2009 - USA


Hinrichtungen weltweit



USA





Dienstag, 09.Dezember 2009


Nach drei Monaten  -  Ohio vollstreckt wieder Todesurteil
 

   © AP


Washington, 08. Dezember 2009 Es wurde erstmals eine neue Methode eingesetzt.

Knapp drei Monate nach einer nach stundenlangen Qualen für den Todeskandidaten abgebrochenen Hinrichtung ist am Dienstag, dem 08. Dezember  im US-Bundesstaat Ohio erstmals wieder ein Todesurteil vollstreckt worden. Der wegen Mordes verurteilte 51-jährige Kenneth Biros starb im Gefängnis von Lucasville durch eine Giftinjektion, die nur eine einzige tödliche Substanz enthielt. Dabei handelte es sich um eine bisher unerprobte Methode, weshalb Gegner der Todesstrafe von einem grausamen Experiment an einem Gefangenen sprachen.

Große Qualen
Bisher wurde eine Art Gift-Cocktail aus drei Substanzen verabreicht. Die erste soll Schmerzen verhindern, die zweite die Körpermuskulatur lähmen, die dritte den Herzstillstand herbeiführen. Kritiker dieser Methode führten an, dass der Todeskandidat womöglich große Qualen leidet, sich aber wegen der Lähmung nicht äußern kann. Problematisch war auch, dass die Substanzen in eine Vene gespritzt werden mussten.

Im Fall der abgebrochenen Hinrichtung des Gefangenen Romell Broom Anfang September führte das für den Verurteilten zu zweistündigen Qualen, weil die Justizmitarbeiter auch nach 18 Versuchen keine Vene fanden. Broom verließ die Hinrichtungskammer wieder, über sein weiteres Schicksal ist noch nicht entschieden.

Spritze in Muskelgewebe
Nach dem Fall Broom, der weltweit für Entsetzen sorgte, setzte die Justiz in Ohio Hinrichtungen aus, um neue Methoden prüfen zu lassen. Kenneth Biros war der erste Gefangene, der nach den neuen Vorschriften zu Tode gebracht wurde. Die neue Giftinjektion enthielt eine hohe Dosis des Narkosemittels Thiopental, die zum Tod führte.

Hätte das Hinrichtungspersonal keine Vene gefunden, hätte es zwei andere Chemikalien in todbringender Dosis ins Muskelgewebe spritzen müssen - ein Beruhigungsmittel und ein Schmerzmittel. Das neue Protokoll gewährt dem Personal drei Anläufe, um den Verurteilten zu töten.




Freitag, 04.Dezember 2009

Trotz geistiger Behinderung - 44-jähriger hingerichtet

Wegen Vergewaltigung und Ermordung eines elfjährigen Mädchens wird im US-Bundesstaat Texas ein 44 Jahre alter Mann hingerichtet. Bobby Woods stirbt durch eine Giftspritze.

Bobby Woods starb durch eine Giftspritze.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Das Oberste Gericht der USA hatte den Weg für seine Hinrichtung frei gemacht, obwohl Woods Anwälte dreimal Berufung eingelegt hatten, weil ihr Mandant geistig zurückgeblieben war. Das Gericht hatte 2002 die Hinrichtung von geistig Behinderten verboten, die endgültige Beurteilung des Geisteszustands der Angeklagten aber den Bundesstaaten überlassen.

Woods war 1998 von einem Geschworenengericht schuldig gesprochen worden, die Tochter seiner Ex-Freundin vergewaltigt und ermordet zu haben. Der neunjährige Bruder des Mädchens überlebte das Verbrechen.

Woods ist der 24. Gefangene, der in diesem Jahr in Texas hingerichtet wurde. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 wurde sie in dem Bundesstaat 447 Mal vollstreckt.




Donnerstag, 03.Dezember 2009


Hinrichtung nach 29 Jahren Todeszelle

29 Jahre nach seiner Verurteilung ist im US-Bundesstaat Tennessee ein Dreifachmörder hingerichtet worden.

Der 53-jährige Cecil Johnson starb am Mittwoch (Ortszeit) im Riverbend-Gefängnis in Nashville nach der Injektion einer tödlichen Giftspritze.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte zuvor gegen einen Hinrichtungsaufschub gestimmt, obwohl der Richter John Paul Stevens darauf hingewiesen hatte, dass es keine klaren Beweise für seine Verurteilung gegeben habe. Durch die lange Zeit in der Todeszelle sei Johnson zudem "entmenschlichten Bedingungen" ausgesetzt gewesen.

Verurteilter beteuerte seine Unschuld
Johnson war schuldig gesprochen worden, bei einem Überfall auf ein Lebensmittelgeschäft drei Menschen erschossen zu haben, darunter einen zwölfjährigen Jungen. Er hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Johnson war der 49. Häftling, der in diesem Jahr in den USA hingerichtet wurde und der sechste in Tennessee seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976.




