DER FALL - Amanda Knox


PROZESS  2009





Samstag, 05. Dezember 2009

26 Jahre Haft  -  Mörderischer "Engel" in Tränen

Trotz dünner Beweislage zu 26 Jahren Haft verurteilt: Amanda Knox. (Foto: REUTERS)

Das Urteil fiel um Mitternacht. Nach elf Monaten Prozess und einem ungeheurem Medienspektakel haben die Geschworenen in der mittelitalienischen Stadt Perugia in der Nacht entschieden: Der "Engel mit den Eisaugen", Amanda Knox, und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito sind schuldig. Sie haben die junge britische Austauschstudentin in der Nacht zum 2. November 2007 brutal gequält, vergewaltigt und ermordet. 26 Jahre Haft für die 22- jährige Amerikanerin aus Seattle, 25 Jahre für den süditalienischen Informatikstudenten aus Bari: Das Urteil ist für die Betroffenen ein Schock.


Der Ex-Freund des "Engels mit den Eisaugen", Raffaele Sollecito, geht für 25 Jahre hinter Gittern.
(Foto: AP)

Bis zuletzt hatte das Pärchen seine Unschuld beteuert. "Ich habe Angst davor, dass mir gewaltsam die Maske einer Mörderin übergestreift wird", bekannte die junge Amerikanerin von der Westküste noch am Vortag, um den Geschworenen ihre große Befürchtung mit auf den Weg in die diffizilen Beratungen eines reinen Indizienprozesses zu geben. Raffaele machte es da kürzer: "Ich habe Meredith nicht getötet, gebt mir das Leben zurück", hatte er die Geschworenen noch angefleht.

25.000 Euro Schadensersatz gefordert

Das Mordopfer: die britische Studentin Meredith Kercher.
(Foto: REUTERS)

Mit dem Aufschrei "nein, nein, nein" brach die kühle Amanda bei der Urteilsverkündung in Tränen aus und fiel ihrem Anwalt Luciano Ghirga in die Arme. Ihre Eltern erklärten sich "extrem enttäuscht", betonten jedoch, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. "Wir wissen, dass Amanda unschuldig ist, und werden sie nicht im Stich lassen." Der Ex-Freund des "mörderischen Engels" verzog hingegen keine Miene. "Nur Mut, nur Mut, Raffaele", rief ihm die Lebensgefährtin seines Vaters nach, als er nach dem Schuldspruch mit Amanda abgeführt wurde, doch Raffaele blieb tonlos. Die Frau erlitt später einen leichten Schwächeanfall.

Die Spannung war tagsüber ins Unerträgliche gestiegen. Seit den frühen Morgenstunden wurde das Gericht der kleinen Universitätsstadt von laut Medienberichten rund 230 internationalen Reportern und Journalisten belagert. Die Familie der Ermordeten war am Nachmittag mit dem Flugzeug eingetroffen, um die letzten Stunden des Wartens auf Gerechtigkeit im Hotel zu verbringen. Sie fordern 25.000 Euro Schadensersatz von den Mördern ihrer Tochter. "Eine symbolische Entschädigung für den irreparablen Schaden, der der Einheit der Familie zugefügt wurde", erklärten die Anwälte Francesco Maresca und Serena Perna.

Kombination von Schönheit und Bösem

Die Familie des Mordopfers: Schwester Stephanie, Mutter Arline und Bruder Lyle.(Foto: REUTERS)

Sechs Geschworene und zwei Richter mussten über Freispruch oder lebenslange Haft entscheiden, eine einfache Mehrheit genügte. Bei vier zu vier galt: "in dubio pro reo" - im Zweifel für die Angeklagten. Bei einem von den Medien beeinflussten Indizienprozess fiel es den Geschworenen trotzdem schwer, zu einer Entscheidung zu kommen. Bis zuletzt drehte sich alles um die Amerikanerin.

Während die in der umbrischen Metropole Perugia versammelten amerikanischen Medien den wahren Schuldigen in der Mordaffäre Meredith schon lange ausgemacht hatten - die italienischen Ermittler, die Spurensicherung und wohl auch die Justiz selbst - symbolisierte Amanda für die Italiener von Anfang an die verdächtige Kombination von Schönheit und Bösem. "Der Prozess ist in den Augen von vielen von uns ein Skandal. Nichts beweist, dass Amanda Knox am Tatort war. Zero.", schrieb etwa die "New York Times", von den italienischen Blättern zitiert.

Bitterer Nachgeschmack

Amandas Vater Curt Knox und ihr Anwalt Carlo Dalla Vedova. (Foto: AP)

Die Staatsanwaltschaft beharrte jedoch bis zum Ende darauf, die Anklage stehe auf absolut festen Füßen, verwies auf belastenden DNA- Spuren auf dem Tatmesser und dem BH der Toten, während die Verteidiger mehrfach auf die wiederholte Verunreinigung des Tatortes hingewiesen hatten.

"Die Verurteilung von so jungen Menschen zu einer hohen Haftstrafe hinterlässt immer einen bitteren Nachgeschmack. Jedoch ist Recht gesprochen worden im Fall eines besonders schweren Verbrechens: Der Ermordung einer blutjungen Studentin", kommentiert die Staatsanwältin Manuela Comodi das Urteil und bringt die gemischten Gefühle vieler auf den Punkt.

