2. Seite mit 15 Fällen

 

 

1961-1980 2. Seite
 mit 15 von 15 Kriminalfällen
 

 

 

 

1. Der Fall - Albert Tannenbaum

„Allie“ Albert „Tick-Tock“ Tannenbaum (* 17. Januar 1906 in Nanticoke (Pennsylvania), † November 1976 in Florida) war ein US-amerikanischer Gangster, der heute der Kosher Nostra zugerechnet wird.
Als Killer der Murder, Inc. erledigte er vor allem Aufträge des National Crime Syndicate während der 1930er Jahre.
Tannenbaum wurde in Nanticoke in Pennsylvania geboren, lebte später aber in der Lower East Side von Manhattan in New York.
Mit 17 brach er die Schule ab, um als Laufbursche zu arbeiten. Nach kurzer Tätigkeit als Geschäftsmann stieg er in den Loch Sheldrake Country Club seines Vaters ein. Seinen Spitznamen Tick-Tock bekam er, weil er ohne Pause, wie ein aufgezogenes Uhrwerk reden konnte.
Mit 25 Jahren traf er im Club seines Vaters Jacob „Gurrah“ Shapiro, der zu Amboy-Dukes-Bande von Louis Buchalter gehörte und ihn in die Verbrecherwelt einführte.
Er begann als Schuldeneintreiber und professioneller „Streikbrecher“, der 50 US-Dollar pro Woche verdiente, aber schnell weiter in der Hierarchie aufstieg. Sein Einkommen stieg stufenweise auf 125 US-Dollar an, insbesondere als er Killer der Murder, Inc. wurde.
Sein berüchtigster Mord war wohl der an Harry „Big Greenie“ Greenberg am 22. November 1939 in Los Angeles. Den Auftrag hatte er von Louis Buchalter erhalten, der sich gerade in der Mangel von Staatsanwalt Thomas E. Dewey befand, weshalb Buchalter potentielle Zeugen zum Schweigen bringen wollte. Tannenbaum verfolgte Greenberg von Montreal über Detroit bis nach Los Angeles, wo er ihn schließlich töten konnte. Dabei wurde er von Bugsy Siegel, sozusagen als Repräsentant der Westküste des organisierten Verbrechens, nicht nur beaufsichtigt, sondern wohl auch aktiv unterstützt. Greenberg wurde damit das erste Mordopfer von internen Konflikten organisierter Banden im südlichen Kalifornien.

 Bugsy Siegel  

Louis  "Lepke"  Buchalter    

Charles Workman

 

1940 geriet Tannenbaum in die Fänge der Justiz, wurde zum Informanten und Spitzel und sagte im Prozeß, in dem der Mord an Dutch Schultz aufgeklärt werden sollte, gegen Buchalter und Charles Workman aus.

Auslöser war wohl die Verhaftung seines 'Kollegen' Abe Reles im gleichen Jahr und dessen Aussage gegen Buchalter in einem anderen Mordfall. Aufgrund der Angaben von Reles, der durch seine Kooperationsbereitschaft selbst der Todesstrafe entgehen konnte, wurde Buchalter 1944 hingerichtet. Im Gegensatz zu Reles war Albert Tannenbaum eigentlich ein untypischer „Kosher Nostra“(Jüdischer Ableger der italienischen "Cosa Nostra), den anscheinend mehr das vermeintliche Abenteuer zum Berufskiller werden ließ.
1950 sagte Tannenbaum im Prozess gegen Jack Parisi aus. Er hielt sich im Ausland auf, durfte nur einmal pro Jahr amerikanischen Boden betreten und starb 1976 vor der Küste von Florida.
 

Quellen: Kill The Dutchman! von Paul Sann (englisch) - "Die jüdische Mafia im New York der 30er Jahre. Moses der Unterwelt?" von Tekla Szymanski und Albert Tannenbaum auf Find a Grave u. Wikipedia
 

 

 

 

2. Der Fall -Olga Hepnarová

Geboren am 30. 6. 1951 – hingerichtet am 12. 3. 1975 in Prag

Olga Hepnarová fuhr vorsätzlich am 10. Juli 1973 mit einem LKW auf eine Straßenbahnhaltestelle zu. Die Absicht war, möglichst viele Menschen zu töten. In Folge ihrer Tat starben 8 Menschen und weitere 11 wurden schwer verletzt. Sie wurde zum Tod verurteilt und am 12. März 1975 hingerichtet.

"Sehr geehrte…, ich bitte diesen Brief als Dokument anzunehmen. Er wurde als Ankündigung meiner eventuellen Tat aufgeschrieben, auch als Hinweis darauf, dass ich ein Mensch bin, der sich noch im Rahmen der Geistnorm bewegt... Heute werde ich einen Bus stehlen und mit voller Geschwindigkeit in Menschenmassen einfahren. Es wird wahrscheinlich irgendwo in Prag 7 werden. Es wird tote Menschen geben. Ich werde bestraft und hingerichtet."

(Aus dem Brief von O. Hepnarová vom 7. Juli 1973)

Drei Tage später schickte Olga Hepnarová den Brief an die Redaktionen der Zeitung "Svobodné slovo" und die Zeitschrift "Mladý svět" ab. Ihre briefliche Ankündigung erfüllte sie noch am gleichen Tag. Gegen 13.45 Uhr fuhr sie mit einem ausgeliehenen LKW in Prag 7 (Stadtbezirk in Prag) auf der Straße "Obránců míru" (heute Milada Horákovástraße) vor dem Haus N. 9 auf den Gehsteig. Der Gehsteig diente zugleich als Straßenbahnhaltestelle und zu dieser Zeit warteten hier ungefähr 25 Menschen. Bei diesem Anschlag fanden 8 Menschen den Tod und 11 wurden schwer verletzt und man konnte nur von Glück reden, dass die Zahl der Toten nicht noch höher war. Das Motiv ihrer Handlung war - Gesellschaftshass. 

Auf Grund der umfangreichen Ermittlungen konnte die Version über einen möglichen Schwächeanfall der Fahrerin oder ein mögliches politisches Motiv ausgeschaltet werden. Hepnarová stammte aus einer gut situierten Familie. Ihr Vater war Bankbeamter und die Mutter Zahnärztin. An der Grundschule lernte sie sehr gut. Später kam es jedoch ständig zu Streitigkeiten mit den Eltern. Auch mit ihrem unmittelbaren Umfeld gab es laufend Probleme. Zudem hatte sie Schwierigkeiten bei der Anknüpfung jeglicher Kontakte zu anderen Leuten. Ihrer Aussage nach stand ihr die ganze Welt feindlich gegenüber. Deshalb unternahm sie im Juni 1964 einen Selbstmordversuch mit Hilfe von Medikamenten. Daraufhin verbrachte sie ein Jahr in einer psychiatrischen Klinik. 

"Wenn ich als ein unbekannter Selbstmörder wegginge, wäre es für alle zu billig. Weil diese Gesellschaft so groß und souverän ist, dass sie sich nicht selbst verurteilen kann, wird sie manchmal privat gerichtet... Und das ist mein Verdikt (Urteil, Entscheidung): Ich, Olga Hepnarová, das Opfer ihrer Bestialität, verurteile sie zur Todesstrafe durch ein Überfahren."      (Aus dem Brief O. Hepnarová vom 7. Juli 1973) Hepnarová handelte kaltblütig und planmäßig. Als sie zum dem Ort gefahren kam, wo sie ihre Tat ausführen wollte, stellte sie fest, dass an der Straßenbahnhaltestelle gerade eine Tram stand und deshalb kaum Leute warteten. Sie fuhr an diesem Ort vorbei, durchfuhr einige Nebenstraßen, bis sie nach einigen Minuten wieder an die Haltestelle kam um ihren Plan zu vollenden.

 

 

 

 

     Tatortfotos

 

 

 

    

"Es haben mich keine Autos und auch keine Trams behindert, die Straße ist frei gewesen. In diesem Augenblick habe ich entschieden, dass ich es gerade jetzt durchführe. Ich bin rechts auf den Gehsteig aufgefahren. Hier habe ich die Lenkung ausgeglichen und dann auf dem Gehsteig in voller Fahrt geradeaus, direkt auf die Menschenmassen zu, und habe sie überfahren." (aus der Aussage der Beschuldigte).

Obwohl Hepnarová einen sehr erfahrenen Verteidiger zur Seite hatte, arbeitete sie mit ihm überhaupt nicht zusammen. Vor Gericht erklärte sie, dass sie diese Tat nicht bereue und dass  sie mental ganz normal sei. Ihr Bestreben vor dem Gericht war einzig und allein darauf gerichtet, eine Anklage gegen die Gesellschaft vorzubringen.

"Falls die Gesellschaft das Gewissen hat, ein Einzelwesen zu vernichten, hat ein Einzelwesen das Gewissen die Gesellschaft zu vernichten. Ich wollte mich an der ganzen Gesellschaft rächen, einschließlich meiner Familie, weil sich alle mir gegenüber feindlich verhalten". "Nach der Tat fühlte ich eine gewisse Entspannung und Zufriedenheit, weil mein geplanter Racheakt gelungen ist." (Passagen aus der Aussage der Beschuldigten).

