Mutter
und Stiefvater Buchholz waren als sehr fromme Leute bekannt. Jeden Morgen vor
dem Frühstück wurde gebetet. So auch am Sonntag, dem 5. April 1959. Manfred
(geb. am 2. April 1941 in Berlin) hatte den Tee
gekocht. Er schenkte Mutter, Vater und sich selbst ein. Nach dem ersten Schluck
verzog bereits der Vater das Gesicht und gab seiner Frau zu versuchen, weil der
Tee so bitter schmeckte. Gleich darauf rang auch Frau Buchholz nach Luft,
verdrehte die Augen, stürzte zum Fenster und brach dort ohnmächtig zusammen.
Inzwischen
war Karin, die Hausangestellte, erschienen. Sie sah, daß es den beiden Alten
schlecht war. Manfred schickte sie weg, um einen Arzt zu holen. Dieser konnte
nur noch den Tod der Eltern feststellen. Er roch den starken Mandel-Geruch und
injizierte Manfred eine Spritze mit Gegengift. Als er außer Lebensgefahr war,
wurde er im Krankenhaus vernommen.
Nach
anfänglichem Leugnen gestand er den Giftmord an seiner Mutter. Den Stiefvater
mußte er mit ermorden, »weil die Polizei sonst dahinter gekommen wäre. Ich
wollte einen perfekten Mord begehen.« Bei Manfred Buchholz war weniger die
schwere Kriegs- und Nachkriegszeit ausschlaggebend für das Mordmotiv, als
vielmehr der wirtschaftliche Wohlstand seiner Eltern.
Die
Mutter, Anna Peitsch, hatte Manfred sehr spät bekommen. Um dem ungewollten Kind
einen Namen geben zu können, heiratete sie per Ferntrauung einen wesentlich
jüngeren Soldaten, der später im Krieg gefallen ist.
Nie
bekam der Junge ein Bild seines Vaters zu Gesicht, nie erzählte ihm die Mutter
von ihm. Darunter litt Manfred.
Die
Mutter unterhielt eine Näherei mit mehreren Angestellten. Ihren Sohn hielt sie
stets unter scharfer Bewachung. Kontakt mit anderen Kindern wurde ihm
untersagt. Sie war eine herrschsüchtige, jähzornige Frau, die ihren Sohn vor
den Angestellten ohrfeigte - und wieder zärtlich abküßte. Als sie Herrn
Buchholz heiratete, nahm sie seine Karriere in die Hand und machte ihn zum
Geschäftsinhaber eines Lotterie-Ladens. Sie verbot ihrem Sohn, ins Kino zu
gehen oder zum Tanzen, aber mit dem Mädchen, das er kannte, durfte er in ihrer
Wohnung schlafen. Als er einmal betrunken nach Hause kam, schimpfte sie ihn:
»Du Peitsch-Bock!« Sie kränkte ihn mit dem Namen seines leiblichen Vaters.
Den
Zwang und die Herrschsucht seiner Mutter hielt Manfred nicht mehr aus. So kamen
ihm die Mordgedanken.
Er
war kaufmännischer Lehrling in einer pharmazeutischen Fabrik und kannte sich
mit Giften aus. Im November 1958 beschaffte er sich Natrium-Cyanid, ein sehr
schnell wirkendes Gift. Auslösendes Moment zur Durchführung der Tat war ein
20jähriges Mädchen, in das sich der 17jährige Manfred verliebt hatte. Er traf
sich mit dem Mädchen, aber die Mutter spionierte ihm nach, beschimpfte und
beleidigte seine Freundin als »Schlampe« und befahl Manfred, sich lieber um
Mausi zu kümmern, mit der sie ihren Sohn verkuppeln wollte. Mausi war erst 16
Jahre alt. Der Verkehr mit der 20jährigen wurde im strengstens untersagt.