Auf das pittoreske Perugia, dessen Ausländeruniversität zahlreiche junge Studenten anzieht, hat der Fall Meredith jedenfalls einen dunklen Schatten geworfen, der sich nicht so rasch verziehen wird. Zu lange schon wird Umbriens Zierde in einem Atemzug mit der Bluttat genannt, vor allem in den angelsächsischen Medien - vor allem wegen des britischen Opfers und der amerikanischen Angeklagten. Für die Stadt spielte es keine Rolle, ob die streng katholisch erzogene, auch "Foxy-Knoxy" genannte Angeklagte nun schuldig gesprochen wurde oder nicht. So mancher wird künftig bei einem Besuch Perugias nicht nur die gotische Kathedrale und die Fontana Maggiore sehen wollen, sondern auch das Haus in der Via della Pergola 7, wo der Mord geschah.

Quelle: n-tv online



 21.11.2009


"Engelsgesicht mit Eisaugen"

Lebenslang für Knox gefordert

In dem italienischen Mammutprozess um Sexspiele, Drogen und dem Mord an der Britin Meredith Kercher fordert die Anklage lebenslängliche Haft für die US-Studentin Amanda Knox.

Amanda Knox soll lebenslang in Haft. (Foto: REUTERS)

Auch der ehemalige italienische Freund der 22-Jährigen Knox soll lebenslang in Haft, forderten die Staatsanwälte Giuliano Mignini und Manuela Comodi in ihren Plädoyers. Nach ihrer Auffassung hat der vor zehn Monaten begonnene Prozess eindeutig gezeigt, dass die beiden Angeklagten am 1. November 2007 die junge Austauschstudentin brutal umgebracht hätten. Die Anklage verwies dabei vor allem auch auf DNA-Spuren von Knox und ihrem Freund auf einem Messer, das die Tatwaffe gewesen sei. Italiens Presse hat die Angeklagte "das Engelsgesicht mit Eisaugen" genannt.

Auch Raffaele Sollecito, der ehemalige Freund Fox', ist wegen Mordes angeklagt. (Foto:REUTERS)

Die 22-jährige Meredith war halbnackt und mit durchschnittener Kehle in ihrer Wohnung in der umbrischen Hauptstadt Perugia aufgefunden worden. Die Anklage geht davon aus, dass die Britin vergewaltigt und ermordet wurde, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen. Alle Täter sollen zuvor Haschisch geraucht haben. "Es war Mord in Verbindung mit sexueller Gewalt", sagte Mignini in seinem Plädoyer.

Komplize bereits verurteilt

Rudy Guede wurde bereits zu 30 Jahren Haft verurteilt.(Foto:REUTERS)

In dem zu Jahresbeginn in der mittelitalienischen Stadt begonnenen Prozess hat jetzt Ende November die Verteidigung das Wort. Das Urteil wird für den 4. oder 5. Dezember erwartet. Die beiden Angeklagten hatten wiederholt ihre Unschuld beteuert. Wegen Beteiligung an dem aufsehenerregenden Verbrechen war ein junger Ivorer im Oktober 2008 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Vor allem die angelsächsische Presse hatte sich stark für den Prozess gegen Knox interessiert.

Quellen: dpa



 21.11.2009

Mord von Perugia  -  Beim Sexspiel Kehle durchschnitten

Der Prozess um die sexuelle Misshandlung und Ermordung einer britischen Austauschstudentin in Perugia geht in die letzte Runde.

Der Angeklagten Amanda Knox droht lebenslange Haft.

Dies hat die Staatsanwaltschaft am Samstag für die beiden Hauptverdächtigen gefordert. Angeklagt sind die Studentin Amanda Knox aus den USA sowie deren früherer Freund, ein Italiener. Die 21-jährige Austauschstudentin aus der englischen Stadt Leeds wurde 2007 erstochen in der Wohnung aufgefunden, die sie mit der Studentin aus Seattle teilte.
Beide Angeklagte haben die Beschuldigung zurückgewiesen. Ein dritter Verdächtiger aus der Elfenbeinküste wurde im vergangenen Jahr schuldig gesprochen und zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Tödlich an der Kehle verletzt
Die Britin wurde am 2. November 2007 tot in der Wohnung in Perugia entdeckt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wurde sie im Verlauf eines Sexspiels getötet. Dabei soll sie der Angeklagte an den Schultern festgehalten haben, der mittlerweile Verurteilte soll die Britin sexuell bedrängt haben, und die Amerikanerin soll sie schliesslich mit einem Messer tödlich an der Kehle verletzt haben. Ein Urteil wird im Dezember erwartet.



23.06.2009

Engel mit den Eisaugen: Neue Gutachter-Aussage vor Gericht Wende im Prozess gegen Amanda Knox?

Engel mit den Eisaugen
Mordprozess gegen Amanda Knox „Engel mit Eisaugen“ vor Gericht
Mit ihren hellblauen Augen strahlt Amanda Knox den Pathologen Walter Patumi während des Prozesses an
Foto: AP

Ist das die Wende im Prozess gegen Amanda Knox (21), den Engel mit den Eisaugen? Hat die US-Studentin wirklich mit ihrem Freund Raffaele Sollecito (25) ihre Kommilitonin Meredith Kercher († 21) umgebracht, weil die sich weigerte, an bizarren Sex-Spielen teilzunehmen?


