Die großen Kriminalfälle - 18. Fall (1995)

 

     

 

 

   Die großen Kriminalfälle

 

 

 

 

 

      18. Fall - Frederick und Rosemary West (1995)

 

 

 

Das Haus des Grauens - (England  1969 - 1995)         

 

             

Das Haus in der  25 Cromwell Street, was von den Untersuchungen völlig durchlöcherte war, wurde Anfang Oktober 1996 abgerissen. Seitdem (Ende Juli 1997) sieht es dort so aus.


Wie ist es möglich, dass ein freundliches, nettes und scheinbar auch kinderliebes Ehepaar ein Vierteljahrhundert lang morden kann, ohne aufzufallen, ohne gefasst zu werden? Wie kann es angehen, dass Frederick und Rosemary West nach einer Vielzahl bestialischer Frauenmorde so lange ungeschoren davonkommen können? Einer der Gründe mag sein, dass in unserer schnelllebigen Gesellschaft kaum Notiz davon genommen wird, wenn jun­ge Mädchen von zu Hause weglaufen oder Ehefrauen ihre Män­ner verlassen. Sie verschwinden plötzlich, und Angehörige und Freunde wissen nicht, wo sie sind und was aus ihnen geworden ist. Auch wenn die Presse eingeschaltet und Polizei oder Detekti­ve mit der Suche beauftragt werden, handelt es sich lediglich um »vermisste Personen«. Die Liste ist lang. Doch ohne einen kon­kreten Hinweis auf ein Verbrechen, ohne eine Leiche kann die Polizei nicht ermitteln. Im Fall Frederick und Rosemary West gibt es zwar jede Menge Leichen, aber sie werden erst nach langer Zeit gefunden. Die entsetzlichen Taten des Mörderpärchens, das zu den größten Serienkillern der Kriminalgeschichte zählt, werden viel zu spät und auch nur zum Teil gesühnt. Wie konnte es dazu kommen?

 

Frederick und Rosemary West

 

Frederick Walter West wird am 29. September 1941 als ältester Sohn eines Fuhrmanns und Landarbeiters in einem mittelengli­schen Dorf an der Grenze zwischen Herefordshire und Gloucestershire geboren. Er arbeitet wie sein Vater auf dem Feld oder als LKW-Fahrer. Der kleine Mann mit dem lockigen schwarzen Haar und den langen Koteletten heiratet 1962 die 18-jährige Kellnerin Catherine Costello. Sie bringt 1963 die Tochter Charmaine zur Welt und ein Jahr später Anne Marie. Die Familie lebt einige Zeit auf einem Wohnwagen-Campingplatz in der Nähe von Gloucester, beide Kinder müssen vorübergehend in Fürsorge gegeben werden. Frederick hält seine Frau dazu an, als Prostituierte zu arbeiten, um auf diese Weise zum Unterhalt der Familie beizutragen. 

Frederick West heiratet 1962 die 18-jährige Kellnerin Catherine Costello. Sie bringt 1963 die Tochter Charmaine zur Welt und ein Jahr später Anne Marie

 
Das Hochzeitsfoto von Fred und Catherine. 
 
 

 

1964 nimm Fred einen Job in einem Schlachthaus an und enga­giert die noch minderjährige Anna McFall als Kindermädchen. Als Anna Anfang 1967 von ihm geschwängert wird, verlangt sie, dass er sich von seiner Frau Catherine scheiden lässt, um sie zu heiraten. Fred löst das Problem auf seine Weise. Im Juli 1967 tötet er Anna, schneidet ihr - wie bei seinen späteren Opfern - Finger und Zehen ab und begräbt sie mit ihrem acht Monate alten Fötus in der Nähe des Wohnwagenparks.

Im Januar 1969 ist seine Ehefrau plötzlich verschwunden. Er erklärt seinen Freunden, sie habe ihn verlassen und sei mit einem Mann nach Schottland abgehauen. Niemand ahnt, dass er sie betrunken gemacht und dann erwürgt hat. Er begräbt sie neben der Leiche von Anna McFall. Danach vergeht er sich an seiner Tochter Char­maine und bringt auch sie im Sommer 1971 um. Sie sei »abgehau­en«, macht er seinen Bekannten klar, und sie glauben ihm.