Noch
an seinem 18. Geburtstag erhielt er Ohrfeigen von seiner Mutter. Drei Tage nach
seinem Geburtstag ermordete Manfred seine Eltern. Am 19. Februar 1960 erhielt
er 10 Jahre Jugendgefängnis. Bereits am 7. Januar 1961 brachen zwei Häftlinge
aus der Jugendstrafanstalt Plötzensee aus, der Aufseher wurde dabei
niedergeschlagen. Manfred Buchholz war der Anstifter und Hauptschläger.
Daraufhin wurde Buchholz zu weiteren 23 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Quellen:
- Das große Verbrecherlexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 – S.104 –
ISBN3-88199-146-8
Der
Fall -Inge Marchlowitz und Gerhard Popp
Hunderte
von Menschen drängten sich vor dem Gefängnistor. Pressefotografen und
Schaulustige belagerten auch das hannoversche Landgericht, um an jenem
Januartag des Jahres 1959 wenigstens einen Blick auf die Angeklagten werfen zu
können. Auf Inge Marchlowitz, das bildhübsche Mädchen mit dem Kindergesicht,
das mit nur 16 Jahren „abenteuerlustige Männer in ein Rendezvous mit dem Tode
lockte“, wie die Boulevardpresse schrieb. Und auf Gerhard Popp, den
Doppelmörder in Frauenkleidern, der zwei Freier erschossen hatte, um ein paar
Hundert Mark zu erbeuten.
Mörder
in Frauenkleidern: Nach der Verhaftung demonstrierte Gerhard Popp (rechts) mit
seiner Komplizin Inge Marchlowitz
noch einmal, wie er verkleidet zwei Männer
erschoss.
Zwei
Jahre zuvor hatten zwei Mordfälle ganz Deutschland bewegt: Seine Armbanduhr
tickte noch, als Kanalarbeiter am 19. Dezember 1956 Heinrich B. entdeckten. Der
29-Jährige trieb bei Dedensen im Mittellandkanal, ermordet mit drei Schüssen.
Seine Mörder hatten ihn in eine Decke gewickelt und ihm ein VW-Reserverad auf
den Rücken gebunden, das aufgeschlitzt und mit Kies gefüllt war. Im Januar
darauf verschwand der 37-Jährige Heinz E.; seinen Wagen fand man in einem
Wasserloch im Wald bei Hambüren – mit blutverschmierten Sitzen. Erst sieben
Monate später entdeckte ein Imker Heinz E.s Leiche in einer Fichtenschonung bei
Lindwedel – auch er war erschossen worden.
Obwohl
eine Belohnung von 10.000 Mark ausgesetzt war, kam die Polizei bei ihren
Ermittlungen lange nicht weiter.
Der
Fall wäre wohl als ungelöstes Rätsel in Hannovers Kriminalgeschichte
eingegangen, hätte der notorische Dieb und Räuber Gerhard Popp nicht in seiner
Zelle im Gefängnis hinterm Bahnhof vor anderen Häftlingen geprahlt, mehr über
die Morde zu wissen. Einer von ihnen gab der Polizei einen Tipp. So geriet
Popps junge Freundin Inge Marchlowitz ins Visier der Ermittler.
Es
wurde nie ganz geklärt, ob die Polizei der 17-Jährigen die falsche Information
zuspielte, Popp wolle sie als lästige Mitwisserin ermorden lassen. Sicher ist,
dass die verzweifelte Inge Marchlowitz sich mit einer vermeintlichen Freundin,
die in Wirklichkeit die Polizei auf sie angesetzt hatte, zum gemeinsamen
Selbstmord verabredete. Die Frauen mieteten sich im üblen Bunkerhotel „Stadt
Petersburg“ unter dem Klagesmarkt in Kabine 50 ein, um dort
Pflanzenschutzmittel zu schlucken.
Marchlowitz
gestand in ihrem vermeintlich letzten Gespräch die Morde, Polizisten im
Nebenzimmer hörten mit – und als sie gerade das Fläschchen an die Lippen
setzte, stürmten sie das Zimmer.