Engel mit den Eisaugen

Francesco Introna versucht die Beweisführung der Anklagezu erschüttern


Vor dem Geschworenengericht in Perugia versuchte der italienische Gutachter Francesco Introna, der von der Familie des Mitangeklagten engagiert wurde, die Beweisführung der Anklage zu erschüttern.

Introna bezweifelte, dass die von der Staatsanwaltschaft präsentierte Tatwaffe für den Mord benutzt wurde! Der Gerichtsmediziner erklärte, der Studentin sei mit einer 7,6 bis 8,9 Zentimeter langen Klinge die tödliche Schnittwunde am Hals zugefügt worden und nicht mit einem 16,5 Zentimeter langen Messer, wie der Staatsanwalt behauptet.

Außerdem führte der Gutachter der Verteidigung aus, dass in dem kleinen Tatort-Zimmer wegen der engen Räumlichkeiten niemals mehr als zwei Personen anwesend gewesen sein konnten. Er widerspricht damit der Anklage, dass Sollecito und Knox die britische Studentin gemeinsam in dem Zimmer getötet haben sollen.

Will Introna mit seinen Ausführungen Amanda Knox weiter belasten, um seinen Mandanten frei zu bekommen?

Die Thesen Intronas, die durch keine Beweise gestützt werden, widersprechen dem offiziellen Untersuchungsergebnis. Der Gerichtsmediziner Gianaristide Norelli hat belegt, dass das Messer mit der 16,5 Zentimeter langen Klinge die Tatwaffe war und zur tödlichen Wunde passt. Außerdem wurden am Griff DNA-Spuren von Amanda Knox gefunden. Was aber kein eindeutiger Schuldbeweis ist, weil das Messer aus dem gemeinsamen Haushalt des Engels mit den Eisaugen und der Toten stammt...

Inzwischen hat sich Rudi Guede gemeldet und einen neuen Prozess verlangt. Er hatte bereits ein Urteil von 30 Jahren wegen Beteiligung an der Ermordung von Meredith Kercher akzeptiert.

 



18.06.2009

Prozess um Eisaugen-Engel Amanda Knox in Italien

Hat der Staatsanwalt geschlampt?

Im Indizienprozess um den Sex-Mord an der Studentin Meredith Kercher (†22) in Perugia (Italien) wollte Staatsanwalt Giuliano Mignini endgültig die Schuld von Amanda Knox beweisen. Tatsächlich zeigte sich nur, wie schlampig die Ermittlungen geführt wurden.

Der Staatsanwalt ist sicher: Amanda ist die Täterin. Gemeinsam mit ihrem Liebhaber Raffaele Sollecito (25) und dem Afro-Italiener Rudy Guede (22) soll sie Meredith umgebracht haben, weil sie nicht bei einer Sex-Orgie mitmachen wollte.

Die Beweise gegen den „Engel mit den Eisaugen“ scheinen erdrückend: Ihre DNA wurde auf dem Griff eines Küchenmessers gefunden, an der Klinge das Blut des Mordopfers. Auch auf Armaturen fanden Ermittler DNA-Spuren von Amanda, die mit Merediths Blut gemischt waren. Außerdem telefonierte sie mehrmals, bevor die Polizei um 12:20 Uhr am Tatort eintraf. Angeblich soll Amanda auch versucht haben, ihre Mutter in Seattle anzurufen. Das „Schlüssel-Telefonat“, mit dem der Staatsanwalt Amandas Schuld beweisen wollte.

Im Kreuzverhör fragte Staatsanwalt Mignini die Angeklagte Amanda Knox: „Warum haben Sie um 12.00 Uhr mittags, noch bevor die Polizei in der Via delle Pergola auftauchte, ihre Mutter in Seattle angerufen, wo es drei Uhr nachts war, um ihr zu sagen, dass Sie in Perugia eine neue Wohnung suchen müssen?“ fragte er. „Daran erinnere  ich mich nicht“, antwortete Amanda. Für den Staatsanwalt unglaubwürdig.

Doch jetzt entpuppt sich das scheinbare As im Ärmel des Staatsanwalt als extra Pluspunkt für die Angeklagte. Denn die italienische Zeitschrift „Oggi“ veröffentlichte nun den Ausdruck der Telefonate, die Amanda am Vormittag führte und bewies: Die Ermittler haben geschlampt!

In der Tat wählte sie um 12.07 Uhr und um 12.11 Uhr jeweils eine Nummer im Ausland. Aber sie rief nicht ihre Mutter in Seattle an, sondern wählte die Nummer von Merediths Handy – und das hatte eine englische Vorwahl. Gleich darauf suchte sie ihre anderen beiden Mitbewohnerinnen, um ihnen zu sagen, dass in der Wohnung etwas nicht stimmt. Erst um 12.47 Uhr und dann noch einmal um 13.24 Uhr sprach Amanda mit ihrer Mutter in den USA.

Merediths Leiche, die hinter ihrer verschlossenen Zimmertür lag, wurde um 13.20 entdeckt. Warum hätte Amanda, wenn sie Meredith selbst tötete, am nächsten Tag deren Nummer wählen sollen?

Am Freitag wird Amanda – auf Antrag ihres Anwaltes – noch einmal zu den Telefonaten befragt werden: Die Geschworenen können sich dann selbst ein Bild von der Schlamperei der Ermittler machen. Unterdessen haben Amandas Eltern zum ersten Mal über die emotionale und finanzielle Belastung gesprochen, die der Mord-Prozess um ihre Tochter bedeutet. Die Kosten für das Anwälte-Team, Forensik-Experten, Ermittler und Medien-Berater würden die Familie an den Rand des Ruins treiben:

„Wir werden buchstäblich mit nichts dastehen. Wir werden tun, was immer nötig ist“, sagten Curt und Mellas Knox der US-amerikanischen Zeitung „Seattle Times“.



