Mädchen und befiehlt ihm, sich zu befreien. Er schlägt Inge auf die Fingerkuppen und gibt ihr für jeden Schlag einen Pfennig. Sie hält aus, bis sie genug Geld beisammen hat, um ihrer Mutter Zigaretten zu kaufen. Ein andermal soll er sie dafür bezahlt haben, drei Zigaretten zu essen. Inges Mutter, die zunächst selbst Popps Geliebte war, soll zugesehen und das Geld kassiert haben. „Wenn er gesagt hätte, ich solle ins Wasser gehen, dann hätte ich es getan“, sagte Inge Marchlowitz später.

 

Für Popp erträgt sie alle Schmerzen – und dieser richtet sie regelrecht zur Verbrecherin ab. Mit zwölf Jahren verkauft sie für ihn Diebesgut. Mit 13 lernt sie von ihm Schießen. Mit 14 wird sie seine Geliebte. Sie ist bei einem brutalen Raubüberfall auf eine Konsum-Filiale in Misburg dabei, bei dem zwei Menschen angeschossen werden. Mit 17 bringt sie in einem Entbindungsheim einen Sohn zur Welt. Popp ist der Vater.

 

Zu diesem Zeitpunkt sind Heinrich B. und Heinz E. bereits tot. Die Details ihrer Ermordung gingen nach der Gerichtsverhandlung 1959 bundesweit durch die Presse: Auf der Goethestraße und in einem Café in der Innenstadt hatte sich Inge Marchlowitz von den Männern ansprechen lassen und „Liebesfahrten“ im Auto verabredet. Bei der Abfahrt bat sie jeweils, ihre „Cousine Gerda“ noch ein Stück mitzunehmen – der mit Rock, Kopftuch, Perücke und Brille als Frau verkleidete Popp setzte sich auf den Rücksitz.

 

„Unterwegs unterhielt ich mich eifrig mit dem Fahrer, damit er meine angebliche Cousine nicht ansprechen sollte“, sagte Inge Marchlowitz vor Gericht. In einer einsamen Gegend bei Krähenwinkel hielten sie an. Dort habe Popp dann Heinrich B. erschossen – ebenso wie später Heinz E., der nach den Schüssen lautlos auf dem Fahrersitz zusammengesackt sei. Gemeinsam habe man den Männern dann das Geld abgenommen und die Leichen entsorgt. Das Schwurgericht verurteilte Popp zu lebenslanger Haft, Marchlowitz bekam sieben Jahre Jugendstrafe. Nach der Urteilsverkündung gingen ihre Eltern auf Inge zu. Ihrem Vater reichte sie die Hand. Mutter und Tochter würdigten einander keines Blickes.

 

Immer wieder kamen in den kommenden Jahren Gerüchte auf, in Wirklichkeit habe Inge Marchlowitz die Schüsse abgegeben. Auch Popp behauptete das, als er sich in den sechziger Jahren – vergeblich – um eine Wiederaufnahme des Verfahrens bemühte. Erst 1979 wurde er nach einem Gnadenakt des Ministerpräsidenten aus der Justizvollzugsanstalt Celle entlassen.

 

Inge Marchlowitz kam schon 1963 aus dem Frauengefängnis Vechta frei. Sie soll zunächst in Bayern gelebt haben; die fraglichen Akten im Hauptstaatsarchiv Hannover sind bis 2040 gesperrt.

 

Sicher ist, dass sie – wie auch Popp – eine neue Identität bekam – um sie vor ihrer eigenen Vergangenheit zu schützen.

 

Quelle: - Hannoversche Allgemeine (Simon Benne) vom 28.02.2009

 

 


Der Fall -  Salvatore Agron

 

Salvador Agron (eigentlich: Salvatore Agron) genannt „The Capeman“ (deutsch: „Der Umhangmann“ beziehungsweise „Der Mann mit dem Umhang“) ist ein Doppelmörder aus dem Jahre 1959.

 

Der damals sechzehnjährige Agron war Mitglied in einer Gang namens „The Vampires“. 1959 ging Salvador Agron mit seinen Gangkameraden Tony Hernandez, Pepé und einigen anderen zu einem Spielplatz in der Hell’s Kitchen-Nachbarschaft in Manhattan.