Die
Vita von Inge Marchlowitz bot vielen im aufstrebenden Wirtschaftswunderland
Gelegenheit, gruselnd in den sozialen Abgrund zu blicken, dem man selbst glücklich
entronnen war. Immer wieder zog die Familie um, wohnte teils in Gartenlauben,
zuletzt in Letter. Der Vater saß oft im Gefängnis: Diebstahl, Unterschlagung,
Hehlerei. War er frei, trieb er sich herum, verspielte das Geld, trank und
schlug. Die Mutter soll ebenfalls Diebesgut verhökert haben – und sie pflegte
„Männerbekanntschaften“, wie man damals sagte. Der Slogan „Wohlstand für alle“
war eben eher Zielsetzung als Beschreibung der Wirklichkeit.
Inge
Marchlowitz galt nach ihrer Verhaftung schnell als Musterbeispiel dafür, dass
kein Mensch zum Verbrecher geboren wird: „Wo liegt die Grenze zwischen Schuld
und Schicksal?“, fragte die HAZ. Fürs Publikum stand schnell fest, dass die
junge Frau praktisch unschuldig in schlimme Verbrechen hineingeraten war.
Sie
war ein Opfer. Inge Marchlowitz war so, wie das ganze Land in den Jahren nach
der NS-Diktatur gern gewesen wäre.
Als
sie sechs Jahre alt war, lernt sie Gerhard Popp kennen. Der 20 Jahre ältere
Eisenbahnheizer aus Pommern ist vom Krieg entwurzelt. Immer wieder sitzt er im
Gefängnis, immer wieder bricht er aus. Mal stiehlt er Kupferkabel, mal springt
er mit seiner Bande auf Güterzüge auf, um sie auszuplündern. Dabei lernt er
Inges Vater kennen – und eines Tages bringt dieser den Mann mit nach Hause, den
Inge „Onkel Ede“ nennt.
„Meine
Eltern haben mich immer wegwerfend behandelt. Popp hat mich verstanden“, sagte
Marchlowitz später. Zwischen beiden entsteht eine fatale symbiotische
Beziehung, ein Verhältnis von sklavischer Abhängigkeit. Bei „Mutproben“ fesselt
Popp das Mädchen und befiehlt ihm, sich zu befreien. Er schlägt Inge auf die
Fingerkuppen und gibt ihr für jeden Schlag einen Pfennig. Sie hält aus, bis sie
genug Geld beisammen hat, um ihrer Mutter Zigaretten zu kaufen. Ein andermal
soll er sie dafür bezahlt haben, drei Zigaretten zu essen. Inges Mutter, die
zunächst selbst Popps Geliebte war, soll zugesehen und das Geld kassiert haben.
„Wenn er gesagt hätte, ich solle ins Wasser gehen, dann hätte ich es getan“,
sagte Inge Marchlowitz später.
Für
Popp erträgt sie alle Schmerzen – und dieser richtet sie regelrecht zur
Verbrecherin ab. Mit zwölf Jahren verkauft sie für ihn Diebesgut. Mit 13 lernt
sie von ihm Schießen. Mit 14 wird sie seine Geliebte. Sie ist bei einem
brutalen Raubüberfall auf eine Konsum-Filiale in Misburg dabei, bei dem zwei
Menschen angeschossen werden. Mit 17 bringt sie in einem Entbindungsheim einen
Sohn zur Welt. Popp ist der Vater.
Zu
diesem Zeitpunkt sind Heinrich B. und Heinz E. bereits tot. Die Details ihrer
Ermordung gingen nach der Gerichtsverhandlung 1959 bundesweit durch die Presse:
Auf der Goethestraße und in einem Café in der Innenstadt hatte sich Inge
Marchlowitz von den Männern ansprechen lassen und „Liebesfahrten“ im Auto
verabredet. Bei der Abfahrt bat sie jeweils, ihre „Cousine Gerda“ noch ein
Stück mitzunehmen – der mit Rock, Kopftuch, Perücke und Brille als Frau
verkleidete Popp setzte sich auf den Rücksitz.