Frederick West hat ein Problem mit Frauen. Er bringt ihnen kei­nerlei Achtung und Aufrichtigkeit entgegen, ihre Gefühle existieren für ihn nicht. In seinen ständig wechselnden Partnerinnen sieht er lediglich Sexualobjekte zur Befriedigung seiner Lust. Am größten ist sie, wenn er die Frauen dominieren und quälen kann, nicht wie sonst oft bei Sexualtätern aus Verachtung oder Verbitterung, son­dern aus reinem Vergnügen und Spaß an den sadistischen Prakti­ken. Normaler Sex befriedigt ihn nicht, er liebt vor allem »Bondage«, die weitgehende Fesselung und Schnürung des weiblichen Körpers. Wie er später während seiner polizeilichen Vernehmun­gen gesteht, haben ihn weniger die Tötungsakte selbst sexuell erregt, als vielmehr die Reaktion der ihm total ausgelieferten Frau­en, »der entsetzte Ausdruck in ihren Gesichtern«. Dieses Erlebnis weckt in ihm den heftigen Wunsch nach Wiederholun.

 

Walter u. Daisy West (Freds Eltern)  

 

 

Frederick im 13. Lebensjahr.

 

 

 

 

Frederick mit seinen Schwestern Daisy und Kitty

   

 

       

 

 

 

Der 29. November 1968 wird zu einem entscheidenden, wichti­gen Datum im Leben des 27-jährigen Frederick West. Als er für eine Firma Backwaren ausfährt, lernt er die 15-jährige, am 29. November 1953 in Devon geborene Rosemary Pauline Letts kennen, ein hübsches Mädchen mit großen braunen Augen und kurzen, zu einer Pagen­kopffrisur geschnittenen braunen Haaren. Sie entstammt einer kranken Familie. Die Mutter leidet an schweren Depressionen, und der Vater ist schizophren. Er tyrannisiert und misshandelt seine Frau und sucht ständig nach Gründen, um auch seine Kin­der zu schlagen.

Das bleibt nicht ohne Folgen für Rosemarys Ent­wicklung. Schon während der Schulzeit ist sie sehr aggressiv. Rosemary zieht zu Fred und seinen Töchtern in den Wohnwagen und gebiert im Oktober 1970 die Tochter Heather. Im Januar 1972 heiraten sie und ziehen in Gloucester in ein Reiheneckhaus. Es liegt in der Cromwell Street 25, einer engen Straße mit offenen Torbögen, grün gestrichenen Fensterrahmen und Rauputzfassaden und Häuserfronten aus dem Anfang des Jahrhunderts. In die­sem düsteren, proletarischen Viertel, das vorwiegend aus möblierten Einzimmerwohnungen besteht, kommt im Juni eine weitere Tochter zur Welt. Fünf weitere Kinder werden folgen, dar­unter drei Mischlinge.

Rose Letts als Teeny  (Schulfoto)

 

Fred verdient den Unterhalt als Bauarbeiter und Handwerker und kommt immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Elfmal wird er wegen Diebstahls, Hehlerei und einigen Verkehrsdelikten verurteilt. Als bei der Polizei auch Anzeigen wegen Misshandlung seiner Töchter eingehen, nimmt das Sozial­amt sie ein Jahr lang in Obhut. Dann wird er angeklagt, seine Töchter »auf Anregung und mit Unterstützung von Rosemary West« entjungfert zu haben. Aber als der Hauptbelastungszeuge seine Aussage zurückzieht, wird das Verfahren eingestellt.

 

Die junge Rosemary Pauline Letts und Frederick West- das frisch verliebte Paar. Beide ergänzen sich in allem - der Anfang einer teuflischen Entwicklung.

Charmaine (li.), Baby Heather (Tochter mit Rosemary) u. Anna Marie                          Das attraktive Kindermädchen Caroline Owens              

                            

Ende 1972 zieht die 17-jährige, sehr attraktive Caroline Owens mit Zustimmung ihrer Eltern als Kindermädchen in das Haus Cromwell Street 25, um sich um die Töchter des Ehepaars zu kümmern. Sie fühlt sich bald unwohl in dem Haushalt. Das Ehepaar macht anzügliche Bemerkungen über ihre Brüste, und Frederick West erklärt ihr, er kenne Operationstechniken an der weiblichen Vagi­na, die die sexuelle Lust einer Frau steigern würden. Caroline ist schockiert und beschließt, das Dienstverhältnis zu kündigen.