Prozess

Amanda Knox' aussichtsloser Kampf vor Gericht

 15. Juni 2009

Amanda Knox soll während einer Sexorgie in Perugia ihre Mitbewohnerin getötet haben. Jetzt sprach die Amerikanerin vor Gericht über ihre Version der blutigen Tat. Doch alle Erklärversuche sind wirr. Einige Prozessbeobachter glauben, dass sie sich an die Nacht sowieso nicht mehr erinnern kann – weil sie bekifft war.

Foto: REUTERS

Ein Alibi für die Tat bekam Amanda Knox von ihrem Ex-Freund Raffaele Sollecito. Die Behörden glauben, dass es falsch ist.

Amanda Knox erschien in Weiß vor ihrem Richter, wie eine Braut, warm lächelnd. Von eiskaltem Blick kann bei der 21-Jährigen keine Rede sein. Sie hatte auch eine kleine Verletzung an der Oberlippe. Es sah apart aus, wie alles an der engelgleichen Amerikanerin, die seit zwei Jahren für teuflische Schlagzeilen weit über Italien hinaus sorgt.

Gut möglich, dass der Prozess gegen sie mit einem „Lebenslänglich“ enden wird, doch dass dabei je die Wahrheit über die Nacht vom 2. November 2007 heraus kommen wird, bleibt eher unwahrscheinlich. In jener Nacht wurde ihre Mitstudentin Meredith Kercher aus England ermordet. Man fand sie halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in einem Zimmer der Wohngemeinschaft, die sie gemeinsam mit Amanda und zwei Italienerinnen in der umbrischen Universitätsstadt Perugia bewohnte.

Die Wohnung voller Blut. Meredith, so haben die Gerichtsmediziner festgestellt, wurde zuerst gewürgt, dann mit Messern traktiert und schließlich erstochen. Sexuelle Gewalt ließ sich ebenfalls nachweisen. Die letzten Fotos, die sie bei Facebook von sich ins Netz gestellt hatte, zeigen sie noch als unbeschwerte Studentin, der am Vergnügen mehr zu liegen schien als an den Fächern Politik und Italienisch, für die sie sich in der Uni eingetragen hatte.

Sie tanzte und trank gern - wie Amanda oder andere der vielen Studentinnen, die abends die Plätze und Studentenkneipen Perugias bevölkern. Am 1. November hatte Meredith die Stadt noch als geschminktes Halloween-Gespenst unsicher gemacht. Einen Tag später war sie tot.

Sie hatte sich geweigert, bei einer bizarren Orgie mitzumachen, glaubt die Staatsanwaltschaft, die Amanda Knox den Mord vorwirft. Die US-Studentin soll ihre Mitbewohnerin erstochen haben, während ihr italienischer Freund Raffaele Sollecito und Rudy Guede, ein Immigrant von der Elfenbeinküste, das Opfer festgehalten hätten. Guede hat vor Monaten schon zugegeben, dass er in der Mordnacht bei Kercher war und wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt. Er könne seitdem die Augen nicht mehr schließen, ohne das viele Blut zu sehen, hat er in seinem Prozess zu Protokoll gegeben - doch auch die beiden anderen seien dabei gewesen. „Sag' die Wahrheit, Amanda!“ hat er sie jetzt aus dem Gefängnis noch einmal wissen lassen. Manche Beobachter fragen sich jedoch, ob Amanda überhaupt noch weiß, was mit „Wahrheit“ gemeint ist.

Sicher scheint nur, dass alle völlig bekifft waren. Viele Indizien der Gewalttat scheinen einem verspäteten Hippie-Alptraum zu entstammen. Doch Raffaele Sollecito und Amanda Knox beteuern ihre Unschuld auch weiter wie zwei Blumenkinder. Der Prozess hat alles, was den Boulevard erregt – wobei die Augen natürlich weniger auf den Angeklagten mit dem Vornamen eines Erzengels gerichtet sind, als vor allem auf Amanda mit der Unschuldsmiene, die sich selbst im Netz als "Foxy Knoxy" anpries: die scharfe Amanda.
Die Indizien belasten dennoch beide gleichermaßen schwer. Auf der Klinge eines Küchenmessers Raffaele Sollecitos wurden DNA-Spuren von Meredith Kercher gefunden, auf dem Griff hingegen Spuren von Amanda Knox. Auch an dem BH des Opfers fanden sich Spuren Sollecitos, der auch im Badezimmer einen Fußabdruck hinterlassen hat, mit dem Blut des Opfers. Dann gab es noch Spuren eines Einbruchs, der keinen Sinn ergab, weil das Fenster erst im Nachhinein – und zwar von innen - eingeschlagen worden war, als wäre versucht worden, damit eine falsche Spur und ein falsches Motiv für den Mord zu simulieren. In der gleichen Nacht soll Amanda Knox - um 3:00 Uhr in der Früh – noch versucht haben, ihre Mutter in Seattle anzurufen, doch davon weiß sie natürlich heute vor Gericht nichts mehr.