„Unterwegs
unterhielt ich mich eifrig mit dem Fahrer, damit er meine angebliche Cousine
nicht ansprechen sollte“, sagte Inge Marchlowitz vor Gericht. In einer einsamen
Gegend bei Krähenwinkel hielten sie an. Dort habe Popp dann Heinrich B.
erschossen – ebenso wie später Heinz E., der nach den Schüssen lautlos auf dem
Fahrersitz zusammengesackt sei. Gemeinsam habe man den Männern dann das Geld
abgenommen und die Leichen entsorgt. Das Schwurgericht verurteilte Popp zu
lebenslanger Haft, Marchlowitz bekam sieben Jahre Jugendstrafe. Nach der
Urteilsverkündung gingen ihre Eltern auf Inge zu. Ihrem Vater reichte sie die
Hand. Mutter und Tochter würdigten einander keines Blickes.
Immer
wieder kamen in den kommenden Jahren Gerüchte auf, in Wirklichkeit habe Inge
Marchlowitz die Schüsse abgegeben. Auch Popp behauptete das, als er sich in den
sechziger Jahren – vergeblich – um eine Wiederaufnahme des Verfahrens bemühte.
Erst 1979 wurde er nach einem Gnadenakt des Ministerpräsidenten aus der
Justizvollzugsanstalt Celle entlassen.
Inge
Marchlowitz kam schon 1963 aus dem Frauengefängnis Vechta frei. Sie soll
zunächst in Bayern gelebt haben; die fraglichen Akten im Hauptstaatsarchiv
Hannover sind bis 2040 gesperrt.
Sicher
ist, dass sie – wie auch Popp – eine neue Identität bekam – um sie vor ihrer
eigenen Vergangenheit zu schützen.
Quelle:
- Hannoversche Allgemeine (Simon Benne) vom 28.02.2009
Der
Fall -Salvatore Agron
Salvador
Agron (eigentlich: Salvatore Agron) genannt „The Capeman“ (deutsch: „Der
Umhangmann“ beziehungsweise „Der Mann mit dem Umhang“) ist ein Doppelmörder aus
dem Jahre 1959.
Der
damals sechzehnjährige Agron war Mitglied in einer Gang namens „The Vampires“.
1959 ging Salvador Agron mit seinen Gangkameraden Tony Hernandez, Pepé und
einigen anderen zu einem Spielplatz in der Hell’s Kitchen-Nachbarschaft in
Manhattan.
Salvador Agron "The
Capeman" Luis
Tony Hernandez
Man
war auf der Suche nach einer irischen Gang namens „The Norsemen“. Diese Gang
traf allerdings nicht ein, nur eine Gruppe von Jugendlichen war zu sehen. Nach
einigen Provokationen kam es zu einer Schlägerei. Dabei erstach Salvador Agron
mit Unterstützung von Tony Hernandez zwei der Jugendlichen – Anthony Krzesinski
und Robert Young, Jr. Die „Vampires“ flüchteten, und die Polizei fand Young tot
in dessen Apartment, in das er sich nach der Dolchattacke schleppen konnte und
wo er anschließend verblutete. Kreszinski wurde ein Haus weiter in einer
Blutlache gefunden.
Am
Abend der Morde trug Salvador Agron einen schwarzen Umhang mit rotem Futter,
Tony Hernandez trug einen Regenschirm, dessen Spitze er als Waffe nutzte, bei
sich. Die Presse nannte Salvador Agron deshalb „The Cape Man“, Tony Hernandez
„The Umbrella Man“.
Agron
und Hernandez sowie die anderen Gangmitglieder wurden gefasst und verurteilt.
Der sechzehnjährige „Cape Man“ wurde zum Tode verurteilt und war zum damaligen
Zeitpunkt der Jüngste, der diese Strafe erhalten sollte. Die Todesstrafe sollte
mittels der Giftspritze vollstreckt werden, doch der damalige Gouverneur von
New York Nelson A. Rockefeller wandelte 1962 die Todesstrafe in eine
lebenslange Haftstrafe um.
