"Sehenswertes"


Nichts für Zartbesaitete


Das Frankfurter Kriminal-Museum



    


Beginn der Führung: 12 Uhr. An anderen Tagen für Gruppen nach Vereinbarung.

Adickesallee 70, 60322 Frankfurt, Telefon: (069)75582007

Führungen sind nur für max. 25 Personen möglich

- von dieser Regelung können keine Ausnahmen gemacht werden!

Die Teilnahme von Rollstuhlfahrern an Besuchen im Museum,

bitten wir aus organisatorischen Gründen frühzeitig mitzuteilen.

Freitags von 12.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

Der Zutritt ist für Kinder bis 14 Jahren nicht geeignet
 




Das Frankfurter Kriminalmuseum illustriert mit seinen Exponaten Verbrechen, die in den vergangenen Jahrzehnten die Bankenmetropole in Atem hielten. Besucher erwartet beim Rundgang mit Experten ein informativer, aber auch gruseliger Ausflug in die Welt der Kriminalfälle – Gänsehaut garantiert.





1920 begannen Frankfurter Kriminalbeamte aufzubewahren, was zur Ausbildung der Gendarmerie nützlich schien. Gerichtmediziner und Juristen unterstützten sie und bewahrten so manches Beweisstück auf: Fälscherutensilien, Schmugglerkoffer, im Gefängnis gebastelte Feuerwaffen, Dietriche und vieles mehr landete fortan in der Asservatenkammer.

Seit dem Umzug der Polizei vor fünf Jahren in das neue Präsidium wird diese Sammlung, die in der Hand des Vereins Frankfurter Kriminalmuseum ist, auf 200 Quadratmetern der Öffentlichkeit präsentiert. Freilich etwas bereinigt. Dennoch für Zartbesaitete ist das Kriminalmuseum der falsche Ort. Für Jugendliche unter 14 Jahren ist der Besuch deshalb nicht erlaubt.



Historische Uniformen weisen dem Publikum gleich hinter dem Empfang den Weg ins Untergeschoss, wo 30 Vitrinen Ausstellungsstücke bergen, die für ein Stück jüngerer Frankfurter Kriminalgeschichte stehen. So künden Fotos vom ersten Raubmord nach dem Krieg im Jahre 1952. Die Täter überfielen die „Deutsche Effekten und Wechselbank“ in Bockenheim. Sie verletzten außer dem Bankbeamten einen Kumpan und ließen bei der Flucht ihre Beute zurück.

Professioneller arbeiteten die „Schränker“, eine Gruppe von Verbrechern, die ihr kriminelles Handwerk verstanden und es teilweise vom Vater auf den Sohn vererbten. Ein Geldschrank, mit einem Werkzeug aufgeschnitten, das wie ein überdimensionierter Dosenöffner funktionierte, legt von ihren Taten Zeugnis ab. Moderne Bankräuber sprengen ihn oder packen den Tresor einfach ein, erzählt Polizeioberkommissar Hartmut Preßler fast ein wenig bedauernd am Beginn seiner Führung. Zweieinhalb bis drei Stunden dauert sie – doch keine Angst, in dem kleinen Museum vergeht die Zeit wie im Fluge.


Publikumsmagnet ist immer noch die Vitrine mit Exponaten zu dem unaufgeklärten Mord an der Lebedame Rosemarie Nitribitt, die in der Adenauer-Ära mit Herren aus Politik und Großindustrie verkehrte. Sie war 1957 in ihrer Wohnung in der Frankfurter Stiftstraße mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen und mit Würgemalen am Hals gefunden worden. Zum Verhängnis ist ihr wahrscheinlich der Hang geworden, große Summen Geldes gebündelt im Schrank anzusparen, um sich Wünsche wie ihren stadtbekannten Mercedes 190 SL zu erfüllen. Ihr platonischer Freund und Adlatus Heinz Pohlmann geriet ins Visier der Fahnder: Er verfügte nach Rosemaries Tod plötzlich über viel Geld. Die Tat konnte dem inzwischen Verstorbenen aber nie nachgewiesen werden.