Am 6. April 1974 verurteilte das Stadtgericht im Prag Olga Hepnarová für diesen 8-fachen Mord zur Todesstrafe. Hepnarová nahm das Urteil an. Gustav Husák (damaliger tschechischer Staatspräsident) wies am 3. März 1975 das Gesuch der Mutter Olga Hepnarovás um eine Begnadigung der Tochter ab.

"Vor der Todesstrafe habe ich keine Angst und ich nehme sie an..." (waren die Worte Hepnarovás nach der Urteilsverkündung, die sie mehrmals wiederholte). 

 

Olga Hepnarová wurde am 12. März 1975 im Prager Gefängnis Pankrác hingerichtet. Vor der Hinrichtung hatte sie, entgegen ihrer Aussage nach der Urteilsverkündung, unheimliche Angst. Sie leistete heftigsten Widerstand und sie musste von mehreren Gefängnisbeamten zum Hinrichtungsplatz hingezogen werden... "Ich bin persönlich gegen die Todesstrafe durch Erhängen seit dieser Zeit, als ich das wunderschöne Fräulein exekutierte... Bevor ich sie hing, beschiss und benässte sie sich und erbrach sich so, dass sie mir mein Handwerk verekelte... Deshalb bin ich gegen die Todesstrafe".         (das waren die Worte des Henkers, der Olga Hepnarová exekutierte).

Übersetzung aus dem Tschechischen (Polizeiarchiv und Dr. Miloslav Jedlicka)

 

 

 

 

3. Der Fall - Vito Nardiello    

Vito Nardiello (" Der Wolf von Irpinia"), -  Einer der gefürchtetsten Verbrecher Italiens, der sich 12 Jahre lang in den Bergen Süditaliens versteckt halten konnte. Im März 1963 konnte der damals 39 jährige wegen fünffachen Mordes (darunter drei Morden an Frauen) dingfest gemacht werden, nachdem er schon Jahre zuvor in Abwesenheit zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war.  Nardiello hatte nach 1945 eine Gangsterbande gegründet, die ihren Lebensunterhalt durch Überfälle auf Autos und Omnibusse bestritt. Schon 1951 war er verhaftet worden, jedoch gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis von Avellino. Am 12.März 1963 erhielt die Polizei einen Hinweis aus der Bevölkerung. 200 Carabinieri umstellten des Bergdorf Volturara und nahmen Nardiello, den "Wolf von Irpinia", wie man ihn nannte fest.

Quellen: Verbrecher von A-Z (Hubert Gundolf) S. 339

 

 

 

 

4. Der Fall - June Ann Olson          

June Ann Olsson - 38 jährige Amerikanerin, deren Name 1962 in die Kriminalgeschichte einging. Sie kam als Halbwaise in ein Waisenhaus, wo sie, um entlassen zu werden, Feuer legte.

Sie kam zu ihrer Stiefmutter zurück, die das ihr verhasste Mädchen zur Polizei brachte und angab, es hätte mit einem dreißigjährigen Mann verkehrt. Das Kind kam in eine Erziehungsanstalt; aber auf dem Weg dorthin wurde es von einem Sheriff vergewaltigt. Von diesem Augenblick an konnte June Ann Olson ihre Abneigung gegen Männer nicht mehr loswerden.

Sie rächte sich auf ihre Weise: Sie suchte nach ihrer Entlassung Männerbekanntschaften und ging mit ihnen in Hotelzimmer. Kaum lagen die Männer im Bett, überschüttete sie die Decken mit Benzin und zündete sie an, dann flüchtete sie. In mehr als 50 Fällen erlitten die Männer teils schwere Verletzungen, der Sachschaden betrug insgesamt 50.000 $.

Sie wurde zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

 

Quellen: Verbrecher von A-Z (Hubert Gundolf) S. 350

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Der Fall - Charles Fields

Charles Fields - Amerikanischer Mörder, der 1947 Uhr wegen Vergewaltigung zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt wurde (er war damals 15 Jahre alt gewesen, sein Opfer 23). Nachdem er 15 Jahre abgesessen hatte und immer noch nicht begnadigt worden war, entschloss er sich zu fliehen. Dies gelang ihm umso leichter, als er "wegen guter Führung" zum Außendienst abkommandiert war. Er durfte Schweine hüten und hatte dabei sogar die Erlaubnis, eine geladene Pistole zu tragen, um wilde Hunde von der Schweineherde abzuhalten. Im Januar 1962 verließ er die Herde, hielt auf der Straße den Wagen eines Schiffes auf, zwang den Mann auszusteigen und fuhr davon. Als er bald darauf auf der eisigen Fahrbahn ins Schleudern geriet und in einem Graben landete, hielt er einen anderen Wagen auf, ermordete den Fahrer und fuhr davon. Als er ein einsames Haus erspähte, hielt er, ging hinein und fand eine Frau mit einem Kind. Er vergewaltigte die Frau und ergriff die Flucht. Aber schon 90 Minuten nach seiner Flucht vom Schweinefeld wurde er von rasch aufgestellten Straßensperren aufgehalten und verhaftet. Er wurde zum Tode verurteilt.

Quelle: Verbrecher von A - Z (Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 -  S.136

 

Vermerk: Anhand der mir vorliegenden Unterlagen wurde Charles Fields - männlich, weiße Hautfarbe, 30 Jahre alt, wegen Vergewaltigung und Mord, auf dem Elektrischen Stuhl, am 24.01.1964, in Arkansas im County Jefferson hingerichtet.  erichs-kriminalarchiv

 

 

 

 

6. Der Fall - Joseph Weil  

Alle stimmten darin überein, dass Yellow Kid eine elegante Erscheinung war. Der am  01. Juli 1875 in Chicago geborene Joseph Weil bezog seinen Namen von einer Cartoon-Figur aus den 90er Jahren und machte ihm mit stilvollen Requisiten alle Ehre. Er trug gelbe Handschuhe, besaß gelbe Visitenkar­ten und fuhr einen gelben Wagen. Weil, der sich auf seine Intelligenz etwas einbildete, las die Werke der Philosophen Friedrich Nietzsche und Herbert Spencer als Bettlektüre. Er weckte das Interesse des Schriftstellers und Nobelpreisträ­gers Saul Bellow, der Weil 1956 in der Zeitschrift Reporter in „Ein Ge­spräch mit Yellow Kid" porträtierte. 

Weil war ein Schwindler, der in sei­ner über 40jährigen Karriere Betrüge­reien jeder erdenklichen Art beging. Sein bekanntester Trick, „der große Laden", war äußerst aufwendig und lieferte die Idee für das Drehbuch des Kassenschlagers „Der Clou“. Zu die­sem Bluff wurden Räumlichkeiten an­gemietet und Akteure engagiert, die das Opfer überzeugen sollten, dass es sich in echten Geschäftsräumen be­finde. Sobald die Geldübergabe statt­gefunden hatte, verschwanden die Akteure samt der Beute.

 

Den denkwürdigsten Schwindel die­ser Art inszenierte Yellow Kid um 1910 in Muncie, Indiana. Als er hörte, dass die Zweigstelle der Merchant Na­tional Bank ihren Sitz wechselte, mie­tete Weil das leere Gebäude für eine Woche und richtete es ein. Keiner, der es danach betrat wäre je auf die Idee gekommen, dass die Bank den Umzug schon vorgenommen hatte. Weil besorgte sogar echte Einzahlungsscheine der Merchant National Bank, die er in anderen Zweigstellen gestohlen hatte. Ein uniformierter Straßenbahnschaffner posierte vor der Tür als Wächter. 

Der Name des Opfers ist nicht be­kannt.  Wahrscheinlich scheute sich der Betrogene aus Scham, hereinge­legt worden zu sein, den Vorfall pu­blik zu machen, und Weil, der Hun­derte von Betrügereien beging, wird den Namen vergessen haben. Das Opfer war ein reicher Bürger einer Nachbarstadt, zu dem Weil schon seit einiger Zeit Kontakt aufgenommen hatte. Er wurde nach Muncie eingela­den, um mit dem Bankdirektor - Weil übernahm diese Rolle - die Einzelhei­ten eines bombensicheren Geschäfts zu erörtern. Verlief alles nach Plan, würde sich das Opfer für 50 000 Dol­lar einkaufen. Als der Mann eintraf, ließ man ihn eine Stunde warten. In der Zwischenzeit eilten Kunden ein und aus, und ein Bote brachte Geldsäcke in die Bank. Diese Geschäftig­keit war nur gespielt: Die Rollen der Kunden und des Boten hatten Gano­ven, Spieler und Prostituierte aus Weils Bekanntschaft übernommen.

        

Als der „Bankdirektor" den Mann dann schließlich empfing, hatte das Opfer keinen Grund mehr, daran zu zweifeln, dass alles mit rechten Din­gen zuging, und übergab unbesorgt das Geld. Seinen Irrtum entdeckte der Betrogene erst als Yellow Kid schon längst verschwunden war und mit ihm diese spezielle Zweigstelle der Merchant National. 

Weil bediente sich oft einer weni­ger aufwendigen Version des gleichen Tricks. Zunächst stellte sich der Betrüger einem Bankmanager als rei­cher Kunde von auswärts vor. Er bat dann den Manager, ihm für kurze Zeit sein Büro zur Verfügung zu stellen, um ein vertrauliches Geschäft abzu­wickeln. Da der Manager dem poten­tiellen Kunden entgegenkommen wollte, stimmte er meistens zu. Danach führte ein Komplize des Schwindlers das Opfer herein, das glaubte, Weil leite die Bank.