 


          Salvador Agron  "The Capeman"                                          Luis Tony Hernandez



Man war auf der Suche nach einer irischen Gang namens „The Norsemen“. Diese Gang traf allerdings nicht ein, nur eine Gruppe von Jugendlichen war zu sehen. Nach einigen Provokationen kam es zu einer Schlägerei. Dabei erstach Salvador Agron mit Unterstützung von Tony Hernandez zwei der Jugendlichen – Anthony Krzesinski und Robert Young, Jr. Die „Vampires“ flüchteten, und die Polizei fand Young tot in dessen Apartment, in das er sich nach der Dolchattacke schleppen konnte und wo er anschließend verblutete. Kreszinski wurde ein Haus weiter in einer Blutlache gefunden.

 

Am Abend der Morde trug Salvador Agron einen schwarzen Umhang mit rotem Futter, Tony Hernandez trug einen Regenschirm, dessen Spitze er als Waffe nutzte, bei sich. Die Presse nannte Salvador Agron deshalb „The Cape Man“, Tony Hernandez „The Umbrella Man“.

 

Agron und Hernandez sowie die anderen Gangmitglieder wurden gefasst und verurteilt. Der sechzehnjährige „Cape Man“ wurde zum Tode verurteilt und war zum damaligen Zeitpunkt der Jüngste, der diese Strafe erhalten sollte. Die Todesstrafe sollte mittels der Giftspritze vollstreckt werden, doch der damalige Gouverneur von New York Nelson A. Rockefeller wandelte 1962 die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe um.

 

Quellen: -wikipedia.de



Der Fall - Dean Corll

 

Dean Corll war bekannt unter dem Namen „The Candy Man“.

Er wurde am 24. Dezember in Fort Wayne (Indiana) geboren und starb am 8. August in Pasadena, Texas.

Er war ein homosexueller US-amerikanischer Serienmörder, der Anfang der 1970er Jahre zusammen mit zwei jugendlichen Komplizen namens Elmer Wayne Henley und David Owen Brooks mindestens 27 Sexualmorde an Jungen und jungen Männern begangen hat. In den Medien wurde der Fall als Massenmord von Houston bezeichnet.

 

Nachdem die Ehe seiner Eltern zerbrochen war, zog Corll mit seiner Mutter nach Houston. Er galt als guter und wohlerzogener Schüler. Wegen eines Herzleidens war er vom Sportunterricht befreit. Nach Abschluß der Highschool war er im Süßwarengeschäft seiner Mutter angestellt. Es wird angenommen, daß er während seines Militärdienstes, zu dem er 1964 einberufen wurde, erstmalig seine homosexuelle Seite bemerkte. Als Teenager hatte er sich für Mädchen interessiert.


   Dean Corll - 1964 beim Militär


Bereits 1965 wurde er freigestellt, um seiner Mutter wieder beim Betreiben ihres Geschäfts helfen zu können. Später übernahm er dieses selbst. Da er regelmäßig kostenlos Bonbons an die Nachbarskinder verteilte, verliehen diese ihm den später von den Medien aufgegriffenen Spitznamen Candyman. Obwohl dies in der Nachbarschaft durchaus kritisch gesehen wurde, stellte später niemand eine gedankliche Verbindung zu der sprunghaft angestiegenen Anzahl junger männlicher Vermißter her.


1968 löste er das Geschäft auf und begann eine Ausbildung zum Elektriker. Während dieser lernte er 1970 einen fünfzehnjährigen Jungen namens David Brooks kennen, der bisher ein vielversprechender Einserschüler gewesen war, dessen schulische Leistungen sich aber zu verschlechtern begonnen hatten und der bereits einige kleinere Diebstähle begangen hatte. Corll bezahlte Brooks, der bald zu ihm in sein Haus in Pasadena zog, für Analverkehr.

 

Spätestens 1971, vermutlich aber bereits früher, begann Corll mit seiner Serie von Entführungen, Vergewaltigungen und Morden. Seine Opfer vergrub er in seinem Bootsschuppen und in ländlichen Gebieten in der Umgebung der Stadt. Brooks gab später an, Corll einmal beim Vergewaltigen zweier an ein Bett gebundener Jungen angetroffen zu haben. Corll habe sich sein Schweigen mit einer Chevrolet Corvette erkauft, die beiden Jungen habe er danach nie wieder gesehen.