Quellen:
-wikipedia.de
Der Fall - Dean Corll
Dean
Corll war bekannt unter dem Namen „The Candy Man“.
Er
wurde am 24. Dezember in Fort Wayne (Indiana) geboren und starb am 8. August
in Pasadena, Texas.
Er
war ein homosexueller US-amerikanischer Serienmörder, der Anfang der 1970er
Jahre zusammen mit zwei jugendlichen Komplizen namens Elmer Wayne Henley und
David Owen Brooks mindestens 27 Sexualmorde an Jungen und jungen Männern
begangen hat. In den Medien wurde der Fall als Massenmord von Houston
bezeichnet.
Nachdem
die Ehe seiner Eltern zerbrochen war, zog Corll mit seiner Mutter nach Houston.
Er galt als guter und wohlerzogener Schüler. Wegen eines Herzleidens war er vom
Sportunterricht befreit. Nach Abschluß der Highschool war er im
Süßwarengeschäft seiner Mutter angestellt. Es wird angenommen, daß er während
seines Militärdienstes, zu dem er 1964 einberufen wurde, erstmalig seine
homosexuelle Seite bemerkte. Als Teenager hatte er sich für Mädchen
interessiert.
Dean Corll - 1964 beim Militär
Bereits 1965 wurde er freigestellt, um seiner Mutter wieder beim
Betreiben ihres Geschäfts helfen zu können. Später übernahm er dieses selbst.
Da er regelmäßig kostenlos Bonbons an die Nachbarskinder verteilte, verliehen
diese ihm den später von den Medien aufgegriffenen Spitznamen Candyman. Obwohl dies
in der Nachbarschaft durchaus kritisch gesehen wurde, stellte später niemand
eine gedankliche Verbindung zu der sprunghaft angestiegenen Anzahl junger
männlicher Vermißter her.
1968 löste er das Geschäft auf und begann eine
Ausbildung zum Elektriker. Während dieser lernte er 1970 einen fünfzehnjährigen
Jungen namens David Brooks kennen, der bisher ein vielversprechender
Einserschüler gewesen war, dessen schulische Leistungen sich aber zu
verschlechtern begonnen hatten und der bereits einige kleinere Diebstähle
begangen hatte. Corll bezahlte Brooks, der bald zu ihm in sein Haus in Pasadena
zog, für Analverkehr.
Spätestens
1971, vermutlich aber bereits früher, begann Corll mit seiner Serie von
Entführungen, Vergewaltigungen und Morden. Seine Opfer vergrub er in seinem
Bootsschuppen und in ländlichen Gebieten in der Umgebung der Stadt. Brooks gab
später an, Corll einmal beim Vergewaltigen zweier an ein Bett gebundener Jungen
angetroffen zu haben. Corll habe sich sein Schweigen mit einer Chevrolet
Corvette erkauft, die beiden Jungen habe er danach nie wieder gesehen.
Corlls Wohnhaus Corlls jugendliche Opfer
Kurz
nach diesem Ereignis machte Corll die Bekanntschaft des vierzehnjährigen Elmer
Wayne Henley. Dieser kam aus zerrütteten Familienverhältnissen und hatte ein
Alkoholproblem. Bald brach er die Schule ab, um zu arbeiten und so seine
geschiedene Mutter und seine drei jüngeren Brüder finanziell unterstützen zu
können. Wahrscheinlich hatte Corll Henley ursprünglich als Opfer vorgesehen,
änderte aber seine Absicht, als ihm klar wurde, daß Henley die meisten anderen
Jugendlichen in der Umgebung kannte. Henley begann alsbald damit, Corll beim
Anlocken von Opfern zu helfen und nahm schließlich auch aktiv an Tötungen teil.