Aufgeklärt wurde hingegen eine spektakuläre Erpressung und daran hatte Charly, der Täuberich, keinen geringen Anteil: schmuckes Gefieder, stolzer Blick, aber mausetot und ausgestopft steht er in einer Vitrine. Er war der Held bei der Verhaftung des Thomy-Erpressers, der sich mit Diamanten, die er von dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé forderte, ein für allemal sanieren wollte. Die kostbaren Steinchen sollten per Brieftauben übergeben werden, die der Täter mit kleinen Säckchen für die kostbare Fracht auf den Weg geschickt hatte. Ein brillanter Plan. Doch die Tauben hatten statt Diamanten Peilsender der Polizei im Gepäck, als sie nach vermeintlicher Übergabe den Rückflug antraten. Das Orientierungsvermögen der Vögel wurde jedoch von elektrischen Störfeldern der Sender gestört. Charly fand als Einziger ins nahe Schwalbach zur richtigen Adresse zurück. Der Erpresser wurde verhaftet. Der Täuberich aber ließ sein Leben: Die Polizei wollte den Peilsender nicht verloren geben und holte ihn mit einem gezielten Schuss vom Himmel.


Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in Sache Verbrechensbekämpfung getan, auch davon berichtet Hartmut Pressler, der viele Tatorte aus eigener Anschauung kennt. Fingerabdrücke nehmen zu können, bedeutete einst einen ähnlich großen Fortschritt wie heute die Untersuchung sichergestellter DNA, die beispielsweise half den Hammermörder zu überführen, dessen ganz und gar unauffälligen Kleidungsstücke ausgestellt sind.


Doch es gibt auch kuriose und witzige Exponate, die vom Einfallsreichtum oder der Naivität der Gesetzesbrecher Zeugnis ablegen. Da sind zum Beispiel die selbst gebastelte Pistole aus Balsaholz oder eine „Diebesschürze“ zum unauffälligen Verstauen von allerlei Waren, auf deren Rückseite jemand mit Filzstift „Viel Glück Hilda“ notiert hat. Wenig kriminalistischer Spürsinn ist von Nöten, um einige der ausgestellten Banknoten als selbstgemacht zu erkennen. Auf einem 100 Euro-Schein lacht eine Diddl-Maus dem Betrachter freundlich entgegen.

Diese echt wirkenden Pistolen im Kriminalmuseum wurden 1970 von Häftlingen für einen Ausbruch aus Zahnpasta- und Marmeladentuben sowie Buchrücken hergestellt. Foto: dpa

Mercedes, Pudel, Nitribitt: die "blonde Rosi" vor ihrem Luxus-Gefährt
Foto: Kriminalmuseum Frankfurt




Der Mord an dem Klavierhändler Lichtenstein


Zeil 69 - Das Geschäft des Klavierhändlers Lichtenstein Am 26. Februar 1904 wurde der angesehene Klavierhändler Hermann Lichtenstein um die Mittagszeit in seinen Geschäftsräumen Zeil 69, unmittelbar hinter der Katharinenkirche überfallen und dabei getötet und ausgeraubt. Er wurde von einem Kunden gefunden, der um diese Zeit mit Lichtenstein einen Termin vereinbart hatte. Bei dem Kunden handelte es sich um einen berühmten Pianisten, der im Frankfurter Hof abgestiegen war.
Er fand den Toten in einer großen Blutlache am Boden liegend. Um seinen Hals war ein dickes Seil gewickelt. Der erschrockene Besucher rief sofort weitere Hausbewohner herbei und verständigte die Polizei. Am Tatort fand die Mordkommission weiterhin blutverschmierte Fingerabdrücke, die nicht von Lichtenstein stammten. Auf einer am Boden liegenden Postkarte konnte der Abdruck eines Absatzes, der fälschlich einem Frauenschuh zugeordnet wurde, was sich später jedoch als ein Irrtum herausstellte, gesichert werden.

Bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung wurde festgestellt, dass die Leiche am Kopf schwere Verletzungen aufwies, die von einem scharfkantigen Gegenstand herrührten. Als Tatwerkzeug kam ein 2kg Gewichtstein in Frage, den man am Tatort direkt neben dem Toten gefunden hatte. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass neben Bargeld eine goldene Ankeruhr mit Schlüsselaufzug sowie eine Goldkette und Brillantschmuck geraubt wurden.

Die Kriminalpolizei leitete sofort eine Fahndung ein, wobei sie davon ausging dass es sich mindestens um zwei Täter gehandelt haben muss. Dafür sprach, dass der kräftige Lichtenstein mit einem einzelnen Räuber mühelos fertig geworden wäre.
Steckbriefzeichnng von Bruno Groß Bereits nach kurzer Zeit konnte ein Tatverdächtiger festgenommen werden. Der Verdacht fiel auf Bruno Groß, der früher einmal bei Lichtenstein als Klaviertransporteur gearbeitet hatte.
Er machte sich dadurch verdächtigt, dass er in einem Seilergeschäft und in einer Eisenwarenhandlung die Tatwerkzeuge, den 2kg Gewichtstein und das Seil, gekauft hatte. Auch konnte man ihm nachweisen, dass er eine blutverschmierte Hose mit Salmiakgeist gereinigt hatte. Aber Groß stritt energisch die Tat ab und berief sich auf zweifelhafte Alibis.

Mit Hochdruck fahndete die Kripo nach einem möglichen zweiten Täter. Dabei stieß sie in Offenbach auf den Pferdeknecht Friedrich Stafforst, der wiederholt zusammen mit Groß gesehen wurde.
Doch Stafforst war geflüchtet und hielt sich in Hamburg auf und versuchte mit einem Schiff nach Amerika zu entkommen.

Die Fahndung wurde jetzt über die Stadtgrenzen hinaus ausgedehnt. In jeder Polizeistation hingen Fahndungsplakate mit der Fotografie von Stafforst.
Steckbriefzeichnung von Friedrich Stafforst Durch Zufall begegnete Stafforst auf der Straße einem früheren Vermieter, dem er noch Geld schuldete. Da Stafforst die Zahlung verweigerte, ließ ihn der Vermieter durch einen Schutzmann festnehmen. Auf der Wache wurde er von den Beamten erkannt und festgenommen. Bei der körperlichen Durchsuchung wurde die bei Lichtenstein geraubte goldene Uhrenkette gefunden. Durch den Hinweis eines Kutschers gelang es der Kriminalpolizei, die Wohnung des Festgenommen ausfindig zu machen. Dort kamen alle bei Lichtenstein geraubten Gegenstände wieder zum Vorschein.. Stafforst war mit seinen Nerven am Ende und gab zu, zusammen mit Bruno Groß den Klavierhändler getötet und ausgeraubt zu haben. Er wurde nach Frankfurt gebracht und Groß gegenübergestellt. Nachdem dieser erkannte, dass Leugnen jetzt keinen Sinn mehr hatte, legte auch er ein umfassendes Geständnis ab.

Am 16. Mai begann vor dem Frankfurter Schwurgericht die Hauptverhandlung. Beide Täter wurden des Mordes überführt und zum Tode verurteilt. Sie starben am 12. November 1904 im Gefängnis Preungsheim durch das Henkersbeil. Die Tat hatte in Frankfurt für große Aufregung gesorgt und noch lange Jahre danach sprach man von diesem scheußlichen Verbrechen.