Corlls Wohnhaus       Corlls jugendliche Opfer


Kurz nach diesem Ereignis machte Corll die Bekanntschaft des vierzehnjährigen Elmer Wayne Henley. Dieser kam aus zerrütteten Familienverhältnissen und hatte ein Alkoholproblem. Bald brach er die Schule ab, um zu arbeiten und so seine geschiedene Mutter und seine drei jüngeren Brüder finanziell unterstützen zu können. Wahrscheinlich hatte Corll Henley ursprünglich als Opfer vorgesehen, änderte aber seine Absicht, als ihm klar wurde, daß Henley die meisten anderen Jugendlichen in der Umgebung kannte. Henley begann alsbald damit, Corll beim Anlocken von Opfern zu helfen und nahm schließlich auch aktiv an Tötungen teil.


Die Mehrzahl der Opfer waren Teenager, das jüngste war neun Jahre alt, das älteste 21. Die meisten stammten aus einkommensschwachen Familien in Houston. Viele waren bei der Polizei als vermißt gemeldet und wurden ungeachtet des besorgten Protests ihrer Eltern als Ausreißer geführt. Corll lockte sie häufig durch Partys in sein Haus, bei denen Alkohol und Drogen konsumiert wurden. Manche Opfer hatten bereits mehrmals an solchen Partys teilgenommen. Mindestens einer seiner jugendlichen Mittäter begleitete Corll üblicherweise bei der Suche nach Opfern. Diese waren durch die Anwesenheit anderer Jungen in seinem Wagen weniger mißtrauisch, als wenn er alleine gewesen wäre.

 

Zur Aufdeckung der Serie kam es am 8. August 1973 nur, weil der inzwischen siebzehnjährige Henley nach einem Streit Corll erschossen hatte.

 

Brooks war bei diesen Ereignissen nicht zugegen. Ungefähr um drei Uhr morgens an diesem Tag war Henley in Begleitung eines Jungen namens Tim Kerley und eines Mädchens namens Rhonda Williams in Corlls Haus erschienen. Kerley war als Corlls nächstes Opfer vorgesehen, die fünfzehnjährige Williams war Kelleys Freundin. Corll war zunächst wütend, weil Henley ein Mädchen mitgebracht hatte. Nachdem er sich beruhigt hatte, begann man zusammen Alkohol zu trinken. Nachdem die Jugendlichen das Bewußtsein verloren hatten, fesselte Corll sie. Als sie wieder zu sich kamen, fuchtelte er mit einer Pistole vom Kaliber 22 herum und drohte verärgert, sie alle zu töten. Henley gelang es zunächst, ihn zu beruhigen, so daß er die Waffe zur Seite legte und ihn losband. Als Corll dann jedoch darauf bestand, Kerley zu vergewaltigen und zu töten und von Henley verlangte, dasselbe mit Williams zu tun, lehnte Henley dies ab. Daraufhin kam es zu einer Rangelei, die damit endete, daß Henley die Pistole zu fassen bekam und Corll mit sechs Schüssen auf der Stelle tötete. Nachdem er die anderen beiden Jugendlichen befreit hatte, rief er die Polizei. Während sie vor dem Haus auf die Polizei warteten, äußerte er Kerley gegenüber:

„Ich hätte 200 Dollar für dich bekommen können.“

Offensichtlich war dies das üblicherweise von Corll für die Rekrutierung neuer Opfer gezahlte Honorar.

 

  Dean Corll          Elmer Wayne Henley


Im Verhör gab Henley an, daß er und Brooks Corll bei der Beschaffung von Opfern geholfen hätten, der diese dann vergewaltigt und ermordet habe. Diese Aussage stieß bei der Polizei zunächst auf Skepsis, da man davon ausgegangen war, es nur mit einer Tötung - nämlich der an Corll - zu tun zu haben und diese als Folge eines alkoholbedingten Streits einordnete. Eine Durchsuchung von Corlls Haus bestätigte jedoch seine Angaben. Gefunden wurde eine Art Folterbank mit Handschellen an jeder Ecke, einige Dildos, zahlreiche Seile sowie ein hölzerner Verschlag mit Luftlöchern und darin menschliche Haare.