             

Mehr als einmal wurde der echte Bankmanager später des Betrugs angeklagt. Weil wurde 25mal verhaf­tet und fünfmal zu Haftstrafen verurteilt. Er be­hauptete, insgesamt acht Millionen Dollar einkas­siert zu haben. Davon sollte ihm jedoch nichts bleiben. Yellow Kid ver­lor sein Vermögen ganz legal durch Immobilien­geschäfte, die sich als ein Fehlschlag erwiesen.

Joseph Weil verstarb am 26. Februar 1976 in Chicago fast mittellos.

Quellen: Die Welt des Verbrechens (von Naumann & Göbel)  S. 91 – ISBN 3-625-10644-2

 

 

 

 

7. Der Fall - Adrienne Eckhardt   

In der Alserstraße neben dem Landesgericht fiel einem Sicherheitsbeamten in einer Novembernacht des Jahres 1952 auf, dass das Portal des Delikatessengeschäfts von Johann Arthold offen stand. Im Laden fand er dessen Leiche in einer große Blutlache. Der Mörder hatte allerdings einen Fehler begangen: In der Tasche des Opfers steckten zwei Straßenbahnfahrscheine vom Abend vor der Tat, und so zogen die Beamten los, um die Straßenbahnschaffner der Linie 38 zu befragen. Tatsächlich konnte sich eine Schaffnerin erinnern, Arthold in Begleitung einer schönen jungen Frau in einer auffallenden Imitationspelzjacke gesehen zu haben.

Adrienne Eckardt wurde ausgeforscht und festgenommen. Der Ermordete war ein übler Schwarzmarktschieber, genannt, der „Cadbury-Schokolade-König“. Die schöne Adrienne hatte sich, wie viele Frauen, ein wenig Luxus gewünscht und verkehrte deshalb in Schiebekreisen. Der Polizei gestand sie, die Tat nach einem gemeinsamen Heurigenbesuch begangen zu haben. Vor dem Untersuchungsrichter behauptete sie aber, sie habe einen gewissen Konstantin Bertini, einem Rauschgiftlieferanten Artholds, beim Mord nur geholfen.

Die Männer seien in Streit geraten und Bertini habe Arthold mit einer Fleischmaschine auf den Kopf geschlagen und ihm anschließend die Kehle durchgeschnitten. Bertini trage stets einen Dufflecoat, behauptete sie. Und so suchte nun ganz Wien fieberhaft nach dem Mann mit dem Dufflecoat, was zu etlichen Fehlanzeigen führte. Niemand fand und niemand kannte ihn, und bald wollte ihn niemand mehr finden, selbst als sich eine erste Spur abzuzeichnen schien.  

Die junge Frau stand im März 1953 allein vor Gericht und schaffte es selbst mi ihrem unschuldigen Gesicht und trotz Betonung ihrer Schwangerschaft nicht, der Verurteilung wegen Mordes zu entgehen. Die Berufungsinstanz setzte die lebenslängliche Strafe allerdings auf zwanzig Jahre herab. Adrienne Eckhardt wurde wegen guter Führung bereits 1967 entlassen. Wie bei Hedwig Russ und Martha Marek war auch bei ihr das Interesse der Öffentlichkeit groß und die Zeitungen überschlugen sich mit Berichten über ihre Schönheit. Unbekannte schickten ihr Blumen und Süßigkeiten, viele glaubten nicht an ihre Schuld. Und die Modehäuser verzeichneten eine enorme Nachfrage nach Dufflecoats. 

Kurz nach dem Prozess stand im „Amtsblatt der Stadt Wien“ zu lesen, dass eine Heft der „Bärenreihe“, in dem die drei Geständnisse Adrienne Eckhardts abgedruckt waren, nicht an Personen unter 16 Jahren abgegeben werden dürfe. Das Druckwerk berichte nämlich in der Art eines Kriminalreißers unsachlich über den Fall und verzerre diesen ins Sensationelle. Die Schilderung der Wiener Unterwelt, des Schiebertums und Nachtlebens sei nach den Erfahrungen der Jugendschutzbehörde in der Lage, die geistige und sittliche Entwicklung Jugendlicher auf schädliche Weise zu beeinflussen…


Quellen: Hexen, Mörder, Henker - Die Kriminalgeschichte Österreichs (von Anna Ehrlich)
Ausgabe 2006, S. 233 - ISBN 3-85002-549-7

 

 

 

 

 

8. Der Fall - Ann Kierman

Ann Kierman, war eine 20jährige amerikanische Lehrerin, die 1961 die Frau ihres Psychiaters, Dr. Albert Laverne, erschoß, da sie glaubte, er würde die Geheimnisse ausplaudern, die sie ihm auf der Couch seiner psychiatrischen Ordination anvertraut hatte.

Sie kaufte sich eine Pistole und ging ins Wartezimmer und wartete volle fünf Stunden, bis der letzte Besucher ge­gangen war. In diesem Augenblick kam die Gattin des Psychiaters herein, mit ihr ihre drei Kinder. Ann Kierman feuerte drei Schüsse auf die Frau ab, die sofort tot zu­sammenbrach. Dann stellte sich die Mörderin der Polizei.

Der Grund ihrer Wahnsinnstat? Sie hatte das unwidersteh­liche Gefühl, sich ständig im Gesicht kratzen zu müssen. Mehrmals sah sie im Fernsehen oder auf der Straße Men­schen, die sich ebenfalls im Gesicht kratzten. Sie wurde im­mer mehr von der Wahnvorstellung befallen, diese Leute seien von ihrem Psychiater informiert worden und spotteten sie nur aus.

Ann Kierman kam in eine psychiatrische An­stalt.

Quellen: Verbrecher von A-Z (von Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 - S.248

 

 

 

 

9. Der Fall - Mathias Kindlinger

Mathias Kindlinger war ein ehemaliger österreichischer Postbeamter, der im März 1963 im Mittelpunkt eines sensationellen Prozesses stand.  

Er war angeklagt, 1961 seine Frau Margarete ermordet zu haben, nachdem die Frau und er selbst gefesselt in ihren Betten aufgefunden worden waren. Ein zweiter Anklagepunkt warf ihm die Schändung eines 14jährigen Mädchens vor. Die An­klage griff auf die Tatsache zurück, daß nur die Frau von fremder Hand gefesselt gewesen sei, während Kindlinger selbst die Fesseln angelegt haben konnte.

Schon 1927 war Kindlinger wegen Gattenmordes — er hatte seine erste Frau Viktoria erschossen — zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er heiratete wieder; Frau Nummer Zwei wurde er­hängt aufgefunden, ebenso Frau Nummer Drei. Man nahm Selbstmord an. Dann kam Frau Nummer Vier. Sie starb an einem Gehirnschlag. Die österreichische Presse nannte Kind­linger den „Mann, dem alle Frauen starben".

Nach einem sensationellen Prozeß, der zehn Tage lang dauerte, wurde Mathias Kindlinger zu lebenslänglichem schwerem Kerker verurteilt. Wenige Jahre später starb er im Gefängnis.

 

Quellen: Verbrecher von A-Z (von Hubert Gundolf) Ausgabe 1966 - S.249

 

 

Im historischen Archiv des "Hamburger Abendblattes" ist über diesen Fall folgendes berichtet worden: 

Historisches Archiv · Nr. 53 vom 04.03.1963 · Seite 16

Mathias Kindlinger soll fünf seiner Frauen ermordet haben "Blaubart von Schrems"

Diese Frage soll einer der größten Indizenprozesse in der österreichischen Kriminalgeschichte klären, der morgen vor einem Geschworenensenat unter dem Vorsitz von Oberlandesgerichtstat Dr. Schlinger in der Weinstadt Krems beginnt. Erst für 16. März ist das Urteil zu erwarten. Wird Kindlinger auf Lebenszeit liinter Kerkermauern geschickt oder wird ihm das Millionenerbe seiner Frau Margarete zugesprochen?