Als sie am 6. Dezember 1972 gegen 23.00 Uhr von einem 20 Kilome­ter entfernten Pub per Anhalter nach Hause fahren will, hält ein grauer Ford vor ihr, in dem Frederick und Rosemary West sitzen. Sie bieten ihr an, sie nach Hause zu fahren. Trotz Bedenken akzep­tiert Caroline. Kaum hat sie auf der hinteren Sitzbank Platz genommen, setzt sich Rosemary neben sie. Während der Fahrt beginnt sie, Carolines Kleid zu öffnen, ihre Brüste zu streicheln und mit der Hand zwischen Carolines Schenkeln zu reiben. Fred erkundigt sich, wie sie sich anfühle. Als sie zu schreien anfängt, hält er an, beugt sich über den Sitz nach hinten und schlägt sie so lan­ge, bis sie bewusstlos ist. Sie binden dem Mädchen die Hände auf dem Rücken zusammen und umwickeln ihren Kopf mit einem breiten Klebeband. Zu Hause angekommen, entfernen sie es wie­der, ziehen das Mädchen nackt aus und legen es auf ein Bett. Wäh­rend Caroline von Rosemary an den gespreizten Beinen festgehal­ten wird, züchtigt sie Fred mit einem fünf Zentimeter breiten Ledergürtel. Dann entkleidet sich auch Rosemary und beginnt, Caroline zu küssen und oralen Sex mit ihr zu treiben. Fred nimmt seine Frau derweil von hinten. In der Nacht wird Caroline gefes­selt und geknebelt und von Fred vergewaltigt. Er verspricht ihr, sie gehen zu lassen, wenn sie wieder zu ihnen zurückkomme und bei ihnen wohne, andernfalls würden sie sie finden und töten.

      

Das Ehepaar West wird verhaftet und verhört.

Am Morgen gelingt es Caroline, während sie Rosemary zum Waschsa­lon begleitet, im Gedränge zu entkommen. Bei der Polizei gibt sie die scheußlichen Einzelheiten ihrer Peinigung zu Protokoll. Die Spuren der Fesselung an den Handgelenken und die Striemen zwischen ihren Beinen werden fotografiert. Die Beamten haben keinen Anlass, an den Angaben des geschockten Mädchens zu zweifeln. Das Ehepaar West wird verhaftet und verhört. Sie wür­den sich der Körperverletzung und unzüchtiger Handlungen schuldig bekennen, erklärt Fred, wenn die Anschuldigung wegen Vergewaltigung, die er bestreite, fallengelassen werde. Das würde dem Mädchen auch die Qual einer Aussage vor Gericht ersparen. Das Gericht von Gloucester lässt sich auf diesen Handel ein und verurteilt das Ehepaar lediglich zu einer Geldstrafe von 25 Pfund pro Anklagepunkt.

Nun können Rosemary und Frederick West weiterhin ungestört ihren abartigen Neigungen nachgehen. Er entdeckt, dass Rosema­ry ebenfalls Freude an sadistischen Handlungen hat und dass sie in raffinierten Sexspielen ebenso gern Mädchen und Frauen fol­tert wie er. Diese Frau teilt nicht nur seine Bedürfhisse und Fanta­sien, sie übernimmt häufig sogar die Initiative. Beide sind perver­se Psychopathen, die sich wechselseitig aufladen. Als gleichwerti­ger Partner billigt und rechtfertigt jeder die perversen Handlungen des anderen. Darin sehen sie ihren Lebenssinn. Der britische Kri­minalpsychologe Paul Britton, der von der Mordkommission während der Ermittlungen als »Profiler« zu Rate gezogen wird und die Vermutung äußert, das Ehepaar West habe auch Kanniba­lismus betrieben, hat es so ausgedrückt: »Hier liegt eine doppelte, eine vereinte Verderbtheit vor, wie sie selten vorkommt.«

In den kommenden Jahren nimmt sich Rosemary eine Reihe von Liebhabern. Aber es zieht sie auch zu jungen Frauen hin. Unter dem Namen »Mandy Mouse« sucht sie in einschlägigen Zeitun­gen nach Sexkontakten. Die beiden oberen Stockwerke im Haus Cromwell Street 25 werden in billige möblierte Zimmer umge­wandelt. Es entsteht eine Art Pension, in der Dutzende von Teen­agern beiderlei Geschlechts für jeweils kurze Zeit wohnen. Im obersten Stock gibt es ein Schlafzimmer mit einem geschnitzten Himmelbett, einen mit rotem Samt ausstaffierten Salon mit einer Bar wie in einem Bordell. Hier empfängt Rose die Männer, die Fred in Pubs für sie aufgabelt. Er sieht ihr bei ihren Sexspielen zu und macht mit der Kamera Pornoaufnahmen.