Dafür erzählen dort Polizeibeamte nun umso ausführlicher, wie merkwürdig sie sich nach ihrer Festnahme benommen habe. Sie habe abwechselnd gekichert, Yoga-Übungen gemacht und mit Sollecito geschmust. Zuerst behauptete sie damals, bei ihrem Freund gewesen zu sein, danach sagte sie, sie sei zu Hause gewesen und habe Meredith Kercher im Nebenzimmer schreien gehört, bevor sie schließlich ihren Chef Patrick Lumumba, den kongolesischen Besitzer der Bar „Le Chic“, beschuldigte, Kercher umgebracht zu haben. Der wurde danach verhaftet, musste jedoch nach zwei Wochen wieder entlassen werden, weil sich die Vorwürfe als unhaltbar erwiesen. Darauf können Amanda Knox und Raffaele Sollecito auch nach 20 Monaten für sich nicht hoffen, die heute ihren Widersprüchen von damals vor allem neue hinzufügen. Polizisten hätten sie damals misshandelt, als „dumme Lügnerin“ beschimpft und unter Druck gesetzt, um Lumumba der Tat zu bezichtigen. Dem habe sie "voller Verwirrung“ nachgegeben.

Tatsächlich habe sie damals in der Tatnacht mit ihrem Freund einen Joint geraucht, Sex gehabt und sei danach friedlich eingeschlafen. In Ermangelung härterer Fakten werden deshalb seit einigen Tagen vor allem ihre Briefe zitiert, die sie aus der Haft ihrem Freund geschrieben hat, etwa am 18. Februar: „Denkst Du, man wird uns erlauben, dass wir uns umarmen, wenn der Richter uns freispricht? Es wäre so wundervoll. Deine Freundin Amanda. Let it be! Here Comes the Sun ..."



12.06.2009

"Foxy Knoxy" steht wieder vor Gericht

Die US-Studentin, des Mordes an einer Kommilitonin angeklagt, nimmt Stellung. Das Opfer wollte nicht an einer Sex-Orgie teilnehmen.

Ich war high, als ich mit der Polizei sprach." Das mag nicht die klügste Entschuldigung für ihre widersprüchlichen Aussagen sein, die die amerikanische Studentin Amanda Knox zu ihrer Verteidigung in einem italienischen Gerichtssaal vorbringen könnte. Sie habe Marihuana konsumiert und habe deshalb nicht realisiert, dass ihre Aussagen protokolliert würden.
Angeklagt ist Knox - die Medien gaben ihr den Beinamen "Foxy Knoxy" aufgrund ihres ansprechenden Äußeren - des Mordes an ihrer britischen Mitstudentin Meredith Kercher. Die beiden waren Mitbewohnerinnen in Perugia, als sie dort studierten. Und Freundinnen, so schien es zumindest. Dann wurde die Kercher im Jahr 2007 tot aufgefunden; mit aufgeschlitztem Hals, halbnackt, mit Drogen vollgepumpt, wie die Staatsanwälte meinten. Sie gehen von einem bizarren Sex-Drogen-Spiel aus, in das Knox die Britin verwickeln wollte. Als diese sich gewehrt habe, sei das ihr Todesurteil gewesen. Mit dabei soll auch der damalige Freund von Amanda Knox gewesen sein: der Italiener Raffaele Sollecito. Beide sind nun des Mordes und sexueller Vergehen angeklagt. Knox ist inzwischen zum Internet-Star und zur Ikone avanciert. Regelmäßig erhält sie Fanpost und Heiratsanträge in ihre italienische Zelle, es gibt Clubs, die sich ihrer Freilassung verschrieben haben. Aufgrund ihrer Erscheinung und der aufregenden Geschichte um Drogen, Sex und ein ausschweifendes Studentenleben hat Amanda Knox weltweit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Widersprüche

Knox, deren Fall zum internationalen Medienspektakel wurde, verteidigte sich nun vor der achtköpfigen Richtergremium und dem mit Journalisten vollgestopften Saal, um ihre immer wieder beteuerte Unschuld zu beweisen. Sie trug ein braves Outfit, die Haare zum Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie sagte: "Meine Aussagen wurden gegen meinen Willen aufgenommen, und zwar als ich verwirrt war und von der Polizei bedrängt wurde." Die Staatsanwaltschaft führte an, sie haben Beweise, dass sie zum Tatzeitpunkt anwesend war, und wies auf die widersprüchlichen Antworten von Knox hin, nachdem Kercher tot war.
Die Studentin hatte zunächst angegeben, sie sei in der Nacht des Todes im Haus
gewesen, dann änderte sie ihre Geschichte. Knox sagte zu ihrer Verteidigung, sie habe sich vor der Polizei gefürchtet, ein Dolmetscher habe zusätzlich für Verwirrung gesorgt. Außerdem sei kein Anwalt bei den Befragungen dabei gewesen, während der die Polizisten sie wiederholt als Lügnerin bezeichnet haben sollen.

Urteil wird für heute keines erwartet. Der Prozess, der im Januar begann, geht am Montag in der Studentenstadt Perugia weiter.


Prozess in Italien

Amanda Knox beteuert Unschuld im Sex-Mordfall

12. Juni 2009

Die als "eiskalter Engel" bekannt gewordene Austauschstudentin aus den USA, Amanda Knox, kämpft in Italien um ihre Freiheit. Knox soll am Mord ihrer Mitbewohnerin beteiligt gewesen sein und steht deshalb vor Gericht. Die junge Britin musste angeblich sterben, weil sie nicht bei einer Sex-Orgie mitmachen wollte.