Die
Mehrzahl der Opfer waren Teenager, das jüngste war neun Jahre alt, das älteste
21. Die meisten stammten aus einkommensschwachen Familien in Houston. Viele
waren bei der Polizei als vermißt gemeldet und wurden ungeachtet des besorgten
Protests ihrer Eltern als Ausreißer geführt. Corll lockte sie häufig durch
Partys in sein Haus, bei denen Alkohol und Drogen konsumiert wurden. Manche
Opfer hatten bereits mehrmals an solchen Partys teilgenommen. Mindestens einer
seiner jugendlichen Mittäter begleitete Corll üblicherweise bei der Suche nach
Opfern. Diese waren durch die Anwesenheit anderer Jungen in seinem Wagen
weniger mißtrauisch, als wenn er alleine gewesen wäre.
Zur
Aufdeckung der Serie kam es am 8. August 1973 nur, weil der inzwischen
siebzehnjährige Henley nach einem Streit Corll erschossen hatte.
Brooks
war bei diesen Ereignissen nicht zugegen. Ungefähr um drei Uhr morgens an
diesem Tag war Henley in Begleitung eines Jungen namens Tim Kerley und eines
Mädchens namens Rhonda Williams in Corlls Haus erschienen. Kerley war als
Corlls nächstes Opfer vorgesehen, die fünfzehnjährige Williams war Kelleys
Freundin. Corll war zunächst wütend, weil Henley ein Mädchen mitgebracht hatte.
Nachdem er sich beruhigt hatte, begann man zusammen Alkohol zu trinken. Nachdem
die Jugendlichen das Bewußtsein verloren hatten, fesselte Corll sie. Als sie wieder
zu sich kamen, fuchtelte er mit einer Pistole vom Kaliber 22 herum und drohte
verärgert, sie alle zu töten. Henley gelang es zunächst, ihn zu beruhigen, so
daß er die Waffe zur Seite legte und ihn losband. Als Corll dann jedoch darauf
bestand, Kerley zu vergewaltigen und zu töten und von Henley verlangte,
dasselbe mit Williams zu tun, lehnte Henley dies ab. Daraufhin kam es zu einer
Rangelei, die damit endete, daß Henley die Pistole zu fassen bekam und Corll
mit sechs Schüssen auf der Stelle tötete. Nachdem er die anderen beiden
Jugendlichen befreit hatte, rief er die Polizei. Während sie vor dem Haus auf
die Polizei warteten, äußerte er Kerley gegenüber:
„Ich
hätte 200 Dollar für dich bekommen können.“
Offensichtlich
war dies das üblicherweise von Corll für die Rekrutierung neuer Opfer gezahlte
Honorar.
Dean CorllElmer Wayne Henley
Im
Verhör gab Henley an, daß er und Brooks Corll bei der Beschaffung von Opfern
geholfen hätten, der diese dann vergewaltigt und ermordet habe. Diese Aussage
stieß bei der Polizei zunächst auf Skepsis, da man davon ausgegangen war, es
nur mit einer Tötung - nämlich der an Corll - zu tun zu haben und diese als
Folge eines alkoholbedingten Streits einordnete. Eine Durchsuchung von Corlls
Haus bestätigte jedoch seine Angaben. Gefunden wurde eine Art Folterbank mit
Handschellen an jeder Ecke, einige Dildos, zahlreiche Seile sowie ein hölzerner
Verschlag mit Luftlöchern und darin menschliche Haare.
Später
an diesem Tag erschien Brooks in Begleitung seines Vaters bei der Polizei.
Während Brooks darauf beharrte, nichts von den Straftaten gewußt zu haben,
kooperierte Henley bei der Aufklärung. Er beschrieb nicht nur detailliert die
Morde Corlls, sondern gab auch zu, eines der Opfer selbst erschossen zu haben.
Im
von Corll seit einigen Jahren gemieteten Bootsschuppen im Südwesten von Houston
grub man nach einem Hinweis Henleys insgesamt 17 Leichen aus, einige waren in
Plastik eingewickelt. Zehn weitere Opfer fand man an verschiedenen anderen
Orten, teilweise in Crystal Beach im benachbarten Chambers County. Henley bestand
darauf, daß es noch drei weitere Opfer gebe, diese fand man jedoch nie.