            

 Rosemary empfängt die Männer im hauseigenen "Salon".

Ihr Haus entwickelt sich aber auch zu einem Spielplatz, auf dem sie ihr immer stärker werdendes Bedürfnis, junge Frauen zu quä­len, befriedigen können. Sie entwickeln eine Methode, wie sie Mädchen fangen können. Mit ihrem Auto fahren sie umher und verfallen auf zahlreiche Tricks, ihre Opfer in den Wagen zu locken. Das Misstrauen schwindet meist, wenn sie sehen, dass eine andere Frau darin sitzt. Ist es gelungen, versetzt allein die Vorfreude Fred und Rose in ungeheure sexuelle Erregung. Häufig werden die Opfer schon unterwegs missbraucht und dann im »Haus des Grauens« in der Cromwell Street 25 weiter misshandelt und gefol­tert. Das Haus ist voll von Ketten, Fesseln, Peitschen und ledernen Masken. Anfangs geht das Morden schnell, später zögern Fred und Rose das Töten hinaus, um das Vergnügen zu steigern.

Im Sommer 1973 ermorden beide die junge Lynda Gough, zer­stückeln die Leiche und begraben sie in einer Grube in der Gara­ge. Im November 1973 entführen sie die 15-jährige Carol Ann Cooper und töten sie ebenso wie nur einen Monat später die Stu­dentin Lucy Partington, die fast eine Woche lang entsetzlich gequält wird. Die verstümmelten Leichen werden im Keller begraben. Nach beiden Frauen wird intensiv gesucht, aber es gibt keine Verbindung zum Ehepaar West.

1977 zieht die 18-jährige Shirley Robinson zu ihnen, eine frühere Prostituierte mit bise­xuellen Neigungen. Fred schwängert sie und tötet sie, ihre Leiche mit dem ungeborenen Kind begräbt er im Garten. Anfang 1979 wird Alison Chambers gefangen, gefoltert, getötet und ebenfalls im Garten begraben. 1986 ereilt das gleiche Schicksal auch die eigene Tochter Heather.
22 Jahre lang fällt niemandem etwas auf. Die meisten Leute reden nur gut über das freundliche, nette und umgängliche Ehepaar.

             

 Lynda Gough

(1973)  (21)

Carol Ann Cooper  

(1974)  (15)

Shirley Robinson  

(1978)  (18)

Therese Siegenthaler  

(1977)  (21)  

Ann McFall - (Kindermädchen) 

(1967)

                           

 

   

                      

Shirley Bubbard  

(1975)  (15)

Mary Bestholm

Heather West  

(1987)  (16)

Charmaine West

(1972)  (8)

 

         

Juanita Mott (1975)  (19)    Lucy Partington  (1973)  (21)    Alison Chambers (1977)  (17)

Catherin Bernadette

"Rena" West (geb.Costello)  (1970)  (26)

    

Anfang 1994 reden einige Kinder aus der Nachbarschaft offen darüber, unter der Terrasse des Hauses der Eheleute West liege die Tochter Heather begraben. Die Polizei wird informiert und beginnt mit Nachforschungen. Detective Hazel Savage über­nimmt den Fall. Am Samstag, dem 26. Februar 1994, ist in der »Daily Mail« zu lesen: »Gestern Abend wurde ein Ehepaar ver­haftet, nachdem die Polizei auf der Suche nach dessen vermisster Tochter den Garten umgegraben hatte. Heather West verschwand vor ungefähr sieben Jahren, damals war sie 16. Ihre Eltern, der 52-jährige Frederick West und die 40-jährige Rosemary West, haben sie jedoch nie als vermisst gemeldet. Laut Aussage der Eltern verließ sie das Haus aus freiem Willen. Das Ehepaar wurde zum Verhör auf das Polizeirevier gebracht. Die Durchsuchung des Reihenhauses in der Cromwell Street in Gloucester soll heute fortgesetzt werden.«