Der nunmehr 68jährige Angeklagte, der sich nahezu zwei Jahre lang mit Hilfe eines Diktiergerätes gründlich auf seinen Prozeß vorbereiten konnte, galt nach dem ersten Weltkrieg als intelligenter tüchtiger Postbeamter. 1924 avan eierte er zum Postamtsleiter in Weiler (Vorarlberg). Die solide Karriere eines braven kleinen Staatsbürgers schien ihm sicher. Dann aber kam, was die Anklageschrift als "mysteriösen Tod aller Frauen um Kindlinger" vorsichtig umschreibt:

  • Am 7. Juli 1927 lag Kindlingers erste Frau Viktoria, die Mutter seiner beiden Kinder Ernst und Emma, erschossen in der Wohnung. Der Verdacht fiel sofort auf den Postamtsleiter. Man machte ihm den Prozeß. Das Urteil lautete auf zwölf Jahre Kerker.
  • Am 10. Juli 1936 hing die Linzer Blumenhändlerin Maria Wegschneider, bei der Kindlinger nach seiner bedingten Haftentlassung im Jahre 1934 Unterschlupf gefunden hatte, tot an einer Türschnalle. Kindlinger selbst war es, der mit Entsetzen im Gesicht die Polizei Eigener Bericht verständigte. "Ich bin unschuldig, glauben Sie mir", stammelte er immer wieder. Man glaubte ihm und nahm Selbstmord an.
  • Am 2. Februar 1938 fand man die hübsche 40jährige Anna Fleischer, die mit Kindlinger knapp vorher eine Luxusreise an die Riviera gemacht hatte und dort alle Ersparnisse am Roulettetisch von Monte Carlo gelassen hatte, erhängt an einem Ofenknopf ihres hübschen Hauses in Aschach an der Donau. Viele Verdachtsmomente richteten sich gegen den entlassenen Mörder. Die Verwandten Annas verlangten sogar eine nochmalige Exhumierung der Leiche. Zuletzt aber lautete die offizielle Version abermals Selbstmord.
  • Am 5. August 1953 starb Kindlingers zweite legale Ehefrau Friederike, geb. Radler, an den Folgen eines Gehirntumors und hinterließ ihrem Mann ein hübsches Vermögen. "Ich habe sie sehr geliebt", behauptet Kindlinger. Vielleicht stimmt es. Jedenfalls war sie die einzige Frau in seinem Leben. die einen natürlichen Tod hatte.

Das Vermögen der Toten verhalf dem trauernden Witwer endlich zu einem standesgemäßen Casanova-Dasein. Nach etlichen Intermezzi mit durchweg begüterten Inseratsbekanntschaften ? Kindlinger pflegte sich in den Heiratsannoncen stets als "liebesbedürftiger Staatsbeamter a. D." vorzustellen, lernte er 1955 die Witwe Margarete Mautner, Besitzerin des "ersten Waldviertler Emaillierwerks" in Schrems, kennen. Kindlinger heiratete sie und war fortan Fabrikchef.

Düstere Wolken ballten sich nach und nach am Ehehimmel zusammen. Und dann kam jener 29. April 1961, an dem ein Bruder der Fabrikantin seine Schwester und den Schwager gefesselt in den Ehebetten entdeckte. Die Frau war tot. Kindlinger aber lebte und stammelte aschgrau die wirre Geschichte eines Raubüberfalls.

Polizei und Untersuchungsrichter standen vor einem Rätsel: Alle Anzeichen von Gewaltanwendung fehlten. Die Betten schienen nicht zerwühlt. Es hatte kein Kampf stattgefunden. Auch Margarete war mit ihrer Fesselung offenbar durchaus einverstanden gewesen. Kindlinger wurde unter schwerem Mordverdacht verhaftet. Seither spricht er täglich stundenlang Verteidigungsreden in ein Diktaphon, und alle enden mit der Versicherung: "Ich bin unschuldig!"

 

Historisches Archiv · Nr. 76 vom 30.03.1963 · Seite 24

Die einzige Reaktion des Angeklagten war ein Achselzucken

Lebenslänglich für den "Blaubart" Kindlinger

Von Dr. Inge Santner

Matthias Kindlinger, der 69jährige "Blaubart von Schrems", ist am Freitag von einem Geschworenengericht in Krems bei Wien des Mordes an seiner dritten Ehefrau schuldig gesprochen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Damit fand ein Prozeß sein Ende, der weit über Osterreich hinaus Aufsehen erregt hatte. Schrems, ein Städtchen unweit der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze, war der letzte Wohnsitz Kindlingers.

Ein Achselzucken war die einzige Reaktion Kindlingers, nachdem die Geschworenen ihren Spruch gefällt hatten. Dieser Mann, der zehn Verhandlungstage lang das Gericht durch bravouröse Schauspielkunst und eiserne Nerven überrascht hatte, bewies bis zum letzten Augenblick seine Kaltblütigkeit. Nur ein mitleidiges Lächeln lag auf seinen Lippen, während er die sichtlich erschöpften Geschworenen betrachtete. Auf die Frage, ob er die Strafe annehme, antwortete er: "Das überlasse ich meinem Verteidiger."

Der Vormittag des Freitags hatte dem Plädoyer des Staatsanwalts Dr. Dobner gehört. Der Ankläger nannte Kindlin-. ger einen "Heuchler" und "Frömmler", der ein Doppelleben geführt und stets hemmungslos seinem persönlichen Vorteil und seinen Ausschweifungen gelebt habe. "Er täuschte seine Frau, er täuschte seine Umgebung, und er hat auch uns tagelang von seiner .idealen Ehe' vorgeschwärmt", rief Dr. Dobner. Wie aber sah dieser Mustergatte in Wirklichkeit aus? Er hielt in Wien eine Freundin aus, der er Liebesbriefe schrieb, die von Pathos klebrig waren. Und er verging sich, wie er selbst freimütig zugibt, an einer' Dreizehnjährigen. Jawohl, der Angeklagte hat recht, wenn er von sich behauptet: ,Ich bin ein Schwein'!"

Lebenslänglich: Matthias Kindlinger

Der Staatsanwalt zerpflückte die Behauptung Kindlingers, seine Frau und er selbst seien am 29. April 1961 die Opfer eines Überfalls geworden, den eben nur er dank einer besseren Konstitution überlebt hätte: "Kein einziges Indiz spricht dafür. Ganz im Gegenteil: Alle Sachverständigen konnten überzeugend nachweisen, daß Kindlinger den Raubüberfall nur vorgetäuscht und sich auch selbst gefesselt hat."

Besondere Bedeutung maß Dr. Dobner der Feststellung des Wiener Gerichtsmediziners Prof. Breitenecker bei, der mit "praktisch hundertprozentiger Sicherheit" nachgewiesen hatte, daß der Angeklagte entgegen seiner Behauptung niemals bewußtlos gewesen sein kann, weil die Ärzte in diesem Fall "Verletzungen oder schmerzende Stellen hätten finden müssen". Der Angeklagte sei, so schloß der Ankläger, daher "strafrechtlich voll verantwortlich" und verdiene die Höchststrafe von lebenslangem Kerker.

Verteidiger Dr. Peter Stern stand auf verlorenem Posten. Er konnte bloß darauf hinweisen, daß "kein Geständnis, sondern ausschließlich Indizien gegen den Angeklagten sprechen". Diese Indizien, das mußte er zugeben, seien massiv und schwerwiegend. Dennoch habe der Prozeß "noch andere Möglichkeiten aufgezeigt, wie Margarethe Kindlinger ums Leben gekommen sein könnte" (damit spielte er auf die Verdachtsmomente gegen den Wiener Fabrikanten Hans Verhunc, einen Bruder der Ermordeten an). Man könne Kindlinger daher nicht "hundertprozentig schuldig sprechen".

Die Geschworenen waren von dieser Argumentation nicht beeindruckt. Auch die Anschuldigung, sie seien gegen den Angeklagten voreingenommen gewesen, weil dieser bereits früher wegen Gattenmordes verurteilt worden war und weil andere seiner Lebensgefährtinnen unter mysteriösen Umständen gestorben waren, machte sie in ihrer Entscheidung nicht wankend. Sie sprachen ihr "Schuldig".

 

Historisches Archiv · Nr. 294 vom 18.12.1963 · Seite 22

Urteil bestätigt

Wien, 18. Dezember 1963

Der oberste Gerichtshof in Wien hat gestern eine Nichtigkeitsbeschwerde verworfen, die der 69jährige Mathias Kindlinger gegen seine lebenslängliche Verurteilung eingebracht hatte. Kindlinger war, wie berichtet, im März dieses Jahres von einem Geschworenengericht in Krems (Niederösterreich) nach einem Indizienprozeß wegen Mordes an seiner 61jährigen Frau Margarethe zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Kindlinger, genannt der "Blaubart von Schrems". hat fünf Frauen überlebt. Seine letzte Frau, die er durch ein Heiratsinserat kennengelernt hat, war 1961 tot und gefesselt im Ehebett aufgefunden worden. Neben der Frau lag ihr Mann, ebenfalls gefesselt. Bis zum Ende des Prozesses hatte Kindlinger behauptet, er und seine Frau seien überfallen worden. Die Sachverständigen waren jedoch der Ansicht, Kindlinger habe sich nach dem Mord an seiner Frau selbst gefesselt.

 

 

 

 

 

10. Der Fall - Paul Knowles  (The Casanova Killer)

 

           

Journalisten treffen Serienmörder in der Regel erst, wenn sie sicher hinter Gittern versperrt sind. Der britischen Reporterin Sandy Fawkes erging es anders, als sie in einer Bar in Atlanta einem fe­schen jungen Mann namens Paul Knowles be­gegnete und mit ihm einige Tage verbrachte. Zehn

Tage danach sah sie das Foto ihres Liebhabers in der Zeitung: Verhaftet für den letzten einer Reihe von wenigstens 18 Morden.

Der aus Florida stammende Paul Knowles folgte nicht den üblichen Verhaltensmustern von Serien­mördern. Er war ständig unterwegs und ermordete Alte und Junge, Männer und Frauen. Manchmal ver­ging er sich an seinen Opfern beiderlei Geschlechts, manchmal nicht. Einige seiner Verbrechen waren finanziell motiviert, andere sexuell. Das einzige Bindeglied seiner Handlungen war das völlige Fehlen moralischer Skrupel.