Mittwoch, 18.November 2009

Erste Hinrichtung auf Elektrischem Stuhl seit über einem Jahr


Im US-Bundesstaat Virginia ist ein ehemaliger US-Soldat am Abend

mit dem Elektrischen Stuhl hingerichtet worden.

Richmond (Deaf News Magazin) - Der Mann hatte 2001 ein 25 und 30 Jahre altes Paar getötet. Die Exekution um 21:08 Uhr Ortszeit (03:08 Uhr deutscher Zeit) war die erste Hinrichtung auf dem Elekrtischen Stuhl in den Vereinigten Staaten seit über einem Jahr. Der 60-jährige Delinquent war Virginias ältester Insasse in der Todeszelle und hatte sich zuvor selbst zwischen der Giftspritze und dem Elektrischen Stuhl entscheiden können. In den 35 US-Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe gibt, ist nur noch in sieben der Elektrische Stuhl im Einsatz.




Mittwoch, 11.November 2009

Hinrichtung in Virginia

Letzter Vorhang für den "Washington Sniper"


John Allen Muhammad.
The Washington Sniper.

Er terrorisierte wochenlang die US-Hauptstadt, war beteiligt an der willkürlichen Ermordung von zehn Menschen. Jetzt wurde der als "Heckenschütze von Washington" bekannte John Allen Muhammad hingerichtet - und die US-Medien erwiesen ihm zuverlässig die letzte Ehre.

Die Medienkrise macht auch vor Hinrichtungen nicht halt. Viele US-Zeitungen schicken keine Reporter mehr zu Exekutionen, weil die Anreise zu teuer ist und sie nur noch selten Schlagzeilen machen. Das führt schon zu Artikeln darüber, ob ein weiterer Journalisten-Berufszweig ausstirbt. Diesmal: der Hinrichtungsexperte.

Am Dienstagabend jedoch erlebte das Genre noch einmal eine Renaissance. Pünktlich um neun Uhr, zur besten Sendezeit, begann im Greensville Correctional Center in Virginia die Hinrichtung von John Allen Muhammad, 48, - und die Journalisten balgten sich um den besten Platz.

Schließlich stand der Tod eines Medienstars auf dem Programm. Muhammad hat vor ziemlich genau sieben Jahren, im Oktober 2002, gemeinsam mit dem erst 17 Jahre alten Lee Boyd Malvo zehn Menschen in Washington und Umgebung wahllos erschossen - und eine ganze Region fast drei Wochen lang in Panik versetzt. Amerikas Medien tauften das tödliche Duo, das aus dem Auto mit einem Gewehr zielte, die "Washington Snipers", die Hauptstadt-Heckenschützen.

"Bald wird er die Hand des Teufels schütteln"

CNN-Talkshowlegende Larry King lässt seine Kameras, untermalt von einer Art Trommelwirbel, direkt auf den Wachturm des Gefängnisses halten. Fox News kündigt "Breaking News" an, "sobald wir die Hinrichtung bestätigen können". Ein Top-Polizist beteuert vor laufender Kamera, wie gerne er selbst die Exekution durchführen würde: "Bald wird Muhammad die Hand des Teufels schütteln."

Unter den Zuschauern im Gefängnis wartet auch Marion Lewis, Vater von Lori Ann Lewis-Rivera. Sie reinigte am 3. Oktober 2002 ihr Auto an einer Tankstelle bei Silver Springs, als sie der tödliche Schuss traf. Lewis hatte "Inside Edition", ein TV-Klatschmagazin, gefragt, ob man ihm die Anreise aus Idaho nach Virginia bezahlen könne - im Austausch gegen ein Interview vor der Hinrichtung und eines danach. Die Fernsehleute waren dazu gern bereit. Schließlich hat der trauernde Vater eine Menge zu sagen. Er würde Muhammad am liebsten eigenhändig töten, ganz langsam, drei Tage lang. "Er würde dabei die ganze Zeit schreien", erklärt Lewis der Nachrichtenagentur AP.

Doch vor dem Greensville Correctional Center sind keine Schreie zu hören, und fast wird klar, warum die Medien über Hinrichtungen nur noch so selten berichten. Um 21.18 Uhr tritt ein Gefängnissprecher vor die Journalisten. Er sagt, die Hinrichtung sei vollzogen worden. Um 21.06 Uhr habe Muhammad die Giftinjektion erhalten, um 21.11 Uhr habe man den Tod festgestellt. Ruhig sei der Todeskandidat gewesen, gekleidet in Jeans, Hemd und Flip-Flops. Fast bewegungslos. Ein letztes Wort? Nein, nichts.

Die Reporter bombardieren den Zeugen mit Fragen. Welche Farbe Muhammads Hemd doch gleich? Wirklich kein letztes Wort? Und wieso die Flip-Flops? Es ist ein Spektakel, wie es Gegner der Todesstrafe so häufig anprangern. Doch, anders als sonst bei Hinrichtungen, haben sich kaum Protestler eingefunden.