Man findet im rückwärtigen Garten die zerstückelten und ent­haupteten Leichen von drei Frauen, darunter auch die der ältes­ten Tochter Heather. Nach langen, schwierigen Verhören gesteht Frederick West, sie allein getötet zu haben. Daraufhin wird Rose­mary gegen Kaution freigelassen. Als auch die anderen beiden im Garten vergrabenen Leichen identifiziert sind, steht die Mord­kommission unter Leitung von Superintendent John Bennett vor der schwierigen Frage: Wie viele Opfer gibt es noch?

Sie beginnt damit, das Haus der Wests Zentimeter um Zentimeter zu durch­suchen. Fußböden und Wände werden aufgerissen und Dach und Keller freigelegt. Selbst den hartgesottenen Ermittlern verschlägt es die Sprache, das Haus ist wie ein Friedhof. Unter den vielen gefundenen weiblichen Leichen finden sich sechs, bei denen es Hinweise auf einen Kopfverband mit Klebestreifen gibt. In diese Masken war vorn ein dünner Plastikschlauch eingeführt, der zur Nase führte, das Atmen ermöglichte und die Opfer eine Zeit lang am Leben hielt. An den früheren Wohnorten von Frederick West finden sich weitere Leichen, darunter auch seine erste Ehefrau Catherine Costello und seine Tochter Charmaine.

   

Die Polizei durchwühlt den gesamten Garten.Auch im Haus finden die Beamten Beweise, welche sofort gesichert werden.

Fred genießt es, im Mittelpunkt der Untersuchungen zu stehen. Er gibt weitere Taten zu und schildert, wie er die Mädchen aufge­gabelt und in seinem Kombiwagen mit nach Hause genommen hat. Sie hätten selbst den Wunsch nach Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt, behauptet er, und wollten manchmal auch »hart angefasst« werden. Dabei seien sie dann unglücklicherweise gestorben. Rosemary habe von alledem nichts gewusst, versichert er weiterhin. Aus dem Hochsicherheitsgefängnis »Winson Green« in Birmingham schreibt er ihr in einem Brief: »Wir werden uns immer lieben ... Du wirst immer Mrs. West sein, für die ganze Welt. Das ist wichtig für mich und dich.«

Am 13. Dezember 1994 wird Anklage wegen Mordes in zwölf Fällen gegen ihn erhoben. Auch Rosemary wird erneut verhaftet. Während der Verhöre stellt sie sich als Opfer ihres gewalttätigen Mannes dar. Sie sei zu keiner Zeit seine »freiwillige Helferin« gewesen und habe von den Mor­den nicht das Geringste gewusst. Als Fred erfährt, dass sich seine geliebte Frau und Seelenfreundin von ihm abgewandt hat, trifft er sorgfältige Vorbereitungen, sich einer Sühne und gerechten Stra­fe zu entziehen und seinem Leben ein Ende zu machen. Am 1. Januar 1995, als die beiden Wachen ihr Mittagsmahl halten, erhängt sich Frederick West in seiner Zelle mit seinem Bettlaken.
Das Gefängnispersonal versucht vergeblich, ihn wiederzubele­ben. Um 13.22 Uhr wird er für tot erklärt.

   

Das letzte Foto der Polizei von - Frederick Walter West.

 

Rosemarys Verteidiger, Richard Ferguson, fordert, dass die nun auch gegen sie in zehn Fällen erhobene Mordanklage aus Mangel an Beweisen und wegen der permanenten Berichterstattung in den Medien fallen gelassen werde, denn ein fairer Prozess sei gegen seine Mandantin nicht mehr gewährleistet.

Der Prozess gegen sie beginnt am 3. Oktober 1995 unter größter Anteilnahme der Öffentlichkeit. Er dauert acht Wochen. Eine Reihe von Zeu­gen belasten Rosemary schwer, darunter Caroline Owens und die Stieftochter Anne Marie. Ihre Aussage ist besonders erschütternd. Sie schildert, wie sie seit ihrem achten Lebensjahr von ihrem Vater vergewaltigt und auch von ihrer Stiefmutter sexuell missbraucht wurde. Im Alter von 13 habe sie ständig mit Rosemarys Liebha­bern schlafen müssen, wobei ihr Vater zugeschaut und sie hinter­her häufig mit einer Schachtel Pralinen belohnt habe.