Knowles, Jahrgang 1946 (7. April 1946), war bereits als Teenager ständig in Gesetzeskonflikten. Mit 19 fasste er seine erste Haftstrafe aus; viele weitere sollten folgen, meist wegen Einbruch und Autodiebstahl. Seinen ersten bestätigten Mord beging er kurz nach seiner Verhaf­tung wegen einer Schlägerei in Jacksonville (Florida) am 26. Juli 1974. Er entkam dank seiner Diet­rich-Künste und brach in das Haus der 65-jährigen Alice Curtis ein. Er stahl ihr Geld und ihr Auto und ließ sie gefesselt und geknebelt zurück. Nach einer Weile erstickte sie an dem Knebel; als Knowles von ihrem Tod erfuhr, beschloss er, das Auto loszuwerden. Dabei fühlte er sich von zwei Mädchen, eines sieben, eines elf Jahre alt, beobachtet und erkannt. Er entführte die beiden, erwürgte sie und warf ihre toten Körper in einen Sumpf.

Unterwegs

Als Nächstes zog es ihn südwärts nach Atlantic Beach in Florida, wo er in ein weiteres Haus einbrach und den Bewohner erwürgte. Von hier fuhr er wieder nach Norden und nahm eine Anhalterin mit, die er en passant verge­waltigte und erwürgte, bevor er in Musell in Georgia einen Zwischenstopp für einen weiteren Einbruch in ein Haus einlegte. Hier erwürgte er Kathie Pierce vor den Augen ihres dreijährigen Sohns. Das Kind ließ er jedoch in Ruhe.

Die nächsten zwei Monate fuhr Knowles ziellos durch die Gegend, begleitet von Mord, Diebstahl und Vergewaltigung. Am 3. September 1974 beraub­te und ermordete er den Geschäftsmann William Bates in Lima in Ohio. Am 18. September tötete er zwei Zeltler in Ely in Nevada. Am 21. September fiel ihm eine hängen gebliebene, Hilfe suchende Autofahrerin in Texas auf. Er hielt an um sie zu miss­brauchen und zu ermorden. Zwei Tage später traf er in Alabama auf die Kosmetikerin Ann Dawson. Die beiden verbrachten sechs Tage als Liebespaar (Dawson zahlte die Rechnungen), bis Knowles sie am 29. September ermordete.

Drei weitere ziellose Wochen vergingen bevor Knowles auf sein nächstes Opfer traf. Doris Hovey wurde etwas nördlich von Woodford (Virginia) erschossen. Wieder im Süden, in Macon (Georgia), beging Carswell Carr am 6. November den Fehler, Knowles auf ein paar Drinks zu sich ins Haus einzu­laden. Knowles erstach den Mann, erwürgte danach dessen 15-jährige Tochter Mandy und versuchte, sich an ihrer Leiche zu vergehen.

Strassensperre

Zwei Tage später erreichte Knowles Atlanta und traf auf Sandy Fawkes. Sein „schaurig schöner An­blick", wie sie es nannte, zog sie sofort an. Im Bett erwies sich Knowles jedoch als Niete; in mehreren Versuchen brachte er keine Erektion zustande. Als die beiden sich trennten, hatte Fawkes keine Ahnung, mit wie viel Glück sie noch am Leben war. Das änderte sich tags darauf, als Knowles eine ihrer Freundinnen, Susan Mackenzie, mit vorgehaltener Pistole zum Sex zwingen wollte. Die Frau konnte jedoch entkommen und die Polizei alarmieren.

Die Jagd begann und dauerte mehrere Tage. Als ihn der erste Polizist stellte, zog Knowles schneller, entführte den Beamten und stahl sein Auto. Mit Hilfe des Dienstwagens hielt er jemanden an, dessen Fahrzeug er übernahm. Er hatte nun zwei Geiseln, den Polizisten und den anderen Autofahrer, wurde ihrer aber sehr bald überdrüssig. Er fesselte die Männer an einen Baum in Pulaski County in Georgia und schoss beiden in den Kopf.

Aber nun wurde es eng. Knowles geriet in eine Straßensperre und versuchte, zu Fuß zu fliehen, wurde jedoch von einem bewaffneten Zivilisten gefangen genommen.

Er lebte nicht mehr lange genug, um ein um­fassendes Geständnis abzulegen. Am Tag nach der Verhaftung wurde er von mehreren Polizisten zu einem seiner Tatorte geführt. Unterwegs gelang es Knowles, seine Handschellen mit einer Büro­klammer zu öffnen. Er versuchte, Sheriff Earl Lee die Pistole aus dem Halfter zu klauen, aber der mitfah­rende FBI-Agent Ron Angel war schneller und erschoss den Killer (18. November 1974).

Quellen: Serienmörder – Die Faszination des Bösen (von Charlotte Greig)Ausgabe 2005 – S. 137 -  ISBN 978-3-85003-212 -4

 

 

 

 

11. Der Fall – Manfred Buchholz

Mutter und Stiefvater Buchholz waren als sehr fromme Leute bekannt. Jeden Morgen vor dem Frühstück wurde gebetet. So auch am Sonntag, dem 5. April 1959. Manfred (geb. am 2. April 1941 in Berlin) hatte den Tee gekocht. Er schenkte Mutter, Vater und sich selbst ein. Nach dem ersten Schluck verzog bereits der Vater das Gesicht und gab seiner Frau zu versuchen, weil der Tee so bitter schmeckte. Gleich darauf rang auch Frau Buchholz nach Luft, verdrehte die Augen, stürzte zum Fenster und brach dort ohnmächtig zusammen. 

Inzwischen war Karin, die Hausangestellte, erschienen. Sie sah, daß es den beiden Alten schlecht war. Man­fred schickte sie weg, um einen Arzt zu holen. Dieser konnte nur noch den Tod der Eltern feststellen. Er roch den starken Mandel-Geruch und injizierte Manfred eine Spritze mit Gegengift. Als er außer Lebensge­fahr war, wurde er im Krankenhaus vernommen.

Nach anfänglichem Leugnen gestand er den Giftmord an seiner Mutter. Den Stiefvater mußte er mit ermor­den, »weil die Polizei sonst dahinter gekommen wäre. Ich wollte einen perfekten Mord begehen.« Bei Manfred Buchholz war weniger die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit ausschlaggebend für das Mord­motiv, als vielmehr der wirtschaftliche Wohlstand seiner Eltern.

Die Mutter, Anna Peitsch, hatte Manfred sehr spät bekommen. Um dem ungewollten Kind einen Namen geben zu können, heiratete sie per Ferntrauung einen wesentlich jüngeren Soldaten, der später im Krieg gefallen ist. Nie bekam der Junge ein Bild seines Vaters zu Gesicht, nie erzählte ihm die Mutter von ihm. Darunter litt Manfred.

 Die Mutter unterhielt eine Näherei mit mehreren Angestellten. Ihren Sohn hielt sie stets unter scharfer Bewachung. Kontakt mit anderen Kindern wurde ihm untersagt. Sie war eine herrschsüchtige, jähzornige Frau, die ihren Sohn vor den Angestellten ohrfeigte - und wieder zärtlich abküßte. Als sie Herrn Buchholz heiratete, nahm sie seine Karriere in die Hand und machte ihn zum Geschäftsinhaber eines Lotterie-Ladens. Sie verbot ihrem Sohn, ins Kino zu gehen oder zum Tanzen, aber mit dem Mädchen, das er kannte, durfte er in ihrer Wohnung schlafen. Als er einmal betrunken nach Hause kam, schimpfte sie ihn: »Du Peitsch-Bock!« Sie kränkte ihn mit dem Namen seines leiblichen Vaters.

Den Zwang und die Herrschsucht seiner Mutter hielt Manfred nicht mehr aus. So kamen ihm die Mordge­danken.

 Er war kaufmännischer Lehrling in einer pharmazeutischen Fabrik und kannte sich mit Giften aus. Im November 1958 beschaffte er sich Natrium-Cyanid, ein sehr schnell wirkendes Gift. Auslösendes Moment zur Durchführung der Tat war ein 20jähriges Mädchen, in das sich der 17jährige Manfred verliebt hatte. Er traf sich mit dem Mädchen, aber die Mutter spionierte ihm nach, beschimpfte und beleidigte seine Freundin als »Schlampe« und befahl Manfred, sich lieber um Mausi zu kümmern, mit der sie ihren Sohn verkuppeln wollte. Mausi war erst 16 Jahre alt. Der Verkehr mit der 20jährigen wurde im strengstens untersagt.

 Noch an seinem 18. Geburtstag erhielt er Ohrfeigen von seiner Mutter. Drei Tage nach seinem Geburtstag ermordete Manfred seine Eltern. Am 19. Februar 1960 erhielt er 10 Jahre Jugendgefängnis. Bereits am 7. Januar 1961 brachen zwei Häftlinge aus der Jugendstrafanstalt Plötzensee aus, der Aufseher wurde dabei niedergeschlagen. Manfred Buchholz war der Anstifter und Hauptschläger. Daraufhin wurde Buchholz zu weiteren 23 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Quellen: - Das große Verbrecherlexikon (von Dieter Sinn) Ausgabe 1984 – S.104 – ISBN  3-88199-146-8

 

 

 

 

12. Der Fall -  Inge Marchlowitz und Gerhard Popp    

Hunderte von Menschen drängten sich vor dem Gefängnistor. Pressefotografen und Schaulustige belagerten auch das hannoversche Landgericht, um an jenem Januartag des Jahres 1959 wenigstens einen Blick auf die Angeklagten werfen zu können. Auf Inge Marchlowitz, das bildhübsche Mädchen mit dem Kindergesicht, das mit nur 16 Jahren „abenteuerlustige Männer in ein Rendezvous mit dem Tode lockte“, wie die Boulevardpresse schrieb. Und auf Gerhard Popp, den Doppelmörder in Frauenkleidern, der zwei Freier erschossen hatte, um ein paar Hundert Mark zu erbeuten.