Foto: AFP

Madonna oder Mörderin? Die hübsche Amanda Knox wird verdächtigt, ihre Mitbewohnerin gemeinsam mit zwei Männern ermordet zu haben.

In dem Prozess um einen mutmaßlichen Sexualmord an einer britischen Austauschstudentin in Italien hat die angeklagte US-Studentin Amanda Knox ihre Unschuld beteuert. Die 21-Jährige und ihr italienischer Ex-Freund Raffaele S. stehen im Verdacht, in der Universitätsstadt Perugia im November 2007 Amandas Mitbewohnerin in deren Wohnung getötet zu haben.

Sie sei zur Tatzeit in der Wohnung ihres Freundes gewesen, sagte Knox vor Gericht. Sie erhob zudem Vorwürfe gegen die italienischen Ermittler. Diese hätten sie unter Druck gesetzt, ihren ehemaligen Chef Patrick L. der Tat zu bezichtigen.

Die junge Britin Meredith Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung gefunden worden, die sie gemeinsam mit der US-Studentin und zwei Italienerinnen in Perugia bewohnte.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde sie getötet, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen. Laut Anklage soll die US-Studentin ihre Mitbewohnerin erstochen haben, während ihr italienischer Freund und ein Einwanderer aus der Elfenbeinküste sie festhielten. Alle drei hätten zuvor Hasch geraucht. Der Ivorer Rudy G. wurde wegen seiner Beteiligung an dem Mord im vergangenen Oktober bereits zu 30 Jahren Haft verurteilt. Italienische Medien zitierten ihn mit dem aus seiner Zelle geäußerten Appell „Du warst dabei Amanda, sag die Wahrheit.“ Knox und ihrem italienischen Freund droht eine lebenslange Haftstrafe, sollten sie des grausamen Mordes für schuldig befunden werden. Die aus Seattle stammende Knox wirkte bei ihrer Aussage gefasst. Die junge Frau, die sich auf ihrer Seite im Internet-Netzwerk MySpace aufreizend als „Foxie Knoxy“ präsentierte, erschien in weißer Kleidung mit züchtigem Pferdeschwanz vor den Richtern. Ihre Aussagen gegen den aus dem Kongo stammenden Barbesitzer L. habe sie „in Verwirrung und unter Druck“ gemacht. Die Ermittler hätten sie „eine dumme Lügnerin“ genannt, sagte Knox aus.

Die Aussagen der Studentin hatten den Kongolesen für zwei Wochen ins Gefängnis gebracht, bis er aus Mangel an Beweisen freigelassen werden musste. Er fordert in dem Prozess eine Entschädigung für die Inhaftierung. Die Eltern der getöteten Britin fordern von den mutmaßlichen Mördern Schmerzensgeld in Höhe von 30 Millionen Euro.



08.06.2009

Sex-Mord von Perugia:

Perugia ist die Hauptstadt der Region Umbrien in Italien und der Provinz Perugia. Sie hat etwa 158.000 Einwohner.


PERUGIA – Im Prozess um den brutalen Sex-Mord sagte die Mutter des Opfers erstmals gegen Amanda Knox aus. Den Killerengel mit den «Eisaugen» konnte sie nicht anschauen.


Arline Kercher (r.) mit ihrer Tochter Stephanie Kercher. (Reuters)

Arline Kercher (63), die Mutter von Meredith Kercher, musste erstmals der mutmasslichen Mörderin ihrer Tochter vor Gericht gegenübertreten. Sie sass keine zwei Meter von Amanda Knox entfernt und würdigte sie sie keines Blickes.
Vor Gericht beschrieb sie ihre Gefühle: «Merediths Tod ist noch immer nicht fassbar, so surreal.» Sie schaue immer noch nach ihrer Tochter. Besonders schlimm sei nicht nur der Tod, «sondern die Art, wie sie starb». Die Brutalität und das grosse Leid, das ihr Tod allen gebracht habe.
Meredith Kercher (†21) ist die Austauschstudentin, die halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in dem Haus gefunden wurde, in dem sie mit Amanda Knox gewohnt hatte. Die Anklage geht davon aus, dass sie bei einer bizarren Sex-Party nicht mitmachen wollte und deshalb sterben musste.
Arline Kercher erzählte nun vor Gericht vom letzten Telefonat mit ihrer Tochter. Meredith habe vorgehabt, zu ihrem Geburtstag in die Staaten zurückzukehren. «Sie sagte, sie sehr müde von einer Halloween-Party in der Nacht zuvor». Die Mutter ist verzweifelt: «Es ist so ein Schock, das eigene Kind ins Ausland zu schicken und es kommt nicht zurück. Wir werden nie darüber hinwegkommen.»

Auch Merediths Vater redete vor Gericht. Er sagte, seine Tochter sei eine körperlich sehr starke Frau gewesen, die Karate- und Boxstunden genommen habe. «Es kam sicherlich zu einem Kampf», vermutete er. Den verlor sie offenbar. Gegen Amanda Knox? Noch streitet der «Engel mit den Eisaugen» den Mord ab. Der Prozess geht weiter. (num)

Amanda Knox: Der «Engel mit den Eisaugen». (Reuters)


Das Mordopfer: Meredith Kercher. (Reuters)




8. Dezember 2008

Amanda Knox – der eiskalte Engel von Perugia

Eine amerikanische Studentin soll in Italien mit zwei Freunden eine Kommilitonin ermordet haben. Der Prozess beginnt im Januar. Schon jetzt sind Details bekannt. Ganz Italien verfolgt den Prozess um eine junge hübsche Frau, die entweder als Madonna oder kaltblütige Mörderin dargestellt wird.