Kein Protest gegen die Exekution

Denn Muhammad taugt einfach nicht als Symbolfigur gegen den staatlich verordneten Tod. Seine Verbrechen waren so abscheulich, so wahllos, so sinnlos. Muhammad und Malvo fuhren kreuz und quer durch Washington und Umgebung in einem verbeulten Chevrolet, den sie für 250 Dollar gekauft hatten, sie hatten die Sitze so umgebaut, dass man im Liegen schießen konnte. Der junge Malvo feuerte wohl alle Schüsse ab.

Die Opferwahl erfolgte völlig willkürlich: Es traf Menschen auf Spielplätzen, an Tankstellen, beim Rasenmähen oder beim Einkaufen. Das Duo wütete vom 2. Oktober bis zum 22. Oktober. Allein am 3. Oktober 2002 töteten die beiden Männer fünf Menschen im Norden der Stadt.

Sniper victims

Es war eine traumatische Zeit für die US-Hauptstadt, nur ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September, der Terror schien zurückzukommen. Eltern behielten ihre Kinder zu Hause, die Gärten und Parks lagen verwaist da, mitten im sonnigen Herbst, jede kleine Besorgung wurde zur Reise mit der Angst.

Die "Snipers" zogen durchs Land, zwischendurch versuchten sie Geld zu erpressen, stellten sich dabei jedoch dilettantisch an. Muhammad schien mit den Motiven der islamistischen Terroristen zu sympathisieren, aber auch das wohl nur halbherzig. Vielleicht wussten die beiden selbst nicht, was sie trieb, außer Wahn und Größenwahn. Muhammad rief bei der Polizei an, er schrie in den Hörer: "Ich bin Gott." Ein Fingerabdruck des jungen Malvo führte die Ermittler auf ihre Spur. Sie fanden das Duo in seinem Auto, schlafend.

Gnadengesuche bis zur letzten Minute

Für Muhammad war es das traurige Ende eines ziemlich traurigen Lebens. Er kämpfte im Golfkrieg, doch fasste danach nicht mehr Tritt. Er wurde gewalttätig in seiner Ehe, er entführte seine Kinder nach Antigua. Dort freundete er sich mit Malvo an, als er den Jungen und seine Mutter traf. Auch dessen junges Leben war schon aus der Bahn geraten, er kam aus einer heillos zerrütteten Familie. Muhammad wurde wohl eine Vaterfigur für ihn, die beiden lebten gemeinsam in Obdachlosenheimen, in ihrem Auto.

Malvo sitzt im Gefängnis, die Todesstrafe blieb dem Jugendlichen erspart. Doch er wird lebenslang inhaftiert bleiben, ohne Aussicht auf Gnade. Seine Sozialarbeiterin zeigt Journalisten Bilder, die er gemalt hat, auf denen er weint. Sie glaubt: Er ist jetzt ein anderer Mensch, fern von Muhammads Einfluss.

Und Muhammad? Nur seine Anwälte sprechen noch für ihn und über ihn. Sie argumentierten im Prozess, er habe ja gar nicht geschossen, doch die Geschworenen verurteilten ihn einstimmig. Später machten die Verteidiger geltend, der Kriegsveteran leide unter Schizophrenie. So baten sie bis zur letzten Minute um Gnade für ihn.

"Wie fühlen Sie sich?"

Nach der Hinrichtung sagt einer der Anwälte, er fühle sich schrecklich. Doch dann spricht er so begeistert über Verfahrensfehler und mögliche Einwände, als wirke er vor allem traurig, dass jetzt sein schöner Fall vorbei ist.

Die Reporter, die bei der Hinrichtung dabei waren, werden von ihren Kollegen draußen mit Fragen bestürmt, was sie empfunden haben während der Exekution. Sie antworten: "Wir machen nur unseren Job." Sie wiederholen es, fast ärgerlich, ihnen scheint die Frage unangenehm zu sein. Dann fällt ihnen doch noch etwas ein: Eine Frau im Zuschauerraum habe im Moment, als der Tod festgestellt wurde, gesagt: "Interessant."

Larry King bohrt da lieber selbst nach. Auf CNN interviewt er live Steven Moore, Bruder eines der Muhammad-Opfer. "Ihre Schwester wurde getötet von einem Mann, der gerade vom Bundesstaat Virginia getötet wurde. Wie fühlen Sie sich?"

Gleichzeitig werden die Bilder der getöteten Schwester eingeblendet. Moore ringt nach Worten. King hat dafür keine Zeit. "Haben Sie jetzt das Gefühl, einen Schlussstrich ziehen zu können?", hakt er nach. Fünf Minuten nach der Hinrichtung.

Moores Antwort, welche Überraschung: "Nein."

Quellen: - Von Gregor Peter Schmitz, Washington







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