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04.12.2009

Erschienen bereits am 09. November 2009

Mit 13 lebenslang hinter Gittern


Der 31-jährige Joe Sullivan wurde mit 13 zu lebenslanger Haft verurteilt (Foto: AP)   

Joe Sullivan wurde wegen Vergewaltigung einer älteren Frau zu lebenslanger Haft verurteilt und für unverbesserlich erklärt. Er war zur Tatzeit 13 Jahre alt. Terrance Graham erhielt wegen bewaffneter Raubüberfälle im Alter von 16 und 17 Jahren lebenslänglich; der Richter erklärte dem Teenager, er habe sein Leben vertan. Beide haben niemandem das Leben genommen und wurden doch dazu verurteilt, hinter Gittern zu sterben.

Bei Jugendlichen, die nach Erwachsenenstrafrecht angeklagt und eines weniger schwerwiegenden Verbrechens als eines Tötungsdelikts schuldig gesprochen werden, sind lebenslange Haftstrafen ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung eine Seltenheit. 109 solcher Fälle, in denen Jugendliche eingesperrt und quasi der Schlüssel weggeworfen wurde, gibt es unter den Häftlingen in den USA, wie Kritiker beobachtet haben. Nun wollen sie vom Obersten Gerichtshof feststellen lassen, dass diese Strafe grausam, ungewöhnlich und damit verfassungswidrig ist.

Anhörungen sind für Montag angesetzt. Graham ist heute 22 und Sullivan 33 Jahre alt. Sie sitzen in Gefängnissen in Florida - so wie über 70 Prozent der Sträflinge, die als Minderjährige nicht wegen eines Tötungsdelikts zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Vor vier Jahren bereits hatte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe für Minderjährige unter 18 Jahren verboten. Die Entscheidung fiel mit fünf zu vier Stimmen.

Zweite Chance für Jugendliche
Richter Anthony Kennedy begründete die Mehrheitsmeinung damals mit der minderen Strafbarkeit jugendlicher Straftäter. "Vom moralischen Standpunkt aus wäre es falsch, die Fehler eines Minderjährigen mit denen eines Erwachsenen gleichzusetzen, weil eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Charakterschwächen eines Minderjährigen sich bessern werden." Zugleich räumte Kennedy ein, dass eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung schon "eine schwere Strafe ist, besonders für einen jungen Menschen".

"Lebenslang angemessen für schlimme Straftäter"
Gegner wie auch Befürworter berufen sich auf die Seltenheit der drakonischen Strafe. Florida - und 19 andere US-Staaten - argumentieren, dass man beim Strafmaß flexibel bleiben müsse, um "besonders abscheuliche Taten, die noch nicht den Tod verursachen", energisch ahnden zu können. Lebenslang ohne Aussicht auf Entlassung sei "angemessen selten und den schlimmsten der schlimmen Straftäter vorbehalten", erklären Opfergruppen. Auch die meisten Opfer Jugendlicher seien jung, so dass eine Strafmilderung unschuldige Kinder gefährden würde.

Jugendliche Täter "noch unfertig"
Kritiker wenden dagegen ein, dass die meisten US-Staaten in der Praxis kein lebenslänglich verhängen, wenn niemand zu Tode kam. In keinem anderen Land gebe es eine lebenslange Haftstrafe für jugendliche Täter. Abgesehen davon sind Grahams und Sullivans Anwälte dagegen, ein endgültiges Urteil über einen so jungen Menschen zu fällen. "Die sind unfertig, noch im Werden", sagt Sullivans Vertreter Bryan Stevenson. Unterstützung finden die Kläger bei Strafvollzugsbeamten, Psychologen, Pädagogen, selbst bei manchen Verbrechensopfern.

Strafmaß überprüfen
Und bei Leuten, die selbst als Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, wie der ehemalige Senator Alan Simpson. Der republikanische Politiker hatte als Teenager ein leerstehendes Haus niedergebrannt und einen Polizisten geschlagen. Er sehe keinen guten Grund, warum nach längerer Zeit nicht wenigstens das Strafmaß überprüft werden sollte, erklärte Simpson. "Wenn sie 30 oder 40 sind und seit 20 oder 30 Jahren im Knast sitzen, wenn sie Lesen gelernt haben und wie man mit Dingen umgeht - warum nicht?" Wenn sich zeige, dass ein Häftling nicht zur Freilassung tauge, "dann buchtet man ihn wieder ein", meint er. "Das ist besser als zu sagen: 'Tut mir leid, wir können uns die Akte nicht ansehen, weil du auf Lebenszeit hier drin bist.'"

Quellen: t-online


24.11.2009


Lebenslange Haft für Mord an obdachloser Frau

Wiesbaden (ddp). Wegen Mordes an einer obdachlosen Frau ist ein 26-Jähriger in Wiesbaden zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte sein 58-jähriges Opfer in der Nacht zum 6. Juni vergewaltigte und erdrosselte. Der 26-Jährige hatte die Mordabsichten bis zuletzt bestritten und auf fahrlässige Tötung plädiert. Der Sex mit der 30 Jahre älteren Frau sei einvernehmlich, ihr Tod ein Unfall gewesen.

Quelle: Rheinische Post



22.11.2009


Mordprozess  -  "Dafür gibt es keine Sühne"


Serienmörder Hansjoachim W. wird vermutlich nie wieder freikommen.