 

Foto: LaPresse

In diesem Haus lebten die beiden Frauen zusammen und studierten in Perugia. Was sich genau in der Tatnacht abspielte, konnte die Polizei nicht klären.

Amanda Knox könnte gut, wenn wir uns mit ihr ein paar Jahrhunderte zurückversetzen, für ein Madonnenbild Modell sitzen. In Umbrien oder der Toskana etwa, in jenem Spiel aus Licht und Schatten, das auch sie so liebt. Sie ist jetzt 21 Jahre alt und hat ein Lächeln, das den leisen Spott in den Augen von Leonardos „Mona Lisa“ leicht verstaubt aussehen lässt. Der göttliche Pietro di Cristoforo Vannucci, genannt Perugino, hätte sich wohl darum gerissen, sie vor seine Staffelei zu bekommen. Stattdessen aber sitzt Amanda Knox heute in Perugia in einem Staatsgefängnis und schweigt zu einem Mordfall, der Italien seit einem Jahr mehr bewegt als die Prozesse der Mafia.

Aus dem Gefängnis ist durchgesickert, sie habe sich inzwischen „bekehrt“ und lese am liebsten in der Bibel. Das war vor einem Jahr noch ganz anders, und von den gegen sie erhobenen Vorwürfen hat die junge Amerikanerin in der Zeit danach noch immer keinen einzigen wirklich entkräften können. Amanda Knox schweigt, doch die Indizien sprechen. Hinter Gittern sitzt sie schon seit einem Jahr, weil sie dringend verdächtigt wird, am gewaltsamen Tod von Meredith Kercher beteiligt gewesen zu sein. Einer Kommilitonin aus England, mit der sie eine Wohnung teilte.

Auch Meredith war hübsch. Sie wurde am 1. November 2007 mit durchschnittener Kehle in ihrem Bett aufgefunden, halb nackt und erstochen „wie im Rausch“, wie es im Polizei-Protokoll heißt.

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Eine Kamera hatte beobachtet, wie Amanda Knox kurz vor dem Mord das Haus betreten hatte. Auf der Tatwaffe, einem Messer, finden sich ihre DNA-Spuren. Der Rest der Wohnung wurde wie verrückt geschrubbt. Obwohl Amanda Knox ja auch darin wohnte, fanden sich nirgendwo mehr Fingerabdrücke von ihr. Sie hat ein Alibi, das allerdings nur ein Einziger bezeugt. Das ist ihr 25-jähriger Ex-Freund Raffaele Sollecito aus Apulien, der im Prozess als Mitverdächtigter neben ihr auf der Anklagebank sitzen wird. Von ihm wurden DNS-Spuren auf dem BH des Opfers gefunden.

Eine Orgie mit tödlichem Ausgang

Auch Sperma entdeckten die Gerichtsmediziner im Körper von Meredith Kercher – allerdings von Rudy Guede, einem 21-jährigen Kleindealer vom Domplatz Perugias, der als Kind von der Elfenbeinküste nach Italien gekommen war. Guede war nach der Tat geflohen und wurde in Deutschland gefasst. Er habe den Mörder gesehen, sagte er, es sei ein Italiener, und er sei auch von ihm bedroht worden. Daher seine Panik und Flucht. In einem verkürzten Verfahren, um das er selbst gebeten hatte, wurde ihm schon vor Wochen als Hauptverdächtigem der Prozess gemacht. Das Urteil fiel im letzten Monat: 30 Jahre Haft. Gestanden hatte er aber bis zum Schluss nur gewöhnlichen Geschlechtsverkehr. Für die Polizisten sah es dagegen eher nach einer Orgie mit mehreren Teilnehmern und tödlichem Ausgang aus.

Ein Hafturlaub wurde Amanda Knox auch nach dem Urteil gegen Rudy Guede verweigert, obwohl sie Barack Obama dringend zum Wahlsieg verhelfen wollte und darum bat, wählen gehen zu dürfen. Fluchtgefahr erschien dem Untersuchungsrichter jedoch als ein gewichtigeres Argument.

Nun wurde der Prozess, den nicht nur Italiens Medien in all seinen pikanten Details mit genüsslichem Entsetzen verfolgen, im letzten Moment vom 4. Dezember noch einmal auf den 16. Januar verschoben. Wichtige Dokumente und die Liste aller 90 Zeugen, die vorgeladen werden sollen, seien nicht rechtzeitig eingetroffen, hieß es aus Kreisen des Gerichts. Wahrscheinlich erschien es den Richtern auch sinnvoll, erst einmal Weihnachten vorübergehen zu lassen.