Einige
Opfer waren erschossen worden, andere hatten noch die Schlinge um den Hals, mit
denen sie stranguliert worden waren. Alle waren anal vergewaltigt worden,
teilweise auch mit Gegenständen. Einige waren kastriert oder in sonstiger Weise
im Genitalbereich verstümmelt worden - im Bootsschuppen fand man auch einen
Container mit mehreren abgetrennten Geschlechtsteilen - anderen waren die
Schamhaare einzeln ausgerissen worden. In den Harnröhren fanden sich teilweise
zertrümmerte Glasstäbe.
Im
Oktober 2008 wurden die Überreste von Randell Lee Harvey die im August 1973
gefunden wurden identifiziert. 37 Jahre nach seinem Verschwinden wurde Harvey
als weiteres Opfer von Dean Corll erfaßt.
Da
Corll selbst als Toter nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden konnte - als
ehemaliger Soldat erhielt er sogar ein Begräbnis mit militärischen Ehren -
wurden nur Henley und Brooks angeklagt. Henley wurde wegen sechsfachen Mordes
angeklagt und 1974 zu sechsmal 99 Jahren Haft verurteilt. Die Tötung Corlls war
davon nicht erfaßt, diese wurde als Notwehr betrachtet. Brooks wurde wegen
eines Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Eine Haftprüfung findet alle
drei Jahre statt. Bisher wurde eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung stets
abgelehnt. Im Jahr 2006 befanden sich beide noch in Haft.
Zu
seiner Zeit war dies gemessen an der Zahl der Opfer der bislang schlimmste Fall
von Serienmord in den USA, der sogar die 25 Opfer des Juan Vallejo Corona noch
übertraf. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und veranlaßte den Papst zu
einem Kommentar, er bezeichnete die Natur der Verbrechen als
"abscheulich" und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.
Das
Houston Police Department wurde in der Folge von diesen Familien scharf
kritisiert, weil man die vermißten Kinder als Ausreißer behandelt und keiner
Ermittlung für wert befunden hatte. Darunter waren zwei Familien, die jeweils
zwei Söhne durch Corll und seine Komplizen verloren hatten.
Henley
hat während seiner Inhaftierung begonnen zu malen. Der Verkauf einiger seiner Bilder
bei ebay sorgte für Empörung.
Quellen:
Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der
Fall – Eva Maria Helene
Mariotti
Sie
war schön. Sie war begehrt. Sie war geheimnisvoll. Eine schillernde Person mit
undurchsichtigem Privatleben, Besitzerin mehrerer Pässe mit wohlklingenden
Namen, angeblich die Geliebte von Reichen und Mächtigen. Eine, die den Stoff
für Filme liefern könnte. Und tatsächlich eine, die Hamburger Justizgeschichte
schrieb - als einzigartiger Fall, als tragischer Fall.
Eva Maria Mariotti,
angeklagt wegen Raubmordes, wurde dreimal der Prozeß gemacht, der einmal
ergebnislos abgebrochen wurde, beim zweiten Mal mit einer Verurteilung zu
lebenslangem Zuchthaus endete. Im dritten Anlauf, am 14. Juli 1965,
schließlich der Freispruch. Ein Sieg für die Angeklagte? Ganz sicher. Aber kein
glanzvoller Triumph. Denn da hatte die damals 47jährige rund 1300 Tage in
Untersuchungshaft gesessen, war körperlich und nervlich schwer angeschlagen,
von den Prozessen gezeichnet.
Der
Mord an der wohlhabenden Zahnarztwitwe Maria Moser am 28. Juni 1946 am
Loogestieg in Eppendorf: Schnell gerät ein Bekannter des Opfers in Verdacht,
die Tat begangen zu haben, bei der der Zahnarztwitwe ein Pelzmantel und ein
Morgenmantel geraubt werden. Ihren in ihr Korsett eingenähten kostbaren Schmuck
findet der Täter nicht. Der gebürtige Tschechoslowake wird später in seiner
Heimat wegen Mordes zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Und er wird zum
Hauptbelastungszeugen gegen Eva Maria Mariotti, von der der Mann sagt, sie sei
die Auftraggeberin und eigentliche Mörderin gewesen, die das Opfer, das er
niedergeschlagen habe, schließlich erdrosselt habe. Interpol jagt die
Verdächtige um den halben Erdball, nach 17 Jahren wird sie im Oktober 1960 im
brasilianischen São Paulo gefaßt und an Deutschland ausgeliefert.