Später an diesem Tag erschien Brooks in Begleitung seines Vaters bei der Polizei. Während Brooks darauf beharrte, nichts von den Straftaten gewußt zu haben, kooperierte Henley bei der Aufklärung. Er beschrieb nicht nur detailliert die Morde Corlls, sondern gab auch zu, eines der Opfer selbst erschossen zu haben.


Im von Corll seit einigen Jahren gemieteten Bootsschuppen im Südwesten von Houston grub man nach einem Hinweis Henleys insgesamt 17 Leichen aus, einige waren in Plastik eingewickelt. Zehn weitere Opfer fand man an verschiedenen anderen Orten, teilweise in Crystal Beach im benachbarten Chambers County. Henley bestand darauf, daß es noch drei weitere Opfer gebe, diese fand man jedoch nie.


Einige Opfer waren erschossen worden, andere hatten noch die Schlinge um den Hals, mit denen sie stranguliert worden waren. Alle waren anal vergewaltigt worden, teilweise auch mit Gegenständen. Einige waren kastriert oder in sonstiger Weise im Genitalbereich verstümmelt worden - im Bootsschuppen fand man auch einen Container mit mehreren abgetrennten Geschlechtsteilen - anderen waren die Schamhaare einzeln ausgerissen worden. In den Harnröhren fanden sich teilweise zertrümmerte Glasstäbe.


Im Oktober 2008 wurden die Überreste von Randell Lee Harvey die im August 1973 gefunden wurden identifiziert. 37 Jahre nach seinem Verschwinden wurde Harvey als weiteres Opfer von Dean Corll erfaßt.

 

Da Corll selbst als Toter nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden konnte - als ehemaliger Soldat erhielt er sogar ein Begräbnis mit militärischen Ehren - wurden nur Henley und Brooks angeklagt. Henley wurde wegen sechsfachen Mordes angeklagt und 1974 zu sechsmal 99 Jahren Haft verurteilt. Die Tötung Corlls war davon nicht erfaßt, diese wurde als Notwehr betrachtet. Brooks wurde wegen eines Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Eine Haftprüfung findet alle drei Jahre statt. Bisher wurde eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung stets abgelehnt. Im Jahr 2006 befanden sich beide noch in Haft.

 

Zu seiner Zeit war dies gemessen an der Zahl der Opfer der bislang schlimmste Fall von Serienmord in den USA, der sogar die 25 Opfer des Juan Vallejo Corona noch übertraf. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und veranlaßte den Papst zu einem Kommentar, er bezeichnete die Natur der Verbrechen als "abscheulich" und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.


Das Houston Police Department wurde in der Folge von diesen Familien scharf kritisiert, weil man die vermißten Kinder als Ausreißer behandelt und keiner Ermittlung für wert befunden hatte. Darunter waren zwei Familien, die jeweils zwei Söhne durch Corll und seine Komplizen verloren hatten.

Henley hat während seiner Inhaftierung begonnen zu malen. Der Verkauf einiger seiner Bilder bei ebay sorgte für Empörung.

 

Quellen: Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

 



Der Fall – Eva Maria Helene Mariotti

 

Sie war schön. Sie war begehrt. Sie war geheimnisvoll. Eine schillernde Person mit undurchsichtigem Privatleben, Besitzerin mehrerer Pässe mit wohlklingenden Namen, angeblich die Geliebte von Reichen und Mächtigen. Eine, die den Stoff für Filme liefern könnte. Und tatsächlich eine, die Hamburger Justizgeschichte schrieb - als einzigartiger Fall, als tragischer Fall.


Eva Maria Mariotti, angeklagt wegen Raubmordes, wurde dreimal der Prozeß gemacht, der einmal ergebnislos abgebrochen wurde, beim zweiten Mal mit einer Verurteilung zu lebenslangem Zuchthaus endete. Im dritten Anlauf, am 14. Juli 1965, schließlich der Freispruch. Ein Sieg für die Angeklagte? Ganz sicher. Aber kein glanzvoller Triumph. Denn da hatte die damals 47jährige rund 1300 Tage in Untersuchungshaft gesessen, war körperlich und nervlich schwer angeschlagen, von den Prozessen gezeichnet.