Der Verteidiger gibt in seinem Plädoyer Frederick West die allei­nige Schuld an den Morden im »House of Horror«: »Er war ein Mann ohne jedes Mitleid, sich in sexueller Begierde selbst ver­zehrend, ein sadistischer Mörder, ein Mensch, den man als Inbe­griff des Bösen betrachten kann.« Dafür, dass Rosemary West an den Morden beteiligt war, gäbe es keine Beweise. Sie sei daher frei­zusprechen. Die Geschworenen beraten 13 Stunden. Am 22. Ok­tober 1995 befinden sie Rosemary West einstimmig in sämtlichen Anklagepunkten für schuldig.

Am 20. November 1995 verkündet Richter Mantell der Angeklagten: »Sie werden zu lebenslänglicher Haft verurteilt und, falls ich meinen Einfluss geltend machen kann, niemals wieder freikommen. Führen Sie sie ab!« Mit diesem mit großem Beifall aufgenommenen Urteil sind, wenn auch sehr spät, wenigstens einige der von Frederick und Rosemary West verübten Morde gesühnt worden.
Doch mit eini­ger Wahrscheinlichkeit hat es in den 25 Jahren ihres grauenvollen Wirkens noch viel mehr Morde, noch viel mehr Opfer gegeben. Sie werden für immer unentdeckt und ungesühnt bleiben.

Quellen: Lexikon der ungesühnten Morde - Unaufgeklärte Fälle - Unentdeckte Verbrechen - Umstrittene Freisprüche (von Hans-Dieter Otto) Ausgabe 2007 - S. 219 - ISBN 978-3-7766-2533-2

 

Nachtrag:

Die zu lebenslanger Haft verurteilte Rosemary West verlobte sich am 1. September 1997 mit Stephen Saliwon, einem ebenfalls inhaftierten Sexualverbrecher.

 

Auf Wikipedia erklärt man zum Selbstmord Frederick Wests folgendes:

Am 1. Januar 1995 erhängte sich Fred West während der Untersuchungshaft in seiner Zelle im Winson Green Prison, in Birmingham. Seine Beerdigung fand in Coventry am 29. März 1995 statt. Frederick West wurde eingeäschert. Anwesend waren nur fünf Trauergäste - zwei seiner Töchter, ein Sohn mit seiner Frau und ein Freund der Familie. 

Seine Asche wurde dann am Strand von Barry Island in der Nähe von Cardiff in Wales verstreut .

 

 

Die Opfer:

    * 1967 - Ann McFall (Scottish nanny and Fred's lover. Was eight months pregnant with his child). Body found in "letterbox field" near Much Marcle
    * 1970 - Rena Costello, 26 (Fred's first wife, also Scottish). Body found in "fingerpost field" near Much Marcle.
    * 1972 - Charmaine West, 8 (Rena's eldest child). Body found beneath 25 Midland Road, Gloucester
    * 1973 - Linda Gough, 21 (seamstress from Gloucester). Body found beneath 25 Cromwell Street
    * 1973 - Lucy Partington, 21 (university student, from Gotherington, near Cheltenham). Body found beneath 25 Cromwell Street.
    * 1974 - Carol Cooper,15 (schoolgirl from Worcester). Body found beneath 25 Cromwell Street
    * 1975 - Juanita Mott, 19 (from Newent, Glos) Body found beneath 25 Cromwell Street
    * 1975 - Shirley Hubbard, 15 (schoolgirl from Worcester). Body found beneath 25 Cromwell St
    * 1977 - Therese Siegenthaler, 21 (Swiss hitchhiker). Body found beneath 25 Cromwell St
    * 1977 - Alison Chambers, 17 (originally from Swansea). Body found in garden of 25 Cromwell St
    * 1978 - Shirley Robinson, 18 (lodger and Fred's lover. Heavily pregnant). Body found in garden of 25 Cromwell St.
    * 1987 - Heather West, 16 (Fred and Rose's eldest daughter). Body found in garden of 25 Cromwell St.

 

 

 

Video aus der DOKU-Serie Born to Kill - (RTL Crime)

 

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