Geständnisse in "Second life"

Selbstverständlich hätte sich ein ähnlicher Mordfall „grosso modo“ in Perugia auch im Geniezeitalter der Renaissance zutragen können; so verschieden sind die Zeiten nicht. Doch längst schon zieht die hügelige Stadt im nördlichen Umbrien mehr Studenten als Künstler an, Kids aus Kalifornien, Hip-Hopper aus Berlin und Aufsteiger aus Afrika, die allesamt eine zweite Heimat im „second life“ des Cyberspace gemeinsam haben, bevor sie hier zusammentreffen. In dieser Welt brauchte es nur ein paar Mausklicks, um rasch herauszubekommen, dass in der realen Welt das Italienisch der Gegend um Perugia, Assisi und Todi als das beste Italiens gilt. Auch die Küche hat es in sich und der Wein. Perugia mit seinen etruskischen Mauern schien deshalb für Amanda Knox aus Seattle der ideale Ort, wo sie als Austauschstudentin Italienisch, Kreatives Schreiben und Deutsch studieren konnte.

Sie liebe „guten Wein, Klettern, Fernreisen, Yoga an einem verregneten Tag, Kaffee kochen und viele Sprachen“ vertraute sie damals einer Internetplattform an. In einem anderen Eintrag träumte sie allerdings auch von zwei Brüdern, die sich eine gemeinsame Vergewaltigung ausmalten und ihre Erfahrungen mit den schärfsten Drogen austauschten. „Sex & Drugs & Rock 'n' Roll“ stand zwar nicht auf Amandas Lehrplan, wurde aber noch eifriger als die Sprache Dantes von ihr studiert. „Foxy Knoxy“ hieß sie bald an der Ausländer-Uni. Frei übersetzt: gerissenes Luder.

Klar, dass für große Teile der Medien der Prozess gegen sie noch viel länger dauern könnte. Denn kein Programm der erfolgreichen TV-Kanäle des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconis etwa kommt ohne junge Frauen wie Amanda Knox aus. Hier aber könnte die Schöne nicht nur ein Biest, sondern eine brutale Mörderin sein. Die Anklage behauptet, Amanda Knox habe auf Meredith eingestochen, während die jungen Männer sie auf den Knien niederhielten.

Die Familie des Opfers verlangt nun nach einem Prozess hinter verschlossenen Türen, um dem „morbiden Interesse“ im „Zirkus der Medien“ nicht nachzugeben. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Eine Reihe von Mitspielern – vom Anwalt bis zum Richter – scheint es durchaus zu genießen, sich in dem Lichtkegel mit zu sonnen, der den Fall Amanda Knox in der Öffentlichkeit auf Schritt und Tritt begleitet.


20. November 2007

Mord an Studentin - Sexspiel-Täter in Deutschland festgenommen

Die 21-jährige Britin Meredith Kercher war zum Studium nach Perugia gekommen. Am 2. November wurde die junge Frau mit durchschnittener Kehle und halb bekleidet in ihrem Appartement gefunden worden. Einer der Täter wurde jetzt in Koblenz festgenommen.

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Foto: AFP

Die 21-jährige Meredith Kercher wurde in Perugia von vermutlich drei Tätern bei Sexspielen umgebracht

In Mainz ist ein 21-Jähriger Verdächtiger im Fall einer in Italien grausam ermordeten britischen Austauschstudentin festgenommen worden. Der Mann aus Elfenbeinküste sei nach einer Zugfahrt auf der Strecke zwischen Koblenz und Mainz festgenommen worden, sagte Karl-Rudolf Winkler von der Staatsanwaltschaft Koblenz. Er sei aufgefallen, weil er schwarzgefahren sei. Die italienischen Behörden hatten diese Woche einen internationalen Haftbefehl für den Mann ausgestellt. Er steht in Verdacht, am 1. November mit drei Komplizen die 21-jährige Britin in Perugia getötet zu haben.

Die deutschen Behörden warteten auf Papiere aus Italien, die noch übersetzt werden müssten, sagten Winkler. Noch sei unklar, wohin der Mann aus Elfenbeinküste vor seiner Festnahme gewollt habe. Die drei übrigen Verdächtigen in dem Mordfall wurden bereits am 6. November verhaftet: Die 20 Jahre alte Mitbewohnerin der Britin aus den USA, deren 24-jähriger italienischer Freund sowie eine 38 Jahre alter Musiker und Bar-Besitzer aus dem Kongo. Nach der Festnahme des Mannes aus Elfenbeinküste wurde der Kongolese nach Angaben seines Anwalts freigelassen.

Die junge Britin war am 2. November halb entkleidet und mit durchschnittener Kehle gefunden worden. Nach Polizeiangaben hatten die Mörder der jungen Frau „offenbar ein sexuelles Motiv“, obwohl Gerichtsmediziner zunächst keine Spuren einer Vergewaltigung feststellten.

Die Ermittler entdeckten Medienberichten zufolge einen blutigen Fingerabdruck des Verdächtigen aus Elfenbeinküste auf einem Kissenbezug sowie DNA-Spuren an Toilettenpapier in dem Haus in Perugia. Am Freitag teilten italienische Kriminaltechniker zudem mit, im Haus des verdächtigen Italieners sei ein Messer mit DNA-Spuren der Ermordeten entdeckt worden, obwohl diese dort offenbar nie gewesen sei.

Nach Angaben der italienischen Ermittler waren diese dem ivorischen Verdächtigen durch seine Telefonate über das Internet-Telefonsystem Skype auf die Spur gekommen, was die deutschen Behörden zunächst aber nicht bestätigen konnten.

Der Festgenommene lebte in Perugia, seit er fünf Jahre alt war. Mit 17 wurde er von einer italienischen Familie adoptiert. Italienische und britische Medien beschreiben ihn als Drogendealer, der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zufolge war er wegen Diebstahls bei der Polizei bekannt.





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