Der Mord an der wohlhabenden Zahnarztwitwe Maria Moser am 28. Juni 1946 am Loogestieg in Eppendorf: Schnell gerät ein Bekannter des Opfers in Verdacht, die Tat begangen zu haben, bei der der Zahnarztwitwe ein Pelzmantel und ein Morgenmantel geraubt werden. Ihren in ihr Korsett eingenähten kostbaren Schmuck findet der Täter nicht. Der gebürtige Tschechoslowake wird später in seiner Heimat wegen Mordes zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Und er wird zum Hauptbelastungszeugen gegen Eva Maria Mariotti, von der der Mann sagt, sie sei die Auftraggeberin und eigentliche Mörderin gewesen, die das Opfer, das er niedergeschlagen habe, schließlich erdrosselt habe. Interpol jagt die Verdächtige um den halben Erdball, nach 17 Jahren wird sie im Oktober 1960 im brasilianischen São Paulo gefaßt und an Deutschland ausgeliefert.

Hier beginnt in Hamburg 1963 der erste Prozeß gegen die zierliche Angeklagte. Am 11. Juli die Sensation. Dreimal wird Eva Maria Mariotti vom Untersuchungsgefängnis in den Schwurgerichtssaal geführt, zweimal vergebens. Um 20 Uhr - die Angeklagte zittert, ist dem Zusammenbruch nahe - die Entscheidung: Das Verfahren wird ausgesetzt, die Staatsanwaltschaft soll weiter ermitteln. Wie eine Bewußtlose wird die damals 45jährige aus dem Saal geschleppt, es beginnt eine neue Zeit des Wartens.


Und ein neuer Prozeß, der sechs Monate später beginnt. "Ich habe keinen Menschen getötet. Bitte glauben Sie mir. Ich bin unschuldig", fleht die Angeklagte, von einem Weinkrampf geschüttelt, die Richter an. Ihr Verteidiger Bernhard Servatius nennt seine Mandantin "eine einsame, gequälte, hilflose Figur auf der Bühne eines düsteren Dramas". Sie habe kein Motiv zu rauben und zu morden, betont der Anwalt. Der Hauptbelastungszeuge, der behauptete, sie sei die eigentliche Täterin, er habe ihr mit der Tat lediglich einen "Liebesdienst erwiesen", sei nicht glaubwürdig. Doch das Urteil lautet am 12. März 1964 auf lebenslange Haft wegen Mordes und besonders schweren Raubes. Eva Maria Mariotti bricht nach dem Urteil schluchzend zusammen.


Doch die Gerichtsentscheidung wird vom Bundesgerichtshof aufgehoben, ein dritter Mariotti-Prozeß beginnt am 31. März 1965. Erstmals schweigt die Angeklagte konsequent - ein Verhalten, von dem der Staatsanwalt in seinem Plädoyer meint, es könne nur bedeuten, daß sie etwas zu verbergen habe. Daraufhin kommt es zu einem sensationellen Einschreiten des Generalstaatsanwalts. Dieser betont, mitten im Plädoyer des Anklägers, das Schweigen der Angeklagten sei verständlich. Es erscheine "einleuchtend, wenn sie die Tat nicht begangen hat".


Ihr Verteidiger Servatius greift erneut die Aussage des Kronzeugen an, deckt Widersprüche in dessen Aussage auf. Am 14. Juli 1965 ergeht der Freispruch des Schwurgerichts, begleitet von Beifall und Bravorufen im Gerichtssaal. Eva Maria Mariotti kann nicht jubeln: Sie stammelt "Mama, Mama", bricht zusammen.


Fast vier Jahre lang hat sie in Untersuchungshaft verbracht, eine Zeit zwischen Hoffnung und Verzweiflung, eine Zeit enormer psychischer und körperlicher Strapazen, eine Zeit quälenden Wartens. Sie erhält eine Wiedergutmachungssumme von 200 000 Mark, geht nach Gran Canaria und eröffnet einen Kunstgewerbeladen. Als ihr Paß abläuft, vergißt sie, ihn zu verlängern.


1972 fällt sie von einer Leiter, wird von einem Arzt operiert, von dem sie nicht weiß, daß er alkoholkrank ist. Er verpfuscht ihr Hüftgelenk, sie muß an Krücken gehen, leidet ständig unter Schmerzen. Sie möchte zurück nach Deutschland, um sich erneut operieren zu lassen, doch die Behörden verweigern ihr die Einreise.


Sie stirbt einsam und verarmt.

 

Quellen: - Hamburger Abendblatt, 20. Februar 2006