Mörder in Frauenkleidern: Nach der Verhaftung demonstrierte Gerhard Popp (rechts) mit seiner Komplizin Inge Marchlowitz noch einmal, wie er verkleidet zwei Männer erschoss.

Zwei Jahre zuvor hatten zwei Mordfälle ganz Deutschland bewegt: Seine Armbanduhr tickte noch, als Kanalarbeiter am 19. Dezember 1956 Heinrich B. entdeckten. Der 29-Jährige trieb bei Dedensen im Mittellandkanal, ermordet mit drei Schüssen. Seine Mörder hatten ihn in eine Decke gewickelt und ihm ein VW-Reserverad auf den Rücken gebunden, das aufgeschlitzt und mit Kies gefüllt war. Im Januar darauf verschwand der 37-Jährige Heinz E.; seinen Wagen fand man in einem Wasserloch im Wald bei Hambüren – mit blutverschmierten Sitzen. Erst sieben Monate später entdeckte ein Imker Heinz E.s Leiche in einer Fichtenschonung bei Lindwedel – auch er war erschossen worden.

Obwohl eine Belohnung von 10.000 Mark ausgesetzt war, kam die Polizei bei ihren Ermittlungen lange nicht weiter.

 Der Fall wäre wohl als ungelöstes Rätsel in Hannovers Kriminalgeschichte eingegangen, hätte der notorische Dieb und Räuber Gerhard Popp nicht in seiner Zelle im Gefängnis hinterm Bahnhof vor anderen Häftlingen geprahlt, mehr über die Morde zu wissen. Einer von ihnen gab der Polizei einen Tipp. So geriet Popps junge Freundin Inge Marchlowitz ins Visier der Ermittler.

 Es wurde nie ganz geklärt, ob die Polizei der 17-Jährigen die falsche Information zuspielte, Popp wolle sie als lästige Mitwisserin ermorden lassen. Sicher ist, dass die verzweifelte Inge Marchlowitz sich mit einer vermeintlichen Freundin, die in Wirklichkeit die Polizei auf sie angesetzt hatte, zum gemeinsamen Selbstmord verabredete. Die Frauen mieteten sich im üblen Bunkerhotel „Stadt Petersburg“ unter dem Klagesmarkt in Kabine 50 ein, um dort Pflanzenschutzmittel zu schlucken.

 Marchlowitz gestand in ihrem vermeintlich letzten Gespräch die Morde, Polizisten im Nebenzimmer hörten mit – und als sie gerade das Fläschchen an die Lippen setzte, stürmten sie das Zimmer.

Die Vita von Inge Marchlowitz bot vielen im aufstrebenden Wirtschaftswunderland Gelegenheit, gruselnd in den sozialen Abgrund zu blicken, dem man selbst glücklich entronnen war. Immer wieder zog die Familie um, wohnte teils in Gartenlauben, zuletzt in Letter. Der Vater saß oft im Gefängnis: Diebstahl, Unterschlagung, Hehlerei. War er frei, trieb er sich herum, verspielte das Geld, trank und schlug. Die Mutter soll ebenfalls Diebesgut verhökert haben – und sie pflegte „Männerbekanntschaften“, wie man damals sagte. Der Slogan „Wohlstand für alle“ war eben eher Zielsetzung als Beschreibung der Wirklichkeit.

Inge Marchlowitz galt nach ihrer Verhaftung schnell als Musterbeispiel dafür, dass kein Mensch zum Verbrecher geboren wird: „Wo liegt die Grenze zwischen Schuld und Schicksal?“, fragte die HAZ. Fürs Publikum stand schnell fest, dass die junge Frau praktisch unschuldig in schlimme Verbrechen hineingeraten war. Sie war ein Opfer. Inge Marchlowitz war so, wie das ganze Land in den Jahren nach der NS-Diktatur gern gewesen wäre.

Als sie sechs Jahre alt war, lernt sie Gerhard Popp kennen. Der 20 Jahre ältere Eisenbahnheizer aus Pommern ist vom Krieg entwurzelt. Immer wieder sitzt er im Gefängnis, immer wieder bricht er aus. Mal stiehlt er Kupferkabel, mal springt er mit seiner Bande auf Güterzüge auf, um sie auszuplündern. Dabei lernt er Inges Vater kennen – und eines Tages bringt dieser den Mann mit nach Hause, den Inge „Onkel Ede“ nennt.

„Meine Eltern haben mich immer wegwerfend behandelt. Popp hat mich verstanden“, sagte Marchlowitz später. Zwischen beiden entsteht eine fatale symbiotische Beziehung, ein Verhältnis von sklavischer Abhängigkeit. Bei „Mutproben“ fesselt Popp das Mädchen und befiehlt ihm, sich zu befreien. Er schlägt Inge auf die Fingerkuppen und gibt ihr für jeden Schlag einen Pfennig. Sie hält aus, bis sie genug Geld beisammen hat, um ihrer Mutter Zigaretten zu kaufen. Ein andermal soll er sie dafür bezahlt haben, drei Zigaretten zu essen. Inges Mutter, die zunächst selbst Popps Geliebte war, soll zugesehen und das Geld kassiert haben. „Wenn er gesagt hätte, ich solle ins Wasser gehen, dann hätte ich es getan“, sagte Inge Marchlowitz später.

Für Popp erträgt sie alle Schmerzen – und dieser richtet sie regelrecht zur Verbrecherin ab. Mit zwölf Jahren verkauft sie für ihn Diebesgut. Mit 13 lernt sie von ihm Schießen. Mit 14 wird sie seine Geliebte. Sie ist bei einem brutalen Raubüberfall auf eine Konsum-Filiale in Misburg dabei, bei dem zwei Menschen angeschossen werden. Mit 17 bringt sie in einem Entbindungsheim einen Sohn zur Welt. Popp ist der Vater. Zu diesem Zeitpunkt sind Heinrich B. und Heinz E. bereits tot. Die Details ihrer Ermordung gingen nach der Gerichtsverhandlung 1959 bundesweit durch die Presse: Auf der Goethestraße und in einem Café in der Innenstadt hatte sich Inge Marchlowitz von den Männern ansprechen lassen und „Liebesfahrten“ im Auto verabredet. Bei der Abfahrt bat sie jeweils, ihre „Cousine Gerda“ noch ein Stück mitzunehmen – der mit Rock, Kopftuch, Perücke und Brille als Frau verkleidete Popp setzte sich auf den Rücksitz.

„Unterwegs unterhielt ich mich eifrig mit dem Fahrer, damit er meine angebliche Cousine nicht ansprechen sollte“, sagte Inge Marchlowitz vor Gericht. In einer einsamen Gegend bei Krähenwinkel hielten sie an. Dort habe Popp dann Heinrich B. erschossen – ebenso wie später Heinz E., der nach den Schüssen lautlos auf dem Fahrersitz zusammengesackt sei. Gemeinsam habe man den Männern dann das Geld abgenommen und die Leichen entsorgt. Das Schwurgericht verurteilte Popp zu lebenslanger Haft, Marchlowitz bekam sieben Jahre Jugendstrafe. Nach der Urteilsverkündung gingen ihre Eltern auf Inge zu. Ihrem Vater reichte sie die Hand. Mutter und Tochter würdigten einander keines Blickes.

Immer wieder kamen in den kommenden Jahren Gerüchte auf, in Wirklichkeit habe Inge Marchlowitz die Schüsse abgegeben. Auch Popp behauptete das, als er sich in den sechziger Jahren – vergeblich – um eine Wiederaufnahme des Verfahrens bemühte. Erst 1979 wurde er nach einem Gnadenakt des Ministerpräsidenten aus der Justizvollzugsanstalt Celle entlassen.

 Inge Marchlowitz kam schon 1963 aus dem Frauengefängnis Vechta frei. Sie soll zunächst in Bayern gelebt haben; die fraglichen Akten im Hauptstaatsarchiv Hannover sind bis 2040 gesperrt.

 Sicher ist, dass sie – wie auch Popp – eine neue Identität bekam – um sie vor ihrer eigenen Vergangenheit zu schützen.

 Quelle: - Hannoversche Allgemeine (Simon Benne) vom 28.02.2009

 

 

 

13. Der Fall -  Salvatore Agron

Salvador Agron (eigentlich: Salvatore Agron) genannt „The Capeman“ (deutsch: „Der Umhangmann“ beziehungsweise „Der Mann mit dem Umhang“) ist ein Doppelmörder aus dem Jahre 1959. Der damals sechzehnjährige Agron war Mitglied in einer Gang namens „The Vampires“. 1959 ging Salvador Agron mit seinen Gangkameraden Tony Hernandez, Pepé und einigen anderen zu einem Spielplatz in der Hell’s Kitchen-Nachbarschaft in Manhattan.