Hauptwache mit Tatort (verdeckt durch den Turm der Katharinenkirche
Kurt Kraus
KMF


Der Fall des Giftmörders Karl Hopf



Litfaßsäulenplakat zu Karl Hopfs Vorstellung als Degenkünstler Im Frühjahr 1913 erschütterte eine Serie von Giftmordfällen die Mainmetropole. Der Täter, Karl Hopf, war ein berühmter Degenkünstler, der im Frankfurter Schuhmanntheater unter seinem Künstlername Athos auftrat. Seine Degennummer glich damals einer Weltsensation, und die Frankfurter konnten es kaum fassen, dass ihr Publikumsliebling ein Giftmörder sein sollte.
Karl Hopf, der stets auf großem Fuße lebte, stand im dringenden Verdacht, seine Eltern, sowie seinen unehelichen Sohn und seine 1. Ehefrau mit Arsen tödlich vergiftet zu haben, um sich auf diese Weise vorzeitig in den Besitz der Erbschaft und der abgeschlossenen Lebensversicherungssumme zu bringen.


Hopfs dritte Ehefrau Wally Hopf schloss nach seiner Heirat für seine Ehefrauen jeweils eine Lebensversicherung ab, um sich nach deren gewaltsamen Tod die Versicherungssumme zu kassieren. Dies gelang, ohne Verdacht zu erregen, bei seiner ersten Ehefrau. Hopf kassierte dabei insgesamt 80000 Mark.

Bei seiner zweiten und auch dritten Ehefrau versuchte er dies auf gleiche Weise. Doch diesmal scheiterten seine Vorhaben. Seine zweite Frau schöpfte Verdacht und hielt sich von Hopf fern. Als er es bei seiner dritten Ehefrau wieder versuchte, trat etwas ein, was er unbedingt vermeiden wollte. Der Hausarzt lieferte die schwerkranke Frau in das Frankfurter Diakonissenkrankenhaus ein. Auch dort wurden die Ärzte misstrauisch und verständigten die Polizei.


Karl Hopf Als Hopf seine Frau wieder besuchte, wurde er beim Verlassen des Krankenhauses von Kriminalbeamten überwältigt und festgenommen. Mit einer Giftampulle, die er immer bei sich trug, versuchte er sich umzubringen, was die Beamten im letzten Moment verhindern konnten.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in der Heidelberger Straße in Frankfurt stieß die Kriminalpolizei auf ein regelrechtes Giftlabor mit entsprechender Fachliteratur. Geschickt hatte Hopf das Arsen mit virulenten Tuberkelbazillen vermischt. Diese hatte er sich von einem Institut in Wien besorgt. Die bei den Opfern durch das Giftgemisch hervorgerufenen Symptome ließen zunächst auf eine Choleraerkrankung und nicht auf eine Arsenvergiftung schließen. So blieb der Giftanschlag bei seiner ersten Ehefrau vorerst unentdeckt.


Bestellkarte fuer Theaterbilllets Nach der Sicherung von belastendem Beweismaterial wurde im Herbst 1913 vor dem Frankfurter Schwurgericht die Hauptverhandlung eröffnet.
Der Fall sorgte in der Bevölkerung für große Aufregung und war eine echte Sensation. Ein prominenter Künstler als Mörder sorgte für große Schlagzeilen in der Weltpresse Man sprach von einem einmaligen Verbrechen in Europa.

Um Karl Hopf die Giftmorde nachzuweisen zu können, stieß man damals noch auf große Schwierigkeiten. Es gab bis dahin immer noch kein absolut verlässliches Verfahren, Arsen im menschlichen Körper nachzuweisen. Alle bedeutenden Gerichtschemiker dieser Zeit traten in dieser Verhandlung als Sachverständige auf. Der Gerichtsaal glich zeitweise einem wissenschaftlichen Kolloquium.

Mit sehr viel Mühe gelang es schließlich, Hopf des Giftmordes an seiner ersten Frau zu überführen. Den Ausschlag hierfür gab Gerichts-Chemiker Dr. Georg Popp. Karl Hopf wurde vom Geschworenengericht zum Tode verurteilt und im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim hingerichtet.

Kurt Kraus
KMF



________________________________________________________________


















Binden Sie in jedem Dokument, welches Sie mit dem Counter ausstatten wollen, den folgenden HTML-Code ein: [ http://www.erichs-kriminalarchiv.npage.de ]

Nach oben