Hier
beginnt in Hamburg 1963 der erste Prozeß gegen die zierliche Angeklagte. Am 11.
Juli die Sensation. Dreimal wird Eva Maria Mariotti vom Untersuchungsgefängnis
in den Schwurgerichtssaal geführt, zweimal vergebens. Um 20 Uhr - die
Angeklagte zittert, ist dem Zusammenbruch nahe - die Entscheidung: Das
Verfahren wird ausgesetzt, die Staatsanwaltschaft soll weiter ermitteln. Wie
eine Bewußtlose wird die damals 45jährige aus dem Saal geschleppt, es beginnt
eine neue Zeit des Wartens.
Und
ein neuer Prozeß, der sechs Monate später beginnt. "Ich habe keinen
Menschen getötet. Bitte glauben Sie mir. Ich bin unschuldig", fleht die
Angeklagte, von einem Weinkrampf geschüttelt, die Richter an. Ihr Verteidiger
Bernhard Servatius nennt seine Mandantin "eine einsame, gequälte, hilflose
Figur auf der Bühne eines düsteren Dramas". Sie habe kein Motiv zu rauben
und zu morden, betont der Anwalt. Der Hauptbelastungszeuge, der behauptete, sie
sei die eigentliche Täterin, er habe ihr mit der Tat lediglich einen "Liebesdienst
erwiesen", sei nicht glaubwürdig. Doch das Urteil lautet am 12. März
1964 auf lebenslange Haft wegen Mordes und besonders schweren Raubes. Eva Maria
Mariotti bricht nach dem Urteil schluchzend zusammen.
Doch die
Gerichtsentscheidung wird vom Bundesgerichtshof aufgehoben, ein dritter
Mariotti-Prozeß beginnt am 31. März 1965. Erstmals schweigt die Angeklagte
konsequent - ein Verhalten, von dem der Staatsanwalt in seinem Plädoyer meint,
es könne nur bedeuten, daß sie etwas zu verbergen habe. Daraufhin kommt es zu
einem sensationellen Einschreiten des Generalstaatsanwalts. Dieser betont,
mitten im Plädoyer des Anklägers, das Schweigen der Angeklagten sei
verständlich. Es erscheine "einleuchtend, wenn sie die Tat nicht begangen
hat".
Ihr Verteidiger Servatius greift erneut die Aussage des Kronzeugen
an, deckt Widersprüche in dessen Aussage auf. Am 14. Juli 1965 ergeht der
Freispruch des Schwurgerichts, begleitet von Beifall und Bravorufen im
Gerichtssaal. Eva Maria Mariotti kann nicht jubeln: Sie stammelt "Mama,
Mama", bricht zusammen.
Fast
vier Jahre lang hat sie in Untersuchungshaft verbracht, eine Zeit zwischen
Hoffnung und Verzweiflung, eine Zeit enormer psychischer und körperlicher
Strapazen, eine Zeit quälenden Wartens. Sie erhält eine Wiedergutmachungssumme
von 200 000 Mark, geht nach Gran Canaria und eröffnet einen Kunstgewerbeladen.
Als ihr Paß abläuft, vergißt sie, ihn zu verlängern.
1972 fällt sie von einer
Leiter, wird von einem Arzt operiert, von dem sie nicht weiß, daß er
alkoholkrank ist. Er verpfuscht ihr Hüftgelenk, sie muß an Krücken gehen,
leidet ständig unter Schmerzen. Sie möchte zurück nach Deutschland, um sich
erneut operieren zu lassen, doch die Behörden verweigern ihr die Einreise.