 

Salvador Agron "The Capeman"                                          Luis Tony Hernandez

Man war auf der Suche nach einer irischen Gang namens „The Norsemen“. Diese Gang traf allerdings nicht ein, nur eine Gruppe von Jugendlichen war zu sehen. Nach einigen Provokationen kam es zu einer Schlägerei. Dabei erstach Salvador Agron mit Unterstützung von Tony Hernandez zwei der Jugendlichen – Anthony Krzesinski und Robert Young, Jr. Die „Vampires“ flüchteten, und die Polizei fand Young tot in dessen Apartment, in das er sich nach der Dolchattacke schleppen konnte und wo er anschließend verblutete. Kreszinski wurde ein Haus weiter in einer Blutlache gefunden.

Am Abend der Morde trug Salvador Agron einen schwarzen Umhang mit rotem Futter, Tony Hernandez trug einen Regenschirm, dessen Spitze er als Waffe nutzte, bei sich. Die Presse nannte Salvador Agron deshalb „The Cape Man“, Tony Hernandez „The Umbrella Man“.

Agron und Hernandez sowie die anderen Gangmitglieder wurden gefasst und verurteilt. Der sechzehnjährige „Cape Man“ wurde zum Tode verurteilt und war zum damaligen Zeitpunkt der Jüngste, der diese Strafe erhalten sollte. Die Todesstrafe sollte mittels der Giftspritze vollstreckt werden, doch der damalige Gouverneur von New York Nelson A. Rockefeller wandelte 1962 die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe um.

Quellen: -wikipedia.de

 

 

 

 

14. Der Fall - Dean Corll

Dean Corll war bekannt unter dem Namen „The Candy Man“.

Er wurde am 24. Dezember in Fort Wayne (Indiana) geboren und starb am 8. August in Pasadena, Texas.

Er war ein homosexueller US-amerikanischer Serienmörder, der Anfang der 1970er Jahre zusammen mit zwei jugendlichen Komplizen namens Elmer Wayne Henley und David Owen Brooks mindestens 27 Sexualmorde an Jungen und jungen Männern begangen hat. In den Medien wurde der Fall als Massenmord von Houston bezeichnet.        

Nachdem die Ehe seiner Eltern zerbrochen war, zog Corll mit seiner Mutter nach Houston. Er galt als guter und wohlerzogener Schüler. Wegen eines Herzleidens war er vom Sportunterricht befreit. Nach Abschluß der Highschool war er im Süßwarengeschäft seiner Mutter angestellt. Es wird angenommen, daß er während seines Militärdienstes, zu dem er 1964 einberufen wurde, erstmalig seine homosexuelle Seite bemerkte. Als Teenager hatte er sich für Mädchen interessiert.

 

 

Dean Corll - als Jugendlicher und 1964 kurz nach der Einberufung beim Militär im Alter von 24 Jahren

 

Bereits 1965 wurde er freigestell, um seiner Mutter wieder beim Betreiben ihres Geschäfts helfen zu können. Später übernahm er dieses selbst. Da er regelmäßig kostenlos Bonbons an die Nachbarskinder verteilte, verliehen diese ihm den später von den Medien aufgegriffenen Spitznamen Candyman. Obwohl dies in der Nachbarschaft durchaus kritisch gesehen wurde, stellte später niemand eine gedankliche Verbindung zu der sprunghaft angestiegenen Anzahl junger männlicher Vermißter her.

1968 löste er das Geschäft auf und begann eine Ausbildung zum Elektriker. Während dieser lernte er 1970 einen fünfzehnjährigen Jungen namens David Brooks kennen, der bisher ein vielversprechender Einserschüler gewesen war, dessen schulische Leistungen sich aber zu verschlechtern begonnen hatten und der bereits einige kleinere Diebstähle begangen hatte. Corll bezahlte Brooks, der bald zu ihm in sein Haus in Pasadena zog, für Analverkehr.

Spätestens 1971, vermutlich aber bereits früher, begann Corll mit seiner Serie von Entführungen, Vergewaltigungen und Morden. Seine Opfer vergrub er in seinem Bootsschuppen und in ländlichen Gebieten in der Umgebung der Stadt. Brooks gab später an, Corll einmal beim Vergewaltigen zweier an ein Bett gebundener Jungen angetroffen zu haben. Corll habe sich sein Schweigen mit einer Chevrolet Corvette erkauft, die beiden Jungen habe er danach nie wieder gesehen.

Donald Waldrop (15) Homer Luis Garcia (15) Jeffrey Alan Konen,  erstes bekanntes Opfer vom 25. September 1970 Jerry Lynn Waldrop (13) William Lawrence (15) Mark Scott (17)

Kurz nach diesem Ereignis machte Corll die Bekanntschaft des vierzehnjährigen Elmer Wayne Henley. Dieser kam aus zerrütteten Familienverhältnissen und hatte ein Alkoholproblem. Bald brach er die Schule ab, um zu arbeiten und so seine geschiedene Mutter und seine drei jüngeren Brüder finanziell unterstützen zu können. Wahrscheinlich hatte Corll Henley ursprünglich als Opfer vorgesehen, änderte aber seine Absicht, als ihm klar wurde, daß Henley die meisten anderen Jugendlichen in der Umgebung kannte. Henley begann alsbald damit, Corll beim Anlocken von Opfern zu helfen und nahm schließlich auch aktiv an Tötungen teil.

Die Mehrzahl der Opfer waren Teenager, das jüngste war neun Jahre alt, das älteste 21. Die meisten stammten aus einkommensschwachen Familien in Houston. Viele waren bei der Polizei als vermißt gemeldet und wurden ungeachtet des besorgten Protests ihrer Eltern als Ausreißer geführt. Corll lockte sie häufig durch Partys in sein Haus, bei denen Alkohol und Drogen konsumiert wurden. Manche Opfer hatten bereits mehrmals an solchen Partys teilgenommen. Mindestens einer seiner jugendlichen Mittäter begleitete Corll üblicherweise bei der Suche nach Opfern. Diese waren durch die Anwesenheit anderer Jungen in seinem Wagen weniger mißtrauisch, als wenn er alleine gewesen wäre.

Zur Aufdeckung der Serie kam es am 8. August 1973 nur, weil der inzwischen siebzehnjährige Henley nach einem Streit Corll erschossen hatte.

                               

Der Komplize und Mörder von Dean Corll - Elmer Wayne Henley

Brooks war bei diesen Ereignissen nicht zugegen. Ungefähr um drei Uhr morgens an diesem Tag war Henley in Begleitung eines Jungen namens Tim Kerley und eines Mädchens namens Rhonda Williams in Corlls Haus erschienen. Kerley war als Corlls nächstes Opfer vorgesehen, die fünfzehnjährige Williams war Kelleys Freundin. Corll war zunächst wütend, weil Henley ein Mädchen mitgebracht hatte. Nachdem er sich beruhigt hatte, begann man zusammen Alkohol zu trinken. Nachdem die Jugendlichen das Bewußtsein verloren hatten, fesselte Corll sie. Als sie wieder zu sich kamen, fuchtelte er mit einer Pistole vom Kaliber 22 herum und drohte verärgert, sie alle zu töten. Henley gelang es zunächst, ihn zu beruhigen, so daß er die Waffe zur Seite legte und ihn losband. Als Corll dann jedoch darauf bestand, Kerley zu vergewaltigen und zu töten und von Henley verlangte, dasselbe mit Williams zu tun, lehnte Henley dies ab. Daraufhin kam es zu einer Rangelei, die damit endete, daß Henley die Pistole zu fassen bekam und Corll mit sechs Schüssen auf der Stelle tötete. Nachdem er die anderen beiden Jugendlichen befreit hatte, rief er die Polizei. Während sie vor dem Haus auf die Polizei warteten, äußerte er Kerley gegenüber: „Ich hätte 200 Dollar für dich bekommen können.“

Offensichtlich war dies das üblicherweise von Corll für die Rekrutierung neuer Opfer gezahlte Honorar.

Foto von David Brooks kurz nach seiner Verhaftung

 

Im Verhör gab Henley an, daß er und Brooks Corll bei der Beschaffung von Opfern geholfen hätten, der diese dann vergewaltigt und ermordet habe. Diese Aussage stieß bei der Polizei zunächst auf Skepsis, da man davon ausgegangen war, es nur mit einer Tötung - nämlich der an Corll - zu tun zu haben und diese als Folge eines alkoholbedingten Streits einordnete. Eine Durchsuchung von Corlls Haus bestätigte jedoch seine Angaben. Gefunden wurde eine Art Folterbank mit Handschellen an jeder Ecke, einige Dildos, zahlreiche Seile sowie ein hölzerner Verschlag mit Luftlöchern und darin menschliche Haare.

 

Später an diesem Tag erschien Brooks in Begleitung seines Vaters bei der Polizei. Während Brooks darauf beharrte, nichts von den Straftaten gewußt zu haben, kooperierte Henley bei der Aufklärung. Er beschrieb nicht nur detailliert die Morde Corlls, sondern gab auch zu, eines der Opfer selbst erschossen zu haben.