Im Juli letzten Jahres hatte er zwei Frauen erdrosselt und ausgeraubt. Dies waren nicht seine ersten Taten.

Nun erging die Höchststraße.

Nach mehr als 20 Jahren Haft setzte Frauenmörder Hansjoachim W. sein verbrecherisches Leben ohne Zögern fort. Wieder ging er „aus Gewinnstreben über Leichen“, hieß es gestern im Urteil. Gegen den 45-jährigen W., der im Juli letzten Jahres zwei 59 und 83 Jahre alte Frauen erdrosselt und ausgeraubt hatte, erging die Höchststrafe: lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Haft nach der Haft, weil der Mörder für die Allgemeinheit gefährlich sei.

Hansjoachim W. hatte bereits 1986 innerhalb eines Monats in Schöneberg und Wilmersdorf drei Frauen getötet, um an Geld zu kommen. Zwei 81- und 84-jährige Rentnerinnen überfiel er in ihren Wohnungen. Die Beute betrug 50 und 75 Mark. Zudem erdrosselte er seine 72-jährige Großtante, die ihn beim Diebstahl von 500 Mark erwischt hatte. Er war gerade sechs Monate frei, als er in seinem alten Kiez wieder zuschlug.

Am 12. Juli 2008 lauerte er gemeinsam mit seinem 32-jährigen Freund Maik V., den er im Gefängnis kennengelernt hatte, Barbara W. vor ihrer Wohnung in der Motzstraße auf. Die 59-jährige Frau wurde zu Boden gerissen, als sie die Tür aufschließen wollte. Für den Mord sei allein W. verantwortlich. Gegen V. ergingen wegen Raubes mit Todesfolge sieben Jahre und sechs Monate Haft.

Maik V. wurde zwölf Tage später gefasst. Spuren hatten zu dem wegen Betruges und anderer Delikte vorbestraften Alkoholiker geführt. Bald verriet er seinen Geliebten. Der aber beging am 25. Juli die nächste Tat. Er hielt auf der Straße Ausschau nach einem Opfer. Er sah Lieselotte K., 83 Jahre alt und kleinwüchsig. Er folgte ihr und griff sie an der Wohnungstür an, stieß sie in den Flur, erwürgte sie mit einer Strickjacke.

„Solange er gesunde, kräftige Hände hat, besteht die Gefahr, dass er derartige Taten zu Lasten von Frauen begeht“, sagte der Ankläger. Hansjoachim W., der die Vorwürfe vor Gericht gestanden hatte, zeigte keine Regung. Er hatte keine Empfindungen und kein Mitleid mit seinen Opfern gespürt. Das gab er ganz offen zu – und machte der Justiz Vorwürfe: „In der langen Haftzeit ist nicht der Versuch gemacht worden, mir zu helfen.“ Als er Anfang 2008 wieder freikam, habe sich „das Geschehen irgendwie verselbstständigt“. Seine Taten seien aber durch nichts zu entschuldigen. „Es gibt dafür keine Sühne.“

Hansjoachim W. wuchs in Schöneberg auf. Weil sein Vater trank und ihn schlug, riss er mit elf Jahren von zu Hause aus. Er stahl und raubte älteren Damen die Handtaschen, finanzierte so später seinen Drogenkonsum. Als er 1987 wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde, gingen die Richter von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Das war nun anders.

Der Mörder gab sich kurz vor dem Richterspruch für einen Moment verzweifelt. „Ich habe gehofft, dass einer herausfindet, warum ich so bin“, klagte er. „Das dürfte vom Angeklagten selbst zu beantworten sein“, hieß es im Urteil. Die Entwicklung nach der ersten Strafe sei ernüchternd, die Prognose für W. schlecht. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändern wird.“ Kerstin Gehrke

Quellen: - (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.11.2009)



44-Jähriger wegen Missbrauchs seiner Stieftochter verurteilt

Mönchengladbach (ddp). Wegen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter hat das Mönchengladbacher Landgericht diese Woche einen 44-Jährigen zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der zuletzt arbeitslose Gelegenheitsarbeiter hatte vor Gericht den Missbrauch des Mädchens über Jahre hinweg gestanden. Zu Beginn der Taten war das Kind neun Jahre alt.   

Von 2004 bis Sommer 2009 war der Mann immer wieder über das Mädchen hergefallen. Das Martyrium für die Schülerin hatte erst ein Ende, als ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder den Stiefvater Anfang Juli dieses Jahres dabei ertappten, wie er erneut das Mädchen missbrauchen wollte. Der Angeklagte selbst hatte im Prozess erklärt, die heute 14-Jährige habe so lange geschwiegen, weil er versprochen habe, mit dem Missbrauch aufzuhören. Außerdem hatte der Mann das Mädchen auch bedroht und geschlagen.

Die Mutter des Kindes hatte von den Taten jahrelang nichts geahnt. Sie lag bei einem Großteil der Übergriffe im Krankenhaus, der Angeklagte nutzte die Abwesenheit aus.    Der 44-Jährige hatte in der Vergangenheit immer wieder wegen Einbrüchen und Körperverletzungsdelikten in Haft gesessen. Insgesamt hatte er 22 Vorstrafen.

Quellen: e110


















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