      

Der von Corll angemietete Bootsschuppen. Hierher brachte er seine Opfer, um sie zu vergewaltigen und schließlich zu ermorden. Anschließend vergrub er sie,entweder im Bootsschuppen, in unmittelbarer Nähe oder in der näheren Umgebung. Auf dem rechten Foto sind Beamte zu sehen, welche im Bootsschuppen Reste von Corlls Opfer bergen. In der Schubkarre liegt bereits ein Totenschädel.  

 

      

Auch in unmittelbarer Nähe des Bootsschuppens nimmt man Ausgrabungen vor - und wird fündig.

 

    

 

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch in der näheren Umgebung finden die Ermittler die vergrabenen Opfer des Serienmörders. Wie bestialisch sie zugerichtet wurden, läßt die Beamten erschauern.

 

Im von Corll seit einigen Jahren gemieteten Bootsschuppen im Südwesten von Houston grub man nach einem Hinweis Henleys insgesamt 17 Leichen aus, einige waren in Plastik eingewickelt. Zehn weitere Opfer fand man an verschiedenen anderen Orten, teilweise in Crystal Beach im benachbarten Chambers County.  Henley bestand darauf, daß es noch drei weitere Opfer gebe,

diese fand man jedoch nie. Einige Opfer waren erschossen worden, andere hatten noch die Schlinge um den Hals, mit denen sie stranguliert worden waren. Alle waren anal vergewaltigt worden, teilweise auch mit Gegenständen. Einige waren kastriert oder in sonstiger Weise im Genitalbereich verstümmelt worden - im Bootsschuppen fand man auch einen Container mit mehreren abgetrennten Geschlechtsteilen - anderen waren die Schamhaare einzeln ausgerissen worden. In den Harnröhren fanden sich teilweise zertrümmerte Glasstäbe.                                                                                   

Die Überreste von Randell Lee Harvey wurden erst nach Jahren gefunden.

Im Oktober 2008 wurden die Überreste von Randell Lee Harvey die im August 1973 gefunden wurden identifiziert. 37 Jahre nach seinem Verschwinden wurde Harvey als weiteres Opfer von Dean Corll erfaßt.

Da Corll selbst als Toter nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden konnte - als ehemaliger Soldat erhielt er sogar ein Begräbnis mit militärischen Ehren - wurden nur Henley und Brooks angeklagt. Henley wurde wegen sechsfachen Mordes angeklagt und 1974 zu sechsmal 99 Jahren Haft verurteilt. Die Tötung Corlls war davon nicht erfaßt, diese wurde als Notwehr betrachtet. Brooks wurde wegen eines Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Eine Haftprüfung findet alle drei Jahre statt. Bisher wurde eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung stets abgelehnt. Im Jahr 2006 befanden sich beide noch in Haft.

 Henley bleibt auch weiterhin in Haft

 

Zu seiner Zeit war dies gemessen an der Zahl der Opfer der bislang schlimmste Fall von Serienmord in den USA, der sogar die 25 Opfer des Juan Vallejo Corona noch übertraf. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und veranlaßte den Papst zu einem Kommentar, er bezeichnete die Natur der Verbrechen als "abscheulich" und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

 

         Eins der Bücher über diesen Fall 

 

 

Das Houston Police Department wurde in der Folge von diesen Familien scharf kritisiert, weil man die vermißten Kinder als Ausreißer behandelt und keiner Ermittlung für wert befunden hatte. Darunter waren zwei Familien, die jeweils zwei Söhne durch Corll und seine Komplizen verloren hatten.

Henley hat während seiner Inhaftierung begonnen zu malen. Der Verkauf einiger seiner Bilder bei ebay sorgte für Empörung.

 

Quellen: Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

 

 

 

15. Der Fall – Eva Maria Helene Mariotti

Sie war schön. Sie war begehrt. Sie war geheimnisvoll. Eine schillernde Person mit undurchsichtigem Privatleben, Besitzerin mehrerer Pässe mit wohlklingenden Namen, angeblich die Geliebte von Reichen und Mächtigen. Eine, die den Stoff für Filme liefern könnte. Und tatsächlich eine, die Hamburger Justizgeschichte schrieb - als einzigartiger Fall, als tragischer Fall.

Eva Maria Mariotti, angeklagt wegen Raubmordes, wurde dreimal der Prozeß gemacht, der einmal ergebnislos abgebrochen wurde, beim zweiten Mal mit einer Verurteilung zu lebenslangem Zuchthaus endete. Im dritten Anlauf, am 14. Juli 1965, schließlich der Freispruch. Ein Sieg für die Angeklagte? Ganz sicher. Aber kein glanzvoller Triumph. Denn da hatte die damals 47jährige rund 1300 Tage in Untersuchungshaft gesessen, war körperlich und nervlich schwer angeschlagen, von den Prozessen gezeichnet.

Der Mord an der wohlhabenden Zahnarztwitwe Maria Moser am 28. Juni 1946 am Loogestieg in Eppendorf: Schnell gerät ein Bekannter des Opfers in Verdacht, die Tat begangen zu haben, bei der der Zahnarztwitwe ein Pelzmantel und ein Morgenmantel geraubt werden. Ihren in ihr Korsett eingenähten kostbaren Schmuck findet der Täter nicht. Der gebürtige Tschechoslowake wird später in seiner Heimat wegen Mordes zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Und er wird zum Hauptbelastungszeugen gegen Eva Maria Mariotti, von der der Mann sagt, sie sei die Auftraggeberin und eigentliche Mörderin gewesen, die das Opfer, das er niedergeschlagen habe, schließlich erdrosselt habe. Interpol jagt die Verdächtige um den halben Erdball, nach 17 Jahren wird sie im Oktober 1960 im brasilianischen São Paulo gefaßt und an Deutschland ausgeliefert. 

Hier beginnt in Hamburg 1963 der erste Prozeß gegen die zierliche Angeklagte. Am 11. Juli die Sensation. Dreimal wird Eva Maria Mariotti vom Untersuchungsgefängnis in den Schwurgerichtssaal geführt, zweimal vergebens. Um 20 Uhr - die Angeklagte zittert, ist dem Zusammenbruch nahe - die Entscheidung: Das Verfahren wird ausgesetzt, die Staatsanwaltschaft soll weiter ermitteln. Wie eine Bewußtlose wird die damals 45jährige aus dem Saal geschleppt, es beginnt eine neue Zeit des Wartens.

Und ein neuer Prozeß, der sechs Monate später beginnt. "Ich habe keinen Menschen getötet. Bitte glauben Sie mir. Ich bin unschuldig", fleht die Angeklagte, von einem Weinkrampf geschüttelt, die Richter an. Ihr Verteidiger Bernhard Servatius nennt seine Mandantin "eine einsame, gequälte, hilflose Figur auf der Bühne eines düsteren Dramas". Sie habe kein Motiv zu rauben und zu morden, betont der Anwalt. Der Hauptbelastungszeuge, der behauptete, sie sei die eigentliche Täterin, er habe ihr mit der Tat lediglich einen "Liebesdienst erwiesen", sei nicht glaubwürdig. Doch das Urteil lautet am 12. März 1964 auf lebenslange Haft wegen Mordes und besonders schweren Raubes. Eva Maria Mariotti bricht nach dem Urteil schluchzend zusammen.

Doch die Gerichtsentscheidung wird vom Bundesgerichtshof aufgehoben, ein dritter Mariotti-Prozeß beginnt am 31. März 1965. Erstmals schweigt die Angeklagte konsequent - ein Verhalten, von dem der Staatsanwalt in seinem Plädoyer meint, es könne nur bedeuten, daß sie etwas zu verbergen habe. Daraufhin kommt es zu einem sensationellen Einschreiten des Generalstaatsanwalts. Dieser betont, mitten im Plädoyer des Anklägers, das Schweigen der Angeklagten sei verständlich. Es erscheine "einleuchtend, wenn sie die Tat nicht begangen hat".

Ihr Verteidiger Servatius greift erneut die Aussage des Kronzeugen an, deckt Widersprüche in dessen Aussage auf. Am 14. Juli 1965 ergeht der Freispruch des Schwurgerichts, begleitet von Beifall und Bravorufen im Gerichtssaal. Eva Maria Mariotti kann nicht jubeln: Sie stammelt "Mama, Mama", bricht zusammen.

Fast vier Jahre lang hat sie in Untersuchungshaft verbracht, eine Zeit zwischen Hoffnung und Verzweiflung, eine Zeit enormer psychischer und körperlicher Strapazen, eine Zeit quälenden Wartens. Sie erhält eine Wiedergutmachungssumme von 200 000 Mark, geht nach Gran Canaria und eröffnet einen Kunstgewerbeladen. Als ihr Paß abläuft, vergißt sie, ihn zu verlängern.

1972 fällt sie von einer Leiter, wird von einem Arzt operiert, von dem sie nicht weiß, daß er alkoholkrank ist. Er verpfuscht ihr Hüftgelenk, sie muß an Krücken gehen, leidet ständig unter Schmerzen. Sie möchte zurück nach Deutschland, um sich erneut operieren zu lassen, doch die Behörden verweigern ihr die Einreise.

Sie stirbt einsam und verarmt.

Quellen: - Hamburger Abendblatt, 20. Februar 2006

 

 

 

 

 

 

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